Ich und Adolf Dassler, der Gründer von Adidas, grübeln in der menschenleeren Fanzone vor dem Reichstag, warum die EM so Scheisse für Deutschland gelaufen ist. Adolf Dassler und sein Bruder, der spätere Gründer des Konkurrenzunternehmens Puma, traten am 1. März 1933 in die NSDAP ein. Nach dem Krieg denunzierten sie sich gegenseitig bei den Alliierten als Nazis.
Die Fanzonen vor Reichstag und Brandenburger Tor sind für die Budenbetreiber ein Desaster, was man bisher hört. Horrende Mieten, Unwetter, frühes Ausscheiden der Ostgoten, nur wenige Spiele dort im public viewing und 10 Euro für kleine , beschissene Hamburger , die Leute bleiben weg wie geschnitten Brot. Trikots der deutschen Mannschaft gibt es vor Ort mit 40 Prozent Rabatt. Ich komme Montag wieder, wenn es alles umsonst gibt.
Ich hatte vor Ort den Spaß dieses Sommers. Beim Rexona Fussball Contest erreichte ich einen Highscore von 8, dafür gab es ein Video meiner Kickerkünste. Als Preis kriegte ich einen Fanbrush, mit dem ich mein Gesicht in schwanzrotgold bemalen kann. Von der Ergo Versicherung kriegte ich einen hochwertigen Rucksack mit der Aufschrift „Ich habe Stadionformat.“
Hinterher waren wir im Mitte Museum in der Ausstellung „Letzte Anschrift Müllerstr. 163“. Die verschüttete Geschichte eines Hauses und seiner jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner.
Die ehemalige tschechoslowakische Botschaft in der Mohrenstraße. Aus meiner Serie: Botschaften der ehemaligen sozialistischen Bruderländer der DDR. Ein wundervolles Beispiel von Brutalismus in der Sonderform des sozialistischen Realismus.
Meine Landsleute überraschen mich immer wieder (Gelogen, Phrase). Hatte ich gedacht, die Petition mit Hunderttausenden Unterschriften zur Wiederholung des Spiels gegen Spanien wäre der an Peinlichkeit nicht zu überbietende Höhepunkt dieser Fußball-EM, sah ich mich gestern getäuscht. Der spanische Verteidiger, der im Spiel gegen die Ostgoten den Ball an die Hand bekam, wofür es regelgerecht keinen Elfmeter gab, wurde bei jedem Ballkontakt von zehntausenden Vollidioten ausgepfiffen. Es war derart unsportlich-würdelos, dass ich den Ton noch eher abschaltete als sonst, weil ich das Gequatsche nicht ertrage. Der langhaarige Zausel-Spanier zeigte den Arschlöschern auf seine würdevolle Art den Mittelfinger, als er sich nicht im geringsten darum kümmerte, ein fehlerfreies Spiel lieferte und die Schmach der Ostgoten komplettierte, als der Sieg gestern ein weiterer Schritt zum Titelgewinn der Spanier war. Dabei gehört doch der Titel den zehntausenden Pfeifern und Millionen Volksgenossen draußen im Lande! Und so jubelte mein Herz bei jedem Ballkontakt der Hand Zottels, wie ihn die Blöd liebevoll nennt. Oh Zottel, gepriesen sei dein Name!
Gesellschaftlich bedenklich aber fand ich an der Ungeisteshaltung gestern nicht so sehr das peinliche oder würdelose, sondern das trotzig-kindische, das dahintersteckt. Da zehntausende sich an dieser Unsportlichkeit beteiligten, können wir davon ausgehen, dass es sich um eine Art Nationalcharakter, zumindest einen flächendeckenden Wesenszug, handelt. Göttin schütze uns aber vor einer Nation, die nicht erwachsen denkt und handelt, sondern infantil und trotzig die Sandburgen der Nachbarskinder zertritt, weil sie nicht mehr mitspielen darf.
Lieber Hammern und Sicheln statt Jammern und Picheln. In Frankreich hat die Volksfront die Wahl gewonnen. Das ist ebenso überraschend wie positiv. Was im Falle eines Sieges der Franzosen-Nazis passiert wäre, lässt sich bereits jetzt auf kommunaler und regionaler Ebene da ablesen, wo der RN an der Macht ist. Kulturelles tabula rasa, missliebige Bücher raus aus den Bibliotheken, Mittelstreichung für widerborstige Kulturzentren, Organisationen, Projekte, Theater. Das hat bereits jetzt die Kulturszene in der sonst so widerborstigen Kulturnation Frankreich derart in Panik versetzt, dass sie in schweigende Schockstarre angesichts existentieller Jobbedrohungen vor den Wahlen verfallen war
Das kann in Deutschland nicht passieren. Da hat sich die Kulturszene schon seit Jahren politisch selbst kastriert. Mit einer Ausnahme: Wenn es um Antisemitismus geht, lässt sie sich von niemandem übertreffen.
Vielleicht kommen aber die Kulturbolschewisten jetzt aus ihren feigen Löchern und positionieren sich pro Volksfront. Wetten würde ich darauf nicht.
Volksfront als Zusammenschluss aller linken Strömungen und Parteien war früher ein magischer Mythos. Die Linken versetzte diese Utopie in hoffnungsvoll-kämpferische Euphorie, das Bürgertum in mörderische Wut. Wo sich Volksfronten abzeichneten oder realisiert wurden, griffen CIA, befreundete Organisationen und das Kapital ein, ermordeten die Protagonisten selber, zettelten Staatstreiche mit mörderischen Folgen wie in Chile an, unterstützten Bürgerkriege wie in Spanien oder reisten mit Koffern voller Geld zur Unterstützung der Konterrevolution an, wie die SPD im Falle Portugals nach der Nelkenrevolution.
Die mörderische Wut in Teilen des Bürgertums rührte nicht nur aus der vermeintlichen Bedrohung ihres Privatbesitzes, ihrer Großkonzerne und des Kapitals, sondern auch aus der für sie alptraumhaften möglichen Umwidmung ihrer Werte und Normen. Konsequente linke Umwälzungen der Gesellschaft würden auf allen Ebenen stattfinden. Das vermeintliche Ende der bürgerlichen Ehe, von Paarbeziehungen und Monogamie, welche historisch gesehen ja nur eine Ausnahmeregelung der Geschichte waren und keinesfalls ewige gottgewollte Ordnung, stünde vor der Tür, selbst das Ende des Staates als ewigem Agenten ihrer Interessen, kurz: Der Untergang des christlichen Abendlandes.
Zur Verhinderung dieser Apokalypse flossen Ströme von Blut.
Heutzutage lockt eine Volksfrontmehrheit keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Deren Chef ist ein veritabler Antisemit und die Forderungen stellen nicht den Untergang des Abendlandes dar: Erhöhung des Mindestlohnes, Absenkung des Renteneintrittsalters, Einfrieren der Preise für Grundnahrungsmittel und Energie, Beteiligung der Superreichen an der Finanzierung des Gemeinwesens. Zur Verhinderung von solchen Lächerlichkeiten werden heutzutage keine Killerkommandos mehr in Marsch gesetzt, sondern die Märkte. Die Renditen für französische Staatsanleihen, also für die Kredite der Staatsfinanzierung, werden steigen, die Verschuldung nimmt zu und mögliche Reformen fallen wegen Geldmangels ins Wasser der sauberen Seine. Das sorgt für Volks-Verdruss und dann schlägt die wahre Stunde des RN. Denn schuld an allem werden die Ausländer sein….
Aber immerhin ein rosa Streif am Horizont: Wenn schon keine andere Welt in den heutigen Zeiten mehr möglich ist, dann wenigstens andere Mehrheiten. Vive la France! Und ich muss mir jetzt überlegen, ob ich im Halbfinale zum Franzmann halten soll. Eigentlich galten meine Sympathien ja dem Zerschmetterer der Ostgoten, dem stolzen Spanier. Tja.
Deutschland ist im EM-Viertelfinale 2024 ausgeschieden. Und nun zum Wetter: Es wird wieder wärmer und sonniger. Vereinzelt sind Gewitter möglich, mit Schauern. Regen ist gut für Fingerhut, er benötigt im Halbschatten ausreichend Feuchtigkeit. Aus Fingerhut werden Herzglykoside, auch Digitalis-Glykoside genannt, hergestellt. Sie finden vor allem bei Herzinsuffizienz-Patienten mit Vorhofflimmern oder Herzrhythmusstörungen Verwendung. Allerdings kann eine Überdosierung tödlich wirken.
Nicht ganz so tödlich aber auch giftig wirkt der Rittersporn auf meiner Veranda, er enthält Alkaloide, die die Herzmuskulatur angreifen und psychoaktive Wirkungen haben können. Opium und Kokain sind weitere Alkaloide.
Schmackhaft und lecker hingegen sind die Wurzeln der Nachtkerze, die vor der Veranda wachsen.
Perspektivisch gesehen kann also die nächste Seuche kommen, ich bin für alle Eventualitäten eines Lockdowns mit Ausgangssperren gewappnet. Bis zum bitteren Ende.
Sollte der aktuelle Vogelgrippeerreger mutieren, hat H5N1 das Potenzial, eine neue Pandemie auszulösen . Das Risiko dafür ist gering, laut RKI, aber nicht auszuschließen. Die Letalität kann je nach Mutation bei über 50 Prozent liegen.
Das Ergebnis einer derartigen Durchmischung wäre unter Umständen ein Erreger, der eine hohe Infektiosität wie jede „normale“ Grippe hat und die erwähnt hohe Letalität.
Beruhigend laut Streeck ist die Impfstoffsituation:
„ … Wir befinden uns in einer ganz anderen Situation als bei Corona. Es gibt bereits wirksame Impfstoffe. Die Europäische Union hat bereits Impfdosen bestellt. Und in den USA werden Menschen mit viel Kontakt zu Rindern geimpft. Wenn es jetzt zu einem Ausbruch kommen würde, also zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung, würde man sofort diesen Ausbruch über Impfungen aller Kontaktpersonen eindämmen …“
Beunruhigend empfinde ich die gesellschaftliche Situation, also die Durchsetzbarkeit von Impfungen. Ich glaube nicht, dass wir die letzte Pandemie ausreichend aufgearbeitet haben und in der Bevölkerung ein flächendeckendes Grundverständnis über die Notwendigkeit von Impfungen besteht und eine Akzeptanz von möglichen Pflichtimpfungen. Ich glaube eher, dass die chronischen Dauerkrisen nahezu pandemischen Ausmaßes die Menschen immer irrer und irrationaler machen.
Beruhigend dabei der Halbsatz „Ich glaube“. Mit dem Glauben ist das ja so eine Sache. Ich glaube z. B. auch, dass ich demnächst einen Sechser im Lotto habe und dass die Schweiz Europameister wird.
Noch beruhigender ist folgender Disclaimer: Ich bin weder Virologe noch Epidemiologe, noch nicht mal Naturwissenschaftler oder auch nur Wissenschaftsjournalist. Ich versuche nur, mir im Prozess des Schreibens Klarheit zu verschaffen. Ich versehe daher den Prozess mit einem Warnhinweis, weil dieser Blog nach wie vor ca. 40.000 Besucherinnen im Monat hat. Es ist möglich, dass ich mich irre, selbst mit dem Satz: Ich irre mich. Logik, echt zum irre werden.
Also sehen Sie, liebe Leserinnen, mein Geschreibsel einfach als Anregung, sich selbst aufzuklären, mit der Nutzung des wichtigsten Werkzeuges, dass Sie besitzen: Verstand.
Deutsche Dreifaltigkeit: Die Liebe zum Auto, zum Fußball und zur Nation. Aber bisher wurde der Ball nach meiner Wahrnehmung angenehm flachgehalten, was Fahnenmeere, Autocorsi und andere National-Belästigungen angeht. Und hoffentlich hat sich das Morgen sowieso erledigt, wenn Spanien obsiegt. Dann führt mich nächste Woche mein erster Gang zum Tedi-Ein Euro-Laden, wo es dann Nationalfarbenparaphenalia für einen Cent gibt. Ich decke mich dort mit Papierservietten in Schwarzrotgold für die Grill-Saisons bis zur nächsten Fußball-WM ein.
Heuer fällt Grill weitgehend ins Wasser. Ob die Sommer früher, vor dem Krieg, alle so waren, viel Regen, wenig Sonne, selten heiß, weiß ich nicht. Was ich aus aktueller Naturbeobachtung im Garten weiß: Der Sommer bisher ist der mieseste seit vielen Jahren. Eine Graspflanze, die anfangs mit früh-üppigem, dichtem Wachstum zu den schönsten Hoffnungen berechtigte (Kurz und dick, Farmers Glück), hat das Wachstum fast komplett eingestellt
Und der Stand der Goldenen Neger ist ein trauriger Witz, Lichtjahre von Rekordhöhen an die 250 Zentimeter entfernt
Sonnenblume Goldener Neger.
Der Zustand dieses Sommers ist natürlich Regenwasser auf die Mühlen der Klimaleugner, denen der Unterschied zwischen Klima und Wetter egal wie der Harzkäse ist, welcher von allen Seiten gleich stinkt. Vom Klimaleugner zum Coronaleugner war und ist es nur ein kleiner Schritt und ich bin gespannt, wie die sich bei der nächsten Seuche verhalten. Die Uhr tickt unaufhaltsam. In den USA gab es jetzt den nächsten Fall des Übersprungs vom Tier auf den Menschen .
Da wurde mir doch kurz mulmig. Klimakatastrophen und der Übergang zum Faschismus, sowas passiert so schleichend, so jenseits von konkreter Alltagswahrnehmung, dass man das verdrängen kann, selbst wenn man auf der abstrakten und theoretischen Erkenntnisebene diese Szenarien als real einschätzt. Ein Nazi-Übergriff hier, eine Flutwelle im Ahrtal da, alles traurig, bitter und ins Puzzle passend. Aber das betrifft doch nur den Kopf und Verstand, solange man nicht direkt selbst bedroht wird, und nicht Bauch (das ist da, wo es mulmig wird) und Herz (das ist da, wo Beklemmung einsetzt, Angst). Aber eine Seuche kann wie ein Tsunami in Zeitlupe über einen hereinbrechen, man kann die Eieruhr neben die breaking news stellen.
„… Am 31. Dezember 2019 wurde der Ausbruch einer neuen Lungenentzündung mit noch unbekannter Ursache in Wuhan in China bestätigt. Am 30. Januar 2020 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der Ausbreitung und schnellen Zunahme der Infektionen mit dem Coronavirus 2019-nCoV eine internationale Gesundheitsnotlage aus. Am 11. Februar 2020 schlug die WHO den Namen COVID-19 für die Infektionskrankheit vor. Im Januar 2020 entwickelte sich die Krankheit zur Epidemie in China und am 11. März 2020 erklärte die WHO die bisherige Epidemie offiziell zu einer weltweiten Pandemie…“
72 Tage insgesamt.
Und 41 Tage von der Ausrufung einer internationalen Gesundheitsnotlage bis zur WHO-Erklärung des weltweiten Pandemiefalls.
Gesetzt den Fall: Was würden Sie, liebe Leserinnen, in 41 Tagen anders machen?
Neulich auf meiner Veranda. In der Sonne herrschten 53,6 Grad. Unter dem Baldachin aus Wein kam bei mir griechisches Feeling auf. Fast wäre ich in meinen Teich gehechtet. Nur die Wassertiefe von einem Meter hielt mich ab. Aber seit Tagen wieder Regen und es wird immer kälter, trüber. Wo ist die Klimakatastrophe, wenn man sie mal braucht? Mal wieder Wetter, wie früher. Was die Leute so reden, früher war es doch auch schon heiß und es hat geregnet. Klima, wenn ich das schon höre, alles linksgrünversiffter Kommunistenquatsch, um freie Fahrt für freie Bürger zu verhindern. So wie dieses Faschismus-Gerede. Früher hatten wir doch auch schon mal Hitler. Und was ist? Heute geht’s uns doch blendend. Vom Ende her gesehen also alles Superbenzin. Und erst das Pandemiegefasel. In amerikanischen Kuhställen breitet sich ein Grippevirus aus, das eigentlich Vögel tötet, nun aber Katzen und Mäuse umbringt. Auch Menschen werden krank. Bislang scheitern die Behörden an der Aufklärung. Droht der Welt eine neue Seuche? So heißt es in der Eliten-Prawda, dem Spiegel.
Ich hab die Seuche im Portemonnaie! Das ist Seuche. Schwindsucht. Katzen und Mäuse, wenn ich das schon höre. Wer braucht schon Katzen und Mäuse. Ich nicht. Wenn bei mir ne Katze im Garten rumläuft, Luftgewehr her, Peng, Peng, und ab in die Tonne das Viech.
Zitat aus dem Artikel hinter Bezahlschranke:
„ Zu Beginn starben Hühner, dann Menschen, die jüngsten zuerst. Lam Hoi-ka, 3, litt an Fieber und Halsschmerzen, kam bald in das größte Krankenhaus von Hongkong, und eine Woche später war der Junge tot. Die Ursache war ein akutes Versagen der Lunge, der Nieren und der Leber. Im lebendigen Leib war sein Blut geronnen. Etwas Außerordentliches war geschehen, wie Wissenschaftler aus den Niederlanden wenig später herausfanden. Ein aus China stammendes Vogelgrippevirus, bekannt als H5N1, war wohl von einem Huhn auf Hoi-ka übergesprungen, ein Vorgang, der nie zuvor beschrieben worden war. Mindestens weitere 17 Menschen hatten sich angesteckt, fünf davon starben.“
Das war 1997 in Hongkong. Damals wurde der gesamte Geflügelbestand dort getötet. Hat nichts genutzt, das Virus H5N1 verbreitet sich seitdem ständig und verändert sich, immer schneller, in immer „unwahrscheinlichere“ und aggressivere Varianten. Es überspringt selbst Arten-Schranken, die vorher für unmöglich gehalten wurden, siehe Kühe. Noch gibt es keinen Beleg dafür, dass sich H5N1 von Mensch zu Mensch verbreiten kann.
Noch.
Wenn das passiert, und die Frage ist nicht ob, sondern wann auf Grund der bisherigen Entwicklungsgeschichte, können wir es angesichts einer Letalität von über 50 Prozent mit einem Pandemierisiko zu tun haben, gegen das Corona vergleichsweise ein Spaziergang war.
Zitat: „Viren bleiben unberechenbar …. Der Seuchenzug von H5N1 hinein in die menschliche Population könnte morgen beginnen, im nächsten Monat, in Jahren oder nie. Influenza-Erreger waren auch in der Vergangenheit für Überraschungen gut: Wegen der Schweinegrippe H1N1 hatte die WHO 2009 schon den Pandemiefall erklärt, letztlich aber erwies sich die Grippe als weit weniger tödlich als befürchtet. Die H1N1-Grippe von 1918/19 hingegen hatte niemand kommen sehen, sie tötete weltweit bis zu 50 Millionen Menschen, ein Vielfaches der Opferzahl aus dem Ersten Weltkrieg.“
Aktuell bleibt zu hoffen, dass im Ernstfall Wissenschaft und Vernunft ähnlich schnell reagieren wie bei der letzten Seuche, wo innerhalb kürzester Zeit ein extrem potenter Impfstoff bereit stand mit minimalen Nebenwirkungen.
An der Wissenschaft zweifele ich wenig, an der gesellschaftlichen Vernunft erheblich. Unsere Gesellschaft bewegt sich derart in einen pathologischen Zustand von Hysterie, Irrationalität, Fakten-Verdrängung, Aggression, dass uns vielleicht das nächste Virus nicht umbringt, aber der gesellschaftliche Umgang damit, die mangelnde Durchsetzbarkeit von Vernunft.
Wie sagt Romeos Julia doch so passend angesichts des nahen Endes:
I havea faint cold fear thrills through my veins …
Gesehen in der Ausstellung „Public Viewing – Künstlerische Positionen zum Fußball“ zur EM im b-part im Park Gleisdreieck in Kreuzberg
Auf die Ausstellung bin ich per Zufall gestoßen, Gleisdreieck liegt bei mir vor der Tür. Ich habe mich vergeblich bemüht, im Bild oben satirische Elemente zu finden. Was für ein pubertierender Kitsch-Müll. Die ganze Ausstellung besteht fast ausschließlich aus Deko-Ware, nett anzuschauendes Gepinsel, das optische Gegenstück zu Kaufhaus-Dudelmusik oder Restaurant-Ohrtapeten. Auf meine Frage nach kritischen Positionen bedauerte die junge Kuratorin: „Da haben wir leider keine Einsendungen von den jungen Künstlerinnen zu erhalten.“ Und das in Berlin, an einem der hippsten Orte, Gleisdreieck. Wenn das die Kritik-Fallhöhe der zeitgenössischen Kunst ist, dann gute Nacht. (Eine Arbeit des genialen Ror Wolf war dabei , aber der ist jenseits aller Kategorien, und schon lange tot).
Je länger und intensiver ich den zeitgenössischen Kulturbetrieb betrachte, desto mehr steigt Grimm in mir auf und recht eigentlich, wenn es kein fulminantes Eigentor wäre, wünschte ich diesen unterkomplexen und strunzdummen Wichten mal ein paar Jahre strammes AfD-Regiment. Null Fördermittel, null Jobs, null Preisgelder, null Ankäufe durch den Staat, alle Strukturen gegen die Wand gefahren, so sieht eine Kulturlandschaft nach AfD-Art aus. Und da ist die Faschismus-Hardcore Variante der zweiten Phase der Machtübernahme noch nicht enthalten: Der Straßenterror. Erich Mühsam lässt grüßen….
Nicht nur ist der gemeine Kulturschaffende hierzulande und weltweit von einem veritablen Antisemitismus besessen, siehe Documenta und zahlreiche andere Gelegenheiten, sondern grundsätzlich derart fern aller relevanten gesellschaftlichen Konflikte (und damit meine ich nicht die Frage nach Diversität, Gender, sexueller Identität, Körpergrenzen, Fluidität und was dergleichen Gedöns mehr ist), dass man sich auch hier die alte DDR zurück wünscht mit dem Diktum: Geh auch Du, Genosse Künstler, in die Produktion.
Der Betriebsrat ist entsetzt. Aber nicht, weil es nicht 5 Jahre sind, sondern weil das eine Zumutung sei. Was zum Teufel soll schlecht daran sein, wenn zukünftige Chefs am eigenen Leib erfahren, was es heißt, 7 Stunden am Tag mal für eine längere Zeit z. B. täglich 2000 Autoteile aus einer 100 Tonnen-Hydraulik-Presse zu stapeln, wenn ob des dröhnenden Lärms keine Unterhaltung möglich ist, die Maschine den rasenden Takt vorgibt und sich der Körper am Ende des Tages so anfühlt, als hätte er selbst in der Presse gelegen.
Und was sollte schlecht daran sein, wenn Kulturschaffende mal zwei Jahre lang Projekte in sozialen Brennpunkten mit bildungsfernen, migrantischen Kindern und Jugendlichen machen. Das würde zumindest die Gefahr reduzieren, die Tapeten dieser Welt mit derartigem Müll wie oben zu verunstalten.
Die Kulturszene in Frankreich weiß, was auf sie zukommt.
Tools der Titanen. Ich hab mal reingeblättert und bin vor Neid erbleicht. Damit verdient der Mann echtes Geld. Mit einer Aneinanderreihung von Kalendersprüchen, Binsenweisheiten und hohlen Phrasen auf niedrigstem Sprachniveau. Was mache ich bloß falsch? Ich sollte hier doch Werbung schalten. Aber erst, wenn König Fußball nicht mehr die Welt regiert
Und wieder rollt das runde Leder,
daran erfreut sich fast ein jeder.
Ich hingegen lachte mich halb scheckig,
wär das Leder eckig.
Soviel zur Bewahrung des Begriffs „sich scheckiglachen“.
Und immer wieder grätscht die böse Politik dazwischen. Nicht in Erinnerung (wegen Schland gegen Dänemark heute Abend) an den Deutsch- Dänischen Krieg von 1864 . Dessen Folgen waren verheerend genug, war er doch – und keinesfalls der Sieg der Ostgoten über den Franzmann 1870/71, der war nur der Auslöser – die Initialzündung zur Gründung des deutschen Reiches von 1871. Und so mit verantwortlich für die darauffolgenden Weltkriege. Insofern hoffe ich aus tiefster Seele, dass dem Dänen heute Abend die Revanche für 1864 gelingt!
Nein, die böse Politik grätscht in Form der schrecklichen Biden-Bilder vom Duell mit Trump gestern dazwischen. Ein Tattergreis, im Bereich zwischen Senilität und Debilität, ich konnte selbst Ausschnitte nicht ertragen. Von was für Lemuren werden wir regiert. In Italien eine faschistische Mussolini-Verehrerin, in Frankreich ein unzurechnungsfähiger Egomane mit mangelhafter Impulskontrolle, in England ein abgehobener Milliardär, umgeben von einer Horde intriganter Narren und schlecht frisierter Halbidioten, da ist ja eine politische Nulllösung wie Olaf Scholz noch eine Lichtgestalt! Und das waren nur die noch (!) halbwegs stabilen Demokratien. Im Rest der Welt vollendete oder habituelle Faschisten und Diktatoren.
Man möchte nur weg, in eine andere Welt. Die von nüchternen Naturwissenschaftlerinnen regiert wird. Den besseren Menschen. Ich sehne mich immer noch nach ihr. Angela Merkel. Scheißpolitik, aber tolle Frau. Der musste ein Drosten die Pandemie und deren Folgen damals nicht erklären. Und wie die eiskalt alle Machos um sich abserviert und in den Staub getreten hat. Was hat Merz unter ihr gelitten. So schön. Das hat Shakespearesche Dimensionen.
Neulich sah ich sie in ihrem Stammlokal, dem Cassambalis in der Grolmannstrasse. Ein Grieche! Im tiefsten Westen von Berlin, am Kudamm. Fernab von all den Schickimicki-Edelitalienern in Berlin-Mitte oder Prenzlau, wo die eitle Berlin-Posse rumstolziert. Ein grauenhaftes Pack, so absolut inferior und unter meinem Niveau.
Mein Herz entbrannte an jenem lauen Abend in jäher Zuneigung zu Angela und für einen Moment überlegte ich, sie um ein Date zu bitten. War mir dann doch zu blöd. Man soll sich seine Illusionen nicht durch die Realität zerstören lassen
Aus der SCHUPPEN 68-Serie „Praktisch & Patriotisch“: Toilettenpapier, schwarz rot gold, mit aufgedrucktem Fußballsymbol, in jedem gutsortierten Fanartikelgeschäft erhältlich.
Neues nicht nur für die Fanmeile sondern auch vom Rechtsstaat:
Nazi-Parolen zu „L’Amour toujours“ in Vorpommern nicht strafbar. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ in der Öffentlichkeit mit mehreren Leuten zu singen, ist laut Staatsanwaltschaft Neubrandenburg von Meinungsfreiheit gedeckt.
Abgesehen davon, dass das Gegröhle strafbare Volksverhetzung ist, verstößt die Staatsanwaltschaft damit gegen den Gedanken der Generalprävention bei Strafzumessung. Strafe soll andere abhalten, gleiches zu tun. Stattdessen werden jetzt Nazis ermutigt, weiter zu machen, die Grenzen noch weiter auszudehnen, Ausländer*innen noch mehr in Angst und Schrecken versetzt und antifaschistische Initiativen entmutigt. Im Osten geben immer mehr Initiativen gegen Rechts auf, weil der Nazidruck zu groß wird, der Staat sie im Stich lässt und die restliche Zivilgesellschaft versagt.
Die kulturelle Hegemonie von Nazis ist zumindest im Osten erreicht, die Wahlen der nächsten Jahre werden den Rest erledigen.
Ein weiteres frisches Signal vom Rechtsstaat: Das Verfahren gegen den Cum ex-Banker Olearius wird eingestellt, wegen seines Gesundheitszustandes. Der Mann ist laut Augenschein im Gerichtssaal so munter, wie es ein über 80jähriger nur sein kann und er wird ab nächster Woche sicherlich wieder auf den hanseatischen Golfplätzen anzutreffen sein. Er darf sein ergaunertes Vermögen behalten und muss keine Aussage zur Rolle von Kanzler Scholz mehr machen bei der möglichen Beihilfe zur Hinterziehung von 280 Mio. Steuern in Hamburg nur in diesem Fall
. Insgesamt geht es um zig Milliarden im Cum-ex Skandal. Eine derart riesige Gang von Verbrechern ist dort involviert, dass ein extra Gerichtsgebäude dafür gebaut werden muss. Dort wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu Tode ermittelt und zwar zu Tode der Angeklagten, die irgendwann friedlich an Altersschwäche sterben, und des Verfahrens, hochbezahlte Spezialisten-Gangs von Winkeladvokaten und korrupten Ärzten werden dafür sorgen.
Das Signal, dass der Rechtsstaat hier aussendet, ist verheerend und ein weiterer Sargnagel für die Demokratie: wer genug Geld hat, kann sich aus allem rauskaufen mit Verfahrenstricks und Gefälligkeitsgutachten, und Mitschuldige in der Politik bleiben unbehelligt. Das fördert den Hass des faschistischen Mobs auf die Eliten, die da oben, auf die Demokratie grundsätzlich, erodiert den Rechtsstaat und sendet Signale an Nachfolgetäter: wir kommen mit allem durch.
Das Verfahren zeigt aber auch, wie fließend die Grenze zwischen illegaler Ausplünderung des Staates ist, siehe cum ex, und legaler Ausplünderung, bei der mittels neoliberaler Steuerpolitik der Sozialstaat ausgeraubt wird und die Reichen noch reicher gemacht werden. Und da glauben die Narren im Mainstreamschiff von Politik, Medien und Gesellschaft allen Ernstes, die Demokratie sei irgendwie noch retten. Hat was von Karneval, was gerade abgeht. Und nach dem Rausch kommt der Kater.
Modell der Großwohnsiedlung Kottbusser Tor, Kreuzberg. Ausstellung im Museum der Dinge, Werkbund Archiv, in Berlin: Profitopolis oder der Zustand der Stadt . Hinter den Fenstern laufen kleine Videoanimationen ….
Hervorgehoben werden zwei im Kontext des Werkbunds entstandene „Profitopolis“-Ausstellungen aus den 1970er Jahren. Sie veranschaulichen, dass das Gestalten von Stadt politisch ist. Sie rufen zur Bürgerinitiative auf und kritisieren Bodenspekulation ebenso wie die autogerechte Stadt und den rücksichtslosen Umgang mit historischer Bausubstanz und Stadtnatur.
Wie relevant diese Kritik noch heute ist, offenbart der Blick auf den Stadtraum zwischen altem und neuem Museumsstandort: Die Ausstellung unternimmt einen kritischen Streifzug zwischen Kottbusser Tor und Spittelmarkt und verortet Diskurse, Initiativen und künstlerische Positionen zur gegenwärtigen Stadt. Aus dem alten Standort in der Oranienstr., dem Zentrum von SO 36, wurde das Museum der Dinge von einem Investor gekündigt
Für Zustand und Zukunft einer Gesellschaft lebenswichtig: Die Wohnfrage. Das verbindet diese sehenswerte Ausstellung mit der im Kunstraum Bethanien „Aus der Krankheit eine Waffe machen“ (siehe letzter Blog): Beide thematisieren mit ästhetischen Mitteln politische Fragen menschenwürdiger Existenz. Beide sind parteiisch, sie stehen auf der Seite der Betroffenen, beide greifen auf Erfahrungen und Ästhetiken der 70er zurück, beide finden nicht zufällig in Kreuzberg statt und beide rufen über die rein ästhetisch-abbildende, museale Funktion ihrer Ausstellungen hinaus zum Handeln, Eingreifen, Gegenwehr auf. Sowas kann bei entsprechenden politischen und gesellschaftlichen Konstellationen auf Grund der Abhängigkeit von Fördermitteln auch schon mal ans Eingemachte gehen. Über das Bethanien fegte angesichts der Ausstellung „Werbepause – the art of subvertising“ 2022 ein politischer und medialer Shitstorm, weil in bestimmten Ausstellungsobjekten zu illegalen Handlungen aufgerufen wurde (Politisches Umkleben von Werbung im öffentlichen Raum).
Beide Museen und ihre Projekte also hochpolitisch, ästhetisch auf der Höhe der Zeit und unbequem. Zusammen mit vielen anderen Kulturorten in Berlin also eine vollkommen andere Situation als in einer Provinz wie Hannover, die sich durch eine entpolitisierte, verschnarchte, ästhetisch verstaubte und abgehängte Kulturszene auszeichnet.
Dazu passt folgende aktuelle Meldung: „Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sieht bei der Kulturszene eine Mitschuld am Wahlerfolg der rechten Parteien. Das schreibt er im Vorwort zur neuen Ausgabe der Zeitung „Politik & Kultur“, die der Kulturrat in regelmäßigem Abstand herausgibt. Zum einen würden viele Kulturorte nicht die Breite der Bevölkerung erreichen. Zum anderen sei der Kulturbereich zu sehr mit sich und seinen eigenen Befindlichkeiten beschäftigt. Olaf Zimmermann fordert einen stärkeren Fokus auf politische Themen. Anstatt sich mit der Frage zu befassen, wie man sich aktuell fühle, sollte es darum gehen, was gerade warum in unserer Gesellschaft passiert.
Dem kann ich aus eigener Erfahrung und Beobachtung zu 115 Prozent zustimmen. Die Kulturszene sieht ungefähr so aus: Selbstmitleidiges Jammern, Symbolästhetik, ständiges Kreisen um Identitätsdiskurse wie Diversität, Gender, Dekolonisierung, Körper etc., in Begleittexten ein vollkommen abgehobenes Blabla und Geschwafel, eine reine Eitelkeitsspielwiese für eine Vernissagen-Schickeria, die qua Amt und Einfluss dafür sorgt, dass derartige Alltagsverschönerungsfassadenkunst mit gigantischen Fördermitteln gepampert wird.
Während draußen, im realen Leben, der Faschismus auf dem Vormarsch ist und die Gesellschaft außerhalb privilegierter Provinzen wie Hannover und Kulturbolschewisten-Biotopen wie Berlin-Mitte oder Prenzlau allmählich zerbricht.
Wenn sich die Kulturbolschewisten da mal nicht täuschen und das Dienstleistungsprekariat, das jetzt noch ihnen den Arsch abwischt und auf Vernissagen die Messer vorlegt, nicht jene mal zu einem anderen Zwecke nutzt als dem Zerteilen von Fingerfood. Zum Beispiel, weil besagtes Prekariat sich keine Krankenversicherung oder selbst die Miete in sozialen Brennpunkten nicht mehr leisten kann.
Wenn die Kultur nicht zum Prekariat geht, zu deren Orten, mit deren Themen, Partei ergreift, sich engagiert, Widerstand auch auf der Straße mitorganisiert, dann kommt das Prekariat eines Tages zur Kultur. Und wenn die Glück hat, geht es im ersten Ansatz nur darum geht, dass die AfD dort, wo sie die Macht und kulturelle Hegemonie erringt, die Fördermittel streicht und für den Verlust von Jobs und Einkommen sorgt.
Für das, was danach kommt, empfehle ich die Anstrengung des wichtigsten Kulturrohstoffes: Phantasie.