22.01.2019 – Rechts von mir ist nur die Wand


Alle meine Entchen frieren auf dem See.
In Niedersachsen galt früher für die CDU: Rechts von mir ist nur die Wand. Geprägt von ländlichen Einflüssen wie dem Gülle-Gürtel im Emsland, wo sie regelmäßig Wahlergebnisse von über 60 Prozent holte, Familien mit 8 Kindern keine Seltenheit waren und die Richtlinien der Tagespolitik von der Kirchenkanzel verkündet wurden, konnte man die CDU mit Wohlwollen verwurzelt, bodenständig und konservativ nennen, mit Ehrlichkeit: beinhart reaktionär. Ich weiß, wovon ich rede, ich komme aus dem Eichsfeld. Da war es genauso, nur schlimmer. Jetzt haben wir (?) die AfD, die macht zwar keine großen Sprünge in der Gegend, weil man sich schon echt anstrengen muss, um reaktionärer als die dortige CDU zu sein, aber es reicht, um die Wand einen halben Meter nach rechts zu rücken.
Überflüssig zu erwähnen, dass osteuropäische Arbeitsmigranten in den Fleischfabriken dort bis aufs Blut ausgebeutet werden, die Verhältnisse so unmenschlich sind, dass sogar Tuberkulose wieder auftritt, dass die Mafia im Vergleich zu der feinen Gesellschaft dort eine caritative Vereinigung ist. So sehen also Teilbereiche der hiesigen politischen Landschaft aus, die nicht nur güllemässig zum Himmel stinkt. Kein Wunder, dass dort das Mantra vorherrscht: Der Markt ist unser Gott und wird alles richten und Probleme haben wir mit der linksgrünversifften Gendersprache und dem * , dass der Teufel auf die Welt gebracht hat, aber keinesfalls mit Armut, Wohnungslosigkeit und Menschen, die im Winter auf der Straße erfrieren. Demzufolge blockiert die CDU hier massiv die Gründung einer gemeinnützigen Landeswohnungsbaugesellschaft, die den privaten Börsengaunern wie Vonovia und Deutsche Wohnen etwas Profitwasser abgraben könnte und ein Ansatz wäre, Menschen mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Die Bayern (CSU!) haben’s vorgemacht, die NRW SPD fordert sowas und in Berlin wird sogar per Bürger*innenbegehren die Verstaatlichung von Wohnungsbaugesellschaften gefordert.
Die SPD hier, auch relativ nahe an der Wand, was aber für SPD-Verhältnisse schon lange nichts mehr heißt, kneift den Schwanz ein, um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden.
Und mit sowas muss ich mich rumplagen. Tröstlicher Gedanke: Wollte ich auf meine alten Tage noch Staatssekretär oder ähnliches werden, würde mir ein solcher Blog eher nicht hilfreich sein – was der Euphemismus des Tages ist. Da ich aber nun auch rein gar nichts mehr werden will in diesem Leben, brauche ich aus meinem Herzen keine Güllegrube zu machen.
Aber kalt ist es schon hierzulande, eisig. Mein armes Entchen.

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