
Holocaustdenkmal.
Die Krise als Folge des Hamasüberfalls auf Israel hat bei mir spürbarere Folgen als die anderen Krisen hinterlassen. Kann auch mit am düsteren Wetter liegen. Corona war natürlich für uns hier, mich, die viel direktere, massivere Bedrohung, mit nachhaltigen Einschnitten tief ins Private, auch was Konflikte mit Coronaschwurbler*innen angeht. Trotzdem empfand ich diese Krise, trotz aller Wut über letztere und möglicher Gesundheitsrisiken, nicht als etwas Fundamentales. Es war im Grunde eine von vielen (möglichen) Seuchen, die zur Pandemie ausgeartet war, als Folge der menschlichen Ausbeutung der Natur. Also ein verheerender, aber berechenbarer, zwangsläufiger, logischer Prozess, der mit den Mitteln des Verstandes erklärbar und mit den Mitteln der Wissenschaft bezwingbar erschien. Ein Prozess, auf den ich mich mit individueller Vorsorge wie Impfen, Maske, Rücksichtnahme, Kontaktminimierung, gesunde Lebensführung einstellen konnte, den ich für mich beherrschbar machte, und ein Konflikt, an dessen Lösung ich glaubte. Die Vernünftigen waren in der Mehrheit, die Politik reagierte überwiegend zweckrational und die Wissenschaft feierte glänzende Triumphe mit der Entwicklung hochpotenter Impfstoffe innerhalb ungeahnt kurzer Zeit. Bei allen Dramen, vor allem in sozialen Brennpunkten und Seniorenheimen, und antidemokratischen Verwerfungen, die Vernunft hatte nochmal gesiegt und dieses Gefühl begleitete mich in diesem Prozess, trotz aller Wutausbrüche in diesem Blog, die eher reinigenden Charakter hatten, unbewusst die ganze Zeit. Ich hatte selten das Gefühl von Ermattung, Überdruss, Müdigkeit. Auch wenn ich mir über die Ideologie des Vernunftbegriffs nie Illusionen machte.
Es war hier die instrumentelle Vernunft , die obsiegt hatte. Also jene technisch-rationale Vernunft der Macht, die den Laden am Laufen hält, koste es, was es wolle. Die sich das geballte wissenschaftlich-technologische Wissen zunutze machte, um weiter am ehernen Prinzip von Profit und Ausbeutung festhalten zu können. Der Gegenpart der instrumentellen Vernunft, die praktische Vernunft, hätte diktiert: Halt! Keinen Schritt weiter mit dieser Form der Ausbeutung der Natur und des Menschen. Dieses Mal ist es noch gut gegangen, das nächste Mal kann es unser Untergang sein.
Das alles greift im Überfall der faschistischen Hamas nicht mehr. Hier kommen wir weder mit der instrumentellen und schon gar nicht mit der praktischen Vernunft weiter. Logik, Verstand, Vernunft, Argument – das Instrumentarium der Aufklärung und der Wissenschaft ist angesichts der abgründigen Irrationalität von Faschismus und Antisemitismus wirkungslos und sinnlos. Bei jedem der sich extrem häufenden antisemitischen Reflexe in unserer Gesellschaft, egal aus welcher Ecke, egal wie unbewusst, geringfügig, tut sich für mich dahinter der Abgrund der Shoa auf. Ein tiefes, düsteres Loch, in dem alle Vernunft schweigt und Zivilisation verschwindet.
Sowas ermüdet. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, hier muss niemand 24 Stunden am Tag Angst haben, dass ihm Raketen auf das Dach fliegen und dass bei einer Niederlage im Krieg der Staat und seine Bevölkerung ausgelöscht wird. Trotzdem hab ich immer weniger Lust auf Nachrichten und Information und würde mich gerne dem Igel gleich zum Winterschlaf einrollen.
Es gibt eine Alternative: Wir, also Sie, liebe Leserinnen und ich, widmen uns eine Weile nur noch den heiteren und schönen Dingen des Lebens. Dem nahenden Fest der Liebe z. B., von dem nur Ketzer und Kommunisten behaupten, es sei eine geschmacklose Kommerzorgie. Hier soll es im Folgenden um Geschenke gehen, sinnvoll, selbstgemacht und emotional aufgeladen. Zuerst wende ich mich an die Männer, die ihrer Liebsten etwas Schönes zu Weihnachten schenken wollen, etwas Unvergessliches und Nachhaltiges. Mehr dazu in Teil 2 von „Das Fest der Liebe“.
Schon geht’s mir besser. Schreiben hilft.









