08.03.2019 – Ich demonstriere für mein Altersheim


Demo gegen Schließung und Abriss des Godehardistiftes, Altersheim bei mir umme Ecke. Ich habe das Heim im Betrieb kennengelernt, fand das Personal sehr angenehm und zugewandt und wenn es in solchen Strukturen überhaupt ein Sterben in Würde geben kann, dann da. Mein Entschluss stand fest: In ca. 60 – 70 Jahren, wenn ich nicht mehr ganz so flink unterwegs bin, dann dahin. Da sich das Gerücht breit machte, dass das Gebäude keineswegs marode sein soll, sondern der in diesem Kiez obwaltenden Gentrifizierung auf Kosten schnuckeliger Eigentumswohnungen geopfert werden könnte, ergab sich ein idealer Schnittpunkt zweier Motivationslinien: 1. Persönliche Betroffenheit und 2. Politischer Impuls.
Zumal sich das ergab, was Elixier meiner Existenz ist: Gelegenheit zu einer scherzbasierten Inszenierung. Denn am Tag der Demo verließ ich vorzeitig eine Sitzung mit den Worten:
„Sorry, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich muss los, für den Erhalt meines Altersheimes demonstrieren.“
Was 1. für Lachen und 2. spätere, irritierte Nachfrage sorgt.
Ich liebe die Straße und ihren Duft. Die Kunst findet nicht im Saale statt und Politik muss auf die Straße. Natürlich gibt es wundervolle Kunst aus Ateliers und verdienstvolle Veränderungen aus den Hinterzimmern der Parlamente, aber wenn es entscheidend wird, zählen keine Internetpetitionen und Laber Laber in sozialen Medien, sondern dann geht es um das, was eine zentrale Errungenschaft der Aufklärung ist: Jene Form von bürgerlicher Öffentlichkeit, die sich als Druck auf der Straße entfaltet.
Sorgte die Straße bei mir im Falle Altersheim noch für eine heitere Grundstimmung, änderte sich das am Folgetag drastisch, bei einer Mahnwache für den auf der Straße gestorbenen Obdachlosen Jürgen „Bauer“ Niemann, der nach einer skandalösen rechtswidrigen Zwangsräumung auf der Straße gelandet war, einen Schlaganfall erlitt und am 12. Februar vermutlich erfroren ist, Details hier.

Gedenken an „Bauer“ (Quelle: ADD)

Trauermarsch nach Mahnwache.
Manchmal fehlen mir dann doch die richtigen Worte ….

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