
Dieser freundliche und humorvolle ältere Herr macht vor einem Wahllokal Werbung: Beide Stimmen für die Linke. Nachtragend: Meine Befürchtung, dass die AfD bei der Wahl am 23.02 in einzelnen Wahllokalen im sozialen Brennpunkt Hannover-Mühlenberg über 50 Prozent erzielen würden, hat sich nicht bewahrheitet. Noch nicht. Es waren „nur“ 34,1 Prozent.
Feine Ironie der Geschichte: Das Wahllokal befand sich in der Leonie-Goldschmidt-Schule, einer IGS, also in einem Hort von leistungsunwilligen, gleichmacherischen, linksgrünversifften Genderideologen. So zumindest die Erzählung der bürgerlichen Eliten, die bei nichts mehr auf die Barrikaden gehen, als wenn in ihrem Villenviertel ein Gymnasium in eine IGS erweitert werden soll. Dann herrscht Kulturkampf pur.
Kulturkampf als Vorgeschmack auf das, was mit einer CDU/CSU/AfD-Koalition auf uns zukommt, gibt es jetzt schon: Die Unionsfraktion hat eine Kleine Anfrage zur »politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen« eingereicht. Betroffen sind Gruppen, die gegen Friedrich Merz und seinen Umgang mit der AfD mobil gemacht haben.
Die Fragen der Unionsfraktion beziehen sich unter anderem auch auf das Recherchenetzwerk »Correctiv«, das Netzwerk Campact, das Netzwerk Attac, die Amadeu Antonio Stiftung, die Tierschutzorganisation Peta, die Organisation Animal Rights Watch, die Organisation Foodwatch, die Deutsche Umwelthilfe, Agora Agrar, Agora Energiewende, das Netzwerk Recherche und den Verein Neue deutsche Medienmacher*innen.
Von CDU/CSU/AfD-Koalitionen, sei es im Bund, bei den Ländern oder in Kommunen, werden die staatlichen Fördermittel für derartige Organisationen gestrichen oder soweit gekürzt, dass deren hauptamtliche Struktur nicht mehr aufrecht zu halten ist. Damit brechen zentrale Elemente einer Zivilgesellschaft weg, die zurzeit in Teilen noch linksliberal ist. Man darf gespannt sein, inwieweit die Organisationen diese Entwicklungen antizipieren und aus Angst um ihre ordentlich bezahlten Jobs zukünftig die Schnauze halten, nachdem ihnen die CDU mit ihrer Anfrage die Folterwerkzeuge gezeigt hat.
Passend dazu Zitate aus dem Adenauer-Hack, den gehackten Strategiepapieren der Hauptabteilung Strategie der CDU-Parteizentrale im Berliner Adenauer-Haus: „
…. Der Druck der Union auf Koalitionspartner nach dem 23.02 muss von Anfang an hochgehalten werden. An mehreren Testläufen muss die Konfliktbereitschaft der anderen Seite bereits in den ersten 100 Tagen getestet werden: Beim Bürgergeld mit massiven Kürzungen und Sanktionsverschärfungen, der Schuldenbremse, bei der Rückabwicklung des Cannabisgesetzes, etc. pp. Mit den Erfahrungen aus diesen Konflikten ist mittelfristig eine Exit-Strategie zu entwickeln, also Gesetzesinitiativen einleiten, denen die andere Seite auf keinen Fall zustimmen kann. Idealer Zeitpunkt: Nach den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo CDU und AfD ihre ca. 60prozentige Mehrheit in Koalitionen umsetzen werden. …. Die andere Seite hat dann zwei Möglichkeiten: Sie kann aus der Koalition aussteigen oder sich nur in diesem Fall der Zustimmung verweigern, Für beide Fälle gilt das erfolgreiche Framing von Friedrich Merz von der bereits stattgefunden Abstimmung mit der AfD im November 2024: „Ich gucke nicht rechts und nicht links. Ich gucke in diesen Fragen nur geradeaus.“. ….
Nach diesem weiteren Probelauf erfolgt der nächste, bis zum Bruch der Koalition. Dann folgt eine Minderheitsregierung unter Duldung der AfD oder Neuwahl, je nach Umfrageergebnissen, mit offizieller Koalition mit der AfD … Dieser Prozess muss deutlich vor 2029 eingeleitet werden, da abzusehen ist, dass auch eine CDU-geführte Regierung nur wenig an den aktuellen Krisen ändern kann. Das wird sich auf unsere Umfragewerte auswirken, so dass 2029 bei einer regulären Wahl die AfD die stärkste Partei würde. Also jetzt handeln! …










