Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

11.02.2023 – Ihr Spießer der Welt, schaut auf diese Stadt!

BILD

Tief im Westen. Von Berlin. Uhland-Fasanenstr.-Passage, Nähe Kudamm, mehr Westberlin geht nicht. Dieser Innenhof war in den 70ern eine Ikone des Modernismus, eine Perle des Städtebaus.

Uns erscheint das so hässlich, dass es davon nur Fotos im Internet von Teilansichten gibt. So ändern sich die Zeiten. Würde mich nicht wundern, wenn das Ensemble unter Denkmalschutz steht, steht es doch als Beton gewordenes Pars pro toto für den damaligen von Zukunftseuphorie getriebenen Zeitgeist. Solche Ecken findet man nur als Flaneur, im ziellosen Sich-Treibenlassen. An Orten wie diesen könnte ich stundenlang verweilen, um etwas von ihrer Aura aufzusaugen. Beton kann doch sprechen.

Schöner Ort? Auf jeden Fall faszinierend.

Am Sonntag ist Wahl in Berlin und in Abwandlung des Ernst-Reuter-Satzes wird es wieder heißen: Ihr Spießer der Welt, schaut auf diese Stadt.

Und über jede Panne und Pleite bei der Wahl wird sich der Mainstream der Medien, Spießer, Bayern, Zombies und Scheintoten ergeifern. Was macht die geschilderte Klientel so wütend über Berlin? Vermutlich unter anderem das Fazit dieser Historikern über Berlin:

»Man zieht nicht nach Berlin, um hier Karriere zu machen und zu Geld zu kommen«

Und weiter: „ …. Man zieht hierher, national und international, um ein bestimmtes Stadterlebnis zu haben – historisch, brandaktuell, dynamisch, kontrovers, konflikthaft. Ich kenne Menschen, die diese Dynamik und Konflikthaftigkeit nicht mehr aushalten und nach Göttingen abwandern. Aber viele mehr wünschen sich, in dieser Stadt zu leben. Und ich kann das verstehen. Für mich ist Berlin nach wie vor die tollste Stadt der Welt. Zumindest der Welt, die ich kenne.

Was wäre das überhaupt für eine Metropole, in der alles funktioniert, wie es in den feuchten Kontrollphantasien der Spießer und Scheintoten zu wuchern scheint? Der perfekte Staat, Orwell, Kafka und Foucault in eins, perfekte Überwachung, Disziplinierung und ausgeklügeltes Strafsystem für jede Normabweichung. Auch wenn ich als Etatist einen starken, intervenierenden und angesichts wachsender Zahl von verrückten Querspinnern, Coronaschwurblerinnen und Antidemokraten auch strafenden Staat verschärft befürworte – die Zeiten haben sich gegenüber den 70ern eben geändert – so hoffe ich an der Stelle doch auf ein Wahldesaster. Die unfähige Stadt inszeniert unfreiwillig ihr eigenes Happening und alle Insassen von SO 36 singen dazu: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“. So geht performative Kunst im 21. Jahrhundert.

Mein Tipp für den Wahlausgang: CDU 23 %, SPD 23 %, Grüne 18 %, Linke 12 %, AfD 11 %, FDP, 4,9 %. Rest: 13 %. Das sind über 100 Prozent. Ist ja auch Berlin. Mein Favorit wäre die Bergpartei : ökoanarchistisch, realdadaistisch, radikalfeministisch, utopisch solidarisch, postidentitär antinational und antisubstanzistisch“ . So eine Partei hab ich mal gegründet, in den Achtzigern. Freibier und Erbsensuppe.

07.02.2023 – Hinweis der Redaktion: Dieser Text ist im Oktober 2021, vor dem Ukraine-Krieg erschienen.

Schuhgeschäft Kurfürstendamm.

„Hinweis der Redaktion: Dieser Text ist im Oktober 2021, vor dem Ukraine-Krieg erschienen.“ So steht es in einem Artikel der BZ über Korruption in der Ukraine und wie sehr Selensky darin involviert ist. Zitat: „ …. das Datenleck der Pandora Papers (das bis dato größte Leak über sogenannte Steueroasen)  deckte auf, dass Selenskyj zu den 38 ukrainischen Politikern gehört, die Geld auf Offshore-Konten versteckt haben. Dabei wurden aus keinem anderen Land mehr Politiker in den Papers genannt als der Ukraine, mit doppelt so vielen Amtsträgern wie das Land auf dem zweiten Platz – Russland. Im Fall Selenskyj handelt es sich um ein Netzwerk von Offshore-Firmen in Belize, Zypern und den Britischen Jungferninseln, an denen nicht nur er vermutlich beteiligt ist (oder einst war), sondern auch einige wichtige Figuren in seinem Präsidialteam und Mitarbeiter seiner Produktionsfirma Kvartal 95. Selenskyj hatte seine Beteiligung an nur einigen dieser Unternehmen während seiner Kandidatur erklärt. …. In den Kiewer Medien wird heftig diskutiert, ob die Pandora Papers eine zweite Amtszeit für Selenskyj unmöglich machen, falls er sich für eine erneute Kandidatur entschließt.“ Stand 16.10.21, also vor dem russischen Überfall.

Was will uns der redaktionelle Hinweis der BZ sagen? Dass sie den Text während des Ukraine-Krieges anders geschrieben hätte? Nicht veröffentlicht hätte? Wir nicht an der vaterländischen Gesinnung des Blattes zweifeln sollen? Die da lautet: Dulce et decorum est pro patria mori. Süss und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben? Ohne zu fragen, wer oder was ist das eigentlich: Vaterland?

Bin ich Vaterland oder ist Susanne Klatten, die reichste Frau Deutschlands mit einem Vermögen von ca. 30 Mrd. Euro, Vaterland? Ist Olaf Scholz Vaterland oder die Freiheit?

So viele Berichte. So viele Fragen. Genug des Brechtschen Fragespiels. Soll sich jede das selber fragen, hier oder sonstwo.

06.02.2023 – Das Tor zur Hölle

Irgendwann im 140er Bus, eine Art Kreuzberg Kieztransfer, wenn die Füße beim Flanieren nicht mehr tragen. Das Rad als Stadterkundungsinstrument ist in Berlin eher ein Himmelfahrtskommando, an immer mehr Ecken weiße Räder als Memento mori für von rechtsabbiegenden LKWS plattgewalzte Radler*innen. Der Kopf des Mannes war fast völlig von Plastikfolie umwickelt. Selbstmordversuch? Irgendein Extrem-Fetisch oder Stimulationssupport? Was Kulturelles, Performance oder ne Pilzinfektion? In Berlin ist alles möglich und es kümmert niemanden, schon gar nicht die Businsassinnen. In Bussen als Kieztransfermittel sitzen tagsüber fast ausschließlich Rentner*innen mit ihren Einkaufswägen, junge Migrations-Mütter mit Kinderkarren, Flaneure wie ich und Durchgeknallte wie der Plastikkopf.

War er durchgeknallt? Seine Zigarette zündete sich der Mann jedenfalls brav draußen an, als er am Kotti ausstieg. Das Kottbusser Tor ist momentan mal wieder zyklisch in aller Munde, zu 50 Prozent leben die Medien vom abkupfern. Das Kottbusser Tor ist in der Phantasie von Provinzlern und Spießerinnen das Tor zur Hölle: Dreck & Drogen. Diese wildgewordenen Phantasien gestatten einen tiefen Blick. Nicht so sehr auf den Kotti. Eher in das Innenleben und die Sehnsüchte der Kleinbürger. Abstoßend. Nein, nicht der Kotti.

Natürlich möchte ich da nicht wohnen und ich kann jede Mutter (Väter sind da oft abgängig) verstehen, die ihre Kinder hier nicht aufwachsen sehen möchte. Ich sitze mitunter im Flanieren da, der Kotti ist von meiner Homebase im Bergmannkiez im eher schicken Kreuzberg aus eine Art Verteilzentrum in die Richtungen Friedrichshain, Neukölln und SO 36, woher unser Plastikkopf vermutlich stammt.

Es stimmt, es ist laut da, dreckig, es stinkt, Pisse, Kotze, und sieht mitunter erbärmlich, für ängstliche Gemüter bedrohlich aus. Aber das ist nur die Erscheinung, der Spiegel zieht in einem angenehm unaufgeregten Artikel das zutreffende Fazit:

„Was ist der Kotti für Sie, Herr Aktürk? »Meine Heimat.«

Wer auch nur mal zwei Stunden in einem orientalischen Café dort Tee getrunken hat, merkt das. Das ist Heimat da.

Hintergrund der Artikel: Die Eröffnung einer Polizeiwache am Kotti. Repression statt Sozialarbeit. Zitat BZ (raten Sie mal, aus welche Hause die stammt): „Donnerstag kamen Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) in die künftige Polizeistation im Herzen Kreuzbergs – und wurden erstmal von Demonstranten beschimpft. Eine Gruppe junger Linker.“

Da läuft der Kleinbürger Amok und die SPD freut sich über zusätzliche Stimmen nächsten Sonntag bei der Wahl. Und nein, hier keine abgehangenen Witze über Berlin Wahlen, Chaos, Flughafen. Wer den Hauch von Freiheit und Anarchie in Berlin schätzt – auch wenn das nur noch ein Mythos ist, nehmen Mythen doch durchaus materiellen Gehalt in unserem Erleben an – der muss auch Chaos-Wahlen in Kauf nehmen. Die ja eh nix ändern, sonst wären sie schon lange verboten.

Schadensbilanz: Ich weiß nicht, wieviel Geld im Drogenhandel täglich am Kotti umgesetzt wird, Tausende Euro? Andrea Tandler ist die Tochter des korrupten ehemaligen CSU-Finanzministers Gerold Tandler, der nach Rücktritt und Einstellung (natürlich, was sonst) der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Geldbuße Vorstandsmitglied der Linde AG wurde. Andrea Tandler sitzt in U-Haft, nachdem sie sich 48 Millionen Euro Provision für korrupte Maskendeals erschlichen hat. Familien-Bande.

Wenn Sie, liebe Leserinnen, demnächst am Kotti über einen Haufen Kotze stolpern, der könnte von mir sein.

04.02.2023 – Handtrainer mit Schütteleffekt

Mein erster Corona-Selbsttest.

Die kamen im Februar vor zwei Jahren auf den Markt. Manche Dinge von Bedeutung klebe ich mittels Magneten an meine Kühlschranktür, als Fortführung der WG-Pinnwände, und mir war klar, dieser Test ist eines davon. Eingerahmt übrigens von Niki de Saint Phalle und dem Magneten eines Fotos von einem Polaroid (da muss man erstmal draufkommen) von Wim Wenders namens „Heinz“ aus einer Polaroid-Ausstellung im ehemaligen Berliner Amerika-Haus, heute C/O.

Im Februar vor einem Jahr überfiel Russland die Ukraine. Zwei Tage vor dem Überfall gab ich den überaus zynischen Rat,  an der Börse zu kaufen, wenn Russland den Krieg beginnt: „Warten Sie, liebe Freundinnen des Börsenwesens, mit dem Einstieg noch, bis russische Panzer und Flugzeuge die Ukraine direkt angreifen. Dann geht’s weiter bergab mit dem Dax und dann: Kaufen, meine Damen! Sie wissen doch: Kaufen, wenn die Kanonen donnern, verkaufen, wenn die Veilchen blühen.“

Der Dax sackte dann auch noch ab, aber weniger als ich gedacht hätte, etwas über 10 Prozent, mittlerweile ist er wieder auf dem alten Stand, wie vor dem Einmarsch.

Ganz anders vor zwei Jahren, innerhalb kürzester Zeit brachen als Folge von Corona alle Aktienindizes weltweit fast 35 Prozent ein, der steilste Absturz der Nachkriegszeit in so kurzer Zeit.

Es geht hier natürlich nicht ernsthaft um Börsenempfehlungen, wenn Sie sowas suchen, lesen Sie Capital, die Wirtschaftsgazette. Die ich nicht empfehle, weil man sich mit Hochglanzpapier schlecht den Arsch abwischen kann. Es ging und geht mir eher um Fingerübungen in Zynismus, aber auch um ein gewisses Grundverständnis kapitalistischer Nationalökonomie. Wer davon kein Verständnis hat, versteht grundsätzlich nicht, was bei diesem System im Zweifel hinten rauskommt. Und es geht darum, was bei aller Negativität daraus gelernt werden kann. Lernen kann man unter anderem die Zweckrationalität, mit der die Schwarmintelligenz der Märkte, der Börsenkurse reagiert, ganz anders als die individuelle Emotionalität der Einzelnen es je könnte. Ich habe beim Einmarsch der Russen ein drohendes atomares Menetekel für nicht unrealistisch gehalten, für mich ist das auch noch nicht aus der Welt. Die Märkte haben das nüchtern und sachlich anders beurteilt. Das ist und bleibt aus ihrer Sicht ein regional begrenzter Konflikt.

Anders als Corona, weltweiter Zusammenbruch der Lieferketten, Produktionsstopp, Konsumeinbruch, macht in summa 35 Prozent Einbruch. Die Märkte sind ethisch blind aber logisch. Das wusste auch schon der Verfasser vom „Kapital“. Empfehlenswerter als Capital.

Märkte, Corona, Krieg … gibt es in diesen düsteren Jahren nicht auch Schönes, Erfreuliches, Herz oder andere Organe Erwärmendes? Wie wäre es mit einem Angebot der Firma Teamsport, mit dem Handtrainer mit Schütteleffekt

In dem Sinne: Entspanntes Wochenende.

01.02.2023 – Das Langzeitgedächtnis funktioniert gut, aber das Kurzzeitgedächtnis …

Tsarskaya Austern. Krisengewinnler lieben sowas, gerne mit Chablis oder Champagner. Mir wurde das Phänomen der Krisengewinnler aus dem ehemaligen Ostblock zum ersten Mal vor vielen Jahren im Urlaub Bildhaft vor Augen geführt, irgendwo im Süden, als auf einmal Restaurants vermehrt Speisekarten auch auf Russisch anboten und der beliebte Cocktail Caipirinha vermehrt in der Variante Caipiroschka auftauchte.

Wie eskaliert der Krieg nun eigentlich weiter? Neulich habe ich im Bundestag ein Gespräch dazu zwischen Vizekanzler Habeck und Jürgen Trittin, dem APO-Opa bei den Grünen, belauscht.

Habeck: „Jürgen, Du alter Komposti, Du warst doch im Zweiten Weltkrieg dabei und bei dieser Vietnam-Sache. Wie lief das eigentlich damals mit der Eskalation des Vietnam-Kriegs?“

Trittin: „Angefangen hatte das Ganze in den Fünfzigern , als die USA Ausbildung und Ausrüstung der südvietnamesischen Armee in der Auseinandersetzung mit der Befreiungsarmee NLF – die von Nordvietnam unterstützt wurde – übernommen hatte. Damit traten die USA erstmals als eigenständiger Konfliktpartner in Vietnam auf und leiteten so ihren späteren Kriegseintritt ein.

Im Wahlkampf 1964 stellte der spätere Präsident Johnson seinen Gegenkandidaten Barry Goldwater als gefährlichen Kriegstreiber dar, der den Vietnamkrieg ausweiten und die USA in einen Atomkrieg mit der Sowjetunion stürzen würde, und versprach, keine Bodentruppen nach Vietnam zu senden.

Nach gewonnener Wahl steigerte Johnson die Anzahl der Bodentruppen dort massiv. Nach einem militärischen Zwischenfall im Golf von Tonking legte die NSA (noch Bösere als die CIA) dem Präsidenten Johnson nur jene 10 % des für den Zwischenfall relevanten Funkverkehrs vor, die einen Angriff des Gegners Nordvietnam nahelegten, den Rest, der dagegensprach, unterschlug die NSA.  Johnson ordnete noch am selben Abend erste Luftschläge auf Hanoi an, die Hauptstadt Nordvietnams.

Danach eskalierte der Krieg permanent und endete zehn Jahre später, nach Millionen Toten, Vertriebenen, Verwundeten und einer radikalen Zerstörung weiter Flächen Südostasiens mit einer demütigenden Niederlage der USA.

Habeck: „Ach Du Scheiße, da zeichnen sich ja Muster ab. Aber Danke einstweilen, toll, dass Du Dich noch erinnern kannst. Das nächste Mal musst Du mir mal was über Stalingrad erzählen.“

Trittin: „Das Langzeitgedächtnis funktioniert gut, aber das Kurzzeitgedächtnis … Hilf mir da mal weiter, bei welcher Partei bin ich eigentlich. Die Grünen können es ja nicht sein, so wie die im Moment Kriegstreiber sind…“

Habeck: „Ich muss weiter, heute Abend Talkshow im ZDF, wegen Krieg und so. Man sieht sich, Tschüssikowsky.“

Am Abend sprach sich Habeck dann vehement gegen eine Lieferung von Kampfflugzeugen aus, nicht nur aktuell, sondern grundsätzlich. Begründung: „Moderne westliche Kampfjets müssen von den Lieferländern gewartet werden. Damit könnten wir den Schritt zu weit gehen, um Kriegspartei zu werden“.“

Nach Ausrüstung kommt Ausbildung, im Verbund mit Wartungspersonal. Das sind kriegerische Handlungen.

 Eine Zäsur, ein massiver Eskalationsschritt wird sein, wenn die ersten Ausbilder aus der Nato an der Front gefangengenommen und in den russischen Medien vorgeführt werden.

Es geht hier nicht darum, Russland von seiner Schuld zu entlasten. Russland ist der imperialistische Aggressor in diesem Krieg und die Verantwortlichen gehören vor ein Kriegsgericht. Es geht hier darum, Eskalations-Mikroprozesse festzuhalten, an deren Ende …..

31.01.2023 – Börsentipp der Woche: Aktien von LVHM, weltweiter Branchenführer der Luxusgüterindustrie.

Die Ukraine ist nach Russland das korrupteste Land in Europa und nach Belarus, Bosnien-Herzegowina und Russland das am wenigsten demokratische. Wenn Sie sich in der Liste anschauen, wo die ehemaligen Staaten des Ostblocks, zum großen Teil Mitglieder der EU und der Nato, in diesen Indizes geführt werden, kann es einen nur gruseln. Der demokratische Transformationsprozess ist dort fast komplett gescheitert, Tendenz: verschlimmernd, und einer Seuche gleich sickern diese Delegitimierungs-Prozesse in Mittel- und Westeuropa ein.

Die osteuropäischen Staaten sind nahezu durchweg nationalistisch und regelrecht imperialistisch aufgestellt. Jeder durchgeknallte Großungar  stellt Gebietsansprüche an alle Nachbarländer. Von den balkanesischen Konflikten wollen wir gar nicht erst anfangen, die versteht doch kein Schwein mehr. Völkischer Wahn, imperialistische Großmannssucht, wohin man blickt, und vermutlich hält nur die Knute der Mitgliedschaft in EU und Nato die Bekloppten davon ab, kriegerisch übereinander herzufallen. Das Kapital, und hierfür sei es gelobt und gepriesen, hat ein Interesse daran, dass die Geschäfte da unten nicht durch Kriege gestört werden. Nimmt aber Kollateralgewinne wie im Ukrainekrieg gerne mit.

Nach klassischer Imperialismustheorie sollen nun die Unterdrückten aller Länder keinesfalls die Interessen ihrer Unterdrücker wahrnehmen und sich gegenseitig abschlachten im Krieg dieser Imperialisten. Vielmehr sollen sie sich über die Grenzen verbrüdern und verschwestern und die Waffen gegen die Unterdrücker und Imperialisten im eigenen Lande richten.

Das wäre bei der Verfasstheit der Unterdrückten in allen Ländern das Allerletzte, was sich ein undogmatischer Linker wünschen kann. Die Korruptheit der herrschenden Klassen, nicht nur im Osten, wird nur durch eins übertroffen: Durch die Korruptheit der Unterdrückten. Da reicht oft ein Facharbeiterlohn aus und schon geht jede internationale Solidarität den Jordan runter. Beim Prekariat handelt es sich oft mangels materieller Masse um eine rein moralische Korruption.  

Sie werden also verstehen, dass mir der ganze Osten inklusive Ukraine egal bis zuwider ist und ich nur einen Wunsch habe: Frieden, koste es, was es wolle. Der Frieden nämlich ist Voraussetzung und Grundlage für Freiheit, nicht notwendigerweise, aber hinreichend. Freiheit, jenes abstrakte Konstrukt in den Köpfen unserer freiheitsvergötternden Bellizisten, die am liebsten persönlich hunderte von Starfighter in die Ukraine überführen möchten, ist keinesfalls Grundlage für Frieden, wie allein ein kurzer Blick in die Liste der kriegerischen Nato Aggressionen zeigt.

Zum Ausmaß der Korruption in der Ukraine: Die Fußball-EM 2012 dort kostete das Sechzehnfache der EM 2008 . Die fand in Österreich und der Schweiz statt, wo Preise und Löhne ein Vielfaches der ukrainischen betragen. Eine derartige durch Korruption getragene Kostenexplosion ist einmalig in der Geschichte von Sportgroßereignissen.

„Wir“ werden Milliarden im Zuge des Wiederaufbaus in der Ukraine investieren und die landen großenteils sicherer als das Amen in der Kirche in den Taschen von Oligarchie und Mafia. Das ist nichts weiter ist als ein gigantisches Investitionsprogramm in die Luxusgüterindustrie, Schampus, Edelklamotten, Klunker etc, auf sowas stehen die Krisengewinnler aller Länder.

Also mein bombensicherer Börsentipp der Woche exclusiv für Sie, liebe Leserinnen: Aktien von LVHM, weltweiter Branchenführer der Luxusgüterindustrie. Dessen Aktie sind seit der Jahrtausendwende, dem Beginn des Zeitalters der Polykrisen, um über 2.000 Prozent gestiegen

29.01.2023 – Lieber Vier-Sterne-Restaurant als Vier-Sterne-General.

Winterlinge lugen vorwitzig ins Offene.

Wenn auch nur die Hälfte von dem eintritt, was ich hier im Blog seit Jahren munter vor mich hin menetekele, wird die Welt ein Ort, angesichts dessen ich froh sein werde, bereits die Hälfte meines Lebens hinter mir zu haben. Mindestens die Hälfte, vielleicht sogar schon ein Drittel.

Das Geunke und Geraune hier hat einen außerordentlich positiven kathartischen Effekt, jedenfalls für mich: Im normalen Leben bleibe ich, gereinigt durch Schreiben von der Gedanken Schwärze, ein überwiegend putziger Geselle und verbreite selten Düsternis um mich. Selbst Meldungen von heute wie: „General der US-Air-Force erwartet in zwei Jahren Krieg mit China“, verfinstern mein Gemüt nicht und bestärken mich in meiner Meinung: Lieber Vier-Sterne-Restaurant als Vier-Sterne-General.

Im Gegenteil: Die Bestätigung durch tagesaktuelle Meldungen meiner apokalyptischen Sicht des Ganges der Dinge erfreut mein rechthaberisches Gemüt über alle Maßen, verdichtet jede Meldung doch die Wahrscheinlichkeit des Eintretens meiner Prognosen und versetzt mich im  schlimmsten aller Fälle, dem atomaren Feuer auf Erden, in die Lage, stolz zu verkünden, hier exclusiv im Blog für Sie, liebe Leserinnen:

Siehste, ich hab’s doch gleich gesagt.

Ich kann’s kaum erwarten, diesen süßen Kelch der Genugtuung zu schlürfen. Vorerst aber trete ich angesichts der Winterlinge beiseite und überlasse einem Größeren das Wort, Friedrich Hölderlin, um jene Zuversicht und Trost zu spenden, welche nur die Poesie vermag:

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute

Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.

Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes

Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.

Trüb ists heut, es schlummern die Gäng‘ und die Gassen und fast will

Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.

Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer

Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.

27.01.2023 – Wie der Russe halt so ist. Der Ami aber auch.

Meine persönliche Weltuntergangsuhr steht seit Jahren auf 5 nach 12. Es ist eine Bundesbahnuhr. Welch feine Ironie (Für Bahnfreaks: Alte Miniatur Eisenbahn-Laterne mit Junghans Uhr). Im Sommer ist sie von Wein zugerankt, im Winter lacht mich das postapokalyptische Symbolgrauen in voller Pracht an.

Die reale Weltuntergangsuhr steht seit dem 24.01.23 auf einem neuen Rekordwert, auf 90 Sekunden vor 12. Begründung: „ ….  dass „die russische Invasion in der Ukraine das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen erhöht, das Gespenst des Einsatzes biologischer und chemischer Waffen heraufbeschworen, die Reaktion der Welt auf den Klimawandel lahmgelegt und internationale Bemühungen behindert hat, andere globale Probleme anzugehen.“

Mal sehen, wo die Uhr nächstes Jahr steht.

Ab einem bestimmten Punkt wird der Russe, der Ami aber auch, so sind die Beiden nun mal, Atomwaffen einsetzen im Zuge der Eskalationsspirale. Wir wissen nur nicht, wann. Wir wissen nicht, ob der Ami die Zerstörung von New York und Washington für die Verteidigung von Riga, Reval oder Berlin riskiert, wie das laut Artikel 5 des Nato-Vertrages geboten wäre . Mein Tipp: Tut er nicht. Aber wissen weiß ich das auch nicht. Wir wissen sehr viel zurzeit nicht. Wir wissen Stand heute, dass der Ami (und der Franzmann) Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern würde. Morgen sind wir schlauer.

Steht das, was wir zurzeit riskieren, in einer ethisch vertretbaren Relation zu unserem Nichtwissen?

Wenn Sie wissen wollen, warum meine Doomsday Clock auf 5 nach 12 steht, obwohl die Welt noch nicht in Scherben gefallen ist, zumindest bei uns in Mitteleuropa nicht, dem möchte ich mit einer kleinen Anekdote vom Lande weiterhelfen. Wer wie ich agrarisch sozialisiert ist und Hausschlachtungen miterlebt hat, weiß, dass geköpfte Hühner noch längere Zeit mit den Flügeln flattern, mitunter kopflos auf dem Hof rumrennen. Vitalfunktionen sind noch erhalten, obwohl die Rübe runter ist.

Oder um in der Scherben-Analogie zu bleiben: Mitunter hat die Schüssel schon einen Sprung, hält aber die Suppe noch. Noch.

So, jetzt geh ich auf die Veranda und stelle meine DB-Uhr auf 6 nach 12. Und dann ab in die Küche. Hühnerbrühe kochen.

 Entspanntes Wochenende, liebe Leserinnen

26.01.2023 – Düstere Aussichten

Schon wieder Schnee, Dunkelheit, Kälte. Wo bleibt der Klimawandel, wenn man ihn mal braucht. Auch sonst sind die Aussichten düster. Kaum sind ein paar Panzer zugesagt, kommt die Forderung nach Kampffliegern, Langstreckenraketen und Atomwaffen. Letzteres nicht explizit, das hab ich mal als logische Extrapolation der Eskalationsspirale dazu gedichtet. Kriegsmännerphantasien delirieren von den paar Leopold-Panzern als Durchbruch. Feuchte Träume. Blick in den Rückspiegel: Bei der größten Panzerschlacht der Geschichte 1943 bei Kursk waren auf Seiten Nazi-Deutschlands und der Sowjetunion insgesamt mehrere tausend Panzer beteiligt. Auch wenn dadurch die Offensive der Nazis gestoppt wurde, ein Durchbruch war das noch lange nicht, der Krieg ging noch über anderthalb Jahre mit zig Millionen Opfern weiter. Soviel zu den paar Leopold, wie sie unser neuer Schutzmann Schneidig Pistorius wohl mal genannt hat, und wir im Rahmen unserer Kreuzberg WG sie weiter bezeichnen. Das hat was österreichisch-gemütliches.

Des Weiteren diskutieren wir intern gerade das Verhalten im Ernstfall. Ich: „Mein Notfallrucksack für die griechische Insel ist gepackt, eine Flasche Crémant, eine Handvoll Silberdollar, Papiergeld ist dann eh nur noch für den Arsch, ein Beutel Gras zwecks Naturaltausch und eine Handvoll Samen, für eine nachhaltige landwirtschaftliche Zukunftssicherung.“

Aber will man das im Ernstfall, auf ner griechischen Insel, wenn hier alles in Schutt und Asche liegt. Dann lieber direkt ins Herz der Bestie zum final-schnellen Verdampfen. Zumal in Berlin gerade eine Ausstellung mit der phantastischen Nan Goldin läuft . Was Lou Reed im Rock‘n Roll war, ist Nan Goldin für die Fotografie. Jede Menge White light, white heat  …. Was wohl auch die Platte für meinen Notfallrucksack wäre: Rock n Roll Animal. Im Vergleich zu der Platte wird meine eigene Beerdigung eine Karnevalssitzung, was den Heiterkeitsfaktor angeht. Aber die Welt ist der Fall.

23.01.2023 – Zivilisation ist die Fortsetzung der Barbarei mit kultivierteren Mitteln.

Gestern Morgen Blick in den Garten. Freundinnen der Natur mögen ob des Anblicks in Verzücken geraten, ich setzte mir sofort die Hasskappe auf. Winter, kalt, dunkel, nass, Matsch, glatt, ausrutschen, Oberschenkelhalsbruch, Tod, das war und ist ungefähr die Assoziationskette, die mich winters begleitet. Den Winter empfinde ich als völlig überflüssige Erfindung. Es ist die Zeit von Husten, Schnupfen, Heiserkeit, man kann nicht grillen, kein Gras anbauen und muss stattdessen heizen. Kostet Geld, so wie Winterflucht in den Süden. Der Winter ist schrecklich.

Romantiker zieht es bei Anblicken wie dem Obigen hinaus in die Natur. Da haben wir dann eine Trias des Grauens beisammen: Winter, Romantik, Natur.

Winter …. siehe oben. Die deutsche Romantik mündete geradewegs im Nationalsozialismus. Und wenn ich das Wort Natur nur höre, möchte ich gleich meine Pistole entsichern, lauert hier doch der Kitsch hinter jedem Baum. Und da wo Kitsch lauert, ist Pathos nicht fern. Was wiederum todessehnsüchtiges Merkmal von Faschismus ist, wie wir gerade in Russland sehen, wo der klerikal-faschistische Todeskult mörderische Urständ feiert, Motto: Leben wird überbewertet.

Eine freie, unverfälschte, reine Natur gibt es nicht mehr. Wollen wir hierzulande so etwas fördern wie Urwald, Brachflächen etc. ist dafür ein unglaublicher bürokratischer Planungs-, Organisation und Kontrollaufwand nötig; Und tritt uns der vermeintliche Urzustand Natur in wölfischer Form des canis lupus gegenüber und zu nahe, verfällt die Gesellschaft umgehend in einen fast mörderischen Kultur(!)kampf Pro und Contra.  

Die Moderne, die Zivilisation tritt der Natur in zwei Gewändern gegenüber: Vernichtung und Überhöhung. Jeden Tag werden in Deutschland aus Profitgründen über 100 Fußballfelder planiert, betoniert und ein Vielfaches wird unwiederbringlich einem halbwegs ausgeglichenen, sich selbst regulierenden Zustand entrissen und in eine scheinbar grüne, aber fast tote und Artenbefreite Industrielandwirtschaftszone umgewandelt.

Auf der anderen Seite gibt es einen alles übertönenden Schlachtruf der Moderne: Zurück zur Natur. Bloß raus aus der Stadt. Selbstversorgend jeder auf der eigenen Scholle werkeln, natürlich alles Öko, koste es, was es wolle. Das ist wie aller Kitsch unreflektiert und reaktionär. Früher hätte ich gesagt, es ist deshalb reaktionär, weil es in der Tradition des Antimodernismus steht. Also Gegenzivilisatorisch wirkt, in der Polarität Zivilisation vs. Barbarei.

Bei nüchterner Betrachtung bleibt allerdings angesichts aktueller Entwicklungen festzustellen:

Zivilisation ist lediglich die Fortsetzung der Barbarei mit kultivierteren Mitteln.