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20.09.2016 – Liebesgrüße aus dem KZ

freibier in berlin
Die Aktion des SCHUPPEN 68 Freibier für Nicht AfD Wähler findet Nachahmerinnen, wie hier Frau Sommerfeld in Berlin. Gut so. Mehr davon.
Das KZ Dachau war das erste durchgehend betriebene KZ im Nationalsozialismus. Von den ca. 200.000 Häftlingen, die in den 12 Jahren dort eingesperrt waren, starben ca. 41.500, in keinem anderen KZ wurden so viele politische Morde begangen. Die AfD hat auch in Dachau eine regionale Gliederung und eine facebook Seite. Für die Aktion „Freibier für Nicht-AfD Wähler“ zur Niedersachsen-Kommunalwahl gab es am 11.09 dort Reaktionen, von denen ich einige hier zitiere, Rechtschreibung im Original:
„Werner Wagner: Ich Scheisse auf euer Freibier !!!!!! Wir wählen alle AfD, egal was ihr uns bietet. Und dann schafft man hoffentlich Gesetze, wie man Sie z. Z. gegen die AfD auslegt, gegen so ein Pack wie ihr seid, damit es euch dann auch mal an den Kragen geht!!!!!!!!!!“
….
„Bernhard Lachner: Es ist wirklich nur noch erbärmlich,, das ist Schande ohne Ende,, warum nur kann jeder staatlich subventionierte Vollpfosten der dem Land nicht das geringste bringt ausser kosten aufrufe und gegen demos an die Menschen richten die ihr Hirn verbranntes Steuer bezahlendes leben finanzieren… Fragt doch die Künstler Aersche mal von was Sie Leben? Von ihrem Erfolg oder von der Staatskasse…“

„Roland Berger: Ich lach mich krum! Das können nur Alkis sein die das wahr nehmen. Wie armselig ist das, wenn nicht mehr kommt ! Tolles Wahlprogram . Da sieht man wie unser Land regiert wird. Mit dem Kopf im Ar….“
….

Auf disqus.com, einem Onlinedienst für zentralisierte Diskussionsplattformen, der facebook, twitter etc. integriert, wurde der SCHUPPEN 68 gewürdigt und der Künstler als solcher einer linguistischen Transformation unterzogen:
„ …. Ja achso,Schuppen 68 und der dreck hat sich über Jahrzehnte ins Hirn gefressen…..ich verstehe…..“
….
„Künstler“ ist Neusprech für „arbeitsscheuer Hygieneallergiker“.

Ich habe durch die Freibier Aktion viel über soziale Netzwerke und ihre Funktion und Arbeitsweise bei Kampagnen gelernt. Das war – weil praxisgesteuert – hilfreich, kostengünstig, effizient und erfreulich und ist für meine Arbeit als Künstler und sozialpolitischer Akteur von hohem Nutzen.
Ich habe auch einiges über Deutschland gelernt.

Fachtagung „Armut. Macht. Flucht. “ Montag,17.10.2016, Weltarmutstag

„Armut. Macht. Flucht. Wie globale Armut und Migration unseren Alltag verändern.“
Termin: Montag,17.10.2016, Weltarmutstag, 10 – 16 Uhr.
Ort: Ver.di Veranstaltungszentrum Goseriede 10, 30159 Hannover.
Veranstalter: Landesarmutskonferenz Niedersachsen, mit Anderen.
Anmeldung: bis zum 10.10 an: merten@rosalux.de . Fon: 0511/2790934.
Teilnahme und Imbiss kostenfrei. Barrierefreier Zugang.
Einladung mit Details hier LAK Fachtagung 2016 Armut. Macht. Flucht. Einladung

Fachtag-Flyer-Deckblatt (1)

15.09.2016 – Abschied vom Sommer

sonnenaufgang
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Von Theodor Storm. Bisschen flach im Niveau, trifft’s aber, auch wenn erst der morgige Tag grau wird. Toller Spätsommer, ich habe jeden Tag genossen, auch eingedenk des Tagebuchs von Wolfgang Herrndorf „Arbeit und Struktur“, in dem er die Entwicklung von der Diagnose seines Hirntumors bis kurz vor seinem Selbstmord beschreibt. Weiß ich, wie viele Sommer mir noch bleiben? Herrndorfs Erfolgsroman „Tschick“ kommt jetzt in die Kinos, den beginnenden Erfolg hat er noch miterlebt, nachdem er jahrzehntelang als prekärer Kulturarbeiter rumgegräpelt hatte, trotz diverser Veröffentlichungen und Preise.
cdu springe
Weißt Du’s schon oder überlegst Du noch?
Ich bin wegen eines Aspektes ganz froh, dass ich seit einigen Jahren, hauptsächlich aus Zeitgründen, kaum noch eigene professionelle Kulturprojekte verfolge: Erfolg bemisst sich immer auch an Einnahmen (neben der Komplementärwährung „Aufmerksamkeit“) und da würde ich bei jeder finanziellen Jahresbilanz unweigerlich ‚ne Sinnkrise kriegen. Diese Frage stellt sich zur Zeit nicht.
Mit zunehmendem Alter stellt sich das vermeintliche Bohémienleben von Kunstproduzentinnen als schlichte Vorbereitung auf Altersarmut dar. Ich kenne keinen auf Hartz IV angewiesenen Künstler jenseits der 50, der vor Kraft, Gesundheit und Zuversicht nur so strotzt.
Das muss ich nicht haben. Dann lieber die bittersüße Einsicht: Es hat eben nicht gereicht.
Ich hätte ja jeden Tag nach Feierabend Kultur produzieren können. Kafka hat seinen „Prozess“ schließlich auch nach Büroschluss geschrieben (Kafka war natürlich nicht arm, das ist ein Mythos). Ich habe nichts gegen Fleiß, im Gegenteil, mitunter arbeite ich 7 Tage die Woche. Aber sobald die Grenze zur Selbstverleugnung überschritten wird, ist Ende im Gelände. Dann lieber paar Tage in Berlin abhängen oder am Kiesteich frohgemut die Fachartikel und Konzeptpapiere, die ich zwecks Lektüre und Korrektur immer dabei habe, ignorieren und einfach aufs Wasser glotzen. Wenn ich nicht gerade drin bin.
Und das Leben kann mitunter so schön sein, wie meine morgendliche Spam von „Dealx“, die mir heute folgendes anbietet:
„FOTL Jogginghose offen 6,99 €, Geographical Norway Herren Poloshirt – Kakao 16,99 €, Überraschungspaket Trachtenhemden (4 Stück) Herren Gr. 40 45,- €.“
Abgesehen davon, dass es Lichtjahre an personengebundener Werbung vorbeizielt, ist das ganz große Literatur, die die Grenzen von Transzendenz und Komposition weit hinter sich lässt: „FOTL Jogginghose offen 6,99 €“. Kann man nichtgreifbares Grauen besser in Worte fassen? Und wo wäre je konzisere Humordialektik des irrlichternden Widerspruchs als in „Überraschungspaket ….. Trachtenhemden (4 Stück) Herren Gr. 40 45,- €“.
6.17 Uhr, 20,3 Grad Celsius, noch eine Tasse Tee, dann bis 14 Uhr ackern und dann ….

14.09.2016 – Billige Retourkutsche!

Die AfD schenkt Freibier aus. Das ist eine billige Retourkutsche auf meine Aktion „Freibier für alle Nicht-AfD-Wähler“. Die Phantasielosigkeit der AfD korrespondiert mit ihrer Kulturlosigkeit. Die AfD steht für eine grundsätzlich andere Republik, sie ist frauenfeindlich, homophob und hat einen Kulturbegriff, der schon im 19. Jahrhundert obsolet war. Die AfD steht nicht nur für Ausgrenzung und Rassismus, sie steht auch für einen Kulturkampf. Wir erinnern uns: Im „goldenen Zeitalter“ des Kapitalismus um die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts herum entwickelte sich neben erhöhten Sozialstandards auch eine offenere Gesellschaft: Frauen brauchten nicht mehr die Unterschrift ihres Mannes, wenn sie arbeiten gehen wollten (1977), Schwule mussten nach der zweiten Strafrechtsreform 1973 keine Angst mehr vor dem Knast haben, die Kunst fand nicht mehr nur in den Sälen der höheren Stände statt. Dass bunte und radikale politische Widerstandsformen auch ausgerechnet in dieser Zeit entstanden, wo es historisch betrachtet am wenigsten notwendig gewesen wäre, ist einer der zahlreichen Treppenwitze der Geschichte. Aktuell wären bunte und radikale politische Widerstandsformen notwendiger denn je, aber die Geschichte scheint sich bei der Beantwortung der Frage: Was kommt nach dem Kapitalismus? für die Variante „Barbarei“ zu entscheiden.
Eine der ersten Maßnahmen der AfD bei Übernahme der Regierungsgewalt:
schwule tüte pommes mit joint
Das Verbot von schwulen, kiffenden Pommestüten im Transgenderlook.
Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner? Der von mir massiv unterstützte Kandidat der Linken in Springe hat es in den Rat geschafft.
Beim letzten Mal hatten ihm noch ca. 30 Stimmen gefehlt. Hätte es wieder nicht geklappt, hätte ich das als persönliche Schlappe empfunden.
So endet dieser Blogeintrag bei aller gesellschaftlichen Schwarzmalerei mit einer positiven Wendung und ich versuche, diese unglaublichen Hochsommertage im September in vollen Zügen bis zur letzten Minute zu genießen. Das Wasser im Kiesteich ist so milde, dass ich beim Eintauchen vor Wonne stöhne. Ganz leise, mehr so nach innen. Was sollen sonst die Leute denken …
Aber erstmal liegen vor mir ein derartiger Haufen Arbeit, dass ich graue Haare kriegen könnte.

12.09.2016 – EINE FRAGE BITTE, wer sind SIE überhaupt??? WURDEN SIE ENTWURZELT? WARUM– WIESO– WESHALB???

„EINE FRAGE BITTE, wer sind SIE überhaupt??? WURDEN SIE ENTWURZELT? WARUM– WIESO– WESHALB???“ So lautet einer der Kommentare (von „alles gute habuwies@t-online.de „) zur Aktion von SCHUPPEN 68 „Freibier zur Kommunalwahl. SCHUPPEN 68 inszenierte zur Kommunalwahl in Niedersachsen am 11.09.2016 eine Intervention: Vor dem Wahllokal Humboldtschule, Ricklinger Str. 95, 30449 Hannover Linden-Süd, stellte SCHUPPEN 68 eine Kiste Bier auf, aus der sich alle, die nicht AfD wählen, ein Freibier nehmen konnten. Details, Fotos und PM siehe 11.09 und 07.09.
Beim Lifestyle Magazin „Vice“ auf Facebook fragt Luc Walter zur Aktion: „Ist sowas nicht Faschismus?“ Das Netz ist sich offenbar nicht ganz einig, ob das eine eher faschistische oder linke Aktion ist, denn im gleichen Medium fragt Sören Kahle: „Freibier fürs nichtwählen – was lernen wir daraus? Linke sind lieber besoffen und bekifft, als sich um ihr Land und ihre Familien zu sorgen!“
Eindeutiger die Email von Brigitte Logan: „ …Saublödes Pack! … Arschlöcher ….“
die strassenbahn hatte mal weider verspätung ud iris und uschi beteten inständig, dass sie bald käme
Die Bahn hatte Verspätung und Iris und Uschi beteten inständig, dass sie bald käme.
Im Folgenden zitiere ich den Kommentar von „alles gute“ vollständig und zwar deshalb: In seinem Aufsatz „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ geht Heinrich von Kleist davon aus, dass große Redner beim Beginn des Redens noch nicht wissen, wie die Rede enden wird, sich also ihre Rede im Sprechakt verfertigt. Das lässt sich auch auf das Schreiben anwenden. Man kann beim Lesen des Kommentars von „alles gute“ regelrecht zusehen, wie sich seine Gedanken im Schreiben verfertigen. Das Schreiben ist hier auch sexuell konnotierter Akt. Der Spannungsbogen steigt und entlädt sich in einer orgiastischen Climax.
Geht mir bei Reden genauso, ich bin am Ende einer gelungenen Rede immer fix und fertig.
Hier der Text, Rechtschreibung im Original:
„Danke,
aber ICH BEZAHLE mir ein Bier selbst, wenn ICH es irgendwann dann doch haben will ,
WEIL Bier ist für Populisten, Linksradikale.
ICH trinke lieber WEIN ,
ich brauche keine Demagogen, POPULISTEN DIE EINEM ALKOHOLIKER FREIBIER-BIER AUSSCHENKEN , um Wähler zu requirieren,
ICH WÄHLE DIE ICH WILL, OHNE FREIBIER FÜR Ihren PÖBEL, Ihr Pack, den braunen Sumpf, die braune Suppe, sondern ich wähle die für deutsche Interessen einzigen KÜNFTIGEN Vertreter DEUTSCHLANDS.
EINE FRAGE BITTE, wer sind SIE überhaupt???
HABEN SIE SCHON ETWAS VON DEMOKRATIE, VON EINEM FRIEDLICHEN ZUSAMMENLEBEN DER GESELLSCHAFT GEHÖRT?? VON EINER ZUSAMMENGEWACHSENEN GESELLSCHAFT MIT EINER GEMEINSAMEN KULTUR, TRADITION, GLAUBEN gehört?
WENN NICHT, wo haben Sie Ihre Schulbildung und Ihr Elternhaus genossen?
WURDEN SIE ENTWURZELT? WARUM– WIESO– WESHALB???
ICH WÜNSCHE IHNEN ALLES GUTE UND KEINEN IRRGLAUBEN FÜR EINEN UNTERGANG
MFG“

11.09.2016 – „Freibier zur Kommunalwahl!“ erfolgreich! Hannoveraner trinken für Demokratie: Danke, Hannover!

freibier zur kommunalwahl ist alle- 2
Die Hannoveraner haben mit der Flasche abgestimmt. Die Intervention der Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 „Freibier für alle, die nicht AfD wählen“, war erfolgreich: nach kurzer Zeit war die Kiste Freibier leer! Die Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 hatte zur Kommunalwahl in Niedersachsen am 11.09.2016 eine Intervention inszeniert: Vor dem Wahllokal Humboldtschule, Ricklinger Str. 95, 30449 Hannover Linden-Süd, stellte die Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 eine Kiste Bier auf, aus der sich alle, die nicht AfD wählen, ein Freibier nehmen konnten.
freibier zur kommunalwahl ist alle
Um der AfD keinen Vorwand für eine Wahlanfechtung zu liefern, wurde der vorgeschriebene Abstand zum Wahllokal eingehalten. Auch die Resonanz in den sozialen Medien war riesig und kontrovers. Auf dem facebook Profil des Magazins „Vice“ zum Beispiel erhielt die Aktion in kurzer Zeit fast 4.000 „likes“ und in zahlreichen Kommentaren außerordentlich unterschiedliche Bewertungen. Damit hat die Aktion das erreicht, was für intervenierende Kunst auf der Höhe ihrer Zeit unabdingbar ist: sie hat angeregt zum Diskurs und zu Nachdenken – sieht man von den Netzüblichen Pöbeleien ab. Bei den Diskussionen in den sozialen Medien waren zwei Gruppen stark vertreten: Diejenigen, die den Satiregehalt dieser Kunstaktion verstanden haben und Spaß hatten und diejenigen, in deren Posts sich auch die Motive für den Erfolg der AfD direkt widerspiegelten: Angst, Wut, Hass. Ein deprimierendes Fazit bleibt, selbst wenn die genaue Sitzverteilung noch nicht feststeht: Die AfD wird auf Jahre hinaus die Arbeit in zahlreichen kommunalen Parlamenten in Niedersachsen behindern. Sie bietet Ausgrenzung und Rassismus eine flächendeckende politische Repräsentanz, die aus Steuermitteln finanziert wird.

07.09.2016 – Freibier zur Kommunalwahl

Die Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 inszeniert zur Kommunalwahl in Niedersachsen am 11.09.2016 eine Intervention: Vor dem Wahllokal Humboldtschule, Ricklinger Str. 95, 30449 Hannover Linden-Süd, stellt die Künstlervereinigung SCHUPPEN 68 eine Kiste Bier auf, aus der sich alle, die nicht AfD wählen, ein Freibier nehmen können. An der Kiste kleben echte Fünf-Euro-Scheine, die mit echten Gedanken zur AfD beschriftet sind. Jeder Schein ist als Unikat ein Kunstwerk und kann von Kunstliebhabern mitgenommen werden. Hier die PM: PM SCHUPPEN 68 Freibier zur Kommunalwahl
Freibier zur Kommunalwahl
Freibier zur Kommunalwahl. (Die „Bild“ berichtete schon. Nicht nur der Kalk in meinen Knochen bröselt, auch alte Feindbilder …)
Die AfD ist für mich eine intellektuelle, ethische und ästhetische Beleidigung. An so was mache ich mir argumentativ nur dienstlich, da muss ich, die Finger schmutzig. Als zoon politikon und Künstler habe ich da andere Mittel. Mit Aufklärung und Argumenten, mit reiner Ratio allein ist dieser Partei nicht beizukommen. Insofern ist die Strategie der demokratischen Parteien, ihre Politik den Wählerinnen besser erklären zu wollen, hilflos und gescheitert. Das klappt seit Jahren nicht und was für ein Armutszeugnis ist das für die Parteien! Zu blöd, um die eigene Politik zu erklären? Dann sollte ich ehrlicherweise mein Geschäftsmodell einstellen.
Demokratie muss sich auch inszenieren, muss an Emotionen andocken, Bilder und Erzählungen erzeugen, die mehr bewirken als die Einsicht in das Argument und die Erkenntnis des eigenen Interesses. Die Intervention „Freibier zur Kommunalwahl“ ist ein kreativer Versuch, mit Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung eine kleine Erzählung zu inszenieren. Ein flüchtiges Bild für einen Tag in der Stadtöffentlichkeit sagt vielleicht mehr als 10 dauererigierte moralische Mittelfinger.
Die Aktion macht Spaß. Doch, ich habe durchaus geschmunzelt bei der PM, bei Sätzen wie „Jeder Schein ist als Unikat ein Kunstwerk und kann von Kunstliebhabern mitgenommen werden.“ Das ist einerseits zum reinen Ablachen, aber da steckt auf einer Metaebene jede Menge Kritik am aktuellen Kunstbetrieb drin. Wie überhaupt eine gelungene SCHUPPEN 68 Aktion sich immer auszeichnet durch einerseits derbe Politanarcho-Elemente à la Marx Brothers, an ihnen aber andererseits sich komplette Theoriestränge einer fortschrittlichen Ästhetik entfalten eines Sergej Tretjakov, oder Walter Benjamin. Aber keine Angst, liebe Leserinnen: Es ist völlig ok, wenn Sie nur Lachen.
Und mich toll finden. Schließlich ist es eine der größten Sauereien der Postmoderne, dass ich nicht den Rang eines Erwin Wurm oder von Fischli & Weiss besitze. Na ja, immerhin lebe ich wenigstens noch.
Allen einen charmanten Restsommer.

03.09.2016 – Wa(h)lnüsse knacken

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Karl Valentin. Und was für Arbeit. Nüsse knacken zum Beispiel, aber so, dass die Hälften nicht zerstört werden. Wofür? Dafür: Die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen lässt zur Kommunalwahl in Niedersachsen am 11.09.2016 Wa(h)lnüsse knacken. Der Inhalt der Wa(h)lnüsse: Forderungen der Landesarmutskonferenz an die Politik für eine nachhaltige Armutsbekämpfung!
Am 05.09.2016 ab 16 Uhr verteile ich in Hannover am Kröpcke Wa(h)lnüsse an Interessierte. Weitere Wa(h)lnüsse werden an Politiker_innen an Wahlständen verteilt und nach dem 11.09 an die frisch gewählten Fraktionen versandt, um sie daran zu erinnern: Massenarmut in einer der reichsten Gesellschaften ist eine harte Nuss, die endlich geknackt werden muss!
Wa(h)lnussWahlnuss
Wa(h)lnuss.
Die Aktion wird dann ein Erfolg, wenn Medien darüber berichten. Das ist ein Versuch, auf andere Weise öffentliches Bewusstsein zu schärfen zur Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich. Mit 64seitigen Broschüren und ähnlichem kopflastigen Zeug wird da sicher nichts bewegt. Außer Geld verbrannt und arme Büchertische mit gequält.
Hier unsere PM:LAK PM Kommunalwahl – Wa(h)lnüsse knacken
Hier die Forderungen: LAK Kommunalwahl 2016 – Inhalt der Wa(h)lnüsse
Kann nachgemacht werden. Bei so was verzichte ich auf das Copyright.
kultur macht arbeit
Karl Valentin macht Wahlkampf für die Linke in Berlin.
Die Zustimmung für die Linke sinkt. Traurig ist das nicht. Sie wird um ihre völkische Klientel bereinigt. Die wechselt jetzt mit fliegenden und nunmehr braunen Fahnen zur AfD. Ein bekanntes Phänomen, siehe KPD -> NSDAP nach Weimar.
Heiteres zum Wochenende:
Isländischer Wein, ungarische Liberalität und deutsche Komödien, so stelle ich mir die Hölle vor. Jede US Teenie Komödie ist in den Dialogen präziser und witziger als alles, was sich in Deutschland die Komödien-Pappnase aufsetzt. Beispiel, beim Zappen in einer dieser Teen Komödien in einem Dialog stecken geblieben. Archetyp Szene: Typ holt Mädchen ab, Vater nimmt ihn beiseite und nordet ihn (er kann sich an seine eigene Jugend nur zu gut erinnern) ein:
„Wenn meiner Tochter was passiert: Ich hab ne 45er und ne Schaufel und Dich wird niemand vermissen.“

27.08.2016 – Die Königsdisziplin der Stand-up Comedy ist der Straßenwahlkampf.

Am 11.09 sind Kommunalwahlen in Niedersachsen. Ich gehöre nicht nur keiner Partei an, richtig ist, dass ich eine eigene besitze, die Partei SCHUPPEN 68, deren Existenz auch nach 25 Jahren noch wie ein Sophokles Schwert (Witz für Abiturientinnen) zumindest derart über der Region schwebt, dass mich ein hiesiger Grünen-Chef unlängst in halbheiterem Ton auf der Strasse ansprach: „Und – trittst Du wieder an?!“
Nein. Tu ich nicht. Dafür unterstütze ich den Kandidaten Udo Selent aus der Region Springe.
udo postkarte vorne
Udo Selent, DIE LINKE. Ich boxe es durch. Postkarte Vorderseite.
Beim letzten Mal fehlten ihm ca. 30 Stimmen. Die hole ich dieses Mal, mit der Inszenierung eines Wahlkampfs, der etwas anders aussieht als der, den Parteien sonst auf dem flachen Land führen. Wenn das nicht klappt, empfinde ich das als persönliche Niederlage. Postkarten, Wahlprogramm, Straßenwahlkampf, Öffentlichkeitsarbeit – aber nicht nur als Spindoctor am Schreibtisch im Hintergrund, sondern auch als Rampensau an der Front, im Straßenwahlkampf. Auf dem Markt in Springe,
die mauer muss weg
Marktbesucher animieren, die Mauer zwischen Arm und Reich einzureißen, ein Quiz dazu und nebenbei Forderungen und Programm unter die Leute bringen. Das ist anders als im hiesigen Kiez, wo die Linke bis zu 25 Prozent holt, hartes Entertainment-Brot. Comedy muss ja da mit Inhalt gefüttert sein, darf aber trotzdem nicht in Kabarett ausarten, weil dafür die Zeit des Kurzkontaktes nicht reicht. Wer das beherrscht: Hut ab. Hab ich am Morgen danach vor dem Spiegel gemacht. Ich bin echt gespannt auf das Wahlergebnis vom 11.09. Auch als Vorbereitung auf die Landtagswahl Anfang 2018 hier. Wenn man schon auf parlamentarische Optionen setzt, ist R2G für Niedersachsen nicht das Schlechteste.

25.08.2016 – Alles Avantgarde

Von links (von wo sonst)
Das Ohrensuppe-Trio Sievers, Dr. Dinghaus, Gleitze?
Alle Projekte des SCHUPPEN 68 sind Avantgarde, so auch Ohrensuppe, das Satiremagazin auf Radio Flora, Hannovers Webradio. Während alle Welt versucht, möglichst hohe Klickzahlen zu generieren, Reichweite, Leserinnen, Hörerinnen, Auflage, Verbreitung zu erzielen, schlicht in den Besitz jener Währung zu gelangen, die neben Geld der Standard auch bei der Kulturproduktion ist: AUFMERKSAMKEIT, gehen wir bei Ohrensuppe den anderen, avantgardistischen Weg: Wir machen uns rar. Unser Fünfjahresplan war: Wir wollen am Ende des Planes eine Hörerin. Nicht 25.000, nicht 7 Milliarden, nicht 68. Eine. Das haben wir jetzt geschafft.
Eigentlich ist ja nur der ein Künstler, der dafür sorgt, arbeitet, dass seine Produkte auch bekannt werden, auf dem Markt erscheinen. Alles andere ist Volkshochschule oder Therapieersatz.
Diese Sichtweise wollen wir ändern. Wir orientieren uns am Diktum der chinesischen Genossinnen der Ein-Kind-Politik. Wir fordern die Ein-Hörer-Politik! Weg von der Masse, hin zur Klasse! Eins ist das neue Viele!
Um unsere eine Hörerin an uns zu binden (Null Hörerin wär’ jetzt nicht soo prickelnd. Da würde man sich schon fragen, was in der eigenen Kindheit schief gelaufen ist, wenn man/frau jahrelang eine Radiosendung für Null Hörerinnen produziert), veröffentlichen wir in diesem Blog regelmäßig „Best of ..“ Ohrensuppe Beiträge. Wir beginnen mit einem Gedicht von Hermann Sievers, der Feldhaubitze unter den Dichtern, dem Granatwerfer der Lyrik, der Stalinorgel des Versmasses. Das Gedicht greift das Topos des Sündenbocks auf am Beispiel von Fethullah Gülen. Viel Spaß dabei, liebe Hörerin, und denken Sie dran: am 27.09. ist wieder Ohrensuppe, von 20 – 21 Uhr, und die Sendung wird 18mal wiederholt! Hier das Gedicht:

Gülen war’s

Wer füllt mit Heroin Kanülen?
Der Terrorist Fethullah Gülen

Wer hilft im Haushalt nie beim Spülen?
Der Macho-Moslem namens Gülen

Wer will in der Moschee Bier kühlen?
Wieder mal Fethullah Gülen

Und tut beim Sex Frau Erdoğan nichts fühlen,
war’s nicht ihr Mann – es war Herr Gülen

Hermann Sievers
August 2016