04.01.2019 – VHS-Schreibkurs für retirierte Diplompädagoginnen


Algarve im Dezember.
Auch wenn mir gestern bei Ostwind und null Grad auf dem Radl gefühlt fast das Gesicht erstarrend wegflog, ist es nicht so sehr die Kälte, die mich an hiesigen Wintern stört. Es ist vielmehr das trübe Dauer-Grau. Es muss nicht permanente Sonne sein, die mitunter, wenn sie im Süden winters sehr tief steht, gebieterisch andere Farben mit ihrem gleißenden Licht überstrahlt, es können auch gerne ein paar Wölkchen sein, die die Sonne mal ein bisschen runterdimmen, um den Braun- und Ockertönen der Felsen und dem leuchtenden Azur des Meeres ein Chance auf der Leinwand des Lebens zu geben. Nur für das grellblendende Weiß des Strandes, da braucht’s Meisterin Sonne, um ihm prachtvolle Geltung zu verschaffen.
Genug rumpoetisiert, wir sind hier nicht im VHS-Schreibkurs für retirierte Diplompädagoginnen, wir sind hier in meinem Blog und da bestimme ich allein, wo es lang geht, und zwar demnächst an die Algarve. Wenn ich die Zeit, in der ich vermodernd in einer 200 x 80 Kiste zu Kompost werde, also endlich mal was Nützliches produziere, in Relation setze zu der Zeit, die ich mit einem Portwein auf einer portugiesischen Praça in der milden Wintersonne verbringe, vaterseelenallein und vollkommen unbelästigt von auf Sächsisch oder Schwäbisch daher plärrenden Ostgoten, dann erschließt sich auch dem Übelwollendsten ein grobes Missverhältnis zuungunsten von Letzterem.
Auch zieht’s mich dort ins Gebirge, Monchique genannt, und bei meiner Recherche zu dem mir bis dato unbekannten Bergdörfchen Alferce stiess ich auf meinen bisherigen Lieblingssatz für 2019, einer automatischen Übersetzung auf Tripadvisor „Wir nahmen eine Fahrt nach Monchique und fuhren den ganzen Weg den Berg hinauf, nur um zu entdecken, was dort war, es war ein Kreisverkehr.“
Dieser makellose Spannungsaufbau, um dann jählings in das auflösende „es war ein Kreisverkehr“ abzustürzen, das ist ganz großes Sprachtheater, hinter dem all meine erbärmlich dahingestümperten Poetologien verblassen wie Eos, die Göttin der Morgenröte, an einem deutschen Wintertag. Eos ist nicht zu verwechseln mit Eros, dem Gott der Begierde, mitunter auch der Morgenlatte, was aber ein schlüpfriges Terrain ist, in das wir in diesem Blog eher nicht eindringen.
Wir (Wer ist hier eigentlich Wir?) bleiben also auf dem Terrain der Zitate und wollen anhand eines einzigen falsch verwendeten Wortes das ganze Elend der bürgerlichen Journaille decouvrieren, die, mitunter durchaus wohlmeinend, keinen Schimmer von nationalökonomischen Grundbegriffen hat. Spiegel online schreibt über den Neo-Mussolini Brasiliens: „Brasiliens neuer Präsident Bolsonaro äußert sich frauenverachtend, rassistisch, homophob und er will den Umweltschutz beschneiden. Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt trotzdem mit Begeisterung.
Potzdonner, welch fatale Fehlformulierung. Richtigerweise muss natürlich das konzessive „trotzdem“ weg und es muss heißen „Die Finanzmärkte quittieren seine ersten Tage im Amt deshalb mit Begeisterung“.
Wir (Wir?) wollen das an einem einzigen Beispiel verdeutlichen: Der Neo-Mussolini ist frauenverachtend, das heißt, er wird alles dafür tun, dass es bei der Gender-Pay-Gap bleibt, nach der Frauen fast auf der ganzen Welt, so auch in Brasilien, erheblich weniger verdienen für gleiche Arbeit als die Bolsonaros dieser Erde. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist ein Kostenfaktor, den sparen sich die Arbeitgeber in Brasilien, das lässt die Kurse steigen. So wird der Drops gelutscht.
Und weil in Brasilien Portugiesisch gesprochen wird, hängt auch in diesem Blogeintrag wieder alles mit allem, siehe oben, zusammen.

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