
Ich mache mich denkerisch und zeichnerisch jetzt an gewagte Allegorien heran. Hier ein Beispiel: Die Nation, die Portion und die Situation. Thomas Stethin, 17.01.2024.
Der Beruf des Postkartenmalers ist seit Adolf Hitler etwas in Verruf geraten . Thomas Stethin hat ihn aufs Glänzendste rehabilitiert. Den Postkartenmaler, nicht den Hitler. Ich besitze eine umfangreiche Sammlung des Stethinschen Oeuvre und hoffe auch aus egoistischen Motiven der Vermögensmehrung, dass er noch zu Lebzeiten den Durchbruch schafft. Aber vorrangig würde ich es ihm natürlich von Herzen gönnen. Er hat das hinter sich, was man ein bewegtes Leben nennt. Eine gute Grundlage zumindest für die Fähigkeit, etwas zu erzählen. Was letztlich eine Grundlage aller Kunst ist: Erzählungen.
Ein paar Details hier, leider hinter Bezahlschranke. Ich würde sein Werk als kritischen Dadaismus, bezeichnen, mit intellektuell-popkulturellen Einschlägen.
Was der Welt erspart geblieben wäre, wenn Hitler Erfolg, als Maler Anerkennung und Auskommen gehabt hätte und sich nicht genötigt gesehen hätte, Politiker zu werden, ist Spekulation. Der Faschismus hätte sich auch ohne ihn in Deutschland durchgesetzt, aber vielleicht mehr in der Mussolini Variante, nicht so mörderisch.
Müßig zu spekulieren. Es ist so, wie es ist. Die Situation ist wie besehen, die Nation auf dem Vormarsch und wir kriegen alle unsere Portion ab. Der Zeichner hat recht. Kauft massenweise Stethin, denn er zeichnet die Zukunft.
Morgen ist Holocaust-Gedenktag, genauer: Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Ob da auch Hunderttausende, wie bei den letzten Anti-AfD-Demos, an den Feierlichkeiten in der ganzen BRD teilnehmen? Kann man eigentlich Demokrat und Antisemit sein? Wie wohl die Landratswahl morgen im ostelbischen Saale-Orla-Kreis ausgeht? Der AfD Kandidat hatte im ersten Durchgang über 45 Prozent erzielt, der CDU-Kandidat 33 Prozent. 33 – 45, merken Sie was? Zur Wahl des CDUlers hat ein breites Bündnis aufgerufen aus u. a. Arbeiter-Wohlfahrt, Behindertenverband des Kreises, Pflegedienstleister, die Diakoniestiftung, Bürgermeister, Pfarrer, Mitglieder des Kreistages, Unternehmer, Ärzte …
Ich fürchte, der AfD Kandidat wird gewinnen. Viele Ostelbier haben vermutlich den Aufschrei der bürgerlichen Mitte gar nicht wahrgenommen, die lesen nun mal keine Tageszeitung und gucken auch keine Öffentlich-Rechtlichen. Und wenn sie was mitkriegen, denken sie vermutlich nicht selten: Diesen rotgrün-linksversifften Wessis werden wir es mal zeigen. Trotz ist auch bei Erwachsenen eine weitverbreitete Emotion. Gerade bei jenen, die „nicht zu Ende geboren wurden“ und damit anfällig für Faschismus, konditioniert zum Vernichten, zum Töten, siehe hier. Dressed to kill.
Was dabei rauskommt, beschrieb Ernst Jünger, Nazi-Autor, in der Nachkriegs-BRD hoch geehrt und gefeiert wie der Nazi Heidegger. Und bei solchen Kontinuitäten wundert sich das Bürgertum, wenn dabei Schlamassel rauskommt. Was ist schlimmer: Naivität oder Dämlichkeit?
Das vorletzte Wort soll Jünger haben, damit Sie, liebe Leserinnen, wissen, wo der Hammer hängt. Zitat zum Kriegsgeschehen, zur Feuertaufe von Blut, Tod, Vernichtung:
“Wenn das Blut durch Hirn und Adern wirbelte wie vor ersehnter Liebesnacht und noch viel heißer und toller. Die Feuertaufe! Da war die Luft so von überströmender Männlichkeit geladen, dass jeder Atemzug berauschte, dass man hätte weinen mögen, ohne zu wissen warum. O Männerherzen, die das empfinden können!“
Eros und Thanatos, so nah beieinander. Man möchte wirklich weinen. Nee, besser: Frau.















