
Blauer als die Adria
war Willy als er Lilly sah.
Gedicht aus einem Heinz Erhardt Film . Fällt mir jedesmal ein, wenn ich aufs Meer schaue.

Korfu, im Nordwesten. Der soll eine Gegend für Individualtouristen sein. Steht im Reiseführer. Wenn sowas erst im Reiseführer steht, ist die Gegend Ruckzuck gerammelt voll. Am vollsten sind die Plätze unter der Überschrift „Geheimtipps!“. Wobei Reiseführer ein aussterbendes Genre sein dürften in Zeiten von Insta. Es geht ja auch nicht mehr um Sterne der Hotels und Unterkünfte, sondern deren Bewertungen bei Booking.com , TripAdvisor etc. Zur Zeit ist es hier angenehm leer.
Die Sonne scheint, der Himmel lacht
Das hat die SED gemacht.
Scherz zu DDR-Zeiten. Das Wasser ist herrlich hier, warm, ca. 20 Grad. Viel zu warm für diese Jahreszeit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Tornados hier regelmäßig auftauchen. Ich glaube, ab 27 Grad Wassertemperatur über längere Zeiträume. Bin aber zu faul zum googeln. Die ohnehin schmalen Strände verschwinden hier langsam. Was von Kulturkämpfen zu den härtesten aller Kämpfen führt: Verteilungskämpfe.

Das Schild hing vor zwei Jahren noch nicht. Oberhalb der Klippen hat sich eine Art Hippiecamp mit angeschlossenem Sommerfestival etabliert. Der Hippie als solcher tritt gerne nackt in Erscheinung, jedenfalls am Meer. Die Normalotouris werden immer mehr, sind eher nicht FKK-affin, der normale Grieche als solcher schon garnicht. Und wenn er streng gläubig ist, orthodox, hasst er die Nackerten wie die Sünde, Sodom und Gomorrha, und hat die früher schon mal mit Steinen beworfen. Kulturkämpfe eben . Wobei ich über die Leute, Hippies etc., den Kopf schüttele. Ein derartiges Verhalten, zwanghaft seinem Lurch im grossen Tümpel die weite Welt zu zeigen, empfinde ich als Kulturimperialismus.
Da die Strände hier und überall auf der Welt immer kleiner werden, arten die Kulturkämpfe in Verteilungskämpfe aus. Die Fraktion der Liegestuhl Touristen braucht mehr Platz, kollidiert mit den Hippies, will sich das Geschäft nicht verderben lassen und bringt jetzt, nach Jahrzehnten, den Staat mit Erlassen und Schildern in Stellung. Siehe oben. Der Hippie mietet eben keine Liegestühle und mampft keine Hamburger von der Strandbar, der mümmelt sein mitgebrachtes Müsli, alles schlecht fürs Geschäft, so wie sein störender Anblick. Der ist ja fast so geschäftsschädigend wie ein Bus voller Behinderter.
Die Schilder strahlen nicht lange in der Sonne. Der Hippie, rebellisch wie er nun mal ist, überschmiert die regelmäßig mit Lehm. Den gips hier am Strand, mit dem schmiert sich der Hippie gerne ein und vollführt schamanische Tänze. Ein erhabene Anblick, bei dem mir meist blümerant wird. In Verteilungskämpfen bin ich natürlich auf der Seite der Anti-Staatler und so tue ich das, was ich in reinen Kulturkämpfen nicht machen würde: Ich zeige meinem Lurch im großen Tümpel die weite Welt. Aber erstmal ne Runde wandern, in die Berge, auch wenn Lurchi schon quengelt.
















