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25.04.2025 – Wir haben eine Päpstin

Denn siehe, ich bin der Erleuchtete, aus mir spricht der Herr. Blödsinn, Lötzinn, natürlich die FRAU. Und daher werden wir eine Päpstin haben. Am 35. Mai.

Dieser sakrale Kitsch, der im Moment anlässlich des Papst-Todes aus allen Volksempfängern dringt, ist kaum zu ertragen. Ernsthaft mit sowas auseinandersetzen würde ich mich nur, wenn es nach einer Papstwahl heißt: „Wir haben eine Päpstin.“ (Habemus mamam?) Und der Rauch, der dabei emporsteigt, deutlich nach Marihuana riecht. Aber selbst die Wahl einer schwarzen Lesbe zur Päpstin würde nicht sicher verhindern, dass da wieder nur dummes, reaktionäres Zeug aus dem Vatikan quillt. Frauen, Schwarze, Lesben haben genauso das Recht auf dummes, reaktionäres Zeug wie weiße, alte Männer. Wie Kardinal Woelki, der Schutzheilige aller sakralen Kinderficker, der jahrelang über deren Schandtaten seine Soutane deckte. Wer weiß, was darunter noch so alles passierte. Woelki darf den Papst mitwählen. Das ist ungefähr so witzig, als ob Putin an der Spitze einer Osterfriedensdemo mitmarschieren würde. Hohoho. Da kriegt der vollständige lateinische Spruch nach erfolgter Papstwahl seine tiefere Bedeutung: „Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus papam“ Ich verkünde euch eine große Freude: Wir haben einen Papst). Gaudium magnum, eine Mordsgaudi. Schenkelklopfen allenthalben. Da der christliche Aberglauben immer noch nicht zu unterschätzenden Einfluss und Macht in unserer Gesellschaft hat, positionieren sich entlang dessen Ideologie zurzeit rechte Mitglieder der CDU-Stahlhelmfraktion wie Julia Klöckner. Mit Aussagen, dass die Kirchen sich mit politischen Aussagen zurückhalten und sich lieber um das Seelenheil des Mobs kümmern sollten. Angesichts der Tatsache, dass gerade die katholische Kirche jahrzehntelang auch von den Kanzeln herab gegen jeden Fortschritt im Lande agitierte, von der Abtreibung über Gleichberechtigung bis hin zur Schwulenehe, eine berechtigte Forderung. Einfach mal die Fresse halten.

So meinte es Klöckner natürlich nicht. Sie meinte, die Kirchen sollten nix zu Tempobegrenzung und Klimagedöns sagen. Diese Aussage ist so grotesk dämlich und verlogen, dass ihr sogar liberale Christengenossen dazwischen grätschten. Ob Klöckner bei ihrer Aussage als ehemalige deutsche Weinkönigin von 1995 immer noch vom edlen Riesling dauerbenebelt war, wissen wir nicht. Eins ist sicher: Sie positioniert sich damit neben Spahn, Frei und anderen deutschnationalen Herrenreiterinnen klar am rechten Rand, für eine zukünftige CDU/AfD-Koalition. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die SPD-Mitglieder ihrem Postengeilen Spitzenpersonal die Gefolgschaft in den Untergang in einer Regierungskoalition verweigern und die CDU ihre schwarzbraune Suppe in einer Minderheits (leider nicht: Minderheiten)-Regierung auslöffeln muss. Profitieren wird so oder so die AfD.

Was bleibt, ist Riesling.

18.04.2025 – Ins eigene Knie gefickt

Kreuzberg 1, Graefekiez. 33 qm, 1.390 Euro.

Kreuzberg 2. Herrengedeck 3,50 Euro. Eine Flasche Kindl und ein Korn. Bei mir umme Ecke, drei Minuten zu Fuß.
Den Graefekiez trennen von der Herrengedeck-Kneipe „Gaststätte am Kreuzberg“ mit dem Radl 12 Minuten. Und Welten. Die Menschen, die in der untergehenden Sonne beim Herrengedeck auf den zauberhaften Viktoriapark schauen, haben im Normalfall keinen Zugang zur Lebenswelt von Menschen in Wohnungen im Graefekiez mit einem Quadratmeterpreis von 42 Euro. Sie alle leben aber in einer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die gegen derart perverse Mietauswüchse seit Jahren keine nachhaltige Handhabe findet.
Da die perversen Mietauswüchse aber wie ein Krebsgeschwür langsam und unaufhaltsam vom Graefekiez in Richtung Herrengedeck wuchern, kommen beide Parteien doch zusammen. Ohne es zu wissen, hinter ihrem Rücken. Die, denen irgendwann ihr Herrengedeck aus der Hand geschlagen wird, weil die „Gaststätte am Kreuzberg“ die Miete nicht mehr zahlen kann und einem Sternerestaurant weichen muss, von denen es in Berlin so viele wie nirgendwo in der Republik gibt, wehren sich ja jetzt schon auf ihre Art. Sie wählen die AfD.
Und die wird irgendwann mit den Kindern der gutsituierten Grünen-Wähler*innen, die sich locker mal ein paar Monate Party in Berlin für 1.390,- Miete im Monat leisten können, einen ganz anderen Tanz aufführen, als jenen, den es auf dem Karneval der Kulturen oder in den Clubs wie Gretchen, Wilde Renate etc. gibt. Die Vorlage für dieses Drehbuch gibt es schon lange, seit ca. 100 Jahren. Dort existierte in der Zossener Straße, 10 Minuten zu Fuß vom Herrengedeck, eine der Subkulturen der Weimarer Republik, Huren, Dichter, Schwulenlokale. Die Zossener Straße bildete eine Inspiration für das Drehbuch zum Film „Cabaret“ , auf der Basis der Romane von Christopher Isherwood. Die Protagonist*innen der Zossener Straße landeten später in den Lagern der Nationalsozialisten und wurden dort nicht selten zu Tode geprügelt.
Ich habe keine Glaskugel und es ist vielleicht zu dialektisch um drei Ecken gedacht. Aber auszuschließen ist es nicht, dass sich die Protagonist*innen des Graefekiezes mit ihren 42 Euro pro Quadratmeter, sei es als Mieter oder Vermieterin, ganz gewaltig ins eigene Knie ficken.
Ich müsste aber lügen, wenn ich behaupte, das mir derartige Gedanken in der Abendsonne beim Genuss eines Herrengedecks durch den Kopf gehen… Die sind eher Kopfgeburten am Tag nach der Nacht. Sozusagen intellektueller Kater.

17.04.2025 – Alles scheissegal

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Regierungsviertel Berlin. Unter anderem Sitz der Parlamentsbibliothek. Großartige Architektur, luftig, filigran, freundlich, offen. Stellt mit der Brücke über die Spree zum Paul-Löbe-Haus symbolisch die Überwindung der Ost-West Spaltung dar. Hier verlief die Grenze. Das mit der Überwindung der Spaltung hat in Berlin prima geklappt, im Rest der Republik ist das voll in die Hose gegangen.

Auch der Anspruch der Architektur im Regierungsviertel, eine demokratische zu sein, ist nur ein ideologischer. Ihr Anspruch, ihre Behauptung wird gerade von der Realität überrollt. Es sind keine Braunhemden mehr, die sich im Reichstag breitmachen, sondern gutbürgerliche schwarze Anzüge, aber der Geist, der in ihnen steckt, ist genau der gleichdreckige, niederträchtige. Und diesen Kohorten des Ungeistes wollen die von historischer Blindheit Geschlagenen der CDU Ausschussvorsitze zubilligen. Was glauben diese Demokratie-Irren wohl, was sie damit erreichen bei den Faschisten? Wohlverhalten? Mäßigung? Kooperationswilligkeit? Was für eine selbstmörderische Dummheit. Das wird die Schwarzanzüge nur noch radikaler, brutaler und siegessicher machen. Manchmal denke ich, bei diesen gnadenlosen Opportunisten der Demokratie , die da in den Reichstag eingezogen sind auf die Regierungsbänke, macht sich umgehend nach dem Einsortieren an den Fleischtöpfen der Macht ein Gefühl breit von „Alles scheissegal „.

Wenn man mal in Berlin gelebt hat, kann man in keiner anderen westdeutschen Großstadt mehr leben. Dieser Dreck hier, die Atmosphäre von „ Nicht arbeiten“, dieses „Alles scheissegal“ Gefühl, der Hauch von Freiheit und Abenteuer, all das gibt es in keiner anderen Großstadt.

Dieser Mythos, zitiert nach meinem Kreuzberger WG-Genossen, und etwas anderes als ein Mythos ist es nicht mehr, hängt Berlin immer noch in den immer schicker werdenden Kleidern.

Wie lange noch?

14.04.2025 – Was sich derzeit auf der politischen Bühne abspielt, ist so erbärmlich und lächerlich

Und am Horizont liegt das Meer. Glück kann man nicht nachfühlen. Logisch, dann wäre es ja kein Glück mehr, weil Glücksmomente unplanbar, kurz, flüchtig sind. Man kann sich höchstens an Situationen von Glück erinnern. Für mich sind Glücksmomente unter anderem die der ersten Annäherung an das Meer, nach einer langen, vielleicht anstrengenden Anreise, Planung, Stress, dann im Zimmer alles liegen lassen, die Vorfreude baut sich langsam auf, wenn man über Sand stapft, die Schuhe abstreift, die Nase für den Geruch des Salzes weitet und irgendwann, vielleicht wenn man das Meer hört, füllt das die Brust mit dem, was im letzten Grunde unsagbar ist: Glück.
In Zeiten wie diesen kostbarer denn je. Also Reisen planen. Ob dann am Ende des Regenbogens ein Topf Glück liegt, wird sich weisen. Was dagegen hierzulande am Ende der Koalitionsverhandlungen liegt, riecht mitunter eher nach brauner Scheiße.
Jens Spahn, CDU-Rechtsausleger und Kanzleraspirant für 2029, bringt sich in Stellung und normalisiert schon mal vorab den zukünftigen Koalitionspartner, die Faschisten von der AfD. Zitat laut Blöd: „Mit der AfD als Oppositionspartei so umzugehen in den Verfahren und Abläufen wie mit jeder anderen Oppositionspartei auch.“ Also dann auch bei einem Verfahren wie einer Regierungsbildung und Kanzlerwahl
Die wahren Täter in diesem Schmierenstück sind übrigens laut Blöd die Grünen, denn sie „wüten“ gegen Spahn. Spahn hingegen wird vom Zentralorgan des Mobs in Schutz genommenn, siehe letzter Absatz, das gibt schon mal den Takt des Boulevards für eine Regierungsbildung mit Faschisten vor. Es ist der Takt des Badenweiler Marsches, rechts, zwo, drei, vier, Hitlers Lieblingsmarsch.
Die Stahlhelm Fraktion in der CDU macht also wieder mobil. Die Stahlhelmer waren als militante Frontsoldaten des ersten Weltkriegs Demokratiefeinde und Wegbereiter der Nazis . Nach dem Krieg wurde so der äußerste rechte Rand der CDU bezeichnet. Nun also Spahn, der die AfD normalisiert, wie viele andere in der CDU. Diese hanebüchene Vorstellung, man könne Faschisten einbinden, entzaubern ist ein selbstmörderischer Trugschluss der Bürgerlichen seit 100 Jahren. Siehe unter anderem Franz von Papen, ein Wegbereiter der Nazis, der das nur durch Glück überlebt hat .
Das erbärmliche Abbild der sich anbahnenden CDU/SPD-Koalition ist ein Booster ohnegleichen für die AfD. Bevor sie überhaupt im Koalitionsbett liegen, kriegen die sich schon wie die Kesselflicker in die Wolle. Und in ihrem Programm ist nichts, was den prekären Massen und der abstiegsbedrohten Mitte der Gesellschaft jenen Treibstoff nehmen könnte, der den Turbo für die Faschisten bildet: Angst. Was sich derzeit auf der politischen Bühne abspielt, ist so erbärmlich und lächerlich, dass das Stück eindeutig Genre-mäßig zuzuordnen ist: Groteske.
Wo wir schon mal bei Parallelen und historischen Vergleichen sind: Ich empfehle Jens Spahn den Blick in den Rückspiegel: Ernst Röhm ..
Unfassbar, dass in heutigen Zeiten ein Schwuler wie Jens Spahn denjenigen Avancen macht, die ihn später mal ohne zu zögern … ja, was? Ins Lager stecken? Die auf jeden Fall heutzutage schon mal Menschen totschlagen, die sich jenseits heteronormativer Orientierung bewegen.
Kein Wunder, dass ich in meinen Phantasien privatisiere, ins individuelle Glück der Meere eintauche. Aber es geht auch anders. Dazu demnächst mehr.

11.04.2025 – Sobald man an der Fassade kratzt, kommt die hässliche Fratze der Klassenverhältnisse zum Vorschein.

Endlose Weiten auf Juist, der Insel der Immobilien-Millionäre.
Seminar in einer Bildungsstätte auf Juist, für Menschen mit wenig Geld. Es geht um Selbstermächtigung, Teilhabe, vor dem Hintergrund von konkreten Projekten, wie Formate für Bürgerfunk, Social Media und, in meinem Workshop, um öffentliche Aktionen, Interventionen. Mein Workshop entwickelte die Idee, auf der Insel eine Aktion zu Bürgergeld durchzuführen und die Presse dazu einzuladen, um auf die völlig unzureichende Ernährungssituation im Bürgergeld hinzuweisen: 6,50 Euro pro Tag. Auf Juist kostet ein Aperol schon 10 Euro. In der PM wurde auch die Frage nach der Situation der Saisonarbeitskräfte auf der Insel gestellt. Saisonarbeitskräfte werden oft ausgebeutet, was Lohn, Arbeitszeit, Unterbringung angeht. Auf den Nordseeinseln kommt dazu: Lebensmittel sind wegen der Transportkosten mit Fähren zwischen 30 bis 50 Prozent teurer.
Auf den deutschen Nordseeinseln dürfte das tausende von Saisonarbeitskräfte betreffen, oft aus Osteuropa. Im Internet fanden wir darüber: Nichts. Außer dass die Inseln solche Kräfte suchen. (Hinweis an die Insulaner: Im Kapitalismus wird der Markt über Angebot und Nachfrage geregelt. Wenn Saisonarbeitskräfte gut bezahlt werden, sagen wir mal, auf Niveau Studienrat, hat sich das Problem innerhalb einer Saison erledigt. Dann überleg ich mir sogar, ob ich da arbeite. Vielleicht als Eintänzer im Grandhotel ….)

Bei der Aktion sollten Beutel mit Nahrungsmitteln, die den erbärmlichen Bürgergeld-Tagessatz abbilden, verteilt und an einem zentralen Insel-Platz in der Nähe der Fähre ausgelegt werden. Ob das die erste Aktion dieser Art dort war, entzog sich unserer Kenntnis. Sie hatte aber „zündende“ Wirkung vorab. Am nächsten Tag, kurz vor Versand der PM, fand ein Krisengespräch zwischen den Seminar-Verantwortlichen auf unserer Seite statt und denen der dortigen Bildungsstätte. Fazit: Wenn die Aktion (mit Presse…?) stattfindet, gefährdet das Arbeitsplätze und Fördermittel der Bildungsstätte. Begründung, und da wurde es nebulös: Das Verhältnis zwischen Bildungsstätte und Gemeinde Juist sei angespannt und könnte die beschriebenen Konsequenzen nach sich ziehen. Da wir das in der Kürze der Zeit nicht hinterfragen konnten, haben wir natürlich die Aktion nicht durchgeführt. (Stattdessen wird eine ähnliche im Sommer vor dem Bundeskanzleramt stattfinden. Details demnächst.)
Es blieben Fragen … Wieviel Angst herrscht auf dieser Insel vor, was die „Störung“ des jahrelang ungestörten Ablaufs des Betriebes angeht? Was für ein Verständnis von Öffentlichkeit, Teilhabe und Demokratie herrscht dort vor? Was für Binnenverhältnisse herrschen auf dieser Insel, auf allen Nordseeinseln? Inseln sind relativ hermetische, abgeschottete Orte, wo man (Gewerkschaften, Medien, Kirchen) nicht mal eben recherchieren und intervenieren kann. Nur nach Sylt fährt die DB. Wo ab und zu Punker die Insel mal aufmischen und bei Einheimischen die Sehnsucht nach Adolf Hitler hervorrufen.
Statement eines TN aus dem Workshop: Die da oben wollen immer, dass wir Angst haben sollen.
Dass da nicht mal einer auf die Idee kommt, in einer Nacht- und Nebelaktion Plakate zu kleben mit dem Hinweis: Hier werden Saisonarbeitskräfte ausgebeutet. Ud das dann den Medien steckt….

Häuserzeile Juist, mit Seeblick.
Es ist immer so in der bürgerlichen Gesellschaft: Sobald man an der Fassade kratzt, kommt die hässliche Fratze der Klassenverhältnisse zum Vorschein.
Was bleibt, ist die Frage an alle Immobilienbesitzerinnen, Aktieninhaber und Portfolioverwalter angesichts des extremen DAX-Gewinnes heute Morgen: Sie haben doch hoffentlich antizyklisch gestern Aktien gekauft? Niemals mit der Meute rennen….
Wir sehen uns. Auf Juist oder wo auch immer ….

06.04.2025 – Rot Front, Genosse Großbauer!

Gras-Sorte Black Domina im Freiland-Versuch unter Bedingungen des Klimawandels. Allgemein wird seit Jahrzehnten empfohlen, Graspflanzen nicht vor den Eisheiligen, also Mitte Mai, ins Freie zu pflanzen. Die Klima-Zeiten haben sich geändert und das teste ich zurzeit anhand Black Domina. Stand 06.04.2025: Black Domina überlebt auch bei Temperaturen um 0 Grad, wie letzte Nacht. Das frühere Auspflanzen verlängert die Vegetationsphase und erhöht damit den Ertrag. Die Angaben in der „Fach“literatur – soweit man bei Werken, die von auf Grund von Dauerkonsum verblödeten Kiffern verfasst werden, davon überhaupt sprechen kann – müssen also aktualisiert werden.
Wir werden das Thema Selbstversorgung im Auge behalten. Die Zeiten werden härter und wohl dem, der angesichts dramatisch steigender Zölle selber Handelsware besitzt und sei es auch nur für den Naturaltausch. Wer also Obst und Gemüse im Bio-Eigenanbau anzubieten hat, kann sich gerne bei mir melden. Aktueller Kurs: 2 kg heimische Bio-Äpfel gegen 1 Gramm Black Domina. Soll ja bekanntlich demütig machen ….
Zum hiesigen Geschrei über Trumps Zölle: Es sei daran erinnert, was Trump mit Zöllen veranstaltet, macht die EU, die BRD, mit Subventionen. Jeder Bauer wird hierzulande mit 48.000 Euro subventioniert . Im Durchschnitt, die agrarisch-industriellen Großbetriebe natürlich entsprechend mehr. Daher sind Nahrungsmittel bei uns extrem günstig und die Bauern produzieren und exportieren auf Teufel komm raus. Jahrzehntelang hatten wir gigantische Butterberge und Milchseen auf Halde, die schmelzen zyklisch ab und schwellen wieder an. Die EU setzt unter anderem über die Welthandelsorganisation WTO , Hand in Hand mit multinationalen Konzernen, ihre Terms of Trade durch. Heißt: Sie zwingt Staaten des globalen Südens, ihre Grenzen zu EU-Bedingungen zu öffnen, überflutet die Märkte dort mit hochsubventioniertem EU-Dreck, der die einheimischen Märkt kaputt macht, die dortige Fauna und Flora nachhaltig verändert und die Kultur in westliche Kategorien presst. Siehe Hähnchen Export nach Afrika . (Nach dem gleichen Schema wurde in Afrika das einheimische Schneiderhandwerk kaputt konkurriert durch subventionierten Export von hiesigen Altkleider-Klamotten).
Unter normalen Markt-Bedingungen gäbe es hierzulande seit Jahren keine klassische Landwirtschaft mehr. Im Übrigen würde dadurch auch der Migrationsdruck gemildert. Logischerweise kommen die durch die EU in die Armut Getriebenen zu „uns“, in die EU, koste es, was es wolle. Es ist also ein völlig irrsinniges System und kein Politiker hierzulande hat das Recht, sich über Trumps Zölle das Maul zu zerreißen, wenn er nicht im gleichen Atemzug auf die Schweinereien der EU hinweist.
Das Einzige, was mich an dieser Causa erfreut: Dass wir in weiten Teilen unserer Wirtschaft, nicht nur der Landwirtschaft, seit Jahren ein funktionierendes System haben, dass der Kapitalismus eigentlich vor 35 Jahren vom Markt konkurriert hatte, mit allen desaströsen Folge-Erscheinungen wie aktuell die Wiederkehr des Faschismus. Das System hieß Sozialismus und was in der Landwirtschaft zur Zeit praktiziert wird, ist nichts anderes als Sozialismus. Der Staat hält eine spezifische Art der Produktion am Leben und externalisiert die Risiken.
Rot Front, Genosse Großbauer. Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.
Ich muss wieder in den Garten, weiter an der Grundlage für Handel und Wohlstand arbeiten. Sonnigen Sonntag, liebe Genossinnen.

03.04.2025 – Zauberhafte Abgründe

Umstände, die demnächst näher zu würdigen sind, verschlugen mich auf die Insel Juist. Strahlende Sonne, die das wintermüde Antlitz wärmt, Luft wie Champagner (keine Autos), bis zum Horizont menschenbefreiter Strand, endloses Rauschen der Wellen,  es scheint paradiesisch.

Es ist das Abbild der Klassengesellschaft: Schöner Schein, aber wenn man dahinterblickt, stellen sich Fragen, tun sich Abgründe auf und mich dünken diese ganzen Inseln mitunter wie Ausgeburten einer hermetischen Hölle.

Der Quadratmeterpreis einer Eigentumswohnung liegt hier bei über 8000 Euro, in der Spitze laut Einheimischen bei 20.000 und an der Wattseite bei unbezahlbar. Jeder Häuslebesitzer, und das sind die Eingeborenen alle, es gibt hier nur Einfamilienhäuser,  ist qua Immobilienbesitz Millionär. Das Lied der Saisonarbeitskräfte, vielfach migrantisch, gilt es noch zu singen….

Auf den Konflikt, den ich hier ausgelöst habe, komme ich noch zu sprechen. Es ist aber wirklich zauberhaft hier, ich genieße die Zeit. Gestern habe ich mit einem Kumpel einen der Strandkörbe aufgehebelt, hier ist noch absolut nichts los, und wir haben dort erstmal mit einer Pulle Grappa fröhliches Entkorken gespielt, siehe oben. Ein Bad in der Nordsee bei 8 Grad Wasser schreit nach Aufwärme.

Es sind gute Zeiten für Reiche. Die Immobilienpreise kennen wieder mal nur eine Richtung, nach oben, der Goldpreis explodiert, immer neue Rekorde, der DAX wackelt ein bisschen wg. Trump, aber das beruhigt sich wieder, und die Rendite bei Staatsanleihen steigt rapide. Der Staat nimmt nach der Lockerung der Schuldenbremse Billionenkredite auf, begibt Staatsanleihen und die haben natürlich nur Vermögende im Portfolio. Ich glaube nicht, dass Juister Saisonarbeitskräfte ihre Alterssicherung mit soliden deutschen Staatsanleihen unterfüttern…

28.03.2025 – Mit dem linken Auge sieht man besser oder: Don’t legalize it!

Gras-Sorte „Black Domina“ im Inkubator. Die Sorte gibt’s im Fachhandel in jeder größeren Stadt. Einfach gucken, welcher Gartenladen nach Hippie aussieht oder drei Anrufe tätigen. Inkubator: Ein Honigglas mit einer Handvoll nassem Toilettenpapier, auf die Heizung gestellt.

3 Tage später. Eine weitere Woche später in Blumentopf, auf Balkon, ins Fenster, wenn es nach Süden oder Westen geht. Sonst eine billige Natriumdampflampe für Indoor und ein paar Monate später ist Erntedank. Das ist alles, dafür braucht es keinen hochkomplizierten Aufbau oder Dünger oder Pflege, außer natürlich Wasser ab und zu. Der Hanf ist eine sehr unkomplizierte Pflanze. Bester Zeitpunkt für das Auswildern ist im Mai. Ich führe gerade eine Testreihe durch zu früherem Anbau auf Grund des Klimawandels. Das kann bei strengen, späten Nachtfrösten schon mal zu Ausfällen führen…
Und was es schon gar nicht braucht, ist eine Cannabis-Legalisierung. Autonom sein, unabhängig von Handel und Gesetzen. Selbst ist die Frau, das ist unbürokratisch, billiger, ökologisch, macht mehr Spaß. Das Verbotene macht doch erst richtig scharf. Legal, illegal, scheissegal.
Und, das ist aus meiner Sicht das Wichtigste: Die Rücknahme der Legalisierung von Cannabis kann die SPD für wichtigeres in die Koalitionsverhandlungen einbringen. Als Verhandlungsmasse für Deals. Die Legalisierung ist doch ihrer Kernklientel, der Facharbeiterschaft, entweder scheißegal, oder ein Dorn im Auge. „Wichtigeres“ meint: die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Das muss eine rote Linie für die SPD sein.
Dafür kann sie dann zähneknirschend die Legalisierung beigeben. Der § 218 muss weg, das ist eine zentrale Konfliktlinie in der Gesellschaft. Ich unterstelle hier der CDU keinen Faschismusverdacht, sie ist in ihren demokratischen Teilen auch Bündnispartner gegen die AfD, gegen den Faschismus, solange sie da nicht wackelt, was sie tut. Aber sie ist auf Grund ihrer klerikal-reaktionären Prägung eine zentrale Vertreterin der patriarchalen Kontrolle über den Frauenkörper. Volle männliche Verfügungs- und Definitionsgewalt über den weiblichen Körper, von den Chromosomen über den Fötus bis hin zur Frisur . In Arkansas wollen Republikaner Kurzhaarfrisuren für Frauen unter Strafe stellen. Das hat noch nicht mal Adolf Nazi gemacht.
Wenn die SPD an dieser Stelle, dem § 218, klein beigibt, soll sie zur Hölle fahren. An deren Eingang steht: Fünf Prozent Hürde. Und deren Personal aus lauter kleinen Teufelinnen besteht.
Ich werde in den nächsten Tagen weitere Bewertungen zu den Koalitionsverhandlungen abgeben, aus undogmatischer linksradikaler Sicht. Motto: Mit dem linken Auge sieht man besser.
So gesehen ist die Wahl der Sorte Black Domina eine Empfehlung an alle Leserinnen . Das Zeug soll laut meiner Verkäuferin demütig machen. Also Männe mit dem Zeug überraschen, dazu im Fachgeschäft Ihrer Wahl ein paar Handschellen, eine Peitsche, schickes Lederoutfit besorgen und dann .. Ein bisschen mehr Demut könnte Männern grundsätzlich nicht schaden. Wenn ich mir diese Hanswursttruppen da im Bundestag angucke, oje…

25.03.2025 – Zombieland

Uberplatz mit Uberarena, Friedrichshain. Darunter die East Side Mall, auf dem Uberplatz. So stelle ich mir eine Zombiewelt nach dem Untergang des Kapitalismus vor. Riesige Betonflächen, ohne Licht, ohne Grün, ohne Sinn und Verstand, ohne Menschen. Selten hatte ich bei einer Erkundung fremder Planeten ein derart beklemmendes Gefühl, eine körperliche Abscheu, die sich auf dem sogar autoleeren Parkdeck auf dem Dach in paranoide Zustände auswuchs. Hinter jedem Betonpfeiler lauerten George Romeros Zombies.

Und das ist die verheißungsvoll Welt des Konsums, die alle lieber wollten und wollen als alles andere. Bei Menschen aus dem globalen Süden kann ich das eher verstehen als bei den Ostzonen-Zombies. Für erstere geht es ums nackte Überleben. Aber bad news für sie: kein Interesse am globalen Süden. Das Entwicklungsministerium soll abgeschafft werden, siehe Großbritannien und USA, Usaid. Der Westen braucht ein paar Bodenschätze, will Waffen dahin verhökern und ein paar billige Arbeitskräfte. Aber für die Masse gilt: Draussenbleiben. Auch als Konsumenten kein Interesse. Der Sudan ist kein guter Absatzmarkt für Luxuslimousinen. Und wozu eine nachhaltige Struktur da unten aufbauen, der Kapitalismus wird doch schon hierzulande den ganzen Dreck aus seiner strukturellen Überproduktion nicht los. Er hat die Ressourcen, um zwei Welten mit Müll zu versorgen. Und zu versauen. Einen Erdball haben wir jetzt schon versaut. Zweiter Erdball zwecks Vernichtung gesucht.

Wir erinnern uns an die Annexion der Ostzone, die Industrie konnte aus dem Stand 20 Prozent zusätzliche Konsumenten mit dem nötigsten an Bananen und Pornos versorgen, ohne eine Struktur vor Ort aufbauen zu müssen. Als das durch war, setzte die Massenarbeitslosigkeit ein, deren Lösung die Agenda 2010 und Massenarmut durch Niedriglohnjobs war. Mit nachfolgendem Abgesang der Demokratie.

Lässt sich strukturell global übertragen und am Ende sieht es dann so wie oben aus. Und ich bin schon mal vorab mittendrin gewesen.

Tief war mein Aufatmen , als ich später wieder im Hades landete, dem türkischen Imbiss in unserem Haus, mit ganz normalen, kaputten Menschen.