25.12.2018 – Wie schwul war Jesus und war Maria Magdalena die erste Päpstin?


Sehr schwul, wenn man den Ausschnitt einer Kreuzwegstation betrachtet. Und bedenkt, dass der Mann jahrelang mit einer reinen Männergang durch die Lande gezogen ist. Andererseits hat er wohl mit Maria Magdalena rumgevögelt, also tendenziell eher bi. Ihr hat er als erster die Geschichte erzählt, dass er von den Toten wiederauferstanden sei, eine ziemlich durchgeknallte Geschichte, die aber ihre starke Position innerhalb der Sekte begründet haben dürfte. Im Laufe der Zeit haben sich dann die Macker im Machtkampf durchgesetzt und Maria Magdalena das Etikett einer Prostituierten angehängt, typische männliche Vernichtungsstrategie gegen selbstbewusste und sexuell autonome Frauen. Im Mittelalter wäre sie verbrannt worden, insofern hat sie noch mal Glück gehabt, und musste nur noch post mortem als Wichsvorlage für mittelalterliche Potentaten herhalten, hier in einer eher moppeligen Version mit drallen Möpsen von Tizian.
Den zweiten Teil des Header beantwortet zuverlässig und faktentreu wie immer der Spiegel in einer Geschichte von Claas Relotius (und das war der letzte faule Witz über diese Causa von mir, denn im Moment wälzt sich eine förmliche Schlammlawine von faulen Spiegel-Witzen und Pointen über diese Republik).
Nein, die Christenheit würde heute nicht anders, meint: besser, aussehen, wäre Maria Magdalena die erste Päpstin gewesen. Die Welt sieht ja auch nicht besser aus, weil Margret Thatcher erste Premierministerin von Großbritannien war. Der Gang der Welt richtet sich seit dem Aufkommen des Kapitalismus nicht nach dem Wollen von Vorsitzenden von abergläubischen Vereinigungen, die daran glauben, dass ihr Gründer von der Toten wiederauferstanden ist, sondern nach den Gesetzen eines moralfreien Marktes, ehern, brutal, fortschrittsorientiert.
Ich fühle mich auch manchmal so, als sei ich von den Toten wiederauferstanden, deswegen renne ich aber nicht rum und gründe eine Sekte. Und auch wenn ich aus einer ländlichen Region stamme, bin ich doch nicht in einem Stall geboren. Also nix mit Jesus 2.0.
Womit wir bei den aktuellen Wohnverhältnissen in meinem Zweitkiez sind:
In den vergangenen elf Jahren stiegen die Mieten in Kreuzberg laut Immobilienscout 24 um 117 Prozent (in Neukölln, zur Zeit am schwersten angesagt, um 152 Prozent und in Wedding, das heißeste Shit der nahen Zukunft, um 125 Prozent). In Kreuzberg ist die Miete mit 12,53 Euro/Quadratmeter nach Grunewald, dem Villenviertel schlechthin (12,73 Euro), inzwischen am teuersten in ganz Berlin.
2007 kostete eine Wohnung im Schnitt 1.420 Euro für einen Quadratmeter, 2018 durchschnittlich 4.583 Euro – über 200 Prozent mehr. Die Reallöhne stiegen im gleichen Zeitraum um ca. 7 Prozent (nachdem sie in den Jahren zuvor sogar gesunken waren). für weite Teile der Niedriglöhner*innen dürfte es Reallohnverluste gegeben haben. Dass einkommensschwache Menschen da mit rasender Geschwindigkeit aus ihren Kiezen wegrotiert werden, ist offensichtlich. Die Kappungsgrenze für die Erstattung der Miete bei Hartz IV und Grundsicherung im Alter liegt in Berlin bei circa 360 Euro Kaltmiete. Das reicht für eine 28 qm Wohnung. Die es auf dem Markt nicht gibt.
Was für Sekten solche gesellschaftlichen Bedingungen hervorrufen, liegt auf der Hand. Auch wenn es aus marxistischer Sicht eine falsche, nämliche ideologische Vorstellung von politischer Veränderung wäre, und eine kitschige obendrein: Vielleicht wäre eine schwarze Lesbe als Päpstin doch zumindest ein Signal. Ich hoffe, ich erlebe das noch. Was bedeuten würde, ich werde ungefähr 500 Jahre alt.
Also dann heute kein Rehrücken, begleitet von einem Morey-Saint-Denis 1er Cru und finalisiert von einem Aszu Tokajer, sondern Blumenkohlauflauf mit levitiertem Wasser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.