17.03.2019 – Scheiß aufs Klima, Hauptsache schönes Wetter


Wenn die Blutpflaume im Garten anfängt zu blühen, ist das Gröbste überstanden in Sachen feuchter Düsternis, matschbrauner Schneepampe und frostigem Eishauch. Dann kriegt der mürrische Wintergesell einen ersten blühenden Tritt in den Arsch. Sieht man davon ab, dass das alles sowieso nicht mehr gilt wegen Klimachaos, im Februar hatten wir ja schon Frühling. Aber scheiß aufs Klima, Hauptsache schönes Wetter. Um das Klima kümmern sich ja die sympathischen jungen Leute, die sich mit sympathischen netten Demonstrationen immer wieder freitags für ein sympathisches Ziel einsetzen, den Erhalt unseres blauen Planeten. Bei dieser Formulierung fällt mir immer eine Textzeile aus einem Film mit Heinz Erhardt und Trude Herr ein: Blauer als die Adria war Willy als er Lilly sah.
Die sympathischen jungen Leute werden sich noch eine Zeit für dieses Ziel engagieren. Und z. B. sicher gegen das böse Töff Töff wettern, weil Autos so viel Dreck machen. Aber sobald sie in den Dunstkreis der 30er kommen, prügelt ihnen das Leben mit eiserner Faust derartige kontrakonsumistische Flausen aus dem Kopf. Dann wird geheiratet, umweltverpestende Brut in die Welt gesetzt und für deren Aufzucht braucht’s dann eben doch ein SUV, mit dem die Umwelt vor den Schulen und Kitas terrorisiert wird etc. pp. Ich lese seit Jahren, dass das Auto als Statussymbol bei den Jugendlichen an Wert verliert, keine Rolle mehr spielt, die Jugend sei auf Postkonsumwerte orientiert. Liest man im Feuilleton.
Aber ach, das Leben spielt nicht im Feuilleton, sondern im Wirtschaftsteil, und nicht in der Kinder-FAZ, der taz, sondern in der Ausgabe für Erwachsene. Und da steht in Blechgehärteten Lettern für 2018: „Mit einer (mal wieder) gewaltigen Steigerungsrate übernehmen die SUV und Geländewagen die Marktführerschaft in Deutschland.„
Der nächste heiße Scheiß in der Wintersaison 2021 werden übrigens zulassungstaugliche PKW-Panzer sein.
Ich bin weder Pessimist noch Zyniker, sondern Realist. Ein Blick auf die neuen sozialen Bewegungen der Vergangenheit und dem derzeitigen gesellschaftlichen Zustand beweist, dass ich Recht habe. Die 68er? Ich sage nur: Joseph Fischer, Horst Mahler und Kunzelmann. Umweltbewegung? Siehe SUV. Frauenbewegung? Siehe Gender Pay Gap, Besetzung Vorstandsposten, Armutsquote Alleinerziehende. Internationalismus-Bewegung? Siehe Europa. Etc. pp. Es gibt sicher auch Gegentendenzen, aber die allgemeine Entwicklung läuft eher linear absteigend.
Und wo bleibt das Positive? Nächste Woche ist Frühling und in der Berliner Gemäldegalerie die Ausstellung „MANTEGNA und BELLINI – Meister der Renaissance“.
Wer verstehen will, warum die Bilder, die wir uns von der Welt machen und die uns machen, so sind, wie sie sind, kann daran kaum vorbei. Bei den Beiden ist die Einführung der Zentralperspektive, des Hintergrundes und der Dreidimensionalität in die Malerei auf einem ersten grandiosen Höhepunkt. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht so ein Blockbuster ist, wo man sich mit Milliarden Touris vor den Bildern drängeln muss.
Charmanten Start in die Woche, liebe Leserinnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.