
Wenn es sowas wie eine dreifache contradictio in adjetcto gibt, dann haben wir hier eine. Späti, von 12 – 19, in Kreuzberg, alkoholfrei. Beispiele für eine klassische einfache contradictio in adjetcto sind: Schwarzer Schimmel. Oder linke SPD.
Das ganze Leben ist ein Widerspruch in sich. Wir wissen, dass der Klimawandel in einer Katastrophe münden wird, wenn wir nicht sofort radikalst gegensteuern. Aber wir ändern nichts. Und das auch noch zu spät. Nur weiße Salbe. Und die auch noch in die Haare und nicht auf das Krebsgeschwür. Ich glaube, dass wir selbst dann in eine Katastrophe steuern, wenn wir sofort radikalst was tun. Aber ich bin kein Fachmann, ich bilde mir nur aus den Fakten eine Meinung. Die Fakten können Sie hier sehr kurz und übersichtlich nachlesen . Das ist aus meiner Sicht bereits jetzt katastrophal. Und wir verfehlen die ohnehin zu niedrigen aktuellen Klimaziele nicht nur – außer im Bereich Industrie, das ist aber ausschließlich der Pandemie geschuldet und wird sich radikal ändern mit dem Wirtschaftswachstum – es ist auch kein Anzeichen für eine Trendumkehr der Zahlen und Prozesse oder einen Bewusstseinswandel in Politik oder Öffentlichkeit zu sehen. Die Leute wollen in Urlaub fliegen, mit dem Verbrenner über die Autobahn heizen und die Klimakleber am liebsten von der Straße kärchern oder gleich über den Haufen brettern. Nicht alle Leute. Es gibt auch ein paar Gute.
Wie mich, der sich mal kurz für eine Stunde zum Klebetraining freischaufelt. Zu dem ich im Prinzip im Flugzeug angereist bin. Einen Tag vorher war ich noch auf Korfu. Auch eine Art contradictio in adjetcto. Heute würde man eher sagen kognitive Dissonanz. Ich sehe das Bessere, finde es gut, folge aber dem Schlechteren. Und fühle mich dabei schuldig. Video meliora, proboque, deteriora sequor. Ist nicht von mir. Ist von Ovid. 2000 Jahre alt.
Alles wesentliche zur Verfasstheit des zeitgenössischen Konsum-Citoyens in Zeiten der Klimakatastrophe wurde vor 2.000 Jahren schon gesagt. Das Geklapper moderner wichtigtuerischer Schwatzhanseln (wieso komme ausgerechnet ich gerade auf diese Formulierung?) mit kognitiver Blabla Dissonanz etc. pp. lässt sich fast immer auf antike Grundmuster zurückführen. Einfach eine Schleife drum, neues Etikett drauf und Sie können 2.000 Jahre alte Inhalte als Coach in teuren Seminaren als neueste (!) Erkenntnis von Übermorgen verkaufen. Das ist wie mit FDP-Klimapolitik. Eine Haufen Scheiße, mit rosa Bändchen Technologieoffenheit drum, und schon frisst der Porsche Mob das als Eigenverantwortung mündiger Bürger.
Ich glaube übrigens nicht, dass der Hass auf die Klimakleberinnen aus Schuldgefühlen rührt, Verdrängung, Projektion, was auch immer da hinein gedeutet wird zur Zeit. Dass also die Menschen erkennen, dass sie wider bessres Klima-Wissen falsch handeln und in einer Art Schuldumkehr nicht sich hassen, sondern die Klimakleberinnen, weil die ihnen den Spiegel vorhalten, das manifestierte schlechte Gewissen sind. Das mag auf ein paar hyperventilierende Kommentatoren zutreffen, die diesen überaus freundlichen, liebenswerten, vollkommen gewaltfernen Klimakleberinnen unterstellen, sie seien die Wegbereiterinnen eines RAF-Klimaterrors. Das ist so irre, das es nur mit psychopathologischen Reflexen erklärt werden kann.
Ich glaube eher, dass der Hass von Frieda Normalverbraucherin auf ihre letztlich eigene Brut einfach nur der Hass von Normalnazis ist auf alles, was anders ist. Vorgestern waren es Juden, die es auch heute wieder sind und immer bleiben werden, gestern waren es Migrantinnen, in der nächsten Wirtschaftskrise werden es mal wieder Erwerbslose sein. Eine endlose Liste ….
So gesehen würde ich als Zyniker sagen, unsere Gesellschaft ist ein Haufen Scheiße. Es kommt nur darauf an, sich die rosa Bändchen rauszusuchen.
Ich bin aber vorrangig Gärtner und deshalb muss ich jetzt mal gucken, wie mein Gras die kalte Nacht überstanden hat. Bis denne.












