17.02.2019 – Wollen wir einen George Clooney trinken?


Nespresso Laden in der City.
Ich bin ebenso selten wie ungern in der „City“ – in dem Fall der von Hannover, könnte aber auch vermutlich jede andere Grossstadt außer Berlin sein, das den Vorteil besitzt, keine City zu haben, sondern diverse Epizentren. Unlängst wurde in der hiesigen Presse Klage darüber geführt, dass Läden wie Benetton oder Esprit in der City dicht machen, wegen Internet Handel, zu hohen Mieten etc. pp. Benetton und Esprit sind globale, austauschbare Ketten, mit austauschbarem Tinneff im Angebot, gesichtslos, stillos, dumpf. Wenn darüber schon Klage geführt wird, dass solche Ketten die City verlassen, was für ein gesichtsloser, stilloser, dumpfer Ort muss diese dann sein. Den Artikel des hannöverschen Käseblatt zur City-Krise können Sie hier nachlesen.
In ihm stehen Sätze wie: „Der Online-Konkurrenz haben Sie (die Ketten, d. A.) offenbar nicht im jeden fall etwas entgegenzusetzen.“ Rechtschreibung im Original. Diese Zeitung hat eine Auflage von mehreren 100.000 und in ihr wird die korrekte Rechtschreibung offensichtlich mit dem Würfel ermittelt. In meinem Blog geht es auch manches Mal nicht nach den Regeln des Dudens, mitunter gewollt, aber auch schlampig. Der Unterschied zwischen diesem Blog und dem erwähnten Käseblatt ist: Der Blog ist mein flüchtiges, individuelles Vergnügen, kostenfrei für jedefrau. Angesichts des Zustandes der regionalen Medien erweitere ich also meine Aussage: Nicht nur die City, auch die Welt ist ein Ort von Trübnis, Jammer und Elend. Nur ich bin gut.
Und ein inkommensurabler Pharisäer, und so kommen wir nach langem Vorspiel zum Akt als solchem, dem obigen Bild. Es stieß mir ins Auge, als ich am Freitag ins Theater eilte. „Potzdonner, Nespresso!“ dachte ich für mich. “Für diese Drecksaluminiumkapselsauerei ein eigener Laden! Den hat Satan in die Welt gesetzt. Was sind das für gesichtslose, stillose, dumpfe Menschen, die auf diese ökologisch desaströse Art ihren Espresso zubereiten.“
Und erbleichte. Denn in meinem Innern hörte ich eine Stimme aus 280 Kilometern und ein paar Zeiteinheiten Entfernung durch die Wohnung meiner Berliner Homebase tönen: „Wollen wir einen George Clooney trinken?“ Was wegen der Werbung nichts anderes als einen Nespresso meint. Sie, geschätzte Leserinnen, ahnen, wessen Stimme das war. Meine.
In unserer Wohnung in Berlin steht eine Drecksaluminiumkapselsauereimaschine namens Nespresso, und ich bin nichts weiter als ein elender Pharisäer.
Das Theaterstück war auch Scheiße. Man gab „Iggy Popp – Lust für Life“. Die Geschichte von Iggy Popp und David Bowie, die in den Siebzigern in einer WG in Berlin abhingen – 5 Minuten von meiner entfernt – und dort unter anderem das Album „Lust for Life“ produzierten, Sex and Drugs and Rock ‘n Roll eben, wie Max und Moritz sich das so vorstellen. Mich interessierte an dem Stück, wie „Stadt“ auf der Bühne inszeniert wird und Rock ‘n Roll. Beides nicht halb und nicht ganz in dem Stück, Videoprojektionen, Drehbühne, Nebel, all das ersetzt eben noch keine dramaturgische Kreativität, sondern schlägt sie im Zweifel tot. Und Iggy Popp und David Bowie waren auch nie mein Fall, beides Poser, keine Rock ‘n Roller.
Der Freitag war irgendwie ein gebrauchter Tag. Lustig war nur folgendes Fundstück aus der City, eine Tafel an einem dieser gesichtslosen hohen Häuser, in denen sich Betrüger, Gauner und Lumpen versammeln, in diesem Fall Deloitte (Legal!), Bantleon und Bethmann, feine Gesellschaften, die mit Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Vermögensverwaltung und Consulting im High-End Bereich tätig sind, die also Staaten nach bestem Wissen und ohne Gewissen zum Vorteil von Milliardären und Superreichen ausplündern.

Über ihnen aber thront das End- und Dickdarmzentrum.

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