
Irgendwas mit Eichen.
Hitlerjunge Beuys war neben Warhol der Kunst-Superstar der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beide stehen mit ihrer Arbeit pars pro toto für diese Zeit: Warhol mit seiner grell-affirmativen Verehrung des Konsumismus und Beuys mit seinem vermeintlich fortschrittlich erweiterten Kunstbegriff, der sich allerdings aus trüben braunen Quellen speist. Beuys ist insofern bedeutsam, als dass sich an ihm der Zerfall eines vermeintlich aufgeklärten Bürgertums deklinieren lässt und der unaufhaltsame Aufstieg von Esoterik, allgemeinem Kasperglauben und übelster Quer“denkerei“, die keine ist, sondern einfaches Naziwesen. Beruhigend an Beuys: er ist sowas von 70er/80er Jahre BRD wie Kulenkampff und Kassettenrekorder, dass seine Bedeutungslosigkeit nur noch vom Kunstmarkt nicht begriffen wurde, wo weiße alte Männer in seliger Jugenderinnerungen schwelgend „Weißt Du noch, wie der Joseph damals im Kunstverein ….“ Millionen für den sakralen Natur-Kitsch von Filzmeister Beuys bezahlen. Nichtsdestotrotz dachte ich unlängst so für mich hin, da kann man ja mal was zu machen. Irgendwas mit Eichen. Mir ward gerad Corona-fad.
In seliger Jugenderinnerung schwelgend, denn natürlich habe auch ich den Fettfrickler Beuys damals auf der Documenta bewundert – seine Nazi-Biographie war damals nicht im Bewusstsein.
Dass es ausgerechnet Eichen waren, ist kein Zufall und darauf gründete meine Aktion „7000 Eichen richtig verkehrt rum“ zum 100. Geburtstag des Hitlerjungen Beuys. Im Rahmen der Aktion pflanze ich 7000 Eichen im öffentlichen Raumn, allerdings verkehrt rum, also richtig, und jedes Jahr eine. Heute geht’s los.
Die Eiche ist der völkische Baum schlechthin. Kaum etwas hat die Nazi-Symbolik so geprägt wie die Eiche: der Eichenkranz war Bestandteil des Parteizeichens der NSDAP, kein Dorf ohne Hitler-Eiche. Beuys hätte ja auch 7000 Birken oder Marihuana-Pflanzen nehmen können, aber der konsequent braune Faden seiner Biografie setzt sich bis ins Werk hinein durch. Das Werk ist eben nicht von der Figur Beuys zu trennen.
Beuys war Hitlerjunge und meldete sich 1941 freiwillig zur Luftwaffe, wovon er sich nie distanzierte. Er war bis zum Ende glühender Verehrer des antisemitischen Anthroposophen Rudolph Steiner, umgab sich mit völkischen Nationalisten und Holocaustleugnern und war NRW-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 1976 der AUD, einer rechten Splitterpartei.
Sein Werk ist mit geprägt vom Gedanken der Heilung, eine Kategorie, die auf die Couch des Psychiaters gehört, aber nicht in die Kunst. Ein Leitmotiv, gerade bei der Eichen-Aktion, ist bei Beuys der Körper der Gesellschaft, der geheilt werden muss. Die biologistische Vorstellung vom Körper einer Gesellschaft ist eine genuin antiaufklärerische, siehe der faschistische „Volkskörper“.
Nachhaltig an meiner Aktion: Eine Eiche hab ich privat, in meinen Garten gepflanzt. Richtig rum. Also verkehrt.
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08.05.2021 – Bloß nicht auf der Seuchen-Zielgeraden schlappmachen

Das Firmenschild hängt als Memento Mori in meinem Garten. In dieser Weinhandlung (der Hinweis darauf ist im Laufe der Jahre verblasst) war ich im vorigen Jahrtausend längere Zeit Stammgast. Die Chefin des Hauses pries ihr Angebot in höchsten Tönen, trank aber selber keinen Schluck davon, sondern nur Fürst Bismarck und das in rauen Mengen. Ihre Lebensweisheiten waren sonder Zahl; teure Weine z. B kanzelte sie intern ab, wenn man und frau in trauter Zech-Runde beisammensaß, begleitet von mitunter durch die undichte Decke des Kelleretablissements in bereitgestellte Eimer plätschernden Regentropfen, mit der Einordnung: „Den Unterschied trinkste nich wech“. Und darauf einen Fü Bi.
Daran musste ich denken, als ich unlängst meine Erstimpfung (mit dem Rolls Royce aller Impfstoffe…) mit einem besonderen Tropfen feierte, einem der Fürsten aus dem Burgund. Der ein Mehrfaches dessen kostete, was ich für Alltagstropfen zahle. Etwas für ganz besondere, einmalige Anlässe eben.
Eine glatte Enttäuschung. Den Unterschied trinkste eben nich wech. Wie soll ich dann meinen abgeschlossenen Impfschutz feiern, und wie das Ende der Seuche? Wobei letzteres schwierig zu bestimmen sein wird. Es wird ja später im Jahr keine Regierungserklärung von Bundeskanzler FLaschet geben (und ich wette 5:1, dass es auf diese Nulllösung hinausläuft), in der er verkündet: „Liebes Volk, hiermit erkläre ich die Pandemie für beendet und die Party für eröffnet.“ Vermutlich wird uns die Seuche noch Jahre begleiten, unterwegs hoffentlich alle Impfquerulanten niederstrecken, peinigen und bekehren, und uns mit regelmäßiger Corona-Impfung im Herbst beglücken (kriege ich dann jedes Mal den Rolls Royce …?).
Nein, das Ende der Seuche muss jede*r für sich individuell bestimmen, Übergabe des Impfpasses, erste Auslandsreise, erster Indoor Restaurant-Besuch, whatsoever. Eingedenk der Burgunder-Pleite werde ich dann mit Sicherheit keinen edlen Tropfen köpfen. Ich werde dann etwas machen, was ich sonst fast nie mache: Ich drucke mir etwas aus (Auf dem Weg zum papierlosen Büro bin ich quasi auf der Zielgeraden). Und zwar meinen Blog von dem Tag an, wo ich das erste Mal den Begriff Corona verwendet habe, also vermutlich irgendwann im Februar oder März 2020. Diese komplette individuelle Dokumentation meiner Wahrnehmung dieser epochalen, und hier passt der Begriff ausnahmsweise, Zäsur „Corona-Pandemie“ werde ich dann binden und in aller Ruhe lesen. Wann und wo habe ich mich unter Seuchenbedingungen wie verändert, wie hat sich meine Wahrnehmung, wie hat sich die Welt geändert?
Das Ganze natürlich begleitet von einem edlen Tropfen.
Jetzt habe ich nur eine Sorge: Bloß nicht auf der Seuchen-Zielgeraden schlappmachen. Nicht auf den letzten Metern noch die Seuche einfangen. Vor der ich immer Respekt, aber nie Angst hatte. Hab sie ernst genommen, mich seriös informiert, die Regeln eingehalten, hier im Blog dafür geworben und ansonsten war ich dankbar für meine doch ziemlich privilegierte Existenz unter Seuchen-Bedingungen.
Aber jetzt, auf der Zielgeraden, werde ich doch etwas hibbelig, gurgele z. B. noch öfter als früher nach Draußen-Aufenthalten mit Dequonal. Natürlich ist eine Infektion für mich mittlerweile noch unwahrscheinlicher als früher, aber mit der Wahrscheinlichkeit ist das so eine Sache. Es soll ja auch Leute geben, die vom Blitz erschlagen werden. Oder die im Lotto Vermögen gewinnen.
Sonniges Wochenende, liebe Leserinnen, und halten auch Sie auf der Zielgeraden durch.
07.05.2021 – Warum muss immer ich den Sprachmüll runterbringen?

Lindenspiegel 05/21.
Dass die HAZ mit der deutschen Sprache das veranstaltet, was die Römer einst mit Carthago machten, ist bekannt. Neuer Tiefpunkt ist eine Überschrift am 05.05 „Stadt Hannover und Region planen Impfangebote für sozial schwache Viertel“. Nach meinem Leserbrief-Hinweis an die Redaktion ist das mittlerweile online geändert in „Neue Impfoffensive in sozialen Brennpunkten“, aber die HAZ verwendet diese falsche und diskriminierende Bezeichnung „sozial schwach“ permanent. Ich bin gespannt, ob die HAZ den Leserbrief veröffentlicht, und – viel wichtiger: Ob sie ausnahmsweise mal was begreift.
Derartiger Sprachmüll entsteht nicht einfach so. Grundsätzlich hat alles, was wir sagen und schreiben, einen Grund. Die Art und Weise, wie wir reden und sprechen, und wir nicht reden und nicht sprechen, hängt von unserem Bewusstsein ab. Das arbeitet permanent in uns, auch hinter unserem Rücken, und lässt uns, auch und gerade dann, wenn wir dagegen arbeiten und wüten, immer nackt als das dastehen, was wir sind, als „Ich“. „Es“ spricht aus mir und macht mich zum „Ich“.
Im Fall der HAZ wütet es aus den Autorinnen, auch ohne deren bösen Willen, heraus als ignorant, diskriminierend, verachtend.
Es ist auf sprachlicher Ebene der alltägliche Krieg der Bürgerklasse gegen den „Mob“.
Nicht von mir, aber auch schön: Ich sitze gerade auf dem Klo und habe die HAZ vor mir. Bald werde ich sie hinter mir haben.
Auch Ihnen, liebe Leserinnen, eine angenehme Verrichtung, bei allem was Sie heute vor oder hinter sich haben.
06.05.2021 – Vom Winde verweht

Den Zwerg hat’s bei den Stürmen der letzten Tage umgehauen. Das Bild hat irgendwie Symbolkraft. Wenn sich der Pulverdampf der Seuchenschlachten verzogen hat, werden die Opfer sichtbarer. Dazu gehören mit Sicherheit die ohnehin kläglichen Reste der Linken, Parteigebunden (die Partei „Die Linke“ taumelt zusehends in Richtung 5 %-Hürde) oder nicht. Von einer wie auch immer gearteten kulturellen Hegemonie ist die Linke hierzulande Lichtjahre entfernt, anders als früher, wo die Internationale und ähnlicher Revolutionskitsch zum guten Mainstream-Ton von Kulturbolschewisten und Feuilleton-Radikalinskis gehörte. Der Wegfall der Systemkonkurrenz im Osten hatte ein Riesenheer von Renegaten erzeugt, das umstandslos das Fähnchen in jenen Wind hängte, der in Richtung Neoliberalismus und Irrationalismus wehte.
Es gab und gibt viele, auch gute Gründe, den Sozialismus nicht für das Gelbe vom Ei respektive das Rote von der Fahne zu halten. Zu diesen Gründen gehören sicher nicht Opportunismus und Mainstreamverhalten, also das zu tun, was alle tun. Allein das wäre für mich persönlich ein Grund für ein „Jetzt erst recht links“: Niemals besinnungslos mit einer Horde Renegaten-Lemminge in die gleiche Richtung, nämlich Abgrund, rennen. Man macht sich nicht gemein.
Ein paar blieben bei der Fahne und diese Fahne wird offensichtlich als Folge von Corona-Collateralschäden derartig vom Wind des Irrationalismus zerzaust, dass sie als Orientierungspunkt nicht mehr dient. Rund um den 1. Mai tritt der Verfall der Rest-Linken katalytisch in Erscheinung. Beispiel: Eine sogenannte „Freie Linke“ betrachtet sich explizit als Linker Flügel der Querspinner-Nazis. Unter dem roten Lack riecht es schon nach brauner Kacke. Gespräche mit Linken werden zunehmend je unerfreulicher, je eher jene zum eigenen sozialen Umfeld gehören. Da wird die Wirksamkeit von Masken geleugnet, vom Merkel-Regime gefaselt, von staatlich verordneter Unterdrückung von Meinungsfreiheit in den Medien deliriert, von massenhaften Langzeitschäden nach Impfungen geraunt, das man meint, eine entvölkerte BRD steht ante portas. Wenn es nur so wäre, raunt der Zyniker in mir immer öfter angesichts solcher Hilfeschreie, und anders ist derartiger Irrationalismus nicht zu deuten.
Wissenschafts- und Evidenzfeindlichkeit aller linken Orten. Es gibt so etwas wie eine Erkenntnis nach derzeitigem Stand des Wissens und der Technik und mit dieser Maxime sind wir bisher in der Moderne summa sumarum ganz ordentlich gefahren. Aber nun in Seuchenzeiten gehört es zum guten linken Hobby-Virologen-Ton, 99,9 Prozent aller Expertinnen-Verlautbarungen anzuzweifeln und als Weisheit letzter Schluss aus den obskuren Tiefen des dreimal verfluchten Internets eine Veröffentlichung eines anderen Hobbyvirologen hervor zu zerren, nach der einer nach der Impfung mit Biontech in 60 Jahren Pickel auf der Nase wachsen.
Früher, in unseligen Zeiten, hieß es für „fehlgeleitete“ Intellektuelle: Ab in die Produktion, um Basiserfahrung und Einsicht zu erlangen, und damit zurück auf den rechten, nämlich den linken Weg zu kommen. Heute sollte es für die von mir skizzierte Verfalls-Restlinke lauten: Ab in die Intensivstationen und die Genossin Krankenschwester unterstützen (den Bruder auch). Der Geschmack der Wirklichkeit ist heilsamer als nächtelanges Surfen im Netz und stundenlange Buch- und Zeitungs-Lektüre.
Manchmal denke ich, das Schlimmste steht uns noch bevor, wenn die Seuche vorbei ist.
02.01.2021 – Beatz und Rote Fahnen

2021. Keine Satire.
Unlängst brauchte ich als Teilnehmer einer Video-Podiumsdiskussion in einem heisigen soziokulturellen Zentrum vorab einen offiziellen Schnelltest. Das war perfekt organisiert, im hiesigen Hauptbahnhof, nach 5 Minuten war ich dran. Ich fragte: „Und in 30 Minuten kann ich mir das Ergebnis dann hier abholen?“ Dass die freundliche junge Testerin mich mitleidig anlächelte, war sicher eine Projektion von mir: „Sie kriegen das Ergebnis spätestens nach einer halben Stunde auf Ihr Handy.“ Es dauerte keine 15 Minuten, dann lachte mich das Negativ-Ergebnis in freundlichem „Freie-Fahrt-Grün“ via Email an. Wenn die Seuche einen Vorteil hat, dann den, dass der alte Analog-Adam in mir zumindest ein paar Abstriche (hahaha) gemacht haben wird. Ich bin froh über jede halbe Stunde, die ich nicht mit öder Warterei oder überflüssiger Lauferei vergeuden muss.
Ich schlenderte also gemütlich über eine hiesige Flaniermeile. Ich hätte mit dem Testergebnis in der Tasche sogar dem Konsum frönen können in den jetzt sich langsam öffnenden Läden, aber die lange Enthaltsamkeit hatte in mir alle, ohnehin nur geringe, Lust auf Konsum abgetötet. Abgesehen von Socken fiel mir auch nichts ein und so sexy ist der Kauf von Socken – ohne Gummirand! – auch nicht. Von ferne hörte ich ein lange nicht vernommenes Geräusch. Bassdrum, ein Schlagzeuger hatte sein Instrument auf der Straße aufgebaut. Ein paar Leute wippten im Takt der Beatz und Groves und in mir kam ein verschüttetes Gefühl hoch, das Prickeln von Urbanität, Champagnerperlen im Gemüt.
Sie kennen das vielleicht noch, liebe Leserinnen, wenn Sie sich jenseits der bleiernen Theoriewelt von Büchern und TV bewegen, in Erwartung eines Konzertes, Ausstellungen, Theater, Straßenfest. Leben eben, wenn sich irgendwann dieses Prickeln einstellt, nur unzureichend mit Vorfreude beschrieben. Mehr davon, dachte ich, warf einen Nickel in den Hut des Schlagzeugers und schritt der Diskussion entgegen.
Am nächsten Vormittag ein ähnliches Gefühl, bei der Annäherung an das hiesige 1. Mai-„Fest“, was aus Seuchengründen keins war, sondern nur die Aneinanderreihung von öden Reden. Aber ein paar Rote Fahnen und die typische 1. Mai-Aura, die trotz allem über dem Treffen schwebte, erzeugte wieder dieses Prickeln von Urbanität, dieses Mal eher Bier als Champagner. Geht doch, dachte ich, kommt alles wieder, am Horizont zeichnet sich Morgenröte der Hoffnung ab. Wermutstropfen: Diskussionen mit alten Kumpelinnen, Altlinken, noch Aktiven. Teilweise voll auf diesem „Allenichtganzdichtda“-Kurs dieser unsäglichen Schauspielerinnen-Truppe um den eitlen und dummen Fatzke Liefers, also Querspinner-Geschwurbel. Kein Wunder, dass die Partei „Die Linke“ immer mehr abkackt und zur Wahl ein desaströses Ergebnis einfahren dürfte. So viele Spinner. Und spalterische Egomanen, wie leider auch die intellektuell durchaus schätzenswerte Sahra Wagenknecht.
Tragisch, weil selten war eine starke Linke so notwendig wie in Postpandemischen Zeiten, wo sich abzeichnet, wer die Seuchenzeche zahlen wird: Die Reichen werden es jedenfalls nicht sein.

1. Mai. Partisan mit Lenin, Stalin, Mao. Mit Rollator, aber immer noch dabei. Hier gebührt wieder dem unvergessenen Matthias Beltz das Schlusswort:
Parmesan und Partisan, wo sind sie geblieben?
Parmesan und Partisan, beide wurden sie zerrieben!
30.04.2021 – Zuchterfolge

Sonnenblumen Goldener Neger, vorne, und Kürbissetzling. Meine Zuchterfolge sind in Anbetracht der nächsten Seuche von wachsender Bedeutung. Wenn die nächste Seuche dergestalt gruselig aussieht in Sachen Letalität und Infektiosität, dass wir uns nach Corona zurücksehnen, ist Autarkie im Lebensmittelbereich ein entscheidender Survivalfaktor. Wenn jeder Gang vor die Tür zum lebensbedrohlichen Risiko wird, ist homegrown das Mittel der Wahl …. Von meinen 10 Kürbissetzlingen kann ich vermutlich monatelang mit Suppe überleben und aus den Sonnenblumenkernen Öl pressen für Fladen. Wahrscheinlich werde ich dann auf der Veranda übernachten müssen, mit einem Heckler und Koch Sturmgewehr mit stark Mannstoppender Wirkung (tut’s auch gegen Frauen). Da mir dieses Metier eher fremd ist, ohne Anruf das Feuer zu eröffnen auf Kürbisdiebe, muss ich auch den Marihuana Anbau revitalisieren, damit die nächtlichen Traum-Dämonen vertrieben werden.
In der ersten Stufe der nächsten Seuche wird man sich für jeden Gang auf die Straße per Smartphone einen Timeslot buchen müssen. Mir reicht’s jetzt schon, einen Termin für einen Schnelltest vor einem Videolive-Stream einer Podiumsdiskussion buchen zu müssen, dauernde Fehlermeldungen „Füllen Sie das und das richtig aus“ grrr, Hass… Was sollen später mal die Leute ohne Smartphone machen? Auch wenn das eine aussterbende Spezies ist – 80 Prozent haben aktuell eins, Tendenz rapide wachsend – heißt das, 20 Prozent sind immer noch ohne, meist aus Kohlegründen oder weil sie überfordert sind. Ein paar wird es auch 2028 (da kommt laut meinen Berechnungen die nächste Seuche) noch geben ohne. Sind die dann Kollateralschäden?
In einem Interview wurde ich gefragt, ob Menschen in prekären Lebenslagen jetzt prioritär geimpft werden sollten.
Wenn möglich, ja. Das sei aber auf jeden Fall Kernaufgabe für die nächste Seuche.
Wie aber wird Priorität dann festgelegt? Mit einem priority scoring? Für alles Mögliche von Gesundheit über Gesellschafts-Relevanz bis Lebenslage gibt es dann Punkte und je höher das Scoring am Ende desto eher die Impfung. Ohne große Diskussionen.
Schöne neue Welt? Warten Sie’s ab, liebe Leserinnen. In China läuft das Prinzip schon perfekt. Mehr als perfekt.
28.04.2021 – Wohlstandsverwahrlosung

Im Dschungel der Städte.
Ein 29jähriger Münchener (!) ist im April in Kolumbien entkräftet im Dschungel gerettet worden, nachdem er an einem Schamanenritual teilgenommen und dabei Yagé getrunken hatte, das Zeug wirkt psychodelisch. Unser deutscher Sinnsucher, offensichtlich zu blöd zum Kiffen und ähnlichem, hatte danach die Orientierung verloren, später Kontakt zu Bauern, die ihm Nahrung gaben und so sein Überleben sicherten. Er wurde letztlich von Rettungskräften nach Tagen aus dem Dschungel getragen. Danach erklärte er, nun an einem spirituellen Ritual teilnehmen zu wollen, um das Erlebte zu verarbeiten.
Wäre ich Cheffe der dortigen Rettungskräfte wäre, würde ich ihn nach seinem vorprogrammierten weiteren Scheitern, der Mann hat sich ja offensichtlich seinen Restverstand mit Drogen weggeschossen, im Dschungel verschimmeln und dadurch eins werden lassen mit den Pilzen und der Natur, mit der er sich so gerne selbst verbinden wollte. Dafür keinen Mann und keine Frau in Gefahr bringen.
Dieses asoziale Arschloch ist ein schöner Beweis dafür, dass bei der intensiven Suche nach dem eigenen Ich, der Verbindung mit der Natur (was soll das überhaupt sein?! Getrockneten Kuhfladen als Sombrero aufsetzen?) und dem Selbst meist nur gequirlte Scheiße rauskommt. Den bitterarmen Bauern die letzten Brocken wegschnorren, der hat bestimmt keinen Peso bezahlt, dann die Rettungskräfte in Gefahr bringen und als Krönung öffentlich androhen, diesen oder ähnliche Horrortrips zu wiederholen. Und das Ganze mit Sicherheit ungeimpft, also alle Beteiligten einem hohen Infektionsrisiko aussetzend. Die Kohle dafür muss derartige Eskapaden muss er ja haben, vermutlich aus begütertem Haus. Das kann sich nicht jeder leisten und leider werden ihn die wohl hoffentlich horrenden Rettungskosten nicht in den Ruin reiten.
Man stelle sich umgekehrt vor, die armen Bauern würden bei unserem Arschloch und seiner Sippe an der Tür klopfen und von den hiesigen schamanischen Ritualen schnorren wollen, sagen wir, bei der Spekulation an der Börse, unserem Religionsersatz. Die armen Kerle würden im Handumdrehen in Abschiebehaft landen und unsere Sippe Arschloch ihr Spendenaufkommen an die AfD verdoppeln, damit die denen solche Kanaken vom Leib hält.
Wenn es eines Beweises bedürfte, dass Wohlstand verwahrlosen lässt, dann liegt er hier vor.
26.04.2021 – Impfstoff

Spätburgunder von der Ahr, dem klassischen deutschen Rotwein-Anbaugebiet, an einem Ensemble von Thymian und blühendem Bohnenkraut. Wie im wirklichen Leben Lieferengpass, zurzeit nicht lieferbar.
Der Stoff war Mitbringsel eines Freundes und Kollegen anlässlich eines der raren persönlichen Treffen, Arbeitsessen mit integriertem Zechgelage, in der Seuchenzeit. Bei sowas gilt der klassische Dreikampf: Lüften, Abstand, Selbsttest. Eben gerade habe ich wieder einen gemacht, der mich allerdings fröhlich stimmte. Nicht nur, weil er negativ war, sondern weil er vermutlich einer meiner letzten (knock on wood!!) gewesen sein dürfte, da mein Impftermin vor der Tür steht. So wie es im Moment aussieht, und das ist eine Aussage, die in sämtlichen Seuchenverlautbarungen an erster Stelle stehen sollte, sind für Zugangsberechtigungsrelevante (solche Bergriffe erregen mich regelrecht) Ereignisse wie Shoppen, Reisen, Restaurants, Theater etc. zukünftig keine Schnelltests erforderlich, sondern Impfnachweise, so vorhanden. Und für andere Zusammenhänge, wie Treffs siehe oben, gehe ich davon aus, dass Ansteckungsrisiken in beide Richtungen soweit minimiert sind, dass konventionelle Schutzmaßnahmen reichen. Zumal trotz Bodenfrost heute Nacht die Outdoor-Grillsaison nicht aufzuhalten ist, im Sommer grundsätzlich Seuchen-Ebbe ist unbd die Impfungen gaaanz laangsam zu wirken scheinen.
Was obige Heilkräuter angeht: Thymian (Thymus vulgaris) ist als Heilpflanze ein wirkungsvolles Mittel bei Atemwegserkrankungen. Er hilft auch bei Zahnfleischentzündungen, Verdauungsproblemen, Hautunreinheiten, Mundgeruch, Gelenkbeschwerden und psychischen Leiden wie Depressionen (nein, nicht rauchen, das Zeug!). Thymian hemmt im Körper Bakterien, Viren und Pilze, wirkt antioxidativ und gilt als natürliches Antibiotikum.
Bohnenkraut hilft gegen Pickel und Candida-Befall, was nicht nur die Damen freuen wird, sondern auch ältere Herren. Ich spreche hier das heikle Thema der Windeldermatitis an.
Scheiße, der Blogeintrag hatte so froh und hoffnungsvoll begonnen und ist echt wieder nach hinten losgegangen. Mein gottverdammter Hang zum Zynismus kann einem schon den Start in den Tag verderben. Und wenn ich daran denke, dass alle hoffnungsfrohen Spekulationen vom Blog-Anfang durch resistente Monster-Mutationen und (!, noch nicht mal „oder“!) die nächste Seuche Makulatur werden können, möchte ich am liebsten wieder in die Bubu-Maschine zurück. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass bei der nächsten Seuche (eine Art Aerosol-Ebola?) garantiert Impfpflicht eingeführt wird und alle Impfignoranten mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen werden. Für diesen Dienst an der Waffe würde ich mich sogar freiwillig melden.
Puh, gerade noch mal die Kurve in einen fröhlichen Tagesbeginn gekriegt. Ich wünsche Ihnen das Gleiche, liebe Leserinnen.
22.04.2021 – Kettensägemassaker

Ölbaum nach Schnitt. Wenn eine Olive erfroren ist, hilft, wenn überhaupt, nur ein radikaler Kopfschnitt. Selbst bei einem kleinen Exemplar von ca. 2,50 Meter Höhe sollten Besitzerinnen eines Normal-IQ da nicht mit einer Handsäge ran. Da muss eine Kettensäge her. Eine Prozedur, der ich mich so gerne unterziehe wie einer Darmspiegelung. Es gibt ja Menschen, die lieben sowas. Vorzugsweise Schreibtischtäter, die im normalen Leben nie eine Ahnung hatten, wie Schweiß schmeckt, der aus Arbeit rührt. Da kommen dann so schnurrige Vorstellungen zum Vorschein wie: „Endlich spüre ich mich mal wieder, sehe, was bei meiner Arbeit rauskommt, bin der Natur nahe, blablabla.“ Halbesoterisches, kraftmeierisches Anti-Zivilisations-Zeug, bei dessen Absonderung man das Gefühl hat, demnächst packt der Erzähler seine Keule aus und geht in der Nachbarhöhle auf Brautschau. Wenn ich schon Sätze höre wie: „Endlich spüre ich mich mal wieder“, möchte ich am liebsten meine Pistole entsichern. Von da führt in 103 Prozent aller Fälle eine direkte Verbindungslinie zu Esoterik, Aberglauben, Mystik. Wer sowas unsatirisch äußert, lässt sich nicht impfen, hängt Verschwörungserzählungen an und ist auf Quernazi-Demos anzutreffen, zu erkennen an Rastalocken oder Peacefahnen.
Höre ich da ein
“Du, das ist jetzt aber polemisch, Du, und macht mich echt betroffen. Wo rührt denn Deine Wut her, Du? Horch doch einfach mal nach drinnen, was jetzt in Dir vorgeht, Du …“
Dem halte ich entgegen:
„Du, hörst Du das Klicken in meiner Tasche? Das ist der Sicherungshebel meiner Parabellum, Du.“
Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Moderne auf dem Rückzug ist. Der rasende Fortschritt der Technologien überfordert uns und produziert Fluchten in Traumwelten. Also den Schlaf der Vernunft. Und als Folge ethische Bankrotterklärungen. Diesen Prozess zu verstehen, heißt aber nicht, ihn zu begrüßen oder auch nur zu akzeptieren. Ich verstehe die Mechanismen, die da ablaufen. Ich selber bin jeden Tag dreimal überfordert, und nicht nur an der Kettensäge. Heute Morgen beispielsweise habe ich einen Artikel in der Tageszeitung gelesen über eine Reform beim Leitungsausbau der Glasfaseranschlüsse für schnelles Internet und HD-TV. Es geht dabei also um Medien, Kommunikation, Kosten, wer ist dabei Verlierer, Gewinner, was sind gesellschaftliche Folgekosten? Dem Thema kann man sich kaum verweigern.
Ich hab von dem Artikel nicht die Bohne verstanden. Allerdings fange ich deswegen jetzt nicht an, die Sterne über meine Zukunft zu befragen und im nächsten Urlaub darauf zu hoffen, am Strand bei Vollmond zu menstruieren, damit ich eins werde mit dem Kosmos. Dann lieber ein kaltes Mythos-Bier am Strand, kühlen, klaren Kopf bewahren und die Weltlage analysieren.
Oder in die Fluten hechten. Korfu Wasser aktuell 14 Grad, da spürt man sich dann tatsächlich.
Beim Zeus, wie mir das fehlt …
21.04.2021 – Durchbruch

Birnenblüte im Garten. Mangels externer Aktionsmöglichkeiten goutiere ich mittlerweile sogar Gartenarbeit. Tiefer kann ich kaum sinken. Man muss sich also die vorzeitige und überraschende Einladung des hiesigen Sozialministeriums zur Impfung wie einen Fanfarenstoß für mein Innenleben vorstellen. Wenn Sie’s visualisiert haben wollen, hilft Ihnen das Video weiter, wo Meister Händel in der Ouvertüre zur Feuerwerksmusik das ganz große Besteck auspackt (und selbst der größte Klassikbanause sagen wird: Das hab ich schon mal gehört).
Leider stellte sich heraus, dass das Schreiben hunderttausendfach verschickt wurde, u. a. auch auf Basis schlechter Leberwerte, und soviel Stoff noch nicht vorhanden ist. Was für entsprechenden Frust sorgt, bei dem sich mancher erstmal die Kante gab. Leber, duck Dich …
Ich empfinde einen Impftermin als Befreiungsschlag, das erste offensive Agieren nach einer Zeit voller Defensive, in der es immer nur um Schutz & Vermeidung ging (und weiter geht natürlich!). Endlich nicht mehr nur Opfer. Selbst wenn der reale Aktionsradius noch gar nicht so groß erweitert würde (eine Restaurantöffnung z. B. ist nicht absehbar), wird doch der Funken Hoffnung auf die Rückkehr eines besseren Lebens zu einem Schwelbrand entfacht.
Ich habe eine edle Pulle eines Fürsten aus dem Burgund für einen besonderen Anlass beiseitegelegt, nein, keinen 65er Romanée, den halte ich für überschätzt, ich präferiere den 68er (1868! Nicht 1968), und den werde ich nach der ersten Impfung verklappen. Das ist ja der entscheidende subjektive Moment in diesem Epoche-Ereignis Corona.
16 Prozent nehmen zur Zeit in Hannover ihre Impftermine nicht wahr und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Risiken einer Erkrankung um ein x-faches höher und schwerer sind als Impfcollateralschäden. Naiverweise könnten wir Aufgeklärte die Hoffnung hegen, dass die Seuche solche Idioten schon ausmerzen würde. Leider erhöht so ein Verhalten nur die Wahrscheinlichkeit von resistenten Mutationen, ganz abgesehen von den gesellschaftlichen Folgekosten wegen massenhafter Long-Covid Erkrankungen.
Das ist natürlich ein dicker Wermutstropfen in meinem Burgunder. Wobei der Erfinder dieses Sprichworts keine Ahnung hatte von den unfassbar leckeren Wermuten, die es mittlerweile gibt. Da könnte man angesichts des Elends vieler Weißweine nur froh über jeden Tropfen Wermut sein.
Ich hatte mir vor Jahrhunderten schon mal eine Sonderpulle zurückgelegt, Weißen. Es gab einen besonderen Anlass nach dem nächsten und jedes Mal sagte ich: Nächstes Mal. Und was war nach dann endlich, nach Vollzug? Essig. Und was lernt uns das, liebe Genossinnen? Dazu das nächste Mal mehr. Bleiben Sie drin!