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27.11.2016 – Titten & Thesen

Ich sitze in einem Organ. Es handelt sich um die Versammlung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt NLM. Sie übt als Gegenstück zum Rundfunkrat der öffentlich-rechtlichen Medien eine Art Aufsichtsratfunktion gegenüber den privaten Medien aus. Die NLM besteht aus 38 Mitgliedern, die von den im Landtag vertretenen Parteien sowie gesellschaftlich relevanten Gruppen entsandt werden (§ 39 NMedienG), guckst Du hier, ich hänge weiter unten in der Bildergalerie.
Gleitze Quelle nlm
Das Foto (Quelle: nlm) sieht so aus, als ob Mutti mich vor dem Fototermin noch mal gekämmt und gesagt hätte: „Und reiß Dich zusammen, mach da keinen Ärger. Aus Dir soll doch mal was werden!“
Die NLM verleiht jährlich einen Medienpreis für „herausragende journalistische und kreative Leistungen“ . Wer von den Nominierten die begehrte Auszeichnung erhält, wird bei einer festlichen Abendveranstaltung am 1. Dezember im Alten Rathaus in Hannover bekannt gegeben. Ich bin als „Aufsichtsratsmitglied“ natürlich eingeladen, das mit ersten besseren respektive erstbesten Gesellschaft zu feiern. Echt krass. Da geht voll der Punk ab, Digga!
Ich werde wieder Tupperware mitnehmen und was vom Büffet einpacken. Wenn jemand glotzt, sage ich: „Geht ab, Alder? Ich sitze für die Punks in der NLM Versammlung. Die sind als gesellschaftlich relevante Gruppierung anlässlich seines 40jährigen Jubiläums nachnominiert worden.“
Es gibt auch Laudatorinnen bei der Veranstaltung, die in der Ankündigung konsequent Laudatoren genannt werden. Alexander Kluge zum Beispiel, der mit Oskar Negt eines der zwei Bücher geschrieben hat, die mich beeinflusst haben: Öffentlichkeit und Erfahrung. Das Buch lieferte die theoretische Folie und Thesen für den Versuch „Gegenöffentlichkeit“ zu bürgerlicher Öffentlichkeit zu entwickeln.
Eine weitere Laudatorin ist Tanja Tischewisch, über die die Seite „Promiflash“ schreibt, unter einem Foto von Tanja Tischewisch mit riesigen Silikon-Titten:
Mega-Ausschnitt: Tanja Tischewitsch führt neue Brüste aus.
Ich bin jetzt etwas irritiert. Handelt sich beim Design dieser Veranstaltung am 1. Dezember um eine Meta-Satire? Um den Versuch, schätzenswerte Reste von bürgerlicher Öffentlichkeit abzuräumen? Um Pluralismus? Werbung für mehr Toleranz?
abbruch bürgerlicher öffentlichkeit
Abbruch bürgerlicher Öffentlichkeit.
Vor allem: Wie verhalte ich mich bei der Veranstaltung? Als Punk?
Ich denke, als erstes mache ich ein Selfie mit Tanja Tischewisch, das ich dann hier veröffentliche. Stay on tune! Demnächst hier: Der alte Mann und das Gebirge!

25.11.2016 – Suppe, Seife, Seelenheil

Damit Sie, geschätzte Leserinnen, überhaupt anfangen diesen Blog zu lesen, braucht’s besser brillanten begeisternden Beginn, vulgo: einen Teaser. Also als Einstieg was Süffiges.
Gut kommt da immer die Alliteration, wie „…braucht’s besser brillanten begeisternden Beginn …“.
Viel besser als das aber ist der Header dieses Eintrags „Suppe, Seife, Seelenheil“. Was für eine Rhythmik! Und die Kohärenz. Zauberhaft.
suppe seife seelenheil
Leider nicht von mir. Oder sollte ich sagen: Gottseidank nicht von mir?
Ideologisch gesehen ist das eine Sauerei. In der viertreichsten Gesellschaft dieser Welt Armen und Obdachlosen mit Angeboten wie Suppe, Seife und Seelenheil zu kommen, das quasi als die Lösung oder Linderung der Spaltung unserer Gesellschaft zu verkaufen, ist Zynismus. Nichts gegen Suppe, Seife, Seelenheil und Heilsarmee. Aber ein Claim, der ernsthaft zur Lösung des Problems beitragen will, und es durch Almosen nicht weiter am Leben erhält, sollte eher in Richtung gehen: „Wohnung, Wohlstand, Wertschätzung.“
Da feile ich noch dran, aber die Richtung dürfte klar sein.
Erfrischend saudämlich dagegen ist dieses Plakat des Bruno Gröning-Freundeskreises, einer Sekte von komplett durchgeknallten Spinnern, die an Heilung durch Humbug glaubt.
bruno gröning
Dokumentarfilm, Dauer: 6 (in Worten: sechs) Stunden „Das Phänomen der Heilung“.
Wer da lebendig wieder rauskommt, braucht mit Sicherheit Heilung. Bei Gröning selber, einem vorbestraften Gauner, hat das nicht so gut funktioniert mit seinem Heilstrom.
Er starb mit 53 Jahren an Magenkrebs.

24.11.2016 – Die Wetten auf ein Impeachment gegen Donald Trump stehen auf 6:1

Wenn es vor Ablauf seiner Amtszeit zu einem Impeachment gegen Trump kommt, gibt es bei Wettanbietern sechs Dollar für einen. Aber auf das zu wetten, was man sich wünscht, ist amateurhaft. Ich hab jahrzehntelang auf Portugal gesetzt bei Welt- und Europameisterschaften. Selbst die goldene Generation um Figo hat mich nur Kohle gekostet. Letzte EM hab ich das erstemal nicht auf Portugal gesetzt. Und wer wird Europameister? Portugal. Ich setze trotzdem auf Trump. Und verkaufe das als einen Akt des politischen Widerstands. Einen Teil des Gewinns spende ich dann der SPD, die ja Einnahmeausfälle hat, weil sie den Verkauf ihrer Minister eingestellt hat. Das mit dem Ministerverkauf war echt ein Ausnahmeeinfall, aus dem der Einnahmeausfall resultiert. Was für ein Wortspiel, daraus machen manche ein ganzes Kabarettprogramm.
Wobei ich vorsichtig sein sollte mit Spott. Unlängst hab ich bei einer Moderation den kabarettistischen Teil ziemlich versenkt. Fieber, ich war nicht fit. In diversen meiner früheren Leben als subalterner Angestellter hätte ich meinen Chef angerufen: „Chef, bin krank. Gelber Schein folgt. Aber machen Sie sich keine Hoffnung – ich komme noch mal wieder.“ Meine Chefs liebten meinen Humor. Er war noch vor meinen Kompetenzen meine schärfste Waffe im Kampf um den Erhalt des Arbeitsplatzes. Neben meiner Pünktlichkeit.
Unfassbar, auf was im Berufsleben alles Wert gelegt wird. Ich hab noch Sprüche in Erinnerung, wenn es um Karrieren ging: „Der Marschallstab wird nach 17 Uhr ausgepackt.“ Also jeder, der weniger als 10 Stunden anwesend (!, nicht: produktiv) ist, ist aus dem Karriere-Rennen. Ich lag im Sommer regelmäßig vor 15 Uhr am Kiesteich und ließ die Sonne auf meinen Marschallstab scheinen.
Aber wen soll ich jetzt anrufen, wenn ich maladiere? Ich bin mittlerweile selber Geschäftsführer und freelancer.
Kunsthausierer
Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – das heißt nicht, dass es die Wahrheit sagt (Quelle: DW/ADD).
Meine Kunstfigur „Kunsthausierer“ kann mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden, so wie der Bauchladen. Dieses Bild täuscht aber über Schwächen bei dem Auftritt hinweg, falsches Timing, schlechte Impro, Publikum falsch eingeschätzt, etc. pp.
Sieht aber nach was aus. Der Bauchladen hat ein einnehmendes Design, die rotgelb Farbkombination der Bauchbinde sind die klassischen Wohlfühlfarben. Welche Farbkombination hat z. B. das Logo von McDonalds? Sehen Sie?
Reinbeißen und sich wohlfühlen. Und der Smoking erst. Sitzt wie angegossen. Hand aufs Herz, meine Damen: Wer hört bei dem Anblick schon so genau hin?
Um Walter Ulbricht zu zitieren: Was lernt uns das, liebe Genossinnen?
Trauen Sie Ihren Augen nicht. Niemals! Nicht in der Kunst, nicht in der Politik und schon gar nicht bei Männern.
Da können Sie genauso gut Wetten beim Windhundrennen abschließen.

22.11.2016 – Ich versteh da oft nur Bahnhof

am-bahnhof-theaterpremiere
„Am Bahnhof“, Theaterstück mit Flüchtlingen. Premiere: Samstag, 10.12.2016, 19 Uhr. Kulturzentrum FAUST/Warenannahme, Bettfedernfabrik, 30451 Hannover.
Geflüchtete treffen in einem Bahnhof auf Bahnhofsvorsteher Reupke. Davon erzählt das collagenartige Stück „Am Bahnhof“.
Rahmenprogramm: Fotoausstellung Cameo Projekt und Songs von Arndt Schulz.
Grußwort: Thomas Schremmer, MdL Niedersachsen, Bündnis 90/Die Grünen.
Ein Projekt der Landesarmutskonferenz.
Details hier Theater mit Flüchtlingen-Am Bahnhof-Flyer
Künstlerisch verantwortlich ist ein Team um den geschätzten Kollegen Marc Beinsen.
Ich hab das Projekt ins Leben gerufen und bin letztlich auch dafür verantwortlich. Die Idee kam mir zu Beginn der Flüchtlingsdiskussion. „Flüchtlingsdiskussion“ bedeutet übrigens nicht, dass da die Flüchtlinge diskutieren, sondern Eingeborene über die Flüchtlinge und das gerne auch mal mit dem Unterton: „Raus“.
Wieso ein Kultur-Projekt? Als Gegenstück zum völkisch grundierten Diskurs, der darauf insistiert, dass deutsch nur sein könne wer deutsches Blut in seinen Adern hat. Ich kann mit „Deutsch“ nur ganz wenig anfangen, auch wenn ich es studiert habe und im Abi eine „1“ hatte. Ich versteh da oft nur „Bahnhof“. Was „Deutsch“ angeht: Es gibt das Grundgesetz, das Strafgesetzbuch, die deutsche Sprache. Mehr braucht’s eigentlich nicht. Oder sehe ich das falsch (Rhetorische Floskel! Ich sehe nie was falsch. Ich besitze die „Durchblicker-Brille!“)
durchblicker brille 1
Durchblicker-Brille. Garantiert nicht von Fielmann.
Neben Grundgesetz, StGB und Sprache gibt es auch noch eine Kultur hierzulande. Die ist sehr bunt, und von der haben ganz viele Eingeborene nicht den Schimmer einer Ahnung, was sie oft und gerne lauthals in einer Sprache artikulieren, die dem Deutschen nur sehr entfernt ähnelt.
Geflüchtete haben da auch oft keine Ahnung von. Das kann man aber ändern. Also daher so ein Projekt. Über Kultur läuft Integration.
Projekte, für die ich zwar verantwortlich, an denen ich aber inhaltlich nicht beteiligt bin, machen mir naturgemäß andere Gedanken als ein, sagen wir mal, Soloauftritt. Wenn ich den versenke, wie es mir unlängst passiert ist, muss ich nicht lange überlegen, was dafür die Ursache ist. Die liegt zu 99 Prozent bei mir, neben externen Einflüssen wie Blitzeinschlag während der Veranstaltung, Anlage zu laut, zu leise, Licht zu grell, zu dunkel oder eigene Krankheit. Was auch wieder eigene Verantwortung ist, ich hätte ja absagen können.
Von daher bin ich froh, dass das oben erwähnte Profi-Team das macht.
Ich hatte im Rahmen des Kunst-Projektes „Armut? Das ist doch keine Kunst!“ einem beteiligten Künstler-Atelier freien Raum gelassen bei der Organisation ihres Anteils. Was damit endete, dass ich vor Vernissage und Pressegespräch noch das Klo sauber machen musste und Müll vor dem Eingang wegräumen.
Seitdem guck ich bei der Auswahl von Projektbeteiligten etwas genauer hin.

19.11.2016 – Werde ich Deutschlands heißester Opa?

Ich shape meine body ab und an, betrachte Anzeichen des Verfalls nicht gerade mit Euphorie, aber wenn meine Muskeln und Konturen nicht mehr so definiert sind wie vor 30 Jahren, kriege ich deswegen auch keine Depressionen. Freunde, Kumpels, Bekannte beißen mittlerweile reihenweise in das Grass, was sie früher geraucht haben, inklusive der Verklappung diverser alkoholischer Getränke, wobei kein Auge trocken blieb, die betreffenden Verklapper allerdings ebenfalls nicht. Frei nach Wilhelm Busch:
Mit dem Seufzerhauche: U!
Stößt der Leber was Letales zu.

Da bin ich mitunter dankbar, dass ich zum Beispiel noch unbetreut in den Urlaub fahren kann. Wo ich am Strand keinen 30jährigen Mädels mehr imponieren muss mit Waschbrettbauch o. ä.. Das liegt allerdings nicht ausschließlich daran, dass ich zu der für einen Mann eher seltenen Einsicht gekommen wäre, dass man irgendwann aufhören sollte, sich lächerlich zu machen. Das liegt zu einem nicht geringen Teil daran, dass zu den Zeiten, wo ich mich an Stränden aufhalte, schlicht und ergreifend nicht nur keine 30jährigen Mädels da abhängen, sondern dass niemand da abhängt.
strand
Praia da Luz, Algarve, Mitte Dezember. Den Kopf hab ich weggelassen, in dem Beitrag geht es nur um den Körper.
Hahaha. Wer das geglaubt hat, darf nicht mehr weiterlesen. Das Bild ist mit Selbstauslöser und den richtigen Ausschnitt da hinzukriegen, wenn die Kamera auf der Erde steht und keinen drehbaren Bildschirm hat, dass muss mir erst mal eine vormachen. Und so dämlich, ein Stativ mit mir rumzuschleppen bei Klippenwanderungen, bin ich nicht.
Als ich beim heute morgen beim Check der relevanten News, als sozialpolitischer Akteur sollte man auf dem Laufenden sein, auf die Schlagzeile stieß: Chinas heißester Opa, wurde ich nachdenklich. Der Man macht mit 80 noch eine echt geshapte Performance. Das Styling ist krass retro, aber fuck drauf. It’s the body that counts, folks. Der Weg dahin wäre allerdings mühselig, der Mann hat seinen Körper mittels Kampfsporttraining und in Fitnessstudios gestählt. Ich war einmal in einem Fitnessstudio. Meinen Eindruck hat der Altmeister in Worte gefasst:
Mich faßt ein längst entwohnter Schauer,
Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an.
Hier wohnt sie hinter dieser feuchten Mauer …

„Sie“ meint in dem Fall die schiere Idiotie.
Und Kampfkunst? Ich bin stolzer Träger eines Karategürtels. Das war allerdings vor dem Krieg und schon damals war ich nach dem Training regelmäßig krank. Ich hab sogar mal gekotzt. Von wegen fernöstliche Gelassenheit. Das war pures geisteskrank-germanisches„Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun.“
Ich bin vielleicht blöd, aber nicht bescheuert. Also Fazit: Was zählt, sind innere Werte.
Und ein prall gefülltes Portemonnaie.
Allen Leserinnen ein charmantes Wochenende.

15.11.2016 – Die Wurst ist 150 x 60 mm groß

Die Leibniz Wurst HAZ 14.11.2016
Der Artikel entspricht einer Anzeigengröße von cirka 150 x 60 mm. Da hätte ich lange für auftreten müssen, um den Platz in der HAZ für Werbung zu bezahlen. Ein übler Verriss im Feuilleton wäre mir allerdings lieber gewesen. Motto: “Only bad news are good news!“ Aber ich will mich nicht beklagen, die Medien sind wirklich immer sehr freundlich zu mir. Wenigstens die haben erkannt, dass ich ein gottverdammtes Genie bin. Der Rest der Welt, na ja…
Gut, dass ich von meiner Kunst nicht leben muss, sonst würde ich mit einem Bein am Hungertuche nagen und mit dem anderen dauernd auf der Suche nach neuen Projekte sein. Und wie soll das gehen, eingedenk der ältesten mir bekannten Weisheit: „Auf einem Bein kann man nicht stehen.“? Das Einzige, was mich an dem Artikel wirklich nervt, ist das SCHUPPEN 68 Label „Lindener Künstlertruppe“. Wir haben ein weltweit verzweigtes Netzwerk von Marburg über Erlangen bis Viersen und mir als Kosmopoliten geht die Reduzierung auf diesen ex-alternativen Schnarchsack-Kiez „Linden“ gewaltig gegen den Strich. Eine Auseinandersetzung mit den hiesigen Veddels-Verhältnissen, wo das Müslibewegte Lehrer_innen Milieu schon aufheult, wenn nur mal eine Mülltonne umgestellt werden soll, ist das Letzte, was ich mir antue. Außer einer radikalen Kritik der hiesigen Gentrifizierung vielleicht.
Wobei ich allerdings im Glashaus sitze als jemand, der gerne auch mal zum kleinen Kult-Italiener um die Ecke essen geht. Aber wie sach ich als einer der letzten großen Philosophen immer:
„Den Widerspruch, den ich mir nicht als Dialektik zurecht lüge, der muss erst noch erfunden werden.“
Und aus Marketing-Gründen ist auch das beschissenste Label besser als gar keins, siehe oben.

13.11.2016 – Die Leibniz Wurst oder: Zum Verhältnis von Marketing und Inhalt in der Kunst.

Die „Mir ist Leibniz Wurst“ Wurst-Aktion mit der „Wurst-Wurst Edition“ und der „Kunst-Wurst Edition“ vom 11.11.2016 war keine Karnevalsaktion sondern eine reale Kunstaktion. Real heißt bei meiner Arbeitsweise: Die Medien sind Teil der Kunstinszenierung. Mein Realitätsbegriff – zumindest was Kunstproduktion angeht – orientiert sich an Marshall McLuhan: Was nicht in den Medien stattgefunden hat, existiert nicht.
Das bedeutet konkret: Die Kunst wird nicht zur Kunst durch die Idee oder das Objekt, sondern durch die Pressemitteilung, siehe hier PM SCHUPPEN 68 -Leibniz Wurst Edition.
Sektkelch Untersetzer
SCHUPPEN 68 Kunst-Serie: „Wurst im Alltag – Teil 1: Der Untersetzer gegen Flecken auf dem Tisch.“ (Material: Gesichts-Wurst).
Die Medien haben sich in Sachen „Mir ist Leibniz Wurst“ gemeldet, ich gehe davon, dass einige morgen, am Todestag von Leibniz, berichten werden. Solche Aktionen werden designed nach dem goldenen Schnitt des Marketing:
Geniale Idee x minimaler Aufwand = maximaler medialer Ertrag.
Der maximale mediale Ertrag lässt sich in Heller und Pfennig berechnen: Er wird ausgedrückt in der Summe, die es kosten würde, sich den Platz in den Medien zu kaufen, per Anzeige zum Beispiel. Da kommen schon mal bei einer Investition von zwei, drei Euro als maximaler medialer Ertrag 10 – 12.000 Euro zusammen.
Da die Medien alles sind, aber keinesfalls blöd, muss die Idee allerdings ziemlich genial sein. Das heißt, sie muss durchdacht von Anfang bis Ende sein, sie muss original (Unikat!) sein, sie sollte zum Lachen und Nachdenken anregen, kritisch muss sie sowieso sein, wer steht schon auf affirmative Kunst, und sie sollte tunlichst mehrere Metaebenen besitzen, unter anderem eine selbstreferentielle auf den Kunstbetrieb.
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SCHUPPEN 68 Kunst-Serie „Wurst im Alltag – Teil 2: Das Kunst-Wurst-Mobile“
Der kritische Inhalt bei der Leibniz Wurst ist klar: Die bürgerliche Öffentlichkeit sucht sich zur Identifikation und Selbstinszenierung eine maximal gefahr- und zahnlose Ikone aus grauer Vorzeit. Zum Beispiel Leibniz, einen inferioren Bastler und Rechenknecht, nach dessen verstaubter Philosophie kein Hahn mehr kräht. Im Gegensatz zu Hobbes, Rousseau, Descartes oder gar Kant wird er nach meiner Alltagswahrnehmung kaum irgendwo noch ernsthaft zitiert, außer zum 300. Todestag. Vergleicht man das mit der geradezu hysterischen Verdrängung, mit der hier nach wie vor mit dem Massenmörder Haarmann umgegangen wird (die Hrdlicka Haarmann Plastik verschimmelt nach meiner Kenntnis nach wie vor im Archiv des Sprengel Museum) , erhält man ein passgenaues Bild der Funktionsweise von bürgerlicher Öffentlichkeit. Zu der es natürlich auch gehört, dass man sich sanktionsfrei und unter medialer Beachtung über Leibniz und die ihm angeflanschte bürgerliche Öffentlichkeit lustig machen kann.
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SCHUPPEN 68 Kunst-Serie „Wurst im Alltag – Teil 3: Das einteilige Gesichts-Wurst-Puzzle“
Mein Liebling an der Aktion ist der Leber(wurst)haken für den Kunstbetrieb:
Die „Wurst-Wurst Edition“ mit Beschriftung zum Preis von 35,60 Euro und die „Kunst-Wurst Edition“, mit Beschriftung, limitiert auf 68 Stück, handsigniert, nummeriert und zertifiziert zum Preis von 2.500 Euro. Der Unterschied liegt in der Differenz, wie der Fachmann sagt.
Wahlbutton
SCHUPPEN 68 Kunst-Serie „Wurst im Alltag – Teil 4: Der Wahlbutton“
Wieso CDU?
Ist doch eh alles Wurst.

11.11.2016 – Die „Mir ist Leibniz Wurst“ Wurst!

Pünktlich zum 300. Todestag des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz am 14.11 bringt der SCHUPPEN 68 eine Leibniz-Wurst-Edition heraus, die den Titel trägt: “Mir ist Leibniz Wurst“
Mir ist Leibniz Wurst Wurst
Die “Mir ist Leibniz Wurst“ Wurst in der Wurst-Wurst Edition.
Die Edition besteht aus zwei Auflagen: Die „Wurst-Wurst Edition“ mit Beschriftung zum Preis von 35,60 Euro und die „Kunst-Wurst Edition“, mit Beschriftung, limitiert auf 68 Stück, handsigniert, nummeriert und zertifiziert zum Preis von 2.500 Euro.
Mir persönlich ist Leibniz Wurst. Ich kann mit dem Mann nur wenig anfangen, sowohl ideengeschichtlich als auch vom praktischen Nutzen her, und der teilweise Hype um ihn anlässlich seines Todestages ist mir unverständlich. Öffentlichkeit und Medien tun mitunter so, als sei der Mann eine Mischung aus Immanuel Kant und Lionel Messi.
Andererseits geht die Kunst nach dem Brot und der Wurst auf dem Brot. Daher wird der SCHUPPEN 68 pünktlich zum 14.11 seine Leibniz-Wurst-Edition auf den Markt bringen.“
Die „Mir ist Leibniz Wurst“ Wurst-Edition steht in der Tradition der kritischen Wurst-Kunst unter anderem des zweimaligen Documenta Teilnehmers Dieter Roth (geboren in Hannover). Mit ihrer Aufschrift gibt sie denjenigen ein Symbol in die Hand, denen Leibniz Wurst isst.
Die “Mir ist Leibniz Wurst“ Wurst ist Teil der Wurst Langzeit-Intervention des SCHUPPEN 68, die 2008 mit der Performance „Wurst-Banane“ zu Ehren von Kurt Schwitters und Marcel Duchamp begann
081004Wurst Banane HAZ

10.11.2016 – Für die Abschaffung des 9. November

Nach der Trump-Wahl vom gestrigen 9. November: Von mir aus könnte der ganze November weg, aber der 9. November sollte ersatzlos und vor allem rückwirkend gestrichen werden.
Wikipedia zählt allein für die BRD mehr als ein Dutzend Ereignisse auf, die am 9. November stattfanden und von denen gerade mal die Novemberrevolution 1918 meine ungeteilte Begeisterung findet. Der Mauerfall 89 versetzte und versetzt mich nach wie vor nicht in nationale Euphorie und ähnliches Gefühlsgedöns und besonders widerwärtig finde ich die Aktion der linksradikalen Organisation Tupamaros West-Berlin , die 1969 am Gedenktag der Judenpogrome von 1938 eine Bombe im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin platzierten, die Gottseidank nicht hochging. Das abstoßendste Element in der deutschen Linken ist ihr Antisemitismus.
Ich bin für das eine oder andere Projekt verantwortlich, inhaltlich und finanziell, und versuche, überall so was wie Mitbestimmung zu praktizieren. Inhaltliche Differenzen spielen da für mich kaum eine Rolle in Zeiten, wo es lediglich darum gehen kann, den Staat und das Recht gegen Teile der Gesellschaft, sprich den White-Collar-Mob und den Proll-Mob, zu verteidigen. Sollte in einem meiner Projekte allerdings jemand an Antisemitismus leiden, fliegt er oder sie raus, ohne Diskussion und Mitbestimmung.
Ich bin aber, was die Streichung des 9. November angeht, kompromissbereit.
blick aus hotelfenster
Sollte mir schriftlich garantiert werden, dass jeder 9. November mir einen derartigen Blick aus dem Fenster meiner Homebase garantiert, lasse ich mit mir reden.
Nach dem Wahlergebnis von gestern ging mir ein Song von Lou Reed durch den Kopf. Ich hörte mir den auf youtube an und fand dort einen Geistesverwandten im ersten Kommentar: „I just got the results of the 2016 American presidential elections and for some reason this is the song I most wanted to here“.
Das Ding heisst „Men of good fortune“:
Men of good fortune, often cause empires to fall
While men of poor beginnings, often can’t do anything at all
The rich son waits for his father to die
The poor just drink and cry
And me I just don’t care at all

Achten Sie auf den muskulösen und trotzdem schwebenden Bass von Jack Bruce, der bei 0:32 einsetzt, direkt auf „die“. Kleine Tröstungen im Alltag.

09.11.2016 – Was für ein Tr(i)ump(h).

Ob irgendeine Zeitung morgen damit aufmacht? Wenn ja, wird sie verklagt. Ich war zuerst da.
Trump ist Präsident. Die allgemeine Infamisierung ist doch wesentlich weiter fortgeschritten, als ich befürchtet hatte. Und ich bin auf mein alten Tage schon an der Grenze zwischen Skepsis und Resignation angekommen, was sowohl den Zustand der Welt und erst recht deren Perspektive angeht.
ziege
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch? Oder wächst da kein Grass mehr? Und wenn ja, was raucht man dann?
Trump ist schon schlimm genug. Aber welche Auswirkungen hat das auf den ohnehin wachsenden Mob hierzulande? Und was kommt nach Trump? Geschichte ereignet sich zweimal: einmal als Tragödie, einmal als Farce. Das ist nicht von mir sondern Zitat Karl Marx, aus „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“
„Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“
Der Staatstreich des 18. Brumaire, dem – heutigen – 9. November des Jahres 1799, beendete die französische Revolution. Das war die Tragödie. Die Farce war der Staatstreich von Louis Bonaparte, der nachmalige Kaiser Napoleon III, von 1851 nach dem Muster des 18. Brumaire.
In Deutschland kehrte sich die Geschichte wiederholend um: Kaiser Wilhelm war die Farce, während sein Widergänger Adolf Hitler die Tragödie wurde.
Da werden noch Wetten angenommen, ob Donald Trump erst die Farce oder schon die Tragödie ist.
Ich mache jetzt zwei Dinge: 1. Zynischer werden. 2. Aktien kaufen. Der DAX wird sich schon erholen. Mittelfristig. Langfristig sind wir sowieso alle tot. 3. Reise buchen. Ab in den Süden. Motto:
Besuchen Sie Europa, solange es noch steht.“ Geier Sturzflug. Auf Vinyl. Wenn Sie, liebe Leserinnen, sich noch an Geier Sturzflug und an Vinyl erinnern können, dann zwinkere ich Ihnen hiermit vertraulich zu. Das waren noch Zeiten, damals, oder?
Als alles besser war und die Jugend noch was taugte…