Archiv für den Autor: admin

01.09.2022 – Der praktische Nutzen des heutigen Blogs


Konzert in der Abendsonne, in der schönsten Konzertlocation der Welt, auf der Terrasse der Schwangeren Auster, Juli 2022. Cajun Music, Beausoleil with Michael Doucet. Wer dabei nicht tanzt, ist entweder tot oder sonstwie schwer verhindert. So hört sich das an.
Das also bleibt vom Sommer, Abendsonnenvergoldete Erinnerungen. Goldig erscheinen heutzutage im Krisenzeitalter auch die Erinnerungen an das in diesem Blog des Öfteren zitierte „Goldene Zeitalter des Kapitalismus“ in den 70ern, mit deutlichen Zuwächsen an relativem Wohlstand, Konsum, Demokratie, Ausbau von Sozialleistungen. Natürlich nur im Westen und auf Kosten der Natur. Dieses Modell wird seit dem Fall des Eiserenen Vorhangs sukzessive rückabgewickelt, das mit der Zerstörung der Natur bleibt und beschleunigt sich. Eine Ursache für dieses „Goldene Zeitalter“ war neben stabilen Währungen und politischen Verhältnissen sowie einem deutlichen Globalisierungsschub die massenhafte Existenz von billigster Energie, vor allem durch Entdeckung gigantischer Ölvorkommen im Nahen Osten. Die Tonne Rohöl kostete in der BRD 1950 noch 79 Mark, 1970 waren es 11. Die Zeit von 1950 bis 1973 war die extremste Konjunktur, die wir in der Menschheitsgeschichte hatten. Die Rohölschwemme löste einen Temperaturschub aus, der in den vergangenen 2000 Jahren einzigartig war. Innerhalb weniger Jahre wurde ein Vielfaches des Schwarzen Goldes verfeuert als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor. Mit entsprechendem CO2 Ausstoß, ab etwa 1990 haben sich die Temperaturen sprunghaft erhöht – zu allen Jahreszeiten. Damit begann ein klarer Rhythmuswechsel zwischen einer langsamen Klimaerwärmung zu einer schnellen Erwärmung. Da aktuell die Anfänge einer guten Klimapolitik krisenbedingt rückabgewickelt werden, verdichtet sich die Vermutung zur Gewissheit: Für die Party in den 70ern kriegen wir jetzt die Rechnung präsentiert. Eine Rechnung, die wir nicht bezahlen können, selbst wenn wir wollten. Was nicht der Fall ist. Der Mob will es nicht.
Man schaue sich nur die Szenen vor den Grundschultoren des beginnenden Schuljahres an: Eine Bande geisteskranker Vollidiotinnen karrt, das Leben der Rest- und damit auch der eigenen Brut gefährdend, ihre ätzenden Blagen in SUVs direkt vor die Schultore, obwohl es im Normalgrundschulfall nur ein paar Meter Schulweg sind. Wir haben es also mit einem pathologischen Mangel an Verstand und Ethik zu tun wie sonst nur im Kreml. Wie soll denn mit einem derartigen Gesindel, was leider wählen darf!, die Welt zu einem besseren oder auch nur überlebbaren Ort gemacht werden?
Die Zukunft war goldener, Schauer laufen mir den Rücken runter, denke ich an die Gegenwart und muss aufpassen, nicht zu sehr in die Vergangenheit zu flüchten. Kein Wunder, dass ich neulich wieder Flüge in den Süden gecheckt habe, azurblauer Himmel, tieftürkises Meer und goldene Strände.
Was hab ich heute bloß dauern mit dem Gold? Der Goldpreis liegt bei 1.700 für eine Unze, ein Plus von 30 Prozent in den letzten 5 Jahren. Ob es das ist, was meine Feder beim Schreiben des heutigen Blogs führte?
Damit der heutige Eintrag einen praktischen Nutzen für Sie, liebe Leserinnen, hat, hier die Hausaufgabe für den 01.09.2022: Suchen Sie für 10 Minuten die Stille, gehen Sie nach innen und versuchen Sie zu erahnen, was Sie in den letzten 24 Stunden zu nicht bewussten Handlungen und Gedanken geführt hat. Was also waltet und wütet in uns, jenseits von Kontrolle?
Die heutige Einheit ist nochmal kostenfrei.

28.08.2022 – Sorry, liebe Wölfe


Der Himmel über Berlin. Ein Donnerschlag und der „Jahrhundertsommer“ mit Wochen tropischer Nächte war beendet. Es war wie bei Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag, auf einmal waren alle wieder munter. Natürlich ist der jetzige Zustand normaler und gesünder, aber was ist schon normal und über den Sinn von Gesundheit lässt sich auch streiten. Solange man nicht krank ist jedenfalls. Ich fand diesen „Jahrhundertsommer“ (in „“ deshalb, weil derartige Sommer die Regel werden) nicht schlecht, irgendwie faszinierend. Ausnahmesituationen haben immer etwas Faszinierendes und man, na ja, ich jedenfalls, versucht, ihnen auf den Grund zu gehen. Wie fühlt sich Ausnahme an, wie riecht, schmeckt, tönt die? In der Glutglocke von Berlin waren, sind, alle langsamer, gedämmter, das Leben gleicht mehr einer surrealen Inszenierung denn der Benzingeschwängerten Realität. Kleidung entgleitet immer mehr ästhetischer Zumutbarkeit, überall Männer in Shorts und Socken, das Grauen, aber selbst solche optischen Infernos (Inferni find ich schöner, ist aber falsch) lassen mich kalt (sic!). Man ist noch eher geneigt, sich Faulheit zu verzeihen als eh schon. Einfach mal viere gerade sein lassen.
Ausnahmesituationen verursachen ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl, da sitzen und schwitzen tatsächlich mal alle in einem Boot. Selbst die dauernden Krisennachrichten prallen an einer Mental-Mattscheibe meist müde ab. Es wird, wenn überhaupt, mehr der Restintellekt geweckt als irgendwelche Emotionen. Erstaunt war ich dann doch über die 32 Prozent.
Lediglich 32 Prozent aller BRD-Insassen sind für eine Anhebung von Sozialleistungen in diesen Krisenzeiten. Es ist nicht so sehr die infame Niedertracht des ideellen Gesamtdoitschen, die dem Anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnt (wobei sich Butter immer weniger leisten können), die übel aufstößt. Es ist die Mischung aus grunzdummer Dämlichkeit und Mangel an jeder soziologischen Phantasie, die erstaunen macht. Nicht einzukalkulieren, dass demnächst, irgendwann, auch er, der dumme Michel, darauf angewiesen sein könnte. Oder gar schon angewiesen ist. Mehr als 10 Prozent aller Erwachsenen beziehen jetzt schon Transferleistungen. Ein großer Prozentsatz beansprucht aus Scham oder Unwissenheit keine Transferleistungen, 50 Prozent bei Hartz-IV, 60 Prozent bei Grundsicherung im Alter, dazu kommt ein Millionenheer von Prekären und Niedriglöhnerinnen, die knapp über der Grenze liegen. Und die bei der mit Riesenschritten nahenden Rezession am Arsch der Existenz sind. 40 Prozent aller Einwohnerinnen haben keinerlei Rücklagen oder Schulden. Tendenz dramatisch steigend.
Wir können also unterstellen, dass die Summe derjenigen, die Transfers beziehen, beziehen könnten oder ständig vom Absturz bedroht sind, ungefähr der Summe derer entspricht, die für eine Erhöhung ist.
Wenn wir dagegen rechnen, dass bei den oben erwähnten 32 Prozent viele, Millionen, wohlmeinende, gutverdienende Grünenwählerinnen sind, vielleicht sogar Sozis, die anderen auch mal was gönnen, kommen wir zu folgendem Schluss: Millionen armer Schweine sind gegen eine Erhöhung von Sozialleistungen, obwohl sie selbst davon profitieren, profitieren könnten oder werden.
Wie zugerichtet muss der Kopf sein, die eigenen Interessen und Bedürfnisse derartig zu verleugnen, einen Teil der eigenen Existenz derartig von sich abzuspalten und das Lied der feindlichen Wölfe mit zu heulen.
Dem Gegner die Kehle anzubieten, das funktioniert nach verlorenem Kampf im Tierreich, unter anderem bei den Wölfen. Aber nicht bei Menschen.
Kein Wunder, dass so viele Schafe aus lauter Angst und Panik bei den grauen, den braunen Wölfen mitheulen und demnächst auch laufen, wenn der Mob für die Straße mobilisiert.
Und sorry, liebe Wölfe, dass ich Euch derartig beleidigend anthropomorphisiert habe. Ist halt Grundkurs Rhetorik: In Gleichnissen reden.

27.08.2022 – Mein Nachbar ist Til Schweiger


Linke Freiräume schaffen. Mansteinstr., Berlin. Ehemals besetzt, jetzt selbstverwaltet, also in Kooperation mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Zehn Bierfässer von meiner Lieblingskneipe „Leydicke“ entfernt, stand ich davor und sinnierte den linken Freiräumen hinterher, als es feucht von oben wurde. Erst regnete es, dann ergoss sich der Himmel über Berlin mit derartiger Urgewalt, dass sogar das Fest des obersten Grüßaugust der Republik abgebrochen werden musste. Was für ein Scheisswetter, fluchte ich, und musste lachen. Endlich mal Regen, an den letzten hier kann ich mich gar nicht mehr erinnern, und dann sowas. Zurück zur Homebase, im Regen vorbei an der Yorck 59

Und die ist, so unscheinbar sie aussieht, eine Ikone in der Geschichte der Hausbesetzungen in Berlin. Mit ihrer Räumung, sie wurden alle geräumt oder in Selbstverwaltung legalisiert, verschwand 2005 das letzte linksradikale Projekt dieser Art in Berlin. Seitdem ist relative Ruhe im Karton, von Einzelfällen abgesehen. Die Berliner Baumafia in der Nachfolge eines rechtskräftig verurteilten Verbrechers wie Dietrich Garski hatte gesiegt. Der Hinterhof wurde in Luxuslofts umgewandelt, jahrelang von Security abgeschirmt. In einem davon wohnt Til Schweiger und da ich nur ein paar Häuser weiter entfernt wohne (eher kein Luxusloft), kann ich mit Fug und Recht behaupten: Mein Nachbar ist Til Schweiger.
Falls Sie, liebe Leserinnen, demnächst jemanden sichten, auf dessen T-Shirt steht: Mein Nachbar ist Til Schweiger, das bin ich. Sie dürfen mich ehrfürchtig von Ferne grüßen.
Der aktuelle Stand: 12 Prozent aller Mieter*innen liegen mit den Kosten für Unterkunft bei mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens, der absoluten Höchstgrenze für Zumutbarkeit. 2021, also vor den Krisenkulminationen. In Ballungsräumen sind das bis um die 40 Prozent aller Mieter*innen.
Von einer Hausbesetzungsszene ist weit und breit nichts in Sicht. Die Fronten sind klar, der Kampf ist vorüber. Vae victis.

26.08.2022 – Makellose Hässlichkeit


Bierpinsel, Berlin Steglitz. Bierpinsel ist ein klassischer Berolinismus, vulgo Volksmund, Berliner Schnauze. Siehe auch Schwangere Auster für das Haus der Kulturen der Welt.
Der Bierpinsel ist eins der wenigen Gebäude in Berlin im Pop Art Stil. Pop Art war in den Sechzigern die vorherrschende Kunst- und Moderichtung im Westen, trotzdem fällt mir an Gebäuden dieser Ausrichtung hier nur noch der U-Bahnhof Fehrbelliner Platz ein. Komisch. Warum das wohl so ist? Nicht, dass das ein Mangel wäre. Der Bierpinsel ist von so makelloser Hässlichkeit, dass er mich sofort in seinen Bann zog

Ich umkreiste ihn, bestaunend aus allen Perspektiven.

Ergötzte mich an Details wie vermeintlichen Schießscharten. Wollte ihn natürlich besteigen, in ihn eindringen, dem Geheimnis seiner Aura nachsteigen.
Kann man vergessen. Das Spekulationsobjekt
(letzter Stand: soll ein Co-working Space werden. Was sonst…) ist seit Jahren dicht, pleite. Alles abgeriegelt, in schäbigen Ecken lagert Müll, beissender Uringestank, der sich überhaupt bei der seit Monaten anhaltenden Dampfhitze zu einer leitmotivischen Berliner Geruchsfahne entwickelt, die einen überall umweht. Dieser Sommer, in wievielen Oden des Alltags wurde er schon besungen, verflucht, von mir keine weitere dazu. Wir werden uns daran gewöhnen müssen und fangen jetzt damit an.

22.08.2022 – Wenn Ihr nicht werdet wie die Nachtkerze, werdet Ihr verbrennen in der Sonne des Schreckens


Die Nachtkerze ist ein Nachtblüher. Sie öffnet ihre gelben Blüten erst in der Abenddämmerung und lockt mit ihrem betörenden Duft Nachtfalter und andere Insekten an. Außerdem ist sie essbar, wurde früher ähnlich Schwarzwurzeln als Gemüse verwendet. Ich scanne den Garten schon mal als Vorratsspeicher, für harte Zeiten. Im Moment aber erfreue ich mich auf ästhetischer Ebene am floralen Angebot. Das leuchtende Gelb der Nachtkerze strahlt umso glänzender als man den anderen Pflanzen im fahlen Morgenlicht noch ihre nächtliche Ermattung ansieht. Und angesichts der Tatsache, dass wir wohl in den heißesten Sommer seit Wetteraufzeichnung reinschwitzen, ist die Nachtkerze ein Menetekel. Gemahnt sie uns doch, unser Leben an die Klimakatastrophe, die nicht vor der Tür, sondern auf der Schwelle steht, anzupassen. Unter anderem mit Änderungen unseres Lebensrhythmus. Die Nacht zum Tage machen. Allerdings anders als in notorischen Partyzeiten seliger Jugend. Und im Winter Heizung sparen. Drei Monate im Süden, Kreta, Matala, auf den Spuren von Bob Dylan und Joni Mitchell, in Höhlen hausen. Nächster Halt Höhlenhausen, Endstation Sehnsucht.
Von Hippies ist es nur ein kleiner Schritt zu den Revoluzzern von 68ff. Was macht zum Beispiel Ba-Wü-MP Wilfried Kretschmann, ex Maoist des KBW = Kommunistischer Bund Westdeutschland, der die Massen vom Joch des Kapitalismus befreien wollte? Heute empfiehlt er nach Hinweis auf eigenes E-Auto und Photovoltaikanlage, dem Pöbel, sorry, den Massen, den Gebrauch von Waschlappen, zwecks Duschvermeidender Kostendämpfung.
Vielleicht ist der Header des heutigen Blogs kein düsterer Vorgriff auf Armageddon, sondern eher eine Verheißung auf Endigung des irdischen Jammertals. Wenn Ihr nicht werdet wie die Nachtkerze, werdet Ihr verbrennen in der Sonne des Schreckens. Schön wär’s ja, angesichts des real existierenden KBW = Kommunistischer Bund Waschlappen. Was für ein Schmierentheater ist die Welt. Schattigen Start in die Woche, liebe Leserinnen.

19.08.2022 – Der Kopf stinkt vom Fisch her


Die Pflanzen, alle überragend die Sonnenblumen „Goldener Neger„, sind so dicht arrangiert, dass sie mich beim Gang in den Garten berühren. Da ich aus religiösen Gründen beim morgendlichen ersten Gang nur eine rechte Socke trage, ist das ein prickelndes Gefühl auf der Haut, wenn die Blätter noch regenschwer sind, was extrem selten vorkommt, oder vom Morgentau benetzt. Uh, denke ich dann mitunter, ist ja wie im Urwald. Das kann man kindisch, kitschig, wie auch immer nennen, eins ist es nicht: Naturverbunden. Die Natur ist uns schon lange mehr kein ursprünglicher Lebensraum mehr. Wir sind ihr völlig entfremdet. Mir ist sie Inszenierung, Spektakel, Fluchtort, Erholung, vieles, aber kein Ort der natürlichen Aneignung. Der Mensch wurde zum zivilisierten und dann wieder barbarischen Wesen im Kampf gegen die Natur. Das hautsächlich unterscheidet ihn vom Tier: Die kollektive, planvolle, zielgerichtete Aneignung von Natur, mittels Werkzeug, aus denen später Waffen wurden, und mittels Geist, Intellekt. Die Ethik spielte hier erst spät eine Rolle, in unseren Tagen. Als es zu spät dafür war.
In diesem Prozess entstand Arbeit, die zentrale Bedingung für die Entstehung von Zivilisation, Kapitalismus, Demokratie und nachfolgend Untergang der drei Erstgenannten. Macht Euch die Erde untertan. Koste es, was es wolle und sei es Euer eigener Untergang. Dieser Prozess stinkt natürlich zum Himmel, gerade medial aufspektakelt an der Oder. Vielleicht wird die Ursache für das Fischsterben dort, womöglich eine „Jahrhundertkatastrophe“, nie ganz aufgeklärt. Gut möglich, dass es multikausal ist. Einleitung von Giften und Salzen, die extremes Algenwachstum anstoßen, die wiederum eigene Gifte absondern. Also würde auch hier die Natur, entgegen ihrem ursprünglichen Zustand, selbst zum Killer, von außen angestoßen. Und das ist erst der Anfang.
Ein bestialischer Gestank muss bei dem Wetter da aufkommen, wenn Tonnen von Fischen verfaulen. Bis vor ein paar Jahren war ein gut frequentierter Italiener mein Nachbar. Sommers, wenn die Mülltonnen draußen standen, biss mitunter im Vorbeikommen übler Fischgestank von Essensresten in meine Nase.
Übler Gestank weht auch aus dem Kanzleramt, wo ein mafioser Hanswurst und eine moralische Nulllösung Hausherr ist. Noch. Vom Kapital bis auf die Knochen korrumpiert und ein erbärmlicher Feigling. Der nach seinem kompletten Versagen im Holocaust-Skandal bei der PK mit dem Chef der Palästina-Terroristen (wobei die Fatah Waisenknaben sind im Unterschied zu den Faschisten von der Hamas) seinem ebenso erbärmlichen Pressesprecher die Schuld in die Schuhe schiebt. Und so blöd ist, dass er nicht merkt, wie diese Feigheit noch übler der hiesigen Öffentlichkeit aufstößt, was eindeutig gegen die hiesige Öffentlichkeit spricht, als der eigentliche Skandal: Dass ein notorischer Holocaustleugner und Antisemit wie Mahmud Abbas überhaupt nach Deutschland einreisen darf.
Von was für Figuren wir regiert werden … Scholz Oder die Fische. Der Kopf stinkt vom Fisch her.

16.08.2022 – Die Kernseife der Medaille


Das Pack, auf Tour. Plakat in Kreuzberg.
„Wir“ in Mitteleuropa, in der BRD, leben auf einer Insel der Glückseligen. Die Meisten jedenfalls, ca. 30 Prozent in Wohlstand, ca. 30 Prozent in der noch relativ gesicherten Fahrstuhlzone, wo Aufstieg nach oben möglich, aber Absturz nach unten wahrscheinlicher ist, 40 Prozent sind prekär, haben keine Rücklagen, sind verschuldet, arm. Aber im Weltmaßstab geht’s „uns“ Gold. Noch. Wir leben in Frieden, Freiheit, Wohlstand, Demokratie. Wir nennen dieses ganze Gesumse meistens Marktwirtschaft. Lieber nicht so, was es eigentlich ist: Kapitalismus. Das würde die Kinder vor dem Schlafengehen ängstigen. Kapitalismus hat einen Beiklang vom Schwarzen Mann, irgendwie gruselig, bedrohlich, nix genaues weiß man darüber nicht, wo kommt der her, was macht der so, was will der überhaupt. Aber Gutes ist von dem nicht zu erwarten. Das wabert diffus in der Mehrheitsgesellschaft so rum.
Die durchaus dankbar und erfreut ist, wenn in ihrer Bürgerpresse in der Sonntagsbeilage oder im Feuilleton der Chef einem rebellischen Jungredakteur Raum gibt, mal so richtig gegen den Kapitalismus abzuledern und dass man den doch mal irgendwie bändigen müsste, ihm Zügel anlegen oder gar menschlich machen sollte, denn es stünde ja die Zukunft auf dem Spiel und das böse Klima und die ganze Ungerechtigkeit etc. pp. Jaul, kreisch, jammer, Zetermordio. Würde Donald sagen.
Wäre ich Herausgeber dieses Organs, würde ich die rebellische Jungredakteurin zu mir rufen und ungefähr so sprechen:
„Junge Frau, was Sie in Ihrer Freizeit tun, ist mir egal, aber im Dienst unterlassen Sie bitte das Kiffen. Und beim Abfassen Ihres Artikels müssen Sie ja ganz offensichtlich bekifft gewesen sein, wie anders ist der Blödsinn, den Sie da verzapfen, zu erklären? Kapitalismus bändigen, Zügel anlegen, menschlich machen? Wollen Sie demnächst auch die Abschaffung der Schwerkraft fordern oder zu Hause in Ihrer Kifferhöhle Zahnpasta wieder in die Tube zurückdrücken? Der Kapitalismus ist seinem Wesen nach zerstörerisch, er beruht auf mörderischer Konkurrenz und Gier. Wenn das ausgeschaltet ist, heißt die Veranstaltung nicht mehr Kapitalismus. Demzufolge sind die heutigen Krisen, vor allem die Klimakrise, nicht mit den Mitteln des Kapitalismus zu lösen oder auch nur zu bändigen, im Gegenteil, er nährt sich von diesen. Bis zu seinem Untergang.“
Dann würde ich der hoffnungsvollen Jungredakteurin einen blauen Band über den Schreibtisch schieben. „Da steht das im Wesentlichen drin. Das Kapital. Von Karl Marx“. Und im Rausgehen würde ich ihr hinterherrufen:
„Sie werden Ihren Weg machen. Sie sind rebellisch. Das wird in unserem Hause geschätzt.“
Man soll das Personal ja auch loben. Ich halte das für Sozialklimbim. Aber wenn’s die Laune hebt. Und bevor sie endgültig draußen wäre, sie kennen diese Szeneabfolge ja aus Filmen, Hand auf der Türklinke und dann kommt noch ein Spruch, ein fundamentaler, der die Handlung vorantreibt:
„Ach, eins noch. Unsere Krisen, vor allem die Klimakrise, sind auch mit den Mitteln der Demokratie nicht mehr zu lösen. Das ist die Kernseife der Medaille.“
Schnitt.

15.08.2022 – Ich kann das Brandenburger Tor nicht mehr sehen


Ist aber manchmal nicht zu vermeiden, bei Großdemos auf der „Straße des 17. Juni“ z. B. oder wenn die Kunst ruft, in Gestalt der Akademie der Künste als ein Spielort der Berliner Biennale . Es wäre sinnvoller gewesen, meinen Haaren bei Ausfallen zuzugucken als mir das Geschmiere in der Akademie anzutun. Auf riesigen Lappen, die von der Decke hängen, sind irgendwelche Diagramme, Stammbäume, Entwicklungen gekritzelt, die irgendwas verdeutlichen sollen, Kolonialismus, Kapitalismus, alles Übel dieser Welt halt, von Adam – ohne Eva – bis Heute und Morgen. Was Künstlerinnen halt so kritzeln, wenn sie keine klaren Gedanken fassen können und dieses Unvermögen auch noch in Worte kleiden wollen, aber zu dumm oder zu faul für ein Manifest sind. Manifeste waren früher in solchen Kreisen sehr beliebt. Ich hab auch mal eins verfasst. Gegen das massenhafte Verfassen von Manifesten.
Sonst hängt in der Akademie zur Biennale: Nichts. Nur ein einsamer Feuerlöscher.
Zornbebend schritt ich von dannen, an der Kasse meine Meinung hinterlassend: „Das ist Beschiss am zahlenden Kunden.“
Es ist eine zunehmende Unsitte in der zeitgenössischen Kunst, irgendwelche Diagramme zu kritzeln und wehrlose Wände damit vollzukleistern, oft als Ergebnis von Recherchen und Dokumentationen, gerne auch im Kollektiv. Was dabei rauskommt, ist auf der Documenta zu beobachten, siehe Ruangrupa. Nichts gegen Kunst, die sich in die Wirklichkeit begibt. Im Gegenteil, schon Bert Brecht und Walter Benjamin haben das gefordert, anknüpfend an die sowjetische Avantgarde um Wladimir Tretjakov. Und Nichts anderes als eingreifende Kulturproduktion mache ich seit Jahrhunderten. Raus auf die Straße, da tobt das Leben, nicht zwischen zwei Buchdeckeln oder auf einer Leinwand. Aber das muss dann auch ein ästhetisches Eigenleben haben, visuelle Kraft, Imagination, Transzendenz, bei aller Parteilichkeit.
Was in der Akademie der Künste hängt, ist Fortsetzung der Soziologie mit anderen Mitteln, eine Kastration der Kunst.
Dass es auch anders zeigt, zeigt die Biennale selbst, im KW Kunst-Werke Berlin.

Optische Opulenz.
Das Kunstthema heuer ist Dekolonisation, also der Prozess der Aneignung und gewaltsamen Eroberung und Unterdrückung der Welt durch weiße, zuerst europäische und männliche Eroberer und der langsame Ablösungsprozess von dieser Entwicklung. Dass sich dadurch linker Antisemitismus mal wieder Bahn bricht, der offensichtlich unter Kunstbolschewisten noch stärker als im Rest vertreten ist, ist die Kehrseite dieser Medaille. Hier wird versucht, die Singularität des Holocaust zu negieren, in dem der als ein Ereignis neben vielen mörderischen weißen, in dem Fall zufällig deutschen, räuberischen Vernichtungsfeldzügen gesehen wird, im Holocaust-Fall in Osteuropa.
Bei aller Grausamkeit der spanischen Conquistadoren oder bei der Vernichtung der indigenen Bevölkerung in Amerika: Die Gleichsetzung mit dem geplanten und durchgeführten industriellen Massenmord der Nazis an 6 Millionen Juden, Sinti und Rom ist geschichtsklitternd und moralisch verkommen, das ist wahnhafter Antisemitismus. Kolonialismus kannte viele Ziele: Ausbeutung, Unterwerfung, Aneignung, Fraternisierung etc. pp. Der Holocaust kannte nur ein Ziel: Vernichtung.
In diese zeitgenössische Dekolonisations-Kunstfalle nicht getappt zu sein, auch das ist ein Verdient der KW, die der Shoah breiten und überaus beeindruckenden Raum einräumen.
Und so lohnt sie sich trotz allen Ärgerns immer wieder, die Kunst.

12.08.2022 – Am Vorabend


Die Ernährungssituation des verdienten Kollektivs der Berliner Hausgemeinschaft Yorckstr. konnte durch die Anschaffung der Dosen Marke Soljanka und NVA-Suppe am Vorabend des Jahrestages des Baus des antifaschistischen Schutzwalls substanziell verbessert werden. Die Anschaffung wurde von allen Mitgliedern des Kollektivs begrüßt, dient sie doch im Geiste der Völkerfreundschaft auch dem Erhalt des in letzter Zeit durch die Aktivitäten des Klassenfeindes zunehmend bedrohten Weltfriedens.
Das Kollektiv der Yorckstr. steht fest an der Seite der Arbeiterinnenklasse und wird sich davon auch nicht durch die Hetze der Systempresse der Bonner Ultras und ihrer Spiessgesellen in der Partei der Arbeiterverräter, der SPD, und den grünlackierten Neoliberalen von den Grünen abhalten lassen. Rotfront!
Letzte Meldung aus der geteilten Stadt: in ersten Berliner Supermärkten werden Lebensmittel mit Diebstahlssicherungen versehen. Die Krise nimmt immer mehr Gestalt an. Die Teilung wird immer tiefer, zwischen Arm und Reich.
Obige Dosen gibt es übrigens im HO (im Jargon des Klassenfeindes: Rewe) Ostbahnhof in Friedrichshain.
Wer unter 50 ist, kann mit dem Sprachduktus des heutigen Blogs aus der Zeit des Kalten Kriegs im geteilten Deutschland nichts anfangen. Interessant wird sein, welchen Blick wir in späteren Jahrzehnten auf die veröffentlichten Sprachebenen der heutigen Krisen werfen.

11.08.2022 – Hungern oder Frieren


Plakate Landtagswahl Niedersachsen 09.10.2022
Das Plakat der Linken bringt es auf den Punkt. Für weit mehr als zwei Millionen Menschen in Niedersachsen stellt sich die Frage: Kann ich mir Essen und Heizung in diesem Winter noch leisten? Hungern oder Frieren? 1,3 Millionen sind arm, ca. 800.000 arbeiten im Niedriglohnsektor, sind in prekären Jobs und dazu kommen jene, die knapp oberhalb dieser Kategorien liegen und zu jenen 40 Prozent gehören, die nicht genug Rücklagen haben, um eine kurze Notsituation zu überbrücken.
Die Wahl wird so ausgehen: Die Linke wird den Einzug in den Landtag deutlich verfehlen, mit ca. 3 Prozent, die AfD wird mehr als das Doppelte an Stimmen erhalten.
Da ist viel Eigenverschulden, nirgendwo sind die internen Grabenkämpfe so hasserfüllt stalinistisch wie bei der Linken, nirgendwo gibt es so viele Gestörte, die eher in die Klappsmühle als in eine Partei gehören als da. Aber andere Parteien sind da nur graduell besser und haben als Ausgleich dafür das höhere kriminelle Potential, siehe Cum-Ex-Kanzler Scholz, der über dem Abgrund wandelt nach dieser kriminellen Steuerbetrugsgeschichte. Er wandelt da übrigens nicht, weil das, was seine Hamburger Mafia-SPD da jahrelang exerziert hat, strafbar wäre. Das ist es, aber das interessiert kein Schwein. Otto Normalverbraucher ist viel zu dumm, um zu verstehen, was da gelaufen ist und mit Steuerbetrug verliert man keine Wahlen. Das finden die Wählerinnen eher tricky sympathisch. Scholz kann deshalb seinen Job verlieren, weil er unterwegs in irgendeinem Ausschuss gelogen hat und das nachweisbar wird. Der steht in der nächsten Ausschusssitzung zum Cum-Ex-Skandal unter einem Stress, den ich nicht haben möchte. Acht Stunden und länger, kein falsches Wort sagen. Sowas halte ich keine 8 Minuten durch.
Back to the left. Denen graben natürlich auch solche pseudohippen Parteien wie die neoliberalen Europa-Schwurbler von Volt und die Piraten das Wasser ab. Coole Bärte-Träger wählen Volt, selbst wenn sie als Radler bei irgendeinem Pizzabringedienst schlicht und einfach einkommensarm sind. Aber irgendwas mit Europablablabla wählen. Wenn überhaupt.
Und die Piraten wollen Forschung fördern. Gut, dass das kein Schwein interessiert und die unter 1 % bleiben, sonst würde ich mal kritisch fragen, was denn für Forschung in wessen Interesse? Impfstoffe? Super. Waffensysteme? Vielleicht nicht so prickelnd.
Und so werden wir ab dem 9.10 eine ungestört vor sich wurstelnde (mit Tofuelementen!) rotgrüne Koalition haben, die im Landtag nur Gegenwind von rechts kriegt. Na ja, umgekehrt wär’s schlimmer.
Mir tun nur die Aktiven und Engagierten in der Linken leid, derer immer weniger werden, weil immer mehr von der Roten Fahne gehen. Die Engagierten reiben sich auf kommunaler Ebene, ehrenamtlich, oft auf, und werden angepöbelt, bedroht, beleidigt.
Es ist die alte Leier, je schlimmer die Verhältnisse werden, desto trüber die Aussichten für solidarische Gegenentwürfe. Wir werden keinen heißen Herbst kriegen, die meisten Betroffenen werden resigniert und verbittert in ihren kalten Buden hocken. Aber es wird sich einiges auf den Straßen tun. Und das wird der Mob sein, der marschiert.
Aber noch taucht das warme Spätsommerlicht in der milden Abenddämmerung alles in einen heiter-rosigen Schimmer, wer wollte da Böses denken. Was bleibt: Hut ziehen vor den oben beschriebenen Engagierten und ein kleines Dankeschön. Ich hätte dafür nicht die Nerven. Meine Vorstellung von Dantes Inferno: Ich bin Mitglied einer Partei und sitze Abend für Abend in einer Kreisparteitagssitzung ….