
Der Schwarze Block. In der antiken Schlacht-Formation der Testudo (Schildkröte), die von Gaius Julius Cäsar entwickelt wurde. Ein geschlossener Block igelt sich ein, wappnet sich nach außen und rückt vor. Da weht der Geist des großen Latinums durch die Reihen der Autonomen. Da marschierte die künftige Elite unseres Landes, Außenminister wie Joseph Fischer, oder Anwälte wie Horst Mahler, jetzt Nazi. Keine Angst, die stoßen sich jetzt nur die Hörner ab und werden im späteren Leben draufkommen, wie dämlich ihre Parolen teilweise sind: Freiheit für alle politischen Gefangenen? Also alle Neonazi-Mörder und Schläger raus? Keine Repression? Also den antisemitischen Mob in Neukölln und Kreuzberg ungehindert Straftaten begehen lassen? No Police? Ich habe das eine oder andere Mal bei Israel-Soli-Demos mit einer Handvoll jüdischer Mitbürger*innen einem Palästina-Mob gegenübergestanden und hätte in der uns von der vielfachen Übermacht trennenden Polizeikette aus lauter Erleichterung über deren Anwesenheit am liebsten Ferrero Küsschen verteilt. Also, liebe Genoss*innen: Dummes Zeug wird nicht dadurch Literatur, indem es unreflektiert von einer Generation an die nächste weitervererbt wird. Aber so sind sie halt, die jungen Leute. Bestreiten alles, außer ihren eigenen Lebensunterhalt. Tusch, Narhalla Marsch.
Etwas später prallte mich dieses Bild der Nacht an, zog mich magisch in seinen Bann

Put on your red shoes and dance the blues. (Wer es nicht weiß, das ist von „His Elegancy“ )
Mir fiel bei dem Anblick Rudolf Schlichter ein. Zeitgenosse und Freund Brechts, Döblins und von George Grosz, grandioser Maler und Porträtist, Mitglied der KPD, Zuhause in der Boheme Berlins und im Rotlichtmilieu der 20er, bekennender Stiefelfetischist. Später leider auf Abwegen, politisch, als es immer näher an den Abgrund ging
Fetisch, privater und öffentlicher – wie hängen die zusammen in einer Gesellschaft, die zunehmend auf einen noch unsichtbaren Abgrund zusteuert? Was zwei oder mehr Menschen in ihrer Kemenate in freier Übereinkunft treiben, geht niemanden, und den Staat schon gar nicht, etwas an. So weit, so Binse. Prekär wird es allerdings bei näherer Betrachtung öffentlicher Fetische, wobei die Trennlinie zum privaten verschwimmt. Ein öffentlicher Fetisch ist erstmal einfach ein kultischer Gegenstand, dem besondere Eigenschaften zugesprochen werden. Der private Fetisch ist ein erotisch aufgeladener Gegenstand (oder Körperteil), z. B. Stiefel. Wobei erotischer Fetischismus nicht selten sadomasochistisch konnotiert ist. Was zunehmend enttabuisiert ist und nicht erst seit 50 shades of grey in Literatur, Pop und Werbung ikonischen, kommerziellen Charakter angenommen hat.
Und genau da wird es gesellschaftlich interessant und relevant, wenn wir uns nämlich den zentralen, öffentlichen Fetischen im Kapitalismus zuwenden: Geld und Arbeit. Sie bilden die Grundlage des Kapitalismus und erfahren daher eine religiöse, kultische Verehrung und Anbetung. Hier verschwimmen die Grenzen zum privaten Fetisch. Geld, als tödlichste Droge, mörderischer als jedes Heroin, ist zunehmend auch individuell erotisch aufgeladen, da muss man nicht zur Plattitüde „käufliche Liebe“ greifen. Es versetzt Menschen in Verzückung, Wonne, Glück, Erregung und will, wie alle Lust, Ewigkeit.
Mit Arbeit ist es ähnlich. Wie viele Menschen gehen nach ihrem „Ruhe“stand, ohne Arbeit, sukzessive an Langeweile und Sinnlosigkeit ein wie Rosen ohne Wasser. Und das, obwohl ihre Arbeit vorher noch sinnloser war als ihr Leben danach. So eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn dieser Fetisch, Arbeit, im Kapitalismus eine kultische Verehrung genießt wie weiland die Tafeln mit den 10 Geboten bei Moses. Amen. Wort des Allmächtigen Herrn. Gleitze.
Bedenklich wird die ganze Causa, die weit über die fröhlichen Fesselspiele am heimischen Bettpfosten hinausreicht, durch die Tatsache, dass der ideologische Hintergrund der damit oft verknüpften sadomasochistischen Varianten ein düsterer ist: Das Prinzip von Dominanz und Unterwerfung spiegelt in dieser kapitalistischen Welt keineswegs eine Befreiung von Normen wider, sondern reproduziert unreflektiert ein System von Macht und Ohnmacht, Ungleichheit, Unterdrückung, Erniedrigung. Wie auffe Maloche.
Es wird wirklich Zeit, dass der Frühling ausbricht und fröhlichere Gedanken meinen Geist durchwehen. Wie die Vorstellung, dass aus den Akten zur Ermordung Kennedys, die Trump jetzt freigegeben hat, hervorgeht, dass hinter dem Mord die grönländische Mafia steckt und Trump endlich einen Anlass hat, seine Schlittenhunde-Armee in Grönland einmarschieren zu lassen.













