22.02.2016 – Alle Macht den Archivaren, sonst wird die Nachwelt nichts erfahren! Vorwärts zum ersten Karteitag!

Wie gruselig es um die Dokumentationssituation der Jahre um 1968 herum bestellt ist, zeigt unter anderem die Googlesuche nach diesem Klassikerspruch in der Überschrift. Die Quelle dafür ist nicht mehr ergründen.
Was Bildquellen angeht, ist der Bau der Pyramiden besser dokumentiert als diese Zeit. Vom Gründungskongress des SCHUPPEN 68 beispielsweise in der Szenekneipe Maulwurf 1968 gibt es keinerlei Bilddokumente.
Sanierung Linden 1969-1
Wenige Fotos nur dokumentieren die beginnende Bürgerbeteiligung bei der Stadtteilsanierung in Linden, dem Stadtteil von Hannover, in dem ich wohne.
Mitte der Siebziger war die Bürgerbeteiligung im politischen Mainstream angekommen. Einer ihrer Ursprünge liegt Ende der Sechziger in den Aktivitäten von sozialistischen Basis- und Projektgruppen.
Sanierung Linden 1969-2
Dokumentiert ist das in „Info – hannoversches Centralorgan der sozialistischen Basis- und Projektgruppen, Jg. 1, Nr. 5, o. J. (1969)“ . Liest sich heute wie Satire, ist aber eine historische Lektüre aus einer Zeit, in der partikulare Anliegen noch wie selbstverständlich eingebettet waren in einen grundsätzlichen und allgemeinen politischen Interessenkonflikt. Damals hieß das: Klassenkampf.
Sanierung Linden 1969-3
(Alle Rechte bei Hans ***M)
An diese faszinierenden Bilder bin ich im Nachklapp zu einer feuchtfröhlichen Sylvesterfeier gelangt, bei der sich herausstellte, dass einer meiner Gesprächspartner im Besitz von Bildern aus den damaligen Zeit ist. Sie sind hier dokumentiert. Ich finde diese Bilder anrührend und kämpferisch zugleich. Anrührend, weil es individuelle Artefakte aus einer verlorenen Zeit sind („Weißt du noch? Damals, Schuhgeschäft Salamander auf der Limmerstr.?!“), und kämpferisch, weil sie ihren engagierten Impuls nicht hinter dem Abbild von individuellen Emotionen und Zwischenmenschlichem verbergen. Insofern stehen sie mehr in der Tradition des lokalen Bildchronisten Walter Ballhause als des vielzitierten Wilhelm Hauschild , bei dem die nette Heile-Welt Fassade überwog, allerdings brillant ins Bild gesetzt.
Sanierung Linden 1969-5
(Alle Rechte bei Hans ***M)
Ich hoffe, dass die Bilder bei einer Ausstellung über die Stadtteilsanierung oder über 50 Jahre ’68 in Hannover eine angemessene Würdigung erfahren.
Sanierung Linden 1969-6
(Alle Rechte bei Hans ***M)
Mir geht ja mittlerweile das selbstbeweihräuchernde Gewese um diesen „kunterbunten“ Stadtteil hier auf die Nerven, wie toll doch alles und alle sind. Hier darf um Gotteswillen noch nicht mal eine Mülltonne verrückt werden und schon krähen alle: Verrat! Gentrifizierung! Und wenn jemand mal auf die Strasse kotzt, wird von der Sauberkeits- und Ordnungsfraktion gleich der Untergang des schicken Konsumlindens herbeideliriert.
Ich empfinde es inzwischen als üble Nachrede, wenn der SCHUPPEN 68 als „Lindener Alternativprojekt“ bezeichnet wird. Mein Horizont hört nicht nur nicht an der Stadtteilmauer auf, vielmehr beginnt er da erst.
Sanierung Linden 1969-7
(Alle Rechte bei Hans ***M)
Aber solche Geschichten wie die hier geschilderte konnten in Hannover wohl nur hier in Linden stattfinden. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass Geschichte sich vielleicht doch wiederholt. Und diesmal weder als Tragödie noch als Farce.
Wer hat das mit der Tragödie und der Farce noch mal gesagt?

20.02.2016 – Neidlos ziehe ich meinen Hut vor „Kommissar Rex an der Mauer erschossen?“.

Es gibt Interventionen, die sind so makellos, dass ich sie einfach nur zitieren kann. Im Folgenden geht es um einen der genialsten Wissenschafts-Fake ever.
stasi city ausstellung 1995 wilson sisters
Hat irgendwie mit dem Text zu tun…Ausstellung 1996 Kunstverein Hannover
Unter der Überschrift „Der deutsch-deutsche Schäferhund“, hat die Gruppe „Christiane Schulte & Freund_innen“ am 6. Februar 2015 einen Vortrag an der TU Berlin gehalten und im Dezember 2015 in der Zeitschrift „Totalitarismus und Demokratie“ veröffentlicht. Inhalt:
Der erste Mauertote war ein Polizeihund namens Rex, und der Dritte Weltkrieg wurde nur durch Einhaltung des Leinenzwangs für die Wachhunde der NVA-Grenztruppen verhindert. Die wiederum stammen eigentlich von den KZ-Hunden der Nazis ab, können aber nix dafür, denn auch die Hunde litten ja unter der Mauer – sogar viel länger als wir: Für die armen Tiere dauerte die deutsche Teilung schließlich ganze 280 Hundejahre.
Diese hanebüchenen Thesen waren frei erfunden – ohne dass dies jemandem aufgefallen ist: (Ab hier zitiere ich einfach)
„Der Grund dafür war, dass der Text mit den „Human Animal Studies“ (HAS) das Vokabular der neuesten akademischen Mode aufgriff und gleichzeitig altbekannte Rhetorik zum „DDR-Unrechtsstaat“ reproduzierte. Akademische Mode kombiniert mit politischem Konformismus – der Vortrag parodierte zwei klassische Strategien akademischer Ein- und Unterordnung und erschien gerade deshalb als „kritisch“ und „innovativ“. Der folgende Beitrag zeichnet die Geschichte dieser satirischen Intervention nach.
Wir, eine Gruppe von kritischen Wissenschaftler_innen, wollen damit eine Diskussion darüber anregen, warum engagierte Gesellschaftskritik in den Geisteswissenschaften zur Ausnahme geworden ist.
Nach Rex großem, aber tragischem Auftritt bedienten wir uns großzügig aus dem Repertoire der Totalitarismustheorie und überspitzten deren These, der DDR-Sozialismus sei irgendwie genauso schlimm gewesen wie das NS-Regime, ins Groteske. So behaupteten wir, die Wachhunde zweier 1945 eingerichteter sowjetischer Speziallager seien direkte Nachfahren von Wachhunden aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen gewesen, und diese wiederum hätten in dritter Generation die Mauerhunde der NVA-Grenztruppen gezeugt.
….
Mit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und dem Utopieverlust der politischen Linken wurden Subjekte wie „die Arbeiterklasse“ oder „wir Frauen“ jedoch zunehmend fragwürdig. Stattdessen bekamen nun die lieben Tiere ihre Agency zugesprochen. Die entstehende Tierrechtsbewegung übertrug das Vokabular von Ausbeutung und Entrechtung auf Tiere, fügte der Triade von „class, race, gender“ ein neues Herrschaftsverhältnis hinzu und kritisierte alle, die zwischen der Ausbeutung von Milchkühen und Sklaven noch Unterschiede erkennen wollten.“

18.02.2016 – Geschichte ist wie ein Klumpen Butter in der Sonne

Je länger die Sonne auf die Butter scheint desto mehr zerfließt sie. Was vorher als fester Bestandteil gesichert galt, für das gilt als (Erkenntnis)Prozess: alles fließt. Ein Beispiel aus der Geschichte: Im Buch „Die Treuhand“ stellt der Autor Klaus Behling die These auf, dass die Treuhandgesellschaft nicht nur die DDR abgewickelt hat, sondern die alte BRD gleich mit. Dafür wäre er früher in eine Anstalt eingewiesen worden. Zitat:
„Kaum jemand macht sich darüber Gedanken, dass die Treuhand auch ein soziales Versuchslabor West war: mit ihr kamen die längeren Arbeitszeiten, der Bruch der Tarifverträge oder das Arbeiten ohne Geld oder für Minilöhne für Arbeitssuchende und junge Leute. Sie leitet den Abbau des deutschen Sozialstaat ein und etablierte das Prinzip Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren.“
Mittlerweile ist das achselzuckend soweit akzeptiert, dass der Deutschlandfunk am 15.02.2016 im Magazin Andruck über das Buch urteilt: „Das Buch von Klaus Behling zur Treuhand ist ein angenehm ausgewogener Text …“
Klaus Behling: Treuhand: Wie eine Behörde ein ganzes Land abschaffte. Edition Berolina.
Alles in Butter.
Installation adventshammerzirkel,
Installation „adventshammerzirkel“ – Skulpturenpark SCHUPPEN 68

16.02.2016 – Ich hasse Updates, aber dafür wird Günther Oettinger mir sympathisch.

Der Blog hier ist mit einem Content-Management-System erstellt und leicht zu bearbeiten, was den Inhalt angeht. Für die Tiefen der Systemverwaltung gibt es Updates.
Ich hasse Updates.
Wieso soll ich eine wunderbar funktionierende Version eines Programms durch eine mir völlig suspekte Neue ersetzen, die ich mit meinen Kenntnissen noch nicht mal im Ansatz beurteilen kann? Wieso soll ich ein wunderbar funktionierendes Betriebssystem durch ein völlig unausgereiftes Neues ersetzen? Bin ich von Beruf Betatester?!
Es kam wie es kommen musste. Der Blog hier, die ganze Seite ist zerschossen.
Gleitze www.schuppen68.de - vor Update komplett
Vor Update
Gleitze www.schuppen68.de - nach Update unvollständig Kopie
Nach Update
Laut Provider soll ich ein „Template“ gekillt haben. Ich weiß noch nicht mal, wie man so was schreibt. Abartig auch, dass der Provider am Sonntag (!) innerhalb von zwei Stunden auf meine Hilfemail antwortet. Natürlich hab ich mich gefreut, aber am Sonntag arbeiten? Am 7. Tag ruhte sogar Göttin.
Jetzt muss es mein Mediamaster richten…
Günther Oettinger, der Verteidiger des Alt-Nazi Filbinger, war ein übler reaktionärer Finger und eigentlich eine Lachnummer. Aber mit seiner Aussage, wenn er mit Frauke Petry verheiratet wäre, würde er sich noch heute Nacht erschießen, hat er bei mir fast alle Sünden der Vergangenheit wettgemacht.
Endlich mal ’ne Aussage mit Eiern, natürlich völlig unkorrekt, und dafür kriegt er bestimmt von Grünen etc. Prügel ohne Ende. Frauen verachtend, Gewalt fördernd und so Zeug.
Ich bin einer der letzten Feministen der BRD, aber da setz ich vorbeugend noch einen unkorrekten Solidaritätsappell an meinen neuen Freund drauf:
„Günther, um Göttins Willen, erschieß nicht die falsche Person!“

13.02.2016 – Saufende Gender-Eichhörnchen

Dass in der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung zwischen meinen geschätzten Freunden und gleichberechtigten Mitherausgebern (Männer) sowie mir ein – je nach Rotwein-Füllstand – mehr oder weniger erbittert-heiterer Disput über die Anwendung geschlechtergerechter Sprache in unserem Organ ausbricht, habe ich bestimmt schon mal im Blog erwähnt. Ich hab aber keine Lust das noch mal nachzulesen, was interessiert mich mein Gewäsch von gestern.
Wir haben uns mit einer salvatorischen Klausel begnügt, dass das jede Autorin für sich regelt. Ich verwende im Blog konsequent im Zweifel die weibliche Form, was ich im dienstlichen Verkehr natürlich nicht praktizieren kann. Anfangs war das satirisch gemeint und ich kam mir beim Schreiben mitunter fast etwas verrucht vor, von wegen Rollenspiel und so. Mittlerweile schalte ich hier automatisch und unsatirisch in diesen Modus und denke für einen Moment im Schreiben auch aus einer etwas verschobenen Perspektive. Bevor ich mir selber gleich den Feminismus-Nobelpreis verleihe, hier eine wundervolle Variante. Diesen Link hier habe ich von einem geschätzten Kollegen aus anderen Zusammenhängen. Danke dafür.
Dort kann durch einen Klick auf den Gendering-Umschalter Button die jeweils gemäße Form für den Text gewählt werden. Hier wäre das sicher „Eichhörnchen“. Mir sind beim Lesen die Lachtränen gekommen.
in diesem haus saufen sogar die eichhörnchen
Bei mir im Garten saufen sogar die Gender-Eichhörnchen Alkohol. Die werden sich über den Link vor Freude einen Knoten in den Schwanz machen …
Zug um Zug werden übrigens in Verbänden und Organisationen Sprachregelungen per ordre du mufti (per ordre de la muftie, für Französisch-Liebhaberinnen) durchgesetzt, da wird nicht gelabert. Manche Sachen funktionieren nur per Quote oder Order. Also hieße es, wenn wir ne Frau bei der NETZ an Bord hätten: Herausgeber_innen oder Herausgeber*innen.
Zur Begründung Zitate aus einem Ratgeber für geschlechtergerechte Sprache:
„ … die Schriftsprache ist ein wesentlicher Ansatzpunkt für die Umsetzung von geschlechtergerechten, also die Gesellschaft abbildenden, Formulierungen. Dabei geht es nicht darum, eine Sprache zu schaffen, die kompliziert und umständlich ist, sondern eine Sprache, die Frauen genauso wie Männer hörbar und sichtbar macht.
….Was heute noch „komisch“ klingt, kann morgen schon die Norm sein. Was zur Norm wird, bestimmen die Mitglieder der Sprachgemeinschaft durch ihr Verhalten entscheidend mit.“

Na denn, der 8. März steht vor der Tür. Wolle mer ne roilasse?

10.02.2016 – Was für eine Scheißjahreszeit.

Nicht nur an der Mosel steigt das Hochwasser. Ich mache alle Termine in der Region, wenn nicht gerade die Erde bebt, mit dem Fahrrad. Bei Eis kann man mal schieben, aber in Hochwasser zu geraten, ist selbst in unseren Breitengraden unangenehm.
hochwasser
Ein sanftes Plätschern von einem auf eine Strasse übergelaufenen Bach entpuppt sich beim Durchradln auf einmal als Druck, richtig heftiger Druck, den man kaum kontrollieren kann.
Ich muss natürlich von allem Fotos machen, was mir so widerfährt. Mit einer Hand Foto machen, mit der anderen Hand lenken, das geht prompt in jene Hose, die beim Absteigen logisch pitschepatschenass wird. Und das bei den Temperaturen. Da kommt Hass auf. Und Sehnsucht nach Sizilien.
Dabei kann ich noch von Glück reden, dass ich nicht von der Strasse gespült wurde und in ein Kanalisationsrohr gezogen. Das möchte ich am nächsten Tag nicht in der BILD lesen:
Deutschlands dämlichster Radfahrer bei 10 Zentimeter Hochwasser ertrunken.
Alles schon passiert.
Was für eine Scheißjahreszeit.

08.02.2016 – Rosenmontag und Narrationsbogen.

Mit Karneval habe ich nicht viel am Hut. Ich trage auch keine Hüte. Geschmackssache, wie manches bei Kleidung. Von Verkleidung und Karneval ganz zu schweigen, was da an Entgleisungen das Auge und Hirn beleidigt, erfüllt mitunter Straftatbestände. Im hiesigen Karneval fahren schon Panzer mit der Aufschrift „Asylabwehr“ mit, das sagt viel über die ostgotische Volksseele.
Ganz schwierig wird es bei Kunst & Kleidung. Da können Bedeutungen mitschwingen, die man nicht so beabsichtigt hat, die aber wiederum Ideen auslösen. Anlässlich des Rohani Besuchs fand im Skulpturenpark des SCHUPPEN 68 unlängst eine satirische Aktion statt: Die Verhüllung einer nackten Statue.
160201Lindenspiegel - Verhüllungsaktion Rohani Besuch
Der Lindenspiegel berichtete ausführlich und korrekt. Besten Dank dafür. Bis auf eine winzigkleine Nuancenverschiebung. Auf der Titelseite wurde der Beitrag angekündigt mit: SCHUPPEN 68 maskiert Venus. In Verbindung mit den verbundenen Augen unserer Skulptur kann man da durchaus assoziieren: Karneval & die SM Hymne „Venus in Furs“ von Velvet Underground. Was eine wirklich gelungene Montage mit dem Narhalla Marsch abgibt.
Ich lasse das mal sacken und da wir am Aschermittwoch einen alternativen Karnevalsumzug planen, bei dem wir unter anderem einen Panzer mit der Aufschrift „Asylabwehr“ mittels einer Panzerabwehrrakete in die Luft jagen, können wir diese Anregungen vielleicht noch einbauen.
Ob morgen der BND oder die NSA bei mir anklopft, wegen der Verwendung des Schlüsselbegriffs „Panzerabwehrrakete“? Nix dagegen, würde mir sogar ein Gefühl der Sicherheit geben. Dazu „Hey Big Brother“ von Rare Earth, die ich mal live gehört habe und die mit dem Song das Konzert angefunkt (hahaha, famoser Witz) haben. Achten Sie auf den Narrationsbogen des Songs, seine Sogwirkung.
Den Begriff „Narrationsbogen“, der nix mit Karneval zu tun hat, habe ich am Wochenende in einer Vernissagerede gehört. Hab mir vorgenommen, den diese Woche mindestens fünfmal zu verwenden, am liebsten in Dienstbesprechungen. Narrationsbogen …

05.02.2016 – Ich kann mich über die Presse nicht beklagen

160205HAZ 100 Jahre Dada
HAZ vom 05.02.2016.
Ich habe an der HAZ einiges auszusetzen, nicht zuletzt, wie sträflich sie das Thema „Wachsende Spaltung der Gesellschaft“ vernachlässigt. Deshalb mache ich ja auch eine eigene Zeitung, die NETZ. Ich kann mich aber überhaupt nicht beklagen über mangelnde oder verständnislose Berichterstattung über meine künstlerischen Aktivitäten. Daran liegt es nicht, dass aus mir noch kein internationaler Kunst-Superstar à la Au Wauwau geworden ist. Ich rede mir den fehlenden Durchbruch damit schön, dass ich zuviel arbeiten muss und zu wenig massenkompatibel bin. Eben mehr so für Intellektuelle und das Feuilleton. Auch nicht schlecht.
Aber bei meinem Anblick z. B. hysterisch kreischende Weiber (vor Begeisterung natürlich!) fänd ich manchmal auch nicht schlecht …

04.02.2016 – Die Kunst erfüllt nur dann, wenn sie hausieren kann! SCHUPPEN 68-Aktion zu „100 Jahre Dada“!

Am 5. Februar 1916, vor genau 100 Jahren, fand im Cabaret Voltaire in Zürich ein Epochenwechsel statt: Dada wurde geboren. Nach Dada war in der Kunstwelt alles anders und alles möglich. Einer der größten und weltweit anerkannten Dadaisten war der Hannoveraner Kurt Schwitters.
Wer nun geglaubt hat, dass das 100jährige Dada Jubiläum gerade in Hannover wenn schon nicht mit Ausstellungen und Ausschweifungen gewürdigt wird, so doch wenigstens mit winzigkleinen Aktionen, Böllerschüssen oder wenigstens einer erbärmlichen Dichterlesung mit „Anna Blume“: Pustekuchen, respektive -Blume.
Auch hier muss der SCHUPPEN 68 wieder voranschreiten – Avantgarde at it’s best.
Kunst-Hausierer Klaus-Dieter Gleitze
Ich werde deshalb mit meinem Bauchladen als Kunst-Hausierer am 5. Februar 2016 um 12 Uhr mittags gleichzeitig an drei Orten eine Performance durchführen.
Details in der PM hier PM SCHUPPEN 68 Aktion 5. Februar 100 Jahre Dada
Irgendwie kann’s das ja nicht sein. In Hannover liegt der Hund begraben, aber eben auch Schwitters, auf dem Engesohder Friedhof, es gibt ein nach ihm benanntes Gymnasium, eines der zeitgenössischen Museen der BRD schlechthin, das Sprengel Museum liegt, am Kurt-Schwitters-Platz.
Und niemand macht was. Banausen. Schnarchsäcke.
Ich muss zur Zeit 24 Stunden am Tag ackern und da das nicht reicht, muss ich die Nacht dazu nehmen. Aber dafür nehm ich mir die Zeit. Schließlich, und da zitiere ich mich gerne selbst:
“Offensichtlich sind wir vom SCHUPPEN 68 die einzigen Vollidioten in einem Meer von Vernunft.“
Über allen Museen ist Ruh’?
Warte nur! Balde dadast du auch.

02.02.2016 – Männerphantasien: Blow Job, Dreier, Polizistinnen-Uniform.

Eines meiner Projekte – mein ganzes Leben ist offenbar ein einziges Projekt – war eine Examensarbeit über Graffiti, allerdings zu einer Zeit, als die meisten das noch nicht mal richtig schreiben konnten. Es gab einen einzigen nennenswerten Text über Graffiti: „Cool-Killer oder der Aufstand der Zeichen“ von Baudrillard, der in den Achtzigern in der BRD rauskam, ansonsten war das Schmuddelkram für Unis. Ein Grund mehr, so was zu machen. Das Ganze sollte sich nicht nur aus zeichentheoretischer Sicht mit dem Thema befassen, mir waren Strukturalisten wie Baudrillard eh verdächtig, unpräzise Schwatzhanseln, die obendrein den Materialismus als Denkschule diffamierten. Ich wollte es in der Tradition von Theweleits „Männerphantasien“, dem linksalternativ-feministischen Standardwerk der 70er und 80er über die Ich-Prägung von Männern, als Generationenkonflikt behandeln: Der Sohn arbeitet sich mittels Stadtguerilla-Codierungen am gepanzerten „Ich“ seines Vaters ab.
Aber die zentrale Frage eines Kollegen auf alle meine lichtvollen Ergüsse und erhabenen Erkenntnisse lautete schon damals: „Und? Kann man damit Geld verdienen?“ Das war das vorzeitige Ende eines meiner – zahlreich früh verstorbenen – Geniestreiche.
Was schlecht weg ist, kommt mitunter putzig wieder. Offensichtlich habe ich Jahre später, da schon schwer mit Geldverdienen beschäftigt, ein Filmprojekt zu dem Thema angefangen, mit dem Cinéma brutal Kollektiv, das Michael Doege und ich in den Post-68er Jahren gründeten.
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Szenenfoto aus: Der doppelte Hulk.
Interessant ist an dem Graffiti, das in Form eines Comic Splash-Panels gehalten ist, die Farbwahl der Umrandung: Schwarz Rot Gold. Die Nationalfarben der BRD.
Da kommt man, was den oben geschilderten Generationenkonflikt angeht, ins Grübeln. Respektive Grinsen. Putzig war auch meine Google Recherche zu „Männerphantasien“, um meiner Erinnerung auf die Sprünge zu helfen. An prominenter Stelle keineswegs Theweleit, sondern Einblicke darüber, was meine Geschlechtsgenossen vorrangig so im Kopf haben, was Schweinkram angeht, z. B. Blow Jobs, flotte Dreier, Polizistinnen-Uniform.
Polizistin, whow. Da muss man erst mal drauf kommen.