Peter Thieme. Oberschöneweide, 1993. Fotografie-Ausstellung „Berlin – Die Neunziger „. Haus am Kleist Park, Schöneberg
Interessant an der Ausstellung: Die Männer fotografieren fast ausschließlich leere Räume, unbelebt. Das erweckt einen falschen Eindruck, weil Berliner Räume praktisch nie unbelebt sind und vermittelt weniger von der Prozesshaftigkeit der letzten Jahrzehnte. Anders die Fotografien der einzigen Frau, Nelly Rau-Häring, die sich auf lebendige Menschen fokussieren. Da scheint Geschichte auf.
Nelly Rau-Häring. CDU Wahlplakate Anfand der Neunziger.
Wohlstand für alle. Nie wieder Sozialismus. Honecker auf das Schafott. Besser kann man die kommunizierenden Röhren zwischen Partei und Mob nicht auf den Begriff bringen. Die AfD braucht diese Saat von Dummheit und Niedertracht nur noch zu ernten. In der letzten Forsa Umfrage liegen AfD und CDU gleichauf. Nicht mehr lange.
In dem Zusammenhang mutet die Vernageltheit der hiesigen Medien in der Causa „Störaktion ARD Interview mit Alice Weidel durch das Zentrum für Politische Schönheit“ fast rührend an. Der immer größer werdende Rechte Rand der Medien bis weit in die Spießerwelt von Süddeutsche und Zeit hinein nutzt die Angelegenheit zu einer Attacke und Delegitimation der Öffentlich-Rechtlichen. Der Rest, bis auf wenige Ausnahmen, zetert darüber, dass die Aktion der AfD in die Hände gespielt hätte, Lärm keine Argumente ersetze und immer der Dialog auch mit dem Gegner gesucht werden müsse. Wie blöd kann man eigentlich noch unter meinem Niveau argumentieren?
Wie weit wir mit dem Dialog mit dem Gegner, den Argumenten , dem Austausch bisher gekommen sind, sieht man in der Realität. Die AfD schickt sich an, stärkste Partei zu werden. Und die AfD wird sich immer zum Opfer stilisieren, egal, was das Bürgertum macht. Warum also nicht die AfD gleich zum Opfer machen und mal was anderes probieren als die ewig gleichfalschen Strategien der Vergangenheit breitzutreten…
Und ausserdem und am wichtigsten, aber das werden diese Redaktionshohlköpfe niemals begreifen: Mit Faschisten redet man nicht. Die sperrt man ein und ihre Parteien verbietet man. So einfach ist das.
Will Sitte. Liebespaar. 1967. Kunsthaus Minsk, Potsdam, Ausstellung Kunst aus der DDR.Harald Metzkes. Der Trinker. 1955. Kunsthaus Minsk, Ausstellung Kunst aus der DDR.
Kunst ist immer auch ein Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen, nimmt sie auf, antizipiert sie, bringt sie gestalterisch auf einen Nenner. Und so war ich gespannt darauf, was die „Panke Open Studios 2025“ am letzten Wochenende bieten würden. Benannt nach dem Flüsschen Panke in Wedding, an dem Dutzende Ateliers mit jungen Künstler*innen aus aller Welt liegen. Berlin ist nach wie vor eine der Kulturmetropolen der Welt und wo, wenn nicht hier, wird der Stand der zeitgenössischen Kunst, das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft, und der Zustand der Gesellschaft, widergespiegelt.
Es ist schlimmer als befürchtet. Wenn Kunst auch das Fieberthermometer im Arsch der Gesellschaft ist, dann sieht es, so zumindest das Panke-Fazit, düster aus. In einem Akt von unglaublicher kollektiver Verdrängung der existenzbedrohenden Krisen der Welt präsentierte die junge zeitgenössische Avantgarde die größte Ansammlung kraftloser, unfähiger Bedeutungslosigkeit auf einem Haufen. Harmlose Kunsthandwerksdekorationsware, oft handwerklich auch noch schlecht, Flucht in beliebige Abstraktion, das Chaos der Welt, die Zurichtungen der Körper und Deformationen des Bewusstseins fanden hier nicht statt. Kriege, Klimakatastrophen, Armut, nichts davon zu sehen. Die Tatsache, dass der Berliner Senat gerade als Musterfolie für ganz Deutschland die Kultur kaputtspart, fand hier nicht statt.
Wie dumm, verzweifelt oder resigniert kann Kunst sein. Ich verliess regelrecht angepisst das Geschehen vorzeitig. So tief unter meinem Niveau lasse ich mich nicht langweilen und erfreute mich stattdessen im Kunsthaus Minsk in Potsdam an lebendiger, kraftvoller, kritischer DDR Kunst. Man muss bei DDR Kunst immer genau hinschauen, wo Kritik an Staat und Gesellschaft abgebildet ist. Offen durfte die selten geübt werden. Hinweis: Der Trinker ist auf dem linken Auge blind …
Es ist eine ganz bittere Ironie der Geschichte, dass sich ausgerechnet einer reichsten Kapitalisten, Hasso Plattner, Gründer von SAP, das Kaufhaus Minsk, ehemalige DDR Ikone, unter den Nagel gerissen und dort die größte Sammlung von DDR-Kunst angehäuft hat. Ausgerechnet Plattner, aus dessen Mund nur gequirlte Scheisse quillt, der bei SAP als einzigem DAX-Unternehmen bis zum Schluss die Gründung eines Betriebsrates mit allen Mitteln verhindert hat und der bei Einführung einer Vermögenssteuer mit Abwanderung droht. Mit Verlaub, Herr Plattner, Sie sind , und damit bleiben wir in der heutigen Bildwelt, ein Arschloch.
(Quelle: AWO Hannover). Wahl der Stellvertreter*innen der*des Vorsitzenden des Präsidiums. Ist nicht so sexy, wie es sich liest. Gehört aber dazu, Demokratie ist nun mal an Formalitäten und Bürokratie gebunden. Immer weniger Menschen lassen sich auf das trockene Brot des oft ehrenamtlichen Engagements ein. Die Arbeit von Verbänden, Organisationen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen etc. unterliegt einem dramatischen Wandel, wenn die jetzigen Babyboomer*innen, die noch das tragende Element dieses Engagements bilden, irgendwann wegsterben, sehe ich wenig, was da nachwächst. Die Menschen hängen oft lieber in Fitnessstudios ab, wenn es hochkommt, arbeiten sie kurze Zeit in punktuellen Bürgerinis mit („Kein Windrad vor meiner Tür!“) und verbringen ansonsten tendenziell eher Zeit damit, in sozialen Medien rumzuplärren.
Bei aller Kritik an zivilgesellschaftlichen Strukturen, und die habe ich reichlich und berechtigt: Wir haben nichts anderes und können uns auch nichts anderes schnitzen. Insofern genieße ich durchaus Auftritte wie den oben als Kunsthausierer, der mit seiner Kunst hausieren geht. Das ist was anderes als abstrakte Theorie und Kritik am Schreibtisch, das ist live, auffem Platz. (In obigen Fall singe ich gerade Frank Sinatras „I did my way“). Und nur dort erfährt man im letzten Grunde, wie stark zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen den immer stärker werdenden Faschismus ausfallen kann.
Für eines muss man im Kulturkampf dieses Sommers dankbar sein: Sobald sich der Rauch der Kanonen etwas legt, werden die Frontverläufe sichtbarer. Immer mehr Bürgerliche schlagen sich rechts in die Büsche und sägen am Ast der Demokratie, auf dem sie gerade noch sitzen. Paradebeispiel: Der Wolf im Wolfspelz, Wolf Weimer, keinesfalls zu velwechsern mit „Weimar“. Eigentlich ein Wertkonservativer, wie er im Buche steht. Niemand würde ihn einen Radikalen nennen. Außer mir. Warum? Anlässlich des von seiner Partei zu verantwortenden Debakels um das Bundesverfassungsgericht schlug er eine Reform des Wahlverfahrens vor. Motto: Schuld ist nicht die eigene Partei, sondern die blöde Demokratie. Zitat: „„ …. Er sei zwar kein Verfassungsjurist, so Weimer, plädiere aber »für einfache Mehrheiten«. Der Bundestag beherberge mittlerweile zu viele Extremisten. »Und die sollten möglichst wenig Einfluss haben… .« Er sagt nicht, wie es korrekt wäre: „zu viele Faschisten“, sondern holt die uralte, peinliche Kulturkampfkeule des „Rechts-gleich-Links-Extremismus“ raus. Auf dieser grotesken Basis will er sich flink das Wahlrecht zurechtschnitzen. Nachtigall, ick hör Dir trapsen. Da kann sich jede vorstellen, was dann bei einer CDU/AfD-Mehrheit im Bundestag, die es umfragemäßig stabil mit wachsenden Werten schon lange gibt, abgeht. Mich erinnert dieser Wolf im Wolfspelz an einen Brandstifter, der in der Maske des Biedermanns mit der Brandfackel der Demokratie-Tankstelle heimleuchtet, wo gerade aus allen Tanks das Benzin ausläuft. Und nach dem absehbaren Desaster alle Linken für den Brand verantwortlich macht.
Es gibt linken Extremismus und es gibt rechten Extremismus, der Wolf ist ein Paradebeispiel für Extremismus der Mitte.
Bundeskanzleramt im Abendlicht. Um da reinzukommen, geht Spahn über jene Leichen, von denen er selbst jede Menge im Keller hat. Und die ihm jetzt kurzfristig das Genick brechen können. Wobei ich anatomisch Zweifel habe, ob man sich kurzfristig das Genick brechen kann. Ausrechnet jetzt kommt ans Licht, dass Spahn jahrelang zu wenig Beiträge an seine Partei abgeführt hat . Versehentlich, wie er sagt. Ausgerechnet dieser geldgierige Langzeitstudent (was das einzig Positive an Spahn ist), der sein Leben lang nichts anderes als Partei gemacht hat, hat übersehen, dass er tausende Euro zu wenig abgeführt hat. Fehlt nur noch, dass er dazu das große Barschel-Ehrenwort abgibt. Hahaha. Es gehört zu den Routinen jeder Partei, daran zu erinnern, satzungsgemäße Beiträge zu zahlen und die Höhen jeweils anzupassen. Spahn lügt, wenn er den Mund aufmacht. Aber Lügen haben kurze Beine und das könnte ihm zumindest kurzfristig den Marsch ins Kanzler erschweren. Denn mit der Veröffentlichung seiner Beitragsunterschlagungen gerade zu diesem Zeitpunkt, wo er eh unter Bewährung steht, ist eines klar: Die Büchsenspanner der eigenen Partei haben ihn im Visier und fangen an, zu feuern. Getreu der Steigerung: Gegner, Feind, Parteigenosse. Natürlich war das intern bekannt, dass er zu wenig abführt. Im Zeitalter digitaler Mitgliederverwaltung ist das kein Hexenwerk, da wurde einfach der Mantel der christlichen Nächstenliebe drübergelegt. Bis es mal passt.
So wie jetzt. Da schlagen sich die christlichen Teufelchen ins Gebüsch und feuern einen vergifteten Pfeil nach dem nächsten ab. Natürlich wurde das aus den Reihen der Christlichen an die Presse lanciert, abgesegnet von oben.
Ebenso „zufällig“ werden gerade jetzt in einem der Zentralorgane der Ewiggestrigen, Capital, skandalöse Anwaltskosten veröffentlicht, die Spahns Maskendesaster bereits jetzt die Steuerzahlerin gekostet haben. Das werden am Ende Hunderte Millionen sein. Die aktuellen Zahlen dazu können nach Lage der Dinge nur aus dem Gesundheitsministerium stammen. Wer es nicht weiß, darf dreimal – nicht öfter! – raten, in den Händen welcher Partei das liegt.
Spahn wird von der eigenen Partei sturmreif geschossen, ohne dass Merz beschädigt wird. Etwas für Feinschmecker. Man darf gespannt sein, was die nächste Spahn-Leiche ist, die da ans Licht gezerrt wird. Ich empfände es als einen Akt quasi überirdischer Gerechtigkeit, wenn die Nachricht vom Verzicht von Frauke Brosius-Gersdorf auf ihre Kandidatur am gleichen Tag über den Ticker fehlt, an dem Spahn zurücktritt. Die Titanic würde mit dem Titelbild und entsprechendem Foto an den Start gehen: Spahnferkel geschlachtet.
Aber die Genugtuung wäre nur kurzfristig. Einer wie er ist ein Untoter. Und die kehren immer wieder, sei es in der eigenen Gestalt oder in anderer, schlimmerer.
Was bleibt, ist der Zauber des Moments einer Sommernacht. Das Bild oben ist von der Terrasse der Schwangeren Auster aufgenommen, wo zurzeit Konzerte stattfinden. Was in der untergehenden Abendsonne mit Blick auf die Spree, und aufs Kanzleramt, und einem Glas Crémant in der Hand neben der platten Untergangssymbolik eine eigene Magie hat.
Zur Causa Spahn hat schon jeder seinen Senf dazugegeben. Nur ich noch nicht und das sei hiermit nachgeholt. Dass dieser Senf an einen Haufen Kacke erinnert, ist beabsichtigt und stellt den künstlerischen Mehrwert dieser Installation „SPAHN 2.0“ dar, die Sie käuflich erwerben können. Preis auf Anfrage.
Spahn ist also völlig unfähig und daher zu allem fähig. Unfähig, prinzipienlos, korrumpiert bis auf die Knochen, opportunistisch, so bildet er die Speerspitze jener Fraktion des reaktionären Bürgertums, das sich nach getanem und gewonnenem Kulturkampf lieber Heute als Morgen mit der Faschistenbraut AfD ins gemachte Koalitionsbett legen möchte. Abends pfeift sich der kommende Bundeskanzler fröhlich in seiner Mietwohnung in den Schlaf in Gedanken an die Braut mit dem Evergreen: „Ganz in braun, mit einem Blumenstrauß, so siehst Du in meinen feuchten Träumen aus“ . Einen wie ihn hätte man in den guten alten Zeiten geteert und gefedert, verkehrt rum auf eine Kuh gesetzt und aus dem Dorf gejagt. Heute wird er nach getanem Brutusmord an Fritze Tünkram der nächste Bundeskanzler einer CDU/AfD-Koalition. Sowas wie der tritt nicht zurück, an dem bleibt nichts haften. Im Vergleich zu dieser Canaille ist eine Teflonpfanne eine Leimrute.
Derartiges wird mittlerweile sogar in Bürgermedien von SZ über Zeit bis Spiegel so erwogen, immerhin die sogenannten „Sturmgeschütze der Demokratie“ . Was sich bei näherer Betrachtung auf „Haubitzen“ reduziert, sprichwörtlich voll wie jene ist meistens das Redaktionspersonal da und das ist noch das Beste, was von dem behauptet werden kann. Bei deren erbärmlichen Rumgeeiere um den heißen Brei namens Faschismus in Deutschland ahnt der kundige Weltenkenner schon jetzt, wo das im Zweifel endet. Wie in den USA: CBS, ABC, »Washington Post«: Immer mehr amerikanische Mainstream-Medien knicken vor dem US-Präsidenten ein
Bleibt die Frage, auf welche anderen Brandmauern gegen den Faschismus hierzulande könnte man sich im noch ernsteren aller Fälle verlassen? Die Zivilgesellschaft definitiv nicht. Außer einer Latschdemo und warme Kanzelworte zum Sonntag ist da weniger als Nichts zu erwarten, Gewerkschaften sind zahnlose Tiger auf Valium, Verbände, Organisationen, NGOs sind vollauf mit Prozessoptimierungen, Effizienzsteigerungen und Kohle vom nährenden Staat abgreifen beschäftigt, die Justiz wird sturmreif geschossen, wie wir gerade hier live erleben (ich warte auf den Ticker: Frauke Brosius-Gersdorf zieht Kandidatur zurück) und was in den USA schon durchexerziert wurde, das Einzige, worauf man sich bei Parteien verlassen kann, ist, dass man sich auf sie nicht verlassen kann. Bleiben im Zweifel die bewaffneten Organe des Staates, die Streitkräfte z. B., die Macht kommt im Zweifel aus den Läufen der Gewehre.
Bei dem Gedanken an eine Nelkenrevolution setzen dann allerdings sogar bei mir Verstand und Phantasie aus, und das will was heißen.
What’s left? Ich hau mir ne Wurst auf den Grill und vertilge den Senf von oben. Wär ja schade drum.
Auch dieses Jahr gedeihen meine Sonnenblumen „Goldener Neger“ wieder prächtig. Ich habe sie in eine Sichtachse von Veranda bis Garten integriert, mit Stockrosen, Dipladenien, Malven, Lavendel und am Ende mit der Königin, einer Prachtrose. Sichtachsen sind das zentrale Gestaltungsprinzip in Landschaftsgärten, wie Sanssouci und Herrenhausen, so auch in meinem Garten.
Allein für die Verwendung des Begriffes „Goldener Neger“ würde ich in bestimmten Kreisen maximal gedisst werden, ja sogar exkommuniziert, und wenn sie die Macht hätten, wohl auch übleres. Eine mir bekannte Theatertruppe wurde von ihrer regelmäßigen Spielstätte, ein rotgrünes Hätschelkind- Kulturzentrum, für Monate vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Sie hatten vor einer Aufführung darauf hingewiesen hatte, dass sie den Inhalt eines jahrzehntealten Stückes geändert hatten, und zwar dahingehend, dass der rassistische Begriff „Neger“ durch einen diskriminierungsfreien ersetzt wurde. Also eine vollkommen legitime historisch-textkritische Umgangsweise, die allen wissenschaftlichen Anforderungen Genüge tat. Die üblichen drei notorischen Krawallschachteln im Publikum nahmen übel, weil Ross und Reiter genannt wurden, also der rassistische Begriff „Neger“ beim Namen und als solcher kenntlich. Das Kulturzentrum beugte sich dem jakobinischen Tugendfuror und übte maximale Zensur aus, Auftrittsverbot. Wenn ich die Fakten beweislastsicher habe, werde ich hier Ross und Reiterin nennen.
Ich gendere hier im Blog seit bald Jahrzehnten, benutze oft auch nur die weibliche Form, bin immer wieder gegen jeden Antisemitismus unterwegs, gerade gegen linken und linksliberalen, hier gibt es nicht eine Zeile, der auch nur der Geruch von Rassismus anhaftet.
Im Gegenteil. Dank meines unermüdlichen antirassistischen Einsatzes wird die Sonnenblume „Goldener Neger“ mittlerweile „Henry Wilde“ benannt
Über manche Narreteien der Linken decke ich gerne das Mäntelchen der Nächstenliebe. Vor allem aus Zeitgründen, weil mein Leben zu kostbar für Beschäftigung mit Beklopptheiten ist. Aber irgendwann ist das Maß voll. Und gerade die linksalternative Kulturszene, die den faschistischen Wald vor lauter dekolonisationstheoretischen und geschlechterdiskursiven Bäumen nicht sieht, geht mir zunehmend auf den Sack. Wie wäre es, wenn besagtes Kulturzentrum mal den Arsch hochkriegt und Projekte in sozialen Brennpunkten durchführt, da wo die AFD kulturelle Hegemonie erlangt hat, anstatt sich in Zensurorgien von sowjetzonalem Ausmaß zu ergehen. In Kenntnis des Zuschnitts dieser Szene wage ich mal die Prognose, dass deren Protagonistinnen mit die ersten sind, die bei einer AfD-Kultusministerin um Fördermittel katzbuckeln, wenn es um die ökonomische Existenz der alternativen soziokulturellen Zentren geht. Denn die stehen im Mittelpunkt des Kulturkampfes von Rechts.
Da steht nämlich der Feind, verehrte soziokulturelle Damen und Herren und sonstige Geschlechter, Rechts.
So, jetzt ist mein Blutdruck wieder auf Betriebstemperatur und ich kann meine Sichtachse weiter pflegen, die mit dem Goldenen Neger. Sorry, Henry Wilde.
Die Mauer zwischen Arm und Reich, Demo am 03.07.25 in Köln. Hier zum Video.
Die Mauer mit Zitaten, Forderungen, Beschreibungen zu Armut
Die Mauer Rückseite mit Zitaten, Forderungen, Beschreibungen zu Reichtum
Die Mauer – nicht mein originellstes Kunst-Stück, aber nachhaltig. Demnächst auf Europatournee. Die Demo endete auf dem Kölner Neumarkt, dort wurde symbolisch die Mauer zwischen Arm und Reich eingerissen. An dem Marsch gegen Ausgrenzung und Kürzungen im Sozialbereich nahmen 80 – 100 Menschen mit Armutserfahrung teil. Es war heiß, der Tag war lang, in meinem Workshop musste die Mauer innerhalb von 2 Stunden komplett fertig werden, Inhalte sammeln, Design mit spärlichen Bordmitteln erstellen, Kartons falten, Beschriftung, Beklebung, vor Ort auf dem Neumarkt ohne Megafon oder gar PA das Ganze in einigermaßen geordnete Bahnen lenken, abends noch in den Zug nach Hause, ich war mehr tot als lebendig. Und trotzdem – oder vielleicht deshalb? – guter Laune, soweit möglich, wenn ich im Zug nicht gerade mal wieder einpennte. Selten habe ich so viele Menschen auf einem Haufen getroffen in prekären Lebenslagen, mitunter mit Rollatoren, und dennoch so kreativ, aktiv, kompetent.
Allerdings überwog am Ende des Tages ein anderes Gefühl bei mir. Wut. Die aktuelle Haushaltsdiskussion gibt die Richtung der nächsten Jahre vor: rechtsabbiegen nach Asozialistan. Es fehlen mindestens 150 Mrd. Euro. Der Kriegsetat explodiert, die Reichen werden nicht nur verschont, sondern weiter gepampert, dass die Wirtschaft derart steigt, dass die Schulden aus dem Wachstum refinanziert werden, glaubt auch nur, wer den Weihnachtsmann für einen soliden Haushaltsexperten hält.
Woher das Geld für Panzer und Raketen also nehmen und zwar stehlen? Bei den Armen. Der vorherrschende Hammerton A für Asozial läutet die Schleifung letzter sozialstaatlicher Bastionen ein, Hammerschlag für Hammerschlag, wir fangen beim Bürgergeld an, und spielen dann eine Minderheit gegen die andere aus.
Und das System arbeite auch an der Bruchkante zur Selbstauflösung noch effizient. Die Zahl der Asylanträge beispielsweise wurden innerhalb eines Jahres halbiert. Abschiebungen, Zurückweisungen, Vorverlagerung von Grenzkontrollen. All das wirkt. Ich hatte eigentlich zum Chor denjenigen gehört, die dekretierten: Auf Grund der explodierenden globalen Krisen, können wir machen, was wir wollen, die Elenden dieser Welt kommen zu uns, bevor sie krepieren. Auch da habe ich mich mal wieder geirrt. Offensichtlich krepieren sie, bevor sie hier sind.
Chemtrail Ex. Dass die Echsen Angela Merkel und Bill Gates regelmäßig im Rahmen von Chemtrails Chemikalien versprühen lassen, um die Weltbevölkerung faschistisch zu indoktrinieren, ist bekannt, das steht auch im Internet. Und ist ja auch enorm erfolgreich, wie ein Blick in die Welt zeigt. . Für interessierte Menschen, die keine Schlafschafe sind und der Lügenpresse keinen Glauben schenken, haben wir aus dem Hause SCHUPPEN 68 eine Wunderwaffe entwickelt: Chemtrail Ex. Wenn Sie am Himmel wieder diese verräterischen Streifen sehen, die von der Meteorologen-Mafia in den Fake Medien „Kondensstreifen“ (lächerlich, jeder weiß, dass Kondens nicht am Himmel ist, sondern nur in Dosen, wo Kondensmilch draufsteht!) genannt werden, handeln Sie sofort! Versprühen Sie in Ihrer Wohnung unser Chemtrail Ex und spüren Sie sofort die Wirkung! Erst wird alles rot, die sogenannte Erstverschlechterung, und dann wird Ihr Chemtrail verseuchtes Hirn auf einmal frei! Jetzt bestellen, bei Abnahme von 5 Spraydosen zahlen Sie nur 68 Euro pro Dose. Gültig nur bis 15.07.2025.
Wie üblich ist die Realität wesentlich durchgeknallter. Die republikanische Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene sorgt für Schlagzeilen mit einem Gesetzesvorhaben, das auf einer Verschwörungstheorie basiert. In einem Post auf der Plattform X kündigte sie an, ein Gesetz einzubringen, das jede Form der gezielten Wetterveränderung – sogenannte „weather modification“ – unter Strafe stellen soll.
Ihr Chemtrail-Verschwörungsirrsinn, nach denen die Demokraten durch Wetterveränderung schuld seien an den verheerenden Überschwemmungen in Texas mit Dutzenden Toten, könnte demnächst real Gesetz werden in den USA. Im nächsten Schritt würden dann Leute auf Basis dieses Gesetzes angeklagt und verurteilt. Was nichts weiter als postmoderne Hexenverfolgung ist, wobei die heutigen Hexen Glück haben. Sie werden wenigstens nicht verbrannt.
Der Einbruch wahnhafter Irrationalität in die Politik nimmt immer erschreckendere Ausmaße an und lässt schlimmes für ausstehende Kämpfe zwischen Trumpisten und Muskisten befürchten. Musk will eine eigene Partei gründen. Sollte Musk das konsequent durchziehen, könnte man natürlich begrüßen, dass er Trumps Machtbasis angreift, indem er dessen Republikanern bei den nächsten Wahlen Stimmen klaut, weil beide auf ähnliche Klientel abzielen. Da die Musk-Partei aber ähnlich menschenverachtend aufgebaut sein wird wie Trump es ist, dürfte sich bei diesen Wahlen das groteske Schauspiel eines demokratischen Faschismus abspielen; der Mob darf formal wählen, aber am Ende kommt alles schlimmer. Bis zur sogenannten Letztverschlimmerung. Bekannt auch aus der Homöopathie: wenn krebskranke Leute an diesen Humbug glauben, Schulmedizin verweigern und deshalb dann an Krebs sterben.
Beide, Trump und Musk, werden in ihrem Kampf auf Erregung setzen, den ständigen Hysterie-Zustand, und den daraus resultierenden Verfall moralischer Ordnung in der Gesellschaft. Nur die sich ständig steigernde Erregung generiert jene Aufmerksamkeit, die ihren Erfolg ausmacht. Das ist ja das Wesensmerkmal des Faschismus: Ständige Erregung der Massen, niemals zur Ruhe kommen, bis zur mörderischen Entladung. Diese sich abzeichnende Entwicklung halte ich für bedrohlicher als die die aktuellen Gesetzesveränderungen durch Trump. Mögliche Vorteile auf Grund der Konkurrenz von Musk und Trump für eine degenerierte, kraftlose Demokratische Partei fallen da kaum ins Gewicht.
Früher haben sich konkurrierende faschistische Fraktionen wenigstens noch gegenseitig die Schädel eingeschlagen. Wie im Fall Gregor Strasser, dem mächtigsten Mann nach Adolf Hitler, den seine Konkurrenten Goebbels und Göring im Rahmen des Röhmputsches einfach umbringen ließen, wie hunderte andere missliebige Faschisten. Das waren noch herrliche Zeiten. Heute gehen die im Rahmen demokratischer Wahlen aufeinander los. O tempora o mores!
Bahnhofsvorplatz Duisburg. 38 Grad, über dem Beton gefühlte 50. Die Hitze raubte einem den Atem aus dem Mund, hüllte den Körper in heiße Watte und versetzte ihn schlagartig in Alarm, erhöhter Herzschlag und Atmung. Der archaische Zustand des „Da stimmt was nicht“, kurz bevor der Säbelzahntiger zuschlägt. Der Platz wie leergefegt, für die Obdachlosen an jedem Bahnhof, aber nicht nur da, eine lebensgefährliche Zeit.
Bevor ich blitzartig wieder in den kühlenden Katakomben des hässlichsten Bahnhofs der Welt verschwand, musste ich lachen. Da wird seit Jahren über die katastrophale Wirkung der Betonversiegelung in Städten diskutiert und wie lebensnotwendig jede Entsiegelung und die Vermeidung von weiteren Steinwüsten ist und dann so ein Anblick, kein Bauch, kein Strauch, keine Grünfläche, kein Brunnen, nur pflegeleichter Beton und ein lächerlicher Alibi-Baumkübel. Wie in den 70ern, und 80ern, als Kommissar Schimanski sich fluchend durch das noch vorhandene Proletarier-Duisburg prügelte. Heute ist Duisburg die Hochburg des Prekariats, gezeichnet von Verfall, Elend und einer der höchsten Armutsquoten in ganz Deutschland. Über 30 Prozent Kinderarmut.
Kein Wunder, dass die AfD bei der Bundestagswahl gerade in von Armut und Zuwanderung geprägten Wahlbezirken wie Hamborn und Meiderich noch vor der ehemaligen Arbeiterpartei SPD landete. Die AfD ist schon lange die Partei der Arbeiter und Einkommensschwachen. In ihren Führungsgremien sitzen Angehörige der akademischen Eilten und lachen sich schlapp über diese Kälber, denen sie bei passender Gelegenheit das Fell über die Ohren ziehen werden.
Demnächst zu besichtigen in der Ostzone, wenn das BSW der AfD in Kommunen und Ländern zur Macht verhilft. Da kann sich dann als erstes die Kulturszene warm anziehen, auch im tiefsten Sommer. Deren Fördertöpfe werden als erstes geschlachtet. Das bringt in der materiellen Substanz nicht viel, hat aber eine enorme Außen- und vor allem Signalwirkung. Seht her, so geht es allen, die nicht kuschen. Zu beobachten gerade flächendeckend in den USA.
Angesichts der USA staune ich gerade darüber, dass ich noch staunen kann, ich dachte, diesen Zustand hätte mir der Lauf der Welt mittlerweile abgewöhnt. Ich staune tatsächlich darüber, wie widerstandslos eine Demokratie zerbröselt, mit einem Wimmern in die Knie geht. Ob sie ins Koma fällt, wird sich weisen. Mich erinnert das Spektakel an das Ende der Weimarer Republik.
Die Welt ist echt bescheuert und damit sind wir am Anfang der heutigen Reise, die uns nach Duisburg geführt hatte. Die heutige Beteiligungsaufgabe für die Blog-Leserinnen besteht darin, den Duisburg-Claim „Duisburg ist echt“ zu vervollständigen. Unter den Einsenderinnen der richtigen Lösung „Duisburg ist echt bescheuert“ wird eine vierwöchige Reise verlost und zwar nach Ihrer Wahl! Zur Auswahl stehen Hamborn und Meiderich. Die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Reise tragen die Gewinnerinnen, wobei vermutlich nur die Hinfahrt anfällt. Duisburg ist schließlich echt. Lebensgefährlich.
Nein, nicht beim Genuss dieser Pflanze. Das ist der Schrecken aller Marihuanisten, eine männliche Pflanze, ohne Blüten und Trichome. Frisst nur Futter, bringt wenig, THC reduziert. Unnütz wie ein Kropf, im Vergleich zu weiblichen. Parallelen zum Menschenreich sind rein zufällig Das aktuelle Wetter ist natürlich hervorragend für den Anbau. Heute Temperaturen im Bereich von 40 Grad. Für Menschen in Pflegheimen, Krankenhäusern, Obdachlose, Verwirrte, Kreislaufschwache besteht Lebensgefahr. Und der Sommer hat gerade erst angefangen. Das Mittelmeer hat jetzt schon Temperaturen wie normalerweise erst Ende August, 3 – 4 Grad zu hoch. Tornadogefahr. Die üblichen Temperatur- und Wetterrekorde hier runter zu beten, schenke ich mir. Ebenso die Einschätzungen der Klimaexpert*innen. Ob wir überhaupt das Zwei-Grad-Erwärmungsziel halten können, ist völlig ungewiss. So egal wie früher – Motto: Nach mir die Sintflut – ist mir das nicht mehr. Irgendwann lande auch ich mal dehydriert in einem Seniorenheim, wo es keine Pflegekräfte gibt, und da sieht der Fokus dann schon ganz anders aus. Und, näher dran, heute muss ich nach Köln, und wenn der Zug unterwegs abkackt, auf offener Strecke, und die Klimaanlage ausfällt, wird das auch nicht gerade den Stoff für eine heitere Satire ergeben.
Was soll’s. Muss ja. Nützt ja nix. Die schwanzrote Koalition, genannt die Kesselflicker-Gang, wird’s schon richten. Schlimmstenfalls zugrunde. Selten war die Bekämpfung des Klimawandels so wenig Ziel wie jetzt, wo die Folgen anhand des Wetters jedermann und jederfrau schweißtreibend auf die Stirn gemeißelt sind.
In Berlin beispielsweise gibt es eine Initiative, die den Autoverkehr radikal aus dem Citybereich verdrängen will zugunsten anderer Verkehrsmittel. Eine vollkommen logische, wissenschaftlich begründbare und dringend notwendige Maßnahme, eine von ganz vielen. Das Begehren ist in der ersten Instanz für zulässig erklärt worden. Das wird aber absehbar in den nächsten Jahren nicht realisiert werden, allein aus Gründen der gesellschaftlichen Folgenabschätzung. Käme das durch, wäre Krieg auf Berlins Straßen. Die Automafia von außerhalb des Cityrings, die CDU- und AfD-Wähler aus Grunewald, Hellersdorf, Dahlem, etc. pp. würde für ihr Menschen-Recht, mit PS-Killermaschinen auf dem Weg zum Brötchenholen die Umwelt zugrunde richten zu dürfen, mit der Waffe in der Hand auf die Straße gehen. Es gäbe Tote und das meine ich ohne jede Ironie.
Wie sehr sich die Konflikte immer mehr unlösbar zuspitzen, sieht man an einer Lachnummer, über die der Koalitionsgipfel heute mit faulen und vor allem asozialen Kompromissen beschließen wird. Es geht um die Entlastung der Verbraucherinnen bei der Stromsteuer, um 5,7 Mrd. Euro. Woher nehmen, wenn nicht stehlen (worauf es übrigens zum Teil hinauslaufen wird, es wird beim Bürgergeld gekürzt werden). Man könnte die Ausweitung der Mütterrente streichen. Unsozial, weil sie einkommensunabhängig gezahlt wird und auch Reichen zugutekommt. Man könnte die Senkung der Gastrosteuer streichen. Unsozial, weil davon nur Gutverdienende profitieren, die sich Restaurantbesuche leisten können. Wenn überhaupt, ich hab noch nie erlebt, dass Restaurants die Preise senken, wenn die Lebensmittelpreise sinken oder die Inflation zurückgeht. Die werden einen Teufel tun und die Absenkung an die Kunden weitergeben.
Man könnte bei Erbschaftsteuer Privilegien für reiche Firmenerben streichen, die wiederholt vom Bundesverfassungsgericht kritisiert wurden, mehrere Milliarden Euro.
Das alles wird nicht geschehen.
Entweder wird beim Bürgergeld gekürzt. Oder, wahrscheinlicher, mit der Gießkanne bei allen Posten gekürzt, 10 Prozent. Das nennt man dann Gleichbehandlung und einen Kompromiss für beide Seiten. Ich nenne das Zynismus. Ich hoffe, dass ich unrecht habe.
Die Konflikte spitzen sich zu. Klassenkampf erhebt sein drohendes Haupt und auch wenn die SPD für alles steht, nur nicht für Klassenkampf, wird diese Koalition nicht sehr alt werden.