10.11.2020 – Nun aber hebt der Gott des Planes seine Schwingen


Impressionen aus der Heimat, Teil 2 – Vegetarians Nightmare.
Wenn wir dereinst Zeitzeuginnen befragen, wie sie die Seuche erlebt haben, wird wieder gelogen, dass sich die Balken biegen. Nichts ist so unzuverlässig wie Oral history, da wird die eigene Vergangenheit ohne Erbarmen über den Leisten des jeweiligen Zeitgeistes geschlagen, siehe Nationalsozialismus. Vor dem Krieg wurde das Regime mit einer Zustimmung von eher über 80 Prozent der Bevölkerung getragen. Es lockte ja fette Beute wie beim massenhaften Diebstahl an jüdischem Eigentum, wovon Millionen Haushalte profitierten. Nach der Niederlage des Faschismus gab es rückblickend auf einmal nur Widerstandskämpfer oder innere Emigrantinnen. Also wird bei einer späteren Seuchenbefragung jede von Anfang an geahnt haben, dass da was Schwerwiegendes auf uns zukommt. Ich habe ein relativ untrügliches Verhaltensprotokoll: Den vorliegenden Blog, in dem ich mal geblättert habe, und laut dem ich nicht von Anfang so schlau war (später dann umso mehr…).
Im Februar habe ich über Corona noch während einer Live-Veranstaltung Witze gemacht. Anfang März habe ich mich einen Tag nach einer Live-Vernissage-Rede von mir einen Narren gescholten, dieses Risiko eingegangen zu sein. Am 22.04 habe ich 10:1 gewettet, dass wir noch dieses Jahr einen Impfstoff zur Marktreife kriegen. Und zwar unter explizitem Verweis auf den Kapitalismus, der in der Dynamik seiner Profitgier immer wieder unterschätzt wird. Zitat:
„Ich hoffe auf den Kapitalismus als Lösung. Bei einem Impfstoff lockt so viel Profit, dass vermutlich Ressourcen wie nix in die Forschungsabteilungen der Pharmakonzerne gepumpt werden. Den beteiligten Forscherinnen winkt darüber hin aus Ruhm und Ehre und die Rechnerleistungen sind hoch wie nie. Also setze ich einfach 10 : 1, dass noch in diesem Jahr Impfstoff marktreif wird.“
Am 25.04 hatte ich dann die Lösung des Problems Seuchencontainment parat: Zitat:
„Aktuell wäre ein brutalstmöglicher Lockdown das Mittel der Wahl: 3 Wochen Inhouse Quarantäne für alle. Und wer auf die Straße geht, wird erschossen.“
Aber auf mich hörte ja mal wieder keine.
Der Rest meines Seuchenerlebens war dann in mir mitunter aufwallender nackter Hass auf die Querdenker-Faschisten, bedingt gezügelt durch Satire-Dystopien, Klopapier-Verbrennungen und Gedöns.
Was bleibt, ist die Alltrösterin Lyrik:
Nun aber hebt der Gott des Planes seine Schwingen
Es locken Ioniens Gestade.
Der Impfstoff bringt den Börsenkurs zum Singen.
Aber geflogen wird erst später. Schade.

Preisfrage, ist das ein: 1. Jambus, 2. Trochäus, 3. Daktylus oder 4. Anapäst?

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