Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

10.01.2023 – Ist Erinnerung in der Lage, Wesentliches von Müll zu trennen?

Geschlechtersensibel oder Angebot für Innenkurse? Das sind skurrile Nebenaspekte, ansonsten ist die Kulturschlacht ums Gendern geschlagen. Für mich ist das Thema auch durch. Geschlechterdifferenz grundsätzlich ist aber natürlich weiter ein Thema, je drängender desto reaktionärer die Verhältnisse werden. Immer öfter gehen mir dabei Theorieversatzstücke früherer Zeiten (Sie wissen schon, als alles noch besser war …) durch den Kopf. Ich hoffe nicht, dass das beginnende Regression ist, sondern dass Erinnerung in der Lage ist, Wesentliches vom Müll zu trennen.

Auslöser war ein taz Artikel über lebensverkürzende toxische Männlichkeit . Wer dem Motto frönt „Jungs weinen nicht und Indianer kennen keinen Schmerz“ stirbt früher. Ein soziales Konstrukt, lässt sich lernen und abstellen. Wo aber fängt das Genetische dabei an und hört das Soziale auf? Die Frage stellt sich angesichts der Tatsache, dass zwei Drittel der Coronatoten Männer waren, obwohl sie in der von schweren Verläufen besonders betroffenen Altersgruppe der Hochbetagten klar unterrepräsentiert sind: „ … Ebenso ungeklärt ist aber, warum nach Zahlen der Stanford University zu Beginn der Pandemie zwei Drittel der Verstorbenen Männer waren – obwohl sie in der von schweren Verläufen besonders betroffenen Altersgruppe der Hochbetagten klar unterrepräsentiert sind. Eine wissenschaftlich noch nicht hinreichend abgesicherte Hypothese dazu lautet, vereinfacht ausgedrückt: Östrogen stärkt das Immunsystem, Testosteron unterdrückt es. Hormonelle und genetische Unterschiede sollten also, trotz aller berechtigten Verweise auf die soziale Konstruktion von Geschlechterrollen, nicht vernachlässigt werden…“

Man (!) kann natürlich auch argumentieren, dass das die Quittung für Männer wegen mangelnder Selbstfürsorge ist, sie rauchen mehr, saufen, treiben keine Vorsorge, schlucken Pillen, Drogen und am Ende gibt es bei ähnlichen Krankheitsverläufen unterschiedliche Ergebnisse. Fakt ist, dass die Verknüpfung von Gender und Klasse (neudeutsch: Intersektionalität) massiven Einfluss auf Morbidität und Mortalität hat. Wer am Hochofen arbeitet im Schichtbetrieb, stirbt früher als eine evangelische Pastorin oder gar als Susanne Klatten, die leistungslos das größte Vermögen einer Frau in Deutschland besitzt – BMW, Dr. Oetker etc. Anteile geerbt…

Klasse und Geschlecht. Früher, und das fiel mir beim taz Artikel wie Schuppen aus dem Gebälk, lautete die Diskussion, ausgelöst durch die zweite feministische Bewegung: Haupt- oder Nebenwiderspruch . Wieweit ist die Unterdrückung der Frau zu einem Nebenwiderspruch der Produktion degradiert, also der Kategorie „Klasse“ nachgeordnet.

Das ist kein trivialer Schnee aus Opas Erzählungen vor vorgestern. Angesichts der Tatsache, dass sich heutzutage jede Minderheit marginalisiert, unterdrückt fühlt und es einen wahren Wettlauf darum gibt, wer am meisten unterdrückt ist, verschwindet das notwendige kollektive Widerstandspotential gegen den Hauptwiderspruch „Kapital – Arbeit“ völlig hinter lauter verzwergten Nebenwidersprüchen, wie ob ich jetzt vierfach diskriminiert bin, nur weil ich blöd bin. Jede nur für sich, keiner mehr aufs Ganze.

Eigentlich müsste man mehr lesen, Bücher von Frigga Haug z. B. waren da hilfreich. Aber meine Leselust ist begrenzt. Ich hoffe, dass mir Erkenntnis im Prozess des Erinnerns zuwächst.

Den Rest besorgt der eigene Kopf.

Immer mit einem guten Witz rausgehen. Grundregel Nr. 1 Rhetorik.

09.01.2023 – Viel Spaß noch den Urlaubern auf Allsun Hartz 4.

Ich wollte mal ein Kabarettprogramm über Urlaube machen, ein Schwerpunkt: Hotelbewertungen im Internet. Und zwar nur die Schlimmsten, von Leuten, die mit einem Monsterhass aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Das Projekt habe ich nicht realisiert, irgendwie hatte die Welt zumindest auf dem Sektor nicht auf mich gewartet. Aber die Erinnerung daran war unlängst sofort wieder lebendig angesichts der nachfolgenden Bewertung eines 4-Sterne Hotels. Ich hatte Spaß und sollten Sie, liebe Leserinnen, demnächst über ein Plakat stolpern, auf dem ein Programm angekündigt wird „Das Grauen hat einen Namen: Urlaub“ (oder so ähnlich), dann wissen Sie Bescheid. Rufen Sie mich einfach unter 110 an, dann lasse ich Karten zurücklegen. Und nun hinein ins Vergnügen. Rechtschreibung und Grammatik im Original erhalten:

„Wir waren leider nicht die Zielgruppe vom Hotel. Die Beschreibung laß sich gut und die Bilder waren ansprechend. Uns hat das Hotel bzw. viel mehr die Menschen vor Ort nicht gefallen. Niemand hatte benehmen, für uns waren total viele (Ausnahmen gibt es immer) extrem niveaulos. In unseren Augen war die Zielgruppe: Hartz 4 – Money zusammen gekratzt, nach 10 Jahren einmal einen Urlaub machen und dabei die Sau rauslassen…. die anderen sind ja total egal. Nicht das ich etwas dagegen hätte, dann sollte man sich aber benehmen.

Das spiegelte sich nicht nur im Benehmen sondern auch den Ansprüchen. Wenn ich hier lese oder vor Ort höre, wie vorzüglich das Essen doch gewesen ist, bin ich schon sprachlos.

….

Wenn man also sonst nur bei der Tafel isst, kann einem das Essen hier sichelich gefallen. Für uns war es jedoch unterste Schublade (bis auf ein paar Ausnahmen, der ganze Lachs war sehr gut). Das Essen war ständig leer, es war viel zu eng, alle matschten im Essen rum, Kinder leckten Löffel ab und legten diese wieder rein, es war immer alles kalt, verbrannt oder zu roh, es schmeckte alles gleich. Ausnahmslos alles war BILLIGSTES Essen… das angebliche Filet war Fleischabfall.

Gleiches gilt für die Getränke. Billigstes Zeug… stilles Wasser scheinbar aus der Leitung, es stank wiederlich nach Chlor. Wenn das Wasser nicht nach Chlor stank, waren es die Plastikbecher. Haben uns mehrfach beschwert… Kellner haben es auch gerochen aber es wäre wohl normal. Hat komischerweise auch niemanden gestört. Da wären wir wieder beim niveauvollen Publikum.

Aporpros: am Tag lief laute Ballermann Musik und am Abend saßen große Gruppen zusammen und haben solch einen Krach gemacht das die Tische sich drum rum enteweder entfernt haben oder dazu gesetzt haben, damit das Niveau nochmal weiter sinkt. Genau diese Gäste haben auch allabendlich die Heizpilze selber versucht anzumachen, immer ohne Erfolg (Schulbildung … ach lassen wir es). Es roch mehrfach nach Gas… der Kellner musste dies dann später abstellen. Das ist richtig gefährlich…

Fazit: zum einen gibt das Hotel nur das NÖTIGSTE aus und das Wohl der Gäste ist dem Hotel SCHEIßEGAL. Umso mehr Marge umso zu besser.

Alles andere machen die extrem Anspruchslosen Gäste kaputt… da diese dem Hotel nur zeigen, dass es ruhig so weiter gehen kann. Kann es auch, nur wir werden kein Allsun Hotel mehr besuchen. Schade diese Erfahrung gemacht zu haben. Da freuen wir uns auf unseren Urlaub im Sommer auf Kreta. Ähnlicher Preis, gleiche Anzahl Sterne aber um welten besser…. wir sind immer noch sprachlos.

Aber viel Spaß noch den Urlaubern auf Allsun Hartz 4.

07.01.2023 – Vielleicht wird ja doch irgendwie irgendwann irgendwo alles gut

Rose, Garten, 03.01.23.

Wir haben uns – mehr oder weniger – an Krisen wie den Ukrainekrieg oder Corona gewöhnt. Ab und zu ploppen nach neuen Entwicklungen Fragen ins Bewusstsein zurück, die mich zumindest früher umgetrieben haben. Die Panzerlieferungen z. B. des Westens an die Ukraine lassen Schreibtischstrategen hierzulande sich wieder in feuchten Militärphantasien ergießen, jetzt würde es der Ukrainer dem Russen aber mal zeigen, die Wende sei nahe und wenn erst der gigantische Kampfpanzer Leopard seine riesigen Rohre ausfährt, dann aber. Aber sowas von.

Wäre ich Analytiker, würde ich hier ausführlicher was zu den eingeschlafenen Leoparden in den Hosen der Strategen schreiben und wie ganz offensichtlich ihre unterdrückten libidinösen Energien sich ungute Kanäle gesucht haben ….

Lassen wir das. Ich bin kein Pazifist, es gibt ihn, den bellum iustum, den gerechten Krieg, nicht nur der gegen Nazi-Deutschland war einer, aber ein bisschen mehr pazifistische Gedankenanstrengung statt Militärstrategischem Blablabla wäre schon nicht schlecht. Anknüpfend an die zentrale Frage: Wieviel Tod und Zerstörung ist in einem Krieg zum Erhalt nationaler Identität gerechtfertigt? Welche Opfer für die Nation? Und: Ab wann muss verhandelt werden und wie erreicht man das? Und irgendwann muss verhandelt werden. Selbst über eine bedingungslose Kapitulation muss verhandelt werden.

Die Frage rührt mich aber kaum noch an, so wie die nach der neuen Omikron-Sublinie des Coronavirus namens XBB.1.5 . Kann diese Variante der hier mittlerweile herrschenden Grundimmunität entkommen und gilt dann das Gesetz, auch für Nicht-Hochrisikovarianten: Viele Fälle, mehr schwere Verläufe und Todesfälle?

Irgendwann ist das Gemüt, zumindest meins, immun gegen Krisenstimmungen. Und ich gebe mich plattem Natursymbolismus hin, angesichts obig weit vor der Zeit sprießendem Trieb. Zart keimt die Hoffnung. Vielleicht wird ja doch irgendwie irgendwann irgendwo alles gut.

Dummes Zeug. Natursymbolismus, die Widerspiegelung innerer und gesellschaftlicher Zustände durch Bilder der Natur, war schon immer platt, pathetisch, tendenziell reaktionär und schlimmstenfalls einfallslos. Wenn einem Regisseur zur Charakterisierung düsterer Helden nix mehr einfällt, lässt er es regnen und wenn Krieg droht, donnern und blitzen.

Von wegen. Die Sommer 1914 und 1939 z. B. waren Traumsommer.

Je zerstörter die Natur, desto intensiver die verkitschte Flucht der von der Moderne überforderten Mitteleuropäerin in sie. Sonnenwende, ein Fest für jeden Esoterikkalbskopf. Als ob die Sonnenwende in Zeiten des Klimawandels noch irgendwas mit nahendem Sommer zu tun hat. Sommer ist von April bis Oktober. Mir ist die Fähigkeit Natur lesen zu können weitgehend abhanden gekommen. Im Garten kann ich ne Ratte von einem Eichhörnchen unterscheiden, das war’s dann aber auch.

Die Zeichen der vergesellschafteten Natur sehen doch mittlerweile so aus: Nach mehreren Wochen Heizung ist meine Gesichtshaut so trocken, dass ich sie zweimal am Tag eincremen sollte. Das bezeichnet eine Jahreswende. Und nicht Schwester Sonne und Gedönsrat Mond.

04.01.2023 – Zauberhafte Zustände. Zumindest Zuhause.

Die Tiere des Gartens lungern durchaus schon mal in meiner Küche rum. Der hier knabbert meine Puschen an. Zustände wie im Paradies, wo der Mensch eins mit der Natur war und alles Übel dieser Welt, nach der Vertreibung aus dem Paradies, durch Arbeit in sie kam, siehe Bibel: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“.

In der Wirklichkeit lief es eher so ab: Vorläufer des Homo sapiens begannen Werkzeuge zu nutzen, vor ca. 2 Millionen Jahren, daraus resultierte Aufgabenteilung und Spezialisierung, die Notwendigkeit zu differenzierter Kommunikation, ergo Sprache, entstand und im Laufe der Entwicklung von Arbeit als bewusst zielgerichtetem Prozess (durchaus schon zur Wohlstandsmehrung) entwickelte sich der Mensch, als – letztlich missglückte – Primatensonderform. Denn die weitere Entwicklung war ebenso zwangsläufig und zivilisatorisch grandios wie aber auch verheerend: Privateigentum, Familie, Patriarchat, Staat, Kapitalismus. Mehr dazu hier.

Das ist nicht nur graue Theorie, sondern steht permanent praktisch vor der Tür, tagesaktuell als Elefant im Raum im Rahmen der Diskussion um die Sylvester-Riots. Ach, was mühen sich Feuilleton, Wissenschaft, Politik und Sozialarbeit um die Ergründung der Hintergründe und Motive der Gewaltexzesse. Mitunter hat man dabei das Gefühl, die Täter seien Barbaren aus einer anderen Zeit, von einer anderen Welt.

Vielleicht erleichtert ein Blick in die nahe Vergangenheit das Verständnis. Der Siegeszug des Neoliberalismus in den Neunzigern hatte u. a. zur Folge den rapiden Niedergang kollektiver, Wertevermittelnder Instanzen wie Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Vereine. Stattdessen hampelte das auf materiellen Erfolg und Durchsetzungsvermögen getrimmte Individuum egoman im Fitnessstudio rum und frönte der Ersatzreligion, dem gestählten Körper, allzeit bereit, dem Konkurrenten im Leistungswettbewerb den Ellenbogen, das wichtigste Organ, in die Rippen oder sonst wohin zu rammen. Das Ziel: Materieller Reichtum statt authentischem Leben. Die höchste Stufe der Entfremdung. Alles wird zur Ware, die eigene Würde wird schamlos auf dem Altar der Öffentlichkeit, den Medien, seien sie privat oder asozial, geopfert. Wer vom Karussell fliegt, stürzt tief, in die Vernichtung bürgerlicher Existenz. Und statt Hoffnung am Horizont Düsternis.

Was ist wohl das Produkt solcher Entwicklungen, hier nur grob und völlig unzureichend skizziert? Solidarische Wesen voller Empathie und Fürsorge?

Die hilflose Wut, mit dem Ruf nach Böllerverboten, härteren Strafen, ausufernder Kontrolle und Überwachung, mit der Viele auf die Gewaltexzesse reagieren, legt einen Verdacht nahe: Sie ahnen, dass die Täter logische Produkte unserer Gesellschaft sind. Letztlich ihre Kinder.

 Ich würde gerne weiter das Füllhorn meiner Weisheit über Sie, liebe Leserinnen, ausgießen, aber mein neuer Kumpel ramentert an der Verandatür, der will rein. Meine Puschen haben es ihm offensichtlich angetan.

Zauberhafte Zustände.

Zumindest Zuhause.

02.01.2023 – Medientheoretische Exkursion über Käse, Memes und Scheißhaufen

Aktion Har(t)zer Käse vor Jobcentern, hier im NDR TV, ab 7.50. Es geht bei der Aktion darum, über ein Bild framing zu betreiben. Zentrale Botschaft: Das neue Bürgergeld reicht nicht, da muss mehr kommen. Dazu kann man ellenlange Expertisen und Analysen schreiben, Broschüren verfassen, Fachtage und Symposien veranstalten. Interessiert kein Schwein, respektive nur die, die eh schon an die zu vermittelnden Botschaft glauben. Wenn es nicht gelingt, medial überzeugende Bilder zu produzieren, die ein Narrativ bilden, ist alle Mühe vergebens, da können Sie genauso gut in der nächsten Kirche eine Kerze anzünden und für mehr soziale Gerechtigkeit beten.

Ein Idealfall: Es gelingt Ihnen, ein Meme zu produzieren, das viral geht und von da in die physische, analoge Welt einsickert.

 Mich erstaunt immer wieder, dass viele Akteure, die um mediale Aufmerksamkeit für ihre Kernbotschaften buhlen, kaum einen Begriff von diesen Wirkungszusammenhängen haben.

Ob aus dem Käse mal ein Meme wird, bleibt abzuwarten. Sowas kann man nicht bewusst designen, das entscheidet die Realität.

Mich hat „Gegenöffentlichkeit“, und dazu gehört das hier Beschriebene, als subversive und komplementäre Strategie zur bürgerlichen Öffentlichkeit seit ihrer Blüte in den Post68ern interessiert. Das Aufkommen des Internets war in dieser Richtung ein enormes Hoffnungspotential, hat sich aber als Rohrkrepierer entpuppt, ist überwiegend gigantischer Resonanzverstärker eines riesigen, braunen Scheißhaufens, durchtränkt mit Kommerz und Abartigkeiten, in den Köpfen des zugerichteten Mobs. So viel Unversöhnlichkeit muss sein.

Insofern sind solche Käse-Aktionen für mich auch erfrischende Exkursionen aus der Medientheorie in die Praxis, wenn ich selber Bestandteil der Produktion medialer Bilder bin. Ein starres Bild ist eine Sache, aber wie setzt man ein (potentielles) Meme in bewegte Bilder um? Es ist ja z. B. stinkend langweilig, den Käse  1 Minute 20 in Großaufnahme zu zeigen und das dann zuzutexten. Und so kommen die Ihnen bekannten Bilder zustande, wo die Bundestagsabgeordnete von rechts nach links aus dem TV-Bild läuft, Schnitt, Interview. Ströbele ist früher immer mit dem Rad ins Bild gefahren, das haben wir im NDR-Beitrag mal zitiert. Gerne zeigen Medien im TV auch andere Medien, wenn sonst nix passiert. Im obigen NDR-Fall die Spiegelung der Realität via Smartphone.

Mit der Produktion vermeintlich starker Bilder können Sie natürlich auch derbe auf den Pinsel fallen, um mal im Genre zu bleiben. Im Zeitalter sozialer Medien geht kaum eine Panne, Pleite, schräge, politisch unkorrekte Formulierung, ein aus dem Rahmen fallendes Bild verloren, wirkt lächerlich, kontraproduktiv, erzeugt Shitstorms. (Absolutes Desasterbeispiel das Instagram Video der Verteidigungsministerin zum neuen Jahr. Das Grauen.)

Es gibt Leute, die mögen Bungeejumping oder Big-Wave-Surfen. Wegen Adrenalin und Endorphin. Nicht meins. Ich mag Käse, Memes und Medien.

29.12.2022 – Neues Bürgergeld? Alter Har(t)zer Käse!

Original. Das ist der Originalkäse einer Aktion zum neuen Bürgergeld, das ab 01.01.2023 in Kraft tritt. Har(t)zer Käse, verteilt vor allen Jobcentern in Hannover.

Fälschung. Eine bekannte Supermarktkette bringt zurzeit einen Nachbau des Originalkäse in Umlauf. Das ist Etikettenschwindel.

Zum Hintergrund:

Am 01.01.2023 tritt das neue Bürgergeld in Kraft. Es ersetzt das vorher so genannte Arbeitslosengeld II „Hartz-IV“.  Die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen sieht in diesem „Reform“projekt der Koalition im Bund keinen substantiellen Fortschritt. Die LAK wird daher am 30.12.2022 mit der symbolischen Protestaktion „Neues Bürgergeld? Alter Har(t)zer Käse!“ vor den hannöverschen Jobcentern je eine Packung Har(t)zer Käse deponieren.

Das Bürgergeld wurde durch den Kompromiss im Bundesrat völlig verwässert. Bis auf ein paar kosmetische Korrekturen ist das neue Bürgergeld nichts weiter als alter Har(t)zer Käse. Als niedersächsische Spezialität ist Harzer Käse bekömmlich und gesund, als neues Bürgergeld in altem Hartz-IV-Gewand liegt es den Betroffenen schwer im Magen. Sie hatten zu Reformbeginn auf substantielle Verbesserungen ihrer Situation gehofft. Die traurige Wahrheit ist:

– Die Erhöhung der Transferleistung von 449 auf 502 Euro (10 Prozent) im Monat ist viel zu niedrig. Sie ist keine Verbesserung des Lebensstandards, sie deckt nicht annähernd die Inflation bei Lebensmitteln ab, dem Bereich, der für Bürgergeld-Bezieher*innen existentiell ist. Die Inflation bei Lebensmitteln betrug im zurückliegenden Jahr 21,1 Prozent.

– Es gibt keine Vertrauenszeit in den ersten sechs Monaten von Bürgergeld-Bezug. Ursprünglich war geplant, Menschen in dieser Zeit Vertrauen entgegenzubringen und auch bei Regel-verletzungen keine Sanktionen auszusprechen.

– Die geplante Karenzzeit von zwei Jahren, in denen die Kosten der Wohnung ohne weitere Prüfung übernommen werden, wurde auf ein Jahr abgesenkt.

Fazit:

Auf Grund der viel zu niedrigen Anpassung der Regelsätze sind die Betroffenen weiter mit Hunger bedroht. Das mangelnde Vertrauen verletzt ihre Würde und sie sind unter Umständen frühzeitig mit der Situation konfrontiert, ihre Wohnung zu verlieren.

Das neue Bürgergeld verhindert keine Armut, setzt Menschen existentiellem Stress aus und reduziert so ihre Chancen bei der Jobsuche und Integration. Stattdessen wurde teilweise versucht, Menschen, die unten sind wie Niedriglöhner*innen und prekär Beschäftige, gegen Menschen auszuspielen, die wie Bürgergeldbezieher*innen ganz unten sind.

Das ist perfide, fördert die Spaltung der Gesellschaft und sorgt für Demokratieverdrossenheit. Das stinkt zum Himmel, wie echter, guter Harzer Käse.“

Die Aktion „Neues Bürgergeld? Alter Har(t)zer Käse!“ gehört zu einer Kampagne der LAK, in der mit temporären öffentlichen Installationen gegen die wachsende Not in Krisenzeiten aufmerksam gemacht wird, siehe auch „Eisblock vor dem Landtag“ am Weltarmutstag oder „Campingzelt vor dem Finanzministerium“. Aus Sicht der Landesarmutskonferenz fällt der Jahresrückblick in Sachen Bekämpfung von Armut und wachsende Spaltung der Gesellschaft ernüchternd aus: Wo bleibt die Bazooka gegen Armut, der Doppelwumms für mehr soziale Gerechtigkeit? Die LAK fordert daher unter anderem:

– Sofortige Erhöhung der Bürgergeld-Regelsätze um 200 Euro im Monat. Nach Berechnungen des Paritätischen müsste das Bürgergeld auf mindestens 725 Euro angehoben werden, um wirksam vor Armut zu schützen.

– Sanktionsmoratorium für ein Jahr.

– Mobilitätsticket für 9 Euro, das sich auch Arme leisten können, um z. B. Arbeit suchen zu können.

Der ursprüngliche Claim für den Käse war „Bürgergeld: Neuer Wein in alten Schläuchen!“. Dafür sollten vor den Jobcentern die beliebten Weinschläuche deponiert werden, aus denen man das Zeug praktisch und leicht zapfen kann. Die Schlagzeile „Landesarmutskonferenz verantwortlich für Komasaufen vor Jobcentern“ wollte ich mir bei aller Konfliktbereitschaft denn doch nicht gönnen

27.12.2022 – Vorsätze

Weihnachtsimpressionen. Ein paar Konstanten muss es doch geben in dieser Zeit der rasenden Veränderungen. Und wenn es die ist, sich in der Jahresendzeit ordentlich die Kante zu geben. Ein beruhigendes Bild insofern, als dass es ein Ritual abbildet und Rituale in dieser Zeit nicht das Schlechteste sind. Rituale bilden Orientierungsrahmen für Menschen in einer zunehmend sinnentleerten Zeit. Sie geben uns Halt, Sicherheit, Struktur und mir persönlich halten sie den Kopf frei für Kreativprozesse. Rituale sind da, brauchen nicht geplant zu werden. Rituale sind eine feine Sache, recht eigentlich gar lebensnotwendig.

Nun gut, vielleicht nicht alle.

Proportional zum Konsum obiger Flaschen, explodiert zu den Feiertagen die häusliche Gewalt, bei der Männe gerne mal härter zulangt. Die Einsamkeit nicht nur bei Älteren und bei Ärmeren das Gefühl des Ausgeschlossenseins treten noch greller als eh schon zutage. Die Müllmenge wächst zu Weihnachten um 20 Prozent im Vergleich zum Jahresdurchschnitt. Feinstaub aus Raketen und Böllern zum Jahreswechsel gefährden massiv unsere Gesundheit. Es kommt jedes Jahr zu schwerwiegenden Verletzungen, das medizinische Personal ist nicht am Limit, sondern darüber. Private Feuerwerke produzieren jährlich tausende Tonnen an unnötigem Müll und Millionen Sachschäden. Ein großer Teil der Feuerwerküberreste landet dabei auf Grünflächen, in Gewässern oder Waldgebieten, wo sie entweder gar nicht oder nur mühsam und unvollständig eingesammelt werden. ….

Ok, war vielleicht keine so gute Idee, mit Ritualen anzufangen. Ich wollte halt nur was Positives gegen diese rasenden Veränderungen anführen, die uns zunehmend überfordern.

Vielleicht was Niedliches? Es gibt ja durchaus Bollwerke gegen Veränderungen. Unlängst erhielt ich z. B. von einem Künstler eine Einladung zu einer Ausstellung: „Liebe Freunde der Kunst und des Künstlers, … kommt zur Ausstellung … und bringt gerne Freunde mit…“

Mir lag auf der Tastatur zu antworten, ich käme gerne, würde aber reine Männerveranstaltungen ätzend finden. Ich hab‘s natürlich gelassen, der gute Mann würde gar nicht verstehen, wovon ich rede. Aber diese Art Verweigerung gegenüber Veränderungen hat insofern was Niedliches, als die Vorstellung des Künstlers, er könnte im 21. Jahrhundert professionell bestehen mit derartigen Anredeformen in einer Branche, der Kulturbranche, die von einem hohen Anteil von Frauen geprägt ist, die dazu überdurchschnittlich offen sind für zeitgenössische Gender- und Diversity-Diskussionen, so grotesk aus der Zeit gefallen ist, dass es, siehe oben, nur noch niedlich ist.

 Abseits der Tatsache natürlich, dass das in eine reaktionäre, misogyne Tendenz unserer Tage passt, Frauen zurück an den – weihnachtlichen – Herd zu drängen. Da kann man (!) nur froh sein, dass es den Kapitalismus gibt. Der braucht nämlich zur Aufrechterhaltung seines Geschäftsmodells zunehmend jede Arbeitskraft, Frauen, Geringqualifizierte, Ausländerinnen, dem Kapital ist die Nation scheißegal. Das Kapital wird also jenen weißen, alten Männern, die nicht immer nur weiß und alt und auch keine Männer sein müssen, was husten mit ihren skurrilen Ansichten.

Ich lass das jetzt mal mit dem Thema „Veränderungen“, ich hatte eigentlich den Vorsatz, zum Jahresende was Nettes, Versöhnliches, Beruhigendes zu predigen. Aber wie das so ist mit Vorsätzen.

26.12.2022 – Passt wie Arsch auf Eimer

Neu entdecktes Gemälde von William Turner? Schön wär’s. Wenn es, wie das Bild insinuiert, in meinem Besitz wäre, würde ich um potentiell ca. 30 Millionen Taler reicher sein. Es ist leider nur ein Smartphone-Foto, das die Grenzen meiner Kamera aufzeigt, aber nichtsdestotrotz gerade in seiner Begrenztheit als nächtliche Milieu- und Stimmungsstudie a la Turner eines Hafens – hier des einen Steinwurf von mir entfernten Lindener Hafens – durchgeht und Bildungsbürgerinnen an Malermeister Turner erinnert. Der als Pinselrevolutionär seiner Zeit übrigens um Jahrzehnte voraus war.

Machen wir hier mal in plattem Symbolismus und nehmen das Bild als Allegorie der Zukunft: Unscharf konturiert zwar, aber deutlich düster, bedrohlich, Licht als Signal von Hoffnung ist am Horizont, aber die Dunkelheit verschlingt es, von vorne, frisst sich nach hinten durch, der Angriff der Gegenwart auf die Zukunft.

Passt doch wie Arsch auf Eimer. Nie war Krise und Ungewissheit so groß wie heuer. Logische Konsequenz: Flucht aus der Gegenwart, Eskapismus pur. Zurück in die Neunziger. Zitat aus „Comeback der Neunziger“ : „ …. „Wetten, dass ..?« ist zurück. Auch die Gameshow »Der Preis ist heiß« mit Harry Wijnvoord läuft wieder im Fernsehen . »Die 100.000 Mark Show« mit Ulla Kock am Brink. »Geh aufs Ganze!« mit Jörg Draeger und dem Zonk. »7 Tage, 7 Köpfe« und »TV total«….“

Warum gerade die Neunziger? Fazit des Artikels: »Es war eine weniger bedeutungsvolle Zeit«.

Ich würde sagen, es war die letzte Ruhe vor dem Sturm, wie wir jetzt, mitten im Sturm, wissen. Ab 2000 erhielt die Gegenwart einen Wirkungstreffer nach dem nächsten: Dotcom Blase platzt, 9/11, Lehman Krise, EU-Krise, Bankenkrise und seit ein paar Jahren Dauerkrise, kein Atemholen mehr wie zwischen den erstgenannten Krisen. Kein Wunder, dass psychische Erkrankungen und Medikamentengebrauch explodieren, die Spaltungen in der Gesellschaft immer tiefer werden, siehe Coronaschwurbler, Reichsbürger, Normalbekloppte, die Demokratie den Bach runter geht, dem Klima quasi voran. Rasende Veränderungen. Bedrohlich.

Insofern errötete ich unlängst freudig dezent, als ich eine Ex-Kollegin nach vielen Jahren wiedertraf, aus einem ehemaligen Job, die sagte: „Du hast Dich überhaupt nicht verändert.“ Man muss dazu sagen, es war dunkel und die Ex-Kollegin trug ihre Brille nicht. Wer weiß, wen sie überhaupt meinte. Aber es war ein positiver Wirkungstreffer.

Denn eigentlich geht die Geschichte von Veränderung ganz anders, nämlich als Parabel auf den notorischen Spießer, der sich sein Leben lang nicht verändert, sich allem, was neu ist, verweigert. Was nichts weiter ist als der Tod schon zu Lebzeiten. Es ist eine Geschichte von Bertolt Brecht über Herrn K.:

„Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.“

24.12.2022 – Weihnachten

Fröhliche Weihnachten, liebe Leserinnen. Mir ist Weihnachten weder Lust noch Last sondern Wumpe. Ich weiß aber, dass es andere Sichtweisen gibt, viele Erwartungen und Enttäuschungen damit verbunden sind, und wünsche daher mal ganz unironisch allen, die vielleicht traurig, einsam, frustriert, krank sind, wenigstens ein paar schöne Momente und das es einfach besser werde.

Vom Persönlichen zum Politischen ist es nur ein kleiner Schritt (vertippt, eben stand da noch „Schrott“) und da wird nix besser. Hier ein schöner Artikel, der die wichtigsten Klima-Kipppunkte und ihre Auswirkungen zusammenfasst. Der mehr als 3000 Meter dicke Eispanzer Grönlandeis verliert an Masse. Ab dem Kipppunkt ist das Eis verloren: Auch ohne weitere Erwärmung kommt es zum Totalverlust. Es drohen sieben Meter globaler Meeresspiegelanstieg. Schon in den nächsten 20 Jahren droht das System zu kippen, was kommende Generationen dazu verurteilt, die meisten Küstenstädte aufzugeben. Das Antarktiseis beginnt ab dem Kipppunkt unaufhaltsam ins Meer zu rutschen. Beim Westantarktischen Eisschild könnte dieser Punkt bereits überschritten sein, wahrscheinlich liegt er aber zwischen 1,5 und 2 Grad Erderwärmung . Drei Meter globaler Meeresspiegelanstieg im Lauf der kommenden Jahrhunderte wären die Folge.

Das sind zwei Kipppunkte, nur für sich betrachtet. Was passiert, wenn sich, was logisch und realistisch ist, alle sechs überlagern und gegenseitig verstärken, kann niemand vorhersagen. Ich wag mal die kühne Prognose: Besser wird’s dadurch nicht.

Ich freue mich über jedes Biodiversitätsabkommen zur Rettung der Welt, tolle Initiativen zur nachhaltigen Ressourcenwirtschaft, über Mülltrennung, über all das und noch viel mehr. Schön, wie für viele Ökologie zur Ersatzreligion geworden ist. Allemal besser als Originalreligion oder deren Nachfolgerin, der Körper-Fitness-Kult. Aber ich vertraue mehr der Welt der Fakten als papiernen Abkommen oder gar als Feuilletondiskursen z. B. über den Boom von Nachhaltkeitsstrategien bei Hipstern und Ökos. Das Statistische Bundesamt, meine Kathedrale für meine Religion, die sich Fakten nennt, vermeldete am 19.12.22:

Neue Rekordmenge an Haushaltsabfällen im Jahr 2021. Erstmals mehr als 40 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle. Pro-Kopf-Menge steigt gegenüber 2020 um 6 Kilogramm auf 483 Kilogramm Abfall. Deutlich mehr Bioabfälle und Sperrmüll pro Kopf, weniger Wertstoffe und Restmüll. Das Aufkommen an Haushaltsabfällen stieg damit auf den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2004.

Es ist also nicht nur keine Reduzierung zu sehen, sondern noch nicht einmal eine Prozessumkehr. Einfach hau wech die Scheiße.

Ich wende mich dann mal meinem persönlichen Kipppunkt zu und kipp mir nachher einen Colheita Port hinter die Binde. Nach drei Gläschen kippt das dann hier aber sowas von ins Fröhliche. Weinachten.

23.12.2022 – Zwei Bahnstationen hinter dem Arsch der Welt

Szenen einer Ehe? Denkmal zur Teilung Deutschlands in Duderstadt im Eichsfeld, wo nach dem Grundlagenvertrag 1972 zwischen der BRD und der DDR einer von vier zusätzlichen Grenzübergängen eingerichtet wurde. Damals war die Welt noch halbwegs in Ordnung.

Wer das in der Form vor ein paar Jahren formuliert hätte, dem wäre sofort das Etikett „ewig gestriger Beton-Kommunist“ angehängt worden. Abgesehen davon, dass Beton ein unverzichtbarer Baustoff ist, ich überhaupt nichts gegen „gestern“ einzuwenden habe und als undogmatischer Linker nur Schwierigkeiten mit „Kommunist“ hätte, geht diese Formulierung Ende 2022 für jeden halbwegs mit Verstand Gesegneten völlig ideologiefrei durch. Heute ist die Welt aus den Fugen geraten und so weit von halbwegs in Ordnung entfernt wie ich vom Nobelpreis für Literatur. Ich muss die Fugen nicht alle aufzählen, ein Blick in die Nachrichten genügt.

Alle Jahre wieder Duderstadt, die alte Heimat, wir standen in fröhlicher Runde nach intensiven Fachgesprächen auf dem Weihnachtsmarkt, ich hatte einen Lumumba in der Vorhalte, Kakao mit Rum. Das Getränk Lumumba hat seinen Namen nach dem Freiheitskämpfer Patrice Lumumba, der in den 60ern aus freien Wahlen als Ministerpräsident des Kongo hervorging. Er wurde auf Betreiben der USA, Großbritanniens und Belgiens durch die CIA mit Hilfe des MI6 aus dem Amt geputscht, gefoltert und ermordet. Das war und ist das Tagesgeschäft der CIA, westlicher und aller nennenswerter Geheimdienste und kommt im Zweifel mit ein paar Jahrzehnten Verspätung raus. Sie werden daher verstehen, liebe Leserinnen, wenn ich Hurrameldungen und Nachrichten aus westlichen Geheimdienstkreisen in Sachen Ukrainekrieg mit ähnlicher Vorsicht genieße wie todsichere Börsentipps und Horoskope. Auf gut Deutsch: Unbrauchbar und in die Tonne. Im Moment schwer en vogue ist ja der britische Geheimdienst, wird dauernd zitiert. Die CIA ist wohl und hoffentlich auf Dauer desavouiert.

Andere Teilnehmer der feuchtfröhlichen Lumumba-Runde äußerten angesichts des Denkmals die Vermutung, es handele sich um Szenen einer Ehe. Ich erwiderte, das sei kompletter Blödsinn (der dritte Lumumba begann zu wirken, wir wurden langsam laut und noch fröhlicher). Wäre das Denkmal realistische Szene einer Ehe, müsste die Laufrichtung der Frau um 180 Grad gedreht sein, also fluchtartig vom Mann weg. Das überzeugte die Anwesenden sofort, waren sie doch allesamt verheiratet.

Die Strafe für soviel Lästerei ereilte mich auf dem Heimweg. Zwei Bahnstationen noch hinter dem Arsch der Welt, wo es normalerweise schon abgrundtief depressiv aussieht,

kam auf einmal Boden-Nebel auf, der immer näher waberte. Ich bin allem metaphysischen abhold, habe aber mal den Klassiker „The Fog – Nebel des Grauens“ gesehen.

Entspannte Jahresendzeit mit einem schönen Jahresendbaum und Jahresendflügern wünsche ich Ihnen..