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22.10.2024 – Armut, Medien und Eitelkeiten

Kegel-Aktion gegen Sparpolitik, Landesarmutskonferenz Niedersachsen in der City von Hannover, zum Weltarmutstag am 17.10. Details hier in der dpa Meldung bei der Süddeutschen.

Die Aktion war gegen 14 Uhr beendet. Die Meldung ging via dpa bundesweit um 14.24 Uhr viral. Im Foto oben rechts ist der dpa Fotograf zu sehen, wie er während der Aktion seine Fotos per Handy an die dpa-Redaktion schickt. Der Text dort war auf Basis unserer PM vom 11.10.2024 vorformuliert. Text und Foto wurden dann noch während unserer Aktionen an alle Redaktionen bundesweit gemailt.

Die übernehmen das, je nach Interesse, direkt und unbearbeitet aus dem dpa-News-Kanal. Deshalb ist der Goldstandard einer Pressemitteilung, sie so zu formulieren, dass sie bei der dpa, der Deutschen Presse-Agentur, auf Interesse stößt. Gleiches gilt für den epd, den Evangelischen Presse-Dienst, der der Thematik der Landesarmutskonferenz mit am nächsten steht. Der hatte bereits am 11.10 auf die Aktion hingewiesen

Wenn andere Medien noch größeres Interesse haben und die Aktion nach guten Bildern und Erzählungen aussieht, schicken sie eigene Vertreter*innen, wie oben in der Bild-Mitte rtl und links SAT 1 mit ihren Kamerateams. Hier der Film. Wenn Sie, liebe, Leserinnen, also für ein Anliegen via Medien werben wollen und auf einen Schlag damit Millionen erreichen wollen, erzählen Sie eine gute Geschichten und produzieren starke Bilder, die Ihr Anliegen sofort auf den Punkt bringen. Ob das was nützt, ist eine andere Frage. Aber erfolgversprechender als ein Info-Tisch mit Hundert Büchern und Millionen Flugis ist es allemal.

Es war also alles wie üblich in den letzten Jahren am Weltarmutstag, Aktion, Medien, auch der Sozialminister war gezwungen, öffentlich Stellung zum Thema zu beziehen. Er war nach besten Kräften bemüht ….

Eins war anders

Ich war nur im Hintergrund. Das erste Mal war mein Nachfolger verantwortlich. Hat er excellent gemacht, er hat ja auch den besten Coach der Welt…. Ich war gespannt, wie sich das für mich anfühlen würde, das erste Mal, dass ein anderer bei sowas sein Gesicht in die Kameras der Welt hält. Ich schätze den Rummel mit Medien durchaus – und das ist noch untertrieben. Beruhigt stellte ich fest, dass sich meine Eitelkeit auf ein Normalmaß reduziert hat. Es war mir egal, dass ich nicht den Welterklärer spiele. Hauptsache, Fabian, mein Nachfolger, macht es gut. Und das macht er. Da spielt natürlich auch eine Rolle, dass wir befreundet sind und auch so zusammen abhängen, obwohl uns Jahrzehnte trennen. Ich vermute, einen Idioten hätte ich von der Kamera weg gemobbt, nach dem Motto: „Von Dir Loser lasse ich mir mein Lebenswerk nicht kaputtmachen“.

Bei aller Egowahrnehmung aus gegebenem Anlass hatte ich aber vor Ort den Blick nach außen nicht ausgeschaltet. Wir stehen dort immer am gleichen Ort, direkt neben einem Abfallbehälter. Früher kamen während einer Aktion immer zwei, drei Leute vorbei und durchsuchten den. Mittlerweile ist das ein steter Strom, einer nach der anderen …. Vielleicht sollte sich der Sozialminister mal ein, zwei Stunden dazu stellen.  Auch an den Abfallbehältern entscheidet sich die Entwicklung der Demokratie…        

19.10.2024 – Über das Prekariat oder: Wie der Schriftsteller Clemens Meyer einmal den Mond anheulte

Der sehr erdnahe Mond leuchtete neulich den Garten hell aus, fast unheimlich.

Fast unheimlich ist auch die Existenz eines riesigen Prekariats in Deutschland, einem der reichsten Länder Erde. Ein einziger Mensch, der Unternehmer Kühne, besitzt so viel Vermögen wie der gesamte Etat des Landes Niedersachsen für 2025, 44 Mrd. Euro. Wahrscheinlich hat er noch viel mehr. Nichts ist so schlecht ausgeleuchtet wie die Vermögensverhältnisse der Superreichen. Fast genauso schlecht ausgeleuchtet in Deutschland sind die Lebensbedingungen des Prekariats, das an die Stelle der Arbeiterklasse getreten ist. Mit allen politischen Konsequenzen, die auf der Tagesordnung stehen.

Rund sieben Millionen Erwerbstätige arbeiten in Deutschland in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, also zum Beispiel nicht in Vollzeit oder unbefristeter Anstellung. Das sind 20,9 Prozent der insgesamt 33,4 Millionen abhängig Beschäftigten, die in Leiharbeit, Teilzeit, Minijobs, Befristung arbeiten. Und oft arm trotz Job sind. Dazu kommen noch kleine Selbstständige, die an der Armutsgrenze lavieren, und Hunderttausende Scheinselbstständige bei Lieferdiensten oder in der Fleischindustrie. Die Fleischindustrie, Schwerpunkt Schweinegürtel in Niedersachsen, gleicht einer Mafia. Dort werden die Menschen, mehrheitlich osteuropäische Arbeitssklaven, bis aufs Blut ausgebeutet (von den Tieren ganz zu schweigen) und wer dagegen seine Stimme erhebt, wird beschimpft und bedroht. Hier erreicht die „christliche“ Union noch zuverlässig absolute Mehrheiten, zum Wohle der Schweinebarone dort. Böse Zungen behaupten, in den Schlachthöfen der Gegend würden die falschen Schweine zerlegt. Nicht gerade christlich formuliert, aber der Zynismus liegt mehr in der Realität dort vor Ort als in solchen Worten.

Zum Prekariat müssen wir noch die klassischen Armen, Arbeitslose rechnen, und jene, die ein Normalarbeitsverhältnis haben und mit ihrem Niedriglohn trotzdem am Ende des Monats einen leeren Kühlschrank haben. So dass es nicht Wunder nimmt, dass ca. 40 Prozent aller Haushalte in Deutschland keine Rücklagen für eine Notsituation haben, nicht mal eine Woche überbrücken können. Zustände, von denen weder die politische Klasse noch die gutverdienenden Eliten und Funktionsträger eine Vorstellung haben. Und auch keine wollen.

Das Prekariat besitzt kein Klassenbewusstsein wie die Arbeiterklasse früher, keine politische Organisation wie z. b. eine Partei oder Interessenvertretung wie Gewerkschaften, keinen medialen Einfluss, natürlich keine Führungspersönlichkeiten, wie z. b. Klimabewegungen sie haben, keine Bündnispartner in der Zivilgesellschaft. Das, was das Prekariat hat, ist Hoffnungslosigkeit, Angst, Verzweiflung, Wut. Preisfrage: Was kommt bei einem derartigen Cocktail wohl politisch am Ende hinten raus? Mit Sicherheit nichts Grünes ….

Zum Prekariat gehören in der überwältigenden Mehrheit auch Kulturschaffende der Republik. Wie der Schriftsteller Clemens Meyer. Der kriegte auf der Frankfurter Buchmesse einen Wutanfall, weil er den Buchpreis nicht kriegte, obwohl er darauf gehofft hatte. Wie seine Mitbewerber*innen auch. Meyer heulte daraufhin die Konkurrenz, den Kulturbetrieb und den Mond wie folgt an, und verließ tobend die Veranstaltung: „  … Schande für die Literatur, dass mein Buch den Preis nicht bekommen hat. Und dass es eine Scheiße ist, eine Unverschämtheit.  .. Wichser … etc. pp …“

Meyer hat Schulden, die er mit dem Preis hätte tilgen können, eine teure Scheidung am Laufen und, laut Wikipedia : „ … Er ist leidenschaftlicher Fan und Förderer des Galopprennsports. Ihm gehörten mehrere Rennpferde … „

Von einem gesellschaftlichen Engagement zur Verbesserung der Lebensverhältnisse des Prekariats hierzulande seitens Herrn Meyer, der mit Preisen bisher überhäuft wurde, ist nichts bekannt.

Wenn Sie, liebe Leserinnen, wissen wollen, warum ich hier mitunter gegen jene Fraktion des Prekariats, nämlich die Kulturschaffenden, wüte, hier haben Sie es hier präzise auf den Punkt gebracht. Meyer, eine erbärmliche, bewusstseinslose Wurst, ein niveauloser Jammerlappen, wie er im Buche steht. Mein Rat an Kollegen Meyer: Versuch’s doch mal mit Arbeit.

18.10.2024 – Love letters to the city

Im Museum Urban Nation, Berlin-Schöneberg, Bülowstr. 7, keine 5 Minuten vom Grosz Museum aus dem letzten Blog entfernt. Eine völlig andere Szene, im letzten eher das gutsituierte linksliberale Bürgertum jenseits der 50. Im Urban Nation gehört man unter all den globalen Hipstern da mit über 50 eindeutig zu den absoluten Ausnahmen.

In der aktuellen Ausstellung „Love letters tot he city“ zeigen in (Zitat ) „ … neun Kapiteln rund 50 Kunstwerke, wie urbane Landschaften neu konzipiert und die Grenzen zwischen sozialen und politischen, physischen und konzeptionellen Räumen überwunden werden können. Mit diesen teilweise ortsspezifischen Werken erkunden die Künstler eine nachhaltige, integrative und gerechte Zukunft durch die Aneignung des öffentlichen Raums. Themen wie Verstädterung, Gentrifizierung, Umweltprobleme und soziale Ungleichheit regen zur kritischen Diskussion und zum positiven Wandel an… „

So unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick scheint, sind die beiden Museums-Welten gar nicht. Den sozialökonomischen Status, den die Besucher*innen des Grosz Museums haben, streben die fleißigen, jungen, hippen Elitenjugendlichen im Urban Nation an. Und würden ihn ohne Zweifel auch erreichen und sich in 30 Jahren an ähnlichen Orten wie dem famosen Grosz Museum rumtreiben. Wenn ihnen der Lauf der bösen, bösen Geschichte da nicht mal einen Strich durch die Rechnung macht. Und in 30 Jahren als Folge von Kriegen, Seuchen, Rezessionen, Klimafolgen Städtetrips im Billigflieger rund um den Globus entweder sowas von out sind, gar nicht mehr möglich sind, weil es schlicht weder Flugzeuge noch funktionierende Flughäfen noch Museen gibt oder weil dann eine völlig andere Welt mit völlig anderen Fragen als der eines jeweiligen individuellen Sozialstatus existiert.  

Grosz Museum und Urban Nation verbindet viel, so formal unterschiedlich die Exponate auch sind: In den Werken drücken sich kollektive Wünsche und Sehnsüchte nach einer besseren

Welt aus, nach Gerechtigkeit, Teilhabe, nach einer Öffentlichkeit, einer Stadt, die allen gehört. Beiden Ausstellungen wohnt ein radikaler, politischer Impuls inne, mit hohem ästhetischem Eigenwert, und damit sind sie weit jenseits des normalen zeitgenössischen Kunsthandwerksgepinsel und Geklempnere.

Graffiti spielen natürlich eine Rolle in der Ausstellung. Hier ein Werk, dass den Ursprung der Graffiti-Technik abbildet, das sogenannte Sgraffito , den Abtrag von Putz an der Wand. Das ist auch der begriffliche Ursprung von „Graffiti“.

Nichts wie hin. Eintritt frei (eine pfiffige Wirtschaftsförderungsmaßnahme), leicht zu finden, das bunte Haus.

17.10.2024 – Existiert nur noch bis 25. November 2024!

Grandioser Ort. Das kleine Grosz Museum in einer alten Tankstelle in Berlin-Schöneber

Während direkt vor der Tür die U-Bahn vorbeidonnert (in Berlin ist die U-Bahn schon mal als Hochbahn unterwegs, dafür fahren S-Bahnen dann unterirdisch) und der Verkehr der Bülowstraße saust und braust, ist hier eine Oase hinter einer Wand aus Bambus.

Die aktuelle Ausstellung ist womöglich noch grandioser als der Ort. Unter dem Titel „Was sind das für Zeiten? – Grosz, Brecht & Piscator“ widmet sie sich der künstlerischen Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen dem Künstler George Grosz, dem Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht und dem Theatermacher Erwin Piscator. Ende 1927 inszeniert Piscator im Theater am Nollendorfplatz „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ von Jaroslav Hašek, den ein Autorenkollektiv unter zentraler Mitwirkung von Brecht für die Bühne bearbeitet. Grosz liefert Hunderte von Zeichnungen für das Stück. Die multimediale Inszenierung schreibt Theatergeschichte und wird zum großen Bühnenerfolg. Die begleitend zur Aufführung veröffentlichte Hintergrund-Mappe von Grosz führt zum längsten Kunstprozess der Weimarer Republik. Diese Ausstellung präsentiert epochale Werke, an denen Grosz, Brecht und Piscator gemeinsam arbeiteten. Ihre künstlerische Kollaboration mündete in zeitlosen Arbeiten, die die Gräueltaten des Faschismus aufdeckten, entschieden gegen Militarismus ankämpften und für die Meinungsfreiheit eintraten – Werke, die in Zeiten wie diesen nichts an Aktualität verloren haben. (Zitiert nach Ausstellungskatalog.)

Hitler in Hell. 1944. Öl. Grosz ist bekannt als Meister des Strichs, als Karikaturist. Aber auch in Öl und Aquarell ist er famos

Begräbnis 3. Klasse. 1930. Aquarell.

Auf den Schultern dieses Riesen stehen all die Karikaturisten-Nachfolgegenerationen, teils witzig, teils könnerhaft, mitunter kritisch. Aber die Brutalität, Expressivität, das unmittelbar ins Gemüt Greifende, die Präzision in der Aussage hat keiner von den zeitgenössischen Epigonen von Gernhardt über Wächter, Poth, Traxler, etc. pp. erreicht. Sie waren im Vergleich zu Grosz letztlich nur harmlose Spaßmacher und Clowns des Kulturbetriebs.

Grosz wurde in der BRD als Milieuzeichner, Genremaler zwar gewürdigt und geschätzt, aber eben auch kleiner gemacht als er war. Die unbedingte Parteilichkeit und der konsequente Antifaschismus seiner Arbeit wurden gerne mal unter jenen Teppich gekehrt, unter dem sich der Schmutz des zeitgenössischen Bürgertums stapelt. Der antibürgerlicher Kunstbegriff von Grosz gipfelte in der Anklage gegen den individualisierenden, vermeintlich unpolitischen Künstler, der im Geniewahn über allen Wassern zu schweben meint: „ … Arbeitet ihr etwa für das Proletariat, das der Träger der kommenden Kultur sein wird? […] Eure Pinsel und Federn, die Waffen sein sollten, sind leere Strohhalme.“ Das mit dem Proletariat würde ich heute, 100 Jahre später, anders formulieren. Aber sonst: Ein Satz wie ein Leberhaken.

Von gleichem Kaliber sind natürlich Brecht und Piscator und so vereint diese Ausstellung die Supergroup linker Kulturschaffender der Weimarer Republik und der Nachkriegszeit.

Aktuell wird ja die Weimarer Republik wieder in der Bürgerpresse gerne zitiert. Im Zusammenhang mit dem Aufstieg des zeitgenössischen Faschismus wird sie in düsteren Menetekel-Farben an die Wand der Republik gepinselt. Wenig Worte dagegen über den antifaschistischen Widerstand der damaligen Zeit. Da würde man dann schnell bei Militanz und Gewalt landen, auch bei der KPD. Und das kehrt die Bürgerpresse dann doch mehrheitlich lieber unter den schon bekannten Teppich. Das ist ihr zu „Igitt!“

Grosz war natürlich Mitglied der KPD.

Warnhinweis: Die Ausstellung endet am 25.11.2024. Dann schließt dieses Museum endgültig seine Pforten! Also nichts wie hin.

13.10.2024 – Im auflösenden Zustand der Selbstverzwergung

Die Linke, im auflösenden Zustand der Selbstverzwergung. Im Streit um einen Antrag zu linkem Antisemitismus beim Berliner Linken-Parteitag verließen ca. 40 Delegierte aus Protest gegen eine Verwässerung der Kritik den Saal.

Der Verweis auf Menschen im Original-Antrag, die sich explizit als links verorten und antisemitisch artikulieren, sowie der Verweis auf die Aufrufe zur Vernichtung Israels sollte nach einem Änderungsantrag fehlen. In einer Passage, in der es um den Schutz des jüdischen Lebens in Berlin ging, sollte laut »Tagesspiegel« zudem der Zusatz »unter Einsatz rechtsstaatlicher Mittel« gestrichen werden. Das fand die Mehrheit der Delegierten. Daraufhin zogen die Antragsteller*innen ihren Original-Antrag zurück und verließen den Saal. Die einzig richtige Entscheidung. Wo Antisemitismus ist, können Linke nicht sein.

Der Berliner Parteitag spiegelt den dramatischen Verfall der Linken realistisch wider, die ihre Selbstverzwergung weiter aktiv vorantreibt. Und das in einer Zeit, wo eine radikale Linke, jenseits der immer reaktionärer auftretenden Grünen und SPD, notwendiger denn je wäre. Darüber hinaus dürfte der Berliner Parteitag das Zahlenverhältnis zwischen anständigen Linken und antisemitischen Pseudolinken realistisch widerspiegeln. Letztere sind die Mehreren.

Ich würde gerne über was anderes schreiben als Antisemitismus, das verfinstert mir zusehends das Gemüt. Aber leider lässt die böse, böse Realität das nicht zu. Darüber hinaus ist das Schreiben im Blog darüber für mich ein Akt der Katharsis und der Anblick des Gartenzwerges oben im Bild streut dem Geschehen jenen Hauch von Groteske bei, der die Zumutungen der Realität in einem Grinsen wenn schon nicht erstickt, so doch so deutlich mildert, dass einer sonnigen Herbstwoche gefasst ins Auge geschaut werden kann.

Ich hätte lieber über den 75. Geburtstag des DGB geschrieben und den Zustand der Gewerkschaften in einem chronischen Prozess der, siehe oben, Selbstverzwergung. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder hat sich in den letzten 30 Jahren fast halbiert. Mittlerweile kann man Gewerkschaften als Koloss auf tönernen Füßen bezeichnen. Ein paar kräftige gesellschaftliche Erschütterungen und die ganze Pseudoherrlichkeit kracht in sich zusammen. Beispiel Region Hannover: VW droht ebenso mit Standort-Schließungen wie der Autozulieferer ZF, bei mir umme Ecke, Hanomag Komatsu, 10 Minuten von umme Ecke entfernt, baut Hunderte Stellen ab, bei Krauss-Maffei Hannover, vormals Berstorff, ehemaliger Arbeitgeber, geht dem chinesischen Investor langsam die Geduld aus, da ist der ganze Standort bedroht. Ein paar Beispiele, wo tausende gut verdienende Facharbeiter*innen betroffen sein können.

Bei deren Protest auf der Straße möchte ich lieber nicht dabei sein, der wird völkisch Standortorientiert sein, die Wut wird sich auf Minderheiten richten, mit entsprechendem Wahlverhalten einer Klientel, die jetzt schon überdurchschnittlich AfD wählt. Wie die Gewerkschaften mit dem Rechts-Ruck und Druck ihrer Kernklientel umgehen werden, möchte ich mir lieber nicht ausmalen.

Was bleibt? Spontane Realitäts-Fluchtreflexe sind teuer. Direktflüge nach Korfu nur über Stuttgart und sündhaft teuer.

Oje. Also weiter schreiben und n bisschen Action.

12.10.2024 – Da sieht’s wieder aus wie bei Hempels unter dem Sofa.

Kleine Freuden des Alltags: Immer noch ploppen unverhofft Blüten auf, wie hier die lila Ackerwinde. Die Sonnenblumen dagegen knicken jetzt unter der Last des Herbstes nach und nach ein und lassen die Köpfe hängen. Wem fiele da nicht der aktuelle Politikbetrieb ein …

Kleine Freuden des Alltags 2: Nachbars Muschi guckt vorbei.

Weniger erfreulich: Ich merke zusehends, wie der nach dem 7. Oktober 2023 massiv aufgebrochene Antisemitismus Spuren bei mir hinterlässt. Mehr und tiefer als andere gesellschaftliche Krisen. Während Corona war ich öfter mal ebenso wütend über die Blödheit, Unvernunft und Rücksichtslosigkeit der Corona-Schwurbler wie ab und an über die wachsende Spaltung der Gesellschaft. Manchmal bin ich mehr als wütend, eher zornig über den anschwellenden Faschismus. Aber das sind alles Phänomene, die kann ich mir erklären, da stecken Interessen dahinter, oder zumindest Bedürfnisse, die, wenn auch falsch, so doch erklärbar und analysefähig sind.  Zum Beispiel die Sehnsüchte eines Faschisten nach einem starken Führer, nach Unterwerfung, nach Ordnung, Disziplin, aber auch seine Sehnsüchte nach Zerstörung, Vernichtung, dem Tod. Über allen kulturellen Äußerungen des Faschismus schwebt der Schleier des Todes. Man schaue sich nur die zehntausenden Kriegerdenkmäler in unserem Land an, wo in jeder Kuhbläke der „Helden“ zweiter Weltkriege gedacht wird. Diese in Stein gemeißelten düsteren Soldatenkiller sind der graue Horror, in jeder Fuge wohnt ihnen schon der nächste mörderische Schrecken inne. Der Gott des Faschisten ist nicht Eros, sondern Thanatos.

All das hat eine gewisse Logik, folgt einem System von Interesse und Bedürfnis, ärgert mich mitunter, hält mich aber weder intensiv noch nachhaltig von den kleinen oder sogar großen Freuden des Alltags ab.

Anders der Antisemitismus. Er ist mir im letzten und tiefen Grund unerklärlich. Woher dieses flächendeckende, weltweite Wahnhafte, über alle Klassenschranken, Geschlechtergrenzen, Ethnien, Altersgruppen etc. hinweg? Wieso ausgerechnet Juden als Hassprojektion? Wieso nicht, eigentlich viel verdienter, Christen mit ihrer schrecklichen, blutigen Vergangenheit? Oder die immer durchgeknallteren nationalistischen Hindus in Indien? Ganz zu schweigen von den Moslems, denen man in jeder Faser anmerkt, dass sie nie so etwas wie ein Zeitalter der Aufklärung durchlaufen haben? Was ist mit den schlichtdumpfen Buddhisten, den Konfuzianern etc. pp?

Jede Religion ist von Übel, aber was haben ausgerechnet 0,19 Prozent der Weltbevölkerung, 15 Millionen Jüd*innen, an sich, dass sie so wahnhaft gehasst werden?

Und wieso ausgerechnet Israel als Objekt so vieler Vernichtungsphantasien? Wieso nicht China, Russland, USA, Japan, Deutschland, Nordkorea, Afghanistan etc. pppp. Jede Kolonialmacht hat 10x mehr Dreck am blutigen Stecken (entgegen allem breitgetretenen Blödsinn ist Israel keine Kolonialmacht. Die zwei Millionen arabische Staatsbürger in Israel genießen annährend die gleichen Rechte. Ihre Benachteiligung und Unterdrückung ist vergleichbar mit weltweiter grundsätzlicher struktureller Unterdrückung und staatlicher Repression von Minderheiten). Israel hat eine reaktionäre Regierung. Aber welcher Staat hat  die zur Zeit nicht? Das Wesentliche, was Israel von allen anderen Staaten unterscheidet: Es ist von Hunderten Millionen Menschen umgeben, Staaten, Terrorgruppen, die seine Vernichtung wollen.

Wieso also ausgerechnet Israel?

Dieses Irrationale, Unerklärbare, dieses Loch in der Zivilisation, da seit dem 7. Oktober 2023 immer deutlicher wird, hinterlässt unerfreulichere Spuren als anderes in mir. Beim Anblick von antisemitischen Demos z. B. ploppen in mir Wünsche nach einem robusten Einschreiten des staatlichen Repressionsapparates auf, die ich in der Form bisher nicht hatte. Ich meine hier ein sehr robustes Einschreiten ….

Allein die Tatsache, dass ich mich damit beschäftigen muss, wo sind die Grenzen zwischen meinem Zorn des Gerechten und meiner überschießenden Wut der Antizivilisation, ärgert mich. Ich hab echt besseres zu tun. Müsste zum Beispiel die Veranda fegen, da sieht’s wieder aus wie bei Hempels unter dem Sofa….

11.10.2024 – Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die Hamas!

Festival of Lights, Berlin, Humboldtforum. Beim Festival of Lights werden in Berlin nach Einbruch der Dunkelheit Lichtkunstwerke an markante Gebäude projiziert, über deren komplette Fläche. Ein überwältigender Anblick, Drogenrausch ohne Drogen. Kunst als Überwältigung, eine legitime Funktion und Strategie, jenseits von Aufklärung, Erbauung, Versenkung. Ökologisch nachhaltiger wäre es vermutlich, Scherenschnitt-Puzzles da aufzuhängen. Aber spätestens seit die heilige Johanna der Ökos, die militante Antisemitin Greta Thunfisch, bei der Gaza-Hass-Demo letzten Montag am Südstern aufkreuzte, entsichere ich jedes Mal, wenn ich das Wort „Öko“ höre, meine Pistole.

Parallel zur Demo der Terror-Sympathisant*innen am Südstern, ca. je zur Hälfte gewaltbereite Autonome und Antiimperialistinnen sowie Menschen mit palästinensischem Hintergrund, fand am Potsdamer Platz ebenfalls eine Pro-Palästina- Demo statt, die allerdings ein völlig anderes Setting hatte: Ausschließlich Angehörige der palästinensischen Community, mit expliziten Redebeiträgen, die Tonlage emotional, aber keinesfalls dieser hysterische Kammerton Hass, der am Südstern vorherrschte. Alles verlief gewaltfrei, die Polizei hielt sich im Hintergrund.

Ich war auch deshalb zur Demo am Potsdamer Platz geradelt, weil dort die Hochhäuser Bestandteil des Festivals waren. Die Demo überraschte mich positiv. Ich kann nicht einschätzen, inwieweit die Teilnehmenden dort diskursfähige demokratische Ansprechpartnerinnen sind. Aber anders als über Kommunikation, Austausch wird es keine Lösung für wachsenden migrantischen Antisemitismus geben. Grundsätzlich kann aus meiner Sicht die Auflösung von Faschismus, Terror, Hass nur aus Gaza und den angrenzenden Regionen selbst heraus erfolgen. Die Bevölkerung dort müsste das Unterdrückungsjoch der Hamas abschütteln, sich selbst emanzipieren, gleiches müsste aus den Communities hierzulande erfolgen.

Ich bin da allerdings skeptisch. Wie gut das mit dem Abschütteln des Jochs und der Emanzipation aus sich selbst heraus klappt, haben wir ja 1945 in Deutschland und Japan gesehen. Den Japaner hat erst die Atombombe auf die Friedensspur gebracht und von Deutschland gab es nichts mehr zu befreien von Nazis, Deutschland war praktisch vollständig von den Alliierten erobert. Beiden faschistischen Ländern fehlte komplett auch nur der Ansatz einer Befreiungsbewegung, einer Resistance, abgesehen von ein paar verzweifelten und heldenhaften bürgerlichen, fortschrittlichen und kommunistischen Widerstandsgruppen.

Und die globale Mentalität spricht auch gegen zivilgesellschaftliche Ansätze: so unterschiedlich die Regionen der Welt auch sein mögen, eins eint sie, ob sie arm sind oder reich: Antisemitismus. Ich warte noch auf die ersten Palästinaflaggen in der Antarktis oder am Nordpol, an Forschungsstationen, auch die Wissenschaftsgemeinschaft ist durchseucht mit Antisemitismus. Apropos: Nachher werden die Trägerinnen des Friedensnobelpreises bekannt gegeben. Würde mich nicht wundern, wenn es dieses Mal die Hamas wird.

Schön sind immer die kleinen Begegnungen am Rande:

Am Potsdamer hatte ich ein angenehmes Gespräch mit diesem Mitglied der APPD, nach dem SCHUPPEN 68 die zweite Satirepartei, die jemals zu einer Wahl in der BRD angetreten ist. Der nicht mehr ganz junge Mann war überaus eloquent und radikal, aber entgegen seinem T-Shirt Motto nicht ganz konsequent. Unser Gespräch wurde durch Kunden von ihm beendet. Er war Lenker einer Fahrrad-Rikscha, ein ziemlicher Knochenjob in der Benzinhölle von Berlin.  

08.10.2024 – Antisemitismus: hip, stylish, revolutionär.

7. Oktober, Antisemitische Palästina Demo Kreuzberg, Am Südstern, ca. 500 Teilnehmende, die Hälfte Linke. Ich dachte im ersten Moment, das sei ein Satiretransparent. Für die Forderung nach einem säkularen Staat würden den offensichtlich von zuviel Gras benebelten Wirrköpfen wahrscheinlich im gesamten islamischen Raum die Hälse abgeschnitten.

Das Erscheinungsbild der linken Antisemit*innen bei der Demo: hip, stylish, revolutionär. Es ist offensichtlich cool und angesagt in linken und kulturbolschewistischen Kreisen, antisemitisch zu sein. „1312 “ auf der mit der schwarzroten Autonomenfahne versehenen Jacke des jungen Demolanten – später flogen noch Flaschen auf Journalisten – ist der Code für „All cops are Bastards“. Wird auch von Nazis verwendet.

Ich stand etwas erhöht auf einem Sandhaufen zum Fotografieren. En Polizist von einem Kamerateam sprach mich freundlich an: : „Würden Sie Ihren Standpunkt für polizeiliche Maßnahmen zur Verfügung stellen?“ Ich musste lachen: „Nichts lieber als das. Ich hoffe, die Wasserwerfer kommen bald und wünsche Ihnen einen stressfreien und erfolgreichen Tag“.

Nach getaner Dokumentationspflicht schloss ich mich der Mahnwache gegenüber an, wo circa 20 Verlorene mit Schildern für Solidarität mit jüdischen Menschen warben. 20 gegen 500, das sind die Maßverhältnisse im antisemitischen Deutschland, 80 Jahre nach dem Holocaust. Ich stand auch nur da, weil eine Kette von Dutzenden Polizisten uns gegen den hysterischen Mob auf der anderen Seite schützte. Dieses geifernde Eingepeitsche mit hasserfüllten Parolen über Megafon ist eine der gruseligsten Impressionen von der Demo. Da gibt es keine Redebeiträge mehr. Nur noch Hass und Hysterie.

Die 20 Verlorenen hielten schweigend Schilder in die Höhe, auf denen nur ein Wort stand: Shalom. Frieden.

05.10.2024 – Der beste Platz ist zwischen allen Stühlen

Hannovers Chef-Satiriker verteilt Millionen. Asphalt 05.2013. Das Thema gerechte Steuerpolitik ploppt seit vielen Jahren regelmäßig öffentlich auf, wie das Krokodil im Sommerloch. Seit vielen Jahren nimmt die Spaltung der Gesellschaft zu, die Armen werden immer mehr und ärmer, die Milliardäre immer mehr und reicher, die Mitte der Gesellschaft zerbröselt wie ein Keks in der Sonne und wird immer aggressiver (natürlich nur gegen die da unten), seit vielen Jahren sind SPD und Grüne an der Regierung beteiligt, unterbrochen nur 2009 – 13 von einer CDU/FDP-Koalition, und seit vielen Jahren rührt sich nicht nur Nichts, vielmehr werden die Armen immer mehr ausgeplündert und die Steuern für Unternehmen und Reiche immer commoder.  

Und da wundert sich die politische und mediale Klasse, dass es dem Mob irgendwann reicht und er faschistisch wird. Die politische Klasse ist also entweder dumm, naiv oder verlogen-heuchlerisch in ihrer Verwunderung. Sie können sich aussuchen, was gefährlicher für die Demokratie ist. Gefährlich für den Frieden sind die nahezu unisono Reaktionen der beschriebenen Klasse auf die Wagenknecht-Demo am 3.10 in Berlin. Nicht dass ich große Sympathien für die Demo hege, der nackte „linke“ Antisemitismus, der Ralf Stegner da entgegenschlug, hat mir mal wieder das Würgen in die Kehle getrieben. Einfache Verhaltensregel: Hände weg von Demos, wo Palästinenser Flaggen wehen.

Stegners Position ging ungefähr so: Putin ist ein Verbrecher, sein Überfall auf die Ukraine ist zu verurteilen, die Ukraine hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Die Hamas ist eine antisemitische Terrororganisation, der Überfall am 7.10 ein Verbrechen, aber Israels Kriege an allen Fronten sind ebenso wenig eine Lösung wie grundsätzlich immer mehr Waffen, immer mehr Tote, immer mehr Kriege. Wir müssen unbedingt Verhandlungen auf allen Ebenen forcieren. Dafür wurde er von vielen „Friedensbewegten“ bei der Demo ausgepfiffen. Auf der anderen Seite wurde er von eigenen Partie“genossen“ und den Medien ebenso niedergemacht wie die drei CDU-Chef-Zonis aus Brandenburg, Thüringen und Sachsen, die gaaanz vorsichtig vom Bellizismus ihrer Partei und weiten Teilen der politischen Klasse abrückten. Aus Egoismus, weil sie Wagenknecht zum Regieren brauchen. Aber vielleicht sind 10 Prozent Einsicht dabei.

Stegner zwischen allen Stühlen.

Putin ist ein Imperialist, Kriegsverbrecher und verliert sich immer mehr in religös-orthodoxem Aberglauben, eine brandgefährliche Mischung. Aber erstens ist er nun mal Fakt. Und zweitens sei an den ehernen Grundsatz von Politik und Beziehungen überhaupt erinnert: Wenn man schon die Interessen der anderen Seite nicht akzeptiert, so sollte man sich zumindest mal in sie hineinversetzen, wie geht es dem Gegenüber, was fühlt er, um zu ermessen, was ihn antreibt.

Zum historischen Hintergrund von Putins Interesse jenseits seines Imperalismus ein Zitat vom damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, Februar 1990, kurz nach Fall der Mauer:

„ …  Wir waren uns einig, dass nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir nicht einverleiben wollen, sondern das gilt ganz generell …. „  

Das war unstrittiger, allgemeiner Konsens, es war 1990 sogar Konsens, keine Nato-Truppen in der Ostzone zu stationieren.

In den Folgejahren erweiterte die Nato ihren Herrschaftsbereich nach dem Motto „Was kümmert mich das Geschwätz von gestern“ sukzessive aus, bis direkt vor die Haustür Russlands. Genschers Lüge gehört zur Kategorie „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“.

Vielleicht sollten die stabilen Genies unserer politischen Klasse mal für einen kurzen Moment überlegen, wie sie sich wohl im umgekehrten Fall verhalten würden ….

Für mich gilt, was politische Positionen angeht: Der beste Platz ist zwischen allen Stühlen.

Eine Frage hätte ich aber schon noch: Wieso eigentlich nur „Hannovers“ Chefsatiriker?

Aber sonst alles fein. Bis auf das, was sich um den 7.10 nicht nur in Berlin an Antisemitismus abspielen wird.

03.10.2024 – Wir feiern die Einheit!

Stadtmagazin Schädelspalter, Hannover, 13. August 1992. 8.30 Uhr SCHUPPEN 68 Sternfahrt, um das Rad der Geschichte wieder zurückzudrehen. Wenn die Mauer wieder steht gibt es Freibier und Erbsensuppe.

Diese Aktion ist in jeder Hinsicht so grandios, so makellos, so brillant, von so messerscharfer Analysepräzision und hellseherischer Weitsicht, dass ich vor dem Initiator verehrend das Knie neigen würde, wäre ich der nicht selbst gewesen. Diese kompromisslose politische und ästhetische (wann hätten jemals Sackkarren, Freibier und Erbsensuppe in der zeitgenössischen Kunst eine Rolle gespielt, obwohl sie konstituierend für den Alltag von Millionen BRD-Insassen stehen?!)  Radikalität ist ein Grund dafür, warum der Kunst- und Politikbetrieb in der BRD mich niemals hat hochkommen lassen. Ok, Faulheit, mangelndes Talent, keine Zeit, kein Geld und Desinteresse mögen auch eine Rolle gespielt haben, aber anhören tut sich diese Opferrolle schon gut.

Die Mainstream-Rede von einer deutschen Einheit war damals Quatsch und sie ist heute noch viel Quätscher. Der Handlungsauftrag zur Herstellung gleichwertiger nationaler Lebensverhältnisse in der BRD resultiert aus § 72 GG . Ein Blick in die Wirklichkeit jenseits von Paragrafen zeigt: Die Lebensverhältnisse in der BRD sind so ungleichwertig wie nie zuvor. Immer mehr Obdachlose, Menschen, die in Mülltonnen wühlen, die Suppenküchen aufsuchen müssen, während sich immer mehr vollkommen leistungsunwillige, faule, nie einer Arbeit nachgehende Milliardenerben in obszönem Reichtum suhlen. Mir ist es dabei scheißegal, ob das in Niedersachsen, Berlin oder Thüringen stattfindet. Es findet statt und genau das ist das Problem im Kapitalismus.  Und nicht irgendwelche Uneinheitlichkeiten zwischen Leipzigern oder Hannoveranern, Friesinnen oder Mecklenburgerinnen, Sachsen oder Bayern. Ohne Kohle ist es überall Scheiße.

Dieses salbungsvollen Reichseinheizgequatsche dient nur dazu, den Mob mit Nationalgeist abzufüllen, damit er die wahren Ursachen der Probleme in unserer Gesellschaft nicht erkennt und schon gar nicht nach fortschrittlichen, demokratischen Lösungen sucht. Lieber auf Asylanten rumhacken.

Natürlich bin ich nach wie vor dafür, die Mauer wieder hochzuziehen, aber ich bin auch dafür, eine Mauer um Nazikieze in Dortmund zu ziehen, den antisemitischen Mob aus Neukölln einzumauern. Wir brauchen mehr Mauern! Schafft ein, zwei viele Mauern. Mauer to the People! Niemand hat die Absicht, keine Mauer zu bauen!

Dieses naive Anti-Mauern Gerede geht mir ehrlich gesagt auf den Keks. Keine Zivilisation ohne Mauern. Oder was glauben Sie, was Ihr Haus aufrechterhält? Spucke und Grundgesetz-Paragrafen? Nein, Mauern!

P. S.: Für die Älteren charmant die Zeitreise auf dem Auszug oben: Das literarische Quartett mit Reich-Ranicki, Löffler und Karasek… etc….