31.10.2018 – Feiertag


Un giornata particolare. Dieter Fröhlich. Gesehen in der Herbstausstellung des Kunstverein Hannover. Inspiriert vom gleichnamigen Film von Ettore Scola.
Heute ist erstmalig offizieller Feiertag in Niedersachsen, Reformationsfeiertag. Abgesehen von der berechtigten Irritation der hiesigen jüdischen Gemeinde über die damit verbundene Nobilitierung des notorischen Antisemiten Martin Luther blicke ich an solchen Feiertagen mitunter mit einer gewissen Wehmut auf frühere Facetten meines Erwerbslebens zurück.
Der Arbeitsmarkt besteht grob aus vier Bereichen: dem geringer werdenden Normalarbeitsverhältnis, dem wachsenden prekären Sektor, der Arbeitslosigkeit und der Selbstständigkeit. Ich kenne alle Bereiche aus eigener Erfahrung, mit jeweiligen Vor- und Nachteilen. An Tagen wie diesen denke ich an meine Zeit in „Normalarbeitsverhältnissen“, was für eine Labsal fürs Gemüt waren Feiertage! Selbst wenn er noch Tage bevorstand versetzte er die normale Normalarbeitnehmerin normalerweise in deutliche Begeisterung und mitunter hektische Planungsbetriebsamkeit. Könnte sich da nicht ein geschmeidiger Kurzurlaub rausschneiden lassen? In Verbindung mit einem sogenannten Wochenende, bei dem man am Erwerbsfreitagmorgen schon zu euphorischer Laune auflief, um am Sonntagnachmittag in umso tiefere Depressionen zu versinken angesichts des bevorstehenden Montags, was sich aber mit einem geschmeidigen Feiertag am Dienstag mittels Kurzurlaubsmontag vermeiden ließ! Oder die allfälligen Weihnachtsfeiern mit der Abteilung, natürlich übel geschmäht, aber doch mit einer gewissen Restrührung und dazugehörigem Alkohol gerne absolviert. Oder das Feierabendbier mit Kollegen, mit Menschen, mit denen man unter normalen Umständen nur Duellpistolen austauschen würde, aber unter dem Diktat und der Fron des kapitalistischen Erwerbsverhältnisses durchaus mal eine „ Gerstensaftkaltschale verklappte“ (Bürohumor!) und nach dem 16. Bier Duzbrüderschaft besoff, was sich leider nie wieder wechtreten ließ. All das und noch viel mehr vermisse ich an solchen Tagen wie diesen, ohne auch nur für einen Tag jemals wieder in ein Normalarbeitsverhältnis zurückkehren zu wollen. Da sei die allmächtige Göttinseibeiuns vor. Aber wenn ich an Tagen wie diesen am frühen Vormittag mit den neuesten Armutszahlen vom Statistischen Bundesamt belästigt werde und sofort in hektische Pressebetriebsamkeit verfalle, dann, ja dann wünschte ich mir, ich wäre nochmal kleiner technischer Angestellter in einer Maschinenbauanstalt.

Was tröstet ist immer die Kunst, Detail aus Un giornata particolare

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