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24.12.2025 – Fröhliche Weihnachten


Weihnachten 2025
Eben kam die Botschaft über mein Stromnetzunabhängiges Kurbelradio, dass der Krisenstab unter Leitung von Bundeskanzlerin Merkel entschieden hat, zu Weihnachten allen Haushalten für zwei Stunden Energie freizuschalten. Ich kann mich kaum noch erinnern, wie das ist, zu heizen. Hab in meinem Blog nachgelesen, da steht zwar viel drin über Krisen, aber darüber, was für ein herrliches Gefühl es ist, im Winter eine warme Bude haben, nichts. Ich bin heilfroh, dass die Winter mittlerweile mehr feuchte Spätherbste mit Frühlingseinschlag sind.
Die ohnehin prekäre Energiesituation hatte sich ja nach dem baltischen Krieg im Winter 22/23 verschlimmert. Die Nato-Truppen hatten nach dem Einmarsch der Russen im Baltikum interveniert. Als sie kurz vor St. Petersburg standen, hatte Putin atomare Gefechtsfeldwaffen eingesetzt. Auf Grund welcher Kommunikationsfehler daraufhin eine atomare Mittelstreckenrakete der Nato St. Petersburg zerstörte, ist immer noch Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Der Rest ist Geschichte, Berlin, Paris, London, Moskau, Washington atomar pulverisiert. Der darauffolgende Waffenstillstand ist allerdings auf wackligen Füßen, seitdem Donald Trump nach gewonnener Präsidentenwahl sich zum Imperator auf Lebenszeit ausrief und erklärte, die Europäer sollten ihren Kram allein regeln und letztlich sei Putin a fine guy, sähe man mal von Washington ab, was er aber sowieso nie habe leiden können.
Hier sind die Fronten etwas verhärteter. Der Koalitionspartner von Angela Merkel, die aus staatsfraulicher Verantwortung bei der Bundestagswahl 2025 wieder angetreten war und klar gewonnen hatte, die CSU (Corona-Schwurbler-Union), unterstellt wahlweise Amis und Russen, dass das neue Arena-Virus, das seit 2 Jahren die Republik demografisch drastisch reduziert, aus ihren Laboren stamme. Selbst ich bin da etwas verunsichert, obwohl ich Corona-Schwurbler nicht ausstehen kann. Ein Virus, das hämorrhagisches Fieber mit einer Letalität von 50 Prozent verursacht und über Aerosole übertragen wird, auf dem Weg der Zoonose mitten unter uns? Kommt mir irgendwie spanisch vor. Ist das überhaupt politisch korrekt, zu sagen: Kommt mir spanisch vor? Sollte man nicht lieber serbisch sagen, was als Abkürzung für „sehr beschissen“ durchginge?
Ich muss jetzt in den Garten, die Marihuana-Pflanzen pflegen. Wegen Ostwind (Berlin strahlt noch immer) muss ich den Strahlungsanzug dazu anziehen, aber das Zeug sichert mir ein einigermaßen Auskommen, nachdem als Folge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs vom Zahlungsverkehr auf Naturaltausch umgestellt wurde. Drogen stehen jetzt extrem hoch im Kurs, Kartoffeln aber auch nicht schlecht. Nachher um 12 Uhr kommt wieder der Nachrichtenwagen der Nationalen-Verteidigungs-Armee NVA durchs Viertel und verkündet die neuen Beschlüsse der Regierung in Bonn. Gut, dass wir die Infrastruktur da noch hatten.
Fröhliche Weihnachten, liebe Leserinnen, und nutzen Sie die Zeit. Damit Sie sich keine Versäumnisse vorwerfen müssen für den Fall, dass es mal richtig dicke kommt.

05.07.2022 – Zwischenmeldungen von der Zivilisationsfront


U-Bahn Viadukt Kreuzberg, führt mitten durch das Haus Dennewitzstr. 2. Über 600 U-Bahnzüge donnern jeden Tag durch das Haus. Als ich das beim Flanieren entdeckte, keine Viertelstunde von meiner Haustür, habe ich den Sinn der Konstruktion erst begriffen, als die ersten Züge da lang ratterten. An der Ecke steht dann auch eine Tafel mit Erklärungen. Die Symbolik des Bildes hat was aggressiv phallisch-penetratives. Die Konstruktion steht für den ambivalenten Charakter des Kapitalismus: Einerseits grandios dynamisch und kreativ, die Entwicklung der Metropole kühn vorantreibend, andererseits dem eigenen Treiber Mobilität rücksichtslos alles unterwerfend.
Fünf Minuten von da befindet sich, versteckt im Park Gleisdreieck, ein poetischer Ort, der die Seele anrührt und ihre Wogen glättet, ein locus amoenus par excellence: Das Café Eule. Außenbewirtschaftung mit Selbstgemachtem im Grünen, keine rechten Winkel oder gerade Stuhlreihen sondern zufällig hingewürfelte skurrile Sitzgruppen inmitten von Blumenkübeln aus alten Badewannen und Kommoden.
Das Café wurde mehrfach Opfer von Vandalismus, nächtliche Partygänger traten alles kurz und klein und hinterließen Verwüstung. Im Park Gleisdreieck selber machen fast jedes Wochenende Hunderte Feiernde die Nacht zum Tag und Anwohner*innen das Leben zur Hölle. Im James-Simon-Park an der Museumsinsel arten die Feiern nicht selten derart in Schlägereien, Überfälle und Messerstechereien aus, dass Hundertschaften Polizei den Park räumen und freihalten müssen. Mittlerweile wird in Politik und Verwaltung diskutiert, Parks wie den Simon-Park einzuzäunen und abzusperren.
Parks waren in ihrem Ursprung Rückzugsorte und Prestigeobjekte des Adels, später wurden sie Teil bürgerlicher Öffentlichkeit, wo der Bürger der Muße aber auch dem Austausch über öffentliche Dinge frönte und letztendlich wurde Park zum Ort der Erholung auch für das Proletariat und spätere Migrant*innen.
Die hier skizzierte Situation in Berlin ist der Anfang einer weiteren Deligitimierung von bürgerlicher Öffentlichkeit. Ohne diese aber keine funktionierende Demokratie. Als weiteres Beispiel kann die Usurpierung von Formen bürgerlichen Protestes durch Corona-Nazis gelten, die ihren bisherigen Höhepunkt in der versuchten Stürmung des Berliner Reichstages fand. Andere Beispiele können Sie der Tagespresse entnehmen, wie die Tatsache, dass immer mehr Menschen glauben, ihr vermeintliches Menschenrecht auf das Filmen von sterbenden Unfallopfern mit Gewalt gegen Rettungskräfte durchsetzen zu müssen. Die hilflosen Appelle aus Politik und bürgerlicher Presse, wir alle müssten in diesen harten Krisenzeiten zusammenrücken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, sind in ihrer Naivität ein weiteres Indiz dafür: Hier zersetzt sich etwas aus der Mitte heraus, schleichender und unspektakulärer als es Corona, Inflation und Klima tun, aber schlimmstenfalls genauso nachhaltig.
Nahe dem Café Eule steht eine öffentliche Toilette, die ich vor ein paar Tagen aufsuchte. Das Urinal war randvoll, der Boden mit Seen voller Pisse übersät, überall aufgeweichte Klorollen und braune Haufen, die Hitze hatte einen derart bestialischen Gestank produziert, dass es mich rückwärts aus diesem locus terribilis herausprallte. Im Augenwinkel las ich noch ein Schild an der Wand: Andere Toilette wegen Vandalismus geschlossen. Ich verweigerte meiner Phantasie die Vorstellung, wie die wohl ausgesehen haben mag.

Hinterher im Café Eule, ich wollte mir ein Stück selbstgemachten Kuchen holen, saß aber kurz einfach da, starrte ins Grün und verharrte in einem Moment ermatteten Nichtbegreifens. Wirkungsvoller, nachhaltiger und lehrreicher als alle TV-Features und kluge Zeitungsanalysen über den Zustand der Gesellschaft sind solche Stadterfahrungen allemal, aber da hatte ich einfach nur das Gefühl: Ich bin reif für die Insel.
Die Zustände auf deutschen Flughäfen mitten im Hochsommer hätten mich aber ruckzuck wieder geerdet. Stand der Zivilisation ist das auch nicht.

30.06.2022 – Wann ist man Zuhause?


Diverse Scheisse 1,50 – 3,50. Hab ich schon mal im Blog verwurstet, aber ein gutes Motiv kann man mehrfach verwenden.
Klickedi Klickedi klick, ratata ratata, badamm badamm… Freitag ist Rollkoffer-Tag in Kreuzberg.
Myriaden von Wochenend-Touristinnen hämmern erwartungsvolle Stakkato-Rhythmen mit ihren Rollkoffern in die gepeinigten Pflaster von Kreuzberg. Zum Missvergnügen der Eingeborenen, zumindest jener, die nicht ihr Geld mit dem Wirtschaftsmodell Tourismus verdienen. Wann immer ich hier in meinem Kiez ankommen, deponiere ich meinen Trolley im Zimmer, hänge den Rucksack ab , greife meinen Einkaufsbeutel und wende mich forschen Schritts, weit jenseits vom touristischen Müssiggänger-Schlendrian, zur Marheineke -Markthalle, durch das Epizentrum des globalen Tourismus, den Bergmann-Kiez. Jeder Zoll strahlt – hoffentlich – aus: „Ich bin ein Eingeborener. Mein Vorfahren wohnen hier seit Jahrtausenden, zurück bis Gaius Julius Cruzifixus Montanus, Kreuzberg-Gründer im Jahre 68 unserer Zeitrechnung“. Grimmig denke ich: „Hoffentlich halten mich diese Touri-Deppen nicht für einen von ihnen.“
Ich fühle mich hier heimisch. Aber Zuhause? Wann ist man Zuhause? Die Frage wird jenseits anektodischer Erzählung immer relevanter angesichts rasender Mobilität im Zeitalter grenzenloser Globalisierung, in der der Neoliberalismus die Individuen je nach Marktbedürfnis heute hierhin, morgen dorthin schleudert. Von wachsender Armutsmigration, Fluchtbewegung, Obdachlosigkeit ganz zu schweigen. Mit dem Ergebnis von wachsender Wurzellosigkeit, Einsamkeit, fehlender Verortung. Heimatlos. Wann ist man Zuhause? Der Neoliberale sagt: Wenn man in der eigenen, abbezahlten Eigentumswohnung wohnt. Der Romantiker sagt: Home is where my heart is.
Eine pragmatische Definition ist vielleicht: Zuhause ist der Ort, auf den man sich in einem perfekt gelungenen Urlaub auch schon mal zwischendurch
v o r dem Abreisetag freut.
Eine andere Variante: Wo immer solche Motive wie das oben gehäuft auftauchen, da bin ich Zuhause.
Sicher ist: Morgen ist wieder Rollkoffer-Tag.

25.06.2022- Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 gründet Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“


PM 25.06.2022, Hannover
Das Künstlernetzwerk SCHUPPEN 68 hat angesichts der aktuellen Entwicklung rund um den Ukraine-Krieg die Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“ gegründet.

Aufkleber mit dem Motto und dem Logo der Kampagne werden zurzeit deutschlandweit an zahlreichen Orten gut sichtbar verteilt.
Der verantwortliche SCHUPPEN 68-Kurator für diese künstlerische Intervention Klaus-Dieter Gleitze betont:
„In kaum einer öffentlichen Rede vom Krieg fehlt aktuell der Hinweis auf Atomwaffen als mögliche ultimatio ratio der Konfliktlösung. Im zweiten Schritt gilt es nun, die Bevölkerung Atomkriegsfähig zu machen. Noch ist die rechte Begeisterung dafür nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Hier sind Kulturschaffende gefordert.
Eine Funktion von Kunst ist es, das Unsagbare zu formulieren und das Undenkbare möglich zu machen. Die Documenta hat es beispielgebend gezeigt mit ihrem Versuch, Antisemitismus mit den Mitteln der Kunst in der Mitte der Gesellschaft diskursfähig zu machen.
Hier setzt die Initiative „ATOMKRIEG? JA BITTE“ an. Der Atomkrieg ist die ins Radikale verlängerte Vorstellung, Frieden zu schaffen mit noch mehr Waffen und er ist die radikale Lösung der Ökologiekrise, ist doch eine weitgehend von Menschen befreite Welt auch vom Verursacher aller Krisen befreit.
Der Schlingensiefsche Ansatz „Scheitern als Chance“ wird hier konsequent zu Ende gedacht: Scheitert die Menschheit, hat der Planet eine Chance. Eine Vision, die dem Handeln vieler gesellschaftlicher Akteure von Konzernen bis Politik zu Grunde liegt.
Die bewährte Farb- und Formensprache der Ökologiebewegung wurde bewusst gewählt, ist sie doch hervorragend geeignet, Vertrauen zu erwecken und Identifizierung in Gang zu setzen.
Kritische Künstler*innen und Intellektuelle zeichneten sich bisher vorwiegend dadurch aus, gegen etwas zu sein:
Gegen Umweltverschmutzung, gegen Ungerechtigkeit, gegen Krieg.
Mit der Kampagne haben sie die Chance, sich konstruktiv mit konkreten Forderungen für etwas einzubringen.

Die Aufkleber sind in jedem gutsortierten Kunsthausierer-Bauchladen für 68 Euro erhältlich. Mit dem Reinerlös des Verkaufs finanziert der Kurator Klaus-Dieter Gleitze den Bau eines Atombunkers in seinem Garten, in dem nach dem Atomkrieg Ausstellungen und Konzerte stattfinden.“

23.06.2022 – Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel


Tischfernsprecher W 48. Ein Gerät aus dem Fundus des geschätzten Kommunikationsexperten H. Sievers.
Ein Satz aus der Literatur bis in die 90er, mit dem die Generation U 40 nichts anfangen kann: Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel.
Ich hatte Claudia Roth am Telefon den Rücktritt empfohlen. Sie hatte sich geweigert, mit dem Hinweis darauf, dass die Leiterin der Documenta demnächst zum Rücktritt gedrängt würde, damit sie und Steinmeier aus der Schusslinie kämen. Bauernopfer.
Meine Frage, ob wenigstens dem unsäglichen Team aus Indonesien die künstlerische Verantwortung entzogen würde, die Documenta als Zeichen der Übernahme von Schuld und Verantwortung für zwei Wochen dicht gemacht würde und die Aktivitäten des BDS in Deutschland endlich unter Strafe gestellt würden, hatte sie verneint. Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel (Ein zu und zu schöner Satz).
Die bisherigen Stellungnahmen aller Verantwortlichen sind derart unter meiner intellektuellen Würde, strotzen so vor Dummheit und Feigheit, dass ich mich weigere, sie auch nur zu verlinken.
Es gibt drei Arten von Antisemitismus in unserer Gesellschaft: Rechten, aus der Mitte und linken. Rechter ist genuiner Faschismus. Da muss nichts zu gesagt werden. Der aus der Mitte ist das Erbe einer nach dem Krieg nur formal entnazifizierten bürgerlichen Gesellschaft, in der der Antisemitismus weiter gärte. Die Leiterin der Documenta mag da als Beispiel gelten.
Der linke Antisemitismus gründet u. a. im Antiimperialismus. Eine kurze und präzise Übersicht über die Genese mit Beispielen des linken Antisemitismus gibt es hier. Die „Antiimps“ entdeckten in den 60ern ff. Lenins Theorie des Imperialismus als höchster Form des Kapitalismus für sich und Amerika als Wurzel allen imperialistischen Übels, mit Israel als seinem Stützpunkt. Und Palästinenser*innen als Lieblingsprojektionsfläche für feuchte Befreiungsphantasien. Das flächendeckend getragene Symbol dieser Narrheit war das „Pali“ genannte Palästinensertuch, eine ästhetische Schwerstkatastrophe, die ich mir noch nicht mal zum Ölhacken in den Keller gelegt hätte. Damals konnten Palästinenser-Organisationen, ähnlich den Kurdinnen, zur Not (!) als fortschrittlich gelten.
Die Fronten waren klar, wer der Gute und wer der Böse war und es gehörte zum guten, antiimperialistischen Ton, den Zionismus zu verdammen, immer antisemitisch konnotiert. Der Kommunistische Bund z. B. , sonst eher zumindest ansatzweise zurechnungsfähig, rief gerne zum Kampf gegen „den internationalen Zionismus“ auf. Eine antisemitische Floskel par excellence.
The times they are a changing. Von Fortschritt und Emanzipation nichts mehr zu sehen, weltweit, im Anti-Imp Zusammenhang oder sonstwo. Heute heißt das „Dekolonisation“, ist aber die gleiche, angebräunte Brühe
Die gewählte Regierung der Palästinenser z. B. wird von der Hamas gestellt, eine faschistische Terrororganisation, die den Holocaust und das Existenzrecht Israels leugnet und es als Pflicht für jeden Muslim (Religiöser Wahn kommt dazu) sieht, Juden zu töten, wo auch immer.
Was sich nicht geändert hat, sind die Köpfe der mittlerweile ergrauten Anti-Imps. Wie Claudia Roth, ehemals Managerin der linksradikalen Krachkapelle Ton, Steine, Scherben. Sie trägt schon mal Schleier bei ihren Besuchen im Iran und macht auf dicke Hose mit den dortigen Antisemiten, während sie hier als eine der wenigen im Bundestag gegen die Verurteilung des BDS stimmte. Claudia Roth ist eine klassische Antisemitin in der Tradition der Antiimps.
Mit Antisemiten zu diskutieren ist übrigens ähnlich sinnlos wie mit Coronaschwurblerinnen, das ist psychodynamisch gesehen ein Holz. Es handelt sich hier um Wahn. Der, anders als beim Kapitalisten, kein Interesse vertritt, zumindest kein eigenes. Dem linken Antisemiten können sie 10x was erzählen davon, dass Israel vergleichsweise eine Insel von Freiheit und Gerechtigkeit ist, umgeben von einem Meer von Barbaren und Hamas-Faschisten. Der linke Antisemit wird zuhören, nicken und sagen: „Das stimmt alles. Aber Israel hat doch ….“
Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel.

21.06.2022 – Die Welt ist der Keks


Sarotti Mohr. Heißt heute natürlich anders. Eines von vielen Beispielen, wie struktureller Rassismus quasi mit der Muttermilch eingesogen wurde und wird. In dem Fall mit Kakao.
Struktureller Antisemitismus ist in den Ländern, in denen der Islam Staatsreligion oder gesellschaftlich dominierende Ideologie ist, Staatsraison, weit mehr als in säkularisierten Staaten. Antisemitismus ist zweite Religion, Fetisch, wie bei uns „Arbeit“, unhinterfragt, selbstverständlich. Kritische Hinterfragung, Widerstand gar, kann oft lebensgefährlich sein. Das muss, sollte man wissen, wenn man eine Künstler*innengruppe aus Indonesien, dem Land mit den meisten Muslimen weltweit, zu Kuratoren der Documenta macht. 80 Prozent aller Einwohner*innen dort sind islamischen Glaubens.
Wer da, gerade in Deutschland, nicht ganz genau hinguckt, was für einen Hintergrund die Leute haben (BDS Unterstützer z. B.), handelt dumm und unprofessionell und landet in einem Minenfeld, das einem bei der ersten Gelegenheit um die Ohren fliegt.
Und so geschieht es denn auch und beschädigt das ganze damit verbandelte Kollektiv von Volltrotteln mit, angefangen von der Documenta Leitung über den OB bis hin zu Claudia Roth und hört noch lange nicht auf beim größten Trottel der Kompanie, dem Bundespräsidenten Steinmeier, vormaliger Bürobote bei Gasgerd Schröder und Agenda 2010-Miterfinder. Der sich nicht entblödete, eine Äquidistanz zum antisemitischen Kurator*innenteam einerseits und zur Freiheit der Kunst andererseits einzunehmen und sich dabei ausgerechnet auf den Filz- und Boden-Nazi Beuys berief. Haben die Redenschreiber des Mannes kein Abitur, können die Wikipedia nicht lesen?
Sind wirklich alle so dumm und unprofessionell? Oder wütet mal mehr, mal weniger, auch bei den deutschen Verantwortlichen alltäglicher Antisemitismus?
Es geht hier nicht um die Freiheit der Kunst, es geht um Antisemitismus, der sich das erbärmliche Mäntelchen der Israelkritik umgeworfen hat. Der ist ein Verbrechen und hat mit Kunst nichts zu tun. Natürlich ist es in diesem Zusammenhang kein Zufall und keine Frage von künstlerischer Qualität, dass keine Künstlerin aus Israel eingeladen wurde. Das Ganze ist eine trübe, braune Brühe, notdürftig getarnt als antiimperialistische Dekolonisierungsstrategie und es bleibt zu hoffen, dass die Brühe dauerhaft an der Documenta kleben bleibt und den Ruf nachhaltig beschädigt, die Verantwortlichen gefeuert werden und sich Steinmeier damit endgültig passgenau in die Riege der Gruselpräsidenten Wulff, Köhler, Gauck, Herzog etc. einreiht.
Zwei Fragen drängen sich mir auf: Wieso ausgerechnet immer Israel? Die einzige Demokratie in einer Region, in der Hamas-Faschisten, Iran-Terroristen, Saudi- Steinzeitbarbaren, Taliban Schlächter und anderes kulturloses Gesindel die zivilgesellschaftliche Fallhöhe bilden. Warum hat sich das Kurator*innenteam nicht damit oder der zunehmenden Zahl von Antidemokratien von Russland über Brasilien bis China auseinandergesetzt? Und macht stattdessen Staatskunst, käut also das wider, was gesellschaftlicher Standard in Indonesien und anderen Islam-Staaten ist? Das ist auch aus Sicht der Autonomie von Kunst eine ganz erbärmliche und feige Position.
Die Welt ist der Keks, zerbröselt von allen Ecken her.

15.06.2022 – Wenn Du in Rom bist, verhalte Dich verdammt nochmal wie die Römer


Schicker Kiez in Kreuzberg.
Neulich, in einer schicken Bar in diesem Kiez, jede Faser im Angebot und Style auf Höhe der Gentrifizierung. Der Laden gefiel mir, es war heiß, mich dürstete nach einem kühlen Weißwein. Ich bestellte einen Trockenen, 0,1 Liter. Die Bedienung zuckte die Schultern, sie verstand mich nicht, sprach nur Englisch. Ich war sofort auf Krawall gebürstet, hab das nicht das erste Mal in Berlin erlebt, dass Bedienungen kein Wort Deutsch sprechen. Ich verabscheue Nationalismus und Deutschtümelei wie wenig auf der Welt, aber eine derartige Respektlosigkeit gegenüber dem Gast und dem Gastland gegenüber grundsätzlich finde ich unverschämt. Ich finde es toll, wenn die Jugend der Welt und nicht nur die, fremde Länder kennenlernt, dort sogar Handel treibt. Ich hielte es für eine Katastrohe, weil Nationalismus fördernd, wenn das Reisen in fremde Länder dauerhaft durch Seuchen, Klima, Inflation, Kriege, was auch immer, eingeschränkt wäre. Der Nationalismus ist eh weltweit auf dem Vormarsch und diese Tendenz würde dadurch drastisch verschlimmert. Die Horizonte der Menschen sind jetzt schon beschränkt, dass es einen gruselt. Wenn keine mehr reist, können wir der Zivilisation gleich die Kugel geben.
Aber bitte mit Respekt vor der jeweiligen Kultur (Na ja, Taliban nicht gerade, aber das würd ich auch nicht Kultur sondern Barbarei nennen) und das beinhaltet zumindest rudimentäre Kenntnisse der Landessprache, wenn ich mich da länger als 48 Stunden aufhalte: Bitte, Danke, Guten Tag, ein Bier, und eventuell noch: Wo ist das Beschwerdebuch? Aber wenn die Jugend der Welt hier nach Jahren Aufenthalt immer noch kein Wort Deutsch spricht (alles schon erlebt), wozu dann das Ganze? Nur Sex and Drugs and Rock‘n Roll, und weil Berlin so billig ist – nein Danke.
Die Dame rief nach der Chefin, die wenigstens etwas Deutsch sprach. Ich wiederholte meinen Wunsch. Und kriegte 0,2 Liter. Ich beschwerte mich umgehend, natürlich auf Deutsch. Und mittlerweile auf 180. Wieder musste die Chefin her. „Wir haben nur 0,2. Zero point two.“ – „Dann hättet Ihr mir das bei der Bestellung sagen müssen“ – “Das haben wir nicht verstanden“.
Nun waren wir am point of no return, und ich führte in wohlgesetzten deutschen Sentenzen meine Sicht über Respekt gegenüber dem Gastland, Service und Sprache etc. pp. aus. Ihre zorngekrauste Stirn deutete an: Sie verstand, war aber dezidiert anderer Meinung. Ich endete mit dem Hinweis auf eine jahrtausendealte Übung des Respektes gegenüber dem Gastland und zitierte: Sī fuerīs Rōmae, Rōmānō vīvitō mōre. Natürlich verstand sie nicht die Bohne. Und um mein auch im idiomatischen Bereich sattelfestes Englisch unter Beweis zu stellen, übersetzte ich: When in Rome, do as the Romans do.
Wenn Du in Rom bist, verhalte Dich verdammt nochmal wie die Römer…
Ich ging. Sie wütete hinter mir her: „Ich wünsche Dir noch einen guten Tag“. Sie meinte: Den Tod.
Ich war nicht nur wegen der an den Tag gelegten Geisteshaltung so wütend. Der schicke Kiez, ein Genossenschaftsmodell, liegt direkt meiner Homebase gegenüber. Um da einziehen zu können, muss man pro qm 1000 Euro Genossenschaftsanteil zahlen und die Mieten sind trotzdem dreimal so hoch wie in unserem Haus. Das strahlt auf die Umgebung aus. Durch unser Haus marschieren jetzt schon die Investoren. Wenn das erstmal verkauft und durchrenoviert ist, kann niemand mehr die Mieten zahlen, geschweige denn die Wohnungen kaufen, Preis dann ca. 7.000/qm. Eine gut funktionierende Hausgemeinschaft, die miteinander redet, sich hilft, unten im Imbiss ein Bier miteinander trinkt, wird in Randgegenden verstreut, in Nazikieze, wo alle drei Stunden mal ein Bus fährt. Wenn sie nicht gleich auf der Straße landen. An sowas gehen Menschen zu Grunde. Und da wundert sich die Öffentlichkeit, wenn Autos brennen.
Ich kühlte meinen Zorn vor dem Imbiss, mit Bier. War das eben mal wieder zu arrogant? Ja.
Aber es war richtig.
Und es ist zu wenig.
Funk me up. Action speaks louder than words

12.06.2022 – Atom Saft


Atom Saft Bar. Gesehen in Berlin, Wilmersdorf. Die Gesichter wurden unkenntlich gemacht. Die Bar gibt es schon länger, das ist kein Marketing Gag, der Bezug auf die aktuelle Situation der Wahrscheinlichkeit unserer atomaren Versaftung nimmt. Da ist Stand wie folgt: Frankreich erklärt sich bereit, an einer Durchbrechung der russischen Blockade des ukrainischen Weizens teilzunehmen. Mit einem robusten Mandat. Wie weit geht das? Nur Minen wegräumen? Oder auch auf russische Schiffe schießen, falls die der Blockade Nachdruck verleihen? Wäre das dann der Nato-Bündnisfall? Also Krieg.
Wem fiele da nicht die Kubakrise von 1962 ein. Amerikanische Schiffe blockierten Kuba, um die Stationierung zusätzlicher russischer Atomraketen dort zu vehindern. Hätten russische Schiffe mit einem robusten Mandat, also Waffengewalt, versucht, die Blockade zu durchbrechen, hätte das den 3. Weltkrieg bedeutet.
Der Saft war übrigens sehr 😋. Sollte es Sie, liebe Leserinnen, mal nach Wilmersdorf verschlagen, durchbrechen Sie eine eventuelle innere Blockade gegen solche Stände und besuchen Sie die Atom Saft Bar.

10.06.2022 – Bomben auf Berlin


Gropiusstadt, Berlin.
Krieg wird erst möglich geredet, dann geführt. Einer der ranghöchsten Krieger der BRD redet schon von Bomben auf Berlin . Gegen das Virus des Bellizismus, das sich mit rasender Geschwindigkeit fast flächendeckend in den hiesigen öffentlichen Köpfen verbreitet hat, ist Corona ein Witz.
Ich stelle mir ein Leben wie eine Gleichung vor, als deren Produkt von zahlreichen Variablen wie Alter, Gesundheit, Geld, soziale Beziehungen, Reisen etc. pp im nie erreichten Idealfall 100 steht, für 100 Prozent Zufriedenheit. Wenn ich für die Gleichung meines Lebens die Variable Atomkrieg nicht mit völliger Sicherheit ausschließen kann, wär ich schön blöd, wenn ich da nicht reinpacken würde, was irgend möglich ist. So also unlängst ein Trip in die Gropiusstadt, ein Paradebeispiel gut gemeinter und krachend gescheiterter SPD-Wohnungsbaupolitik der Sechziger, guter, bezahlbarer Wohnungsstandard für möglichst Viele, kompakt und verdichtet, mit möglichst vielen integrierten Funktionen.
Das Resultat ist in jeder Großstadt zu besichtigen, Trabantenstädte, zu sozialen Brennpunkten verkommene Grosswohnsiedlungen.
Das sind allerdings Wohnungsbaumodelle, die wir heute wieder diskutieren müssen, revitalisieren, anpassen, relaunchen, angesichts der katastrophalen Wohnungsnot in Ballungsräumen. Und ein Gefühl für solche Modelle kann man – ansatzweise – nur bekommen, wenn man sich da mal hinein begibt.
Und so saß ich da auf dem Wochenmarkt in der Gropiusstadt, mit Currywurst, Pommes und Bier, ließ den Genius loci auf mich wirken.
Der Trip hat mehr Nachhaltigkeit in mir ausgelöst als mein letzter nach Prenzlauer Berg. Da muss man wirklich nichts mehr zu sagen oder denken. Disneyland halt.