09.11.2018 – 80 Jahre Novemberpogrome


Herrliches Wetter, die Sonne scheint, Reste der Dipladenie, eine Sommer-pur Pflanze, die normalerweise schon bei weniger als 10 Grad schwächelt, klammern sich mit Macht an jeden Sonnenstrahl. Ich bin bester Laune und wollte diesen Blog gerade mit einem lustigen Erlebnis füllen, wie ich gestern bei der Anfahrt zum Kongress des Bündnisses für bezahlbares Wohnen in Niedersachsen, bei dem ich auf dem Podium eingeplant war, in den Zug in die falsche Richtung gestiegen bin. Die Eröffnungsrede hielt der hiesige Ministerpräsident Stephan Weil, 500 Teilnehmerinnen, auf dem Podium nur wichtige Minister etc. pp., außer mir …
Eine jener Geschichten, die am Lagerfeuer Weltklasse wirken …
Und dann kriegte ich diese PM der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, deren Mitglied ich bin, und meine gute Laune ist komplett weg. Es geht anlässlich des 9. November um die sogenannte BDS-Bewegung, eine Ansammlung linker Antisemiten, die zum Boykott Israels aufruft.
Auch Linke können dem Mob angehören. Diese Bewegung ist einfach widerlich und es steht zu befürchten, dass sie zunehmend mainstreamfähig wird. Gut, dass ich keiner Partei angehöre, das erspart z. B. mir den Austritt aus der Linken, in deren Reihen linker Antisemitismus eine lange Tradition besitzt. Hier der Text der PM, da muss ich nix dazu dichten:
„Wehret den Anfängen – BDS ist Antisemitismus pur“
Die beiden Vizepräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Parlamentarischer Staatssekretär Christian Lange (SPD) und die stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Gitta Connemann (CDU), erklären anlässlich des 80. Jahrestags des 9. November 1938:
„Der 9. November 1938 ist einer der dunkelsten und schlimmsten Tage in der Geschichte unseres Landes. In der Reichspogromnacht brannten überall Synagogen und jüdische Einrichtungen. Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert und zerstört, Tausende von Juden verhaftet und Hunderte getötet – alles unter den Augen der Öffentlichkeit. Es war ein staatlich inszenierter Zivilisationsbruch, nicht nur verübt von fanatischen Nationalsozialisten, sondern auch von Menschen, die bis dahin Nachbarn waren. Das erfüllt uns auch nach 80
Jahre mit Scham und Entsetzen“. „Es ist umso unerträglicher, dass auch im Jahr 2018 in unserem Land Synagogen, jüdische Kindergärten, Schulen und Gemeindehäuser von Sicherheitskräften beschützt werden müssen. Dass auf Demonstrationen offen antisemitische Parolen skandiert oder israelische Fahnen verbrannt werden. Dass im Internet gegen
Juden gehetzt wird oder Juden, die eine Kippa tragen auf offener Straße angegriffen werden. Hier ist weiter und wieder großer Handlungsbedarf. Dies wollen und dürfen wir nicht zulassen. Wehret den Anfängen“, so Lange und Connemann weiter.
„Ebenso wollen und dürfen wir nicht hinnehmen, dass die so genannte BDS-Bewegung („Boykott, Disvestment und Sanctions“) zum Boykott von Israel aufruft und damit auch die deutsch-israelischen Beziehungen massiv belastet. Aktivisten der BDS-Bewegung stören Veranstaltungen, bei denen Israelis auftreten, sie demonstrieren vor Kaufhäusern, in denen man israelische Produkte kaufen kann. Aus „Kauft nicht bei Juden“ ist ein „Boykottiert Israel und kauft keine israelische Waren“ geworden. Das ist die gleiche hässliche und
brutale Sprache. Beides ist Antisemitismus pur! Wir dürfen diesen Hass nicht relativeren oder ignorieren, sondern müssen es beim Namen nennen.“, so die beiden Vizepräsidenten weiter.

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