Archiv für den Autor: admin

23.12.2023 – Das Merz-Komplott

BILD

Evangelische Zeitung 22.12.23 „Landesarmutskonferenz lädt Merz zu Bürgergeldaktion in Hannover ein“.

Das ist richtig und wir haben ihm sogar angeboten, dass er mit seinem Privatflieger in der Innenstadt von Hannover landen kann. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die ganze Geschichte hier exclusiv für Sie, liebe Leserinnen:

Friedrich Merz ist bekanntlich einer der klempnerfeindlichsten CDU-Vorsitzenden der letzten Jahre, hatte er doch die Klempnerinnung unlängst gröblichst beleidigt, indem er sie auf eine Stufe mit der politischen Nulllösung Olaf Scholz stellte: „Sie sind ein Klempner der Macht“.

Diese Arroganz offenbart die ganze Missachtung von harter, ehrlicher Arbeit durch den ehemaligen Finanzspekulanten Merz. Eine derartige Unverschämtheit muss bestraft werden und so vereinbarte ich mit einer Klempner-Gang folgendes: Ich locke ihn aus dem Haus, siehe Bürgergeld-Aktion, sie suchen in der Abwesenheit sein Haus auf und verbinden seine Dusche mit dem Abwasserrohr. Wenn er also zurückkommt, dreht er als erstes die Dusche auf, um sich vom Schmutz der Nähe zum Pöbel zu befreien, und aus der Dusche quillt Scheiße. Natürlich sind da Kameras installiert, die die Bilder des braungesprenkelten Merz ins Internet übertragen. Es heißt ja auch schon im Volkslied: Im Merzen der Bauer die Rößlein anspannt und verteilt die Gülle über das Land. Damit ist Merz als Kanzlerkandidat erledigt. Die Kosten für unsere Aktion tragen übrigens sein Nachfolger, der dämonische Söder, und die ihn nach wie vor zu Recht verachtende Angela Merkel, die übrigens kurz vor der nächsten Bundestagswahl aus der CDU austritt und dann bei Fridays for Future mitmacht.

Mich überrascht im Mediengeschäft eigentlich nichts meher, dieses aber doch:

junge Welt, Ausgabe vom 28.12.2023. Heute haben wir den 23.12, diese Ausgabe kommt also aus der Zukunft! Das bedeutet, dass in ihr auch die Lottozahlen vom 27.12.2023 veröffentlicht sind. Die gebe ich dann also am 27.12 ab…. Der Jackpot beträgt da aktuell 35 Millionen Euro. Die Aktion am 28.12 ziehe ich noch durch und dann ….

Und ab hier wird es interessant: Was würde ich anders machen mit x-Millionen? Eine der häufigsten Fragen und Phantasien im Lande. Was wäre, wenn… Oder auch: Wer bin ich? Eine der Grundfragen der Philosophie, die ja die Basis für die Beantwortung der Eingangsfrage bildet. Bin ich ein solidarischer Mensch, teile ich das Geld. Oder finanziere sinnvolle Projekte, wie „Bring mir den Kopf von Friedrich Merz“. Bin ich phantasielos, mache ich eine Weltreise. Bin ich konventionell, kaufe ich mir ein Häuschen im Grünen. Usw. usf. , das Prinzip dürfte klar sein. In der Beantwortung dieser Frage entfaltet sich Ihre Persönlichkeit. Was für viele eine Bedrohung sein dürfte

Ich werde es Sie, liebe Leserinnen, am 31.12 wissen lassen, was ich mit der Kohle mache. Ich muss jetzt los, die Landebahn in der City fertigmachen. Schönes Wochenende.

21.12.2023 – Friedrich Merz kommt zur Bürgergeld-Aktion „Armut? Nein Danke!“ in Hannover!

Entwurf Weihnachtspostkarte: LAK/design@in-fluence 2023

Friedrich Merz kommt zur Bürgergeld-Aktion „Armut? Nein Danke!“ in Hannover! Vielleicht …. . Eingeladen haben wir ihn jedenfalls, und Geistesverwandte wie Christian Lindner. Und Sie, liebe Leserinnen, kriegen die Info exclusiv vorab. Hier die Einladung:

Betreff: Einladung Landesarmutskonferenz Aktion Bürgergeld 28.12.2023

friedrich.merz@cdu.de

Sehr geehrter Herr Merz,

die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen lädt Sie und andere Politiker*innen herzlich ein, an unserer Aktion zur Erhöhung des Bürgergeldes ab 01.01.2024 teilzunehmen. Sie findet am 28.12.2023 um 11 Uhr in Hannover am Kröpcke statt, fußläufig 5 Minuten vom Hauptbahnhof.

Wir präsentieren bei dieser Aktion auf einer Tafel die Tagesration Ernährung für Bürgergeld-Bezieher*innen ab 01.01.2024 und wollen dadurch mit Medien, Bürger*innen und Politiker*innen ins Gespräch kommen.

Ziel der Aktion und der Gespräche: Wir wollen verdeutlichen, dass das Bürgergeld auch nach der Erhöhung weder für eine gesunde Ernährung noch für das soziokulturelle Existenzminimum ausreicht. Expert*innen gehen davon aus, dass das Bürgergeld um mindestens 200 Euro erhöht werden muss.

Wir sind der Ansicht, dass sich alle Akteure dieser Diskussion ohne ideologische Scheuklappen stellen sollten. Die bisherige, mitunter faktenreduzierte Diskussion hatte oft das Ziel, Menschen mit geringem Einkommen gegen Arbeitslose auszuspielen. Diese Spaltung ist demokratiegefährdend und menschenverachtend. Durch Ihre Anwesenheit setzen Sie ein Zeichen dagegen! Bitte geben Sie uns rechtzeitig Bescheid, ob Sie dabei sind, damit wir die berichtenden Medien informieren können.

Anbei als kleine Aufmerksamkeit unsere Weihnachtspostkarte.
Danke und bis zum 28.12!

Mit besten Grüßen

18.12.2023 – Still erleuchtet jedes Haus

Frieda’s mobile Donnerbalken. Hier sitzen Sie First Class. Bitte warten, Sie werden platziert!

Quedlinburg, Ostzone, Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Mit über 2000 Fachwerkhäusern aus 8 Jahrhunderten Weltkulturerbe und eines der größten Flächendenkmäler in Deutschland. Wenn schon Weihnachtsmarkt, dann aber richtig, zumal sich gerade in solch großflächigen Anklumpungen stimmungsvoller Erhabenheit dem Humor-Connaisseur immer wieder köstliche Pretiosen erschließen, wie „Frieda’s mobile Donnerbalken“.

Sie leben noch, die innerdeutschen Unterschiede, die leider keine Grenzen mehr sind. In der Ostzone wurden Gäste früher in jedem Restaurant platziert. Ein Ritual, dass dem BRD-Insassen völlig fremd war und dem sich daher der Donnerbalken-Scherzgehalt des „Sie werden platziert“ nicht in der notwendigen Tiefe entschlüsselt. Ich hätte mir vor Lachen beinahe in die Hose gemacht, hab’s aber gerade noch bis Frieda geschafft. Beim Preis von 1 Euro werden alte Genoss*innen auch gedacht haben: Non olet, der Kapitalismus macht selbst aus Scheiße Kohle.

Im Angesicht des hell erleuchteten mobilen Donnerbalkens gingen mir Eichendorffs Zeilen durch den Kopf:

Markt und Straßen stehn verlassen,

Still erleuchtet jedes Haus,

Sinnend geh‘ ich durch die Gassen,

Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt,

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

Eines meiner eindrücklichsten ersten Leseerlebnisse war „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Eichendorff. Das erschien mir damals, und bei Lichte betrachtet heute noch, nicht die schlechteste Existenz-Variante. Die bürgerliche Abwertung „Taugenichts“ bezieht sich ja nicht auf fehlende moralische Eigenschaften, sondern einzig auf die Weigerung, sich der Norm des kapitalistischen Erwerbslebens zu unterwerfen. Und angesichts der Verheerungen, die der Fetisch „Arbeit“ über die kapitalistische Welt gebracht hat und bringen wird bis zu ihrem bitteren Ende, scheint mir der Titel „Taugenichts“ eine derart über alle Maßen adelnde Bezeichnung, dass ich in den SCHUPPEN 68-Shop für 2024 das Angebot aufnehmen werde:

T-Shirt, mit Aufdruck „Taugenichts“, 68 Euro.

Eichendorff war Romantiker, eine ambivalente Geisteshaltung und Stilrichtung. Einerseits mit der Betonung von Gefühl, Leidenschaft, individuellem Erleben in ihrer Ablehnung der aufkommenden Moderne, Industrialisierung, und damit in der Abgrenzung von den Verstandeswelten der Aufklärung, eine eher Vernunftfeindliche Ideologie, auf die sich letztlich auch die Nazis bezogen.

Andererseits: Wo wären wir ohne Gefühl, Leidenschaft, individuellem Erleben, ohne unsere inneren Welten der Transzendenz, der Spiritualität, der Seele als Antipodin des Verstandes. Und so war ich Frieda’s mobilem Donnerbalken für ein doppeltes Gefühl der Erleichterung dankbar, nämlich auch dem Gefühl: Gut, dass wir auch mal über den Taugenichts als mögliche Figur der Erlösung vom kapitalistischen Joch geredet haben.

Nieder mit der Arbeitswut! Es lebe das Taugenichtsen.

Hier aber endet Eichendorff, gerät die gesamte Romantik an ihr immanente Grenzen fehlender Ideologiekritik. Ideologiekritisch müssen wir Eichendorffs Zeilen natürlich angesichts der massenhaften traumatisierenden Armut gerade in der Weihnachtszeit und gerade für Kinder, die wenig bis nichts geschenkt kriegen, wie folgt ergänzen:

….

Tausend Kindlein stehn und schauen,

Sind so wunderstill beglückt.

400 Kindlein stehn und trauern,

Sind so würdelos bedrückt.

15.12.2023 – Es ist mir ein Rätsel, wieso ich noch nicht Milliardär geworden bin

Aus dem Archiv: HAZ, 08.03.2014. Über die Gründung des Sackkarren-Service. Neben dem Witze-Verleih sicherlich eine meiner besten Geschäftsideen. Der analoge Service, sich quasi antizyklisch zum E-Scooter-Irrsinn durch Szeneviertel von Kneipe zu Bar zu Club karren zu lassen, dabei Drinks aus dem legendären Bauchladen zu ordern, schien mir genial zu sein. Zumal er bundesweit praktizierbar ist, von Kreuzberg über St. Pauli bis Nippes. Optional als Partner*innenbörse nutzbar. Angesichts der Fülle meiner genialen Geschäftsideen ist es mir nach wie vor ein Rätsel, wieso ich noch nicht Milliardär geworden bin. (Ich hatte den Artikel schon mal 2017 im Blog dokumentiert , im Zusammenhang mit der Eröffnung der IGA in den Gärten der Welt in Marzahn. Nach wie vor auf Grund ihrer Lage tief im Berliner Osten, kurz vor Asien, ein Geheimtipp. Absolut sehenswert).

Statt also Milliardärsmässig bei dem Schweinewetter an Karibikstränden zu chillen oder wenigstens auf Malle, wo ohne Ende fast sommerliche Temperaturen herrschen, mache ich mir hier für lau den Kopp über die AfD und andere Alpträume. Neulich gingen mir die hilflosen Mainstream-Floskeln, verabreicht als Bürgerpresse-Beruhigungspillen für die irritierte Mitte der Gesellschaft, zum unaufhaltsamen Aufstieg der AfD durch den Kopf.

Es fing an mit: AfD viel zu unbedeutend, die schaffen es nie in die Parlamente.

Als die AfD flächendeckend drin war, hieß es: Keine Panik, alles Protestwähler.

Als sich herausstellte, jede Menge veritable Faschisten, kam die glorreiche Parole: Keine Panik, die haben ihr Wählerpotential so gut wie ausgeschöpft.

Als sich herausstellte, dass auch das reiner Blödsinn ist, kamen irgendwelche stabilen Genies auf die famose Idee: Keine Panik, wenn die erstmal irgendwo mitregieren, entzaubern die sich von selbst und der Spuk ist vorbei.

Wie prima das klappt mit dem Entzaubern, sieht man in Ungarn, Italien, Frankreich, USA, etc. wo Rechtsextremisten seit Jahren in Verantwortung auf vielen staatlichen Ebenen stehen und es den Mob einen feuchten Kehricht kümmert, was die da für Mist bauen. Der Mob hat sich entkoppelt von rationaler Wahrnehmung und realer Politikgestaltung, er sucht und braucht die Erregung als psychopolitisches Moment. Was ein wechselseitig sich verstärkender Prozess ist, AfD und Wahlmob schaukeln sich kommunikativ gegenseitig in einer Erregungsspirale hoch.

Insofern wäre es natürlich ein weiterer Demokratie-GAU, wenn die AfD irgendwo in der Ostzone im nächsten Jahr in Regierungsverantwortung eingebunden würde und sei es als Dulderin einer CDU-geführten Minderheitsregierung. Dadurch erhielte der Mob das oberste staatliche Anerkennungssiegel, müsste sich nicht mehr wie früher verdruckst in braunen Ecken rumdrücken und verschweigen, dass er Naziwähler ist. Karrierebeamte würden auf Ticket der AfD befördert. Die wäre an den Steuer-Fleischtöpfen der Nation und würde sofort an den gesellschaftlichen Umbau von Kultur, Bildung und Wissenschaft gehen, um ihr oberstes Ziel zu erreichen: Die kulturelle Hegemonie in Staat und Gesellschaft. Alles weitere ergibt sich. Als erstes die Zivilgesellschaft.

Ich bin mal gespannt, was den obig zitierten Mainstream-Floskel-Verbratern als nächstes einfällt, wenn sie merken, dass das mit der Beruhigungspille „Die entzaubern sich von selbst“ auch nicht funktioniert:

Es wird schon nicht so schlimm kommen, da sind ja ein paar Vernünftige dabei? Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, dem wird auch nichts passieren?

 Ich hätte da einen relativ finalen Beruhigungspillen-Vorschlag:
Nach dem Krieg ist der ganze Spuk verschwunden, das war bei Adolf Nazi doch genauso

13.12.2023 – Vom Ausstieg über den Umstieg zum Abstieg

Kornkammer, Kneipe in Köln-Nippes. Kneipennamen schreiben mit leichter Feder lyrische Spuren in den unwirtlichen Beton urbaner Wüsten. Kornkammer: Die Ukraine ist ja eine Kornkammer Europas, ja der Welt. Das dürfte sich in ein paar Jahren als Folge des Klimawandels erledigt haben. Wenn die Böden austrocknen, Stürme den ausgedörrten Mutterboden wegfegen und die brütende Sonne die Ähren auf den Halmen verbrennt, können da, wo jetzt noch goldene Weizenfelder sich sanft im Winde wiegen, dereinst vielleicht noch Agaven gedeihen.

 Dem Kampftrinker ist alles recht, ob Weizenkorn oder Agavenschnaps, Hauptsache, es brennt. Was also schert ihn der Klimawandel. Und da ist der gute Mann, Motto: Den Klaren sieht die Leber nicht, ehrlicher, weil konsequenter, als die ganze deutsche Klimadelegation in Dubai, die mitsamt ihren Lobbyisten vermutlich mehrere Jumbos füllt. Mit welchen Verbalverrenkungen die Bande da, orchestriert von den hiesigen Bürgermedien, den Begriff „Hoffnung“ im Zusammenhang mit dieser Micky-Maus-Veranstaltung namens Klimagipfel gequetscht hat, war schon hochnotpeinlich. Stand der Dinge heute 8.25 Uhr:

„Bei der Weltklimakonferenz in Dubai hat die Präsidentschaft einen Kompromiss-Beschlussentwurf zur Abstimmung vorgelegt, der zu einem »Übergang« weg von fossilen Energien aufruft. Länder wie Deutschland hatten die Nachschärfung im Vergleich zum vorherigen Textentwurf erreicht, setzten sich aber nicht mit ihrer Forderung nach einem weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas durch.“

Es gibt keinen Ausstieg. Es wird in vielen Teilen der Welt auch keinen Umstieg geben. Es gibt einen Abstieg, in die Klimahölle.

Wir leben in einer Veranstaltung, die sich Kapitalismus nennt. Der geht bekanntermaßen über Leichen; wenn es um Extremprofite geht, auch über die eigene, zum xten Mal das Marx-Zitat zum Kapital und Risiko : „ ….. für 100 Prozent (Profit) stampft es (das Kapital) alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

Die großen Erdölkonzerne hatten 2022 einen Profit von ca. 200 Milliarden Dollar, Tendenz steigend, sie bauen ihre fossilen Aktivitäten ständig aus und reduzieren Investitionen in nachhaltige Energien. Ihre Aktienkurse steigen, die von nachhaltigen Investments sinken. Börsenkurse sind ohne Ausnahme Wetten auf die Zukunft. Bis 2030 können Erdölkonzerne mit einem Gewinn von bis zu 2 Billionen Dollar rechnen, ein Vielfaches des gesamten deutschen Jahreshaushaltes.  Das bedeutet für die Besitzer, die Aktionäre, zig Milliarden Zuwachs an Vermögen, teilweise für jeden einzelnen, siehe Scheichs in den Emiraten etc. Für Aufsichtsräte, Vorstandsmitglieder und Topmanagement bedeutet das zig Millionen Zuwachs an Vermögen, für jeden Einzelnen.

Glauben Sie, liebe Leserinnen, das lassen die sich von der durchgeknallten Antisemitin aus Schweden oder der wesentlich sympathischeren jungen Dame aus Pattensen bei Hannover, Anna Lena Baerbock, vom Brot nehmen? Wie würden Sie sich verhalten, wenn jemand Ihnen für die nächsten fünf Jahre ein Vermögen von 10 Millionen Euro verspricht, risikolos, anstrengungslos?  Natürlich werden Sie jenseits aller lyrischen Schwüre sagen: Scheiß auf den Planeten, ich sack die Kohle ein, wenn es ganz schlimm kommt, wandere ich damit nach Neuseeland aus und kurz bevor ich sterbe, bereue ich tränenreich bei meinen Enkeln.

Selbst wenn in der Abschlusserklärung drinstünde: „Wir beginnen noch heute mit dem Ausstieg, fossile Energien werden sofort verboten, wer sich nicht daranhält, dessen Vermögen wird eingezogen und der (es sind zu 99 % Männer) wandert in den Knast“, würde sich nichts ändern. Die Staaten, auf die es ankommt, sind fast ohne Ausnahmen keine Demokratien. Wer sollte eventuell (?) geltendes Recht als Folge einer Abschlusserklärung mit welchen Mitteln wo einklagen und durchsetzen?

Ganz abgesehen von der frechen Arroganz, mit der „wir“, also die sympathische junge Frau aus Pattensen und der Rest der Gang, anderen vorschreiben wollen auf ihr Geschäftsmodell zu verzichten. Wo hierzulande die Gangster von der Autoindustrie, der Chemie, der Stahlindustrie nur zu husten brauchen und schon macht die gesamte Politik Männchen. Respektive, siehe Pattensen, Frauchen.

12.12.2023 – Seit 2005 ist die Pro-Kopf-Menge an Verpackungsmüll um 26 % gestiegen.

Zeitungsterben? Wenn es nur so wäre. Neulich am Kiosk, kleiner Ausschnitt an Druckerzeugnissen, die mehr als jede Analyse etwas über den Zustand der Gesellschaft aussagen. Auszeit, dieser Zeitschriften-Name steht für ein Programm. Ein Programm der Flucht in die Innerlichkeit, ins Reich der Träume, raus aus dem realen Leben, und wenn nichts mehr geht: Schönheit als Strategie. Phrasen ohne Ende, hohles Geschwätz zwischen Esoterik, Legasthenie, Egoismus und Nivea-Creme. Die Zeitschrift happi spirit by happinez (steht so da, hab ich mir nicht ausgedacht), Fachbereich Mindstyle, 6,95 Euro, hätte ich mir beinahe gekauft. Wegen des Artikels „Warum Essen Dich heilen kann“. Ausgerechnet Essen,  diese deprimierende Ruhrpott-Tristesse, soll mich heilen, wo mich doch Köln schon krank gemacht hat?!

Diese Zeitschriften stehen für eine Kapitulation des autonomen Ich vor der Gewalt der herrschenden Zustände. Es geht nur noch um Selbstoptimierung, um fit zu sein für das tägliche Rattenrennen ums Überleben im Kapitalismus. So spricht der Herr, das Kapital: „Und willst Du jetzt nicht achtsam sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein.“

Ich suchte vergeblich nach Zeitschriften wie „Alle Macht den Räten, brecht dem Kapital die Gräten – Das Organ für ein radikales Sowjet-Deutschland“ oder „Macht aus dem Staat Gurkensalat – Die Zeitung für die fröhliche Anarcha“.

Nach meinem nächsten Kiosk-Besuch stelle ich die bunte Palette der Filosofie-Zeitschriften vor. Auch hier ein breites Angebot für Sinnsuchende in schweren Zeiten, in diesem Fall für die mit Notabitur. Da gibt es genauso viel Unsinn, nur etwas elaborierter formuliert.

Wir aber wenden uns der Tröstung für den Verstand zu, dem Reich der Fakten, Zahlen und Daten. Der Kirche der Vernunft, dem Statistischen Bundesamt, das mich um 8 Uhr MEZ mit der Nachricht beglückte:

„237 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf fielen 2021 in Deutschland an. Seit 2005 ist die Pro-Kopf-Menge an Verpackungsmüll um 26 % gestiegen“

Seit Jahrzehnten wird von allen Kanzeln gepredigt: Geht in Euch, tut Buße und vermeidet Müll, denn wehe, sonst ist der Planet dem Untergang geweiht.“

Und das kommt dabei raus.

Also, liebe Gemeinde, glaubt nicht den Tröstungen des Feuilletons, wo allerlei Geschwafel über die neuen Jugend-Generation Euer Hirn vernebelt, eine Generation, die angeblich keinen Bock auf Autofahren und Auto als Statussymbol mehr hat, die nachhaltiger lebt als alle zuvor und Müll vermeidet und nicht mehr fliegt etc. pp. blablabla. Alles dummes Zeug, es wird geflogen auf Teufel komm raus, die PKW-Zulassungszahlen kennen nur eine Richtung, nach oben, die SUVs sind jetzt schon größer als der durchschnittliche BuWe-Panzer und die Müllberge in Deutschland nehmen alpine Ausmaße aus.

Lesen Sie den Wirtschaftsteil, lassen Sie sich in den Verteiler des Statistischen Bundesamtes aufnehmen und machen sich dann ihre eigenen Gedanken.

Und morgen erzähle ich Euch ein Märchen aus Tausendundeine Nacht, aus Dubai, vom Klimagipfel. Das Märchen heißt „Wir retten die Welt“. Schnall Euch vorher an, es ist nämlich zum Totlachen.

11.12.2023 – In welcher Stadt steht der Kölner Dom?

Tipp: Die Antwort ist im Hinweis „Köln“ auf der Leuchttafel zu sehen. In keiner mir bekannten Stadt ist das Ankommen am Bahnhof so imposant wie in Köln: Vorne der Dom, hinten der Rhein. Berlin punktet da einerseits mit dem Blick auf Reichstag und Regierungsviertel, zum Europaplatz hingegen mit einer architektonischen Katastrophe: Hier wurde mit gesichtslosen Quadern für Jahrzehnte die Chance vertan, städtebauliche Metropolen-Akzente zu setzen. Hannover ist nach hinten öde und langweilig, nach vorne langweilig und öde und zusätzlich depressiv. Hamburg nicht besser, und bei kleineren Orten landen wir direkt in der Hölle. Selten bin ich strukturell so suizidgefährdet gewesen wie beim Ankommen in Bahnhöfen von Orten wie Erlangen, Braunschweig, Peine, Lehrte, Barsinghausen, Orte, die gesichtslos, kulturlos, meist menschenlos vor sich hindämmern, nicht unähnlich den armen gestrandeten Existenzen, die in ihrem Schatten ihr Dasein fristen.

Köln dagegen!

Empfand ich heuer allerdings auch eher als Depressionsbeschleuniger. Ich wollte gar nicht da sein, nur eine als solche empfundene Pflicht trieb mich dahin. Viel lieber wollte ich Zuhause unter der Bettdecke auf den Frühling warten als ausgerechnet nach Köln. Das ist keine Stadt, das ist ein Dauerzustand karnevalesker Kölsch-getränkter Korruption.

Es zog wie Hechtsuppe auf der Domplatte, saukalt, goss in Strömen und war unglaublich voll. Der Bahnhof ist viel zu groß für die Umgebung, wie eine Wurst da reingepresst, wie eine undichte Wurst, bei der aus allen Löchern die Menschlein quollen wie graues, aasiges Wurstbrät, das ohne Unterlass in den Wurstdarm nachgestopft wird.

Ich drängelte mich durch das Wurstbrät, um in den Dom zu gelangen, Luft schnappen, Transzendenz tanken. Keine Chance, das Wurstbrät, getrieben von vorweihnachtlich dumpfem Drang nach Spiritualität, drängelte sich in endloser Schlange davor, die Satelliten-Aufnahmen zufolge bis Bielefeld reichte. Weiter, zum Weihnachtsmarkt nebenan, am 4711-Haus. Besser passen Arsch und Eimer auch nicht zusammen als Weihnachtsmarkt und 4711-Haus. Meine Hoffnung, dass dieser würdelose Irrsinn meines derzeitigen Daseins auf Erden durch den Sprengstoffgürtel eines Islamisten, die ja wohl alle Weihnachtsmärkte auf Erden im Visier haben, beendet würde, war eine trügerische: Das Wurstbrät, vielfach mit Weihnachtskappen zur Kenntlichkeit verunstaltet, stapelte sich schon am Eingang in Mehrfachlagen. Es war wie vor Stalingrad, kein Durchkommen. Beißender Glühweingeruch stach mir in die Nase, vermutlich mit Riesengebläsen aus dem Keller des 4711-Hauses in die Welt gepumpt.

In allem Widerwärtigen aber liegt der Keim der Hoffnung: Schlimmer kann es doch gar nicht werden. Von wegen – Asche zu Asche, Hoffnung zu Hoffnung. Vor mir, neben der Wurstbrät-Schlange zum Dom, ein Pflastermaler.

 Neben zwei, drei Sätzen in Kreide zum Frieden auf Erden für alle, zeichnete er in niedlichen Herzchen die Farben der Flaggen von zahlreichen Staatengebilden. Zwei fehlten: Russland und Israel. Mag das Fehlen Russlands noch einem kühlen ökonomischen Kalkül geschuldet sein, war das Fehlen von Israel dem Antisemitismus des Schmierfinken geschuldet. Statt Israel prangte da in entsprechenden Farben: Free Palestine. Meint im Regelfall „Von Jerusalem bis zum Meer“ und ist eine knallharte antisemitische Codierung zur Auslöschung des Staates Israel und seiner Bevölkerung. Ich sprach den Mann mehrfach an, auf Deutsch und Englisch: Was ist mit Israel? Erntete aber nur: Nix versteh.

Wo ist die Ausländerpolizei, wenn man sie mal braucht. Mittlerweile war ich, wie Sie an diesem Zynismus sehen, in einem Zustand jenseits von Eden. Ich tröstete mich mit der Anerkennung dieser Pflastermalerei als perfektem Messinstrument für Effizienz, Ertrag und Stimmungslage. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie die Anzahl der Münzen auf den jeweiligen Landesfarben: Deutschland voran, gefolgt von Belgien und Holland, nahe bei Köln, Ukraine, Albanien (?) und Free Palestine. Diese Art der Malerei, Malen nach Fahnen, war mir neu. Ich find’s pfiffig. Bis auf den Antisemitismus.

Es wurde aber doch noch fast alles gut. Ein nächtlicher Spaziergang durch den Kölner Szenekiez Nippes enthüllte dessen durchaus vorhandenen Charme. Das ist aber eine andere Geschichte und bis dahin: Friede auf Erden. Zumindest den Hütten.

Den Palästen aber jenen Krieg, den sie tagtäglich aufs Neue säen.

08.12.2023 – Ein Blogeintrag mit Lachgarantie!

Aus dem Archiv: Asphalt 05/2013: Hannovers Chef-Satiriker agitiert mal wieder die Massen.

Die Diskussion um eine gerechtere Verteilung des Reichtums erinnert mich an das Krokodil im Badesee: Taucht regelmäßig auf, wird kurz heiß diskutiert und taucht ebenso regelmäßig völlig folgenlos wieder unter. Bis zum nächsten Mal. Im Moment fordern wieder alle Machtlosen dieser Erde machtvoll eine solidarische Beteiligung der Superreichen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens. Sogar auf dem aktuellen SPD-Parteitag! Man sieht sie förmlich zittern, die Superreichen (ab 30 mio. Vermögen aufwärts). Aber nicht vor Angst um ihren Zaster, sondern vor Lachen. Für die ist der Anblick von SPD-Parteitagen vermutlich das, was für den aufgeklärten Citoyen und Zeit-Leser der Anblick der „Heute-Show“ ist: Eine amüsante Kabarettveranstaltung.

Die Geschichte oben ist 10 Jahre alt. Damals war die Situation schlimm, heute sind wir 10 Jahre weiter. Das nennt man Fortschritt. Alles ist wesentlich schlimmer geworden, mittlerweile kommen wir nicht mehr zum Durchatmen, Krise ist der Normalzustand und die Aussichten sind gruseliger denn je.

Das spiegelt ja auch dieser Blog wieder. Er ist mitunter satirisch, heiter, amüsant, vielleicht sogar zum Lachen, aber alles in allem ist der eine der trostlosesten Veranstaltungen, die ich kenne. Leute mit Depressionen sollten den auf jeden Fall meiden, sonst besteht Strickgefahr. Im Vergleich dazu ist Dantes Inferno eine Karnevalsveranstaltung: „Der Weltuntergang steht vor der Tür! Wolle mer ne roilasse? Tätäää und Narhallamarsch.“

Für meinen Blog gibt es eine Bezeichnung, die es nicht gibt, noch nicht: Er ist post-dystopisch. Ich hoffe nur, dass wenigstens ab und zu durchschimmert, dass die Lage aus meiner Sicht zwar hoffnungslos, aber keinesfalls ernst ist, dass in all dem Elend es in fast allen Regionen der Welt noch viel, viel elender zugeht, und dass es ein Heilmittel gibt: Action! Was tun. Rausgehen, Flagge zeigen, Chefsatiriker werden, lieber Hammern und Sicheln statt Jammern und Picheln. Was auch immer. Hauptsache action.

Action speaks louder than words  (Erst nach dem Lesen reinhören, es besteht die Gefahr, dass Sie nach vier Takten sofort tanzen müssen).

Aber als Ausgleich für die jahrelang erduldete Dusternis hier gibt es jetzt was zum Lachen, zum Totlachen, absolute Brüller aus meinem Witze-Verleih, dem einzigen der Welt. Chuck Norris Witze! Auf Anregung meines geliebten Neffen (Greetz, Digga!) hier ein paar der Besten. Chuck Norris wird Ihnen, liebe Leserinnen, vermutlich nichts sagen. Er ist eine ultrapeinliche Person , Kampfsportlermuskelpaket, erzreaktionär, gegen dessen Filme sind vermutlich die Rambofilme von der Message her sowas wie das Kommunistische Manifest. Über Chuck Norris gibt es jede Menge Witze, die aber mittlerweile so out sind wie Ostfriesenwitze. Mit denen, die immer extrem kurz seine Superkräfte zum Inhalt haben, wurde ich unlängst via soziale Medien belästigt und fand die auf einer speziellen Metaebene der Peinlichkeit zum Brüllen. Hier nun die Besten, legen Sie sich schon mal flach, sonst werden Sie flachgelegt, vor Lachen, von den besten Witzen des Universums:

Chuck Norris hat gestern die Schallmauer tapeziert.

Wenn Chuck Norris in die Steckdose greift, dann bekommt der Strom einen Schlag.

Chuck Norris benutzt Tabasco als Augentropfen

Chuck Norris kann den toten Winkel reanimieren

Wenn Chuck Norris Zwiebeln schneidet, weinen die Zwiebeln

Chuck Norris hat den Niagara Fall gelöst.

Chuck Norris kennt die letzte Ziffer von Pi. Persönlich.

Chuck Norris unterscheidet Atom- und Ökostrom am Geschmack.

Chuck Norris korrigiert die Rechtschreibfehler im Duden.

Versöhnliches zum Schluss: Ich habe ein neues Genre ins Leben gerufen. Anti-Chuck Norris-Witze. Hier der erste für Sie:

Chuck Norris ist die peinlichste Person des Universums. Er hat den Urknall.

Ich bin in der Weihnachtszeit mit meinem Witze-Verleih auf Deutschland Tour. Wenn ich in Ihre Stadt komme, liebe Leserinnen, und Sie Interesse an Chuck Norris-Witzen haben, fragen Sie mich einfach nach Bückware. Ostzonis und Pornofreaks  der alten BRD werden wissen, was damit gemeint ist  .

07.12.2023 – Nach mir die Sintflut oder vor mir die Eisschollen?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Klima-Kipppunkte sind in aller Munde auf Grund dieser Kasperveranstaltung in Dubai, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war, wie noch jede Klimakonferenz vor ihr. Neben physikalischen Kipppunkten soll es angeblich auch soziale Kipppunkte geben. . Die könnten ohne einen vorhersehbaren Auslöser tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen anstoßen, Verhaltensmuster, Technologien und soziale Normen verändern und verbreiten. Beispiel Finanzmärkte: Wenn nur neun Prozent der Finanzinvestoren ihr Kapital nicht mehr in die Förderung fossiler Brennstoffe lenkten, sondern damit grüne Projekte unterstützen würden, könnte das den gesamten Finanzmarkt zum Kippen bringen – in nur wenigen Tagen. So laut einer Studie vom Chef des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung .

Ich bin bei einer Übertragung von naturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten auf gesellschaftliche immer skeptisch, das ist mir zu mechanistisch. Oder gar gruselig, wenn zum Beispiel Seuchenbegriffe gesellschaftlich metaphorisiert werden: Der Jude ist ein Bazillus (Parasit) im Volkskörper ….

Eine Gesellschaft funktioniert nach anderen Regeln als Naturgesetze oder Axiome. Ehrlich gesagt möchte ich auch nicht in der Nähe sein, wenn auf einmal der gesamte Finanzmarkt ins Kippen gerät, die Lehman-Pleite 2008 war schon verheerend genug. Vom Börsencrash am Schwarzen Freitag 2029 ganz zu schweigen. Eine Folge davon: 4 Jahre später kamen die Nazis an die Macht.

Ich möchte allerdings auch nicht in der Nähe sein, wenn als physikalischer Kipppunkt unser Golfstrom abkackt. Präziser: wenn die AMOC Amok läuft, also die Atlantische Umwälzzirkulation versiegt. Der Artikel versucht zu beruhigen, dass bei uns in Mitteleuropa die Temperaturen sich „nur um wenige Grad ändern würden“. Es gibt Studien, die behaupten, dass das ab 2025 der Fall sein könne. Nur um wenige Grad ändern!? Das soll beruhigen? … Das würde für uns um den 52. Breitengrad herum bedeuten, dass die Nordsee monatelang zufriert, wir keine eisfreien Häfen haben, der Handel dramatisch einbricht und auf unseren Feldern statt Sonnenblumen Eisblumen wachsen, kein Mais mehr, kein Weizen, kein Hopfen, kein Marihuana etc. pp. Und nein, Tiefkühlkost ist dann keine billige Alternative, weil das Zeug dann draußen gelagert werden könnte. Wer es konkreter haben will, kann sich die Verhältnisse um die kanadische Hudsonbay angucken, die liegt am 52. Breitengrad. Kann natürlich nicht 1:1 übertragen werden, aber allein die Tendenz und Wahrscheinlichkeit dieser Entwicklung reicht mir schon.

Zur Wahrscheinlichkeit von CO2-Reduzierung, um die obige wahrscheinliche Entwicklung zu mildern, also keine fossile Energie mehr verbrennen: In den Fünfzigern wurde vorhergesagt, dass die Erdölreserven um die Jahrtausendwende verschwunden wären. Fakt ist, dass wir aktuell von soviel förderbaren Reserven wissen wie noch nie. Vor Guayana ist ein so großes Erdölfeld entdeckt worden, dass Guayana zum größten Exporteur der Welt werden kann. Die Börsenkurse der Erdölkonzerne haben in den letzten Jahren um über 20 Prozent zugenommen, ihre Gewinne sind gigantisch, zig Milliarden jedes Quartal, sie bauen ihr Kerngeschäft permanent aus.

Ob die sich von einer durchgeknallten Antisemitin aus Schweden an ihrem Kerngeschäft hindern lassen… da hab ich so meine Zweifel. Was mich beruhigt: So richtig Ahnung von diesem ganzen Klimagedöns hab ich eigentlich nicht. Vielleicht hab ich auch alles falsch verstanden und alles wird gut.

Eigentlich war mein Motto: Nach mir die Sintflut. Im Moment sieht es eher aus nach: Vor mir die Eisschollen.

05.12.2022 – Die Macht der Bilder

Aktion der Landesarmutskonferenz vor dem niedersächsischen Landtag zu Hartz-IV, 22.09.2022. Der NDR schrieb: „Dramatische Situation: Landesarmutskonferenz fordert Hilfen“. Unter anderem Aussetzung der Schuldenbremse und Vermögensabgabe, um den sozialökologischen Umbau der Gesellschaft zu finanzieren, z. B. mit einer Fortführung des Neun-Euro-Tickets und 200 Euro höheren Hartz-IV-Regelsätze. Nichts Radikales, nichts Neues und um so was in die Medien und die Politik zu transportieren, um öffentliches Bewusstsein dafür zu schaffen, bedarf es starker Bilder. Mit Papier bewegen Sie die Welt keinen Angström vorwärts, egal ob Sie Presseerklärungen machen, Konzepte verfassen oder gar Bücher vollschreiben, was eine maximale Ressourcenverschwendung ist. Wieviel arme Bäume müssen jährlich für sinn- und vor allem folgenloses Geschreibsel sterben. Wenn Sie also ein Anliegen haben, von dem die Welt wissen soll, überlegen Sie sich zuerst ein starkes Bild, um es in selbige zu transportieren. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte – und mehr als ein ganzer Wörtersee.

Ein Bild zu produzieren ist auch eine Kostenfrage. Im Bild oben sehen Sie zwei völlig unterschiedliche Kategorien: Vorne den kleinen Warenkorb mit ein paar Scheiben trocken Brot, hinten einen gigantischen Einkaufswagen, in den ein Kleinwagen passt und in dem die winzige Tagesration Essen für Hartz-IV-Bezieherinnen völlig verschwindet. Beide Bilder sollen die verzweifelte Situation im Hartz-IV-Bezug visualisieren, der kleine Warenkorb durch Dramatik, der Wagen durch überwältigende Größe (Sizes matters!). Das eine Bild kostete ein paar Cent, das andere ein Viel-Tausendfaches, der gemietete Wagen musste über die Autobahn zum Landtag transportiert werden.

Durchgesetzt auf Dauer hat sich medial das kleine, es kursiert immer noch. Wie hier im Artikel der jungen welt vom 04.12, in dem ein Sammelband beworben wird über gescheiterte Versuche, die Armutsbevölkerung von links zu mobilisieren.

Das hat hierzulande noch nie funktioniert, die Verdammten dieser Erde, die Unterdrückten, Prekären, Armen, Ausgegrenzten zu mobilisieren. Das ist in der Soziologie seit der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von 1933 bekannt. Die Abwärtsspirale lautet im Normalfall: Armut, Isolation, Resignation, Frustration, Aggression, Treten nach unten, folgenlose Wut gegen „Die da oben“ und neuerdings flächendeckendes Abgleiten in Populismus, Rechtsextremismus, Faschismus, siehe Wahlerfolge der AfD in sozialen Brennpunkten.

Inwieweit die Macht der Bilder, siehe oben, dagegenhalten kann, gerade in Zeiten der aktuellen asozialen Bürgergeld-Debatte, ist offen bis fraglich. Zu stark sind die Herrschaftsmechanismen von denen da oben, Herrschaftsmechanismen, die ein perfektes „Divide et impera, teile und herrsche“ produzieren. Noch die ärmste eingeborene Bürgergeld-Wurst findet einen Flüchtling, der ihm vermeintlich was wegfrisst und auf den er nach unten treten kann, während er dann abends vor der Glotze gegen das „Gaunerpack da oben (die Eliten und Regierenden)“ zetert, die man alle aufhängen sollte.

Immer beliebter wird in letzter Zeit auch das vom Boulevard befeuerte Zetern des Mobs gegen die unverschämt hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften. Während Gewerkschaftsmitglieder, überdurchschnittlich oft AfD Wählende, wiederum nach unten, auf die Bürgergeld-„Sozialschmarotzer“ treten. Und die Kettenhunde des Kapitals wie Merz und Lindner lachen sich schlapp über so viel Dämlichkeit.

Ich staune über die durch die Kommunikationsindustrie perfekt produzierte Verblendung  der Köpfe. Realitätsabwehr par excellence, siehe auch Klimakatastrophe.

Ändern direkte Aktionen , also das direkte Eingreifen in politische und mediale Zusammenhänge, mit der Macht der Bilder, daran was? Versuchen muss man es. Macht auch mehr Spaß.

Wahrhaft heldenhaft sind aber jene, die sich trotz Armut und Ausgrenzung engagieren, sei es in Initiativen, auf der Straße, in kommunalen Parlamenten, Beratungsstellen. Ihr Lied muss erst noch gesungen werden. Ihre Brust ziert kein Bundesverdienstkreuz. What‘s left?

Mein Anblick im Spiegel heute Morgen und mein fragender Stoßseufzer:

Der macht die Bilder?