Glühender Hass wälzte sich unlängst gleich Lava durch mein Gemüt. Sanftmütig bin ich sowieso nicht und jeder Verbalrauferei sofort zugänglich, aber das ich coram publico ausraste und anfange rumzubrüllen, kommt nicht alle Tage, derer noch nicht Abend ward, vor. Und das kam so: In Berlin läuft zur Zeit die Biennale, für den Kunstafficionado (afficionada?) ein must have. Bestandteil der diesjährigen Biennale ist die Feuerle collection, eine der immer zahlreicher werdenden Privatsammlungen in Berlin. Da kriegen sie genug von der Droge, nach der alle Kunst giert: Aufmerksamkeit. Ich suchte die Location verzweifelt, ich war vorher bei einer am Pariser Platz gewesen, da war die Biennale mit Bannern, Wimpeln, Schildern gut ausgeschildert. Ausschilderung ist ja eh in meiner Theorie die Grundlage jeder Zivilisation. Hier nichts, mit einem schüchternen Asiaten im Schlepptau irrte ich über ein unübersichtliches Gelände, durch einen riesigen Bunker mit zig Türen, immer durch die falsche, überall lagen Skelette von Leuten, denen es so ergangen war wie mir und die nicht diesen titanischen Überlebenswillen hatten. Nirgendwo der kleinste Hinweis.

Doch, ein Hinweis, ca. 10 cm hoch.
Nach Monaten endlich an der Kasse, mittlerweile halb Japan im Schlepptau, ich war nicht auf 180, ich war auf 360. Unglücklicherweise war der junge Mann an der Kasse einer jener Kunstschnösel, die glauben, sie hätten „es“ geschafft, nur weil sie in so einem Kunstbunker die Karten abreißen oder das Klo sauber machen dürfen. Auf meine Ansage, dass das die unprofessionellste Ausschilderung der letzten 30 Jahre sei, die ich gesehen hätte, ließ er sich wie folgt ein: „Vielleicht ist das so gewollt?“ Ich war auf 540: „Schon mal was von inklusiver Kunst gehört?“ – „Was soll das denn sein?“
Dummheit, dein Name ist Kartenabreißer und meiner ist LAUTSTÄRKE:
„Es gibt Menschen mit Behinderungen, die es vielleicht nicht so drollig finden, umsonst über Feuerleitern und Baugruben zu klettern.“ (Das ist nur der Teil meiner Einlassungen, die mich in positivem Licht erscheinen lassen). Kartenabreißer:
„Mann, Alter, komm mal wieder runter.“
Da aber geschah es, dass sich glühender Hass gleich Lava durch mein Gemüt wälzte, ich meine Stimme erhob wie weiland Stentor und ich den jungen Kartenabreißer frug, ob wir weiland zusammen Schweine gehütet hätten und damals das „Du“ als allgemeine Kommunikationskonvention vereinbart hätten. Meine Japaner, eher klassische Harmoniesucher, hatten längst das Weite gesucht und aus den Tiefen des Bunkers strömte allerlei Besuchervolk herbei. Ich habe eine wirklich sehr laute Stimme.
Mir war der Auflauf scheißegal, da bin ich bei meinen Performances in der Öffentlichkeit ganz anderes gewohnt. Der Kartenabreißer schien eher unfroh.
Die Kunst im Bunker ist übrigens postmoderner Mist, aufgepimpt mit strukturalistischem Kunstblabla. Und ich hasse Privatsammlungen. Machen auf dicke Hose, um ihren Namen der Welt zu hinterlassen und für die Folgekosten muss der Steuerzahler aufkommen, siehe Sprengelmuseum bei mir um die Ecke.
Das Einzige, was mich übrigens am Pariser Platz gestört hatte, war meine Begleiterin.

Dauernd machte sie Selfies.
Peinlich.
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11.07.2016 – Versöhnliches Ende
Portugal hat die EM gewonnen. Das ist für mich ein versöhnliches Ende einer ansonsten desaströsen Fußball EM. Nicht eine einzige meiner Wetten war erfolgreich. Bezeichnenderweise hatte ich das erstemal seit Jahrzehnten heuer keinen Cent auf Portugal gesetzt, nachdem mich mein Lieblingsland bisher nur Geld gekostet hatte bei Meisterschaften (Ich sage nur: EM 2004!). Versöhnlich war auch das völlig unverdiente Ausscheiden der überlegenen Ostgoten gegen Frankreich im Halbfinale. Ich sah das Spiel BRD – Frankreich in der IG Metall Bildungsstätte Berlin-Pichelssee. Ich war anlässlich des Berliner Armutskongresses dort abgestiegen. Warum sollen Hotels das Übernachtungs-Geld kassieren, wenn es auch an meine Gewerkschaft fließen kann. Ich war vermutlich der Erste in den letzten 30 Jahren, der dieses Ansinnen gestellt hatte, dort auch abseits des Seminarbetriebs unterzukommen, mit meinem berechtigten Argument, dass bei über 100 Seminarteilnehmerinnen immer eine ausfallen dürfte. Ich mache keine gewerkschaftliche Bildungsarbeit mehr, kenne Pichelssee aber seit Jahrzehnten. Liegt an den Seen im Westen von Berlin, mitten in einem riesigen Park.

Blick aus meinem Fenster

Morgens eine Runde Schwimmen im See.
Das Spiel BRD – Frankreich sah ich gemeinsam mit Dutzenden Kolleginnen. Es war ziemlich anstrengend, bei den Toren der Franzosen mehr so nach innen zu jubeln. Gewerkschaften sind ziemlich patriotisch und auch wenn ich seit Jahrhunderten Gewerkschaftsmitglied bin, trennt uns doch einiges und das Letzte, was ich bin, ist Patriot. Au contraire.

Griezmann Elfmeter zum 1:0, in der 46. Minute. Stellte den Spielverlauf völlig auf den Kopf, um so inniger mein Triumphgeheul – nach innen. Ungerechtigkeit ist eine süße Frucht, wenn der Feind sie genießen muss.
Schöne Formulierung, ob die von mir ist?
10.07.2016 – Alles Togo oder was?
In einem Kabarettprogramm hatte ich mal eine Nummer über den grassierenden „to go“ Wahn, mittlerweile ist ja alles „to go“, vom Kaffee über Kultur bis zum Auto (da gibt es einen Anbieter „cartogo“. Ich lese da immer „cartago“ und muss an dann an „cato“ denken, der mit dem Spruch „Im übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden sollte“. So verwinkelt ist die Welt der Gedanken). Ich stellte mich in der Nummer dumm und tat so, als ob „to go“ was mit dem Land Togo zu tun hätte und wunderte mich dann darüber, wieso so viele Mettbrötchen aus Togo kämen.
Kein Wunder, dass ich irgendwann die Kabarettkarriere an den na gel gehängt habe – („na, gel im Haar?“ Hohoho). Also zivilisationskritisch steht die „to go“ Un-Kultur für schnellen Verzehr zwischendurch ohne Muße, Genuss oder Kennerschaft. Keine Zeit für nichts, wer rastet, der rastet aus, weil er rostet und was rostet, kostet. Mein Ding ist to go nicht. Wenn ein Kaffee oder ein Mettbrötchen so schlecht ist, dass sie nicht der Mühe wert sind, beachtet zu werden, lasse ich es lieber ganz. Auf Reisen kann es schon mal passieren, dass ich mir unterwegs ne Schrippe kaufe, aber dann raste ich auch, hänge auf ner Parkbank oder Wiese oder was auch immer ab.
Bei manchen „to go“ Produkten gerät meine Phantasie richtig ins rotieren. Respektive an ihre Grenzen.

Erotik to go.
Hm.
Allen Leserinnen einen sonnigen Wochenbeginn und viele kreative Impulse. (Typisches Workshop & Kongress Gelaber.)
06.07.2016 – Von Mao, Liebe und Hass.

Wir sind ein Landvolk.
Dass der Antisemit und Neonazi Wolfgang Gedeon von der Afd in Baden-Württemberg früher Maoist war, wundert nur den, der nicht weiß, dass der Ministerpräsident des selben Bundeslandes aus dem gleichen Lager stammt. Politische Einstellungen sind ähnlich leicht zu wechseln wie Socken. Die dahinter stehende und sie bedingende psychische Disposition legt man sein Leben lang nicht ab. Narzissten und Egomanen z. B. nutzen politische Gruppen zur Selbstdarstellung und späteren Karriere, siehe das unübersehbare Lager von Ex-Maoisten, KBW, KDP, KDP A0, KB, – weiß der Geier, was es da noch alles gab an durchgeknallten Spinnerinnen – bei den Grünen, von Kretschmann über Trittin zur unsäglichsten aller Nervensägen Antje Vollmer, etc. pp. To be continued. Autoritäre Charakter wie Mahler, Rabehl etc. werden echte Nazis und landeten teilweise hinter Gittern. Früher beschrieb man so was – unzureichend, da nur phänomenologisch vorgehend – als: Unten links anfangen, oben rechts enden. Charakterlich defekt sind die alle irgendwo. Wenn ich von solchen Charaktermasken höre, muss ich oft lachen, neben einer gewissen Anerkennung über die handwerklichen Fähigkeiten, unter solchen Umständen eine beachtliche bürgerliche Karriere hinzulegen. Allerdings bin ich auch wütend über Arschlöcher wie Gedeon zum Beispiel.
Wo kippt eigentlich Wut oder Zorn in Hass um? Hass braucht ja immer eine längere Vorgeschichte, anders als Liebe, zumindest in individuellen Gefühlswelten. (Beim kollektiven eliminatorischen Hass von Antisemiten oder Rassisten geht es nicht um Vorgeschichten sondern um grundsätzliche Defekte. Davon ist hier nicht die Rede). Beim verzehrenden Hass muss vorher Zorn gewesen sein, bei Liebe muss vorher gar nichts gewesen sein.
Ich wünsche solche Leuten wie Gedeon ziemlich viel Schlechtes, aber meist grundiert mit erheiterenden Momenten wie:
10 Jahre Umerziehung in einem Landschulheim mit sieben Tage in der Woche lang kritische Lektüre der Mao Bibel. Verschärfte Bedingung: Ich als Kursleiter.
Dass ich solchen Leuten mal wünsche: Rübe ab, kommt eher selten vor. Das wäre dann die Hasskappe und dafür ist mein Leben echt zu kurz. Außerdem muss ich jetzt packen, für eine Dienstreise, zum Armutskongress. Nach Berlin.
Bei dem Un-Sommer gibt es schlimmeres.
04.07.2016 – Von MinistrantInnen, Bischöf_innen, Päpst*innen.

Selbst die katholische Kirche hat es schon erfasst,
nur Gendersprache passt!
Im verdienten Kollektiv der Herausgeber (leider nur Männer) der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung führen wir einen erbitterten Streit um die Verwendung gendergerechter Sprache. Ich sehe das pragmatisch. In den Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, setzt sich immer das „Herausgeber_innen“ oder „Herausgeber*innen“ durch. „HerausgeberInnen“ ist kein Standard mehr und „Herausgeber“ sowieso nicht, es sei denn, es sind nachweislich nur Männer. Also setze ich mich im offiziellen Sprachgebrauch lieber an die Spitze einer Veränderung, bevor ich – altersstarrsinnig geworden – gar nichts mehr mitkriege.
In diesem Blog benutze ich dagegen fast ausschließlich die weibliche Form. Pragmatismus eben. Meine Kollegen sind da komplett anderer Ansicht, Zitat: „Ich lasse mir die Sprache nicht verhunzen. Für mich gilt der Duden etc. pp“. Also eher die Richtung „Herausgeberinnen und Herausgeber“.
Unsere Kompromissformel im Impressum der NETZ:
Die Verwendung gendergerechter Sprache liegt in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren.
Ob meine Kollegen ihre wertkonservative Einstellung aufgeben, wenn die katholische Kirche die Sprachregelung „Bischöf_innen“ und „Päpst*innen“ einführt?
Auf den Vers zu Beginn des Eintrags bin ich in Erinnerung eines alten Lehrbuchs über das Normungswesen (DIN A 4 und ISO 9001 ff. und so Zeug) gekommen, mit dem ich das Handwerk des deutschen Normers in der deutschen Metallindustrie erlernt habe. Ich bin eben nicht nur Germanist, sondern ein echter Allrounder. Da stand unter der gezeichneten Abbildung eines Schwarzen mit Bastrock, der freudig erregt einen Elektro-Stecker schwenkte, vor einem Kessel mit einem Missionar drin, folgender Vers:
Selbst Bimbo hat es schon erfasst,
nur ein genormter Stecker passt.
Das Lehrbuch war aus den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts.
Wie schön ist dagegen der Anblick des Mohren-Haus

Bamberg – Obere Brücke.
Reisen macht Spaß.
Eine Email von Secret Escape, einem wirklich guten Anbieter von Reise-Schnäppchen der gehobenen Kategorie, hat heute morgen den Betreff: „Das wichtigste Gepäck? Ein fröhliches Herz!“
Ein fröhliches Herz als Gepäck? Mir ist der Urlaub schon verdorben, wenn ich einen Akku vergessen habe. Ganz zu schweigen von Sonnenmilch, Mundwasser, Rosmarinöl, Sonnenmütze, Fernglas, zwei Kugelschreibern, Ouzo-Flachmann, Schweizer Armeemesser, Fotoapparat, Camcorder, Reservebrille … to be continued.
Ich wünsche allen Leserinnen ein fröhliches Herz und einen entspannten Urlaub
29.06.2016 – Wetten , dass ich Zocker bin?
Wenn Sie, liebe Leserin, mir einen Guten Tag wünschen, halte ich 2:1 dagegen. Sie brauchen nur die Floskel einzubringen: „Also jede Wette …“ unterbreche ich Sie sofort und halte dagegen, getreu dem Motto der Marx Brothers: Whatever it is – I’m against it. Was aber mehr anarchistisch gemeint war, während in mir ein Dostojewskischer Dämon wütet.
Nicht unbedingt ein Dämon, eher ein Teufelchen. Wie dieses hier:

Manteuffelstr., Kreuzkölln.
Und es wütet auch nicht, sondern kriegt ab und zu geregelten Auslauf. Alle zwei Jahre, zu Europameisterschaften und Weltmeisterschaften, zieht es mich in die lokalen Wettbüros und was andere beispielsweise für Operntickets oder Bordellbesuche ausgeben, lasse ich durch den Schornstein meiner Wettleidenschaft abrauchen. Dieses Mal alles auf Spanien, bei einer Quote von 6:1. Bei Sieg wäre das ein zauberhaftes Berlin Wochenende geworden, mit allen Schikanen.

Berlin, Plakat Aufbau Stalinallee.
Das Ergebnis ist bekannt. Ich sah mir Spaniens Niederlage gegen die Italiener beim Public Viewing an und erntete spöttisches Gelächter, als ich angesichts des drohenden Untergangs der spanischen Tiki-Taka Armada unter Admiral Iniesta lauthals in Richtung Leinwand wütete: „Geht gefälligst sorgfältiger mit meiner Kohle um!“
Früher bin ich ab und zu auf die Pferderennbahn gegangen oder ins Spielcasino, auch wegen des Ambiente. Das sind schon eigene Welten und Inszenierungen da. Wettbüros sind dagegen eine eher deprimierende Szene. Ausschließlich ältere Männer und nicht gerade lässige James Bond Typen im Smoking wie in Casino Royale, sondern eher Verlierer, die meisten vermutlich spielsüchtig. Es riecht nach Schweiß und Nikotin. Die Sucht ist da auf ihren Kern reduziert, keine Inszenierung drum rum, kein Tamtam und Chichi. The real thing und nichts anderes. Wettbüros haben was von Pornoläden an sich.
Aber selbst in dieser trostlosen Atmosphäre gibt es immer einen kurzen Moment, meist beim Abwägen der Wette und Checken der Quote, wenn die Lust am Spiel durchbricht, wenn für einen Moment unverhüllte Leidenschaft hochzügelt, roh und jenseits von Kontrolle, die Essenz des Gefühls, wenn man so will. White light, white heat, shaping way down to my toes. Dieses Gefühl kriegt dann spätestens nach solchen Erlebnissen wie beim Public Viewing für zwei Jahre wieder Ruhe. Ich bin schließlich Mitglied der Zivilisation. Kontrollverlust gerne, aber bitte termingerecht, in geregelten Bahnen und unter staatlicher Aufsicht.
Das Geld ist mir wie jedem echten Zocker piepegal. Und bei Fußballwetten geht es auch um die Ehre des Sachverstands. Meine Ehre kann nur noch durch einen Sieg der Italiener am Samstag über die Ostgoten wiederhergestellt werden. Und das Sahnehäubchen wäre, wenn Belgien Europameister wird. Mit einer Quote von 5:1.
Aber ich werde ehrlos untergehen und meinen nächsten Berlinaufenthalt wieder selber bezahlen müssen.
27.06.2016 – Wer tritt Usama Zimmermann in den Arsch?
Die flirrende Hitze drückte auf die Stadt, sie war beim Gehen wie ein wattiger Nebel regelrecht körperlich zu spüren. Also stellte ich das Gehen ein und hing im zauberhaftesten innerstädtischen Park der Welt ab, im Körnerpark mitten in Neukölln.

Körnerpark

Selbst Monika suchte den Schatten und Bionade.
Zwecks Minimierung des Gehens setzte ich mich danach im Bus M29 ins Oberdeck und cruiste durch Kreuzkölln. Alles sah ruhig, freundlich und einladend aus. Die Hitze deckte einen Mantel aus Gemächlichkeit über den Asphalt. Dann sah ich Usama Zimmermann am Görlitzer Bahnhof.

„Der zionistisch Staat mit deutschen Zionisten und internationalen Zionisten terrorisieren die Deutschen, die Ausländer und die ganze Welt.“
Der Jude ist eben immer an allem schuld. Selbst am Holocaust.
Dieser Usama Zimmermann ist mit Sicherheit auch im klinischen Sinne geisteskrank, ein Fall für die Pathologie. Leider sind solche Leute nicht immer nur „harmlose Spinner“. Da draußen rennen immer mehr Gestörte rum, denen der aus den Fugen geratende Lauf der Welt die mörderische Grundierung ihrer eigenen kranken Seele gibt. Und am Ende steht dann zum Beispiel Orlando mit 49 ermordeten Lesben und Schwulen.
Der Spinner mit dem Namen des bekennenden Pazifisten Usama steht da wohl öfter an der Kreuzung. Ich hoffe, dass demnächst mal eine Reisegruppe aus Israel da vorbeikommt, deren Mitglieder wegen gerade geschehener Terroranschläge auf Juden – und die geschehen dauernd überall auf der Welt – einen ziemlichen Hals haben auf solche Gestalten und den Usama kurz aber auch mal so was von in der Arsch treten. Der Typ ist offensichtlich Gewohnheitstäter, siehe auch Gerd Buurmann in seinem Blog „Tapfer im Nirgendwo“: „ …. Am 10. Juni 2016 demonstrierte Usama Zimmermann in Berlin über die angebliche Bosheit der Zionisten. Zwei Tage zuvor waren in Tel Aviv vier Juden ermordet worden. Sie hatten sich nicht versteckten, weder hinter Bäumen, noch hinter Steinen, auch nicht in Geheimdiensten. Sie saßen in Cafés und liebten das Leben. Sie wurden gezielt ermordet, weil sie Juden waren. ….“
26.06.2016 – Downing Street? Drowning Street!
Fiel mir eben beim Betätigen der Klospülung ein. Hab die Überschrift gegoogelt, keine Fundstellen. Komisch. Liegt doch so was von auf der Hand nach dem Brexit und Cameron’s Rücktritt. Habe ich es nur mit Blinden zu tun?

Public Viewing zur EM. Städtische Blinden Anstalt, Berlin, Oranienstr. (Das Bild als flachen Fussballer-Scherz wollte ich mir nicht entgehen lassen, möchte aber darauf hinweisen, dass die DIM – Die imaginäre Manufaktur ein tolles Projekt mit behinderten Menschen ist. Wer in Berlin in die Oranienstr. kommt – und wer käme da nicht nicht hin, das ist ein must have: Besuchen, Wein trinken, was kaufen).
Ich bin mir bei dieser ganzen Brexit Diskussion nicht sicher, ob die von den Medien befragten Fachleute einfach nur dämlich sind oder dreist. Die Kernfrage, die jeder einigermaßen plietsche Journalist am Ende eines Brexit-Interviews stellt:
„Und wie kann eine weitere Spaltung (ersatzweise: Schwächung) der EU verhindert werden?“
Da kommt dann ein „Schwer zu sagen“, „Wenn man das wüsste“ oder ellenlanges Geschwalle, an dessen Schluss der Worthülsen-Absonderer selbst nicht mehr weiß, was er eigentlich gesagt hat. Gemeint hat er sowieso nichts. Die Tatsache, dass die EU ihren Akteuren um die Ohren fliegt, ist eine Konsequenz der wachsenden Spaltung zwischen Arm und Reich, in den Nationen und innerhalb der EU. Die Ausdehnung und Ökonomisierung der EU als eine Form der Globalisierung produziert jede Menge Verlierer und die stehen nun mal mehr auf die rechten Vereinfacher-Parolen, Rassismus und Nationalismus als auf internationale Solidarität und Klassenkampf. Eine weitere Spaltung der EU kann nur verhindert werden durch nachhaltige Armutsbekämpfung. Aber die Kapitalisten wären beim derzeitigen tendenziellen Fall der Profitrate ja bescheuert, wenn sie sich darauf einließen, hier was abzugeben. Ihr Kapital ist schließlich grenzenlos mobil und kann jederzeit verlagert werden, nach Schanghai, Singapur oder Timbuktu. Die Angst vor dem sozialen Absturz ist in ganz Europa in der Mitte der Gesellschaft angekommen und diese Angst produziert die hässliche Fratze des Bürgertums, den Populismus.
Wieso antworten die Fachleute sowas nicht einfach? Wissen sie es nicht und sind ergo dämlich? Oder wissen sie es und verarschen den Mob nur, in dem sie so unfassbar blöde Sätze von sich geben wie: „Wir haben Europa einfach nicht genug erklärt und keine emotionale Wärme dafür erzeugt.“ Dieser Spiegel-Kommentar zur hier beschriebenen Situation bringt es fertig, nicht ein einziges Mal die Begriffe „Arm“ und „Reich“ zu verwenden. Solche „Antworten“ erzeugen bei mir Wärme, aber ganz anderer Art.

Kühlen Kopf bewahren. Berlin, letzten Freitag, 36 Grad. Ideales Wetter, um in Kreuzkölln auf Kieztour zu gehen. Da dehydriert man schon beim Denken.
23.06.2016 – Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?

Oder doch so:

Wo ist eigentlich der Sinn? Ich vermisse den zauselbärtigen Griesgram Hans-Werner Sinn vom IFO Institut doch irgendwie, der im Gesicht so aussah wie ich noch nicht mal am Südpol aussehen möchte. Ein besseren Lakaien und Büttel des Kapitals hätte sich auch ein Satiriker nicht schnitzen können: antisemitisch grundiert, beinharter Destroyer jeden Sozialstandards, als Forscher eher ein Dünnbrettbohrer, aber als mediale Heulboje omnipräsent und für keinen Scherz zu haben, was sich jederzeit auf seiner Jammerphysiognomie abzeichnete und mir eine Strafanzeige von ihm eintrug, als ich mit seinem Namen Schindluder trieb. Die Anzeige war insofern berechtigt, als man NIEMALS NIEMALS Namenswitze machen darf, aber inhaltlich noch dünner als seine Forschungsergebnisse. Ich machte mir noch nicht mal die Mühe einen Anwalt zu nehmen und reichte auf seine mustergültig unprofessionelle 40 Seiten Klageschrift, von der nobelsten Kanzlei in München verfasst, eine anderthalbseitige Erwiderung ein. Das zuständige Amtsgericht watschte den Miesepeter vollstumfänglich ab. Ich bildete mir ein, dass er nach diesem Urteil medial nie wieder zu alter Tiefstform auflief.
Aber der Sinn fehlt mir! Keiner brachte meinen zu niedrigen Blutdruck so zuverlässig in Wallung wie er. Nie fegte meine Feder ideengetränkter übers Konzeptpapier, wenn Struppis Medusenhaupt mal wieder den Untergang des Abendlands bejammerte, nur weil die faulen Griechen sich weigerten, unter dem Diktat der Austerität einfach mal eben zu verhungern.
Hans-Werner, bitte komm zurück! I need you so urgently. Oder um es mit meiner früheren Lieblingsband, den Equals, zu singen: Come back, baby, come back. Das Video ist schwarz-weiss, was in dem Zusammenhang ein subsubtiler Witz ist. Hahaha. Wenn Sie auf Soul und Funk stehen und die Möglichkeit haben, die Equals zu hören, nichts wie hin. Mittlerweile sind das nur noch Schwarze, die eine derart gefährlichen Groove an den Tag resp. in die Nacht legen, dass frau schon tot sein muss, wen sie dazu nicht tanzt. Aber ob die Equals überhaupt noch leben?
Von Hans-Werner Sinn auf die Equals zu kommen, dass muss mir auch erst mal eine nachmachen.
Freies Fluten.
21.06.2016 – Magisches

Grenzübergang Helmstedt-Marienborn, dieser Begriff hat für Angehörige meiner Generation einen magischen Klang. Er stand wie wenige für teilweise Parzellierung Großdeutschlands.
Den magischen Klang hatte Helmstedt-Marienborn aber nicht nur wegen der Teilung Deutschlands, sondern vor allem, weil es von da nach Berlin ging. Berlin, Fluchtpunkt der Kriegsdienstverweigerer und Ort eines irgendwie alternativen Lebens. Wenn man im Auto sich Helmstedt-Marienborn näherte, ging der Puls in die Höhe. Vor allem erst mal wegen der Grenzkontrollen.
Mich zog es damals noch nicht so nach Berlin wie heute, hab eher Klimmzüge an der hiesigen Stadtmauer gemacht.
Natürlich war ich auch kategorisch dagegen, dass Berlin Hauptstadt werden sollte. Drohendes Fanal eines neuen Großdeutschlands, dass den zweiten Weltkrieg in der Verlängerung doch noch gewinnt, an der Grenze nach Osteuropa – das war die Argumentation von aufrechten Linken damals. Die Linke ist jetzt eher erodiert und krumm und bei den durchgeknallten Potentaten und kryptofaschistischen Strukturen östlich der Elbe muss man mittlerweile beinahe dankbar sein, dass die BRD zumindest ab und zu mal zaghaft an die Einhaltung von minimalen Menschenrechten erinnert. Hauptsächlich deshalb, um den Gang der Geschäfte aufrecht zu halten. Was aber im Ergebnis erst mal egal ist. Jedem Sinti oder Roma, der in der Slowakei oder in Ungarn bei Pogromen nicht vertrieben oder totgeschlagen wird, ist es gleich, dass die Ursache dafür nicht Empathie ist, sondern Druck einer Regierung, die sich Sorgen ums Geschäft macht. Was die EU braucht, ist Rechtssicherheit und ein gutes Image.
Ich schwanke noch zwischen zwei Forderungen: Her mit dem alten Eisernen Vorhang. Oder im Rahmen eines robusten Mandats Einmarsch der französischen Fremdenlegion in Pogromregionen.

Berlin, Frankfurter Tor mit Lavendel. Mit Blitz fotografiert. Unnatürlich Kontrastscharf.
Und das Berlin Hauptstadt ist, finde ich mittlerweile gar nicht mehr gruselig. Fast alle wichtigen Organisationen, mit denen ich zu tun habe, haben ihren Hauptsitz in Berlin und alle wichtigen Veranstaltungen finden da statt. Wenn ich z. B. nicht am Armutskongress teilnehmen würde, machte ich mich einer Dienstverfehlung schuldig. Ich muss dahin.
Gibt schlimmeres. Und die ästhetische Bildung soll heute auch nicht zu kurz kommen. Sie ist die Grundlage einer aufgeklärten politischen Haltung, den wachen Blick, auf das, was ist und wie es sich ständig wandelt. Lektion für heute „Magische Bildmomente erfassen“:.

Kontrastschärfe – natürlich, siehe auch Bild Frankfurter Tor oben. Irgendein Sommertag. Mittagspause auf der Veranda. Für einen Moment zeichnete das Sonnenlicht eine gleißende Kontrastschärfe auf alle Gegenstände. Die Konturen stachen wie vom Rasiermesser gezogen hervor. Alles schien klar. Aber nur für einen Moment.
Muss jetzt aufhören, da ruft was.
Vermutlich Berlin.