02.09.2020 – Über Motive zur Kunstproduktion, die Optimierung des eigenen Prozesses und die Berlin-Demo im Inkubator.


Lindenspiegel 09/20, SCHUPPEN 68 „Die komplette Produkt-Palette für Corona-Demonstrationen“.
Normalerweise berichten Medien über größere Interventionen von mir meist mehr oder weniger ausführlich, selbst die sonst eher verschnarchte HAZ wie hier über „Nichts“, die taz über die Hölderlin Aktion und neben vielen anderen auch das „Neue Deutschland“ über die kürzeste Mai-Demo der Welt.
Über die Intervention zu den aktuellen Corona Demonstrationen berichtete der wackere Lindenspiegel, der dafür ebenso bedankt sei wie diejenigen, die darauf positiv reagiert haben. Dafür unter anderem machen Künstler Kunst, zur Freude der Anderen und dem daraus resultierenden Ruhm, oder nennen wir es besser: die daraus resultierende regionale Teilbekanntheit. Es gibt noch andere Motive wie gesellschaftliches Engagement (lobenswert), Geld (erstrebenswert und professionell) oder Selbstverwirklichung (gruseliges Motiv, solche Leute sollen in Selbsthilfegruppen gehen). Akzeptabel ist noch, und diesen Schuh würde ich mir neben dem ersterwähnten Motiv anziehen, die Aneignung der Welt mit ästhetischen Mitteln, was etwas andres ist als ihre Durchdringung mit dem Intellekt. Schrecklich finde ich Aussagen von Kunstproduzierenden über ihr Motiv wie „Weil ich etwas sagen will“. Die wiederum sollen zu Logopädinnen oder Rhetorikerinnen gehen. Allen Motiven liegt Vanitas zu Grunde, hier als überbordende Eitelkeit, und das, was uns immer wieder in unserer Existenz erschüttert, die grenzenlose Sehnsucht nach der Liebe der Anderen.
Insofern werden Sie, liebe Leserinnen, verstehen, dass ich irritiert und enttäuscht war, als die Medien außer dem „Lindenspiegel“ Nichts über die Corona Intervention berichteten, obwohl das zur Berlin Demo am Wochenende gepasst hätte wie Arsch auf Eimer und einfach eine geniale Idee und grandiose Umsetzung ist (Bescheidenheit hat im Besteckkasten von Kunstproduzent*innen Nichts zu suchen).
Es ging also in die Ursachenforschung, das heißt, die Suche nach dem Fehler, der immer bei einem selbst liegt, und der perspektivischen Optimierung des eigenen Prozesses (Aus dem „Wörterbuch des Blabla“). Und hier drängte sich ein übler Verdacht auf: Der Lindenspiegel kennt mich langjährig, ebenso die persönlich Reagierenden, die wissen, dass es sich um beißende Satire handelt. Was aber ist mit den anderen Medienleuten, die so eine PM nur überfliegen können, den Satiregehalt nicht mitkriegen und natürlich einen Teufel tun und vermeintlich zynischen Krisengewinnlern Raum für Berichterstattung freimachen?
Ooops.
Der Fehler wäre dann mangelnde Professionalität in Formulierung und Durchdringung des Gegenstandes und das ist das, was ich mir am wenigstens verzeihe. Das ist ein No Go.
Das und eine veritable Dihydrogenmonoxid-Vergiftung warfen mich für Tage aus dem Rennen in der dann letztlich doch wichtigeren Auseinandersetzung mit dem, was am Wochenende in Berlin passiert ist und von da seinen Ausgang in den Rest der Republik nehmen wird. Berlin ist nun mal der Inkubator der Republik, im meist Guten wie auch im Schlechten.
Wenn die Demo ein Gutes hatte, dann dass immer weniger Politiker*innen und Medien in das gedankenlose Blabla über die bei sowas Teilnehmenden verfallen a la „Wir müssen die Leute ernst nehmen, abholen wo sie stehen, ihnen besser vermitteln, mit ihnen reden, etc. pp….“
Dieses dumme Geschwätz macht mich seit Jahren wütend. Mit solchen Leuten kann man nicht reden, mit niemandem aus diesem Umfeld. Was für eine verrückte Vorstellung, mit Quartalsirren und Nazis diskutieren zu wollen. Die kann man höchstens in die Klappsmühle abholen und ihnen Valium vermitteln. Hier hilft nur beißende Satire. Oder Repression.
Und das mit den Motiven zur Kunstproduktion ist Thema unseres nächsten Extemporale. Dass Sie’s schon mal wissen, liebe Leserinnen (die Männer sind natürlich mit gemein). Ich muss jetzt los, in den Inkubator.  

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