14.02.2019 – 1,5 Lebensjahre im Stau oder wie ich beinahe als Lungenfacharzt geendet hätte!


Berlin, Kreuzberg. Hauptverkehrsstraße. Alles wird gut.
154 Stunden, mehr als sechs Tage zu je 24 Stunden – so viel Zeit verlor ein Autofahrer in Berlin im Jahr 2018 in Staus zu den Stoßzeiten in der Hauptstadt. Mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Rechnet man nur die wachaktive Zeit pro Tag, also circa 10 – 14 Stunden, legt die Staureichsten Straßen zu Grunde und inkludiert Urlaubstage, andere Straßen und andere Städte bei Dienstreisen, dann komme ich auf ungefähr 1,5 Jahre, die eine Deutsche in einem 40jährigen Berufsleben im Stau zubringt.
Nun ist über den Schwachsinn, mit Individual-Autos in Großstädten unterwegs zu sein, genug geschrieben worden, da muss ich meinen Senf nicht auch noch dazugeben. Mich hat nur das Ausmaß über die Jahre erstaunt und die Tatsache, dass die Stauzeiten abgenommen haben sollen, trotz Zunahme des Individualverkehrs und immer durchgeknallterer Karren wie diese SUVs.
Die angebliche Abnahme der Stauzeiten wird bei Frieda Normalverbraucherin wieder die Zuversicht in die technologische Intelligenz als Lösung aller unserer Probleme nähren, es lebe das elektronische Verkehrsleitsystem oder wie sowas heißt. Auf die humane Intelligenz bei Autofahrerinnen, Fußballanhängern, Helene Fischer-Fans und Thermomix-Usern zu hoffen, heißt …. (mir fällt spontan kein Vergleich ein, also lass ich es es). Ergo torkelt der Planet weiter dem Kollaps entgegen. Aber bitte erst nach meinem nächsten Urlaub. Den Flieger hab ich schon gebucht. Technologisch sind wir eben auf dem Mond, ethisch weit dahinter.
Ich war bei Liste der staureichsten Straßen in der BRD nur ein bisschen stolz, dass vier der ersten sechs bei mir in Berlin entweder direkt durch meine Hood gehen, wie der Spitzenreiter im Verlauf des Mehringdamms, oder zu den meistgenutzten Verbindungswegen von mir gehören, per Rad. Wie oft hab ich schon an der Skalitzer Str. (für Ortsfremde: Kottbusser Tor, genannt Kotti, Ort des Grusels, Hort des Verbrechens, jeden Tag Schießereien mit dutzenden Toten) an Ampeln gestanden und geröchelt.
Ist alles nicht so schlimm, behaupteten neulich Lungenfachärzte, medienwirksam auf allen Titelseiten. Heute steht irgendwo im Kleingedruckten, dass diese bezahlten Lakaien der Autoindustrie sich um den Faktor 10 „verrechnet“ haben. Weiter hatten sie gelogen: wer an einer viel befahrenen Straße lebe, atme in 80 Jahren so viele Stickoxide ein wie ein Raucher in wenigen Monaten. Tatsächlich sind es sechs bis 32 Jahre.
Sie halten dennoch an ihren Aussagen fest: Die „Größenordnung“ sei richtig.
Da freut man sich schon auf die Entfernung des falschen Lungenflügels, denn laut Lungenfacharzt war zumindest die grobe Gegend des Amputats richtig.
Mir kommt da einiges hoch. Unter anderem Erinnerungen an meine Jugend im Mathematik Unterricht. Meine Lösung für 2 x 2 war 7. Nach der allfälligen Maulschelle durch den Pauker protestierte ich: „Aber die Größenordnung stimmt doch!“ Daraufhin der Pauker:
„Wenn Du so weitermachst, endest Du noch als Lungenfacharzt.“
Ach ja, des Bildrätsels Lösung oben: Das war vor meiner Haustür während des Karnevals der Kulturen 2018. Die Yorkstr., normalerweise Heimat von ca. 50.000 Autos pro Tag, war da für ein paar Stunden für den Verkehr gesperrt und es herrschte Samba, Reggae und Karneval gleichzeitig.
Sonniges Wochenende, liebe Leserinnen.

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