
Auf dem deutschen Philosophentag 2016 kam es zu einem Treffen von Prof. Dr. Harald Hegekötter (links), Vertreter einer neomarxistisch-ontologischen Schule in der Tradition von Horkeimer und Mabuse, und Prof. Dr. Werner von Dietzfellbinger, Protagonist der eher angebotsorientierten Poststrukturalisten in der Nachfolge von Gilles Deleuze, Jean-François Lyotard und Charl Latan. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurden alte Streitfragen über die Destruktion von Metaphysik, Positivismus und Logizismus diskutiert. Einig waren sich Beide über die Irrelevanz von Heideggers Diktum „Das Nichts nichtet“, vielmehr müsse es im Zeitalter des Ausgangs der Vernunft aus der Modernde eher heißen „Das Etwas – et watet.“
Zum Abendessen gab es vorweg Carpaccio von der Jacobsmuschel, gefolgt von “Tondo“ Raviolo XL mit Büffel Ricotta, Datteltomaten und Trüffel, der Hauptgang bestand aus Kalbsfilet mit Pistazienkruste und Rosmarinkartoffeln, zum Dessert wurde eine raffinierte „Feigen Crème brûlée“ gereicht. Als Aperitiv nahmen die beiden Geistesgrößen einen holzgelagerten 10 Jahre alten, weißen Andresen Port, zum Carpaccio einen einfachen Pouilly Fuissé von Joseph Drouhin, gefolgt von einem Priorat-Klassiker zu den Raviolo, einem 2009er Cims de Porrera. Das Kalbsfilet wurde intoniert durch einen älteren Cloudy Bay Chardonnay, die „Feigen Crème brûlée“ begleitete ein 2012er Silvaner Eiswein vom Schlossgut Hohenbeilstein. Bio – da waren sich die Neuronen-Titanen ausnahmsweise einig: „Man muss auch an die Umwelt denken!“ Bei einem fulminanten Gerhard-Lassner-Birnenbrand Digestif, Mokka und einer Cohiba zogen die zwei Fürsten der Philosophie ein gemeinsames Fazit:
„Es reicht nicht, wenn man Geld hat. Man muss auch guten Geschmack besitzen, dann kann das Dinner auch ruhig mal eine Nummer kleiner ausfallen.“
Man darf gespannt sein auf den Deutschen Philosophentag 2017!
06.11.2016 – Hier nix Kottlett
Wenn man unterwegs ist und irgendwo einkehren möchte, stellt sich die Frage: Woran erkennt man die zu einem passende Lokalität? Ich gehöre einer Generation an, die nicht vor jeder Hütte ihr Smartphone rauskramt und die passende Location-App befragt, wie das mit Bewertungen für das Wirtshaus der Wahl aussieht. Neben dem dauernden digitalen Gefummel muss man solche Bewertungen auch auf einer Meta-Ebene lesen können. Wenn da als Überschrift steht: „Supi Laden“ und man vor lauter Rechtschreibfehlern Schwierigkeiten hat, die Sprache zu identifizieren: ab in die Tonne. Am besten ist die analoge Real-Inaugenscheinnahme, das spart Zeit und Nerven und schont den Akku. Wenn auf der Speisekarte auf engstem Raum eine Million Gerichte von Pizza über Döner bis Wiener Schnitzel angeboten wird, macht der Kundige einen Bogen. Wer alles macht, macht nichts richtig.
Wenn so was da steht, gehe ich rein, auch wenn ich weder Hunger noch Durst habe:

Hier nix Kottlett. Das muss einfach belohnt werden und schmeckt im Zweifel handgemacht lecker.
Unser Börsentipp der Woche ist diesmal für alle, deren Herz links schlägt, aber das Portemonnaie rechts sitzt: Am Montag vor der US Wahl ETF Fonds kaufen, der den DAX abbildet. Bei ETFs sparen Sie Verwaltungskosten und der DAX ist in letzter Zeit aus Angst vor Donald Trump überproportional abgekackt. Die BRD ist extrem vom Export abhängig und der Isolationist Trump wäre dafür ein Desaster. Clinton wird die Wahl gewinnen und als klassische Interventionistin wird sie den einen oder anderen Krieg anzetteln. Krieg ist gut fürs Geschäft. Der DAX wird daher in den nächsten Wochen um ca. 6 Prozent zulegen. Also: Kaufen, meine Damen! Gewissen wird eh überschätzt und langfristig sind wir sowieso alle tot.

Ist Jesus die Rettung? Felsen in der Bucht von Cala San Vicente. Ich sehe in dieser Felsformation irgendwie den Jesus aus der Bucht von Rio, diese Statue auf dem Zuckerhut.
Es gab früher mal den Rorschach Test, eine Methode, bei der man glaubte, anhand der Interpretation von Tintenklecksbildern die Persönlichkeit von jemandem zu erfassen. Den Jesus erkennt vermutlich nicht jede in dieser Formation. Was sagt das nun über meine Persönlichkeit? Bin ich vielleicht sogar selber Jesus? Nach dem Motto: Wer dieses Felsrätsel entschlüsselt, der ist es? Und ich bin es nun?
Ich bin Pragmatiker, habe gleich die Probe aufs Exempel gemacht und wollte übers Wasser wandeln.

Ich kam nicht weit, das Meer war rau,
schluckte Wasser, wurde blau.
Da war mir sofort klar,
dass ich nicht der Jesus war.
02.11.2016 – Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?
Solche dämlichen Fragen stelle ich mir normalerweise nie. Wer sich ernsthaft solche Fragen stellt, der hat schon verloren. Da tut sich ein philosophischer Abgrund auf mit Fragen wie: Definieren Sie Sinn und Leben. Und der Sinn wessen Lebens? Meines? Der ganzen Menschheit? Wieso nur Menschheit? Ist das nicht Anthropozentrismus und wenn ja, was ist falsch daran?
Also für so was hab ich keine Zeit und vor allem keine Lust, selbst wenn ich Zeit hätte. Ich muss öfter im Zug sitzen, nicht nur für lustig nach Berlin, auch Dienstreisen und so Gedöns. Da hätte ich Zeit, mich auf den bevorstehenden Termin noch mal vorzubereiten. Ich hätte Zeit, auf meinem Netbook Daten aufzuräumen. Ich hätte Zeit, einen Fachartikel zu lesen. Oder „Schuld und Sühne.“ Oder „Krieg und Frieden“. Oder „Müll und Tonne“. Mach ich aber nicht. Ich sitz einfach im Bistro, trink einen Wein und glotz zum Fenster raus.
Und bei so einer Einstellung soll ich mir Gedanken um den Sinn des Lebens machen? Eben gerade habe ich auch zum Fenster rausgeglotzt, weil ich keine Ahnung habe, was von der anliegenden Arbeit ich zuerst liegen lassen soll und mich diese Entscheidungsschwäche angenehm wenig berührt. Berühren tut mich hinwiederum der Blick auf das trübe, nasskalte, öde Draußen.

Kassel, neulich. Trübe, nasskalt, öde und irgendwie wird einem bei dem Anblick schwindelig.
Vor ein paar Tagen hatte ich noch diesen Anblick:

Reife Granatäpfel prangen in der Sonne des Südens und warten gleich Brüsten gepflückt zu werden. Das hab ich nur wegen der Formulierung geschrieben, damit in den Text mal bisschen Leben durch Rhythmusverschiebung und Konnotationswechsel kommt.
Aber wenn ich mir die Granatäpfel so angucke, frage ich mich schon, was hält mich davon ab, mich morgen in den nächsten Flieger zu setzen und wieder der Sonne entgegen? Arbeit? Könnte ich organisieren. Geld? Bei den Billigflügen machbar. Moral? Käme ich mit klar. Wer erst bei solchen Gedanken gelandet ist, macht sich im nächsten Schritt welche über den Sinn des Lebens und fängt an, kategorische Imperative zu formulieren. Meiner wäre im Moment:
Handle stets so, dass die Maxime Deines Handelns jederzeit die Grundlage einer guten Sitcom bilden können.
So wie „Two and a half men“. Von Immanuel Kant zu Charlie Sheen, damit habe ich gerade noch die Sinnkurve gekriegt.
War aber knapp, puuh.
01.11.2016 – Schwuler Killer
Kriegerdenkmäler faszinieren mich. Wo drei Häuser in Deutschland auf einem Haufen versammelt sind, weit entfernt davon, Dorf genannt zu werden, steht in der Mitte zwischen ihnen unter Garantie ein Kriegerdenkmal, dass den „Helden“ zwei Weltkriege gedenkt. Kein Laden, keine Bank, keine Kneipe, von Erinnerungen an die ermordeten Juden des besagten Ortes ganz zu schweigen, aber riesige, monströse Scheußlichkeiten, mit denen an Soldaten erinnert wird, die oft an monströsen Kriegsverbrechen beteiligt waren. Diese Denkmäler sind die Nachkriegs-Fortsetzung des Faschismus mit anderen Mitteln. Das ist faschistische Ästhetik, die das Leben verachtet und den Tod herbeisehnt. Mich fröstelt es selbst im Hochsommer noch, wenn ich bei Radtouren hierzulande anhalte und das fotografiere.

In südlichen Ländern gibt es auch Kriegerdenkmäler (Hier: Pollensa, Mallorca), allerdings mit einer völlig anderen Ästhetik. In Italien sind die oft aus weißem Marmor und derartig grotesk operettenhaft überspitzt, dass es einfach nur lächerlich ist. Dieses spanische Beispiel fand ich jetzt sehr androgyn, um nicht zu sagen: tuntig. Beim Fotografieren von vorne (Freudsche Vermeidung?) kam mir ein Verdacht, das schrie doch förmlich nach … ich umrundete das Denkmal und richtig:

Graffiti Kommentar, ambivalenter Zeichengehalt.
Was habe ich noch aus dem Süden mitgebracht? Eine monströse Erkältung, bei der ich froh bin, dass ich kaum noch Solo-Auftritte als Kabarettist mache. Ich erinnere mich an eine Erkältung zwei Tage vor einem Auftritt, ich war jung (gelogen), brauchte das Geld (wahr) und bin Preuße (wahr): eine Absage kam nicht in Frage. Was hab ich für einen Aufwand betrieben, um meine Stimme für anderthalb Stunden funktionsfähig zu halten: Gigantische Mengen Milch mit Honig (ich hasse Milch), mit ätherischen Ölen gegurgelt und inhaliert, bis meine Schweißtropfen schon ölig wurden und nasse Handtücher auf die Heizkörper …
Ich weiß nicht mehr, wie der Auftritt lief, aber solche Arien sind einer der diversen Gründe, warum ich mir so was nur noch im Ausnahmefall antue. Wozu auch? Damit auf meinem Grabstein mal steht, wie die taz mir mal hinterher warf: „Hier ruht der Nischen-Mario Barth. Gott schenke ihm im Jenseits den Erfolg, den er auf Erden nicht hatte“? Nee, dann lieber mit anderen bei Podiumsdiskussionen, wie hier zu öffentlich geförderter Beschäftigung bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Moormerland-Jheringsfehn. Da müssen alle zutiefst dankbar sein, dass ich trotz schwerer Krankheit diese Strapaze auf mich genommen habe.
Wenn man als fiebergepeitschter Solokabarettist über die Bühne torkelt und röchelt und Wahnvorstellungen absondert, wollen die Leute eventuell noch Eintrittsgeld zurück. Gruselige Vorstellung.
Charmante Restwoche, liebe Leserinnen, und vielleicht sehen wir uns in Moormerland-Jheringsfehn.
22.10.2016 – Brandgefährlich

Graffiti „rapefugees“. Gesehen in Kassel, auf dem Freigelände der Documenta. „Rapefugees ist ein Schachtelwort aus den Bestandteilen „rape = Vergewaltigung“ und „refugees = Flüchtlinge“. „Rapefugees“ ist ein Claim der rassistischen Pegida Bewegung.
Um zu verstehen, wieso dieses Graffiti so brandgefährliche Wirkung haben kann, muss man über reine Ideologie- und Semantikkritik zu den Mitteln der Ikonographie greifen, also der Analyse, warum bestimmte Bilder- und Zeichenfolgen Wirkung erzielen. Das Gefährliche an der Zeichenfolge dieses Graffiti ist, dass sie intelligent konstruiert ist im Vergleich zu beispielsweise „Kanaken raus“ und dass sie das Medium Graffiti benutzt, also ein eher „linkes“ und „künstlerisches“ Medium, das zumal offensichtlich bewusst in den Ortzusammenhang der Documenta gesetzt wurde. Die Gegend da besteht fast ausschließlich aus Kulturorten, Verortungszusammenhängen des gehobenen Bürgertums. Einer Klientel, die in Teilen zunehmend verunsichert, verängstigt reagiert und mittlerweile derart aggressiv im öffentlichen Diskurs, dass sie ihre vermeintlich gute Kinderstube vergisst. Man braucht sich in der Praxis nur anzuhören, wie in „besseren“ Wohngegenden die Verbalsau (und nicht nur die) durchs Dorf getrieben wird, wenn da in der Nähe eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll. Da wird die gute Kinderstube zu dem, was sie eigentlich ist, ein Ort unterdrückter Obsessionen, Aggressionen, Neurosen, kurz, alles, was seit Ibsen, Strindberg, Freud et. al. bestens bekannt ist
Wenn solche Bilder wie das Graffiti auf nicht zu leugnende reale Erfahrungen stoßen wie in Leipzig, auch und gerade in linken Zusammenhängen, sind sie schleichendes Gift.
Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Oder, um mal den gehobenen Bildungsbürger in mir an die Luft zu lassen: Mene mene tekel upharsin. Das Unheil steht an der Wand geschrieben.
Was tun? Eigene Bilder entgegensetzen. Hier ein eher zufällig entdecktes auf meiner „Mauer zwischen Arm und Reich“ bei einer Veranstaltung des Sozialministeriums in Lüneburg:

Dialog:
Präsentation: „Was braucht es für „Wir schaffen das“?“
Mauer: „Die Mauer muss weg!“
Na dann mal ran, liebe Mauerspechtinnen.
21.10.2016 – Wann ist eigentlich Saison in Erotikshops?

Documenta Gelände. Herbst. Sondierungen für große SCHUPPEN 68 Aktion dort zur Documenta nächstes Jahr. Wenn die Blätter fallen, sehen die Städte nackt, fast obszön entblättert aus. Manches wird sichtbar, was besser verborgen bliebe.

Dieser Gegenschuss zum Foto vom Documenta Gelände zeigt einen Erotikshop, bei dessen 50 % Rabatt Angebot ich mich fragte, ob das saisonaler (Herbst-) Schlussverkauf ist und wann Erotik demzufolge Hauptsaison hat? Wo ist überhaupt die Grenze zwischen Erotik und Porno, liegt die nur im Auge der Betrachterin? Hat der Anblick dieser Auslagen nicht eher was mit Karneval zu tun und welche Bedeutung hat dann der närrische Ausspruch „Wolle mer se roilasse“? Ich musste mich vor lauter Grübeln regelrecht zur Ordnung rufen, schließlich war ich der Kunst wegen hier. Also schritt ich fürbass und machte mir Gedanken über meinen unlängst gehaltenen Vortrag vor Menschen des durchaus gehobenen, teils promovierten Bürgertums, dass sich in der Diskussion bis zur Unhöflichkeit renitent verhielt.
Man kann, ja man muss verschiedener Ansichten sein, aber ausreden lassen gehört für mich zur Grundausstattung des Dialogs, eine Grundausstattung, die bei dem Plenum in Teilen nicht vorhanden war.
Die Ungezogenheit machte mir die Sache allerdings rhetorisch leicht, mittels Floskeln wie „Wenn Sie mich hätten ausreden lassen, dann wüssten Sie jetzt ….“ und dem hinterhältig-degradierenden „ … Ist es das, was Sie eigentlich meinen?“ schaffte ich mir die gröbsten Frechdachse verbal vom Halse. Es war halt nur die zweite Reihe des gehobenen Bürgertums und ich war froh über mein in Jahrzehnten auch auf der Strasse erprobtes Rhetorikinstrumentarium bei Performances, Aktionen, Theater etc. Da erlebt man Situationen, die kann man sich gar nicht ausdenken, und muss drauf reagieren. Das Bild, wie ein 150 Kilo Koloss im empörten Rückwartsschreiten beim Anblick einer Performance in einen Kinderwagen plumpste, werde ich mein Lebtag nicht vergessen. Preisfrage: Was sagt man in so einer Situation?
„Na, Meister, machen Sie hier einen auf Regression?“
„Wollen Sie mir die Show stehlen?“
„Auf Kindesmissbrauch steht Zuchthaus!“
Gottseidank war die Karre leer …
Schönes Wochenende und holen Sie den Basilikum rein. Es wird kalt.
16.10.2016 – Die Erde ist eine 8 cm dicke Scheibe
Meine Wohnung ist derartig fußkalt, dass ich bereits jetzt Puschen mit dicken Socken trage. Nächste Eskalationsstufe: Die Implementierung eines Fußsacks unter meinem Schreibtisch, in den in der dritten Phase eine Wärmflasche optimiert wird. Meine Wohnung ist ebenerdig, was im Sommer ein Traum ist, weil ich direkt fürbass in den Garten schreiten kann. Im Winter ist das ätzend, weil darunter der Keller liegt. Aber das reicht als Erklärung nicht aus für diese arktische Fußkälte. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Erde eben doch eine Scheibe ist. Direkt unter meinem Keller auf der anderen Seite liegt Sibirien und da die Scheibe miserabel gedämmt und nur 8 cm dick ist, muss ich leiden wie Amundsen bei seiner Nordpolbegehung. Mit dem Unterscheid, dass der Mann gefeiert wird, als ob er den Buchdruck erfunden hätte und nach mir keine Henne kräht. Was ist eigentlich so feiernswürdig daran, dass man sich freiwillig Minustemperaturen aussetzt und Gegenden belästigt, die kein Schwein braucht. Kann man am Nordpol Kartoffeln anpflanzen? Na also. Amundsen hatte einfach Zoff mit seiner Alten und ist nach alter Männerart aus dem Konflikt abgehauen. So sieht die Wahrheit aus.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Sommerbote. Olivenbaum in meinem Garten, aus Corfu, zu Erinnerung an verstorbenen Kumpel, dessen Utopia die Insel war. Wieso da Oliven dran wachsen, ist mir ein Rätsel, die Sorte soll fremdbestäubend sein und hier ist weit und breit kein zweiter Olivenbaum.
Die Erde muss auch deshalb eine Scheibe sein, weil die meisten Erdlinge mittlerweile komplett bescheuert sind und alles glauben, was man ihnen erzählt. Wie zum Beispiel, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt, die Erde 6.000 Jahre alt ist und Donald Trump Präsidentschaftskandidat. Getreu dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, glauben solche Leute auch nicht, dass die Erde eine Kugel ist, sondern eine Scheibe. Und deshalb ist es bei mir so fußkalt. Daran ist Donald Trump schuld.
Was ich dem Mann am meisten verüble: Dass der Name des HERRN, nämlich Donald Duck, durch den Wurm-Fortsatz „Trump“ derartig durch den Dreck gezogen wird.

Donald. Ausgrabungs-Artefakt aus meinem Garten. Mittels der Radiokarbonmethode konnte nachgewiesen werden, dass diese Totenmaske 6068 Jahre alt ist. Die Kreationisten haben also unrecht. Die Erde ist älter als 6.000 Jahre. Aber eine Scheibe. Meine Füße lügen nicht.
14.10.2016 – Argumente für und gegen Dylan.
„Glückwunsch! „Blowing in the wind“ habe ich als 13-jähriger auf Konfirmandenfreizeit auf Ameland gelernt. Und: ich kann es noch singen.“
Der Ex-Popbeauftragte der SPD Sigmar Gabriel. Zum besseren Verständnis: Das zählen wir als Pro-Argument.
„I’m a Dylan fan, but this is an ill conceived nostalgia award wrenched from the rancid prostates of senile, gibbering hippies (… durchgeknallte Nostalgie-Verleihung, aus den ranzigen Prostatas von senilen, gackernden Hippies gezergelt”) .”
Irvine Welsh, Autor von „Trainspotting“. (Gute Literatur, nix für Nobelpreis, aber Literatur auf der Höhe ihrer Zeit).
Ich habe mal im Studium der Literaturwissenschaft gelernt, dass man literarische Urteile belegen sollte, mit Quellen und so Zeug. Also, Zitat aus Dylans bekanntestem Werk „Blowin’ in the Wind“:
“How many roads must a man walk down
Before you call him a man?
How many seas must the white dove sail
Before she sleeps in the sand?
Yes, and how many times must the cannonballs fly
Before they are forever banned?
The answer, my friend, is blowin‘ in the wind
The answer is blowin‘ in the wind …”
Der Einsteig ist Kitsch pur: Männer, die auf Strassen am Horizont verschwinden. Das war schon in John Wayne Western eher zum Totlachen …
Dann die Taube: Dümmliche Tierfabelmetapher, die im 19. Jahrhundert schon so ranzig war wie ..siehe oben.
Danach fliegende Cannonballs, die doch bitte, bitte gebanned werden sollen. Das ist weinerlicher Lichterketten-Schund aus dem Grundkurs „Wer bringt heute den Agitprop-Müll runter?“.
Dass die Antwort dann im verkitschten Natursymbolismus des 19. Jahrhunderts in den Wind geblowen wird, ist überraschend nur für den, dessen einziges Buch Zuhause das Sparbuch ist.
Für so was der Literaturnobelpreis?
Das ist ein ganz starkes Argument dafür, dass das Kiffen weiterhin verboten bleibt.
13.10.2016 – Und ich kriege den Nobelpreis für Physik.
Lese gerade, dass Bob Dylan den Nobelpreis für Literatur kriegt. Wenn das Walter Ulbricht noch erlebt hätte, würde er sich im Garbe umdrehen. Der Mann völlig recht, wenn er sagt, Zitat: „Mit der Monotonie des Yeah yeah yeak und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen“.
Dieses wirre Gestammel eines abgehalfterten reaktionären Hippies als Literatur zu bezeichnen, da kann man genauso gut mir den Nobelpreis für Physik verleihen, weil ich vorgestern unfallfrei eine Glühlampe reingeschraubt habe. Wenn alte Männer – und ich gehe davon aus, dass im Preiskomitee überwiegend alte Säcke hocken – ihren Jugenderinnerungen nachhängen, kann nur dummes Zeug rauskommen wie „Wisst Ihr noch, damals im Sessel von Stalingrad, überall lauerte der Iwan, und auf einmal höre ich auf einer Stalinorgel „Blowin’ in the Wind“, mir kommen heute noch die Dänen“
Und mir kommen auch die Tränen, aber die Lachtränen.
12.10.2016 – Neulich war ein Surfer in meinem Garten.

Banner der Landesarmutskonferenz Niedersachsen. Ich hielt das Banner im morgendlichen Schlurfen mit verquollen Augen zur Toilette für einen Surfer, als mein vom maximal viertelbewussten Hirn gesteuertes Auge darauf fiel. Ich hatte völlig vergessen, dass ich das Banner am Vorabend zum Auslüften und Aufspannen aus dem Keller geholt hatte, um es bei einer Veranstaltung des Sozialministeriums in Lüneburg aufzubauen. Flagge zeigen bei der Präsentation von Initiativen der Landesarmutskonferenz.
Guter Gott, dachte ich. Klimakatastrophe, das Meer reicht jetzt bis in den Garten und die Surfer nutzen das schon. Wie lange hab ich bloß gepennt? Meinem Gesicht nach zu urteilen Jahrhunderte.
Spätestens nach der Applikation meines selbstgemachten Gesichtswassers aus einem Geheimmix von Rosenwasser, Orangenblütenwasser und Hamamelis war ich wieder auf Betriebstemperatur und mir war klar: Arbeit wartet. Arbeit bis zum Horizont und ohne Ende. Was für ein Jammertal.
Und ich konnte den Termin nicht absagen mit der Ausrede: „Ich komm hier nicht weg. Die Klimakatastrophe. Das Meer steht bei mir im Garten. Und es ist doch eh alles sinnlos.“

Die „Mauer zwischen Arm und Reich“ – jetzt auch in Lüneburg eingerissen. Die Mauer hat ihr Geld echt verdient.
Ich meins aber auch. Als Improkünstler bin ich nach wie vor Weltklasse. Gestern war ich in einer Telefonwarteschleife, Probleme mit Handy, Bügeleisen, etc. pp., Technik halt:
„Legen Sie nicht auf. Der nächste freie Mitarbeiter wird Sie sofort bedienen“. „Drücken Sie die Taste 68, wenn Sie Selbstmord begehen wollen.“ Dideldudel, dideldudel.
So ging das 7:28 Minuten lang, bis eine Mitarbeiterin dran war. Hass kam in mir hoch. Ich:
„Legen Sie nicht auf. Sobald ich frei bin, bin ich sofort für Sie da. Piep. Legen Sie nicht auf. Sobald ich frei bin bin ich sofort für Sie da. Piep.“
Dieses vollkommen irritierte fragend-langgezogene „Haaallo?“ am anderen Ende entschädigte mich für alles. In mir hatte sich schon blanker Hass aufgebaut und es ist besser, Hass gerinnt zu Ironie als das man ihn mit nach draußen nimmt.