
Amtssprache: Deutsch und alle anderen Fremdsprachen. Geöffnet, wenn nicht geschlossen.
Ich war neulich da, tagsüber, ein paar Leute hingen da ab. Niemand sprach Deutsch als Muttersprache. Angenehme Atmosphäre. Der Club ist das, was der SCHUPPEN 68 früher mal war. Der SCHUPPEN 68 war kleiner, aber die Geisteshaltung ähnlich.
Das zu machen, was in 10 Jahren Mainstream ist: das ist ein Gefühl, was einen Adlergleich auf den Schwingen der Kunst über den Alltag erhebt. Freiheit pur, niemandem Rechenschaft abzulegen – außer den Stadtwerken, dem Vermieter, der Versicherung …
Und mich beschleicht schon manchmal das Gefühl, wenn ich vor lauter Erwerbsarbeit noch nicht mal die 10 Minuten Zeit morgens habe, um diesen Blog hier zu pflegen, ob ich nicht ab und zu früher mal ernsthafter hätte daran arbeiten sollen, mit Avantgardekultur auch mal richtige Kohle abzugreifen. Anstatt so einen Schwachsinn zu gründen wie den einzigen Witze-Verleih der Welt. Ich war mal in „Sag die Wahrheit“ beim SWR im Fernsehen, da musste geraten werden, ob es meinen Witze-Verleih real gibt. Hat natürlich keiner geglaubt. Bis die den NDR Film eingespielt haben, in dem ich mit dem Rollcontainer in der Stadt unterwegs war. Hahaha. In meiner Kandidatenrunde saß einer, der hatte sich vor Jahren den Begriff „Ballermann“ patentieren lassen, ohne das Geringste mit Mallotze zu tun zu haben. Der Mann ist Millionär. Wahre Geschichte, auch witzig, nur anders. Und Kohle, Piepen, Mäuse ohne Ende.
Das Gute an meinem Gejammer ist: Ich kann niemandem die Verantwortung in die Schuhe schieben außer mir selbst. Ich hätte ja fleißiger sein können. Kafka hat ja auch seinen „Prozess“ nach Feierabend geschrieben. Da muss unsereiner ja unbedingt an den Kiesteichen abhängen oder im Garten grillen. Aber selbst dabei mache ich mir Gedanken, z. B. über die Zukunft der Arbeit in unserer Gesellschaft.

Das kann man aber auch mit Melodie und Rhythmus verbinden.
Jemand hat mal gesagt: „… man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt …“
Da hab ich mal gerade wieder die Kurve gekriegt. Ich hasse Jammern.
Lieber Hammern und Sicheln
als Jammern und Picheln.
Den Spruch aus alten Sponti-Zeiten hab ich gegoogelt und worauf bin ich gestoßen? Guckst du hier.
Schönen Tag noch, liebe Leserinnen.
Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell
30.05.2016 – Petrus war der erste Antisemit.
Es gibt Veranstaltungen, zu denen geht man hin, weil es sie schon von Anbeginn der Zeiten gibt, weil es da was zu Essen und zum Saufen gibtund weil man da immer hingeht. Wie das Masala Fest in Hannover. Eine neohippieske Veranstaltung, mit Wolken von Patchuli und einem Meer von Henna.
Ob Blond, ob Braun, ob Henna,
Weihnachten gibt’s neue Männa.
Ina Deter. Was macht die eigentlich? Mittlerweile treffe ich da kaum noch Bekannte, die Hüfte, das Kreuz oder – c’est la vie – der Tod verhindern immer häufiger das Erscheinen.

Masala Fest. Bild 68 der Serie „Orte, an denen ich den Altersdurchschnitt durch meine Anwesenheit nicht erhöhe“.
Dann gibt es Veranstaltungen, zu denen geht man, weil es eine Art kategorischer Imperativ ist, da hinzugehen. Wie das Israelfest der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Angesichts des grassierenden Antisemitismus auch eine Frage der reinen bürgerlichen Höflichkeit gegenüber den Gastgebern. Am Morgen eine Veranstalter-Absage per Mail wegen Gewittergefahr. Verständlich, gestern hat es weite Teile der Republik regelrecht geflutet. Aber um Hannover machte das Gewitter nicht nur einen Bogen zum Zeitpunkt des Festbeginns, sogar die Sonne fing an zu scheinen. Eine freche Provokation. Für mich war klar: Petrus, der Wetterverantwortliche, ist immer noch Antisemit. Zusammen mit seiner Gang, den sogenannten Aposteln, bildete er ja die erste Vereinigung von Antisemiten. Klarer Fall von Bandenkriminalität.
Und was mache ich, wenn am 10.06 bei der Präsentation der neuen NETZ Niedersächsische Teilhabe-Zeitung, in der City auch eine Unwetterwarnung läuft?
Ich sehe schon die Überschrift vor mir: „Sozialpolitik in Niedersachsen vor Neustart. Alle Sozialpolitiker_innen der rotgrünen Landtagsfraktionen wurden bei dem Blitzschlag gestern …“
Da kann ich nur hoffen, dass es mich dann mit zersemmelt.
Wäre die Spaltung zwischen Arm und Reich nicht so groß, und damit die Notwendigkeit einer NETZ nicht gegeben, wenn es die Mauer noch gäbe? Diese Spekulation schoss mir durch den Kopf, als mir dieses Foto beim PC Aufräumen in die Hände fiel.

Mauer. Berlin? 1989?
Nein. Hannover, Rosemeyerstr. 2016.

Hinter der Mauer das Paradies.
So wie damals. Wenn man von Osten drüber guckte.
Zumindest glaubten das die Meisten ….
27.05.2016 – Hitlergruß auf Mallorca

In der Bucht von Alcudia, Mallorca. Am helllichten Tag sind deutsche Urlauber_innen schon so betrunken, dass sie nicht mehr stehen können. Trotzdem provozieren sie noch im Liegen durch Zeigen des Hitlergrußes.
Ob die Diskussionen über die Ausweitung des Schießbefehls gegenüber extrem verhaltensauffälligen Touristen zielführend sind, muss abgewartet werden. Nach meiner Einschätzung sollte man das auf die Guardia Civil beschränken, die zu Francos Zeiten die Hauptstütze des Repressionsapparates war und als paramilitärisch strukturierte Organisation nicht so stark von Humanitätsduselei behindert wird. Mich haben – noch unter Franco – nächstens Guardia Civil Leute aus dem Meer beordert. Auch wenn ich dabei nicht alleine war: Nackt Leuten gegenüber zu stehen, die Maschinenpistolen in der Vorhalte haben, ist eine Erfahrung, die man nicht haben muss, die aber prägt.
Wenn mir abends am Lagerfeuer nichts mehr einfällt, dann krame ich die Geschichte raus, die immer neue Facetten erhält. Mittlerweile glaube ich selbst daran, dass sich z. B. das Licht des Vollmondes fahlgelb auf den Läufen der Waffen spiegelte.
Die Geschichte mit dem Hitlergruss ist – im Gegensatz zu der von der nächtlichen Guardia Civil – gelogen. Sie ist allerdings auch ekelhaft. Es handelt sich um deutsche Touris, die mitten auf der Promenade Fitnessübungen abhalten. Ich wünsche nicht mit exzessiven körperlichen Betätigungen und Bedürfnissen anderer Leute in der Öffentlichkeit belästigt zu werden. Das ist schamlos und ohne jedes Niveau. Ich finde es mitunter schon degoutant, Leuten in der Öffentlichkeit beim Essen zuzusehen, ganz zu schweigen von Männern, die coram publico ihr Wasser abschlagen. Da quillt nackter Hass in mir hoch.
Ich wurde mal gemeinsam mit anderen Badegästen am hellen Tag am Kiesteich Zeuge, wie eine Frau einem Typen auf der Badematte einen geblasen hat. Je mehr ich darüber nachdenke: Das mit dem Schiessbefehl hat was…
26.05.2016 – Frauen aufreißen – aber wie?
Dazu gibt es jetzt Seminare sogar in Bildungsvereinen. Zitat:
„Frauen überzeugen … durch sicheren Auftritt, Gesprächsstrategien und Kreativität. … In vielen praktischen Übungen aus der Schauspielausbildung lernen sie mit Lampenfieber umzugehen und die Stimme und die eigene Körpersprache auch in schwierigen Situationen ruhig, überzeugend und zielführend einzusetzen. …. Wenn ich während eines sich zuspitzenden Gesprächs deeskalieren kann, dann führe ich die Situation. Die Techniken, die uns dies ermöglichen, sind Inhalt dieses Seminars.“
Hört sich absolut überzeugend an.
Whow, dachte ich. Was ist aus den Bildungsvereinen geworden, entstanden in den Siebzigern unter dem emanzipatorischen Banner der Reformidee „Bildung für alle“.
Dann las ich weiter: „Dieses Angebot wird gefördert über das Projekt Frau und Beruf.“
Ach so, dachte ich. Und weiter dachte ich: Was ich mir manchmal für einen Mist zusammendenke.
Fazit der heutigen Sitzung in Sachen „Oh, wie so trügerisch sind Sprachgebilde“ (Zu dieser Formulierung ein schönes Video hier ): Sprache, Bewusstsein und Zuschreibung gesellschaftlicher Rollenverteilung stehen in komplex kommunizierenden Röhren zueinander.

Berlin, Hasenheide. Bild 68 der Serie „Orte, an denen ich den Altersdurchschnitt durch meine Anwesenheit deutlich erhöhe“.
Es hatte vor kurzem geregnet und über der ganzen Hasenheide schwebte ein durchdringender Geruch nach Marihuana und Hundescheiße.
24.05.2016 – Im Alter wird man immer älter.
Da es sich in diesem Tagebuch-Blog nur dann um die Kommentierung der Welt im allgemeinen und der Politik im besonderen handelt, wenn die sich steigernd auf meinen Blutdruck auswirkt (was sie mittlerweile jeden Tag tut), ist dieser Blog natürlich auch einer über das Altern. Was passiert mit einem im Alter? Wird man gelassener? Lebt man bewusster? Wird man starrsinniger? Konservativer? Und was heißt das überhaupt: Konservativ? Ist man konservativ, wenn man an der Überzeugungen festhält, dass wir in einer Klassengesellschaft leben? Und dass der Markt nicht nur nicht mitnichten alles regelt, sondern vielmehr zuverlässig dafür sorgen wird, dass die Erde den Bach runtergeht, und zwar einen Bach, in dem bestimmt keine Regenbogenforelle mehr schwimmt? Ist man konservativ, wenn man die Mehrzahl der Menschen für verrohte Vollidioten hält, die strengster Erziehungsmaßnahmen bedürfen? Der Dichter hat das vor 300 Jahren lyrischer ausgedrückt, aber es kommt auf das Gleiche raus:
„ … Barbaren von alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes …“ (Friedrich Hölderlin über die Deutschen)

Berlin, Frankfurter Tor. Notfall Hubschrauber bei einer Übung.
Wäre es ein echter Notfall gewesen, hätte ich bestimmt kein Foto gemacht, sondern mit einem Ochsenziemer das Gafferpack vertrieben. Solche Leute gehören hinter Gitter und umerzogen (Böse Vokabel, politisch kontaminiert, wer grundlegendes über Sprachfallen lesen will, ist hier richtig). Hinter Gitter gehören auch AfD Wählerinen, Auto-Raser und Drängler, Smartphone Nervensägen, Leute, die beim Brötchenholen nicht richtig Schlange stehen, Steuerhinterzieher, Calenberger-Pfannenschlag-Esser, usw. usf.
Eins ist sicher: Im Alter wird man immer älter. Und das mit dem Blutdruck (siehe oben) ist für mich ne feine Sache. Meiner ist eh viel zu niedrig und Aufregung tut da nur gut. Den zu niedrigen Blutdruck hab ich von meiner Mutter geerbt. Rezept unseres Hausarztes damals: Auf nüchternen Magen Scheibe fetten Speck und Glas Rotwein. Wir Kinder fanden das prima. In diesem Zustand speckiger Beduseltheit am Morgen war unsere Mutter am besten auszuhalten.
22.5.2016 – Die Nacht, in der der wahnsinnige Clown mit seinen Maschinen die Weltherrschaft übernahm, war milde.

Der wahnsinnige Clown marschiert mit seinen Maschinen im Einkaufszentrum ein und übernimmt die Macht über die Menschheit. Sein Plan geht auf: Die Realität war derart aus den Fugen geraten, die Politik so grotesk geworden, dass die Menschheit es gar nicht merkte. Bis auf mich natürlich, ich dokumentierte den Einmarsch, relativ leidenschaftslos. Ich dachte mir: Noch verrückter kann die Welt kaum werden und das ist doch wieder ein prima Foto für meinen Internet Blog.
Ein paar rebellische Freiheitsgeister leisteten Widerstand. Ich war skeptisch.

Hoffentlich gehört die Orthografie nicht zu den selbstverwalteten Freiräumen.
Und so wie ich meine Genossinnen kannte, hatten sie sich über die Frage, ob mensch sich in Wunstorf an der Bahnhof Südseite, Nordseite oder Ostseite treffen soll, schon in vier Fraktionen zerlegt. Die Wetteraussichten für heute: 29 Grad, sonnig. Ich wünsche allen Leserinnen einen zauberhaften Wochenbeginn.
20.05.2016 – Korn Ein Euro. Quadratmeter Wohnung 18.000 Euro.

Stärkt den öffentlichen Dienst. Wenn doch alle gewerkschaftlichen Forderungen so schnell in die Praxis umgesetzt würden.

Köpenicker Str. Berlin, beim Karneval der Subkulturen. Die „Köpi“ ist seit über 25 Jahren ein praxisbasierter und diskurstreibender Kristallisationspunkt in der Gentrifizierungsdebatte, also schon zu einer Zeit, in der es diesen Begriff noch gar nicht gab, jedenfalls nicht hierzulande. Ich mach mir da keine Illusionen, außer ein paar irgendwie selbstverwalteten Inseln (die meist früher oder später an internen Widersprüchen implodieren) wird das Kapital von Orten, die sich dem Verwertungskarussell querstellen wollen, nicht viel übrig lassen. Zitat nach – nicht von! – Karl Marx über den Profit : „… für 100 Prozent stampft es (das Kapital, d. A.) alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß …“
Im Palais Varnhagen in Berlin Mitte werden Stand Mai 2016 Wohnungen verkauft für 18.000 Euro pro Quadratmeter. Die Zahlen des Tagesspiegel von 2014 von zwischen 5.500 und 12.000 Euro sind innerhalb von nicht einmal zwei Jahren um bis zu fast 300 Prozent (siehe auch dazu das obige Zitat) übertroffen. Die Wohnungen dort sind alle verkauft.
Am Mariannenplatz, Ort jährlicher 1. Mai Hönkelarien, weht ein leichter Wind. Meine Füße werden langsam dick, wir halten in meiner Berliner Lieblingskneipe Einkehr. Der Bier- und Tabakbrodem raubt einem die Luft, am hellen Tag. Plastikblumen, Asbach Uralt Werbeschilder, eine Musikbox, Holztische, am Tresen Betrunkene, ein Amerikaner torkelt sturzbetrunken herein, fängt an zu grölen und wird unsanft entfernt. Korn kostet einen Euro.
Wir halten inne, trinken schnell und viel und fühlen uns wohl.

Kneipe nähe Mariannenplatz. Der Name wird nicht verraten.
Es gibt Momente, da wünscht man sich eine Zeitmaschine, in der man ein paar Jahre zurückreisen kann, um die Welt da draußen zu vergessen.
18.05.2016 – Da ist der Wurm drin? Wir sind im Wurm drin!
„Erwin Wurm bei Mutti“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Ich muss in Ausstellungen des Österreichers immer lachen. Nicht bildungsbürgerliches Schmunzeln a la „Hoho, da hat der Wurm aber der Gesellschaft mal wieder köstlich den Spiegel vorgehalten“ sondern proletarisch laut, wie in einem Film mit Dick und Doof.
Von Wurm lasse ich mich sogar zum Idioten machen.

Anweisung von Wurm

Ich mache mich zum Idioten.
Von Wurm lasse ich mich auch gerne zu neuen Formen kommunikativen Handelns anleiten.

Anleitung

Skizze

Wir sind im Wurm drin.
Sollten Sie jemals auch nur in die Nähe des Wurmschen Kosmos kommen: Betreten Sie ihn, liebe Leserinnen. Es lohnt sich! Und wer vermutet, dass sich hinter derart humorbasierter Suche nach Erkenntnis ein Geist auf der Höhe der Zeit verbirgt, hat recht.

Einsichten eines Wurms.
17.05.2016 – Von Lenin, Buddha und anderen Gipsköpfen

Alle Jahre wieder treibt mich der Karneval der Kulturen nach Berlin, dieses Mal eher kühl, aber trotzdem feurig wie immer und einfach bunt und schön. Am Vortag hingen wir zu zweit (zusammen über 120 Jahre alt) beim Karneval der Subkulturen ab, ein Pendant zur Hate Parade früherer Zeiten der Love Parade.

Obwohl wir den Altersdurchschnitt extrem nach oben prügelten bei dieser Vollversammlung sämtlicher autonom-schwarz gekleideten Genoss*innen Berlins, fühlte ich mich dort weder unwohl noch fehl am Platz.
Die Publikums-Schnittmenge beider Karnevale dürfte nur unwesentlich über (uns) zwei gelegen haben. Bei der Erkundung Restberlins stießen wir auf jede Menge Gipsköpfe.

Der revolutionäre Umzugsgenosse Zapf ist ebenso schon verstorben wie Lenin.

Und der ist schon lange tot und fragt sich sicher, wie das Auto in seinem Rücken auf diesen Parkplatz gekommen ist.
Es steht mir nur gering an, den derzeitigen Dalai Lama zu kritisieren, ein Linienhalter der Gelbmützen-Schule (Googlen Sie’s, ic h bin zu faul für Link-Einfügung). Was ich massiv kritisiere, ist die Trägheit der Hirne unserer alternativen Mittelschichts-Kasper*innen, die zu Massen die vor Schlichtheit brummenden Parolen des Gelbmützen-Trägers anbeten und nachplappern. Wir leben im Hier und Jetzt und nicht im Tibet vor 2.000 Jahren, auch wenn das mitunter anstrengend ist.
Warum ist der Rest der Welt nicht so erleuchtet von der Fackel der Aufklärung wie ich? Andererseits: Wer zahlt mir was dafür? Seufz. Aber schön war’s in Berlin
13.05.2016 – Einfach krank.

Balsam für die Nerven.
Rückwand unseres Gartens, ich hab drauf bestanden, dass die in diesem Grün gestrichen wird und nicht in diesem alternativen 08/15 Ockerton. Wenn ich Stress habe, gehe ich morgens in den Garten und gucke da drauf. Wenn die aufgehende Sonne da drauf scheint, ist das heiterer Balsam für die Nerven. Ich habe im Moment im Job viel zu tun, Redaktionssitzungen für die nächste NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung ziehen sich mitunter bis Mitternacht hin und die Aktion zu ihrem Kick-off am 10.06 in der City von Hannover will auch geplant sein. Die Sozialministerin hat ihr Kommen zugesagt und wenn die Aktion gegen die Wand läuft – Prost Mahlzeit. Da gibt es einige Interventionen dabei, die kann man nicht planen, üben, und nach meiner Erfahrung passiert gerade bei Straßenaktionen das, was passieren kann, – und mitunter noch schlimmeres. Die Vorstellung, dass die Ministerin hinterher zu mir sagt: „Herr Gleitze, für so was rauben Sie mir meine Zeit?“ versetzt mich nicht gerade in Euphorie. Gut, dass ich ne alte Rampensau bin und alles, was schief läuft, als Bestandteil eines genialen Plans verkaufen kann. Und die Ministerin ist zwar ziemlich energisch, aber auch freundlich. Sie würde wohl eher sagen:
„Ich fand das heute hier recht ungewöhnlich und interessant.“
Als ob das nicht reicht, ereilte mich gestern der Ruf einer Castingfirmen für ein Hammer
TV-Quiz. Ich bin immer noch in den Datenbanken aller Castingfirmen dieser Welt, nach meiner nicht ganz erfolglosen Tour durch die Quizszene.

They called me the Champ.
Aber Günther Jauch hab ich in nicht so guter Erinnerung und der moderiert die neue Show.
Und als Krönung kam noch eine Einladung für eine Fraktions-Anhörung im Landtag. Meinen ersten Satz weiß ich ja schon: „“Ceterum censeo carthaginem esse delendam – hat einmal der große Cato gesagt und er hatte recht! Die alte Arbeitsmarktpolitik gehört auf den Misthaufen der Geschichte!“
War das überhaupt Cato und wie geht es danach weiter und stehen Abgeordnete überhaupt derlei rhetorische Geniestreiche?
Eins weiß ich sicher: Im Juli und August lass ich alle viere grade sein! Zeit sich auszuruhen.
Dazu ein Zitat des Chefs von Adidas von heute morgen, der sich jetzt zurückzieht und auf eine Bilanz verweist, in der der Umsatz verdreifacht und der Gewinn verfünffacht wurde: „Natürlich können wir uns trotz aller Erfolge nicht ausruhen.“
Warum sagt ein Konzernchef niemals: „Leute, wir hatten sensationelle Erfolge, unsere Aktionäre haben sich derartig die Taschen vollgeschaufelt, dass die nur noch krumm gehen. Wir lassen es in diesem Jahr mal etwas langsamer angehen und ruhen uns ein bisschen aus.“
Weil das ganze System einfach krank ist. Die Krankheiten, die am meisten zunehmen, sind psychischen Ursprungs, Depressionen, Burn-Out. Und Paranoia. Die Definition eines neuen Krankheitsbildes, für das man umgehend in die Klapsmühle eingewiesen wird, zeichnet sich schon ab – für die, dieses System so sehen, wie es ist:
Die Krankheit nennt sich Realismus.