24.12.2018 – Stille Nacht?


Hier war jedenfalls Stille. Tramuntana, auf circa 800 Meter Höhe, wo der Baumbestand sich schon langsam ausdünnt. Mittlerweile halte ich oft beim Wandern inne, sauge die Stille, so vorhanden, regelrecht ein, wie Duft von Kiefern und Rosmarin; ein ähnlicher Genuss wie milde Sonne auf der Haut. Und ein aussterbendes Kulturgut. Man sollte Stille in das Weltkulturerbe aufnehmen. Vor meinem Fenster ist es trübe, laut und regnerisch. An meinen Füßen eine Wärmflasche.

Vor wenigen Tagen noch war das meine Wärmflasche.
Vorbei, wie das Jahr 2018 bald. Das Jahreswerk ist überwiegend getan, Zeit für Rückschau. Und natürlich für Plan. Was wäre das Leben ohne Plan. Nur er unterscheidet den Menschen vom Tier. Tiere können vielleicht lernen, aber nicht planen. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Bei der Rückschau fiel mir ein, dass ich, den sich rapide ändernden Verhältnissen geschuldet, in diesem Blog mitunter vielleicht arrogant, beleidigend, pauschal, negativ rüberkomme. Wo bleibt da das Positive?
Mir gehen ungeordnet, ungesucht Neuigkeiten der letzten Tage durch den Kopf: ein hochrangiger ungarischer Politiker schätzte im DLF den „Genderismus“ schlimmer ein als die Nazi-Eugenik, die körperlichen Angriffe von Fahrgästen der DB auf das Personal haben sich in wenigen Jahren verdoppelt und gestern habe ich 5 Minuten Dieter Nuhr im TV gesehen, ein reaktionärer Dreck ohne Pause, vollkommen humorlos, ohne jede Pointe, ein Mario Barth für Realschüler, und sowas wird als Kabarettist bezeichnet.
Bei dieser Aufzählung habe ich bewusst Kriege, Krisen, Klimakatastrophen weggelassen. Es ging mir nuhr (hahaha, was für eine Pointe!) um den Müll, mit dem ich stündlich auf kultureller Ebene belästigt, verseucht, vergiftet werde. Nein, ich bleibe dabei, die Welt ist schlecht, nur ich bin gut, der Eiserne Vorhang muss wieder her, nuhr (!) viel undurchlässiger als früher und Italien und Österreich gleich mit dahinter. DB Personal soll bewaffnet werden und nach einmaliger Verwarnung das Feuer eröffnen dürfen auf den Mob. Und selbstverständlich bin ich für Zensur. Auftrittsverbot für Dieter Nuhr, lebenslang. Meinetwegen darf er dann in der Humorhölle auftreten, die besteht aus abendlichen Auftritten in der Roten Flora (gibt’s die noch?) vor hunderten von Linksradikalen.
Aber eines will ich beherzigen: Mehr Positives. Wie das hier: In Argentinien wurde ein Radiomoderator zu jeweils zehnminütigem Schweigen in seinen Sendungen verdonnert. Währenddessen dürfen Frauen reden. Der Mann hatte zuvor vielfach Feministinnen beleidigt.
Es gibt sie noch, diese Meldungen, die leichtfüßig, schwebend, beinahe tänzelnd vor Eleganz und Freude daherkommen. Das wäre mein Wunsch an 2019: viele, kleine, tänzelnde Lösungsschritte für große gesellschaftliche Probleme. Für Hinweise, Tipps und Anregungen bin ich dankbar.
Ich wünsche allen Leserinnen charmante Feiertage im Kreis ihrer Lieben.
Also fernab der Familie (So sieht eine Pointe aus, Herr Nuhr.)

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