Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

07.04.2015 – Ein Stern, der meinen Namen trägt?

Brauch ich nicht. Nach mir ist eine Creme benannt.
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Gleitz Creme – Aus dem Hause Sievers. Nur echt mit dem Registered Trade Mark ® (Tastenkombination ALT + 0174 auf dem Zifferblock.) Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in Filmen die Leute an PCs überwiegend mit Tastenkombinationen arbeiten, nie mit der Maus? Macht im realen Leben in der Form kaum jemand, ich benutze vielleicht 5 – 6 Kombinationen. Copyright © ist übrigens ALT und 0169. Das Zeichen liegt mir näher, ich habe es nicht nur einmal erlebt, dass Ideen von mir geklaut wurden. Gottseidank gehen mir Ideen nicht nur nicht aus, sondern fluten mitunter regelrecht mein Hirn. In solchen Fällen schicke ich mir mit einer kurzen Bemerkung, Skizze etc.  vom Smartphone eine Mail. Früher hab ich das auf einen Zettel im Portemonnaie notiert. Früher hatten wir auch mal einen Kaiser.

Ein Projekt, das zahlreicher Ideen bedarf, was sich im Sommer leichter umsetzen lässt und demzufolge demnächst ansteht, ist eine Beamerprojektion auf Wände von Hochhäusern, in sozialen Brennpunkten etc. Wo kriegt man als SCHUPPEN 68 MIK (Mobiles Interventions-Kommando) den Strom für Beamer und Netbook her, wenn man vor Ort keine logistische Basis hat? Autobatterie? Dieselaggregat? Beim Büro für naturetainment http://buero-naturetainment.de/ gibt es Räder, an denen Sonnenkollektoren montiert sind, die Strom liefern. Das find ich für unseren Zweck genial. Nicht nur aus Umweltgründen, sondern wegen der PR. Bei Öffentlichkeitsarbeit für Performance, Aktionen, Events, etc. sollte man immer versuchen, den eigenen Event in den Schnittpunkt mit etwas zu bringen, das von allgemeinem Interesse ist. Will man z. B. was gegen Armut in der Öffentlichkeit machen, ist es geschickt, das am 17.10 zu machen. Da ist der Weltarmutstag, von der UN ins Leben gerufen, von internationaler Gültigkeit.
Bleiben wir bei unserem Beispiel: Individuelles Anliegen ist die Beamerprojektion im öffentlichen Raum, allgemeines Interesse ist, über die Kunst hinaus, die Energie dafür mit Strom aus Fahrradgestützten Sonnenkollektoren. Also schreiben wir in die PM zur Aktion ungefähr so: „Der SCHUPPEN 68 geht auch bei der Energieversorgung für seine öffentlichen Aktionen konsequent neue Wege: Strom auf BAS Basis (BAS = Bicycle Aided Suncollector).“ Das Feuilleton steht auf derlei Wortgedöns.
Das erhöht die Chance in die Medien zu kommen um 100 Prozent.
Rechtschreibfehler der peinlichen Art erhöhen die Chancen um 200 Prozent, um in meinen Blog zu kommen.
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Erinnerungskultur in der Geschichstwerkstatt (gesehen im Freizeitheim Hannover-Linden, hängt wahrscheinlich seit 200 Jahren da) sollte damit anfangen, sich zu erinnern, auch mal jemanden Korrektur lesen zu lassen. Ich bin trotz Germanistikstudium von den drei Herausgebern der NETZ – Niedersächsische Teilhabe Zeitung in Sachen Rechtschreibung der Schwächste. Korrektur und Lektorat gehen bei der NETZ nicht über meinen Schreibtisch und dieser Blog dürfte vor Fehlern wimmeln. Aber wenn ich was in einen offiziellen Umlauf oder Zusammenhang bringe, der annähernd wichtig ist, dann lass ich eingedenk eigener Schwäche verdammt noch mal mindestens drei Leute Korrektur lesen. Oder schalten Sie einfach die Rechtschreibprüfung ein, verehrte Freundinnen der Erinnerungsgestützten Stadtteilarchivkultur:
Taste F7.

06.04.2017 – Kannibalisiert

OSK Die Mauer zwischen Arm und Reich
Artikel NOZ über die Mauer bei der Osnabrücker Sozialkonferenz. Die Veranstaltung war toll, wie immer ein Erfolg. Die Mauer hat ihr Ziel erreicht, einprägsamere Bilder zu liefern als der übliche Standard. Allerdings besteht in unserer Bilderorientierten Medienwelt die Gefahr, dass der Inhalt einer Veranstaltung vom Bild quasi kannibalisiert wird. Den sozialpolitischen Akteur in mir ärgert das. Den Künstler freut’s. Die Botschaft, die vielleicht alle im Kompromiss zusammenführt: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Und die Botschaft, die im Interesse aller Akteure lag, ist: Die Mauer zwischen Arm und Reich muss weg. Ein Bild prägt sich nun mal eher ein.
Ein Bild wie dieses, work in progress.
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Der Sarotti Mohr serviert Zigeunersosse zum Negerkuss anlässlich der Präsentation der Sonnenblume „Goldener Neger“, während der glatzköpfige Neonazi Meister Propper im Hintergrund auf seinen Einsatz zum „White Washing“ lauert.
Ich überlege, die Skulptur in Lebensgröße produzieren zu lassen und am 6.8, dem Tag der Pioniere des Anti-Imperialismus, in der Innenstadt zu enthüllen. Das Ganze wird von einer Campagne in den sozialen Medien flankiert. Auf den Shitstorm freue ich mich jetzt schon.
Viel Arbeit, wäre aber eine Intervention auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kritik der bestehenden Verhältnisse muss immer auch eine Kritik der bestehenden Ästhetik sein und insofern sie nicht auf dem jeweiligen aktuellen Stand der Reproduktionsverhältnisse und medialen Verfasstheit ist, ist sie nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern schlicht reaktionär. Sie konserviert dann trotz guter Absicht den Müll von heute.
Gestern haben mir zwei Professoren unabhängig voneinander bestätigt, dass bei den aktuell Studierenden absolut kein kritisches Bewusstsein vorhanden ist. Und das in den Bereichen Sozialarbeit und Medien. Holy shit.
Soviel zum Stand des kritischen Bewusstseins. Manchmal wird mir die Realität ein bisschen viel. Ich fahr jetzt konsumieren. Vielleicht hilft das.

05.04.2017 – Ich besitze eine stupende Allgemeinbildung

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Deshalb bin ich auch im Auftrag der UNICEF unterwegs, um Kinder von der Notwendigkeit einer guten Schulbildung zu überzeugen. Dazu habe ich mir einen Hasen mit einem Geschwür auf dem Kopf gemietet, siehe Bild, mit dem stelle ich mich vor Drogerien und erzähle den Kindern und jungen Müttern: „Wenn Ihr nicht fleißig lernt, müsst Ihr später als Hase verkleidet mit einem Geschwür auf dem Kopf vor Drogerien arbeiten und den Leuten irgendeinen Dreck aufschwatzen. Dann kriegt Ihr noch nicht mal den Mindestlohn und seid am Ende altersarm. Ist das nicht so, blöder Hase?“ Und dann haue ich den Hasen kräftig auf sein Geschwür und der Hase muss dann nicken und laut rufen: „Ja, das ist so! Deshalb macht bloß Abitur, liebe Kinder!“ Die UNICEF hatte bei mir angefragt, weil ich bundesweit einen Ruf habe als jemand, der mit ungewöhnlichen Methoden neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit beschreitet.
Vermutlich mehr als 95 % der Bundesbürgerinnen haben eine geringere Allgemeinbildung als ich und ich neige nicht dazu, mein Licht unter den Scheffel zu stellen. Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Ich habe mit Allgemeinbildung schon einiges an Zaster verdient und im Berufsleben sind kleine Schlenker in die griechisch-römische Mythologie und Geschichte beispielsweise zur Verdeutlichung einer Problemlage durchaus Ruffördernd. Bemerkungen wie „Sozialpolitisch gesehen ist die Situation eine Mischung aus Thermopylen und Cannae“ versteht kein Schwein und falls irgendein Sozialarbeiter so unverschämt sein sollte, nachzufragen, ergeht man sich langen Suaden, die man auch in zwei Worten zusammenfassen könnte:
Alles Scheiße.
Irgendwann ist aber auch mal gut, dann kippt der Grenznutzen von tendenziell unendlicher Wissensakkumulation. Für Realschüler: Ich hab keinen Bock mehr, was zu lernen, was zu lesen, etc. pp. Ende im Gelände mit Schlauberger. Aus die Wissensmaus. Ich packe schon seit Jahren keine Bücher mehr für den Urlaub ein. Als sich beim letzten Urlaub Regen abzeichnete, hab ich mir ausnahmsweise von diesen hochgelobten Skandinaviern einen Stieg Larsen Krimi eingepackt: Verblödung oder so ähnlich. Gab nur Sonne im Urlaub, das Buch hab ich dann Zuhause angefangen. Was für ein öder, fader Schinken. Auf 600 Seite ausgewalzte sprachliche Plattheiten von Groschenheft-Niveau. Sowas hat Millionen Auflage und wird verfilmt. Nie wieder pack ich ein Buch für den Urlaub ein! Dann lieber weiter arbeiten an meiner kritischen Installation für den internationalen Tag der Pioniere des Anti-Imperialismus am 06.08.
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Installationsskizze, Titel: Der Sarotti-Mohr serviert einen Negerkuss zur Zigeunersoße.

02.04.17 – Der Samstag fing nicht gut an.

Der Wecker klingelte am 01. April um 4.45 Uhr. Ich musste zu einem Auftritt nach Osnabrück, zur 30. Osnabrücker Sozialkonferenz. Eigentlich ein angenehmer Anlass, der Kollege Manfred Flore von der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften in Osnabrück schafft es mit einem engagierten Kollektiv seit nunmehr 15 Jahren jedes Mal, um 100 Betroffene, Politikerinnen und Menschen aus Verbänden und Organisationen an einem Samstag zu einem kritischen sozialpolitischen Aufschlag zu mobilisieren. Toller Job und Veranstaltungen dieser Art gibt es nicht sehr viele, ich kenne keine einzige außer den eigenen Fachtagen der Landesarmutskonferenz. Ich habe heuer wieder gerne, mittlerweile zum 5. Mal, das „kulturelle Rahmenprogramm“ übernommen. Die Achse Hannover-Osnabrück muss man sich als fest geschmiedet vorstellen.
Und mich als müde. Der Wecker hätte gar nicht zu klingeln brauchen, ich war um 3.12 Uhr schon wach. Mein Schlafrhythmus ist zurzeit volatil. Der Muntermacher Adrenalin setzt bei mir auch erst kurz vor jedem Auftritt ein.
Außerdem wollte ich zum Jubiläum was Besonderes machen. Ich kam also auf die glorreiche Idee, die Mauer zwischen Arm und Reich nach Osnabrück zu bringen, was Probleme mit sich brachte.
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Die Mauer zwischen Arm und Reich in Osnabrück (Beim Bildercheck, dem Gegenstück zum Soundcheck).
Der Grundgedanke dieser Mauer besteht aus zwei Komponenten: 1. Sie ist als Blickfang für Outdoor Einsatz, um Passanten zum Stehenbleiben (und Mitmachen beim Einreißen der Mauer) zu animieren. 2. Sie soll dem Veranstalter ein originelleres Bild für die Medien liefern als: „Rechts im Bild Veranstalterin Frieda Friedlich, links daneben Sozialministerin Cornelia Rundt.“ Solche Bilder sind so aufregend wie mein Bildschirmschoner.
Was mit den Medien in Osnabrück ist, wird man am Montag in den Regional-Zeitungen sehen. Aber eine sitzende, eh schon für ein Thema interessierte Menge zum Aufstehen und Mitmachen zu animieren, ist nervig. Wenn Passanten weitergehen, ok. Sind sie halt weg. Wenn das Saalpublikum nicht mitmacht, haben wir ein Problem.
Außerdem ist der Transport von dem sperrigen Ding mittels Zug ätzend.
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Mauer im Zug.
Ich war mit einem Kollegen unterwegs, der für einen Impulsvortrag zuständig war. Wir beide hassen Autofahren. Also die Mauer in den Zug. Ich fragte den Schaffner: „Das ist doch ok so?“ Schaffner: „Nee, das geht nicht. Dafür müssen Sie einen Kinderfahrschein lösen.“
Ich guckte konsterniert. Pause. Dann Schaffner: „April, April.“ Und wollte sich mit seinem Kollegen ausschütten vor Lachen. In das mein Kollege und ich herzhaft einstimmten. Guter Gag. Sehr gute Schaffner, die im Gespräch Geschichten von Leuten erzählten, die schon mal mit einem Kühlschrank auf der Sackkarre im Zug auftauchen.
Ab da war der Tag munter. Das Publikum in Osnabrück war aktiv dabei, meine handsignierten Polaroid Fotos von verdienten Einreißern in Aktion gingen weg wie warme Semmeln und die Grundstimmung im Saal konnte man als heiter-gelöst bezeichnen.
Was ist noch von dem Tag zu berichten?
Beim morgendlichen Einsteigen in die Taxe zum Bahnhof in der Toreinfahrt schräg gegenüber ein von den Hormonen der Party-Nacht übermanntes (frautes?) Pärchen, dass offensichtlich den Coitus vollzog.
Stellt sich da die Sinnfrage, wenn man selbst gerade zur Arbeit aufbricht?
Die Antwort auf diese und viele andere Fragen demnächst in diesem Blog. Bleiben Sie drin!

31.03.2017 – Monika und Gerd Wüstefeld aus Bilshausen

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Monika und Gerd Wüstefeld aus Bilshausen verbringen ihren März Urlaub auf Mallorca seit 23 Jahren immer unter derselben Palme. Jeden Morgen um 6.45 Uhr geht Gerd Wüstefeld vom Hotel Playa Esperanza mit einem Badehandtuch zur Palme, breitet es in einem Geviert aus, dass er zu Beginn des Urlaubs mit vier je 25 cm langen Bambusstöcken absteckt, und geht dann zurück ins Hotel, wo er Gerda zum gemeinsamen Frühstück abholt, welches ab 7.30 Uhr eingenommen werden kann. Nach dem Frühstück packen beide ihr Strandzeug ein, gehen zu ihrer Palme und richten ihre Liege nach Süden. Wenn es regnet, legt Gerd Wüstefeld eine gefaltete Plastikplane aus und beschwert sie je nach Wind mit vier bis sechs circa 1,5 Kilo schweren Steinen, die er zu Beginn des Urlaubs am Strand zusammensucht und am Fuß der Palme deponiert. Mit Regenmänteln bekleidet sitzt Gerd Wüstefeld dann auf einem kleinen rotweiß gestreiften Klapphocker, während Gerda Wüstefeld sich auf der Plastikfolie niederlässt.
Einmal, am 23. März 2002, war das Badetuch verschwunden, als Monika und Gerd Wüstefeld vom Frühstück zu ihrer Palme kamen. Es konnte bis heute nicht geklärt werden, wie das Handtuch verschwand. Es war windstill gewesen, ein plötzlicher Windstoß konnte nicht die Ursache gewesen sein. Monika Wüstefeld hatte einen streunenden Hund im Verdacht, Gerd Wüstefeld vermutete Holländer hinter der Tat, die im benachbarten Hotel Sun Village wohnten. Gerd Wüstefeld blieb die folgenden zwei Tage auf seinem Hotelzimmer. Er fühlte sich unwohl.
Ich beneidete die Wüstefelds. Sie hatten eine Struktur, ein Ziel, eine Bestimmung. Hatte ich anfangs über sie gelächelt, wurde mir später klar, dass man sich die Wüstefelds als glückliche Menschen vorstellen muss.
Wie anders ich dagegen. Ich hatte ein Rad gemietet und auf die fragende Auskunft des Verleihers: „Es ist aber nur ein Damenrad…?“ nonchalant hingeworfen: „Das ist egal.“
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Egal ist auf dieser Welt nichts und mir gerann der Urlaub zur Hölle. Ich bin gewohnt auf Radtouren innezuhalten, sei es, um einen Schluck Wasser zu nehmen, ein Foto oder Video zu machen, Google Maps zu Rate zu ziehen oder einfach nur zu schauen. Wenn ich nicht das Rad komplett an die Seite stelle, bleibe ich im Rad stehen und lasse die Stange des Rades an einen Oberschenkel lehnen. Was aber passiert, wenn da keine Stange ist, weil es sich um ein Damenrad handelt? Das Rad fällt um. Jedes Mal, weil mir diese Handlung wie ein Pawlowscher Reflex eingeschrieben ist, seit Jahrzehnten. Das Rad fällt also mit allen Gerätschaften im Rucksack um, oft in Richtung Straßenmitte und nicht selten auch auf den Fuß oder ans Schienbein. Den ganzen Urlaub lang. An einen sicheren 360 Grad Schwenk mit dem Camcorder ist so nicht zu denken. Jedes Mal züngelte Zorn wie eine rote Stichflamme durch meine Adern. Es geschah sogar, dass ich von einem nahen Haselnuss-Strauch einen Stecken riss und wie von Sinnen auf ein Vorfahrtsschild einhieb.
Ich beneidete die Wüstefelds, wenn ich auf dem Weg ins Hotel an ihrer Palme vorbeiradelte.
An dieser Geschichte stimmt so gut wie gar nichts. Bis auf die Tatsache, dass ich mir das abgebildete Rad ausgeliehen habe. Aber das Foto vom Strand hat mich so fasziniert, dass ich irgendwas damit machen wollte. Obwohl es ein Schnappschuss ist, hat es den Charakter einer ironischen Inszenierung gleich einem Bühnenbild aus einer zeitgenössischen Oper.
Und außerdem wollte ich schon immer mal meiner Heimat Bilshausen ein literarisches Denkmal setzen.

28.03.2017 – Das erste Frühlingsahnen liegt in der Luft

Das macht es mir leicht, Urlaubsfotos zu betrachten, anders als bei minus 10 Grad und Eis und Schnee.
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Bucht bei Cala Rajada, Mallorca. Eine größere touristische Agglomeration, aber wenige Meter jenseits der normalen Touristen-Routen jede Menge kleinere Buchten. Die hat man zu dieser Jahreszeit komplett für sich alleine und kann ungestört dem diamantenen Funkeln der Lichtreflexe auf den sinnlich glucksenden und tanzenden Wellen nachspüren. Da ich ausgebildeter Nato-Kampfschwimmer bin, schwimme ich natürlich auch, trotz eher niedrigschwelliger Temperaturen. Das Anschwimmen startete ich heuer in einer Bucht, wo ein paar Leute lagen, und die in einer kalten Strömung liegt, was ich nicht wusste. Ich tapste in Badehose ans – natürlich menschenleere Wasser – und erstarrte. Die Temperatur war selbst für einen Kampfschwimmer gewöhnungsbedürftig. Aber ein Zurück gab es nicht.
Es waren Frauen am Strand. Völlig egal, welchen Alters oder Aussehens, da bricht sofort der alte Adam durch den dünnen Lack der antrainierten Pseudo-Emanzipation a la „Steh zu Deinen Schwächen“. Blablabla. Frauen wollen Sieger mit Waschbrettbäuchen und keine Kuschellooser. That’s the fact. Chakka.
Das Einzige, was mich in diesen qualvollen Momenten im eiskalten Wasser Mallorcas am Leben hielt, war der wärmende Gedanke daran, dass 99 % aller Männer in meiner Alterskohorte hier schon den raschen Herztod gestorben wären. Ich kam als Held aus dem Wasser.
Und besuchte die Bucht nie wieder. Alle Frauen in der Bucht sonnten sich entweder mit geschlossenen Augen oder lasen in ihren Kindles. Der Wasser-Held stieß auf ungefähr so viel Interesse wie ein umgefallenes Verkehrsschild in Schrobenhausen. Mein Verdacht bestätigte sich mal wieder: Frauen sind die vernünftigeren Wesen. Am Nachmittag mit dem Rad in die Burg von Cap der Pera. Eher ein ganzes Wehrdorf, gegen Korsaren, Piraten, Muslims, eine riesige faszinierende Anlage. Die Insel wurde permanent belagert und erobert. Endgültig ab ca. 1960 von den Ostgoten.
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Burg von Cap de Pera. Wie soll man das verstehen?
Zuhause herrscht wieder der Klassenkampf. Gentrifizierung dräut an allen Ecken in der Hood (Hannover-Linden), in der ich wohne. An allen Ecken? Nicht an allen.
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In Linden-Süd gibt es noch freie Wohnungen. Wenn die FDP das mitkriegt, wird sie wieder sagen: Alles nicht so schlimm. Der Markt regelt das.
Zynismus. Zweifellos. Aber mich treibt die Frage um: wie gehe ich offen und angstfrei mit dem Geschehen aus der eiskalten Bucht um? Welche Konsequenzen hat das für mein Rollenverständnis?
Und wieso fallen in Schrobenhausen einfach so Verkehrsschilder um?!

27.03.2017 – Immer wenn ich die Kloschüssel sauber mache, denke ich an Salat

Wer jetzt Einblicke in Abgründe sexueller Devianz erwartet, wird enttäuscht. 99 Prozent aller Säuberungsaktionen im Haushalt nehme ich mit normalem Essig vor, 29 Cent der Liter. Billiger und nachhaltiger geht’s nicht und riechen tut das Zeug eben nach Salat.
Zum Salat selbst nehme ich dann allerdings eigens angesetzten Himbeeressig. Wenn ich in manchen Bäder Sagrotan sehe, schüttele ich mein weises Haupt. Wie soll da die notwendige Resilienz entstehen. In Krankenhäusern und Altenheimen bin ich allerdings vorsichtig. Türen unauffällig mit Ellenbogen auf und die Desinfektionsflaschen nutze ich da immer. Als ich neulich eine ältere Dame im Seniorinnenheim, wie wir es korrekt nennen wollen, besuchte, fiel mir nach dem Verlassen auf: Ooops, desinfizieren vergessen.
Bevor der böse Noro Virus mich atttackieren konnte, desinfizierte ich mir die Hände mit meinem Ouzo Flachmann, der immer in meinem Rucksack ist.
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Ouzo Flachmann und Tagebuch am Strand.
Ich sass im Zug, das Heim war auswärts. Der Zug war warm, der Ouzo kräftig. Ein intensiver Anis Geruch machte sich breit. Ich war guten Gefühls, der Besuch der alten Dame war mein gutes Werk für heute gewesen. Ich nahm einen kräftigen Schluck und Wohlbehagen breitete sich über Gemüt und Körper aus.
Wohlbehagen breitet sich morgens nicht bei mir aus, eher nackter Hass, wenn ich meine Zahnbürste auf das Zahnputzglas legen will. Früher gab es abgeflachte, regelrecht quaderförmige Zahnbürsten, die konnte man ohne weiteres auf dem Becher ablegen. Heute sind alle Zahnbürsten abgerundet. Wenn man die auf dem Becher ablegt, rollt sie automatisch auf die Unterseite und die Zahnpasta kleckert runter. Wer denkt sich so eine Scheisse aus? Lobbyisten des militärisch-industriellen Zahnpastakomplexes? Dass da die Friedensbewegung mal auf die Strasse geht. Aber nein. Da wird munter für Vietnam und Nicaragua demoliert, Bürger runter vom Balkon, Solidarität mit Vietcong und so weiter und so fort.
Neulich brachte es ein Intellektuellen-Darsteller in einem DLF Interview fertig innerhalb von drei Sätzen viermal den Begriff „Narrativ“ unterzubringen. Auch da quillt Hass in mir empor. Wie ich überhaupt der Meinung bin, dass der liebe Gott die Welt nur geschaffen hat, um mich ständigen Demütigungen, Zumutungen und Mentalpestilenzen auszusetzen. Rex Gildo, ein Schlagerzombie aus Vietcong-Zeiten, beklagte sich am Ende seines Lebens: „Immer nur Hossa, die Leute wollten immer nur mein Hossa. (Sein größter Hit, hier. Bewegen konnte sich der Mann, chapeau).“
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Einer meiner Standards ist die Mauer zwischen Arm und Reich, die gerne von Besuchern, Passanten, Teilnehmern etc. eingerissen wird. Wenn es darum geht, Veranstaltungen kreativ etwas aufzumöbeln, steht die Mauer immer in der ersten Reihe. Ich beklage mich nicht. Der Wurm soll dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Aber es ist schon so, wie ein Freund und Kollege neulich bei der Vorbereitung einer Veranstaltung sagte:
Die Mauer ist dein Hossa.
Das sass wie ein Leberhaken, kurz und schmerzhaft. Im Sommer der Höhepunkt meines Daseins als Mauer-Meister: Die Mauer in dreifacher Version beim Luther Jubiläum in der City von Hannover. Da das Einreissen der Mauer mittels Stand-Up moderiert werden muss, hab ich ein Problem. Wenn ich an den drei Stellen gleichzeitig auftauche, krieg ich Ärger mit der evangelischen Kirche. Die haben es mit Wundern nicht so. Andererseits würde das bei den Katholen meine Chancen auf Seligsprechung erhöhen.
Was mir ganz klar zusteht. Amen.

26.03.2017 – Meine revolutionäre Woche

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Bühnenbild von der Premiere der Revolutionsrevue „1917“ am 25.03 von Tom Kühnel im Schauspielhaus Hannover. Ich fand’s schwach, der erste Teil endlos ausgewalztes Familiendrama um die Zarenfamilie, am Ende öder Videostremel um Lenins Tod, davor paar starke Bilder und Momente um das wesentliche Thema: Revolution. Das hat mir gefallen. Und dass Gedichte des von mir hochverehrten Wladimir Majakowski vertont zum Vortrag kamen, das war einfach schön.
Auf die Kritik der Bürgerpresse bin ich gespannt, bei keinem Thema hängt ein ästhetisches Werturteil so stark von der ideologischen Disposition des Urteilenden ab wie beim Thema „Revolution“ in der Kunst. Ein paar Gewerkschafter und Linke hingen auch da ab. Mit Einem hatte ich ein paar Tage vorher zu tun, den pflaumte ich in der Pause an: „Bist Du aus Neigung oder Pflicht hier?“ Er: „Ich hatte gehofft, wir kommen hier etwas besser weg.“ Gute Antwort.
Der Sekt bei der Premierenfeier war schrecklich, klebrig-süße Plörre. Ein echter Revolutionär trinkt nur extra-brut! Revolution, Stil, Niveau und Distinktion schliessen sich nicht aus. Das sollte sich auch beim politischen Theater mal rumsprechen. Ich hing mit meiner Gang bis zum Schluss bei der Feier ab, und bin jetzt hundemüde, müßte eigentlich Osnabrück vorbereiten.
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Osnabrück. Ein weiterer revolutionärer Akt von Basisarbeit. Schön der Magnet, der das Plakat an meinem Kühlschrank fixiert. Geschenk einer früheren Bekannten zum Thema „Alle Männer sind Radfahrer.“
Vorhin zum Aufmuntern im Deutschlandfunk Feature zum „Kapital“: Wert und Anti-Wert – Krisen sind immer überall möglich. Wem sagen die das. Ich krieg dauernd ne Krise, wenn ich den Berg Arbeit vor mir sehe und den in Relation zur verbleibenden Lebenszeit setze, die ich besser mit Exzessen und Gelagen nutzen sollte. Der Wert-Begriff ist allerdings zentral. An dem ist die Ostzone und der Rest -Osten letztlich abgekackt, weil die vom Wert keinen Begriff hatten. Die hatten für ihre Heizungen z. B. keine Thermostaten, die haben die Zimmertemperaturen mit den Fenstern geregelt, auf und zu. Meistens auf. Aber wegen Mallorca Reisen eine Konterrevolution starten … so wird das nichts mit der Emanzipation des Menschen.
Nach dem Feature dröhnt mein Kopf noch mehr. Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, grün ist des Lebens Baum. Oder so ähnlich.
Angefangen hat meine revolutionäre Woche mit der Veranstaltung „Wie viel braucht der Mesnch zum Leben?“ In der Nacht aus dem Urlaub zurück und dann Moderation bei einer Veranstaltung, bei der im Vorfeld jede zweite Tretmine hochging, die bei Organisation irgendwo schlummert.
Die Veranstaltung war der Auftakt zum Versuch, prekäre Menschen via Infotainment und Aufklärung zur Selbstorganisation und zum Widerstand zu motivieren. Martin Schulz alleine wird’s eher nicht richten. Die Veranstaltung war ein toller Erfolg, ein excellenter Bericht der Kollegen von der Freistätter Online Zeitung (Danke, Jungs) ist hier.
Das Fazit meiner revolutionären Woche: Ich bin schon wieder urlaubsreif.
Und meine weiter bestehende Einsicht, dass beim aktuellen Kopf- und Gemütszustand der hiesigen Revolutionäre der liebe Gott uns vor revolutionären Umtrieben schützen möge.
Ganz schlechter Zeitpunkt!
Aber wir Arbeitern dran.

19.03.2017 – Test

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Ich sitze gerade bei einem Glas Wein am Meer und habe nichts besseres zu tun, als zu testen, ob ich diesen Blog auch mit meinem smartphone pflegen kann. Klappt offensichtlich und ganz so von der Sonne hirnverbrannt ist der Testlauf nicht. Wenn wir erst mit dem Urinal von duchamps zu Fuß zur documenta pilgern, muss das sitzen. Ich schlepp doch nicht zusätzlich ein Netbook da mit!
Aber musste der Testlauf ausgerechnet am letzten Urlaubstag sein. …
Doch zuviel Sonne
Und ab morgen wieder Regen und Stress. Seufz. Hoffentlich hab ich im Lotto gewonnen.
Andererseits : würde ich mit 500.000 Ocken Gewinn irgendwas anderes machen? Das wäre die Attitüde des Spießers. Das denn doch nicht. Jetzt noch Blog speichern und dannen noch einen Wein. 20170318_131008

12.03.2017 – Polaroid und die Arbeitslosen von Marienthal

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Bild vom Bild vom Bild.
Das auf dem Tisch ist ein Polaroid von dem Moment, wo das famose Kollektiv der verdienten Kulturschaffenden die zündende Idee für die fünfte Ausgabe der NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung hatte. Von diesem Polaroid mache ich gerade, wie man im Bild sieht , ein Foto mit meinem Smartphone. Diesen Moment wiederum halte ich, wie man im Bild sieht, mit meiner Lumix Kamera fest. Das ist ein metamedientheoretischer Geniestreich und sieht auch praktisch drollig bis verwirrend aus. Das Bild stellt die grundlegende Frage: Wie nehmen wir unsere Wahrnehmung wahr?
Der Fortschritt ist eine Schnecke, die mit Vornamen Sysiphos heisst. Die Landesarmutskonferenz unterstützt eine neugegründete Initiative von Menschen in unterschiedlich prekären Lebenssituationen: Die Gruppe Gnadenlos Gerecht. Die Gruppe hat in wenigen Wochen eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen unter dem Motto: Wie viel braucht der Mensch zum Leben?
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Auftakt ist am 21.03.2017. Details hier.
Die Gruppe hat extrem viel Potential, früher, noch vor der Zeit des Polaroid, also quasi in der Steinzeit, hätte man gesagt: eine Kaderorganisation. Die Hälfte der Mitglieder sitzt für verschiedene Parteien in kommunalen Parlamenten, hat hohe Organisationskompetenz, kennt sich in Sozialgesetzbüchern aus, produziert excellente Ideen für Öffentlichkeitsarbeit und geht auch dahin, wo es schmutzig ist, mit Flyern zur Werbung in Kneipen, Geschäften, etc. Wenn diese Gruppe ein Massstab für den Organisationsgrad und das politische Potential der Prekären in der BRD wäre, dann: Revolution ante portas. Es gibt 13 Millionen Arme, 25 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im Niedriglohnsektor mit weniger als 9,50 Euro Stundenlohn, die Ausnutzung der Beschäftigten in der Fleischindustrie in Niedersachsen ist nichts weniger als flächendeckend organisierte Kriminalität. Ich schätze, dass ca. 20 Millionen nicht zur „Mitte“ der Gesellschaft gehören. Also genügend Potential für emanzipatorische Veränderungen, jenseits von Schulz und Agneda 2010 revisited?
Die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von 1933 ist ein Klassiker der soziologischen Empirie und jeder, der den Begriff „soziale Bewegungen“ nur richtig buchstabieren will, sollte davon gehört haben. Die Studie weist nach, dass Arbeitslosigkeit nicht revolutionären Geist produziert, sondern Resignation, Frustration, Isolation. Was immer sich damals die KPD, später Marcuse und danach die Philosophie-Protagonisten der Prekariats erhofften, es wird keine soziale Bewegung davon und damit geben, im Sinne der Arbeiter-, Frauen – oder Ökobewegung. Auch heute und erst recht nach über 10 Jahren Hartz IV sind nur wenige Ausgegrenzte für Selbstorgansiation mobilisierbar und auch die sind mitunter kaum noch kommunikations- und kooperationsfähig, mit einer minimalen Frustrationstoleranz.
Die Wut richtet sich im Zweifel nicht gegen „die da oben“, sondern gegen noch Ausgegrenztere wie Flüchtlinge und richtet als Kollateralschaden im günstigsten Fall mitunter Chaos und Konfrotation in den eigenen Reihe an.
In summa bin ich mal wieder urlausreif und setze mich für eine Woche in den Süden ab und mein Wunsch wird immer stärker, alles mal für ein Jahr hinzuschmeissen und ein Sabbatical in Berlin einzulegen.
Alles eine Frage der Wahrnehmung, von Polaroid bis Marienthal.