Plakat aus der Ausstellung „Roads not taken „, Deutsches Historisches Museum, Berlin. Es geht um mögliche Alternativen in der Geschichte. Was wäre gewesen, wenn… Was wäre zum Beispiel gewesen, wenn die Massendemonstrationen 1989, die zur Wiedervereinigung führten, blutig niedergeschlagen worden wären, wie am Tienaminplatz in Peking? Oder die Reichswehr 1933 geputscht hätte, vor Hitlers Machtübernahme? Alles Alternativen im Bereich des Möglichen im Lauf der Geschichte.
Dieser Ansatz der Ausstellung ist auch deshalb so wichtig, weil er das Jahrzehntelange Gequatsche bürgerlicher Politik von der angeblichen Alternativlosigkeit ihrer Massnahmen gehörig in den Senkel stellt. TINA = There is no Alternative, diese neoliberale Ideologie seit Margret Thatcher und anderen hat zu weltweiten Verwüstungen üblen Ausmaßes geführt. Beispiel: Sparzwang des Staates und einhergehender Sozialabbau. Das sei nun mal alternativlos, logen auch hierzulande Politikerinnen vieler Couleur frech in jedes Mikrofon. Bevor sie ihr dummes Geschwätz von gestern mit zwei Federstrichen am nächsten Morgen, bevor der Hahn krähte, Lügen straften und Ruck zuck, 500 Milliarden plus x Schulden machten. Unter anderem um kriegsfähig zu werden.
Wie auch immer, es gibt eine Alternative. Das Plakat oben sagt: Gegen sowas (wie Hitler) kommunistisch wählen. Was dabei herausgekommen wäre, wissen wir nicht. Schlimmer wär’s sicher nicht geworden. Zur Ablenkung was vom Karneval der Kulturen
Karneval der Kulturen, Berlin. Festplatz rund um die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg. Die Anregung dieses Geschäftsmodells nehme ich gerne mit nach Hause. Ich würde meinen Stand nur ansprechender gestalten und vor Ort im Smoking präsent sein. Nachher findet der legendäre Karnevalsumzug statt, zu besichtigen im TV, heuer allerdings nicht in Kreuzberg, sondern in Friedrichshain, auf der Stalinallee. Die mittlerweile aus Opportunitätsgründen Karl-Marx-Allee heisst und mit ihrem Zuckerbäckerstil eines verkitschten sozialistischen Realismus für mich die durchgeknallteste und schönste Strasse der Welt ist.
Wobei meine Weltkenntnis begrenzt ist. Auf ihr werden sich nachher in einem furiosen Musikwirbel über 60 Kulturen der Metropole auf bunten Karnevalswagen präsentieren . Den Beginn werden vermutlich traditionell Sambatänzerinnen wirbeln, was einem aus verschiedenen Gründen mitunter die Sprache verschlägt. Da es wieder sehr voll, zu voll wird, werden wir vor Beginn des Marsches durch die Aufmarschzone flanieren. Dort herrscht eine einzigartige Stimmung, flirrend, angespannt, fröhlich, so nahe ist man den Protagonistinnen sonst nie. Ein grandioses Spektakel vom Austausch friedlicher, diverser Kulturen.
Ein grandioses Spektakel vom Aufeinandertreffen unfriedlicher, einheitlicher Kultur von durchgeknallten Arschlöchern bieten gerade Trump und Musk. Wenn ein Verrückter einen anderen Verrückten verrückt nennt, ist das völlig normal. Aber wenn der eine Verrückte, der Präsidentendarsteller, im eigenen Land die Nationalgarde gegen die eigene Bevölkerung einsetzt, und demnächst auch die US-Marines, ist das nicht normal. Das ist schon mal tödlich geendet, siehe Ohio, 1970, Anti-Vietnamdemo. Vier tote Studenten, ermordet von der Nationalgarde. Die knapp unter 100jährigen Leserinnen werden sich vielleicht an den Song „Four dead in Ohio“ von Crosby, Stills, Nash and Young erinnern.
Die ganze Causa ist ein weiterer Schritt auf dem Marsch in den Faschismus in den USA. Bei uns dagegen ist alles gut.
KPD/RZ zur Berliner Wahl 1995. Die „Analyse“ der damals realen Politik liest sich wie ein Konglomerat von wildgewordenen Kleinbürger*innen nach AfD-Manier, die Forderungen heben das dann doch wieder auf. Gerade die Forderung nach Förderung der am Boden liegenden Kreuzberger Zeppelinindustrie weist in die richtige Richtung.
Wer damals sein Analysebesteck nicht an der Pforte zum Haus der deutschen Einheit, präziser, Annexion der DDR, abgegeben hatte, wusste, dass das weder lustig noch gut sondern so wie Heute enden würde. Die restlichen Brotkrumen unseres Sozialstaates werden weiterhin Stück für Stück eingesammelt, man hat ja keine Systemkonkurrenz mehr zu fürchten, und jenen in die Taschen gestopft, denen sie eh schon überquellen. Ein Blick in die heutige Nachrichtenlandschaft macht klar, in welche Richtung die Reise der nächsten Jahre geht. Arbeitsministerin Bärbel Bas, SPD, was sonst, gelingt das seltene Kunststück, gleich drei Hasskappen-Fronten des schon oben zitierten wildgewordenen Kleinbürgertums in einem Aufschlag zu bedienen und die Spaltung der Gesellschaft weiter voran zu treiben: Bürgergeld, Ausländer, mafiöse Strukturen.
An der Datenlage des minimalen Bürgergeld-Missbrauchs hat sich ebenso wenig in den letzten Jahrzehnten was geändert wie an der Tatsache, dass mafiöse Strukturen in unserer Gesellschaft im Milliardenbereich seit Jahrzehnten im Finanz- und Bankenwesen herrschen, siehe Cum-Ex Skandal, in dem kriminelle Strukturen in Staat und Verwaltung die Täter durch Verzögerung, Verschleierung und Verfahrens-Verschleppung in die Verjährung rüberretten. Davon kein Wort.
Auch kein Wort davon, dass Vermögen und Einkommen bei den Reichen seit Jahren explodieren, Meldung von Heute: Im Jahr 2021 verzeichnete Deutschland über 34.500 Einkommensmillionäre – ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mal abgesehen davon von der Sauerei, dass jetzt erst Daten von 2021 auf dem Sektor greifbar sind, sind diese Klientel noch nicht mal das Hauptproblem. Nicht die ungleiche Einkommensverteilung ist der Hauptskandal, sondern die Vermögensverteilung ist es.
In Deutschland hat die Zahl der Vermögensmillionäre ausnahmsweise von 2024 auf 2023 um einen Bruchteil abgenommen, von 1.646.000 auf 1.605.000. Das liegt aber ausschließlich am kurzfristigen Sinken der Preise für nicht selbstgenutzte Immobilien. Dieser Trend ist längst wieder ins Gegenteil verkehrt und wir können davon ausgehen, dass auch in den nächsten Jahren wieder stabile Rekorde bei der Zahl der Vermögensmillionäre verkündet werden und SPD-Minister*innen aus lauter Verzweiflung über den tendenziellen Verfall der Wahlwerte ihrer Partei munter mitmachen bei der Hatz auf Minderheiten. Womit nicht die Vermögensmillionäre gemeint sind, sondern Bürgergeldempfänger*innen, Ausländer*innen und immer häufiger auch Jüdinnen und Juden.
Mir persönlich fällt es zunehmend schwer, angesichts des allgemeinen Verfalls der Sitten (eine der ältesten Klage der Zivilisation) satirisch zu agieren.
Aber keine Angst, das krieg ich hin. Ich kenne nur Lösungen, keine Probleme.
Die Partei SCHUPPEN 68 war mit Abstand die erste Satirepartei, die je zu einer Wahl in der BRD antrat. Die Berliner Schwesterpartei KPD/RZ (Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum ) folgte vier Jahre später, sie war auf Grund ihrer Massenbasis erheblich erfolgreicher. Mein Statement in der HAZ klingt unprofessionell, wobei ich keine Ahnung mehr an das Interview habe und ob meine Aussagen von der HAZ so massenkompatibel zurechtgefeilt wurden. Es klingt eben nicht nach einer Satirepartei, deren einzige ernsthafte Forderung „Freibier und Erbsensuppe“ war, sondern nach irgendwas Normalem, nur mit Spaß. Wenn man so ein Projekt angeht, muss man es konsequent durchziehen, also eben nicht sich auf die Ebene der klassischen Parteien einlassen. Lehrjahre halt, es gab ja keinerlei Vorbilder oder Masterfolien.
Radikal war allerdings unser Wahlkampf. Wir klebten Plakate mit meinem Arsch drauf und dem Claim: Wir haben die besseren Köpfe. Der Ansatz ist auch nach 35 Jahren nicht veraltet. Die im Artikel angesprochenen Inhalte sind natürlich dummes Zeug und Zeitgeist bedingt. Was geht mich dieser alternative Spießer-Stadtteil hier an und dass ich mich zum Sprachrohr des reaktionären Kleingewerbes gemacht habe, war schon damals eher peinlich.
Soweit der Blick in den Rückspiegel. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie „man“, respektiv die einzelnen Fraktionen der Zivilgesellschaft, mit Epoche-Umbrüchen umgeht. 1991 war gerade der „Eiserne Vorhang“ gefallen, der reale Sozialismus in Osteuropa kollabiert, der reale Kapitalismus hatte keine Systemkonkurrenz mehr zu fürchten, die radikale Linke im Westen implodierte in die Bedeutungslosigkeit und der Neoliberalismus trat seinen erbarmungslosen globalen Siegeszug an, mit all den Krisenfolgen, die wir als Quittung jetzt präsentiert kriegen. Inklusive des Niedergangs der Demokratien westlicher Prägung, von denen es weltweit vielleicht noch zwei, drei dreckige Dutzend gibt.
1991, zum Wahlantritt des SCHUPPEN 68, lag es zum Greifen in der gesellschaftlichen Luft: Der Spaß war vorbei. Also musste der Humor her, in seiner Sonderform der Satire. Zumindest galt das für die fortschrittlichen Avantgarde-Elemente der Gesellschaft, die sich weigerten, als opportunistisch-politische Renegaten das dreckige Geschäft des ehemaligen Klassenfeindes als Kollaborateure mit zu besorgen. Hier sei an eine der ekligsten politischen Existenzen der Postmoderne erinnert, an Joseph Fischer.
Man kann gerne über die Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit satirischer Interventionen diskutieren, man muss aber analytisch sauber vorgehen und deren Existenz soziologisch in die Entwicklung der Zeitgeschichte einordnen. Und sich dann die Frage stellen: Was ist die adäquate Reaktionsform auf den aktuellen Epochen-Umbruch, das Verschwinden der Demokratie westlicher Prägung? Die Frage ist noch unbeantwortet. What’s left?
Whats’s left: Die grunzdämliche Aussage im Artikel von mir, dass auch wir gegen die EXPO 2000 in Hannover seien. Üblicher linker Beißreflex auf alles, was neu ist und nicht in den Kanon passt.
Richtig ist vielmehr, dass Berlin sich für die EXPO 2035 bewerben will . Jenseits des üblichen Blablabla auf der Projekt-Homepage wird das, wenn es klappt, eine riesengroße, bunte, schrille, monatelange Party in ganz Berlin – wo jetzt schon immer Party ist. Ab Morgen fange ich an, mich dafür fit zu halten und zu machen.
Der Ouzo nach dem Essen war immer ein dreifacher und tröstete darüber hinweg, dass die Preise in den letzten drei Jahren gefühlt, pi mal Daumen, mindestens um ca. 30 Prozent angezogen haben. Krassestes Beispiel: Einsames Bergdorf vor drei Jahren, wo aber doch ab und an vereinzelt Wandersleute auftauchten. In der einzigen Taverne gab es eine phantastische Moussaka, für 8 Euro. Die vereinzelten Wandersleute waren darüber so entzückt, dass sie das hymnisch auf den einschlägigen Internetportalen bewerteten, mit entsprechenden grandiosen Fotos. Ergebnis: Die Moussaka kostet jetzt 17 Euro. Intelligenz des Schwarmes? Wer den Slogan aufgebracht hat, kann in Zeiten der Instagramisierung der Welt nur als Vollidiot bezeichnet werden.
Diese Erkenntnisse sind weder neu noch originell, sie kriegen nur einen anderen Gehalt, wenn man sie selbst erfährt. Und lassen einen im besten Fall auch weiter denken. Bei dieser Entwicklung dürften sich immer weniger Menschen Urlaub leisten können und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Urlaub mittlerweile das Auto als der Deutschen liebstes Kind eindeutig abgelöst haben dürfte. Autos verlieren zumindest in Ballungsräumen immer mehr an Bedeutung und an Status sowieso. Nichts peinlicher, als einen Tesla zu besitzen. Und die urbane Hipsterin nicht nur im Epizentrum des alternativen Wahnsinns, Kreuzberg, foltert die Nerven ihrer Mitbürger mit den höllischen und vollkommen rücksichtslosen Geschwindigkeiten ihrer elektrifizierten Lastenräder. In denen leider meistens auch Brut hockt, so dass sich dieser Öko-Mob auch noch vermehre. Ein Auto?! Oh Göttin, das haben wir schon seit Jahren nicht mehr! Aber auf Urlaub will niemand verzichten, koste er , was er wolle.
Zwischenzeitlich macht sich allerdings im industriellen Kern unsere Gesellschaft, der aber an der Peripherie der Wahrnehmung liegt, Panik breit angesichts der zusammenbrechenden Autozulieferindustrie und den Massenentlassungen. Die IG Metall hat schon ruckzuck ihre Forderung nach einer Viertagewoche wieder eingepackt. Sie verliert dramatisch an Gestaltungsmacht, ihre Bataillone schmelzen dahin wie Butter in griechischer Sonne. Dabei wäre eine Viertagewoche, allerdings ohne Lohnausgleich, das probate Mittel zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Wenn das sinkende Produktionsvolumen in sinkender Arbeitszeit auf die gleiche Anzahl von Köpfen verteilt wird, haben alle in der übrigbleibenden Arbeitszeit immer noch gleich viel zu tun. Logisch.
Stattdessen macht sich aber immer weiter Angst breit, um den Kredit für das Häusle, für das Zweitauto, den Urlaub!, die Existenz. Wer davon profitiert, dürfte so klar wie die legendäre Kloßbrühe sein. Der AfD fallen die Koalitionsbeteiligungen bei den nächsten Wahlen wie reife Oliven in den Schoß.
Was sagen eigentlich die Zahlen, laut Statistischem Bundesamt?
Die Reallöhne sind seit der Wiedervereinigung, also seit 35 Jahren, um ca. 25 Prozent gestiegen.
Die Armutsquote ist seit Mitte der Neunziger um ca. 50 Prozent gestiegen.
Die Zahl der Milliardäre ist in den letzten 25 Jahren um 250 Prozent gestiegen, von 63 auf 250.
Das Vermögen des reichsten Deutschen, Schwarz, Lidl-Besitzer, ist in den letzten 18 Jahren um 300 Prozent gestiegen, von 10 auf 40 Milliarden Euro.
Allein davon könnte man ca. 8.000 Kitas bauen.
Aber versuchen Sie mal, mit Zahlen und Fakten irgendjemanden zu beeindrucken. Ich freu mich jetzt schon auf meinen nächsten Corfu-Urlaub, um diese ganze Scheiße hier mal zu vergessen. Prost.
Hansano Werbung, aus den 10er Jahren. Seit den 10er Jahren ist viel passiert, unter anderem ist der Kurs der Waffenschmiede Rheinmetall, die auch Glattrohrkanonen für Panzer herstellt, um ca. 3.000 Prozent gestiegen. Gestern hatte Merz angekündigt, die Waffenlieferung an die Ukraine auszuweiten, da legte die Aktie nochmal um über 3 Prozent zu. Von den Managern mit Aktienoptionen dürfte jeder Kurs-Millionär sein. Ich stelle mir vor, wie ein Geschäftsführer der Firma eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, kreidebleich und am Küchentisch in Tränen ausbricht. Seine Frau, ganz besorgt: „Was ist denn? War was in der Firma?“ Er, fasst sich etwas: „Ein grauenhafter Tag. Wir sind alle fix und fertig. Vor zwei Stunden wurde der Waffenstillstand in der Ukraine verkündet. Eine absolute Katastrophe, der Frieden ist da“. Die Frau bricht auch in Tränen aus, die Kinder kommen in die Küche, kriegen die Bescherung mit, und brechen auch in Tränen aus. Ob die Familie, wie weiland die Goebbels, Selbstmord begeht, kann ich in meiner Glaskugel der Vorstellung nicht sehen, soweit reicht die nicht.
Sicher dürfte sein, dass dann Entlassungen bei Rheinmetall anstehen, wenn die Aufträge, und damit Gewinn und Kurs, mangels Krieges einbrechen. Nicht vollständig einbrechen, weil wir ja gegen den bösen Russen weiter aufrüsten müssen. Schließlich hat die NATO nur mickrige 6.000 Kampfpanzer, mit USA und Kanada erbärmliche 9.000, währen der Russe furchterregende 2.000 besitzt, also immerhin ein gutes Viertel! Da muss man doch massiv nachrüsten, bis „wir“ mindestens 10fach überlegen sind, um so ein Gleichgewicht herzustellen.
Ich sehe schon meine IG Metall-Kolleg*innen von Rheinmetall, Hensoldt, Renk etc., den ganzen Waffenbuden, massenhaft mit roten Gewerkschaftsfahnen in Berlin demonstrieren, mit Transpis wie „Frieden? Nein Danke!“, „No more peace!“, „We want war!“ „Kämpfen bis zum Endsieg, geht nur mit noch mehr Krieg!“. Und, von der geistreichen Fraktion: „Ich Krieg die Krise!“
Ganz so einfach, wie ich mir das mitunter mache, ist die Welt allerdings nicht. Friedenwinsler und Weichei-Pazifisten unter anderem von der SPD, aber nicht nur von da, fordern ein Stopp der Waffenlieferungen an Israel. Und da hört für mich die satirische Gemütlichkeit auf. Das in die Praxis umgesetzt, bedroht die Existenz des Staates Israel. Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, ist von einem Meer von Feinden, Terroristen, Hamas-Faschisten umzingelt, deren Identität sich aus einer Hassprojektion stiftet: Die Vernichtung aller Juden.
Ich zitiere dazu aus der PM der Deutsch-Israelischen Gesellschaft vom 26.05 zur Forderung nach Stopp der deutschen Waffenlieferungen: „… Wo bleibt die Forderung dieser politischen Vertreter an die Hamas, sofort alle Geiseln freizulassen und das Leiden der palästinensischen Bevölkerung zu beenden, indem sie die Waffen niederlegt, sich ergibt und aus dem Gazastreifen zurückzieht? Ein Kriegsverbrechen begeht, wer Schulen und Krankenhäuser für militärische Zwecke missbraucht und sich hinter der eigenen Bevölkerung versteckt. Ein Kriegsverbrechen begeht, wer die Zerstörung der eigenen Infrastruktur und – schlimmer noch – den Tod der eigenen Bevölkerung bewusst einkalkuliert. Nicht Israel ist verantwortlich für Tod und Zerstörung in Gaza, sondern die Terroristen der Hamas, die diesen Krieg begonnen haben und ihn sofort beenden könnten, wenn sie die Waffen niederlegen und die Geiseln freilassen würden.
…. Die Hamas hat während des Waffenstillstands nicht nur der eigenen Bevölkerung die von Israel gelieferten Lebensmittel gestohlen, sondern auch Tunnel repariert, neue Raketen gebaut und in den letzten Tagen wieder auf Israel geschossen. Wer keine wirkliche Lösung für die ständige Bedrohung israelischer Menschen anbieten kann, sollte zumindest nicht verhindern wollen, dass Israel seine jüdischen, muslimischen und christlichen Bürgerinnen und Bürger verteidigt.“
Von Hansano bis Gaza, mitunter bin ich selbst erstaunt, was im morgendlichen Entrümpeln meines Kopfes, vulgo Schreiben dieses Blogs, wenn ich denn mal Zeit habe, so alles rauskommt.
Die Rose ist der Mozart unter den Blumen. Überirdisch in ihrer strahlenden Schönheit, üppigen Brillanz und vollendeten Harmonie. Und anders als Mozart verströmt diese hier auch noch einen betörenden Duft, während Mozart auf Grund der hygienischen Verhältnisse im 18. Jahrhundert eher gestunken haben dürfte. Wer im Sommer zur Hauptverkehrszeit in Berlin mit der U-Bahn fährt, bekommt eine ungefähre olfaktorische Vorstellung vom 18. Jahrhundert. Allerdings ohne Mozart.
Ich rieche oft an der Rose. Im Garten blühen jetzt viele Rosen, bildgewordener Luxus, Überfluss, Verschwendung. Den Geruch der einzelnen Rose zu unterscheiden, auf den Begriff zu bringen, ist ideales Training für Nase und Sprache. Es ist aber auch einfach ein Hochamt der Transzendenz, der Versenkung, für Atheisten. Und tröstet über das Weltgeschehen und das Wetter hinweg. In einem Monat werden die Tage schon wieder kürzer und wir haben eigentlich nur Dauerherbst statt Vorsommer. Und was soll man schon zur Politik sagen… Eigentlich kann man sich der nur mit dem Florett der Satire oder dem Säbel der Kunst nähern. Sonst müsste man dauernd kotzen. Beispiel:
Wir erinnern uns an die Sprache der Nationalsozialisten. Aus dem Wörterbuch des Unmenschen stammen beispielsweise Begriffe wie Blut, Sippe, Stamm, Nation, heiliger Moment, bis alles in Scherben fällt … Vor diesem Hintergrund stellte ich bei einem meiner seltenen Auftritte der letzten Zeit, dessen Bestandteil immer ein (satirischer) Quiz mit themenbezogenen, extrem wertvollen, weil Unikate, Preisen ist, folgende Frage:
Es gab drei mögliche Antworten, der Preis für die richtige war ein Marx-Riegel, Auflage limitiert auf 68 Stück, handsigniert, nummeriert. Die drei Möglichkeiten:
1. Adolf Hitler, vor der Machtübernahme 1933
2. Björn Höcke, vor der letzten Bundestagswahl
3. Der neue Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, vor 7 Jahren, in seinem konservativen Manifest
Was soll ich sagen, der Riegel ging weg.
Jetzt sind es nur noch drei, hier auf meinem Sekretär:
Auch die Frage, welchen Orden Lars Klingbeil, genannt Fallbeil , erhalten hat, wurde richtig beantwortet: Den wider den tierischen Ernst. Der Orden wurde nach Ernst Neger benannt, dem berühmtesten Karnevalssänger der Nachkriegs-BRD . Sein bekanntestes Lied war „Humba humba täterä“, Ältere werden es noch in den Ohren haben. Ursprünglich hieß das Lied „Umbau, Umbau, DDR“, musste aber auf Betreiben der Bonner Ultras um den Klerikalfaschisten Adenauer umbenannt werden. Neger war Kommunist und wollte mit dem Lied den Umbau der DDR zu einem sozialistischen Staat auf alltägliche Weise unterstützen. Neger wurde ja der singende Dachdecker genannt, so wie Honecker, nur ohne Gesang. Beide waren in der Weimarer Republik Kampfgenossen in der „Rotz Dach“ (Rote Zelle Dachdecker). Später heiratete Neger Alice Schwarzer und führte fortan den Doppelnamen „Schwarzer-Neger“. Er war aber wohl kein guter Ehemann. Schwarzer nannte ihn intern den „tierischen Ernst“ und rief mit anderen Feministinnen den Orden wider den tierischen Ernst ins Leben.
Diese Zusammenhänge werden aber von interessierter Seite unterdrückt. Das können Sie, liebe Leserinnen, ausschließlich und exklusiv in diesem Blog nachlesen
Reisen dient individueller Glückserfahrung. So weit, so legitim. Ob Reisen dem Austausch von Kulturen, Abbau von Ressentiments, dem Wohlstand der Einheimischen dient und was es an Entlastungsargumenten derjenigen, die sich ihre ökologisch katastrophalen Flugbilanzen schön reden wollen, noch so gibt, darf stark bezweifelt werden.
Auf Korfu sind durch den Tourismus die Grundstückspreise explodiert. Einheimische ohne Grundbesitz können sich Hausbau kaum noch leisten. Eigenheime haben im Süden eine ganz andere, viel höhere Wertigkeit und Verbreitung als in Deutschland, wo das fast ausschließlich ein Refugium für Spießer ist. Auf Korfu, und überall im Süden wo es schön ist, verderben wohlhabende Nord- und Mitteleuropäer die Preise, weil sie jede Summe für Grundstücke in guter Lage bezahlen, für ihr Winterquartier und Ferienheim. Meinem Vermieter Nikos fallen regelmäßig Urlauber mit dicken Protzschlitten in seinen paar tausend Quadratmeter großen Olivenhain mit Blick aufs Meer ein und wollen den kaufen. Hoffentlich kauft Nikos sich eines Tages doch noch eine Flinte. Für das exponierte Grundstück am Meer der Hippie-Colibrifarm, wo jedes Jahr im Juni ein riesiges Festival stattfindet, hat irgendein reicher Guru laut Nikos ohne zu handeln 1,2 Millionen auf den Tisch gelegt. Früher hätte sich solche Grundstücke niemand ans Bein gebunden.
Kann aber sein, dass die Hippies ihre Rechnung ohne den großen Wirt dort oben gemacht haben. Das Grundstück liegt direkt am Meer, auf den Klippen. Der Strand darunter ist jetzt schon bei Sturm nicht mehr da. Und als nächstes sind die Klippen dran. Brösel , Brösel , Polter, Sturz.
Ursache: Der Anstieg des Meeres und die zunehmende Intensität der Stürme und Unwetter, hervorgerufen durch den Klimawandel. Unter anderem auf Basis der Flug-Emmissionen des globalen Tourismus.
Was soll’s. Ich hab schon für den nächsten Trip bei Nikos gebucht. Wegen der Sache mit dem Glück….
Liege hier am Strand von Mathraki, Diapontische Inselgruppe. Nordwestlichstes Griechenland .
Die Inseln sind so einsam, dass noch Wracks von gestrandeten Holzschiffen am Strand verrotten. Aber irgendwo muss auch ein Militärstützpunkt sein. Auf der Fähre verstauten drei Soldaten jede Menge Proviant. Ob die wackeren Krieger Ausschau halten gen Italien, falls der freche Italiener mit seiner Armada naht und sich diesen Teil Ioniens unter den Nagel reißt, wie weiland die Republik Venedig vor 500 Jahren? Geschadet hat es der Gegend hier nicht, Musik, Kultur, Essen, all das ist italienisch beeinflusst und die Millionen Ölbäume, die die Italiener durch Prämienangebote hier pflanzen ließen, machen die Gegend auch bei Sonne zu einer feinen Wanderzone. Besetzungen ganz anderer Art bringt die Neuzeit mit sich.
Colibri Farm, riesiges Hippie Areal nahe Arillas im Nordwesten Korfus, in dem jedes Jahr ein Festival stattfindet, mit allem üblichen esoterischen Gedöns. Die unbeschwerte (Spät-) Jugend der wohlsituierten Mittelschichten der Welt fällt dann hier ein. Hermetisch abgeschottet vom Rest der Gegend durch riesige Zäune, Kameras an allen Ecken, Privat!“-Warnschilder und Zugang nur über Zahlencodes an den Türen.
Das erinnert nicht an, das ist das gleiche Prinzip wie das der Gated Communities in Friedrichshain beispielsweise, wo noch zusätzlich Schranken und Wachpersonal den Mob auf Distanz halten. Eine Öffentlichkeit im bürgerlichen Sinne einer Demokratie findet nicht mehr statt und leistet deren zunehmendem Verfall, wie zu sehen, weiteren Vorschub. Die Existenz von immer mehr hermetischen Zirkeln ist ein antidemokratisches Krebsübel unserer Zeit. Siehe auch Tech Milliardäre in USA. Für das offene, obszöne Treiben der Klasse der Superreichen gerade am Kabinettstisch ihres Oberclowns kann man im Sinne des Klassenkampfes nur dankbar sein, führt es doch auch dem Dümmsten drastisch vor Augen, was das Wesen des Kapitalismus ist: Nicht Wohlstand für alle, wie der hiesige, wenigstens noch demokratische, Oberclown in seiner letzten Büttenrede, genannt Regierungserklärung, ins immer weniger geneigte Volk scherzte, sondern Schamlosigkeit. In Ausplünderung, hysterischem Geblöke auf allen Kanälen und überhaupt…
Gedicht aus einem Heinz Erhardt Film . Fällt mir jedesmal ein, wenn ich aufs Meer schaue.
Korfu, im Nordwesten. Der soll eine Gegend für Individualtouristen sein. Steht im Reiseführer. Wenn sowas erst im Reiseführer steht, ist die Gegend Ruckzuck gerammelt voll. Am vollsten sind die Plätze unter der Überschrift „Geheimtipps!“. Wobei Reiseführer ein aussterbendes Genre sein dürften in Zeiten von Insta. Es geht ja auch nicht mehr um Sterne der Hotels und Unterkünfte, sondern deren Bewertungen bei Booking.com , TripAdvisor etc. Zur Zeit ist es hier angenehm leer.
Die Sonne scheint, der Himmel lacht
Das hat die SED gemacht.
Scherz zu DDR-Zeiten. Das Wasser ist herrlich hier, warm, ca. 20 Grad. Viel zu warm für diese Jahreszeit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Tornados hier regelmäßig auftauchen. Ich glaube, ab 27 Grad Wassertemperatur über längere Zeiträume. Bin aber zu faul zum googeln. Die ohnehin schmalen Strände verschwinden hier langsam. Was von Kulturkämpfen zu den härtesten aller Kämpfen führt: Verteilungskämpfe.
Das Schild hing vor zwei Jahren noch nicht. Oberhalb der Klippen hat sich eine Art Hippiecamp mit angeschlossenem Sommerfestival etabliert. Der Hippie als solcher tritt gerne nackt in Erscheinung, jedenfalls am Meer. Die Normalotouris werden immer mehr, sind eher nicht FKK-affin, der normale Grieche als solcher schon garnicht. Und wenn er streng gläubig ist, orthodox, hasst er die Nackerten wie die Sünde, Sodom und Gomorrha, und hat die früher schon mal mit Steinen beworfen. Kulturkämpfe eben . Wobei ich über die Leute, Hippies etc., den Kopf schüttele. Ein derartiges Verhalten, zwanghaft seinem Lurch im grossen Tümpel die weite Welt zu zeigen, empfinde ich als Kulturimperialismus.
Da die Strände hier und überall auf der Welt immer kleiner werden, arten die Kulturkämpfe in Verteilungskämpfe aus. Die Fraktion der Liegestuhl Touristen braucht mehr Platz, kollidiert mit den Hippies, will sich das Geschäft nicht verderben lassen und bringt jetzt, nach Jahrzehnten, den Staat mit Erlassen und Schildern in Stellung. Siehe oben. Der Hippie mietet eben keine Liegestühle und mampft keine Hamburger von der Strandbar, der mümmelt sein mitgebrachtes Müsli, alles schlecht fürs Geschäft, so wie sein störender Anblick. Der ist ja fast so geschäftsschädigend wie ein Bus voller Behinderter.
Die Schilder strahlen nicht lange in der Sonne. Der Hippie, rebellisch wie er nun mal ist, überschmiert die regelmäßig mit Lehm. Den gips hier am Strand, mit dem schmiert sich der Hippie gerne ein und vollführt schamanische Tänze. Ein erhabene Anblick, bei dem mir meist blümerant wird. In Verteilungskämpfen bin ich natürlich auf der Seite der Anti-Staatler und so tue ich das, was ich in reinen Kulturkämpfen nicht machen würde: Ich zeige meinem Lurch im großen Tümpel die weite Welt. Aber erstmal ne Runde wandern, in die Berge, auch wenn Lurchi schon quengelt.