Beim Klimagipfel in Paris machen alle auf dicke Ökohose. Bill Gates zahlt ein paar Taler für saubere Energie in Entwicklungsländern. Er will sein Geschäftsmodell nicht gestört sehen. Wenn alle Küstenbewohnerinnen dieser Erde, die wegen der Klimakatastrophe von Überschwemmung bedroht sind, in die Länder kommen, wo er richtig Asche macht, ist Schluss mit lustig.

Asche richtig?

Ich hatte auf Krematoriumsleiter getippt.
Noch drolliger ist das Verhalten der Allianz, die aus Kohle aussteigt. Über 80 Prozent der Kohlekraftwerke auf der Welt werden vom Staat betrieben. Der greift bestimmt nicht auf Allianzfinanzierungsmodelle zurück. Fakt ist: Zur Zeit sind über 1.000 Kohlekraftwerke weltweit in Planung. Wenn davon nur ein Drittel gebaut wird, ist bereits dann das ganze Zwei-Grad-Ziel der Temperaturreduzierungsmodelle Makulatur. Die Welt geht also jenen Bach runter, der irgendwo in das Meer mündet, das uns immer mehr auf den Pelz rückt. Mir egal. Ich wohne auf ca. 68 Meter über Normalnull am Fuß des Lindener Berges. Mein Keller bleibt trocken. Außerdem hab ich es seit Tagen im Kreuz, da geht mir die Welt am Arsch lang.

Ich sollte meinen Rucksack wieder vorne tragen, das ist echt gut für den Rücken. Hoffentlich wird die Restwoche besser als ihr Start ….
29.11.2015 – Ende einer Dienstfahrt
Mir fallen gerade Fotos einer länger zurückliegenden Dienstfahrt in die Hände. Eine Art Symposium. Solche Veranstaltungen sind eher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Sie dienen sie auch gerne der Selbstdarstellung, was ich persönlich nur dann witzig finde, wenn ich der Selbstdarsteller bin. Zwischendurch dachte ich verbittert, ich sollte mich mal melden und die Anwesenden darum bitten, dass sie doch Kants kategorischen Imperativ auch bei solchen Veranstaltungen berücksichtigen sollten. Dann hätte garantiert jemand nachgefragt, was das denn heißen soll, und ich hätte gesagt:
„Labere auch auf Veranstaltungen stets nur soviel Müll, wie Du bereit bist, Dir klaglos von allen anderen Anwesenden anzuhören.“
Diesen Gedanken fand ich witzig und musste laut lachen, was mir von der Versammlungsleiterin ein fragendes: „Ja?“ eintrug. Ich hielt natürlich meine Klappe und war froh darüber, dass ich mir mittlerweile in allen Arbeitszusammenhängen mühsam eine Aura erarbeitet habe, die über meinem Haupt eine Leuchtschrift strahlen lässt: „Achtung! Künstler!“ Da lässt mal schon mal viere gerade sein. Die Dienstfahrt endete in einem Etablissement,

an das ich mich nur noch verschwommen erinnern kann.

Veganer im klassischen Sinne bin ich nicht.
„Ende einer Dienstfahrt“ ist übrigens eine ziemlich geniale Geschichte von Böll.Die hier skizzierte Kommunikationsguerillahafte Instrumentalisierung von Kunst ist ein Verfahren, was viel zu selten angewendet wird. „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?“ Yo, mon!
In dieser Traditionslinie – unter anderem der Situationistischen Internationalen – sieht sich auch der SCHUPPEN 68.
Jetzt können Sie sich zu diesem Blogeintrag Ihren Teil denken, liebe Leserinnen. Das ist sowieso immer das Beste.
25.11.2015 – Da mach ich ’ne Kampagne von.

Das Ding muss weg.
Wenn die Medien da erstmal drauf anspringen, ist der Schrott schon so gut wie weg. Der Rest ist Müdigkeit. Kennen Sie das: Morgens nach dem Aufwachen todmüde. Hamlet fällt mir ein …
… schlafen –
Nichts weiter! Und zu wissen, dass ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet,
Die unsers Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel,
Aufs innigste zu wünschen….
Was aber auch keine Lösung ist. Schließlich geht das Gejammer des depressiven Schnarchsack Prinzen ja noch weiter:
Sterben – schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen!
So kann echt nur einer rumlabern, der in seinem Leben nie der schnöden Erwerbsarbeit gefrönt hat. Aufs innigste zu wünschen wäre jetzt vielleicht white light, white heat oder Sonne, Licht, Meer. Ich muntere mich mit der Erinnerung an einen gelungenen Auftritt in Osnabrück gestern auf. Ein Zuschauer sagte hinterher zu mir: „Danke.“ Anrührende Momente. Das zählt so wie das Lachen und der Beifall. Tolle Veranstaltung, über 100 engagierte Leute. Von Osnabrück lernen, heißt siegen lernen. Der Rest sind Farben im November im Süden.

Farben im November im Süden
23.11.2015 – SCHUPPEN 68 sprengt Göttinger Sieben am niedersächsischen Landtag
Am 19.11.2015 wurde in Göttingen offiziell das Denkmal ausgepackt, das an die sieben Professoren erinnert, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung durch König Ernst August protestierten und deswegen entlassen wurden. Der Entwurf für dieses Denkmal war dem des Ensembles, das jetzt am Landtag in Hannover steht, in der Vorauswahl unterlegen. In Würdigung dieses Ereignisses hat die Künstlergruppe SCHUPPEN 68 am 22.11.2015 das Ensemble am Landtag gesprengt. Details in unserer PM hier PM SCHUPPEN 68 sprengt Denkmal Göttinger Sieben am Landtag in Hannover

Die Nummer mit dem Sprengen hab nicht ich erfunden, aber manchmal schreien bestimmte Zumutungen einfach nach einer spontanen Notwehraktion. Beim Anblick dieser Bundmetalldeponie krieg ich jedes Mal eine ästhetische Allergiereaktion. Dieser Anblick ist so grauenhaft, dass ich überlege, die Jury, die das ausgewählt hat, auf Schmerzensgeld zu verklagen. Dieses Ensemble repräsentiert – am Landtag gelegen – letztlich auch mich als Niedersachsen und bei aller Kritik an Staat und Gesellschaft: Das hat die norddeutsche Tiefebene nicht verdient!

Außerdem hatte ich Sonntagmittag keine Lust mehr zum ackern, irgendwann reicht es auch mal und ich muss raus, schlimmstenfalls Kunstmachen.

Und mein Smoking muss ja auch mal wieder gelüftet werden. Diese Woche noch muito trabajo, danach ist erstmal Ruhe im Karton.
Hoffentlich!
21.11.2015 – I had a dream
Wer sagte übrigens das Original „I have a dream“ wann zu wem bei welcher Gelegenheit? Das Frageprinzip fällt mir deshalb gerade ein, weil mich gestern wieder ein Castingfirma anrief und mich für ein Quiz testen wollte. Ich bin seit einigen mehr und auch weniger erfolgreichen TV-Auftritten bei allen Castingfirmen dieser Republik in den Datenbanken. Für alle Formate, von „Bauer sucht Frau“ bis „Das perfekte Dinner“. Wenn sich die Menschheit von meinen Fähigkeiten als Bauer oder Koch ernähren müsste, wäre sie ausgestorben. Na ja, laber laber, also I had dream und zwar last night. Ich träumte, ich wäre wichtig und Vorsitzender von irgendwas.

Zum Beispiel Landtagspräsident. Also, ich gut gelaunt, jede liebt mich, ich kann sanktionsfrei alle stundenlang volllabern, da ereilt mich ein Anruf, ich soll sofort irgendwo hinkommen, egal wohin, ich werd überall gebraucht, ich bin ja wichtig. Mein Dienstwagen ist aber kaputt. Ach Du Scheiße. Egal, ich bin ja ein Meister der Improvisation,

also sattle ich das Landtagszebra, das ist unser Wappentier, und galoppiere ventre à terre durch die nahegelegene Shopping Mall. Mitten im Traum fällt mir ein, dass ich dieses Bild mit dem Zebra in diesem Blog hier schon mal verwendet habe. Schweißgebadet wache ich auf. Und denke zu mir selbst: „Meine Güte, Alter, Du leidest aber mal wieder an Schreibdiarrhö“. Eine Diarrhö beginnt bei mehr als 3 Entleerungen eines zu flüssigen Stuhls pro Tag. Das Stuhlgewicht muss hierbei über 250 Gramm liegen.
Also wenn Sie, liebe Leserinnen, jetzt immer noch lesen, müssen Sie diesen Blog wirklich sehr mögen. Spricht für Sie. Schönes Wochenende.
19.11.2015 – Einen Königsweg kann man nicht auf die Schnelle aus dem Hut zaubern.
So las ich heute in einem Leserbrief des hiesigen Zentralorgans für gepflegte Langeweile und Bürgerblabla. Das hat mich erheitert. Wie lang darf ein Königsweg maximal sein, wenn er aus einem Hut gezaubert werden soll? Oder kommt es beim Königsweg, analog dem Königstiger, nicht auf die Länge an? Sind so viele Fragen. Müsste ich nicht soviel ackern im Moment, käme ich aus dem Grübeln gar nicht raus. Aber so arbeite ich zur Zeit lieber als das ich denke. Ein Haufen liegt hinter mir, andere drohen. Haufen Arbeit. Wie dieser hier.
Toller Erfolg. Ich kann nicht verhehlen, dass mich so was stolz macht. Andererseits: Wenn nächstes Jahr die aktuellen Armutszahlen veröffentlicht werden, wird es definitiv eine signifikante Zunahme geben. Insofern ist doch das, was die an diesem Fachtag Beteiligten machen, eine Syphilisarbeit. Das, liebe Leserinnen, ist ein sogenannter Malapropismus. Hätten Sie’s gewusst?
Was Zivilisatorisches: Die Grundlage aller Zivilisation ist die Ausschilderung. Ohne Ausschilderung wüsste die Menschheit nie, wo es lang geht. Sie hätte auch nie gewusst, wo der ehemalige SCHUPPEN 68 gestanden hat, weshalb wir auf allen unseren Paraphernalia immer wieder darauf hingeweisen haben.

SCHUPPEN 68 – Paraphernalia Mouse-Pad. Verwechseln Sie bitte nicht Paraphernalia mit Paralipomena! (Blödes Gelaber, zahlt mir doch eh keiner was für.) Aber was die Ausschilderung angeht, blüht mir immer der Königstiger im Hut auf, wenn ich am Scheideweg einer Wanderung stehe und es richtig gut ausgeschildert ist – zumal wenn es ein regelrechtes Holzschnitt-Kunstwerk ist wie hier im Bild.

Tramuntana.
12.11.2015 – Beim Humor hört der Spaß auf!
Die PARTEI hat immer so lustige Ideen. Die PARTEI verkauft gerade 100-Euro-Scheine für 80 Euro. Das hatte sie 2014 schon mal gemacht. Wo lässt die PARTEI eigentlich ihre Ideen fertigen? Nicht in China, der verlängerten Werkbank für alles, sondern natürlich im SCHUPPEN 68.

Wir haben 2013 Fünf-Euro-Scheine für vier Euro verkauft. Liebe Genossen, das lernt man doch sogar in der IGS schon: Quellen sind zu zitieren. Beim nächsten Mal hetzen wir Euch die Spaßpolizei auf den Hals. Ich sach ja immer, die Jugend von heute taugt nix. …
Hier noch was aus unserem Kunst-Archiv „Tabubrüche“:

Scheiß auf Kunst. Toilettenpapierrolle, limited edition, 68 Stück, signiert – aber nicht mit der Hand ….
11..11.2015 – Der kürzeste Karnevalsumzug der Welt!
10.11.2015 – Zote bringt Quote.
Dieser Blog hat jeden Monat ein paar tausend Besucherinnen und die gilt es bei der Stange zu halten. Würde ich formulieren, wenn ich was an der Waffel hätte. Hab ich aber nicht, deshalb hantieren wir hier dem Begriff „Quote“. Neben Zoten bringt was mit Kindern auch immer Quote, was ich mir aus naheliegenden Gründen verkneife. Tiere gehen auch immer.

Sind die nicht sühüüüß?! Nachbars Katzen, Kartäuser, auf meiner Veranda beim Katzen-TV gucken. Ich schaff mir eher keine Katzen mehr an. Im Garten ist einfach kein Platz mehr für Gräber.
08.11.2015 – Ich, meine Oma und der Massenmörder Haarmann.
Wurst war in letzter Zeit in aller Munde. Der Verzehr von Wurst ist gefährlich und führt zum Tode. Der Nichtverzehr auch, aber das steht auf einem anderen, vegetarischen Blatt. Mir ist das ebenso Wurst wie die diversen Kalauer, die sich aus dieser Sprachkonstellation ergeben. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass aus meiner Heimatstadt der Massenmörder Haarmann stammt. Der hat nach dem Ersten Weltkrieg mit Wurstkonserven gehandelt und es geht die Mär, dass er seine bedauernswerten Opfer da hinein verwurstet hat . Darüber gibt es ein populäres Lied „Warte nur ein Weilchen, dann kommt Haarmann mit dem Hackebeilchen“, kann man hier nachlesen. Eine kritische Würdigung des Haarmann-Komplexes (an dem leidet Hannover heute noch) jenseits dieser „Bestie in Menschengestalt“ Vergruselung hat Theodor Lessing geleistet.
Meine Oma hat bei einem der Fleischer gekauft, die Haarmann belieferte. Meine Sippe wohnte damals in der hannöverschen Calenberger Neustadt. Jetzt weiß ich endlich, woher meine Wurst-Faszination stammt.

Fotos von Wurstdosen sonder Zahl liegen auf meinen Festplatten, hier vom Fleischer meines Vertrauens.

Eine meiner Performances hieß „Wurstbanane“, zu Ehren von Marcel Duchamps.

Urlaubsfoto aus Tropea (Bockwurst, offensichtlich schwul)

Das einzige einteilige Gesichtswurstpuzzle der Welt, hier als Mobile für den Verkauf.
Was lernt uns das, liebe Genossinnen?
1. Die Sünden unserer Vorfahren holen uns ein bis ins dritte Glied.
2. Kein Wunder, dass mir bis heute der Durchbruch auf dem internationalen Kunstmarkt verwehrt blieb. Einen so gnadenlosen Tabubrecher wie mich lässt man einfach nicht nach oben kommen.
Und das ist auch gut so.
