Archiv für den Autor: admin

15.07.2022 – Dolchstoß-Legende


Steingarten. Ökologisches Desaster? Kommt drauf an. Der muss nicht gegossen werden und bei dem sich abzeichnenden katastrophalen Wassermangel ist die Ökobilanz dieser Vorgarten-Spießerhölle nicht mehr ganz so katastrophal. Ist alles eine Frage des Blickwinkels.
Blickwinkeln wir mal in Richtung Krieg. Wenn der Russe, fies wie er von Russennatur aus ist, uns den Gashahn nicht wieder aufdreht oder, wahrscheinlicher, den Stoff, der den Laden hier am Laufen hält, nur schubweise rausrückt, ist die Kacke am dampfen. Wenn der hiesige Mob dann als Folge von Rezession arbeitslos wird, im Winter die Bude nicht mehr warm kriegt oder gar der Malle-Urlaub ins Wasser respektive Kerosin fällt, dürfte die Pro-Krieg-Stimmung an der Heimatfront ganz schnell bröckeln. Fies wie der Mob von Natur aus ist, wird er sich ganz schnell auf der Straße zusammenrotten. Das hat der Mob als Coronaschwurbler gelernt, sich der Mittel des bürgerlichen Protestes zu bedienen. Ich sehe sie schon vor mir, die Schilder:“Olaf, gib uns unsere Jobs wieder, sonst machen wir hier alles nieder.“ Oder: „Wir wollen Gas!“
Spätestens dann ist der Ukrainekrieg beendet. Die Regierungsamtlichen Erklärungen sehen dann so aus: „Um dem heldenhaften ukrainischen Volk weitere Opfer zu ersparen, die Weltwirtschaft nicht in einen Abgrund zu stürzen und die Einwohner*innen der EU nicht weiteren unzumutbaren Belastungen auszusetzen, unterstützen wir die Bemühungen für einen Waffenstillstand in der Ukraine im Interesse aller Beteiligten.“
Daraus kann eine weitere Dolchstoß-Legende entstehen: Ukraine- im Felde unbesiegt.
Mit Konsequenzen, die noch garnicht absehbar sind. Zumindest von mir nicht.
Also hoffen wir darauf, dass der Russe bald wieder Gas gibt. Unberechenbar ist er ja, der Russe, von Natur aus. Dann brummt die Wirtschaft weiter, wir haben wenigstens 19 Grad in den Amtsstuben und der Krieg kann weitergehen.
Damit sind wir am Ende unserer Seminarreihe „Alles eine Frage des Blickwinkels oder: Wie erweitern wir unseren Fokus?“

14.07.2022 – Lieber der Spatz auf dem Panzer als ….


Lieber der Spatz auf dem Panzer als …. Vollenden Sie, lieber Leserinnen das nach Ihrem Gusto.
Gesehen am sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten.
Die Folgeerscheinungen von Krieg sind Tod, Vertreibung, Seuchen, Hunger. Hunger gibt’s aber auch schon in Friedenszeiten und auch bei uns. Die Reallöhne sind seit 2020 um 1,2 Prozent gesunken, die Hartz-IV-Regelsätze um 3 Prozent erhöht.
Die Inflationsrate lag allein 2021 bei 3,1 Prozent, seitdem explodiert sie. 8 Prozent.
8 Prozent? Von wegen.
Hier eine Aufstellung von Lebensmittelpreissteigerungen von Ende 2019 bis heute (Dank an Bärbel K.!). Grundnahrungsmittel, für die Arme einen extrem hohen Anteil ihres Budgets ausgeben müssen. Sie sind fünfmal so hoch von der Inflation betroffen wie Normalverdienende.

Das günstigste Speiseöl 1l: 187%
Spaghetti Hartweizengrieß, 500g: 154%
Magerquark 500g: 85%
Dosentomaten 400g: 57%
Brötchen z. Aufbacken, 6 Stück: 57%
Weizenmehl 1kg: 51%
Joghurt, 3,5%, 4x150g: 51%
H-Milch 1l: 42%
Butter 250g: 38%

Ich versuche zurzeit, den Protest gegen Verelendung auf die Straße zu bringen. Fachtage, Erklärungen, Untersuchungen, PMs, alles blablabla. Wir haben kein Erklärungsdefizit, wir haben ein Handlungsdefizit. Eine zentrale Demo z. B. im Herbst in Berlin gegen gesellschaftliche Massenverelendung macht aber nur Sinn, wenn Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände das mittragen. Das Problem geht auch ihre Mitglieder an. Wenn die Energiepreiserhöhungen demnächst ins Haus flattern, dürfte auch mancher Frieda Normalverbraucherin schwarz vor Augen werden. Aber die Genannten zur Aktion zu bewegen, das ist echt Syphilisarbeit.
Was tun? Eine Alternative: »Für Herbst und Winter wäre es für uns Griechen eine große Freude, deutsche Rentner zu begrüßen, die einen ›mediterranen Winter‹ mit griechischer Gastfreundschaft, mildem Wetter und hochwertigen Dienstleistungen erleben möchten.«
Bevor Sie die Koffer packen, liebe Leserinnen, noch ein geldwerter Tipp. Wenn Sie ihre Energie selber ablesen und melden: Erkundigen Sie sich, wann Ihre Energielieferanten die Preise erhöhen. Die werden sich, ab September z. B., verdoppeln, in Einzelfällen verfünffachen. Lesen Sie kurz vorher ab und schlagen da 20 Prozent drauf, für den dann noch günstigeren Preis. Dann haben Sie für den folgende Ablesezeitraum 20 Prozent weniger Verbrauch zum höheren Preis Nicht zu hoch rangehen, das fällt auf. Die gesparte Kohle können Sie dann auf Kreta verbraten und Ihren ersten Cocktail auf mein Wohl schlürfen. Millionen werden aber ganz andere Probleme haben …

13.07.2022 – Down in their bunkers under the sea – Men pressing buttons don’t care about me


Die restlichen grünen Flecken kriegen wir auch noch weg. Erinnert mich an den Sommer 2018. Der hatte eine hitzebedingte Übersterblichkeit von 20.000 Menschen allein in Deutschland.
Und sonst so? Tanzbare Sommermusik. Red skies over paradise (a Brigthon dream) , Fischer Z. Der Song schildert die Zerstörung Londons durch Atomwaffen. Der Protagonist sieht das Ganze – vielleicht aber auch nur ein Alptraum -aus der Ferne der idyllischen Sommerfrische des Seebads Brighton.

My hand reached down for the radio
I held it up to my ear
The beads of sweat gathered
On my head and trickled down

Out in the park children were playing
Though it was dark, the sky glowed red
People were stunned, everyone’s waiting
Nobody knew why, but they know it now

The newsman said most of London’s gone
We saw the cloud rise from here
An ice cream van with it’s music
On goes round and round

Out in the park children were playing
Though it was dark the sky glowed red
People were stunned, everyone’s waiting
Nobody knew why, but they know it now

Down in their bunkers under the sea
Men pressing buttons don’t care about me

Der Song ist von 1981. Das gleichnamige Fischer-Z Album handelt von der Situation im Kalten Krieg Anfang der Achtziger. 1981 fand im Bonner Hofgarten eine Demo der Friedensbewegung mit über 300.000 Teilnehmenden statt. Einseitig sicherlich, überwiegend gegen Pershings und Cruise Missiles im Westen gerichtet, auch ein Song von Fischer-Z. Die SS20 der Sowjetunion waren nicht weniger vernichtend. Die Friedensbewegung hatte damals schon was esoterisches und nationalistisches, und man könnte überspitzt formulieren: Hat nicht die Anwesenheit von Atomwaffen den Frieden bewahrt? Kann man im Nachhinein so diskutieren. Andererseits:
Es gab mehrere Vorfälle, bei denen wir damals um Minuten am Atomkrieg vorbeirauschten, auf Grund technischer Pannen und Kommunikationsfehler. Bei der friedlichen Nutzung des Atoms hatten „wir“ in Tschernobyl und Fuckushima nicht soviel Glück. Und jedes Waffensystem hat die Tendenz, eingesetzt zu werden.
Über die Frage von Krieg und Frieden kann man diskutieren, kontrovers. So wie zu Zeiten der Friedensbewegung.
Der Song von Fischer-Z ist als Dystopie aktueller denn je. Im Unterschied zu damals findet aber kaum eine öffentliche Diskussion statt. Ein paar offene Briefe, die das anregen, die Schreiberinnen werden umgehend öffentlich niedergemacht. Ein paar Mahnwachen. Der Rest ist tanzbare Sommermusik:
Down in their bunkers under the sea
Men pressing buttons don’t care about me.
Genießen Sie den Sommer, liebe Leserinnen.

10.07.2022 – Praktische Krisen-Tipps Nr. 7


Ein paradiesischer Anblick, fürwahr. Wo sich das Gras im Hintergrund wiegt, befindet sich ein kleiner Teich, an dem sich allerlei Getier labt, inklusive Libellen und Meisen, die die Mücken kurz halten. Spirituelle Menschen würden einen morgendlichen Gang durch das Paradies als Meditation, Kontemplation etc. beschreiben. Ich bin da eher lakonischer: Der Tag könnte schlechter beginnen als da.
Aber keine Rose ohne Dornen. Das Ganze muss gegossen werden, je trockener, desto öfter, von den Kübelpflanzen ganz zu schweigen. Mit Trinkwasser. War mir früher egal, auch wenn ich vom Kopf her wusste: Wasser ist ein kostbares und knapper werdendes Gut. Reine Kopfgeburt, die in meinem Inneren nichts anrührte. Wasser wie Strom, kommt aus der Leitung und kost erstmal nix. Nur später auf dem Papier und das ist geduldig. So naiv und doch so konkret muss man sich menschliches Denken unter dem Vorzeichen reiner Erkenntnis vorstellen. Erkenntnis bewirkt erstmal gar nichts. Wenn aus der Kopfgeburt keine Emotion wird, ändert sich Verhalten nicht. Es muss so etwas dazu kommen wie Wut, Ärger, Trauer, Angst, wenigstens Irritation als Betroffenheit.
Und mittlerweile habe ich jedes Mal, wenn ich den Wasserhahn aufdrehe, ein blödes Gefühl, fühle mich komisch bis schuldig und denke: Eigentlich müsste hier eine Regentonne hin.
Dann setzt die nächste Kopfgeburt ein: Was weiter mit den Krisen wie Klima? Und Inflation, Energie, Krieg, Seuchen etc. pp.?
Und damit kommen wir zum Krisentipp Nr. 7: Was bauen wir an, wenn die Zeiten härter werden? Und das werden sie, so sicher der Apfel nach unten fällt. Hier sind zuvörderst Gartenbesitzer*innen gefordert, aber auch günstige Balkone eignen sich für erste Schritte zur Subsistenzwirtschaft. Warum das Ganze? Expertinnen gehen in einem oberen Szenario von Mehrkosten 2022 für einen Ein-Personen-Haushalt von bis zu 2.749 Euro aus. Nur für Energie. Die Lebensmittel-Inflation kommt da noch on top. Die Menschen mit wenig Geld übrigens bis zu fünfmal härter trifft.
Morgen wird Nordstream 1 erstmal dicht gemacht. Für Wartungen. Wenn der Russe den Gashahn danach nicht wieder aufdreht, sind alle hier geschilderten Szenarien Makulatur und Schönwetterprognosen. Dann wird’s richtig hart. Und teuer.
Also Selbstversorgung. Wie weiland die Hippies. Kommen Sie, liebe Leserinnen, bitte nicht auf die Idee, Kartoffeln anzubauen. Pro Pflanze ein Ertrag von maximal 2.000 Gramm mit einem Marktwert von aktuell 3 Euro, und der Tauschwert dürfte in Krisenzeiten auch nicht durch die Decke gehen.
Marihuana wird in dieser Legislatur legalisiert, Besitz zum Eigenbedarf. Anbau dito, bis zu drei Pflanzen. Pro Pflanze ein Ertrag von ca. 200 Gramm mit einem Marktwert von 2.000 Euro. Die Schätzung des Tauschwertes in Krisenzeiten, in denen derlei Zeugs immer Hochkonjunktur hat, überlasse ich Ihnen. Sachdienliche Hinweise gibt’s in jedem holländischen Versandhandel.
Albern? Die Vorstellung, dass eine Packung Billigspaghetti von Ende 2019 bis jetzt um 150 Prozent teurer wird, wäre Ende 2019 auch als albern verlacht worden.

08.07.2022 – Liste polizeilich gemeldeter Demonstrationen in Berlin am 08.07.2022


Zug der Millionen.Der Herr mit der Schröder-Maske an der Zugspitze ist der Redaktion namentlich bekannt … Ohne Demonstrationen keine bürgerliche Öffentlichkeit und ohne diese keine Demokratie. Da, wo das Demonstrationsrecht eingeschränkt ist, wird Demokratie bedroht. Unsinn muss die Demokratie aushalten, siehe in der Liste unten um 17.00 Uhr die Demo der Coronaschwurbelnden Freien Geister, die ihre Kinder in Ketten wähnen. Die Frage ist nur, wann kippt Unsinn in Wahnsinn und wieviel Unsinn meine Nerven noch aushalten sollen …
Was ich mir auf jeden Fall mal angucken werde:
„Menschen mit Schildern (vom 04.01. bis 27.12.2022 – jeweils Di., 17 – 18.30 Uhr) Muthesiusstr., in Nähe zum Dönerstand (!).“
Keine Angaben zu Ziel, Sinn, Anliegen, nur: Menschen mit Schildern. Das ist so schwer verpeilt, dass ich Höheres dahinter vermute, eine ins Transzendente lappende Meta-Satire, kurz: da sind Geistesverwandte. Menschen mit Schildern, auf denen steht: „Menschen mit Schildern“. Sonst nichts. Oder es sind Geisteskranke. Die Grenze ist fließend.
Hier nun die Liste, es fängt ernst, militant und Sinnfrei an, danach konkret:

08.07.2022 00:00 23:59 Dauermahnwache, friedliche Demo, Camp-Protest, Hungerstreik… (vom 11.06. bis 16.07.2022 – täglich) 10557 Konrad-Adenauer-Str. 1

08.07.2022 00:00 00:00 Stop Putin´s Neo-NaZism now! (vom 27.06. bis 27.07.2022 – täglich) 10557 Heinrich-von-Gagern-Str.

08.07.2022 08:00 18:00 Wir, die „ISD“, die „Initiative Schweinehaltung Deutschland“, treten an um Lösungen zu erarbeiten, dass Schweinehaltung in Deutschland Sinn macht. Deshalb ist uns wichtig, dass sich alle in Deutschland lebenden Menschen Lebensmittel vom Deutschen Schwein leisten können und somit auch regionalen Einkauf ermöglicht. 10117 Wilhelmstr. 97

08.07.2022 08:45 10:00 Übergewinnsteuer einführen – keine Kriegsgewinne auf Kosten der Bürger:innen!! 10117 Leipziger Str.

08.07.2022 10:00 12:00 Klimamahnwache zum Pariser Abkommen; FridayForFuture (vom 06.05. bis 28.10.2022 – jeweils Fr.) 10557 Platz der Republik 1

08.07.2022 10:00 18:00 Gegen Mieterverdrängung durch sogenannte energetische Sanierung und Luxussanierung für unverfälschte Denkmalpflege. Verstoß gegen den Kaufvertrag (vom 23.06. bis 22.09.2022 – täglich) 13509 Kehrwieder 1 Am Brunnen Ecke am Rosensteg (alle 2 Stunden im Wechsel)

08.07.2022 10:30 13:00 Stoppt die Verfolgung von FALUN DAFA / FALUN GONG Praktizierenden in China. Beendet die Diktatur der Kommunistischen Partei. (vom 01.01. bis 31.12.2022 – jeweils Mo., Di., Mi., Do., Fr., Sa., So.) 10179 Jannowitzbrücke

08.07.2022 11:30 14:00 Mayors for Peace Flaggenhissen 10178 Rathausstr. 15
08.07.2022 13:00 20:00 Protest gegen den Austausch terroristischer Gefangener von Belgien in den Iran! (vom 06.07. bis 13.07.2022 – täglich) 10117 Jägerstr. 52

08.07.2022 14:30 17:00 Russia is a Terrorist State – Stand with Ukraine 10557 Willy-Brandt-Str. 1

08.07.2022 16:00 18:00 Das EU-Parlament hat am Mittwoch der Taxonomie-Verordnung zugestimmt. Damit werden Gas und Atomkraft als grün gelabelt und Investitionen in nicht zukunftstragende Energie weiter gefördert. Das ist unzumutbar! Wir brauchen 1,5 grad konforme Politik auf europäischer Ebene, die Emissionen verbietet und nicht fördert! Invalidenpark (AK)

08.07.2022 16:30 19:00 KlimaAfterWork, das politische Event, um Flagge vor dem Klimaministerium zu zeigen… 10115 Scharnhorststr.

08.07.2022 17:00 23:00 Fahrzeug und Fahrradkorso – Wir, die FREIEN GEISTER, fahren für unsere Kinder und gegen die Spaltung unserer Gesellschaft. Wir lassen uns nicht spalten. Zusammenhalt und Gleichberechtigung für ALLE ! / Jung und Alt, Groß und Klein, KEINE G – Regeln, für ALLE. Wir sind Menschen aus der Mitte unserer Bevölkerung. Das ist für unsere Kinder, sie sollen nicht in Ketten leben, ohne Angst und ohne Tränen. Meinungsfreiheit und Diskurs um die Bevölkerung zu einen. Wir informieren die Bevölkerung über Daten, Zahlen und Fakten sowie die Entwicklungen und Auswirkungen der Corona-Maßnahmen und decken Hintergründe im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz auf. Ein klares Nein zur Impfpflicht. Wir sind für Frieden auf der ganzen Welt und klären über Probleme in unserem Land und die daraus resultierenden Kollateralschäden auf.

08.07.2022 17:30 19:00 Die Fahrraddemonstration im Norden Pankows ist eine Rad-Rundfahrt für alle interessiert-begeisterten Radfahrer und Pankower Bürger, die mal nicht Radwege benutzen wollen.

08.07.2022 18:00 22:00 Andenken für den Genozid am Amhara Volk in Äthiopien. Und Protestieren. 10117 Pariser Platz

24.12.2025 – Fröhliche Weihnachten


Weihnachten 2025
Eben kam die Botschaft über mein Stromnetzunabhängiges Kurbelradio, dass der Krisenstab unter Leitung von Bundeskanzlerin Merkel entschieden hat, zu Weihnachten allen Haushalten für zwei Stunden Energie freizuschalten. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie das ist, zu heizen. Hab in meinem Blog nachgelesen, da steht zwar viel drin über Krisen, aber darüber, was für ein herrliches Gefühl es ist, im Winter eine warme Bude haben, nichts. Ich bin heilfroh, dass die Winter mittlerweile mehr feuchte Spätherbste mit Frühlingseinschlag sind.
Die ohnehin prekäre Energiesituation hatte sich ja nach dem baltischen Krieg im Winter 22/23 verschlimmert. Die Nato-Truppen hatten nach dem Einmarsch der Russen im Baltikum interveniert. Als sie kurz vor St. Petersburg standen, hatte Putin atomare Gefechtsfeldwaffen eingesetzt. Auf Grund welcher Kommunikationsfehler daraufhin eine atomare Mittelstreckenrakete der Nato St. Petersburg zerstörte, ist immer noch Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Der Rest ist Geschichte, Berlin, Paris, London, Moskau, Washington atomar pulverisiert. Der darauffolgende Waffenstillstand ist allerdings auf wackligen Füßen, seitdem Donald Trump nach gewonnener Präsidentenwahl sich zum Imperator auf Lebenszeit ausrief und erklärte, die Europäer sollten ihren Kram allein regeln und letztlich sei Putin a fine guy, sähe man mal von Washington ab, was er aber sowieso nie habe leiden können.
Hier sind die Fronten etwas verhärteter. Der Koalitionspartner von Angela Merkel, die aus staatsfraulicher Verantwortung bei der Bundestagswahl 2025 wieder angetreten war und klar gewonnen hatte, die CSU (Corona-Schwurbler-Union), unterstellt wahlweise Amis und Russen, dass das neue Arena-Virus, das seit 2 Jahren die Republik demografisch drastisch reduziert, aus ihren Laboren stamme. Selbst ich bin da etwas verunsichert, obwohl ich Corona-Schwurbler nicht ausstehen kann. Ein Virus, das hämorrhagisches Fieber mit einer Letalität von 50 Prozent verursacht und über Aerosole übertragen wird, auf dem Weg der Zoonose mitten unter uns? Kommt mir irgendwie spanisch vor. Ist das überhaupt politisch korrekt, zu sagen: Kommt mir spanisch vor? Sollte man nicht lieber serbisch sagen, was als Abkürzung für „sehr beschissen“ durchginge?
Ich muss jetzt in den Garten, die Marihuana-Pflanzen pflegen. Wegen Ostwind (Berlin strahlt noch immer) muss ich den Strahlungsanzug dazu anziehen, aber das Zeug sichert mir ein einigermaßen Auskommen, nachdem als Folge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs vom Zahlungsverkehr auf Naturaltausch umgestellt wurde. Drogen stehen jetzt extrem hoch im Kurs, Kartoffeln aber auch nicht schlecht. Nachher um 12 Uhr kommt wieder der Nachrichtenwagen der Nationalen-Verteidigungs-Armee NVA durchs Viertel und verkündet die neuen Beschlüsse der Regierung in Bonn. Gut, dass wir die Infrastruktur da noch hatten.
Fröhliche Weihnachten, liebe Leserinnen, und nutzen Sie die Zeit. Damit Sie sich keine Versäumnisse vorwerfen müssen für den Fall, dass es mal richtig dicke kommt.

05.07.2022 – Zwischenmeldungen von der Zivilisationsfront


U-Bahn Viadukt Kreuzberg, führt mitten durch das Haus Dennewitzstr. 2. Über 600 U-Bahnzüge donnern jeden Tag durch das Haus. Als ich das beim Flanieren entdeckte, keine Viertelstunde von meiner Haustür, habe ich den Sinn der Konstruktion erst begriffen, als die ersten Züge da lang ratterten. An der Ecke steht dann auch eine Tafel mit Erklärungen. Die Symbolik des Bildes hat was aggressiv phallisch-penetratives. Die Konstruktion steht für den ambivalenten Charakter des Kapitalismus: Einerseits grandios dynamisch und kreativ, die Entwicklung der Metropole kühn vorantreibend, andererseits dem eigenen Treiber Mobilität rücksichtslos alles unterwerfend.
Fünf Minuten von da befindet sich, versteckt im Park Gleisdreieck, ein poetischer Ort, der die Seele anrührt und ihre Wogen glättet, ein locus amoenus par excellence: Das Café Eule. Außenbewirtschaftung mit Selbstgemachtem im Grünen, keine rechten Winkel oder gerade Stuhlreihen sondern zufällig hingewürfelte skurrile Sitzgruppen inmitten von Blumenkübeln aus alten Badewannen und Kommoden.
Das Café wurde mehrfach Opfer von Vandalismus, nächtliche Partygänger traten alles kurz und klein und hinterließen Verwüstung. Im Park Gleisdreieck selber machen fast jedes Wochenende Hunderte Feiernde die Nacht zum Tag und Anwohner*innen das Leben zur Hölle. Im James-Simon-Park an der Museumsinsel arten die Feiern nicht selten derart in Schlägereien, Überfälle und Messerstechereien aus, dass Hundertschaften Polizei den Park räumen und freihalten müssen. Mittlerweile wird in Politik und Verwaltung diskutiert, Parks wie den Simon-Park einzuzäunen und abzusperren.
Parks waren in ihrem Ursprung Rückzugsorte und Prestigeobjekte des Adels, später wurden sie Teil bürgerlicher Öffentlichkeit, wo der Bürger der Muße aber auch dem Austausch über öffentliche Dinge frönte und letztendlich wurde Park zum Ort der Erholung auch für das Proletariat und spätere Migrant*innen.
Die hier skizzierte Situation in Berlin ist der Anfang einer weiteren Deligitimierung von bürgerlicher Öffentlichkeit. Ohne diese aber keine funktionierende Demokratie. Als weiteres Beispiel kann die Usurpierung von Formen bürgerlichen Protestes durch Corona-Nazis gelten, die ihren bisherigen Höhepunkt in der versuchten Stürmung des Berliner Reichstages fand. Andere Beispiele können Sie der Tagespresse entnehmen, wie die Tatsache, dass immer mehr Menschen glauben, ihr vermeintliches Menschenrecht auf das Filmen von sterbenden Unfallopfern mit Gewalt gegen Rettungskräfte durchsetzen zu müssen. Die hilflosen Appelle aus Politik und bürgerlicher Presse, wir alle müssten in diesen harten Krisenzeiten zusammenrücken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, sind in ihrer Naivität ein weiteres Indiz dafür: Hier zersetzt sich etwas aus der Mitte heraus, schleichender und unspektakulärer als es Corona, Inflation und Klima tun, aber schlimmstenfalls genauso nachhaltig.
Nahe dem Café Eule steht eine öffentliche Toilette, die ich vor ein paar Tagen aufsuchte. Das Urinal war randvoll, der Boden mit Seen voller Pisse übersät, überall aufgeweichte Klorollen und braune Haufen, die Hitze hatte einen derart bestialischen Gestank produziert, dass es mich rückwärts aus diesem locus terribilis herausprallte. Im Augenwinkel las ich noch ein Schild an der Wand: Andere Toilette wegen Vandalismus geschlossen. Ich verweigerte meiner Phantasie die Vorstellung, wie die wohl ausgesehen haben mag.

Hinterher im Café Eule, ich wollte mir ein Stück selbstgemachten Kuchen holen, saß aber kurz einfach da, starrte ins Grün und verharrte in einem Moment ermatteten Nichtbegreifens. Wirkungsvoller, nachhaltiger und lehrreicher als alle TV-Features und kluge Zeitungsanalysen über den Zustand der Gesellschaft sind solche Stadterfahrungen allemal, aber da hatte ich einfach nur das Gefühl: Ich bin reif für die Insel.
Die Zustände auf deutschen Flughäfen mitten im Hochsommer hätten mich aber ruckzuck wieder geerdet. Stand der Zivilisation ist das auch nicht.

30.06.2022 – Wann ist man Zuhause?


Diverse Scheisse 1,50 – 3,50. Hab ich schon mal im Blog verwurstet, aber ein gutes Motiv kann man mehrfach verwenden.
Klickedi Klickedi klick, ratata ratata, badamm badamm… Freitag ist Rollkoffer-Tag in Kreuzberg.
Myriaden von Wochenend-Touristinnen hämmern erwartungsvolle Stakkato-Rhythmen mit ihren Rollkoffern in die gepeinigten Pflaster von Kreuzberg. Zum Missvergnügen der Eingeborenen, zumindest jener, die nicht ihr Geld mit dem Wirtschaftsmodell Tourismus verdienen. Wann immer ich hier in meinem Kiez ankommen, deponiere ich meinen Trolley im Zimmer, hänge den Rucksack ab , greife meinen Einkaufsbeutel und wende mich forschen Schritts, weit jenseits vom touristischen Müssiggänger-Schlendrian, zur Marheineke -Markthalle, durch das Epizentrum des globalen Tourismus, den Bergmann-Kiez. Jeder Zoll strahlt – hoffentlich – aus: „Ich bin ein Eingeborener. Mein Vorfahren wohnen hier seit Jahrtausenden, zurück bis Gaius Julius Cruzifixus Montanus, Kreuzberg-Gründer im Jahre 68 unserer Zeitrechnung“. Grimmig denke ich: „Hoffentlich halten mich diese Touri-Deppen nicht für einen von ihnen.“
Ich fühle mich hier heimisch. Aber Zuhause? Wann ist man Zuhause? Die Frage wird jenseits anektodischer Erzählung immer relevanter angesichts rasender Mobilität im Zeitalter grenzenloser Globalisierung, in der der Neoliberalismus die Individuen je nach Marktbedürfnis heute hierhin, morgen dorthin schleudert. Von wachsender Armutsmigration, Fluchtbewegung, Obdachlosigkeit ganz zu schweigen. Mit dem Ergebnis von wachsender Wurzellosigkeit, Einsamkeit, fehlender Verortung. Heimatlos. Wann ist man Zuhause? Der Neoliberale sagt: Wenn man in der eigenen, abbezahlten Eigentumswohnung wohnt. Der Romantiker sagt: Home is where my heart is.
Eine pragmatische Definition ist vielleicht: Zuhause ist der Ort, auf den man sich in einem perfekt gelungenen Urlaub auch schon mal zwischendurch
v o r dem Abreisetag freut.
Eine andere Variante: Wo immer solche Motive wie das oben gehäuft auftauchen, da bin ich Zuhause.
Sicher ist: Morgen ist wieder Rollkoffer-Tag.

25.06.2022- Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 gründet Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“


PM 25.06.2022, Hannover
Das Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 hat angesichts der aktuellen Entwicklung rund um den Ukraine-Krieg die Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“ gegründet.

Aufkleber mit dem Motto und dem Logo der Kampagne werden zurzeit deutschlandweit an zahlreichen Orten gut sichtbar verteilt.
Der verantwortliche SCHUPPEN 68-Kurator für diese künstlerische Intervention Klaus-Dieter Gleitze betont:
„In kaum einer öffentlichen Rede vom Krieg fehlt aktuell der Hinweis auf Atomwaffen als mögliche ultimatio ratio der Konfliktlösung. Im zweiten Schritt gilt es nun, die Bevölkerung Atomkriegsfähig zu machen. Noch ist die rechte Begeisterung dafür nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Hier sind Kulturschaffende gefordert.
Eine Funktion von Kunst ist es, das Unsagbare zu formulieren und das Undenkbare möglich zu machen. Die Documenta hat es beispielgebend gezeigt mit ihrem Versuch, Antisemitismus mit den Mitteln der Kunst in der Mitte der Gesellschaft diskursfähig zu machen.
Hier setzt die Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“ an. Der Atomkrieg ist die ins Radikale verlängerte Vorstellung, Frieden zu schaffen mit noch mehr Waffen und er ist die radikale Lösung der Ökologiekrise, ist doch eine weitgehend von Menschen befreite Welt auch vom Verursacher aller Krisen befreit.
Der Schlingensiefsche Ansatz „Scheitern als Chance“ wird hier konsequent zu Ende gedacht: Scheitert die Menschheit, hat der Planet eine Chance. Eine Vision, die dem Handeln vieler gesellschaftlicher Akteure von Konzernen bis Politik zu Grunde liegt.
Die bewährte Farb- und Formensprache der Ökologiebewegung wurde bewusst gewählt, ist sie doch hervorragend geeignet, Vertrauen zu erwecken und Identifizierung in Gang zu setzen.
Kritische Künstler*innen und Intellektuelle zeichneten sich bisher vorwiegend dadurch aus, gegen etwas zu sein:
Gegen Umweltverschmutzung, gegen Ungerechtigkeit, gegen Krieg.
Mit der Kampagne haben sie die Chance, sich konstruktiv mit konkreten Forderungen für etwas einzubringen.

Die Aufkleber sind in jedem gutsortierten Kunsthausierer-Bauchladen für 68 Euro erhältlich. Mit dem Reinerlös des Verkaufs finanziert der Kurator Klaus-Dieter Gleitze den Bau eines Atombunkers in seinem Garten, in dem nach dem Atomkrieg Ausstellungen und Konzerte stattfinden.“