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14.05.2017 – Anerkennung der analogen Toilettenlektüre als Weltkulturerbe

weltkulturerbe
Ich setze mich hiermit für die Anerkennung der analogen Toilettenlektüre als immaterielles Weltkulturerbe ein. Eine entsprechende Petition bei Openpetition.de ist in Arbeit.
Ziel:
Die Deutsche Unesco-Kommission soll die analoge Toilettenlektüre als Kulturform ins deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufnehmen. Das ist die Grundlage für eine Anerkennung als Weltkulturerbe. 2016 wurden von der Deutschen Unesco-Kommission unter anderem ins Verzeichnis aufgenommen:
Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald, das Forster Hanselfingerhut-Spiel (Volksspiel mit derben Worten) und das Tonnenabschlagen (Reiterwettkampf mit Tonnen).
Zur Begründung:
Die analoge Toilettenlektüre, vulgo das Lesen von Druckerzeugnissen auf dem Klo, stirbt im Zeitalter des Smartphones aus. Das ist in Zeiten des zunehmenden Verfalls der Sitten und der wachsenden Spaltung der Gesellschaft eine kulturgesellschaftliche Zäsur von nicht zu unterschätzendem Ausmaß. Ein herausragendes identitätsstiftendendes und zentripetal wirkendes Merkmal unserer Gesellschaft über alle Klassengrenzen hinweg war die analoge Toilettenlektüre. Sei es der Comic-notorische Spießer mit den hängenden Hosenträgern und der „Bild“, der Banker mit der FAZ, dem angesichts seines Aktienkurses der desaströse Zustand der Welt am Arsch entlangging oder ganze WG Horden mit der taz, denen der desaströse Zustand der Welt auf den Darm schlug, für sie alle galt auf der Toilette das Diktum von Jürgen Marcus, hier etwas abgewandelt:
Ob sie arm sind oder reich
Auf dem Klo sind alle Menschen gleich

Die Form des Rituals war identisch, die Inhalte (der jeweiligen Lektüre) wichen nur ideologiekritisch voneinander ab, waren aber strukturidentisch.
Das schaffte Einheit da, wo sonst Trennendes herrschte!
Es ist davon auszugehen, dass dieses Ritual im Zeitalter des Smartphones atomisiert wurde. Die Toilettenlektüre ist digital geworden, sie ist beliebig und kaum kommunizierbar, vermutlich wird mittlerweile sogar auf der Toilette gearbeitet, nach dem Motto: schnell noch mal die Mails checken. Untersuchungen haben ergeben: vier von fünf Menschen nutzen das Smartphone auf der Toilette.
Das klassenspezifische Smartphone-Toilettenlektüre-Verhalten bedarf dringend der Evaluation, hier tappt die Forschung noch zu sehr im Dunkeln.
Außerdem ist die digitale Toilettenlektüre wesentlich unhygienischer als die analoge. Die Drucklektüre verschwindet nach Erledigung in einem Mülltrennungsbehältnis. Das im Dauereinsatz befindliche Smartphone hingegen ist eine mikrobakterielle Brutstätte. Gerade Männer neigen zu mangelhafter Hygiene im technologischen Bereich, hier wäre in der Forschung unbedingt der Gender und Diversity Aspekt zu beachten.
Es kann unterstellt werden, dass – und hier orientieren wir uns an Michel Foucault, Jacques Derrida und Charles Latan – das Verschwinden von identitären Alltagsritualen auch den Kitt unserer Gesellschaft erodiert, anders formuliert:
Die wachsende Spaltung der Gesellschaft und das Aufkommen der braunen Brut von der AFD hat auch mit dem Verschwinden der analogen Toilettenlektüre zu tun.
Um überhaupt ein öffentliches Bewusstsein für diese Problematik herzustellen und Anstoß für tiefergehende Forschungen zu geben, wird hiermit der Startschuss zur Kampagne für Anerkennung der analogen Toilettenlektüre als immaterielles Weltkulturerbe gegeben.

12.05.2017 – Platos Höhlengleichnis oder: it’s only Rock’n Roll!

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Was ist Spiegelung und was ist Realität? Das ist nicht nur eine Frage der ästhetischen Wahrnehmung sondern natürlich auch eine erkenntnistheoretische, siehe auch Husserl et. al.
Die Frage ist seit Platos Höhlengleichnis in der Welt, was ist Realität, was ist nur Schein, Spiegelung der Realität. Diese Fragen sind durchaus nicht nur abgehobenes Reflexion Brimbamborium. Haben Sie sich noch nie gefragt, ob das real ist, was Sie gerade erleben oder nur ein Schatten an der Wand, eine Idee, ein schlechter Film?
Spieß zum Gefreiter Neumann, frisch von der Schule beim Barras:
„Neumann, was ist eine Idee?“
Neumann: „Eine Idee im Sinne von Plato ist eine ….“
Spieß: „Neumann, Sie Vollidiot, Sie sollen Ihr Gewehr eine Idee höher halten!“
Ich frage mich immer öfter, ob das Leben nicht eine gigantische Inszenierung ist, so wie im genialen Jim Carey Film „Die Truman Show“.
Tröstlich ist da immer ein Gedanke:
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It’s only Rock’n Roll!

10.05.2017 – Wer war Albert Norden?

wer war albert norden
Jude und Kommunist, das verzeiht die Reaktion niemals, über den Tod hinaus nicht. Und um der Niedertracht noch eine Krone aufzusetzen, ersetzt man den Namen des jüdischen Antifaschisten mit dem einer alten Nazi Schlampe. Vae victis.
Manchmal helfen nur noch Alkohol und Drogen.
bier
Bier. Da weiß man, was man hat. Schwieriger wird es bei Drogen, bei denen man meint, überall lilafarbene Elefanten zu sehen. Und hinterher völlig überrascht ist, dass es sich um Realität handelt. Wie im vorliegenden Fall auf der IGA in Berlin.
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09.05.2017 – Bert Brecht und Helene Fischer

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Dem unbekannten Stadtführer auf der Schifffahrtstour durch das Regierungsviertel in Berlin gewidmet.
Solche Touren macht man, wenn man Fremden die Stadt zeigen will und man vom Cruisen durch Berlin ermattet ist. Wenn man Pech hat, kriegt man bei den Touren einen Führer, der einen mit den immer gleichen Fips Asmussen Witzen zur immer gleichen Stelle wahnsinnig macht. Wenn man Glück hat, kriegt man ein Tonband abgespielt, das erleichtert das Weghören. Wenn man großes Glück hat, kriegt man einen Stadtführer, wie den oben im Bild. Neben der selbstverständlichen Sachkenntnis und Zweisprachigkeit ganz großes Stand Up Theater, geniales Feeling für Impro und perfektes Gespür dafür, linke Botschaften so subkutan-inexplizit an die Frau zu bringen, dass auch ein CDU Kreisverband sich hinterher nicht bei seinem Arbeitgeber über linksradikale Indoktrination beschweren kann. Ich merkte nach zwei Sätzen, was da vorne abging, war schwer begeistert und sparte nicht mit Beifall, Daumen hoch und zustimmendem Gejohle. Das Restpublikum glich eher einer Ansammlung von unbeseelten Lehmklumpen. Der Vorhof zur Hölle. Was den unbekannten Stadtführer nicht verdross:
„Und links am Schiffbauerdamm sehen Sie das Haus des Berliner Ensembles, das maßgebend geprägt wurde von Bert Brecht und Helene Fischer. Toll, was die Frau alles macht.“
Pause. Ich lag mit Lachtränen schon lange am Boden. Er:
„Das war jetzt ein Test, ob Sie auch aufpassen. Es war Helene Weigel, nicht Helene Fischer. Helene Fischer is, by the way, our Celine Dion. Aber keine Angst, nachher kommen wir noch an einer Strandbar vorbei, am Mon Bijou Park, da können Sie dann wieder nach rechts gucken.“
Die Lehmklumpen rührten sich nicht. Er:
„Meine Witze versenden sich offensichtlich.“
Ich war am Ende der Fahrt außer Rand und Band.
Zum Schluss bedankte ich mich bei ihm, mit Trinkgeld und natürlich Lob, und der Bemerkung: „Schade, so viele Perlen vor so viele Säue.“ Das ließ er, zu Recht, als Profi so nicht stehen: „Ich versuche, es möglichst breit aufzustellen und allen Recht zu machen.“ Als ich schon auf der Gangway war, rief er mir halblaut nach: „Danke fürs Mitmachen, das passiert nicht so oft.“
Nachtrag: Das mit den Lehmklumpen muss ich etwas relativieren, der Beifall fiel sehr freundlich aus und es war ein regelmäßiges Klimpern im Trinkgeldtopf zu hören, fast alle gaben was.
Der Typ ist vermutlich Mitte 20 und schon jetzt so gut, dass ich ihm wünsche, dass er nicht auf diesen Dampfern verschimmelt. Ich hab früher auch Stadtführungen gemacht, im Rahmen von Projekten für die ehemalige Carl-Duisberg- Gesellschaft, und ich war gut darin. Aber ich war nicht halb so gut wie der Berliner und damals hätte ich schon sein Vater sein können.
Wer allerdings irgendwas als Kulturschaffender werden will, muss auch durch Scheiße waten, sei es Verrisse, Verachtung, falsches Publikum oder wenig Publikum.
Ein zuschauer
IGA Berlin, Band, mit einem Zuschauer. Und das ist nicht der Typ am Bildrand, der gehörte zur Band. Der eine Zuschauer war ich. Aber die Band machte trotzdem Power.
Meine geringste Zuschauerzahl bei einem Auftritt waren ca. 10. Viel, viel schlimmer ist falsches Publikum. Das ist die Hölle. Es gibt kein falsches Publikum im richtigen Künstlerleben, es gibt nur eine falsche Show, höre ich da als Einwand?
Da sach ich mal Argumentreduziert: Dummes Zeug

08.05.2017 – Maliziös

Rielsing
Rielsing? Wenn ich etwas nicht leiden kann, sind es Restaurants, die auf dicke Hose machen, vorzugsweise in Schicki Micki Gegenden, und dann in der Alltagspraxis peinlich peinlich danebenliegen. Wie im vorliegenden Fall ein Italiener in der Auguststr. in Berlin, wo eine Schicki Micki Galerie neben der zweiten liegt, mit seiner Getränkekarte, die zwar Kennerschaft durch Detailkenntnis vortäuscht, aber leider das, worum es geht, um die Rebsorte „Riesling“, falsch schreibt. In einer Szenekneipe in Neukölln würde ich das natürlich so gerade nochmal durchgehen lassen.
neukölln kneipe
Zumal in so einer wie dieser, die keinen Namen hat, kein Licht, keine Getränkekarten, keine Tapeten, in der geraucht wird, und nicht nur Tabak, und wo ich froh war, dass es so dunkel war, dass selbst eine Eule meine ergrauten Haare nicht erkannt hätte. Normalerweise ist mein Motto, man sollte die Jugend der Welt eher unter sich lassen. Aber diesen Laden fand ich so faszinierend, ich musste einfach rein.
Obigem Schicki Laden ließ ich den monströsen Lapsus natürlich nicht durchgehen. Beim Bezahlen fragte ich die Kellnerin:
„Der RIELSING war hochinteressant. Ist diese Rebsorte mit dem RIESLING verwandt?
Wenn Sie schon immer wissen wollten, was „maliziös“ ist, und sich nie zu fragen trauten – jetzt wissen Sie es. Der Riesling war übrigens exquisit und die Tortelacci mit Spargelfüllung an Bärlauchpesto ein Gedicht.
Wohl dem, der Bibelsicher ist, denn es wird ihm an Bildern nie mangeln. Gestern nach der Wahl des neoliberalen Macron ging mir die Apostelgeschichte 20:29 durch den Kopf. Wenn es Macron gelingt, in Frankreich eine Agenda 2010 nach Schröder-Vorbild umzusetzen, dann gute Nacht, Marie. Oder besser: Guten Morgen, Marin. In Frankreich ist die soziale Spaltung bereits jetzt deutlich höher als sie es in der BRD vor der Agenda 2010 war. Wenn darauf eine französische Agenda 2020 zusätzliche Armut und Ausgrenzung sattelt wie es in Deutschland durch die Agenda 2010 passiert ist, dann werden die Banlieues, und nicht nur die, brennen.
Das alles wird nach dem Abschied von den Feiern zur Macron-Wahl passieren so sicher wie das Amen in der Kirche, denn siehe, so spricht der Herr in der Apostelgeschichte 20:29 zu den Arbeiterinnen, Angestellten, Arbeitslosen und Prekären:
„Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die die Herde nicht verschonen werden.“
Amen.

04.05.2017 – Hafencity 2

ich wohne in hafennähe
Ich wohne in einem Hafenviertel, siehe dazu auch den letzten Blog-Eintrag, Hamburg Hafencity. Hafenviertel ist eine Zuschreibung, die selbst dem seefahrendsten Einheimischen des hiesigen Kiezes nur schwer über die Lippen käme. Es ist aber irgendwie so. Am Ende meiner Straße beginnt ein Hafen, der Lindener Hafen. Mit offensichtlich mindestens 3 Kränen.

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1, 2, 3.
Hier verkehrt am Tag ein Schiff, mit dem Rad hat man das Areal in einer halben Stunde umfahren und eine Hafenschänke gibt es hier auch nicht. Und trotzdem kriege ich ein komisches Gefühl, wenn ich hier ab und zu nach dem Gang der Dinge schaue. Häfen faszinieren mich grundsätzlich, den Hamburger Hafen finde ich überwältigend. Den Anblick bei den Landungsbrücken auf das Hafenpanorama können selbst eine Milliarde Touris um mich herum mir nicht vermiesen. Mich packt da nicht so sehr das Fernweh, mit einer Schiffsreise kann man mich jagen. Viel zu lahm. Es sind wohl die tausend ungesungenen Geschichten, die einen direkt, unverhüllt an Häfen anprallen, und deren Ausstrahlung bis in die Stadt hinein. Ein Hafen prägt halt seine Umgebung. Bei mir in der Hafencity 2 ist das jetzt nur sehr indirekt der Fall. Ganz früher gab es bei mir schräg gegenüber sogar noch eine Hafenschänke. Ich wollte immer mal rein. Zu spät. Irgendwann war sie zu, jetzt ist eine Shisha Bar drin. Gutes Beispiel dafür, dass man im Leben Dinge nicht aufschieben sollte. Einfach machen. Gleich.
Überraschungen lauern in jeder Stadt.
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Magdeburg, in Bahnhofsnähe Bauten, die an den sozialistischen Klassizismus Stil der vormaligen Stalinallee, jetzt Karl Marx Allee, in Berlin erinnern. Ich war überrascht, ich mag diesen Baustil, und hatte sowas in Magdeburg nicht erwartet. Städte wie Magdeburg animieren mich eher nicht zum Verweilen. Nach getaner Arbeit nehme ich in solchen Locations normalerweise den nächstbesten Zug und ab nach Hause. Hier hätte man verweilen können.
Nun denn, Berlin wartet. Das ist dann doch trotz aller Hafenfaszination für mich immer noch die Krönung des Metropolenwesens.

02.05.2017 – Heraus zum 2. Mai.

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Wird man hier in 40.000 Jahren auf Höhlenzeichnungen und Artefakte stoßen, die Auskunft über das Leben der Bewohnerinnen geben, ähnlich der Höhle von Lascaux? Hamburg Hafen City, als Gentrifizierungsförderndes Elitenprojekt ideologisch scharf zu verurteilen, als ebenso kühner urbaner wie einseitiger Entwurf faszinierend. Das ist da wo die Elbphilharmonie steht. So faszinierend ich das Hafen City Viertel städtebaulich finde, sozusagen auf der Oberfläche und jenseits der Ideologie, so wenig möchte ich da wohnen. Das ist noch toter als der Zentralfriedhof. Lebendig hingegen war mein 1. Mai.

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Aktion der Gruppe Gnadenlos Gerecht auf der Bühne der Maifeier in Hannover. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
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Hinterher müssen die Massen natürlich per Flugi und Gespräch agitiert werden.
Scheißt der Hund am 2. Mai
ist der 1. Mai vorbei.
Alter Arbeiter und Bauern-Regel. Auch sonst ist einiges vorbei. Zum Beispiel meine Neigung, bei manchen Vorfällen wie das HB Männchen in die Luft zu gehen. Neulich musste ich einen Vortrag halten, was man heute aber gar nicht mehr sagt, vielmehr sagt man, wenn man Leute zutextet, jetzt Impuls oder Keynote. Blabla. Sowas kann ich ganz gut, im Gegensatz zu Reifenwechseln bei Autos oder CNC Fräsen. Ein nach mir Vortragender hatte einen Teil von dem, was ich erzählt hatte, nicht kapiert, erdreistete sich aber dem Publikum anzutragen: „Anders als mein Vorgänger sagte, ist es so …“
Noch vor einem Jahr wäre für diese Impertinenz eine Verbalhinrichtung der ersten Kategorie erfolgt. Wenn ich etwas nicht habe, sind es Hemmungen, und wenn ich etwas gelernt habe, sind es spontane öffentliche Interventionen. Der junge Mann wäre im Normalfall wie ein begossener Pudel von der Wallstatt geschlichen. Früher. So aber guckte ich ihn nur an, dachte bei mir: Du Vollidiot, schwieg und hoffte, dass meine Haare richtig sitzen würden. Die verantwortliche Person der Veranstaltung, auch jüngeren Alters, sagte nach dem Ende der Veranstaltung zu mir: „Danke fürs Dasein.“
Danke fürs Dasein? Früher hätte ich da aus gekränkter Berufsehre mal nachgefragt, wie das denn bitteschön gemeint sei. So lachte ich mir auf dem Nachhauseweg eins beim Einordnen dieser Bemerkung in ein Zeugnisschema. Setzen. Fünf. Eins wäre: Danke für den einmaligen Vortrag. Zwei wäre: Danke für den guten Vortrag. Usw. usf. Meine Fünf ist nur noch durch die Sechs zu toppen: Danke fürs Nicht-Dasein.
Am Abend bei einer Feier schöner Dialog, es ging um Kindheitserinnerungen.
Kumpel: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Comics von Marvel.“
Ich: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Höhlenzeichnungen von Lascaux.“
Und manchmal fühle ich mich auch so. Gereift, weise, gelassen.
Bis zum nächsten Mal, wo mir einer dämlich kommt. Der kriegt die doppelte Ladung ab, für den Vollidioten von oben gleich mit.

30.04.2017 – Heraus zum 1. Mai! Aktion „560“ der Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ in Hannover!

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Über die Aktion berichteten die Kollegen von der Freistätter Online Zeitung, die am 1. Mai auch dabei sind. Das Foto schlummerte irgendwo in meinem Blog, wo die Kollegen es ausgegraben und ihm ein Update verpasst haben. Was mich freut.
Auch das Stadmagazin Stadtkind berichtete, was mich ebenfalls freut. Gerade bei der Medienzunft herrschen immer prekärer werdende Arbeitsbedingungen und es ist eine feine Sache, wenn deren Mitglieder nicht mit Verdrängung darauf reagieren, sondern darüber berichten. Sofern das möglich ist. Es heisst zwar:“Eine Zensur findet nicht statt“. Artikel 5 GG. Aber die Details regelt der Verleger und den Rest erledigt die Schere im Kopf der Schreiberinnen.

Hier der Text der PM zur Aktion:
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ fordert anlässlich des 1. Mai 2017, dem Tag der Arbeit, eine Erhöhung des Hartz IV Regelsatzes von 409 auf 560 Euro. Aus diesem Anlass bilden Mitglieder der Gruppe um 11 Uhr auf dem Festplatz vor dem Rathaus in Hannover eine Menschenkette. Dabei tragen alle Glieder der Kette ein T-Shirt mit der Aufschrift „560“. Mit diesem öffentlichen Bild soll auch die Frage gestellt werden: Wie geht unsere Gesellschaft mit denen um, die keine Arbeit haben?
Die Regelsätze für Hartz werden willkürlich und unsachgemäß berechnet und decken bei weitem nicht das soziokulturelle Existenzminimum. Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Betroffeneninitiativen fordern eine substantielle Erhöhung der Regelsätze.
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ schließt sich der Forderung aus dem Gutachten der Diakonie von 2016 an, das in seinen Berechnungen von einer angemessenen Erhöhung auf 560 Euro ausgeht. Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ betont:
„Gerade am Tag der Arbeit muss deutlich werden, dass die Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich immer größer wird, mit negativen Folgen wie wachsendem Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten.Das vermeintliche Jobwunder in Deutschland hat eine Kehrseite: eine wachsende Armutsquote, in Niedersachsen ist jeder Sechste arm, oft genug trotz Arbeit. 40 Prozent aller Beschäftigten haben in den letzten Jahren Reallohnverluste gehabt, 25 Prozent arbeiten im Niedriglohnsektor, allein in Niedersachsen gibt es fast 100.000 Langzeitarbeitslose.Resultat einer jahrelang verfehlten Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ist eine Welle von drohender Altersarmut: Wer 45 Jahre lang arbeitet, bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden, müsste rein rechnerisch einen Mindestlohn von 11,68 Euro erhalten, um im Alter eine Nettorente oberhalb der Grundsicherung zu bekommen.Gerade am Tag der Arbeit sind Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände gefordert, sich stärker gegen Arbeitslosigkeit und für eine nachhaltige Armutsbekämpfung zu engagieren.Die Forderung nach einer Erhöhung der Regelsätze auf 560 Euro ist da nur ein erster Schritt.“
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ besteht aus engagierten Menschen in unterschiedlichen prekären Lebensverhältnissen.Am 21.03.2017 startete die Gruppe mit der Info-Veranstaltung „Wieviel braucht der Mensch zum Leben?“ zu Regelsätzen und dem Existenzminimum ihre Aufklärungs- und Informationsarbeit, siehe Info Flyer anbei.Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ wird auch zukünftig durch Veranstaltungen, Aktionen und Aufklärung die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich zum Thema machen.
Die Gruppe „Gnadenlos Gerecht“ wird unterstützt von der Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen.

24.04.2017 – Funk

Tief in meinem Herzen bin ich Brother, schwarz wie die Nacht, statt Blut pulsiert Rhythmus durch meine Adern, Soul ist meine Nationalhymne und Funk ist mein Wecker.
Funk ist mein Wecker?
thermometer
Funk Wecker. Lebt nicht mehr. Im Gegensatz zu meiner großen Liebe, dem Funk, über den Sie näheres gerne diesem Link entnehmen können, wo der unvergleichliche Sly Stone mit seiner Family den kategorischen Imperativ schwarzer Musik intoniert: DANCE TO THE MUSIC! Ich hab ihn Live erlebt. Danach ist man für weiße Musik verloren.
Dass nun aber so ein verschissener Wecker wie der obige den Namen Funk trägt, das ist …., keine Ahnung, was das ist, da fehlen mir einfach die Worte. Und das kommt sehr selten vor. Dieser Funk Wecker ist neu, der alte war kaputt, auch so einer mit Temperaturanzeige innen und außen. Als Gärtner braucht man sowas, Bodenfrost im April, da heißt es blitzschnell handeln. Zum Beispiel Bettsocken anziehen.
Jede neue Technikgeneration zeichnet sich durch ein Übermaß an Funk(!)tionen aus, die kein Mensch braucht und noch weniger Menschen verstehen. Dieser hat zusätzlich eine Sturmwarnung, siehe Markierung, die bei 8 Beaufort anspringt, was an und für sich schon ein Witz ist, weil bei 8 Beaufort fällt bei mir im Garten maximal ein Klapphocker um, aber viel schlimmer, der „Sturm“ blinkt nicht nur, er gibt auch ein akustisches Signal von sich, ungefragt, mitten in der Nacht, quäkend und durchdringend. Wenn man den Wecker vorher nicht gestellt hat, einfach weil man es nicht brauchte, und dann von einer Sturmwarnung um 2.17 Uhr aus dem Tiefschlaf geholt wird, dauert es eine halbe Nacht, eher man weiß, wo man ist, wer man ist und glaubt danach, es ist Feueralarm, die neuen Feuermelder sind angesprungen. Feuermelderpflicht, auch so eine kommunistische Zwangsbeglückungsmaßnahme von der Allparteienkoalition der Risikominimierungsneurotiker. Je mehr die Welt im Ganzen aus den Fugen gerät, desto Risikoparanoider im Intimbereich wird unsere Gesellschaft.
Natürlich habe ich diese Funk-Kröte stante pede an die Wand geschmissen, als mir die Zusammenhänge klar wurden. Scheißtechnik.
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Wie sehr lobe ich mir dagegen Chrome-Dioxid Cassetten, Technik analog bis zur letzten Schlaufe. Als Avantgardista der alten Schule höre ich nur noch Cassetten, Vinyl ist doch schon wieder megaout. Tipp für Sie, liebe Leserinnen, wenn Sie gerne Trends setten wollen anstatt ihnen hinterher zu hecheln: Fotos nur noch mit Polaroid, Armbanduhren nur noch mit Zifferblatt und Telefonieren nur noch aus der Telefonzelle.
Auf obiger Cassette ist mit Little Feat ein Beispiel dafür, dass natürlich auch weiße Männer gute Musik machen. Das Video dazu gibt es hier.
Perfekt geschnitten, wunderbares Gefühl für Rhythmus, grandioser Spannungsaufbau. Wenn man sich deutsche Musikvideos aus der Zeit anguckt, geschnitten mit der Axt und aufgebaut mit der Kettensäge, möchte man weinen. Aber nicht vor Freude. Ich weiß schon, warum ich um jeden deutschen Film einen Bogen mache und selbst die dümmlichste US Klamotte vorziehe. Was nichts an der Tatsache ändert, dass das Little Feat Video einen unfassbar dümmlichen Sexismus ausstrahlt.
Aber geil gemacht.

22.04.2017 – Ist Knochenbrühe der bessere Kaffee?

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Volksabstimmung 2017 – Spinner aller Länder, vereinigt Euch bloß nicht. Das dürften Reichsbürger sein, früher harmlose Spinner, heute brandgefährliche Neonazis. Die Barbarisierung des Alltags macht sich auf allen Ebenen bemerkbar, global, lokal, beim Einkaufen, in der Politik. Auf rechte Spinner wie die obigen verbal einzuprügeln, ist eher eine leichte Übung, allzumal das Volk oft ungebildet und rhetorisch grotesk daherkommt. Allerdings haben sich auch hier die Zeiten geändert, weiße Kragen Halb- und Vollfaschisten wie Höcke und Gauland erwecken nach außen durch Formulierung vollständiger Sätze den Eindruck, sie seien zurechnungsfähig. Der weiße mutiert zum braunen Kragen, diese Leute sind zu allem fähig, aber nicht zurechnungsfähig.
Leider Gottes gibt es auf Seiten der Linken auch so viele Spinner, dass von denen dreizehn auf ein Dutzend gehen. In der Partei Die Linke und ihrem Umfeld gibt es jede Menge selbstlos engagierter und solidarischer Genossinnen, mit denen das Zusammenarbeiten Spaß macht, aber da geht es mitunter zu wie in „Einer flog über das Kuckucksnest“. Das ist solange lustig und reizt zur Satire, wie das nicht in die eigene Arbeit ragt, was sich aber nicht vermeiden lässt, wenn man selbst als undogmatischer und unorganisierter Linker unterwegs ist. Ein einziger Spinner kann eine ganze Gruppe lähmen mit Anflügen von Paranoia, egozentrischem Größenwahn und kompletter Kommunikationsunfähigkeit, gerne auch dazu neigend, bei jeder Gelegenheit unsolidarisch Gott und die Welt zu beleidigen und vollzupöbeln, und das vor dem Hintergrund eines jesusmäßigen Sendungsbewusstseins wie „Sehet her, nur ICH bin im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit!“.
Solche Leute sind schwieriger loszuwerden als Fußpilz. Da bin ich dankbar für mein früheres Engagement in der IG Metall, wo es zur Durchsetzung eigener Positionen mitunter stalinistischer zuging (?) als in der UdSSR. Da lernte man Verfahrens-Tricks, wie man den Gegner (=Genossen) gegen einen Tagesordnungs-Panzer laufen lässt, für die ich heute noch dankbar bin.
Schlimmer als der linke Spinner ist nur der Künstler. Ihn hat Gott in die Welt gesandt, um mich zu strafen. Der Künstler hat kein Sendungsbewusstsein, der Künstler hat Genie. Das aber ist die Hölle auf Erden. Der linke Spinner mit Sendungsbewusstsein ist wenigstens relativ pünktlich und zuverlässig und oft kompetent, der mit Genie versehene Künstler kennt weder Uhr noch Tagesordnung und ist gerne auch so inkompetent wie ein Sack Mehl.
Am schlimmsten von allen aber bin ich. Jeder, der nicht so tickt wie ich, kommt sofort in meine Spezialkategorie „Orkus“.
Was mich zu der Frage überleitet, die sich die Hipster-Avantgarde gerade stellt: Ist Knochenbrühe der bessere Kaffee?
Meine Antwort: Solange sie nicht von den eigenen Knochen ist, ja. Was heute Avantgarde ist, mach ich seit 30 Jahren für jede Suppe.
Aber diese Avantgarde hier kommt mir nicht ins Haus
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Vor zehn Jahren das erste Mal in Berlin draußen als Möbel vor DER angesagten Szenebar inna Fuckhain gesehen, damals konnte man da noch abhängen. Vor drei Jahren das erste Mal bei mir im Kiez. Und heute ist das die aktuelle OBI Line.
Ich sag’s ja: Die Welt geht vor die Hunde