06.02.2019 – Was für eine Vergeudung von Lebenszeit


Nelken halten bei dem Wetter draußen ewig. Die Nelke ist die Blume der Arbeiterbewegung, Symbol der portugiesischen Nelkenrevolution, und vollkommen out. Die Ayurvedageneigte Dame von Vegan-Welt stellt sich gerne eine Calla in die Ökoecke. Wobei ich keine Ahnung habe, ob sich das verträgt: Vegan und Schnittblume? Ist Schnittblume nicht Mord an Schwester Blume? Oder sind das eher Fruitarierinnen, die so denken, wenn sie denn denken? Und steckt in Fruit-Arier mehr von der rassistischen Bedeutung des Begriffs „Arier“ drin, als die zufällige Verkofferung des Wortes sagen will? Fruitarier ist nämlich ein Kofferwort. Das sind so Gedanken, die mir gerade beim Schreiben durch den Kopf gehen, die mich aber einen Furz interessieren. Was für eine Vergeudung von Lebenszeit, mit Gedanken belästigt zu werden, die einen nicht interessieren.
Ich hab einfach nur das Foto auf meiner Veranda verwursten (Fuck you, fruitariens oft he world!) und, daran anknüpfend, ein bisschen über den Zustand der Welt räsonieren wollen.
Die Nelke hatte früher jeder aufrechte Sozi am 1. Mai im Knopfloch. Heute hat er eine Träne der Rührung und des Jammers im Knopfloch, wenn er an seine Partei denkt. Wenn er denn denkt. Heute gibt’s keine Nelken mehr und bald auch keine Sozis.
Gedacht hat deren Arbeitsminister Hubertus Heil, 11 Jahre Studium Soziologie mit Abschluss an der Fernuni Hagen und niemals auch nur in die Nähe eines Normalberufes gekommen, sich was mit seiner Respektrente, und zwar in Richtung Sozialismus. Peter Altmaier, auch Minister für Irgendwas, wollte dem nicht nachstehen, und dachte sich ebenfalls was, mit seiner Industriestrategie 2030, das geht aber eher in Richtung Nationalismus.
Nationalismus und Sozialismus, das hatten wir schon mal und ist eine eher unsiegheilvolle Mischung. Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir am Ende des Ganges (den Gag könnte ich jetzt noch auswalzen, aber ich bin kein Walzer) dann eine Deutsche Arbeitsfront unseligen Gedenkens bekommen. Nichts liegt mir ferner als eine platte Faschisierung aktueller Verhältnisse, aber diese Mischung aus Nationalismus und Sozialismus, mit der die bevorstehenden Wahlkämpfe eingeläutet werden, kann von der AfD locker getoppt werden. Und das wird dann richtig gruselig.
Ich halte dem entgegen: Hoch die Internationale Solidarität!
Was mich aber wirklich umtreibt, ist die Frage, wo kriege ich meine Nelken her. Der letzte Blumenladen hier im Kiez, betrieben von einem griechischen Ehepaar, der überhaupt noch ab und zu Nelken hatte, weicht einem Bistro oder Coffeegedönsladen, für die Ayurvedageneigten Damen von Vegan-Welt, wo dann bestimmt Calla in der Ecke stehen.
Das Leben ist so trostlos wie bei mir vorm Fenster. Tröstlich einzig die Tatsache, dass ich doch ne Muschi hab, anders als im letzten Blogeintrag behauptet.

Die bewacht meinen Rumtopf.
Zur Deutschen Arbeitsfront DAF gehörte übrigens auch eine Organisation namens „Amt Schönheit der Arbeit“. Das ist einerseits natürlich infam, lappt aber doch überzeitlich-erheiternd derart ins Transzendente, dass es mich gestärkt die Arbeit aufnehmen lässt.

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