Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

18.12.2025 – Das Marxsche Verelendungspendel schlägt zurück

Demo gegen Sozialabbau am 16.12 in Hannover. Ich hatte geschätzt, dass vielleicht 1000 bis 2000 Teilnehmende dabei sein würden, also angesichts der in die Hunderttausende gehenden Zahl von potentiell Betroffenen allein in der Region Hannover eine deprimierend geringe Zahl.

Es waren maximal 300. Ein Desaster, das nur unwesentlich durch den Gedanken an die heroischen 300 Spartaner gemildert wurde, die angeblich 480 vor unserer Zeitrechnung die Thermopylen gegen Zehntausende Perser verteidigt haben und dabei den Heldentod fanden, wenn man Herodot glauben will.

 Nach einer Stunde war mir die Kälte in die Knochen gezogen und ich floh in Richtung Wärmendes von der Wallstatt. Mit dem Heldentod hab ich es auch nicht so, bin eher der Typ Vaterlandsverräter und Deserteur. Passend zu dieser martialischen Assoziation kam mir ein Artikel von Gabor Steingart aus dem „Focus“ unter die Augen. Steingart ist ein neoliberaler Wutbürger, aber gebildet, kenntnisreich und schreiben kann er. Der Focus hat sich mehr noch als Springers „Welt“ zu einem Sprachrohr der AfD entwickelt. Beide zusammen haben eine Auflage von über 600.000. Soviel zur medialen Reichweite von faschistischen AfD-Positionen bis weit hinein ins früher gutbürgerliche Lager.

Unter der Überschrift „Vom Facharbeiter zum „Nulllohn“-Menschen: Wie der Markt knallhart ausgrenzt“ schreibt unser AfD-Apologet Steingart über die Auswirkungen der Globalisierung hierzulande , Zitat:

 „Die Lohnanpassung im Westen kennt zwei Erscheinungsformen, und nur eine davon ist für alle sichtbar. Es handelt sich dabei um die reguläre Lohnsenkung, wie sie heute für Arbeiter und kleine Angestellte im Westen gang und gäbe ist: mehr Arbeiten für weniger Geld, reduzierte Zulagen, dafür höhere staatliche Abgaben. In allen Ländern des Westens fand ein Abschmelzen der einfachen Löhne statt. Die zweite Form der westlichen Lohnanpassung ist gefährlicher, weil man sie in keiner Einkommensstatistik findet. Man neigt dazu, sie zu unterschätzen oder gar zu ignorieren. Die Lohnhöhe sinkt in diesem Fall auf null Euro (= meint: Massenentlassungen bei „uns“ auf Grund der globalen Konkurrenz, d. A.)…..

… Die Alternative lautet heute nicht Hochlohn oder Billiglohn. Die Alternative für Millionen Menschen in einfachen industriellen Berufen lautet Billiglohn oder gar kein Lohn. …

Für die deutsche Gesellschaft, vor allem den Mob der potentiellen AfD-Wähler, gilt daher nach Steingart folgender Marsch in eine düstere Zukunft des Billiglohns als Amazon-Lieferfahrer und des Sozialabbaus: „

… Eine Politik der hohen Regulierungsdichte und steigender Sozialabgaben beschleunigt den Prozess. Der Industriearbeiter wird mit derart hohen Abgaben belastet, dass er unter dieser Last zusammenbricht. Die SPD, die ihn retten sollte, versetzt ihm mit ihrer Politik den Todesstoß. Der Weltarbeitsmarkt hört nicht auf das Kommando von Bärbel Bas. …“

Das theoretische Fundament dieser halbrichtigen Einsichten ist aber natürlich nicht vor 100 Jahren als Theorie des Arbeitslohns auf dem Mist des von Steingart zitierten Soziologen Oppenheim gewachsen, sondern wurde vor über 150 Jahren von Karl Marx im „Kapital“ entwickelt und nennt sich Verelendungstheorie.

Die stimmte relativ, weil global gesehen, schon immer. Der bescheidene Wohlstand, der den Proleten im hiesigen globalen Norden für ein paar Jahrzehnte gegönnt wurde, basierte immer auch auf den Knochen – und das im wahren Sinn – der Ausgebeuteten und Unterdrückten im globalen Süden. Der Vorwurf gegen Marx, dass die absolute Verelendung der hiesigen Proleten Unsinn sei, hatte viele Jahre angesichts von Eigenheim, Auto und Malle-Urlaub für die einheimischen Facharbeiter seine Berechtigung.

Nun aber schwingt das Marxsche Verelendungspendel nach jahrzehntelanger Verzögerung mit voller Wucht zurück und kegelt Millionen von bisher Abgesicherter von der immer rasender rotierenden Scheibe der wirtschaftlichen Entwicklung ins prekäre Elend. Mittlerweile gibt es auch bei uns Formen von absoluter Armut, die es früher nur im globalen Süden gab.

Steingart formuliert das anschaulich und fast so gut wie ich: „

… Dieses Aussteuern gut bezahlter Stammbelegschaften aus dem glühend roten Kern der Volkswirtschaft und ihre Überweisung auf die Kruste oder in die Randzonen der Produktivität ist die brutalste und dennoch in Europa die gebräuchlichste Form der Lohnangleichung nach unten…. „

Was unser Wutbürger richtig und zwangsläufig findet, vor allem, weil es ihn nicht betrifft. Nichts läge ihm ferner als die rettende Idee der internationalen Solidarität und eines radikalen Klassenkampfes.

Ich aber werde dereinst für den Begriff „Marxsches Verelendungspendel“ in die Annalen der Soziologie eingehen.

14.12.2025 – Der politische Jahresrückblick zeigt, dass der Jahresausblick noch finsterer ausfällt, als in düsteren Dystopien ausgemalt

Auftritt als Kunsthausierer bei der AWO. Fiel mir beim Jahresrückblick in die Hände. Spontan fiel mir als Bildunterschrift ein: Hahn mit Korb. Aber das könnte zu völlig falschen Assoziationen verleiten.

Auch wenn ich hier oft und gerne auf Verbänden wie der AWO, Gewerkschaften, rotgrünen Parteien rumhacke, inklusive der Linken wegen ihres immer noch ungeklärten Antisemitismusproblems, bleibt festzuhalten: Für den Erhalt unserer Demokratie haben wir aus zivilgesellschaftlicher Perspektive nichts anderes. Wir können uns eben keinen antifaschistischen Ponyhof schnitzen. Und immerhin hat die AWO ja noch den Sozialismus irgendwo in ihren Statuten stehen.

Der politische Jahresrückblick zeigt, dass der Jahresausblick noch finsterer ausfällt, als in düsteren Dystopien ausgemalt. Ich beschränke mich hier nur auf die AfD. Hätte jemand vor fünf Jahren prognostiziert, dass in diversen Bundesländern – die alles Mögliche sind, nur nicht divers – die AfD an die Alleinregierung gelangen kann, der, die oder das wäre in die   Klapsmühle eingeliefert oder – schlimmer noch – nicht ernst genommen worden. Heute ist nichts realistischer als die Machtübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bei den Wahlen im nächsten Jahr. In beiden Ländern liegt die AfD um die 40 Prozent, mit riesigem Vorsprung vor der nächsten Partei. Und andere Parteien wie teilweise SPD, auf jeden Fall Grüne, FDP sowieso, und auch BSW werden in den Landtagen nicht mehr vertreten sein, so dass es für eine AfD-Mehrheit reicht. Dann hat die Brandmauer sich aus ganz anderen Gründen als Scham oder antifaschistische Restüberzeugung erledigt, nämlich aus mathematischen. Die CDU wird für die Duldung einer AfD-Minderheitsregierung schlicht nicht mehr gebraucht. Die kann, nach Turnvater Jahn, frisch, fromm, fröhlich, frei durchregieren. Letzterer übrigens ein ganz übler Rassist, Antisemit, Nationalchauvinist, wie die ganze Gilde der Körperertüchtiger. Die Körper ertüchtigen wird auch die AfD und nicht nur das.

Sie wird im Fall einer Regierungsübernahme  mit erheblichen staatlichen Mitteln Ressentiments, Stereotypen, Rassismus, Nationalchauvinismus fördern. Beispiele:
– Die Landeszentrale für politische Bildung wird von ihr wegen ihrer Erinnerungskultur in Bezug auf die NS-Zeit kritisiert. Stattdessen soll nach dem Willen der AfD ein »Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität« geschaffen werden, dass sich der Brauchtumspflege, Tradition, Sprache, Geschichte und Landeskunde zu widmen hätte. Das ist auch mit einem Koalitionspartner CDU sofort umsetzbar.

– Unliebsame Lehrstühle und Wissenschaftsfreiheit werden angegriffen und, wo möglich, abgeschafft (wobei ich persönlich nichts gegen die Streichung von postkolonialen Studien hätte. Da kommt im Zweifel nur Antisemitismus raus)

– Kultureinrichtungen in Ländern und Gemeinden werden schon jetzt mit »Kriegserklärungen« überzogen – etwa weil Theater des Landes kaum »deutsche Stücke« aufführen oder einem Ballett zu viele Tänzer ohne deutschen Pass angehören.

Gesellschaftliche und staatliche Institutionen sind auf diese Strategie nicht vorbereitet. Und bei dem im Land vorherrschenden Opportunismus möchte ich den Chef einer Kulturinstitution sehen, sei es Theater, soziokulturelles Zentrum, NGO, was auch immer, der dem die Institution fördernden AfD-Ministerium nicht in den Arsch kriecht.

In den meisten Institutionen, die für unsere Demokratie wichtig sind, dominiert immer noch Ignoranz oder Selbstbeschäftigung. Die Kritik, die der ehemalige Foodwatch-Gründer Thilo Bode an feigen NGOs und Zivilgesellschaft artikuliert , richtet sich nur gegen deren Opportunismus in Sachen Staat und Unternehmen. Um wieviel radikaler muss diese Kritik ausfallen, was deren nicht vorhandenen Antifaschismus betrifft.

Die AfD rückt auf breiter, brauner Front siegreich vor. Sie delegitimiert die Existenz von Institution in ihrem jetzigen Zustand und stellt ihre Handlungspraxis komplett infrage. Letztlich führt dieser Angriff zur Disruption, zur Zerstörung von Institutionen. Siehe Frauenhäuser, Jugendzentren, Beratungseinrichtungen.

Sie destabilisiert Institutionen, indem sie nicht deren Existenz infragestellt, sondern deren Regelwerk und Handlungspraxis autoritär umbauen wird. Siehe Familienverbände, Teile der Wohlfahrt.

Staatsapparate wie Polizei, Bundeswehr, Sicherheitsdienste stehen eh schon jetzt rechts von der AfD.

Rechte Betriebsratsgruppen destabilisieren die Gewerkschaften. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ohnehin autoritär disponierte und AfD-wählende Facharbeiterschaft, zusätzlich getrieben von Deindustrialisierung, in Scharen mit braunen Fahnen zur denen überläuft.

Dass als erstes der öffentlich-rechtliche Rundfunk sturmreif geschossen wird, durch AfD-Kündigung der diesbezüglichen Staatsverträge, ist so selbstverständlich, dass es hier nur am Rande erwähnt sei.

(Siehe auch Frankenberg und Heitmeyer: „Systemwechsel von innen“ )

Auf ein fröhliches 2026, immerhin mit einer Fußball-WM.

Der perfekten nationalchauvinistischen Volksverblödungsmaschine. Nicht auszudenken, wenn die Ostgoten den Titel holen. Eine grauenhafte Vorstellung.

12.12.2025 – Portion 🍟 fünf Euro

Denkmal vom „Zentrum für Politische Schönheit ZPS“ für den von Faschisten ermordeten CDU-Landrat Walter Lübcke, vor dem Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale in Berlin. Eine gutgemeinte, aber schlecht gemachte politische Intervention. Gut gemeint, weil gegen den Rechtsruck unserer Gesellschaft gerichtet. Schlecht gemacht, weil der Ermordete als Vehikel für die politische Botschaft benutzt wurde, das Gedenken an ihn ein Pseudogedenken. Seine Familie war nicht in die Vorbereitung involviert. Ein No-Go. Kunst darf eben nicht alle Grenzen überschreiten. Nicht die erste Entgleisung des ZPS. 2019 hatte es, ebenso gut gemeint wie grauenhaft gemacht, die Asche von Holocaustopfern in einer Stele vor dem Reichstag platziert, um gegen aufkommenden Faschismus zu protestieren. Zwar ruderte das ZPS später zurück, entschuldigte sich. Aber allein auf eine derart kranke Idee zu kommen, Opfer so zu instrumentalisieren , zeugt von einem bürgerlichen Kunstverständnis, das heutzutage leider gang und gebe ist. Es geht nur ums eigene Fortkommen, den eigenen Erfolg, koste es, was es wolle, und sei es die Unverletztlichkeit der Integrität von Opfern. Ein sehr marktkonformes Verhalten übrigens.

Weihnachtsmarkt am Berliner Humboldtforum.

Auch daneben, aber eher nur dämlich als peinlich, die Aktion „Decolonizing christmas“ von ein paar Berliner Gutmenschen, die die Mythen und Lügen rund um das christliche Weihnachtsfest hinterfragen und dekonstruieren wollten. Prompt entfesselte das Zentralorgan der AfD, die Springerzeitung „Welt“, eine veritable Hetzkampagne gegen die Initiatorinnen. Die wurden, ganz im christlich-vorweihnachtlichen Sinn, derart mit Hass und Morddrohungen überzogen, dass die Kampagne umgehend abgesagt wurde. 1. Wie naiv kann frau sein und so etwas nicht antizipieren? 2. Wie abgehoben kann frau sein und in der aktuellen Krisensituation derartig abgeranzten Ideologieschrott zum Thema machen?

Auf dem Weihnachtsmarkt am Humboldtforum kostet eine Portion Pommes unfassbare fünf Euro . Eine Alleinerziehende, womöglich im Bürgergeldbezug, kann sich einen Besuch mit ihrem Kind auf einem Weihnachtsmarkt nicht leisten. Pommes fünf Euro, Zuckerwatte fünf Euro, einmal Karussell fünf Euro…. Das sind dreimal Tagessatz Ernährung für Jugendliche. Was dieser Ausschluss an selbstverständlicher Teilhabe in unserer ach so christlichen Gesellschaft für die Betroffenen bedeutet, das hätte das ehrenwerte Thema einer vorweihnachtlichen Kampagne sein müssen. Aber nicht diese albernen Gutmenschverrenkungen.

Ich fand’s übrigens schön am Humboldtforum. War alles so schön bunt da…

08.12.2025 – Herr Ober, Zahlen bitte!

Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (der Wert aller im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen) seit 2002. Quelle: Destatis. Ein Anstieg von fast 100 Prozent. Die Vermögen in Deutschland haben sich im gleichen Zeitraum auch ungefähr verdoppelt. Wie im letzten Beitrag vom 07.12 gesehen, ist die Zahl der Milliardäre im gleichen Zeitraum um 260 Prozent gestiegen. Es findet also offensichtlich eine Konzentration von Extremvermögen statt.

Wobei Vermögen von Extrem-Reichen chronisch unterschätzt wird, da es seit 1997 keine Vermögenssteuer mehr gibt. Das Bundesverfassungsgericht hatte die 1995 ausgesetzt und eine Neufassung verlangt, weil Immobilien zu günstig veranlagt waren. Statt die Bemessung der Immobilien, deren Wert extrem zugenommen hat in den letzten Jahren, zu erhöhen, macht der Gesetzgeber was?

Garnichts. Das ist Rechtsbeugung.

Dadurch sind dem Staat nach einer Schätzung von Oxfam bis zu 380 Milliarden Euro bisher entgangen. Und es kommen jedes Jahr weiterer Untätigkeit zwischen 70 und 120 Milliarden entgangene Steuern dazu. Auf ausländischen Konten, wie auf den Cayman Inseln, sind ungefähr 220 Mrd. Euro Schwarzgeld aus Deutschland geparkt. Auch hier gilt: Die Summen werden chronisch unterschätzt. Was macht der Gesetzgeber hier, um diese Extrem-Ungerechtigkeit zu mindern?

Seit 2001 hat er die Steuer auf angesparte Unternehmensgewinne in mehreren Schritten etwa halbiert. Der Steuersatz der reichsten Deutschen, Susanne Klatten, sank von 60 auf 30 Prozent .

Und: Die Bundesregierung senkt aktuell die Körperschaftssteuer (u. a. für Kapitalgesellschaften wie GmbHs und Aktiengesellschaften) von 15 auf 10 Prozent bis 2032 und entlastet Unternehmen und damit Susanne Klatten, die Aldi Brothers und Lidl-Schwarz und andere um weitere zig Milliarden.

Wie soll das finanziert werden? Schwarzrot will energisch gegen Bürgergeldmissbrauch vorgehen. Das wird’s bringen. Ganz sicher. Gemessen am Hysteriegehalt der derzeitigen Diffamierungskampagne gegen das Bürgergeld müßte diese Maßnahme der Regierung alle Probleme des Universums lösen. Übrigens: Der Bürgergeldmissbrauch beträgt pro Jahr ca. 220 Millionen. Millionen. Nicht Milliarden. Der Haushalt für Bürgergeld liegt bei 51 Milliarden Euro pro Jahr. Der Missbrauch beträgt also 0,43 Prozent.

Was soll man jetzt mehr „bewundern“: Die handwerkliche „Geschicktheit“ der Regierung im Verein mit den Bürgermedien, die es beide fertiggebracht haben, die Reste des Sozialstaates derartig überzeugend zu delegitimieren, dass der Mob nach einer starken Hand schreit, die diesen Augiasstall ausmisten müsse. Also nach den Faschisten der AfD, die in allen Umfragen unaufhaltsam zulegen. Oder die unfassbare Dummheit und Niedertracht des Pöbels, der umstandslos über jedes Drecksstöckchen springt, das ihm hingehalten wird.

Und wo bleibt das Positive? Mein Traum von Heute Nacht: Die Kavallerie ist im Berliner Regierungsviertel eingerückt und hat die Regierung in Erzwingungshaft genommen, um Schluss zu machen mit der Rechtsbeugung in Sachen Untätigkeit Vermögenssteuer.

Ich aber gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass ich Sie, liebe Leserinnen, in den nächsten Blogeinträgen nicht mehr Zahlen behelligen werden und frage mich, was ist das Gendergegenstück zum Header „Herr Ober, Zahlen bitte!“

„Frau Oberin…?“

07.12.2025 – Der neue Trachtenlook der Spätzwanziger: Die Niedertracht.

Zahl der Milliardäre in der BRD seit 2001 um 260 Prozent gestiegen.

Die Sozialleistungsquote ist im gleichen Zeitraum prozentual um knapp 10 Prozent gestiegen.

Vom logischen und moralischen Standpunkt aus hieße die Konsequenz: Zahl der Milliardäre begrenzen durch gerechte Steuerpolitik. Das Geld der Milliardäre und Superreichen könnte in Infrastruktur, Bildung, Steuerentlastung für Geringverdiener und die Mitte investiert werden, wodurch Arbeitslosigkeit gesenkt würde. Mehr Wohlstand für Viele. Der Konsum würde angekurbelt, Steuereinnahmen steigen, die Sozialleistungsquote würde sinken.

Vom Standpunkt des Kapitals und der willfährigen Polit-Büttel des Kapitals aus heißt die Konsequenz aber genau das Gegenteil: Die Reste des Sozialstaats werden unter Zuhilfenahme einer Mehrheit der Bürgerpresse und des geifernden Boulevards sturmreif geschossen. Der Milliardär gönnt dem Bürgergeldempfänger noch nicht mal mehr das Nichts im Portemonnaie. Zwangsläufige Logik des Kapitals: In der Gier nach Mehr wird erst der globale Süden ausgeplündert, dann der Regenwald, die Meere, der Weltraum (Kometen und Rohstoffe) und irgendwann wird auch der letzte Rest aus dem letzten Rest, den Armen, gepresst. Und wenn die Nichts mehr haben, dürfen sie ihr Leben geben. An den Fronten zukünftiger Kriege. Die BWL-Studenten aus der Elite, die Erben der Milliardäre, wird man mit Sicherheit nicht an den Fronten finden. Die finden immer Wege, sich vor der Wehrpflicht zu absentieren. Für den Pöbel bleibt da nur eine Hoffnung: die Re-Installation des antifaschistischen Schutzwalls, der aber jetzt in die andere Richtung, nach Osten, wirken würde. Mit Berlin als „selbstständige politische Einheit“, so wurde Westberlin früher von der DDR genannt. Hier gibt es dann keine Wehrpflicht und aller Verweigerer der Republik kommen hierher. Eine neue Blüte von Subkultur. Herrliche Zeiten!

Zwischenzeitlich stellt sich nicht nur global, sondern auch im Zentrum der Bestie, im globalen Norden, in Europa, die Frage, wohin mit den immer mehr werden nutzlosen Essern. Die Produktivität stagniert seit Jahren, Arbeitsplätze werden abgebaut, verlagert, dafür vergrößert KI den Rationalisierungsdruck. Natürlich kommt niemand im herrschenden Politikbetrieb auf die logische Idee, diese Rationalisierungsgewinne zu verteilen oder die Übergewinne der Digitalkonzerne abzuschöpfen. Stattdessen stellt sich für den die Frage, was kann man den Nichtshabenden noch abnehmen, außer dem Leben? Organe… ? Organverkauf war bisher das „Privileg“ der Angehörigen des globalen Südens, aber demnächst auch bei uns. Steuerlich begünstigt

Bis es soweit ist, noch zwei Dinge: 1. Der Sozialstaat ist natürlich nicht das Problem, wie es von der vereinten Front der Niederträchtler heißt (Das ist übrigens neue Trachtenlook der Spätzwanziger: Die Niedertracht). Der Sozialstaat ist vielmehr der Reparaturbetrieb der Unfälle, Krisen, Katastrophen des Kapitalbetriebs. Die Sozialquote stieg während Corona logischerweise an, u. a. durch Ausweitung des Kurzarbeitergeldes. Dadurch wurden Arbeitsplätze erhalten und der Profit des Kapitals verstetigt. Die Sozialleistungsquote ist weder überdurchschnittlich hoch im globalen Vergleich, noch sind deren Steigerungen – wenn sie überhaupt in Relation zum Anstieg des Bruttoinlandsproduktes wachsen – in irgendeiner Form besorgniserregend. Bezahlbare Gesundheit, ausreichende Renten, existenzsichernde Absicherung bei Arbeitslosigkeit und Armut, all das erhält die Arbeitskraft und ist Demokratiefördernd.

Und 2. was kann getan werden zum Erhalt des Sozialstaates? Auch angesichts einer Armutsquote von 25 Prozent, wenn man die horrenden Mietzahlungen in Ballungsräumen berücksichtigt, die langsam auch der Mitte der Gesellschaft die Luft abschnürt.

Hier ein paar Fakten dazu von der IG Metall, ansonsten auch eine Bande von Arbeiterverrätern, aber in dem Fall wenigstens auf dem Papier mal nützlich:

03.12.2025 – Haltlose Unterstellungen und Entgleitzungen eines medikamentös falsch Eingestellten

Demo 16.12.2025. Die offiziellen Sharepics. Interessant, wer nicht mit dabei ist.

Mit im Boot.

Nicht mit im Boot von den Gewerkschaften die IG BCE, ein reaktionärer SPD-durchsumpfter Arbeiterverräter-Verein. Die NGG lassen wir mal außen vor, die lagen vermutlich alle wieder nach einer Brauereibesichtigung besoffen unterm Tisch als es um die Unterzeichnung des Demo-Aufrufes ging. Bei den Wohlfahrtsverbänden sieht es ganz finster aus. Es fehlen außer dem Paritätischen alle anderen: AWO (Sozi-durchsumpft, dabei haben die noch den Sozialismus in ihren Statuten!), Caritas und DRK (CDU-Vorfeld Organisationen), Diakonie, eigentlich SPD-grünversifft, aber wenn’s zum Schwur kommt, immer abseits in den Büschen, SoVD, VdK … alles Fehlanzeige.

Kann man ja machen, feige und opportunistisch sich drücken. Oder so wie CDU-Vorfeld-Organisationen sogar als Wohlfahrtsverband inhaltlich der Meinung sein, dass die derzeitige CDU-SPD-Regierungspolitik der Ausplünderung und Kujonierung von Armen und Minderheiten eine tolle Politik sei, zum Besten des Landes und der ganzen Gesellschaft, im Sinne einer weiteren grenzenlosen Bereicherung der Superreichen. Aber dann sollten die hier genannten Akteure bitte bei sozialpolitischen Themen einfach mal die Fresse halten und nicht mit bedenklich wackelndem Kopf und Krokodilstränen in jede hingehaltene Kamera heucheln, wie schlimm doch die Lage sei und dass die Spaltung der Gesellschaft zunehme und die Demokratie bedroht sei etc. pp. Es könnte nämlich sein, dass ich dann irgendwann mal das Kotzen kriege.

Oder liegt die Nichtbeteiligung der genannten Akteure etwa daran, dass es im Vorfeld der Organisation der Demo, dieses Bündnisses, zu Eitelkeiten gekommen ist, weil A vorgeprescht ist und B nicht gefragt hat und deshalb jetzt C und D beleidigt sind, weil so geht das nicht, da muss doch die Kleiderordnung eingehalten werden?

Egal, was die Ursache für das hier geschilderte erbärmliche Verhalten ist, es macht zumindest eins mit erfrischender Klarheit deutlich: Wes Geistes Kind die so Agierenden sind und wo man sie finden wird, wenn es wirklich ernst, noch ernster wird. Abseits in den Büschen. Um dann als erste einem AfD-Staatssekretär im Sozialministerium einer CDU/AfD-Koalition auf den Schoß zu hüpfen oder sonst wo rein zu kriechen, wenn es um die Verteilung von Fördermitteln geht. Davon hinge ja im Zweifel auch die Größe der eigenen Dienstlimousine ab …

Alles haltlose Unterstellungen oder Entgleitzungen eines medikamentös falsch Eingestellten? Hoffentlich …. Hier die Bündnis-Forderungen:

29.11.2025 – Die Sudel-Edes im Schwarzen Kanal

Karl-Eduard von Schnitzler, genannt Sudel-Ede. Der schwarze Kanal war eine politisch-agitatorische Sendereihe des DDR-Fernsehens zu Zeiten des Kalten Krieges. Der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler analysierte anhand von einzelnen Ausschnitten des Westfernsehens die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland . Er tat das erfrischend polemisch, was ihm den Spitznamen Sudel-Ede einbrachte. Ich schätzte seine oft präzisen, strukturell immer ins Schwarze treffenden Analysen durchaus. Bekifft war sein Stil ein Highlight jenseits der oft öden, stromlinienförmigen Dreisender-Monotonie der BRD. Arbeitslosigkeit, hohe Mieten, Verelendung, Drogenmissbrauch, Fremdenfeindlichkeit, Obdachlosigkeit, all diese Phänomene von Entfremdung und sich zuspitzender Krisenproblematik brachte er anhand des Materials, was ihm der Klassenfeind frei Haus per TV lieferte, auf den Punkt. Hier eins der wenigen verfügbaren Sendungsdokumente   von 1987, 40 Jahre alt. Die dort angesprochenen Probleme sind immer noch da, allerdings potenziert schlimmer. Alles stimmte, bis hin zum Wiedererstarken des Faschismus in der BRD, von ihm vor Jahrzehnten vorhergesagt.

Lediglich in einem lag Genosse Sudel-Ede ganz schrecklich daneben, nämlich dem ständigen Fazit, um wieviel besser und liebenswerter das Leben für die Genoss*innen in der DDR sei, und wie froh die waren, die Knechtschaft des Kapitalismus drüben, im Westen, nicht ertragen zu müssen. Das war Lichtjahre an der DDR-Realität vorbei halluziniert: Nichts wollten die Insassen der DDR lieber als die zitierte Knechtschaft des Kapitalismus zu ertragen. Für Reise- und Redefreiheit, für Malle und Bild, demonstrierten sie die DDR in den Untergang und Sudel-Ede ins Sende-Aus.

Und hier wollte ein grandioses Projekt ansetzen, des verdienten Kollektivs der Helden der Arbeit aus dem „Hades“, dem türkischen Imbiss in der Berliner Yorckstr., Heimstatt der Mühseligen und Beladenen, der Unterdrückten und Erniedrigten. Unter dem vorläufigen Arbeitstitel „Die Sudel-Edes im Schwarzen Kanal“ entwickelten wir ein Langzeitprojekt von wahrhaft titanischen Ausmaßen. Wir wollten in regelmäßigen Abständen, mittwochs zur ehemaligen Sendezeit des Schwarzen Kanal, im Hades eine szenische Langzeit-Lesung veranstalten, mit allen 1.519 je halbstündigen Ausgaben des Schwarzen Kanal. Die Manuskripte sind im Deutschen Rundfunkarchiv vorhanden. Pro „Lange Nacht des Sudel-Ede“ 16 Folgen, 8 Stunden. Das Projekt war auf drei Jahre angelegt. Ortsabwesenheit, von Hellas bis Hannover, war eingeplant.

Spätestens nach einem Jahr wäre die Reihe Kult, dauerausverkauft, wir müssten nach draußen, vor die Tür, mit Kameras live übertragen, ins Netz streamen, unser Wirt Tayfun wäre ein gemachter Mann, wir wären reich und berühmt und könnten endlich an den Viktoria-Luise-Platz ziehen.

Viktoria-Luise-Platz. Eine herrliche Gegend, vor dem Krieg wohnten hier viele Künstler. U. a. Billy Wilder, der als Jude vor den Nazis fliehen musste. Großbürgerliche 120 qm-Wohnungen, mit riesigen Räumen, Stuck und Kachelöfen, nahebei Michelin gekrönte Restaurants.

Aber ach … unlängst kam ich auf die geniale Idee, etwas intensiver zu recherchieren, und leider entpuppte sich Sudel-Ede als veritabler Antisemit . Israel wurde von ihm als „faschistisch“ und „rassistisch“ diffamiert, jüdische Politik als globaler Unruhestifter dargestellt und die Existenz des Staates als illegitim angegriffen. Linker Antisemitismus vom übelsten, wie das halt so war in den glorreichen linken antiimperialistischen 70ern. Und düstere Wiederkehr feiert, 50 Jahre später.

Diese Sudeleien von Ede hatte ich offensichtlich verdrängt. So starb ein grandioses Projekt in den Kinderschuhen. Es hätte so schön sein können.

Und so werden wir weiter im Hades sitzen, Raki für 2 Euro trinken und jenen in letzter Zeit verstorbenen Hadesianer, die erst das Zeitliche verfluchten und dann segneten, eine Träne nachweinen.  

Und wir werden natürlich Projekte entwickeln.…

25.11.2025 – Die Brandmauer besteht aus Dominosteinen.

EXPO 2000, Hannover, Pavillon Venezuela. Das Dach öffnete sich abends in Form einer Dschungelblüte. Märchenhaft. Mein EXPO-Bildarchiv fiel mir neulich in die Hände, in Vorbereitung des Datentransfers zum neuen Laptop. Der letzte in diesem Leben, so wahr mir Göttin helfe. Irgendwann ist auch mal gut. Die Bilder rühren mich nach wie vor an. Erinnerungen an 6 Monate Party mit der ganzen Welt. Einmalig

Natürlich gab es auch die notorischen Radaubrüder und Schwestern, die getreu dem Motto von Marx (Groucho) „Whatever it is, I am against it“ auch gegen die EXPO waren. Wobei das SPD-Verarschungs-Transpi zeitlose Gültigkeit hat. Das hätte man von 1914, der Zustimmung der SPD im Reichstag zu den Kriegskrediten, bis Heute, der Zustimmung der SPD zu jeder Schweinerei, über fast jede Periode der Sozialdemokratie hängen können.

Zeitgeschichtlich interessant im Sinne einer postmodernen Archäologie der nahen Vergangenheit ist auch dieses Mauer-Teilstück auf der EXPO. 10 Jahre nach der Annexion der DDR war die nationale Besoffenheit 89ff. schon lange dem sozialökonomischen Kater gewichen, wie dem naiven Geschmiere auf dem Überrest des Antifaschistischen Schutzwalls zu entnehmen ist.

Und da war von dem dicken Ende, an dessen Anfang wir gerade stehen, noch nicht mal ansatzweise was zu sehen. Die EXPO 2000 bildete mit ihrer teils naiven, teils verspielten Fortschrittsgläubigkeit eine Zäsur. Im März 2000 begann die Dotcom-Blase zu platzen. Explodierten vorher die Kurse von allem, wo Internet draufstand, fingen jetzt ein paar Experten, denen die Gier noch nicht den Verstand vernebelt hatte, an zu fragen: Was produzieren all diese Digitalbuden denn eigentlich an Werten? Wenig …. Und ruckzuck donnerte einer Stampede gleich die ganze Anlagenherde in die entgegengesetzte Richtung. Der DAX fiel in kurzer Zeit von über 8.000 Punkte auf unter 2.500 und brauchte ca. 13 Jahre, um sich davon zu erholen.

Mittlerweile ist er fast zehnmal so hoch wie an diesem Tief und das trotz der Tatsache, dass wir seit 2000 praktisch nicht mehr aus dem Krisenmodus gekommen sind: 9/11, Irakkrieg, Lehman, die Eurokrise, Corona, Kriege, Klimakatastrophe, Spaltung der Gesellschaft, Aufkommen von Nationalismus und Faschismus ….

Inwieweit diese Entwicklung der Börsen nachhaltig ist und das, was die überlebenden Nachfolger der damaligen „Digitalbuden“ real produzieren, diesen nun zehnfachen Wert legitimieren, steht in den Sternen. Wir werden es erleben. Wenn man vom Amt kommt, ist man schlauer.

Mir fiel beim Anblick der Mauer oben natürlich die aktuelle Brandmauerdiskussion ein. Der Verband der Familienunternehmer, mit DAX-Unternehmen wie BMW und Merck, gibt die Brandmauer zur AfD auf. Man will die AfD politisch stellen. Ein echter Brüller, diese Ansage, eine typische Mischung zwischen dumm und dreist. Teile des Kapitals wollen die AfD zum Bündnispartner machen, um auch die Reste des Sozialstaates zu demontieren. Gleiches gilt für den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft

Es ist davon auszugehen, dass die Verbandsvertreter*innen Mittel und Wege, viele Mittel, Millionen, finden werden, um auch dem letzten widerborstigen Demokratie-Deppen in der CDU klarzumachen, dass die Christenpartei gefälligst mit der AfD zu koalieren habe, sie demnächst mindestens zu tolerieren habe, im Sinne der gemeinsamen Sache. Dass sich manche Kapitalvertreter jetzt noch zieren, ist rein taktisch. Getrennt marschieren, vereint schlagen, das ist auch da die Devise.

Was mir bleibt ist, neben den Erinnerungen an eine einmalige EXPO-Zeit, die Vorstellung der Brandmauer als einem Bauwerk aus Dominosteinen. Einerseits knabbern viele vorweihnachtlich so lange am leckeren Gebäck, bis von der Mauer nichts mehr übrig ist. Andererseits ist das ja die Natur der Dominospielsteine: Nimmste einen weg, fallen se alle um.

23.11.2025 – 16.12.25, 18 Uhr, Hannover, An der Goseriede. Demo eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses. Motto: „Es reicht nicht! Zusammen für mehr Geld & weniger Sorgen!“

Folgen des alliierten Luftangriffs auf Hannover am 14.12.1944. Bandelstr., Hannover-Südstadt. Aus privatem Nachlass.

Verwüstete Wohnung.

Das kommt dabei heraus, wenn sich die Kälber auf die Metzger-Variante des Kapitalismus einlassen, den Faschismus. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber, die Wahrheit dieses Spruches (nein, ist nicht von Brecht) von 1874 zur Wahl der Züricher Steuerkommission realisiert sich auch heuer wieder auf das Zutreffendste. Die Wahlumfrage zur Bundestagswahl von Forschungsgruppe Wahlen vom 21.11.25 zeigt Zuwächse bei AfD und CDU, SPD und Grüne verharren auf niedrigem Niveau, die Linke verliert. Tröstlich: Die FD wird mittlerweile unter „Sonstige“ subsummiert. Sie hat ihre historische Aufgabe erfüllt, die Durchsetzung eines enthemmten Neoliberalismus, der buchstäblich über Leichen geht. Und nichts anderes wird das Resultat der asozialen Bürgergeldreform der derzeitigen Koalition sein: ein rapider Anstieg der Wohnungs- und Obdachlosigkeit, bei der immer mehr Menschen auf der Straße erfrieren, in ungeheizten Wohnungen unterernährt an Mangelkrankheiten weit vor der Zeit sterben.

Ich würde gerne an die Existenz eines gerechten, alttestamentarisch-strafenden Gottes glauben, denn der würde das schwarzrote Gesindel dafür sicher in der Hölle braten lassen. Wobei diese Strafe aus der Post mortem-Wiedergeburt eines rundum versorgten und gepamperten Bundestagsabgeordneten in der Hölle der Obdachlosigkeit im Winter bestehen würde, wieder und wieder.  Leider habe ich für Aberglauben keine Zeit.

Es ist schon faszinierend, die Entwicklung der Wahlumfragen zu beobachten. Je radikaler sich die AfD als faschistische Partei offenbart, desto mehr Kälber wollen sie wählen, gerade die in den sozialen Brennpunkten. Aus dieser Klientel, dem klassenlosen Subproletariat oder nach Marx: Lumpenproletariat, werden die Schlägertrupps rekrutiert, siehe SA 33ff., die ihresgleichen in die Schlachttransporte treiben, bis sie selber dran sind. Wie dieser Prozess konkret aussehen wird, ist offen, keiner hat eine Kristallkugel (siehe Aberglauben). KZs werden das vermutlich nicht sein. Die postmoderne Variante von Lagern besteht wohl eher in allmählicher sozialer Verelendung, Isolierung in Ghettos, lückenloser (digitaler) Kontrolle, Überwachung und rigider, auch anlassloser Bestrafung, sowie flächendeckender Sedierung durch Drogen, Alkohol, Idioten-TV, soziale Medien. Wie? Das hätten wir doch jetzt schon? Sorry, da hab ich wohl echt gepennt in meiner Blase.

Und die CDU profitiert davon, dass ihre Klientel die Brandmauer zunehmend als das erkennt, was sie real von Beginn war: Ein stinkender Haufen brauner Scheiße, der langsam in sich zusammensinkt und spätestens nach den Landtagswahlen in der Ostzone nächstes Jahr seinen Geist aufgibt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das aussehen soll, ein Haufen Scheiße, der seinen Geist aufgibt. Wir haben neue, ungekannte Verhältnisse, die gären, und was dabei hinten rauskommt, weiß der Zeitgeist allein.

Und wo bleibt das Rettende?

Hier? Am 16.12.25 findet die Demo eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses statt: Hannover, An der Goseriede, 18 Uhr. Motto: „Es reicht nicht! Zusammen für mehr Geld & weniger Sorgen!“ Ich schätze, es werden ca. 1.000 bis 2.000 Menschen kommen. Zum Zahlenhintergrund:

In der Region Hannover (ca. 1,1 Mio. Einwohnerinnen) gibt es ca. 105.000 Empfänger*innen von Bürgergeld.

Zahlen für Grundsicherung im Alter für die Region Hannover gibt es nicht, es sind sicher über 10.000. In ganz Niedersachsen sind es 71.440.

Die Armutsquote in der Stadt Hannover (ca. 530.000 Einwohnerinnen) beträgt 22,4 Prozent, also ca. 120.000 Menschen.

Insgesamt sollten sich vom Motto der Demo „Es reicht nicht! Zusammen für mehr Geld & weniger Sorgen!“ mit Prekären, Niedriglöhnern, Scheinselbstständigen, Illegalen, Studierenden, etc. pp. sicher über 200.000 Menschen in der Stadt Hannover und über 400.000 in der Region direkt angesprochen fühlen.

Wer mit Sicherheit zufrieden sein kann über den Zuspruch der Demo am 16.12, egal wie er hoch sein wird, sind bürgerliche Medien, und die herrschende Klasse mit ihren kläffenden Hofhunden und Lakaien. Dient ihnen die Anwesenheit nur eines Bruchteils von Betroffenen doch als Ausweis einer flächendeckenden Zustimmung zu ihrer Politik der Ausplünderung.

Handwerklich gesehen eine saubere Arbeit. Chapeau.

20.11.2025 – Verbrechen gegen die Menschheit

Folgen des alliierten Luftangriffs auf Hannover am 14.12.1944. Bandelstr., Hannover-Südstadt, wenige Meter von meinem ehemaligen Zuhause. Aus privatem Nachlass.

 Der Luftangriff am 14.12 war ein ganz normaler, nicht zu vergleichen mit dem großen Angriff im Oktober 1943, bei dem über 1000 Menschen starben. An einem Tag wie jeder andere, irgendwann im Krieg. Die Luftangriffe waren kein Verbrechen gegen die Menschheit, sondern schreckliche Notwendigkeit im Kampf gegen den Faschismus. Verbrechen gegen die Menschheit gingen von deutschem Boden aus. Die Konsequenz daraus:

Heute vor 80 Jahren begannen die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse gegen Hauptverantwortliche des nationalsozialistischen Regimes. Basis der Anklage waren Verbrechen gegen die Menschheit. Und nicht gegen die Menschlichkeit, wie es fälschlicherweise überall heißt, auch wenn das der Begriff im Völkerecht ist. Dadurch wird Blödsinn aber nicht Wahrheit. Zitat Hanna Arendt:

…. als hätten es die Nazis lediglich an ‚Menschlichkeit‘ fehlen lassen, als sie Millionen in die Gaskammern schickten, wahrhaftig das Understatement des Jahrhunderts.“

Fehlende Menschlichkeit lassen heutzutage z. B. Vermieter erkennen, wenn sie Leute auf die Straße schmeißen, die die Wuchermiete nicht mehr zahlen können. Eine Sauerei, für die das Pack hinter Gitter gehört, ohne Frage. Aber mit Sicherheit keine Kategorie wie der Holocaust.

Eben wollte ich schreiben, sinngemäß: „ …. Und was hat die Menschheit aus Krieg, Faschismus und Holocaust gelernt?  .. „Menschheit“ hätte ich nicht geschrieben, ich neige nicht zu Pathos, dem großen Bruder des Kitsches. Ich hätte eher „Wir“ oder „Gesellschaft“ geschrieben. Ich wollte nur die begonnene Begrifflichkeit fortführen.

Aber in dem Moment, wo ich mit dem Satz begonnen hatte, wurde mir – neben dem Pathos – seine gewisse Hohlheit, Leere, rhetorische Floskelhaftigkeit klar. Was soll mensch darauf sagen, außer: „Nichts.“

Und da das hier kein Wort zum Sonntag oder die Ansprache irgendeines Grüßaugustes zum 1. September, 27. Januar oder 8. Mai ist, biege ich hier mal ab. Und erweise mich als Dienstleister.

Wussten Sie, liebe Leserinnen, aber auch die Leser dürfen hier mal die Lauscher aufstellen, dass Hamamelis, vulgo Zaubernuss, eine wahre Wunderwaffe ist im Kampf gegen Verfall, Unebenheiten, Entzündungen, etc. pp., von der Kopfhaut über Rasur-Blessuren bis zu Wunden, Pickel, Hämorrhoiden. Es wirkt entzündungshemmend, juckreizstillend, und adstringierend, was z. B. die Haut strafft!  

Also, kaufen, meine Damen. Sofort die perfekte Mischung mit anderen Ingredienzien bei mir bestellen und Sie sehen binnen kurzem um Jahre jünger aus. Ich bin das beste Beispiel dafür, sehe glatt drei Monate jünger aus als ich bin!

In echt, mal ohne Scheiß: Sie können Ihr teures Zeug von Dior, Chanel, Tom Ford oder YL in die Tonne kloppen. Wenn Sie sich auf Basis von Hamamelis eine Creme selber basteln, kostet Sie das nur einen Bruchteil, Sie wissen, was da drin ist, nur Öko, es macht obendrein Spaß und ist ein megacooles Weihnachtsgeschenk für Ihre lieben Hinterbliebenen.

Wieso ich ausgerechnet diesen Begriff benutzt habe statt „Daheimgebliebenen“ weiß Göttin allein…