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18.02.2018 – Kuscheltrainerin Irma Dilba-Burnautzki: Mit Sexualität kommt da noch ein großer Rattenschwanz hinterher

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Essen 2018 (Bild: hjae)
Wärmt die Nation den Leib in kalten Tagen? Füllt sie den leeren Bauch in Hungerszeiten? Schafft Frieden sie, wenn Waffenlärm den Horizont erzittern lässt?
Nein, tut sie nicht. Niemals. Im Gegenteil. Und so möchte man dem stiernackigen und in seiner Hare-Krishna anmutenden Bekleidungs-Durchgeknalltheit nicht gänzlich unsympathischen Bewohner der Ruhrpott-Metropole zurufen: „Halt ein, Du Tropf! Etwas Bess‘res als die Nation findest Du allemal!“ Wie überhaupt der Pott in seiner flachhumorig geerdeten Wesensart eine eher sympathische Region ist und trifft Pott auf Griechenland, kommt drolliges heraus, wie das hier:
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Grieche – zu Füßen der legendären Villa Hügel von Alfred Krupp (Bild: hjae)
Dieser Blog hat mittlerweile diverse Korresondent*innen, die ihn zuverlässig mit Verwurstbarem beliefern. Neu in dieser Runde ist hjae, zuständig für Ruhrpott, Portugal und angrenzende Urlaubsregionen. Herzlich willkommen!
Dieser Blog hat mittlerweile über 25.000 Visits (=Leser*innen) pro Monat und 250.000 werberelevante Page-Impressions. „Page-Impressions“ sind alle Aufrufe der Unterseiten einer Website während eines Besuches.Im Vergleich zu Pornoseiten ist das eher überschaubar, da gehen die Klickzahlen pro Monat in die 30 Millionen. Ich überlege daher, zwecks Reichweitensteigerung Pornos in diesem Blog zu zeigen und bitte alle Leser*innen, mir ihr diesbezüglich in Heimarbeit angefertigtes Material zuzusenden.
…. und treiben mit Entsetzen Scherz.
Es ist übrigens eine urbane Legende, dass die meistbesuchten Seiten im Netz Pornoseiten sind. In Deutschland sind im Ranking der 50 meist besuchten Seiten gerade mal zwei dabei, die erste weit hinter Wikipedia auf Platz 15. Die heißt LiveJasmin. Vom Namen her würde ich auf Blümchensex tippen. Was mich zur Frage überleitet: Wie gehen Kuschelvideos im Netz eigentlich?
Nicht ganz so gut. Die erste Fundstelle zeigte mir: Kuschelparty, 64.000 Visits in den letzten 10 Jahren.
Die Aussage gleich zu Anfang von Kuscheltrainerin Irma Dilba-Burnautzki empfand ich allerdings auch irgendwie verstörend:
„Mit Sexualität kommt da noch ein großer Rattenschwanz hinterher“.
….
Im SCHUPPEN 68 Blog geht es eher um die Schule der Kritik, subjektiv und hoffentlich mitunter unterhaltsam, immer in der Tradition der Aufklärung: Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Und da sind 25.000 Besucher*innen im Monat gar nicht so schlecht.
Außerdem hab ich sonst auch absolut keinen Plan, wo ich das hier Verfasste unterbringen könnte.

17.02.2018 – SPD Mitleid Performance. 2007 ….

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SPD Mitleid Performance. 2007.
Warum habe ich den Durchbruch nie geschafft? Wer als Kulturproduzent dauerhaft von seiner Arbeit leben will, ist den Gesetzen des Marktes unterworfen. Das kann man bedauern und daran arbeiten, das zu ändern, aber die Veranstaltung, in der wir uns befinden, heißt Kapitalismus und dort herrschen nun mal die ehernen Gesetze des Marktes. In Deutschland haben wir einen weltweit einmaligen Kultur-Sonderfall jenseits des Marktes (siehe auch Landwirtschaft, Bergbau, etc.): eine herausragend vielfältige öffentlich finanzierte Kulturszene und eine überaus üppige öffentliche Förderung der Künste. Alle Kunst-Projekte für die Landesarmutskonferenz hätte ich niemals ohne öffentliche Förderung realisieren können, seien es Theaterstücke, die langjährige Intervention „Armut? Das ist doch keine Kunst!“, die kulturgetränkte NETZ Zeitung etc. pp. ….
Für die Arbeit im SCHUPPEN 68 oder als Solo-Akteur habe ich natürlich niemals öffentliche Förderung beantragt. Staatlich finanzierte Anarcho-Avantgarde ….eine klassische contradictio in adiecto (das ist wie „rundes Quadrat“ oder „Sozialismus in der SPD“). Ausschließlich von freier Kulturproduktion konnte ich nie leben und abgesehen davon, dass ich eine Gesellschaft, die das zuließe, lieber nicht näher kennenlernen möchte, bleibt das Fazit: Den Durchbruch habe ich nie geschafft. Das Leben ist halt kein Ponyhof. Aber woran hat’s gelegen? Die Medien waren überaus freundlich gesonnen, in meiner Pressemappe sind hunderte Artikel und Erwähnungen. Daran hat es nicht gelegen. Manchmal habe ich mir eingeredet, für das, was ich mache, gibt es noch keinen Namen, so Avantgarde ist das.
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Neue Presse, 04.08.2007. Der Zeit um über 10 Jahre voraus. Was im schnelllebigen Politgeschäft mehrere Generationen sind. Erinnert sich noch irgendwer an Kurt Beck? Erfinder des Beck‘s Bier? Oder wer?
Also steht dereinst auf meinem Grabstein: Er war seiner Zeit voraus?
Eher nicht. Wenn ich ehrlich sein soll: Es lag ausschließlich an mir.
Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Karl Valentin. Neben der Erwerbsarbeit eine Langzeit-Kunstintervention zu kuratieren oder sich dauernd neue Kabarettprogramme auszudenken, das ist langwierige nervige Knochenmühle, mitunter viele quälende Sitzungen mit unprofessionellen Künstler-Darstellern, dagegen ist die Hölle ein Ponyhof. Auf Tour Unterbringung in IBIS Hotels. Danach kommt nur noch die Parkbank.
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Bei brütender Hitze Stand-Up auf dem Markt von Villingen und direkt danach im Smoking tausende Kilometer Heimfahrt in einem Zug, in dem die Klimaanlage defekt ist und heizt – sowas ist in einem Roadmovie lustig anzugucken, in der Realität brauchte ich nach sowas zwei Wochen Urlaub, um mich zu erholen.
Nein Danke. Dann lieber im Sommer am Kiesteich in der Sonne dösen, im Frühjahr in Berlin beim Karneval tanzen und mir den Rest des Jahres einreden:
Ich war meiner Zeit voraus.
Was im SPD-Fall der Wahrheit entspricht. Aber mal im Ernst: Wer zahlt mir da was für?

16.02.2018 – Noch so’n Spruch – Kieferbruch

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Lust am aktiven Verkaufen?
Der Morgen tat so weh wie eine Harnwegsinfektion. Die tiefstehende Sonne brannte mir beim Weg zum Bäcker in den Augen, als ob jemand einen Flammenwerfer darauf hielte.
Der letzte Bourbon bei der gestrigen Pokerrunde musste vergiftet gewesen sein. Ich konnte mich noch daran erinnern, wie ich mir aus fünf Kippen im Aschenbecher eine Zigarette bastelte, weil ich zu betrunken war, um mir am Kiosk neue zu holen. Danach Filmriss.
Wenn ich nicht bald Kaffee und frische Brötchen zwischen die Zähne kriegte, würde dieser Tag mein letzter sein. Es war ein Tag wie fast jeder andere.
Die Verkäuferin beim Bäcker lag in der Ecke in einem Liegestuhl, mit geschlossenen Augen, eine brennende Kippe im Mundwinkel. Ich erkannte blitzartig, mit wem ich es zu tun hatte:
Sie war eine Passiv-Verkäuferin.
Ich hatte nicht die geringste Lust zu diskutieren, holte meine 22er Browning aus dem Schulterholster und hielt sie ihr an die Schläfe:
„Hör zu, Baby, ich weiß genau, was hier gespielt wird…“
Sie schlug die Augen auf. Und in dem Moment, beim Blick in ihre tiefgründigen, stahlblauen Augen wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht hatte. Bevor ich mit den Wimpern zucken konnte, hatte sie mit einer blitzschnellen Bewegung mit dem rechten Arm mir die 22er aus der Hand geschlagen und ein Knie in meine empfindlichste Stelle gerammt. Ich krümmte mich und hatte im gleichen Moment das andere Knie im Gesicht. Mein Nasenbein brach und das Blut schoss heraus. Ich lag auf dem Boden, sie hockte auf mir und hielt mir ein Messer an die Kehle:
“Hör zu, Wichser, ich bin eine Passiv-Verkäuferin und ich bin stolz drauf. Und wenn Dir das nicht passt, sag nur ein Wort, und …“

Diese Zeilen sind eine Hommage an Dashiell Hammett (Autor des „Malteser Falken“, verfilmt mit Humphrey Bogart). Hammett, und nicht Chandler, war Begründer des Genres des realistischen Kriminalromans. Hammett war Antifaschist und Mitglied der amerikanischen KP. Seine bürgerliche Existenz wurde in der McCarthy Ära, der Jagd auf Linke, vernichtet. Er starb verarmt.
Oft ist auch und gerade in erst alternativen und dann zu Wohlstand gekommenen Kreisen zu hören, Deutschland sei eine Service-Wüste:
„Also wir waren letztes Jahr in den Staaten, da wird man als Kunde noch wertgeschätzt! Aber in Deutschland….“
Verkäuferinnen im Einzelhandel, und es sind zu über 90 % Frauen, sind oft Alleinerziehende, die sich und ihre Kinder mitunter mit mehreren 450 Euro Jobs über Wasser halten. Sie verdienen im Zweifel immer weniger als jene 12 Euro pro Stunde, die notwendig wären, um bei Vollzeitarbeit nach 45 Jahren Schufterei eine Rente zu bekommen, die knapp über der Armutsgrenze liegt. Und dafür sollen sie schlechtgelaunten Stupidienräten, die gerade in ihrer von den Steuern von Verkäuferinnen bezahlten Burnout-Auszeit Brötchen holen, auch noch in den Arsch kriechen?
Dem Nächsten, der mir mit dem Spruch „Wir leben in einer Service-Wüste“ kommt, serviere ich: „Noch so‘n Spruch – Kieferbruch.“ Für Stupidienräte reichen meine Karatefähigkeiten auch heute noch locker aus.

15.02.2018 – Fastenzeit. Zeit zum Verzichten.

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Demo in Berlin vor dem roten Rathaus, um 2003 herum. Verzicht muss man sich leisten können….
Wir haben Fastenzeit. Fastenzeit ist Zeit zum Verzichten, z. B. auf Fleisch, Alkohol, Zigaretten, Autofahren. Im christlichen Aberglauben gilt Fasten als äußeres Zeichen von Buße und Besinnung, aufgeklärte Zeitgenoss*innen praktizieren Fasten gerne als Phase der Selbstbesinnung, von Innehalten oder einfach, um gesünder zu leben. Ich lebe sowieso gesund, und Buße tun? Wofür? Was ich mach‘, ist immer richtig. Sonst würd ich’s ja nicht machen. Logisch. Buße fällt also auch flach, aber Besinnung ist ok. Ich werde also 7 Wochen lang kein Auto fahren. Mach ich die restlichen 45 Wochen auch nicht, aber Maos Langer Marsch hat ja auch mit dem ersten Schritt angefangen. Außerdem werde ich 7 Wochen lang auf einen für viele unerschwinglichen Luxus verzichten: auf eigene Gedanken. Und nicht nur das. Meine Homebase wird zu einer denkfreien Zone, was ich mittels durchgestrichenem Gehirn-Symbol an meiner Haustür signalisieren werde: Gedankenfreie Zone. Besucher*innen werden durchsucht, ob sie auch ja keinen Gedanken dabeihaben und alle Gespräche und Arbeitssitzungen (Homeoffice) werden Gedankenfrei abgewickelt. Wie das im Einzelnen funktionieren soll, weiß ich noch nicht. Da mach ich mir keine Gedanken drum. Komisch wär’s halt nur, wenn man den Arbeitsergebnissen nicht anmerken würde, dass sie im Stadium der Gedankenlosigkeit entstanden sind. Was etwas anderes ist als Gedankenfreiheit.
Verwirrend. In der IG Metall Bildungsstätte Pichelsee in Berlin hing bis ins neue Jahrtausend draußen ein Schild: Atomwaffenfreie Zone. Ist das jetzt was anderes als Atomwaffenlose Zone? Das Schild hängt wahrscheinlich heute noch da. Bis die IG Metall was merkt, das dauert. Da ist die wie der Papst. Göttin sei Dank nicht wie der Kardinal, über den der famose Peter Hacks ja sagt:
Eine Krähe hackt der anderen und ein Kardinal einem Mullah kein Auge aus.
In Berlin gibt es kaum Krähen. Die haben Dohlen da. Sobald Sie östlich der Elbe, nah bei Asien, sind: nur noch Dohlen.
Atomwaffenfreie Zonen waren in den Achtzigern flächendeckend Mode. Auf jedem WG-Scheißhaus hing ein Schild: Atomwaffenfreie Zone. Genauso hätte man überall Schilder hinhängen können: Gedankenfreie Zone.
Eooo, Wehrt Euch, leistet Widerstand. Es war zum Krämpfe kriegen. Es war die Zeit der Dauerdifferenz zwischen gut gemeint und gut gemacht. „Der angebornen Farbe der Entschließung, Wird des Gedankens Blässe angekränkelt.“ Das ist nicht von mir, sondern von Shakespeare, ist aber auch nicht schlecht.
In Pichelsee hatte ich einen meinen ersten Kabarettauftritte, für ein Betriebsräte-Seminar. Hinterher kam eine Kollegin zu mir und hat sich bei mir bedankt: „Ich hab im Moment eine blöde Zeit, muss meine Mutter pflegen und Stress in der Firma. Das hab‘ ich hier bei Deinem Auftritt mal vergessen. Danke.“
Was positiv gemeint war! Und mich die nächste Zeit über ein, zwei Auftritte hinweggetragen hat, über die des Sängers Höflichkeit lieber schweigt.
Die IG Metall hat mich teilweise in den Wahnsinn getrieben und was aus WGs quoll, da schwieg mitunter der Sängerin Höflichkeit drüber. Aber es gibt Dinge, die bleiben. Und was wäre die Alternative?
Ich jedenfalls freu mich auf Berlin, auf die WG da, auf einen Besuch in Pichelsee und auf jede Menge guter und eigener Gedanken.
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Bildungsstätte IG Metall Berlin-Pichelsee. Seminarraum im Freien, dem griechischen Amphitheater nachempfunden.

14.02.2018 – Die SPD kostet mich einen Urlaub!

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Vom Überfluten bedroht: Meeresstrände und die SPD. Im Bild Cala Gat auf Mallorca und der SPD Ortsverein Duisburg-Marxlohe (im Wasser).
SPD laut Umfrage nur noch ganz knapp vor der AfD. Da zahlt mir doch jetzt kein Wettanbieter der Welt mehr eine Quote von 1:4 darauf, dass die SPD in einer bundesweiten Umfrage noch vor der Sommerpause hinter der AfD liegt. Es ist keine Woche her, dass ich mir in diesem Blog hier mutig vorkam mit dieser Quoten-Erwartung und darauf gezockt hätte. Und jetzt, in wenigen Tagen ist diese Chance durch die Realität pulverisiert worden. 1:2 gibt es, maximal. Da springt doch kein Urlaub raus bei so einer Quote!
Westerwelles Projekt 18 Prozent ist nun unerreichbar für die SPD, der nächste Schritt – nach Überholung durch die AfD im März – wird die Einstelligkeit und dann folgt die 5 Prozent Hürde.
Gerade einmal ein Viertel aller Wähler votiert mittlerweile für Parteien, in denen es noch Restwiderstände gegen den Neoliberalismus gibt, die Linke und mit ganz vielen Abstrichen die SPD. Dass die Grünen mal zur „Linken“ gerechnet wurden, war für mich von Anfang an ein groteskes Missverständnis. Wie verzerrt die bürgerliche Wahrnehmung der Gelbbauchunkenbewahrer*innen ist, zeigt der unkaputtbare Mythos über Jürgen Trittin, vormals Kommunistischer Bund, als Linkem. Was ein Witz. Machtvolle Worte des Genossen Trittin gegen die Agenda 2010 sind nicht überliefert. Immer, wenn es um die Grundlage, den essentiellen Kern unserer Gesellschaft ging, unsere ökonomische Produktionsweise, haben sich Grüne stets und zuverlässig rechts ran in das nächste Feuchtbiotop verdrückt. Und das eine frühe Beschäftigung mit dem Kommunismus („Wer mit 20 kein Kommunist war, ist ein Idiot. Wer mit 40 immer noch einer ist, ist ein noch größerer Idiot“. Churchill zugeschrieben. Wenn überhaupt, muss es richtig genau umgekehrt formuliert werden…) nicht immer die Zurechnungsfähigkeit erhöht, zeigt ein Blick in die Mitgliederliste des ehemaligen Kommunistischen Bundes: Ulla Jelpke, notorische Antisemitin, und Jürgen Elsässer, praktiziernder Neo-Nazi.
Richtig drollig wird es ja in der SPD dann, wenn ihr Apparat um seine Existenz bangen muss. Der muss ja irgendwann den sinkenden Einnahmen angepasst werden. Gar nicht zu reden von den Mandatsträgern, die aus den Parlamenten fliegen, den Genoss*innen, die in Aufsichtsräten sitzen und Platz für AfD Leute machen müssen. Da wird allenthalben Heulen und Zähneklappern herrschen und ein Hauen und Stechen, dass Göttin erbarm. Das werden ab einem bestimmten Punkt irreversible Prozesse, eine Lawinengleiche, donnernde, zermalmende Talfahrt, die kein höh‘res Wesen aufhält. Das ist wie der Anstieg des Meeresspiegels, da kannze nix machen. Hamburg? Hau wech die Scheiße! Das Shakespeare Drama „Watt ihr Volt“ bekommt eine neue Deutungsdimension für unser Wattenmeer. Besuchen Sie Ihre Lieblingsstrände, solange sie noch da sind! Mallorca oder Barcelona? Egal, Hauptsache ’ne Insel in der Karibik!
Nachtrag: Die Gelbbauchunke war Lurch*in des Jahres 2014. Dieser Blogeintrag ist nicht Gelbbauchunkenfeindlich zu verstehen.

13.02.2018 – Notwehr

kürzeste karnevalsumzug der welt
Der Weltrekord für den kürzesten Karnevalsumzug der Welt war lange Jahre im Besitz des SCHUPPEN 68. Das ist in einem preisgekrönten Video zu sehen
In diesem Jahr fordern wir ein Verbot des deutschen Karnevals nach § 129a StGB. Dieser Paragraf normiert die Bildung terroristischer Vereinigungen. Die Bilder vom Rosenmontagsumzug haben schwere körderliche und seelische Schäden bei mir angerichtet und nicht nur bei mir. In der Causa gehe ich bis zum EuGH. Ich muss mir nicht alles gefallen lassen.
Die Details können Sie hier in der offiziellen PM nachlesen: PM SCHUPPEN 68 fordert Verbot des Karnevals nach Paragraf 129a. Ich muss jetzt zu meiner Therapeutin, hinterher wieder ins Bett und dann in den Urlaub. Irgendwohin, wo die Leute völlig humorlos sind. Vatikan oder sowas.

11.02.2018 – Gleichzeitigkeit von Differenzen

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Bausünden an der Algarve
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Kurz hinter den Bausünden an der Algarve.
Ich starre gerade aus dem Fenster auf ein Wetter, das an Ekligkeit kaum zu überbieten ist, Düsternis, Wind, Schneeregen bei ca. 2 Grad. Mehr Licht! Am Montag lasse ich mir von meinem Hausarzt eine Woche Urlaub Algarve verschreiben, als lebensrettende Maßnahme.
Das ist aber eine Wetterlotterie, die Vorhersage da unten für die nächsten Tage verhält sich ähnlich volatil wie die Aktienmärkte im Moment. Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren im Dezember mal in Armacao da Pera ankam, wo die Aufnahmen oben entstanden. Es nieselte bei 14 Grad und ich war von den Hochhäusern oben umgeben. Ich weinte still vor mich hin. Am nächsten Morgen schien die Sonne,
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ich hatte den ganzen Strand für mich allein und man muss sich mich als glücklichen Menschen vorstellen. Um zu gucken, ob es überhaupt Menschen dort gibt, suchte ich abends den Ort auf, in dem auch Wirtshäuser waren. Alle erleuchtet, geöffnet. Aber in keinem eine Menschenseele, auch kein Personal. Niemand. Es war so gespenstisch, dass mich gruselte. Wahrscheinlich machte hier ein Serienkiller Urlaub und hatte tagsüber zur Entspannung alles niedergemetzelt, was sich in dem Ort bewegte. Und waren da nicht Blutlachen im Halbdunkel der fahlen Laterne vor der nächsten Kneipe? Oder war es eine Restpfütze Regen?
Hinter der nächsten Ecke endlich Leben! Aus einer Bar drang Lärm. Menschliche Stimmen. Ich weinte vor Erleichterung. (Offensichtlich habe ich sehr nah am Wasser gebaut). Des Rätsels Lösung: Benfica Lissabon spielte in der Championsleague, das Fußballspiel wurde im TV übertragen und das gesamte Kneipenpersonal des Ortes guckte sich das Spiel hier an. Ich stand in der Tür und alle starrten mich entgeistert an. Wahrscheinlich dachten die:
Was will der um die Jahreszeit hier? Ein Verrückter. Ein Serienkiller.
Kein schlechter Personalschlüssel: auf einen Touri 30 Kellner.
Und was mach ich jetzt? Buchen oder bleiben? Und ich bin ja in einer außerordentlich commoden Situation: Außer auf meine Termine muss ich bei der Urlaubsplanung auf niemanden Rücksicht nehmen. Wenn ich da an mein früheres Angestellten-Leben denke, wenn Urlaubslisten durch die Abteilungen gingen, alle in den großen Ferien (wegen der Kinder! Und überhaupt! Da machen doch alle Urlaub!) wegwollten und es immer zu Überschneidungen kam. Dramen! Besonders erfreulich, allerdings nur für mich, waren immer die Zankereien von Frauen, die mit „Argumenten“ rüberkamen wie „Ich muss da aber Urlaub machen zu der Zeit. Da hat mein Mann seinen eingetragen.“
Wenn ich da Chef gewesen wäre, ich hätte die Gusten achtkantig rausgeschmissen.
Zur Erheiterung abschließend mein All-time-favourite Rezept für Mundwasser:
„Eine Salbeitinktur als Grundlage für eine Mundspülung kann man leicht selbst hergestellen (Rechtschreibung im Original. Der Autor). Dafür benötigt Ihr lediglich ein Glas, eine Flasche, frischen Salbei und klaren Alkohol. Hier eignet sich Wodka, Korn (sollte 36-40 % Alkohol enthalten) ….“
Sie sind sich Ihres frischen Atems nicht sicher und haben gleich eine Sitzung mit Ihrem Chef, bei der es um Ihre Karriereplanung geht?
Da gibt es nichts Besseres als dieses Mundwasser!

10.02.2018 – Ein kalter Hauch.

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Alles schon mal dagewesen. Wa(h)lnüsse schwarzrotgold bei einer Aktion von mir mit Erwerbsloseninitiativen vor dem hannöverschen Arbeitsamt im Vorfeld der Bundestagswahlen 2002.
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Sowas ähnliches hab ich 2008 gemacht und 2017 nochmal und dachte jedes Mal: Mann, das ist ja echt originell. Jetzt würde ich gerne wissen, wer das wirklich zum ersten Mal gemacht hat, denn mittlerweile keimt in mir der Verdacht auf, dass ich es nicht war.
Zentrales Thema der Wahl 2002 war neben dem Irakkrieg die Reform des Arbeitsmarktes, Stichwort Agenda 2010, die von Rotgrün dann als Hartz IV umgesetzt wurde. Das Wahlergebnis damals war so knapp, dass Ede Stoiber noch lange am Abend glaubte, das bürgerliche Lager würde gewinnen. Es hat dann aber doch das alternativ-spießbürgerliche Lager gewonnen.
Pech für die SPD, das war der Anfang von ihrem Ende. Eine andere Koalition hätte niemals sowas wie die Agenda 2010 umsetzten können, da wären die Gewerkschaftskumpels aber auf der Straße gewesen! Und die SPD wäre heute noch die Partei der kleinen Leute.
Trotz intensiver Suche habe ich bisher noch keinen Wettanbieter gefunden, bei dem ich eine Wette platzieren kann, zu welchem Zeitpunkt die SPD in bundesweiten Umfrage das erste Mal hinter der AfD landen wird. Für eine Quote von 1:4 würde ich sogar schon auf eine Umfrage vor der Sommerpause setzen. Genossen, bleibt dran am Projekt „Fünfprozenthürde“, ich setz auf Euch!
Das Bild mit den Wa(h)lnüssen ist ein Papier-Foto aus meinem Scan-Archiv, da guck ich gerade häufiger rein. Im Keller würden die Papierkästen ungewürdigt verschimmeln. Was da so alles drin ist.
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Eine Aktion der Landesarmutskonferenz zum Weltarmutstag 17.10.2002 in der hannöverschen City, mit Armutszeugnissen und Sklavenversteigerung (was auf Leiharbeit zielte). Offensichtlich arbeite ich schon seit mindestens 16 Jahren für die Landesarmutskonferenz. Spontan dachte ich beim Anblick des Bildes: Eigentlich müsste ich mal wieder was anderes machen. Im gleichen Job 16 Jahre?! So alt wird zum Beispiel kein Schwein. Da tritt doch schon mentaler Rigor Mortis ein.
Dann fiel mir ein: Dumm Tüch (ich komme vom Eichsfeld wech, da spricht man Platt). Ich lass mich doch unter normalen Umständen in diesem Leben auf keinen anderen Job mehr ein.
Und auf einmal wehte ein kalter Hauch durch mein Arbeitszimmer.

09.02.2018 – Meine Papiere für die Auswanderung nach Norwegen sind soweit fertig

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Auf so wenigen Zeilen soviel gute Botschaft, Frohsinn und regelrecht ins Transzendente Lappendes wie der Name Elisabeth große Beilage, das schafft nur die HAZ. Natürlich unfreiwillig.
Der Übergang zu Siggi Pop, vulgo Sigmar Gabriel, fällt leicht, geht es in der Politik doch mitunter erbärmlicher zu als in einem Schweinekoben. Dem geneigten Notabiturienten fällt da sofort „Die Farm der Tiere“ von … „Na, sagen Sie es, Meyer II, wenn Sie glauben, Sie können Ihr gesammeltes Unwissen hinter dem Rücken Ihres Vordermannes verstecken, sind Sie bei mir auf jenem Holzweg, der für Sie der Gang nach Canossa wird!“
Der von mir unlängst als ungehobelter Parvenü skizzierte Gabriel überspringt die Messlatte an Schamlosigkeit spielend und aus dem Stand. Gabriel, ein Volkshochschullehrer, der das, was er geworden ist, nur durch seine Partei wurde, und ihr dann zum Dank mit unfassbar geheuchelter Naivität (Zitat Herr Pop: „Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt“) bar jeder Solidarität in den Rücken fällt, das hat was ragend Ekliges. Ich werde jetzt meine Veranda aufsuchen, mit einem Glas Warre‘ Warrior Finest Reserve Port und den ganz unangenehmen Geschmack in meinem Mund langsam und genussvoll fortspülen. So wie die SPD vom ehernen Gang der Geschichte fortgespült werden wird. Was für eine Tragödie und wir sind ihre Augenzeugen. Trost, wer spendet Trost, Ihr Götter?
Na ja, zum Beispiel die Tatsache, dass die Rate der Schwanzbeißereien nur bei 2 bis 3 Prozent liegt. Anders wäre es auch kaum auszuhalten.
Draußen (wo sonst?) scheint die Sonne. Ich muss auf die Veranda, mit meinem Port, ich werde das Glas mit dem funkelnden Tropfen in die Sonne halten und aus tiefer Inbrunst intonieren:
Portwein zur Sonne zur Freiheit
Portwein zum Lichte empor
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Das bleibt am Ende des Tages.
Und der Dank an den Freund und Kollegen für die geneigte Zusendung des obigen Artikels, verbunden mit der Bitte an die geschätzten Leserinnen, mir ähnliches zwecks Verwurstung zuzuschicken. Es muss auch nicht immer so Schwanzzentriert sein.

07.02.2018 – Reichtum für Alle!

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Das Interview können Sie hier sehen.
Der in diesem Blog mehrfach zitierte Dandy, der sich ja eher durch eine innere Haltung denn durch äußere Signale auszeichnet, achtet dennoch unter allen Umständen auf seine Erscheinung, selbst wenn er nackt auf einer einsamen Insel gestrandet ist. Jemand, zu dessen Job Öffentlichkeitsarbeit gehört, sollte wenigstens vor der Kamera auf sein Äußeres achten, auch wenn es sich „nur“ um das Bürgerfernsehen handelt. Insofern unterlag mein Erscheinen unlängst bei h1 einem beklagenswerten Mangel an Achtsamkeit. Ich sah am Kopf aus wie ein Kamel um die Eier, das Hemd passte absolut nicht zum Hoodie und bei dem kann ich nur beten, dass niemand auf dessen Marke geachtet hat. Ich laufe weder 24 Stunden am Tag im Smoking rum noch wie ein Geck dauernd im feinsten Zwirn, besitze aber schon ein paar Klamotten, die nicht vom Grabbeltisch bei H & M stammen.
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Wie dieser Hoodie vom Label „Better Rich“. Nomen est omen und ausserdem est pecunia.
Da erhebt sich schon die Frage, ob ich sowas tragen sollte, wenn ich öffentlich als Geschäftsführer der Landesarmutskonferenz fungiere. Das könnte als Zynismus ausgelegt werden, bestenfalls als unprofessionell.
Nun kann man eher einen Pudding an die Decke nageln als mich fest und ich würde als gewiefter Dialektiker sofort kontern:
„Genossinnen und Genossen, es geht nicht darum, den Reichtum einer Minderheit anzuprangern und abzuschaffen, es geht um die Forderung, und sie gut, weil sie richtig ist: Reichtum für alle! Und auf nichts anderes weist mein Hoodie hin.“
Aber, liebe Leserinnen, seien wir ehrlich: Sie schätzen solche rhetorischen Finessen, ich schätze sie. Aber der Rest der Welt?
Was hat mich am Tag der TV Aufzeichnung also geritten? Unterbewusstes Spiel mit dem Feuer? Meine Adrenalinsucht? Tiefer hängen, ich war einfach verpeilt. Die Moderatorin der Sendung empfand ich übrigens als angenehm interessiert am Thema und präzise in der Fragenstellung, was mir in den wenigen Minuten des Interviews eine fokussierte Einlassung erlaubte. Ganz anders als unlängst beim NDR TV, wo ich angesichts des vollkommen themenverpeilten Moderators fast die Fassung verlor und den Eindruck hatte, den hätten sie nur zum Jacket-Auslüften ins Studio gestellt.
Hat auch sein Gutes. So wird mir nie langweilig. Hier noch ein Haushaltstipp:
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Blumen halten länger, wenn Sie sie bei minus 7 Grad ins Freie stellen.