
Nützlicher Neujahrsempfang. Es ist ja nicht so, dass ich mich permanent als parasitärer Luxussauger an den prallen Brüsten des Kapitals labe, indem ich z. B. auf Neujahrsempfängen von Radio ffn abhänge. Bei einer Art Neujahrsempfang links im Bild der Partei „Die Linke“ geht es um das durchaus sinnvolle Thema wie Armut bekämpft werden kann und ich muss da sogar ackern, indem ich auf dem Podium sitze. Details gibt es hier Armut bekämpfen. Kommt massenhaft am 02.02 ins hannöversche Rathaus! Es gibt was zu saufen. Und es wird vielleicht lustig. Wenn ich auf dem Podium sitze, wird es mitunter unterhaltsam, reine Notwehr, ich will mich ja selber nicht langweilen und unter meinem Niveau informiert werden. Wie oft habe ich mich schon beim Anhören von Vernissage-Reden, von Politiker-Ansprachen, von Podiumsdiskussionen bei Mordgedanken ertappt. Alle Todsünden der Rhetorik sind da oft auf einem Haupt versammelt: vom Blatt ablesen, ohne Punkt und Komma, ohne Melodie und Rhythmus, ohne Spannung und Dramaturgie reden – da kann ich auch gleich ohne Sinn und Verstand reden. Es kommt ja nicht darauf, was ich sage, sondern es kommt darauf an, was das Publikum versteht. Der Wurm soll dem Fisch schmecken – nicht dem Angler. Gerade bei Männern hat man oft das Gefühl, denen geht vor lauter Selbstverliebtheit in ihre Verbalergüsse beim Schwafeln einer ab. Auf jedem Podium dieser Welt sollte eine Entschwafelungs-Anlage installiert sein.
Jetzt muss mir nur noch irgendwas lustiges einfallen, gerade bei so einem Depri-Thema.
Eigentlich, wenn ich es recht bedenke, möchte ich im Moment lieber irgendwo am Mittelmeer am Strand liegen, verschwitzt nach einer Radtour in der Sonne, mir reichen 18 Grad Luft und 15 Grad Wasser, rein die Fluten wie ein Delphin.
Was soll’s.
Ich bin ja schon froh, dass sich dieser Google Check hier neulich als Fehlalarm herausstellte. Ich muss ja regelmäßig im Netz gucken, was so alles über meine Arbeit da drin steht.

Mittlerweile ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften gegen Klaus-Dieter Gleitze …, so las ich im Überfliegen und erbleichte. Es dauerte einen Moment, ehe ich die Realität wahrnahm.
Ein schönes Beispiel dafür, wie Realität und Wirklichkeit zwei Paar Schuhe sind
Archiv für den Autor: admin
23.01.2017 – Bekiffte Käufliche Liebe

Plus 226 Prozent: Entwicklung der Aktie „Deutsche Cannabis AG“, nachdem der Bundestag Cannabis auf Rezept für Kranke legalisiert hat.
Geld, das auf der Bank liegt, wird immer weniger. Soll man Geld anlegen, so man welches übrig hat, und wenn ja, wie? Ethische Fonds? Öko? Aktien sind doch grundsätzlich des Teufels, so alte linke Überzeugung.
Oder? Laut Marx werden alle Dinge zur Ware, wenn sie denn in den Verkehr kommen. Egal, ob es ein Pfund Butter ist oder die Aktie einer Butterproduzierenden Molkerei. Die Spekulation ist nur eine graduelle Abstufung des Kapitalismus, keine strukturelle. Selbst menschliche Beziehungen besitzen im Kapitalismus Warencharakter. „Käufliche Liebe“ meint nicht nur Prostitution. Wieviele Ehen, Freundschaften und Liebesbeziehungen unterliegen nicht dem Tausch- und Gebrauchswertprinzip? Gewogen und zu leicht befunden, der Tod der Liebe, das ist die wahre Ware.
So einfach ist das also nicht mit der Ethik von Geldanlage, da sitzt manch Öko-Investor schnell auf einem hohen Ross, das letztlich nur ein Motto herauswiehert:
Das Herz sitzt links, das Portemonnaie rechts.
Was gar nicht geht, sind Aktien der vier P: Panzer, Plutonium, Prostitution.
Cannabis ist ok. Ist doch schön, wenn der kiffende Alt-Hippie unter Beweis stellt, dass er den Grundkurs in Nationalökonomie verstanden hat und politische Entwicklungen richtig zu deuten weiß. In der nächsten Legislaturperiode wird Cannabis grundsätzlich für alle legalisiert und die Aktie wird eine Entwicklung nehmen wie weiland Apple.
Ob ich das gut finde? Ist es nicht eher so, dass das, was illegal ist, Spaß macht? Das Verbotene macht uns scharf. Und so wie das Zeug heute reinknallt, hab ich bei Heranwachsenden schwerste Bedenken. Das ist vom Wirkungsgrad her zu früher (Achtung: FRÜHER WAR ALLES BESSER!) ein Unterschied wie zwischen einem Glas Prosecco und einer halben Pulle Wodka.
Hätte ich Kinder in der Adoleszenz und würde merken, dass die kiffen, würde ich denen den Hintern versohlen. Jedenfalls wenn es mein Zeug wäre, was die rauchten.
Und da ja NSA und BKA alles mitlesen, hier ein Hinweis: die 6,8 Gramm, die ich besitze, sind in meinem Garten vergraben. Nicht dass die mir bei einer Razzia noch die Tür eintreten. Da ist es mir lieber, die graben meinen Garten um. Dann muss ich es nicht machen.
Das, liebe Genossinnen, nennt man Dialektik.
20.01.2017 – Die repressive Toleranz von 450 Prominenten
Kostenlos guten Wein verklappen, Fingerfood schaufeln, gediegene Atmosphäre, nach der Feier mit einem Shuttle nach Hause kutschiert werden und das Gefühl, wichtig zu sein. Das alles und noch viel mehr gibt es auf Neujahrsempfängen.

Wie dem von Radio ffn, einem jener Privatsender, bei denen für mich das Zuhören unter akustisches Waterboarding fällt. Fröhliche Morgenmänner foltern einem die Gehörgänge dergestalt, dass hier der Tatbestand der Verletzung der Haager Landkriegsordnung von 1899 vorliegt. Trotzdem, respektive deshalb, als Wiedergutmachung, nahm ich die Einladung an. Schließlich gehöre ich damit amtlich zu den 450 Promis hierzulande – was meine Ehrfurcht vor mir selber ins unermesslich steigerte. Ich siezte mich in den Folgetagen.

ffn Morgenmänner mit Bademeister und Badenixe. Wenn das Jahr so anfängt, ist die Hölle nicht weit. Extrem hoher Lästerfaktor für mich! Besonders „freute“ ich mich auf den Auftritt von Dietmar Wischeimer, einem jener normalerweise unangenehmen Brachial- und Fäkalkomiker, die sich in der Maske des Underdogs genau über jene lustig machen. Also dieses eklig-deutsche von Oben nach Unten treten.
Leider enttäuschte Wischmeyer mich komplett, er lieferte eine präzise, kenntnisreiche, bitterböse und saukomische Entlarvung des Geschäftsmodells Privatfunk, bei dem alle Seiten ihr Fett abkriegten, von den Anteilseigern über die Politik bis hin zu den Hörern. Das einzig Nervende daran: alle lachten, von den Promi-Hörern über die Politik bis hin zu den Anteilseignern.
Mir fiel Herbert Marcuses Begriff von der repressiven Toleranz wieder ein, alles wird akzeptiert, alles ist gleich lustig. Die gegenwärtig herrschende Toleranz akzeptiert alles: Chauvinismus, Rassismus, Diskriminierung, sowie die Kritik daran und die Satire darüber, nach dem Motto: Siehe, wie tolerant wir sind.
Nachtrag: es gibt bei ffn, wie in anderen Privatsendern, gute und kritische Leute. Da wird z. B. kurz und präzise über die Vorstellung des Bundestagskandidaten der Linken, Christoph Butterwegge, in Hannover berichtet. Gab es woanders kaum was drüber zu hören.
Die Landesarmutskonferenz begrüßte das aufs Schärfste. Hörst Du hier
Das Leben ist eine einzige paradoxe Intervention, ergo: Viva ffn!
18.01.2017 – Mein Lieblings-Verleser im Januar.

Orte der Besinnung. Wie Klöster. Nur anders.
Das Leben könnte so schön sein, wenn es die Realität nicht gäbe. Manchmal kriege ich Mails, da müsste im Betreff stehen: Bitte um Schläge. Neulich kriegte ich mal wieder eine von so einer Geistes-Amöbe, wo zum Schluss stand:
Mit der Bitte um Erledigung
Ich aber las ernsthaft:
Mit der Bitte um Erniedrigung.
Da das Unterbewusstsein unsere Wahrnehmung in einem eisernen Würgegriff hält, überlegte ich einen kurzen Moment: Muss ich mir jetzt Gedanken um mich machen?
Ich kam aber wie üblich zu dem Schluss: Nöö, muss ich nicht. Der Rest der Welt schon.
Ich nicht.
De Rest der Welt wie das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil, die NPD nicht zu verbieten. Als ich das hörte, war ich einigermaßen Bundesver-fassungslos. Ich halte das Recht – neben dem Staat, und weit vor der Gesellschaft – für die letzte Klammer hier im Lande, das offensichtlich immer mehr in Richtung Idiotie und Barbarei driftet. Auf Einhaltung des Rechts ist konsequent zu bestehen – es sei denn, es geht um BTMG und ähnliches, aber das ist eine andere Diskussion.
Das heißt aber durchaus, dass unsere Rechtsprechung im Einzelfall ein Fall von Klassenjustiz sein kann, rechtsbeugend wirkt oder einfach nur weltfremd und naiv ist.
Die NPD soll also wirkungslos sein und viele Nazis wären schon lange woanders tätig als in der NPD, so der Tenor der Begründung. Dann sollen faschistische Parteien also erst dann verboten werden, wenn sie kurz vor der Machtübernahme stehen? Und ein Schwelbrand im Hausflur soll erst dann gelöscht werden, wenn der Dachstuhl mitbrennt? Und Räuber sollen dann nicht wegen Raub verurteilt werden, weil sie jetzt im Bereich Vergewaltigung tätig sind?
Das Urteil ist auch ein Schlag ins Gesicht der Leute, die in der Ostzone in national befreiten Zonen antifaschistische Arbeit leisten.
Mein Vorschlag für das nächste Mal:
Das Bundesverfassungsgericht tagt während des Verfahrens in einer national befreiten Zone, in einem Gebäude, an dem ein Schild hängt:
Keine Nazis.
Die Tagungen finden natürlich ohne Polizeischutz statt.
15.01.2017 – Alles Essig?

Himbeer-Essig, selbst angesetzt, links zwei Jahre alt, rechts 6 Wochen.
Ich hab ein Gefäß zwei Jahre lang übersehen, das Ergebnis sieht man. Und man schmeckt es, den dunklen Essig kann man pur trinken, geht in Richtung Madeira, mit beeriger Kopfnote, im Abgang extrem lang. Ein Anti-Depressivum, man strahlt beim Degustieren.
Depressionen auslösen können dagegen Reisen, zumal dienstlicher Natur. Nicht wegen der Inhalte, wegen der Bilder.

Man strandet an Bahnhöfen, die so austauschbar, so trist, so grau, so einsam, so unendlich sind, dass es einen würgt.
Dann wieder Orte, die quasi mythisch aufgeladen sind. Kennt jede, für den Wagner-Nazi Bayreuth, für die Klassikfreundin Weimar, für den Biertrinker Kulmbach. Für mich gibt es da viele: Kassel und Documenta, Bilshausen und Heimat, aber auch der Ruhrpott mit Ikonenhaften Stätten.

Wie die Brücke der Solidarität in Rheinhausen. Diese Brücke über den Rhein wurde 1987 von tausenden Stahlarbeitern besetzt, um gegen die Schließung der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG des Krupp-Konzerns zu protestieren. Vergeblich, nach einem faulen Kompromiss wurden das Werk 1993 dicht gemacht. In den 30 vorangegangenen Jahren war die Belegschaft auf Grund von Produktivitätsfortschritt und Rationalisierung um ca. 85 Prozent reduziert worden.
Das kann man durchaus als Masterfolie für Kapitalismus 4.0 nehmen, nur dass die Prozesse viel schneller ablaufen, den Beschäftigten im Bankengewerbe z. B. wird noch schwindelig werden, so rasend-rotierend, und zwar nach draußen, geht das.
Es gibt aber Unterschiede zwischen Heute und 1987. Damals waren Begriffe wie kollektive Gegenwehr, Klassenkampf und Utopie auch in Gewerkschaften noch nicht zu einer Satirenummer degeneriert, sondern hatten identitätsstiftende Wirkung. Die IG Metall hatte zum Beispiel 1984 den Einstieg in die 35 Stunden Woche durchgesetzt. Ich hab da mitgestreikt, war aber mehr für die 25 Stunden Woche. Heute, wo der Kampf um eine dramatische Reduzierung der Wochenarbeitszeit perspektivisch nötiger denn je wäre, weil es sogar um das Überleben von so etwas Schäbigem wie Kapitalismus geht, ist die Forderung nach drastischer Reduzierung der Wochenarbeitszeit das sichere Mittel, sich als Gewerkschaftsdelegierter, wie ich es bin, in seiner Organisation lächerlich zu machen.
Frei nach Walter Ulbricht: Was lernt uns das, Genossinnen?
Alles Essig?
13.01.2017 – Freitag, der 13.
Ich bin abergläubisch. Gestern habe ich einen Einkaufbon über 5,55 (Glückszahl!) Euro auf meinen Lottozettel gelegt. Das bringt Glück! Glaube ich. Hoffentlich gewinne ich die Million erst nächste Woche. Ich hab im Moment keine Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, was ich mit der Kohle anfange. Am liebsten würde ich nach Art der Renaissance Künstler für ein Jahr eine Italien Reise machen, wegen Bildung und so. So wie Goethe. Aber natürlich nicht nach Italien sondern nach Berlin. Aber wer macht in der Zwischenzeit meine Arbeit?!
Letztlich
bin ich unersetzlich.
Glaube ich. Auf meinem Grabstein wird stehen: Er war ein Geschenk an die Menschheit!
Na ja, bei Licht betrachtet reicht es vermutlich noch nicht mal zum „Danaer-Geschenk“.
Natürlich lasse ich mir von so einem Blödsinn-Aberglauben wie „Freitag, der 13. !“ nicht den Alltag regieren. Ich erfreue mich vielmehr des Anblicks eines Geschenks, dass ich als Referent unlängst von Gewerkschaftskolleginnen erhielt. Es ging um meine Arbeit und das gehört zu meinem Job, also nehme ich dafür natürlich kein Honorar. Umso mehr habe ich mich über das Geschenk gefreut. Nicht nur eine nette Geste, sondern passend wie ein Maßanzug!

Passt wie geballte Faust aufs Auge – Karl Marx Rotwein! Mein Ruf ist also noch intakt.
Die Pralinen sind schon alle und der Tee ist in Dauerarbeit. Gute Laune ist also garantiert und
Ich brauche keine Millionen mir fehlt kein Pfennig zum Glück.
Ich brauche weiter nichts als nur Musik
Ein Lied von Marika Rökk, eine Frau, dümmer als Dosenbrot und eine Nazi-Schlampe.
Später dann, also früher, 68ff., war alles besser. Da wehte der Wind noch von links und der alternativ-kulturelle Mainstream hängte sein rotgefärbtes Mäntelchen sofort in diesen Furz des Zeitgeistes. (Wenn man die schräge Metapher zu Ende denkt: Das rotgefärbte Mäntelchen zeigt in diesem Fall nach rechts …)
In jenen Kreisen gehörte es dazu, lilafarbene Latzhosen zu tragen (grauenhaft), die Bots zu hören (ganz grauenhaft) und Gedichte von Erich Fried zu lesen (unaussprechlich grauenhaft).
Bei derart ästhetischen Katastrophen kein Wunder, dass aus 68ff. nichts wurde. Erich Fried z. B. war ein Flach-Phrasendrescher von spektakulären Ausmaßen, aber nicht dumm. Er wusste um die monströse Inferiorität seiner Sentenzen und erzeugte durch schlichten Umbruch der Zeilen ein Lyrik Upgrade. Beispiel (von mir!):
Letztlich
bin ich unersetzlich.
Wobei sich Frieds Flachware noch nicht mal reimte.
Wenn man bei mir noch ein „Yo, digga!“ dranhängt, geht es als Rap durch.
11.01.2017 – Back to the roots oder: Durch Deutschland ist ein Ruck gegangen.

Jetzt gibt es im Supermarkt sogar schon Salat, wo die Wurzeln noch dran sind.
Ich würde bei diesem Trend „Back to the roots“ dann streiken, wenn im Supermarkt wieder Hühner rumlaufen oder ein Reh verschreckt in der Ecke steht. Neulich stand ja auf der Tageskarte beim Italiener um die Ecke „Rehfilet in Barolososse“. Das bezeichnet mehr als vieles andere den Strukturwandel in diesem ehemaligen Arbeiterviertel. Früher traf man sich auf ne Pizza für 5,90 Euro da.
Für Biertrinker: Barolo ist ein Rotwein, der nicht ganz billig ist. Barolo gehörte früher zu den „Big Four B“ im Rotweinbereich: Bordeaux, Burgund, Brunello und eben Barolo. Kann man mal machen, wenn der Etat das hergibt, aber spannender finde ich, gute Weine zu finden, die für einen Bruchteil ein ähnliches Geschmacksvergnügen bieten. Außerdem hatte meine ehemalige Weinwirtin Usch Bütow – Gott hab sie selig in den ewigen Weinbergen! – eine Botschaft parat, was die Differenz zwischen teuren und preiswerten Weinen anging:
Den Unterschied trinkste nich wech. Und griff zielgerichtet zum FüBi.
Für Prosecco Trinker: FüBi = Fürst Bismarck Doppelkorn. Der Weinkeller Bütow war eine Insel der Entschleunigung, kein aus der Zeit gefallener Ort, wo die vielleicht stehen geblieben wäre, sondern ein aus der Welt gefallener Ort, völlig anders als alles, was „draußen“ war. Wenn es mir auch sonst im Leben an nichts (na ja: kaum was) mangelt: Den Keller vermisse ich.
Roman Herzog ist tot. Als ich das hörte, gingen mir unchristliche Gedanken durch den Kopf, ich mochte den Mann nicht. Also rief ich mich zur Ordnung: De mortuis nil nisi bene dicendum est. Von Verstorbenen ist nur in guter Art zu sprechen. Also keine Feindschaft über das Grab hinaus. Aber bei all den Lobeshymnen über seine historische Ruck-Rede von 1997 in der Presseschau im Deutschlandfunk heute morgen lief mir dann doch die Galle über, über die Laudatoren wohlgemerkt. Lassen wir die Fakten sprechen. Zitat aus der Ruck-Rede , Hervorhebung von mir:
„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen.“
Die Zahlen zum Ruck:
1997 betrug die Armutsquote ca. 11 Prozent.
Heute beträgt sie knapp 16 Prozent
1997 betrug die Anzahl der Bundesbürger mit einem Nettovermögen von mehr als eine Million Euro ca. 500.000.
Heute beträgt sie 1.200.000.
Durch Deutschland ist ein Ruck gegangen …
10.01.2017 – Orte, aus der Zeit gefallen – Teil 2

Ein Ort, der aus der Zeit gefallen ist: Das Freizeitheim Linden in Hannover.
Über 50 Jahre alt, hat sich nix geändert. Inklusive Abmarsch der immer kürzer werdenden Kolonnen von roten Fahnen am 1. Mai, hier 2016. Arbeiterbewegungsfolklore. Der Anteil von AfD Wählern ist in Gewerkschaften überproportional vertreten. Die innere Angst tritt nach außen und schreit nach einer Sicherheit, die es nicht gibt. Und beim Italiener um die Ecke im hiesigen ehemaligen Arbeiterviertel gibt es „Rehfilet in Barolososse“. Trauerspiele, wohin man blickt. Aber wie sagte Wilhelm Busch so richtig:
Einszweidrei, im Sauseschritt,
Läuft die Zeit; wir laufen mit.
Ganz andere Probleme hat der Staat Israel, die einzige Demokratie in der Region, umgeben von Staaten, die sein Existenzrecht nicht anerkennen, und von Horden durchgeknallter IS Faschisten. Im November wurde das Land von einer Brandkatastrophe heimgesucht, bei einer Vielzahl der Brände besteht der Verdacht auf Terror durch Brandstiftung. Und dauernd drohen Attentate, das ist eine ganz andere Dimension als bei uns, wo Berlin doch schon dabei ist, in der Erinnerung zu verblassen, weil es in dieser Dimension singulär war. Noch.
Wer Solidarität mit Israel zeigen will, kann sich hier informieren und für Bäume spenden.

Man kriegt auch eine Urkunde. Fast so schön wie meine Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen 1863. Oder war es 1963?
Ich war ein ziemliches Leichtathletik Ass. Und was ist draus geworden? Ob ich einen 1.000 Meter Lauf unter 4 Minuten schaffe? Damals blieb ich unter 3 Minuten, ich galt als die weiße Hoffnung der Mittelstrecke.
Zumindest in der 5 b.
Seufz.
Was bleibt, ist der Baum in Israel. Wenn ich schon längst Kompost bin, liegt unter seinem Schatten vielleicht ein Liebespaar und träumt von einer gemeinsamen Zukunft in Frieden.
Im Kino werden jetzt die Streicher hochgefahren und die Kamera zoomt aus der Großaufnahme von den Gesichtern der Beiden in die Totale, die untergehende Sonne bildet das Gegenlicht.
Ich weiß schon, warum ich mir nur Komödien angucke.
08.01.2017 – So läuft die Verfolgung der Männer in Oberhof
Das ist doch mal ein feministischer Headliner, dachte ich, als ich das beim Check der News überflog und klickte drauf. Es handelte sich aber nur um eine Kasperveranstaltung, wo Männer auf Holzlatten durch den Schnee rutschen und dann mit Gewehren auf wehrlose Scheiben ballern, vermutlich aus Frust darüber, dass sie nicht in einer warmen Hütte sitzen und Après-Ski Hasen anbaggern können.
Ich denke mir solche Schmarrn nicht aus. Das passiert einfach, tatsächlich. So ist die Welt.
„Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen“. Das hat schon Wittgenstein gesagt.
Auch wenn ich ihn nie verstanden habe, bin ich mir sicher, dass der Mann Langeweile hatte und einen famosen Sinn für Humor und sich gesagt hat, mei, ich schreib halt mal irgendeinen Schmarrn zusammen, formuliere das hochtrabend und doch einfach, friemele da mathematische Formeln rein und jeder denkt dann gleich: Guck an, der Wittgenstein, was für ein Pfiffikus.
Da lobe ich mir GiseLa,s Frisierstübchen. Neben der modernen Schuhmacherei

Der Genitiv ist dem Apostroph sein Tod. Die Wittgensteinsche Definition von Komma wäre vermutlich: Das Komma ist ein nach unten gerutschter Apostroph.
Solche Orte wie GiseLa,s Frisierstübchen und die moderne Schuhmacherei sind aussterbende Verweilmomente von höchster Kontemplation in einer Welt voller Irrsinn und Beschleunigung.
04.01.2017 – Hä?

Politische Ponerologie.
Hä? Noch nie was von gehört? Ich auch nicht. Der Begriff kommt aus einer völlig durchgeknallten Verschwörungstheoretiker-Ecke. Ich setze hier bewusst keinen Link, jeder Klick für diese Spinner ist einer zuviel. Wie ich zu dem Bild komme? Ausnahmsweise nicht über die Suche nach Strapsen, sondern nach Kosten, Material und Abmaßen für Fahnen. Ich brauche das dienstlich. Wir haben ein zauberhaftes Banner, brauchen aber noch ein, zwei Fahnen.

Banner ist da, Fahne fehlt.
Ich landete bei der Suche bald auf der Seite von einer trotzkistischen Sekte namens Rote Fahne .
Wofür die arme rote Fahne alles herhalten muss. Sprachduktus und Stil dieser Sekte ist getränkt von Paranoia, der böse Ami, BRD noch besetzt, blablabla. Strukturell die gleiche Verfasstheit wie alle Verschwörungstheoretiker, austauschbar mit Reichsbürgern und anderen Freaks.
Natürlich verwenden die auch die gleiche Symbolsprache. Das Bild oben ist bei der roten Fahne ebenso präsent wie bei den politischen Ponerologen, auf die ich stiess, als ich die Quelle für das Bild oben suchte. Die Orwellartigen Sprüche wurden ganz offensichtlich nachträglich reinmontiert.
Das Bild soll wohl die Besetzung durch den bösen Ami symbolisieren. Vielleicht ging es den Autoren der Webseiten aber auch nur ähnlich wie mir, die dachten:
„Mann, das sieht rattenscharf aus. Das stell ich online. Scheiß auf Inhalt, Zusammenhang und Logik.“
Natürlich hat das Bild eine Tendenz in den Sexismus und zeigen Sie es bitte nicht rum. Nicht dass es nachher heißt, ich wäre Sexist.
Aber utilitaristisch gesehen: Kein Wunder, dass der Ami den Krieg gewonnen hat.
Am besten: Ponerwachs über die Sache und wegwischen
Aber Spaß an der politischen Ponerologie hatte ich schon, hier aus dem Vorwort des Standardwerks der Ponerlogen, Zitat (kursive Richtigstellungen in ( ) von mir):
„Das erste Manuskript dieses Buches wanderte im kommunistischen Polen ins Feuer, wenige Minuten bevor die Geheimpolizei erschien. (Ich vermisse das kommunistische Polen. Ganz aufrichtig) Die zweite Kopie – von Wissenschaftlern (Kopierologen? Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg?) unter widrigsten Bedingungen der Gewalt und Unterdrückung aufs Neue zusammengestellt – wurde via Kurier an den Vatikan gesandt. (Tipp an die Wissenschaftler für das nächste Mal: gleich zwei, drei, viele Kopien machen. Und NIEMALS was an den Vatikan schicken. Habt Ihr den Film „Die Illuminaten“ nicht gesehen?! ) Doch der Empfang des Manuskripts wurde nie bestätigt (Das war die Christel von der Vatikan-Post, die das verschlampt hat. Das ist die in der Dienstkleidung auf dem Bild oben), alle wertvollen Inhalte waren verloren. Im Jahr 1984 wurde die dritte Kopie (wo kommt die auf einmal her? eventuell vorab kopiert vom letzten überlebenden Wissenschaftler?) vom letzten überlebenden (Ja!) Wissenschaftler , Dr. Andrzej M. ŁOBACZEWSKI, aus dem Gedächtnis niedergeschrieben. Zbigniew Brzezinski (kommunistischer Post-Pole in der Regierung des US Vatikan-Faschisten Jimmy Carter) verhinderte die Veröffentlichung dieser Kopie. Nachdem das Buch ein halbes Jahrhundert lang unterdrückt wurde, ist es nun endlich verfügbar.“
Lieber Gott, bitte mach, dass die kommunistischen Geheimdienst-Polen zurückkommen und, nach alter Polen Manier, alle Exemplare dieses Machwerkes klauen.
Das Gruselige an dieser Angelegenheit ist, dass viele Menschen den Müll glauben, der in solchen Büchern steht.
Wie soll man mit solchen Leuten diskutieren?