
Stillgelegter Eingang am niedersächsischen Sozialministerium. Erinnert mich an Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“.
Eine der dämlichsten Erzählungen von Wutbürgern und anderen Nichtsatisfaktionsfähigen Intelligenzamöben geht so: Beamte sind faul, Politiker überbezahlt und beide Gruppen sind dumm und unfähig, sonst wären sie in die freie Wirtschaft gegangen. Den Staat möchte ich sehen, der ohne Beamte wie die freie Wirtschaft funktioniert, die natürlich keine „freie“ ist, sondern den ehernen Zwängen des Marktes unterworfen. Der so verfasste Staat, immer der Profitmaximierung verpflichtet, würde arbeitslosen Wutbürgern (Marx nannte das: Lumpenproletariat) innerhalb kürzester Zeit aber sowas von die Hammelbeine langziehen und einer derart effizienten Verwertung unterziehen, dass sie auf Knien die Vorzüge des vormaligen BRD-Staatswesen herbeiflehen würden. Allen anderen Wutbürgern würden bei öffentlichen Äußerungen ihrer vorurteilsgeschwängerten Dumpfmeistereien in Form von Demonstrationen sofort Gummigeschosse um die Ohren und auf die Augen fliegen, dass ihnen Hören und Sehen vergeht und zwar ganz konkret, real und dauerhaft. Und da, wo Nazis den Gang der Geschäfte eines auf den nackten, unverbrämten Kapitalismus reduzierten Staatswesens störten, weil sie Investoren verschrecken, ausländische Fachkräfte in die Flucht treiben und grenzüberschreitenden Handel bedrohen, würde auf jeder zweiten Nazi-Zusammenrottung nach kurzer Ermahnung Schießbefehl erfolgen.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto erfreulicher stellt sich mir ein derartig verfasster Staat dar.
Ich habe ab und an mit Beamten und Politikerinnen zu tun. Sie sind sicher karriereorientiert, interessengesteuert, mitunter nicht gerade mit weitem Horizont ausgestattet, opportunistisch, betreiben unsoziale Politik, steuern auf ökologische Katastrophen zu und es gibt viel an ihnen zu kritisieren, aber das ist normal und steht in keinem Vergleich zu solch überflüssigen, entseelten Lehmklumpen wie Wutbürgern. Beamte und Politikerinnen sind nicht faul. Unter Beamten habe ich hochkompetente Leute getroffen, vor denen ich den Hut ziehe. Was ich selten mache.
Und Berufspolitiker dürften im Normalfall eine 7-Tage-Woche haben und einen 10 Stunden Tag. Das wichtigste Organ einer Politikerin ist ihr Arsch. Karrieren werden ersessen, in grausam öden, zähen Veranstaltungen, Versammlungen, Meetings, Arbeitsessen, bis weit in die Nacht und am Wochenende. Die SPD Politikerin, die sich nicht auf jedem AWO-Karneval sehen lässt, kann ebenso einen Haken an ihren Aufstieg machen wie ihr CDU-Pendant bei Caritas-Fröhlichkeiten, beides Veranstaltungen, nach deren Besuch AC/DC den Song schrieben: Hell Ain’t a Bad Place to Be.
Sie tun das aus freien Stücken, süchtig nach der Droge Macht. Das kann man belächeln oder verurteilen, aber: Die sind definitiv nicht faul. Und das gegen eine Bezahlung, die im Fall eines Landtagsmandates vergleichbar ist mit einer Richterbesoldung. Auskömmlich, kann für Wohlstand und ein Häuschen im Grünen sorgen, aber ein Skandal ist das sicher nicht.
Ein Skandal ist die Tatsache, dass die vermeintliche Überversorgung von Politikerinnen und Beamten dauernd als Sau durchs öffentliche Dorf getrieben wird, weil das nämlich die wahren Fehlverteilungen glänzend verdeckt: dass 45 Superreiche so viel besitzen wie die Hälfte der Bevölkerung.
Wer sich da an Politikerinnen und Beamten reibt, muss sich fragen lassen, wessen Geschäft sie betreibt.
Nachtrag zum Schmunzeln: Die Aufzählung dessen, was Marx unter Lumpenproletariat verstand:
„…. zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen….“ (aus „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“). Da scheint schon die ganze spießig-miefige Aura des späteren ostzonalen Staatssozialismus auf. Aber politisch korrekt ist die Analyse.
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09.03.2019 – Wir sind alle Opfer

Frankfurter Bankenviertel, Opferdenkmal vor Commerzbank-Turm.
Eine der beliebtesten deutschen Selbstinszenierungen ist die Opferrolle. Brutal und empathielos wie der gemeine Ostgote nun mal anderen gegenüber ist, neigt er auf der anderen, seiner, Seite zu einem unglaublichen Selbstmitleid. Eben gerade hatte er noch ein Weltkriegs-Blutbad mit 60 Millionen Toten angerichtet, da jammerte er schon über die „Besatzermentalität“ der Siegermächte, die ihm tatsächlich sowas Wesensfremdes wie Demokratie einbimsen wollten. Ganz zu schweigen vom gottlosen Sozialismus in der Ostzone. Die 68er winselten dann über den Muff von 1000 Jahren unter den Talaren und die Nazi-Verstocktheit ihrer Väter, um selbst umgehend einen „linken“ Antisemitismus vom übelsten zu entfalten. Den Mantel der Verschwiegenheit decken wir mal über die Betroffenheits-Jammerlappen von der Friedensbewegung und wenden uns den heutigen Opfern zu, die von „Flüchtlingslawinen“ erstickt werden, denen „Migrantenfluten“ die letzte Wurst vom Brot nagen, die von Handymasten elektronisch zu dutzenden Krebsarten gegrillt werden, von Wölfen gefressen, von Windkrafträdern zerhäckselt, von Umweltgiften zerfressen bei lebendigem Leibe´- und zum Ende ihres erbärmlichen Opferlebens fällt ihnen auf den Malediven eine Öko-Kokosnuss auf den schädelgedämmten Hohlraum, nachdem sie jahrzehntelang rebellisch ihren Autoaufkleber „Atomstrom? Nein Danke!“ in Dreiliterboliden durch die Gegend kutschierten. Das Opferlamm der Oster-Mythologie kam mit Sicherheit aus einem frühchristlichen deutschen Ökobetrieb.
Wer glaubt, ich übertreibe maßlos und pauschal, der empfehle ich eine Tour d’Horizon durch die deutsche Denkmal-Landschaft. In jeder Kuhpläke mit zwei Milchkannen und einem halben Schwein Opfer, wo der Blick sich auch wende, nur Opfer. Opfer von Vertreibung und Gewalt, Opfer zweier Weltkriege, hier gerne auch Helden, die sich für das Vaterland opferten – die Inschrift „Für Führer, Volk und Vaterland“ wurde mal kurz aus Opportunitätsgründen rausgemeißelt, es ist aber auch so noch schwerstbehämmert genug. Denn im Normalfall waren die Opfer die Täter.
Suchen Sie dagegen mal ein Denkmal für die wahren Opfer, für die ermordeten Juden des Holocaust. In Städten unter 100.000 Einwohnerinnen müßen Sie da aber sehr lange suchen.
Insofern hat mir das obige Denkmal in seiner weisen Voraussicht gut gefallen: multimodal, multifunktional, kein Meißel nötig. Diese von mir via Blickwinkel insinuierte kapitalistische Opferikonografie bringt es nun wirklich auf den Punkt: Die Schutzvereinigungen der Lehman Brother-Geschädigten oder Targobank oder P & R Containerpleiten, etc. pp. to be continued ohne Ende, klagen an – wir sind Opfer des maßlosen Finanzkapitalismus.
Anstatt sich schweigend im Morgenspiegel zu gestehen: Ich bin Opfer meiner eigenen Gier und Blödheit.
Es gibt in diesem elenden Opferbetrieb nur einen aufrechten Gerechten. Und wer das ist, liebe Leserinnen, verrate ich Ihnen im nächsten Blogeintrag. Bleiben Sie drin!
08.03.2019 – Ich demonstriere für mein Altersheim

Demo gegen Schließung und Abriss des Godehardistiftes, Altersheim bei mir umme Ecke. Ich habe das Heim im Betrieb kennengelernt, fand das Personal sehr angenehm und zugewandt und wenn es in solchen Strukturen überhaupt ein Sterben in Würde geben kann, dann da. Mein Entschluss stand fest: In ca. 60 – 70 Jahren, wenn ich nicht mehr ganz so flink unterwegs bin, dann dahin. Da sich das Gerücht breit machte, dass das Gebäude keineswegs marode sein soll, sondern der in diesem Kiez obwaltenden Gentrifizierung auf Kosten schnuckeliger Eigentumswohnungen geopfert werden könnte, ergab sich ein idealer Schnittpunkt zweier Motivationslinien: 1. Persönliche Betroffenheit und 2. Politischer Impuls.
Zumal sich das ergab, was Elixier meiner Existenz ist: Gelegenheit zu einer scherzbasierten Inszenierung. Denn am Tag der Demo verließ ich vorzeitig eine Sitzung mit den Worten:
„Sorry, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich muss los, für den Erhalt meines Altersheimes demonstrieren.“
Was 1. für Lachen und 2. spätere, irritierte Nachfrage sorgt.
Ich liebe die Straße und ihren Duft. Die Kunst findet nicht im Saale statt und Politik muss auf die Straße. Natürlich gibt es wundervolle Kunst aus Ateliers und verdienstvolle Veränderungen aus den Hinterzimmern der Parlamente, aber wenn es entscheidend wird, zählen keine Internetpetitionen und Laber Laber in sozialen Medien, sondern dann geht es um das, was eine zentrale Errungenschaft der Aufklärung ist: Jene Form von bürgerlicher Öffentlichkeit, die sich als Druck auf der Straße entfaltet.
Sorgte die Straße bei mir im Falle Altersheim noch für eine heitere Grundstimmung, änderte sich das am Folgetag drastisch, bei einer Mahnwache für den auf der Straße gestorbenen Obdachlosen Jürgen „Bauer“ Niemann, der nach einer skandalösen rechtswidrigen Zwangsräumung auf der Straße gelandet war, einen Schlaganfall erlitt und am 12. Februar vermutlich erfroren ist, Details hier.

Gedenken an „Bauer“ (Quelle: ADD)

Trauermarsch nach Mahnwache.
Manchmal fehlen mir dann doch die richtigen Worte ….
04.03.2019 – Mal wieder im Smoking auf den Opernball

Postkarte der DGB Kampagne „Rente muss reichen“
Ich trage nicht nur gerne Schwarzleder, sondern auch Smoking, er verleiht qua Schnitt, Material und eingenähter Ideologie Eleganz, Lässigkeit, Stil, alles Eigenschaften, die durchaus unterrepräsentiert sind. Hier war gerade Opernball, Motto „Zwanziger Jahre“, das wäre so eine Gelegenheit gewesen. Die hiesige Oper ist nett anzuschauen, mit Wandelgängen, in denen man flanieren kann, die Getränke sind akzeptabel bis ordentlich, und einen Walzer kann ich wohl auch passabel drehen. Bleibt die Kostenfrage. Eine Karte kostet ca. 150 Euro, eine Tischreservierung mit Essen und Getränken 125 Euro, dazu kommen unter Umständen Anreise, Hotel, Kostüm etc. pp.. Das können sich geschätzt ca. 20 – 30 Prozent der Bevölkerung leisten.
Die 40 Prozent, die keinerlei Rücklagen haben respektive Schulden, die 25 Prozent im Niedriglohnsektor, die 30 Prozent Normalverdiener*innen, die bis zur Kante mit Abzahlung von Haus, Auto, Brutaufzucht eingedeckt sind, die ca. 20 Prozent Arme eher nicht (115 Prozent? Klar, Überschneidungen). Für die kommt der Besuch eines Opernballs mit einer Marsreise gleich, beides irgendwie seeehr weit weg.
Nun ist überhaupt nichts gegen Ungleichheit in der Gesellschaft einzuwenden, aus ganz vielen Gründen. Die entscheidenden Fragen sind: wie groß ist die Ungleichheit und wie geht Gesellschaft damit um?
Zum letzteren ein Zitat aus dem hiesigen Heringsblatt, der HAZ, in die man gut jenen Fisch einwickeln kann, der vom Kopf her stinkt. Da schreibt ein Herr Haase, der tatsächlich von nichts weiß, der Opernball sei ein, festhalten, sonst trägt es Sie, liebe Bürgerinnen, aus der Sinnkurve: „..wahres Bürgerfest.“ Also kein Fest der Eliten, sondern ein wahres Bürgerfest, für alle eben, für jene 40 Prozent etc. pp. siehe oben. Wie kommt eine derart groteske Verzerrung der Realität zustande?
Man kann vermuten, dass dem Haase beim Eliten-Hinterherhoppeln- und -hecheln der Champagner auf Verlagskosten nicht bekommen ist oder ihm ein Kandelaber aus den Wandelgängen auf den Haasenschädel gedonnert ist.
Richtig ist aber, dass wir es mit einem klassischen Fall von Ideologie zu tun haben: Das Hääschen kann gar nicht anders als die Wirklichkeit durch die Brille seines Verlegers zu sehen, in dessen Blick die 20,30 Prozent aus seiner Klasse mal eben alle Bürger sind, die wahren Bürger. Haase ist vermutlich Kind eines Lehrerehepaars, notfrei durchs Germanistikstudium gerauscht und mittels Beziehungen ins Volontariat etc. pp. Er kennt das Leben in sozialen Brennpunkten, in denen die Personengruppe der Alleinerziehenden (90 % Frauen) zu 80 Prozent arm ist, nur aus den Artikeln seines Heringsblattes, also entweder überhaupt nicht oder nur insofern, wenn es wieder darum geht, wie die Asis da mal wieder ein Sofa aus dem 12. Stock geworfen haben. Wie soll er da eine Vorstellung von der Realität haben?
Und wie denkt der Rest der Haasen-Klasse? Zitat Heringsblatt, von einem Chefdramaturgen namens Klaus Angermann:
„Die Roaring-Twenties waren das Jahrzehnt der Frauen, die ihr Selbstbewusstsein durch endlos lange Zigarettenspitzen zur Schau stellten.“
Ich sehe vor meinem inneren Auge die Roaring-Twenties Arbeiterin im Berliner Wedding in ihrer Waschküche, mal wieder schwanger, weil sie von ihrem besoffenen arbeitslosen Ehemann vergewaltigt wurde, von Verhütungsmitteln oder gar Abtreibung so weit entfernt wie vom Mars, siehe oben, wie sie ihr Selbstbewusstsein durch eine endlos lange Zigarettenspitze zur Schau stellt und ..
Ich seh schon, das wird auch 2020 nichts mit dem Opernball und mir. Warum muss ich mir aber auch selber die Champagnerlaune verderben. Muss ich das Zeug wieder allein Zuhause verklappen.
Enchanté, liebe Leserinnen, und eine beschwingte Woche!
02.03.2019 – Götterdämmerung

Hamburg, Elbphilharmonie, von der Elbe aus, in untergehender Sonne.
Ein beliebtes Stilmittel zur Unterstreichung von Dramaturgie ist die Inszenierung von Natur. In düsteren Krimis regnet es andauernd. Wenn die Liebe ins Herz scheint, in Filmen gerne auch Sonnenaufgang mit Blumenwiese und Gezwitscher von Vögeln (der Kalauer musste einfach sein.) Der obige Schnappschuss gelang mir auf einer Elbfähre in den zwei, drei flüchtigen Sekunden, wo die Abendsonne diesen Reflex auf ein Fenster der Elbphilharmonie bannte.
Meines Bleibens ist überwiegend an Magistralen, die zehntausende von Autos jeden Tag passieren, mit entsprechender Hinterlassenschaft von Feinstaub und Stickoxiden. Ich habe noch keine valide Statistik gefunden, die mir sagt, wieviel Lebenszeit mich der Dreck kostet, durchschnittlich und hochgerechnet. Dazu müsste man vergleichende Orte heranziehen, mit weniger Belastung, wie Helgoland oder die Zugspitze. Da ist aber die Bewohnerinnen Struktur eine andere. Normalerweise wohnen an Hauptverkehrsstraßen mit Lärm und Dreck Menschen mit wenig Geld, die sich anderes nicht leisten können. Und Menschen mit wenig Geld haben grundsätzlich zusätzliche Gesundheitsrisiken neben schlechter Luft. (Arme Männer sterben 11 Jahre früher als ihre normalverdienenden Geschlechtsgenossen. Frauen 7 Jahre, die sind zäher) Gesundheit muss man sich leisten können.
Die Gleichung Hauptverkehrsstraße = Anwohnerinnen mit wenig Geld gilt aber nicht immer. In Berlin ist meine Homebase, die Yorkstr. (geschätzte 50.000 Boliden pro Tag), zum Beispiel ein Ensemble mit Stuckverzierten Häusern aus der Gründerzeit, Biergärten, Kneipen, etc. ein Hort der aufstrebenden, prosperierenden, alternativ-urbanen Elite (außer mir!), die aber sowas von gesundheitsbewusst und selbstoptimierend ist. Wir sehen also, die von mir heiß und innig geliebte Statistik stößt an ihre Grenzen. Es gilt der Einzelfall.
Und der treibt mich immer mehr aus Gründen des Durchatmens an Ort von Licht und Luft. Immer öfter stehe ich am Meer, tief atmend vor mich hin röchelnd: „Welch Wohltat für meine malträtierten Bronchien.“ Das war mir früher, mit der Kippe im Maul, sowas von scheißegal.
Und so zieht es mich, wenn Vorfrühling sein blaues Band flattern lässt, zum Tor zur Welt, zum winddurchtosten Hafen von Hamburg, zur Fähre zum Elbstrand, wo junges Volk (und ich!) dann in der Sonne liegt. Man ahnt es schon in der U-Bahnstation Landungsbrücken, es zieht vom Hafen her wie Hecht, man kann es auch frische Brise nennen. Unten an den Pontons, wo die Fähren abfahren, atme ich dann immer tief durch. Seeluft macht frei.
Und brach heuer umgehend in einen erstickenden Hustenanfall aus. Ätzender Dieselgestank biss mir in Nase und Lunge, überall waberten Wolken dieses betäubenden Gemischs aus Altöl und Frittenfett, oder womit tanken die ihre Kähne da? Ein Blick aufs Smartphone zeigte mir, dass ich an einem der luftdreckigsten Orte des (mir bekannten) Universums gelandet war
War das schon immer so? Ist das schlimmer geworden? Bin ich empfindlicher?
Sind so viele Fragen, musst Du tüchtig trinken.
Ist mir ehrlich gesagt auch schietegal.
Wenn ich saubere Luft will, muss ich eben nach Helgoland ziehen. So sind die Kosten des urbanen Lebens nun mal. Und dieses eine Bild mit der Elbphilharmonie hat sowieso alles gelohnt, dieser natural konzertierte Metropolen-Kommentar zur Situation des Planeten:
Götterdämmerung.
26.02.2019 – Heute mal volkstümlich

Kinderzirkus vor maroder Großwohnsiedlung.
Ich habe Zirkus nie gemocht. Mir war das alles fremd als Kind, vor den Löwen hatte ich eher Angst, warum Artisten sich freiwillig in gefährliche Situationen brachten, war mir wesensfremd und Clowns fand ich einfach unwürdig. Ebenso Jahrmärkte. Das Einzige, was mich dort interessierte, war der Hauptgewinn an Losbuden: Freie Auswahl. Ich hätte dann sofort die kleine Blechschachtel genommen, die auf der Bühne der Losbude auf einem wackligen Tisch stand: Die Kasse.
Geld, was sonst. Dieses ganze Inszenierungsgedöns, der Budenzauber, die Atmosphäre erreichten mich nicht, rührten mich nie an. Die Wege des HERRN sind wunderlich, und so wurde aus mir trotz dieser frühkindlichen Anwandlungen eher ein Freund der Inszenierung und kein beinharter Kapitalist. Wesensmerkmal eines beinharten Kapitalisten ist unter anderem: Akkumulation von Kapital. Was bei Normalverdienerinnen, die die Möglichkeit der Aneignung von Mehrwert nicht besitzen, auf Anhäufung von totem Geld mittels lebendigem Konsumverzicht hinausläuft, wozu es einer bestimmten Triebstruktur bedarf oder eine solche produziert. Flach formuliert: Wenn man immer nur die Arschbacken wegen Sparen zusammenkneift, geht irgendwann die Lust am Leben flöten.
Das ist jetzt zugegeben wirklich sehr volkstümlich. Aber nur so funktioniert Kapitalismus und genau das war eine der grundlegenden Erzählungen, die unsere Nachkriegsgesellschaft am Laufen hielten: Wohlstand für alle. (In Klammern ist immer dabei gefügt: Durch Arbeit und durch Sparen. Das sind die tragenden Säulen dieser Ideologie.) Gelogen war das alles von Anfang an, aber es hat 60 Jahre einigermaßen funktioniert, sieht man von „Kollateralschäden“ wie wachsender Armut, Wohnungslosigkeit und Ausgrenzung ab. Wie das so ist mit Ideologie. Aber irgendwann ist jede Ideologie am Ende und wie sehr uns dieser Kitt, der den Laden bisher zusammenhielt, zerbröselt, ja regelrecht um die Ohren fliegt (Kitt, der um die Ohren fliegt? Geht’s noch, Fürst der Metaphern?!), zeigen zwei Zahlen, irgendwo versteckt im Kleingedruckten der letzten Tage, also wichtig: Jede*r dritte Deutsche kann nicht sparen mangels Tiri-Tari, Tendenz rapide steigend.
Und: Nicht einmal jeder zehnte 54- bis 60-Jährige will bis zur regulären Altersgrenze arbeiten.
Die Leute haben also so die Schnauze voll von der Tretmühle Arbeit, dass sie so früh wie möglich rauswollen. Obwohl sie in der Mehrzahl bestimmt keinen Plan haben, was sie dann machen sollen, und mit der Rente noch mehr überfordert sind als mit der Arbeit.
Und das ist die Kohorte der Babyboomer, die im überwiegenden Fall eine Rente oberhalb der Armutsgrenze beziehen. Die nachfolgenden Generationen sind massiv von Altersarmut bedroht, siehe u. a. Sparquote.
Wer also diese beiden Zahlen addiert und sie mit der Variablen „Zyklische Krisen des Kapitalismus“ multipliziert, erhält als Produkt dieser Gleichung den zukünftigen Zustand unseres Gemeinwesens und die psychosoziale Verfassung seiner Insassen. Eine Veranstaltung, bei der ich lieber nicht dabei sein möchte.
Mir schwebt da eher Urlaub auf Corfu vor.
25.02.2019 – Ich hätte gerne Hühnerbeine oder: das Marxsche Diktum vom Absterben des bürgerlichen Staates

Die Hölle, das sind die Anderen. Haus in einem Dorf, bei mir um die Ecke.
Ich bin mit dem Rad in 10 Minuten in der „City“ und in 15 Minuten auf dem Land, im ersten Dorf. Das ist in einer Stadt mit über 500.000 Einwohner eine tolle Lage, zumal, wenn man, wie ich, in einem Szeneviertel wohnt. Auf einem Immobilienportal würde eine derartig beschriebene Wohnung gemäß der drei Kriterien, die für Wohnungen zählen: „Lage, Lage, Lage“, sofort milliardenfach angeklickt.
Bei näherer Betrachtung schrumpft das Paradies allerdings auf Normalmaß. Wozu brauche ich die City, eine in Beton gegossene Vorhölle voll öder Langeweile und voller aufs Blut gereizter Konsumzombies (nichts gegen Zombiefilme und Konsum ….). Das Szeneviertel ist eine höllisch langweilige Ansammlung alternativer Spießer, unwillig jeder Veränderung, und relativiert sich in Kenntnis von Berliner Kiezen auf eine provinzielle Ansammlung von drei, vier Saufstuben, ein, zwei Tanzdielen und einem beklagenswerten Mangel an auch nur durchschnittlichen Speise-Etablissements, von Weinlokalen mit akzeptablen Portweinen oder Winzersekten wollen wir gar nicht reden. Und nun kommen wir zur schlimmsten aller Höllen in obiger Aufzählung, dem „Land“ oder auch das „Dorf“, 15 Minuten mit dem Radl entfernt.
Welch Paradies, jubelt da die unbedarfte Städterin, deren Enthusiasmus auch durch die volle Ladung Güllegeruch spätestens nach Verlassen der Abgasgeschwängerten Magistrale nicht getrübt wird, untrügliches Zeichen dafür, dass C6H6 seine zerstörerische Wirkungin ihrem Hirn voll entfaltet hat.
Nirgendwo gibt es hier auf dem Land einen Bauernhof, einen Landgasthof, eine Muhkuh, eine Bäuerin mit ausladendem Dirndl, es gibt einfach gar nichts, kein Ton, kein Lärm, kein Hund, einfach nur Ödnis, stumpfe Schlafstätten, Ansammlungen primitivsten Waschbetons, der kulturelle Höhepunkt solcher Höllen ist die Existenz eines Zigarettenautomaten. An solchen Orten würden selbst Zombies und Troglodyten wie Mario Barth Depressionen bekommen. Und erst solche sensiblen Seelen wie ich!

Dann lieber sowas wie Frankfurt, satanischer Hort des Kapitals, unverfroren den Fetisch Geld anbetend, ihm Statuen und Bilder bauend, auf dass der Herr resp. die Frau dieses Babylon mit einem Regen aus Salzsäure und Pech und Schwefel strafe.
Aber da ist wenigstens was los.
Wo aber ist das Rettende? Ist’s der Sozialismus in seinem Lauf? Also wenn ich mich so in der Welt umschaue, kommen mir an der Sinnhaftigkeit des Marxschen Diktums vom Sozialismus, nachdem der bürgerliche Staat in seiner vollendeten Form einfach nur abstirbt und das Proletariat dann diese quasi-Hülle übernimmt und alles wird gut, nämlich Sozialismus, angesichts des handelnden Personals ernste Zweifel. Letztlich wird da eine Hölle durch die andere ersetzt.
Bis es so weit ist, wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen, höllischen Spaß in dieser Woche.
Ach ja, einen hab ich noch. Letzte Woche beim Metzger, Frau vor mir: „Ich hätte gerne Hühnerbeine.“ Ich: „Wünschen Sie sich das lieber nicht.“
Frau und Verkäuferin, mich anstarrend: „…?“
21.02.2019 – Luxus für alle

Für flüchtige Notizen. Das Geschenk eines geschätzten Freundes und Kollegen, der weiß, wohin ich denke.
Gestern war der Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Er verwehte wie ein dürres Blatt im November, dass welk vom Baum herniedergleitet, einen müden Moment am Boden verharrt, jederzeit gewärtig, vom malmenden Schritt eines Stiefels zu Staub zerbröselt zu werden. Wenn ich zu solchen und anderen Anlässen als Akteur der Wohlfahrtsindustrie öffentlich mahne, fordere, warne etc. pp. wie hier, komme ich mir vor wie Sisyphos. Alle Jahre wieder das gleiche Lied, die gleiche Melodie, ebenso wohltemperiert wie folgenlos. Zur Zeit ist das zentrale Thema nicht nur in der Armutsbekämpfung die Wohnungsnot. Anstatt nun sinnvollerweise, strikt auf dem Boden des Grundgesetzes stehend, die Verstaatlichung aller großen, nicht gemeinnützig arbeitenden Wohnungsbaugesellschaften, womit Mafiabanden wie Deutsche Wohnen und Vonovia gemeint sind, zu fordern, katzbalge ich mich mit professionellen Akteuren aus dem Immobilienbereich um die Gründung einer gemeinnützigen Landeswohnungsbaugesellschaft. Was auch sinnvoll ist, aber für die Malaise wirkt wie ein Pflaster bei einem Beinbruch.
Der Artikel 15 GG lautet:
„Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werde.“
Außerhalb einer randständigen Linken und vernunftbegabter Alternativer ist dieser Artikel nicht mehrheitsfähig (woraus folgt, dass die Mehrheit nicht strikt auf dem Boden des Grundgesetzes steht) und so obsolet wie die Forderung nach Luxus für alle oder einer radikalen Kritik des Fetisch Arbeit. Was möglich wäre.
Kapitalismus ohne Armut, Wachstum und Arbeit geht nicht. Gäbe es keine Armut, wäre ich meinen Job los. Na ja, einen davon. Gibt schlimmeres. Ich halte mich derweil an die Maxime von Coco Chanel, nach der Luxus das Gegenteil von gewöhnlich ist. Über ihr Chanel No. 5 sagte Marylin Monroe: „“Im Bett habe ich nichts weiter an als ein paar Tropfen Chanel No. 5.“
Es gibt schlimmere Schlafanzüge. Und tröstlich für mich, dass wir uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen sollen.
Sonniges Wochenende und dito Gemüt, liebe Leserinnen
17.02.2019 – Wollen wir einen George Clooney trinken?

Nespresso Laden in der City.
Ich bin ebenso selten wie ungern in der „City“ – in dem Fall der von Hannover, könnte aber auch vermutlich jede andere Grossstadt außer Berlin sein, das den Vorteil besitzt, keine City zu haben, sondern diverse Epizentren. Unlängst wurde in der hiesigen Presse Klage darüber geführt, dass Läden wie Benetton oder Esprit in der City dicht machen, wegen Internet Handel, zu hohen Mieten etc. pp. Benetton und Esprit sind globale, austauschbare Ketten, mit austauschbarem Tinneff im Angebot, gesichtslos, stillos, dumpf. Wenn darüber schon Klage geführt wird, dass solche Ketten die City verlassen, was für ein gesichtsloser, stilloser, dumpfer Ort muss diese dann sein. Den Artikel des hannöverschen Käseblatt zur City-Krise können Sie hier nachlesen.
In ihm stehen Sätze wie: „Der Online-Konkurrenz haben Sie (die Ketten, d. A.) offenbar nicht im jeden fall etwas entgegenzusetzen.“ Rechtschreibung im Original. Diese Zeitung hat eine Auflage von mehreren 100.000 und in ihr wird die korrekte Rechtschreibung offensichtlich mit dem Würfel ermittelt. In meinem Blog geht es auch manches Mal nicht nach den Regeln des Dudens, mitunter gewollt, aber auch schlampig. Der Unterschied zwischen diesem Blog und dem erwähnten Käseblatt ist: Der Blog ist mein flüchtiges, individuelles Vergnügen, kostenfrei für jedefrau. Angesichts des Zustandes der regionalen Medien erweitere ich also meine Aussage: Nicht nur die City, auch die Welt ist ein Ort von Trübnis, Jammer und Elend. Nur ich bin gut.
Und ein inkommensurabler Pharisäer, und so kommen wir nach langem Vorspiel zum Akt als solchem, dem obigen Bild. Es stieß mir ins Auge, als ich am Freitag ins Theater eilte. „Potzdonner, Nespresso!“ dachte ich für mich. “Für diese Drecksaluminiumkapselsauerei ein eigener Laden! Den hat Satan in die Welt gesetzt. Was sind das für gesichtslose, stillose, dumpfe Menschen, die auf diese ökologisch desaströse Art ihren Espresso zubereiten.“
Und erbleichte. Denn in meinem Innern hörte ich eine Stimme aus 280 Kilometern und ein paar Zeiteinheiten Entfernung durch die Wohnung meiner Berliner Homebase tönen: „Wollen wir einen George Clooney trinken?“ Was wegen der Werbung nichts anderes als einen Nespresso meint. Sie, geschätzte Leserinnen, ahnen, wessen Stimme das war. Meine.
In unserer Wohnung in Berlin steht eine Drecksaluminiumkapselsauereimaschine namens Nespresso, und ich bin nichts weiter als ein elender Pharisäer.
Das Theaterstück war auch Scheiße. Man gab „Iggy Popp – Lust für Life“. Die Geschichte von Iggy Popp und David Bowie, die in den Siebzigern in einer WG in Berlin abhingen – 5 Minuten von meiner entfernt – und dort unter anderem das Album „Lust for Life“ produzierten, Sex and Drugs and Rock ‘n Roll eben, wie Max und Moritz sich das so vorstellen. Mich interessierte an dem Stück, wie „Stadt“ auf der Bühne inszeniert wird und Rock ‘n Roll. Beides nicht halb und nicht ganz in dem Stück, Videoprojektionen, Drehbühne, Nebel, all das ersetzt eben noch keine dramaturgische Kreativität, sondern schlägt sie im Zweifel tot. Und Iggy Popp und David Bowie waren auch nie mein Fall, beides Poser, keine Rock ‘n Roller.
Der Freitag war irgendwie ein gebrauchter Tag. Lustig war nur folgendes Fundstück aus der City, eine Tafel an einem dieser gesichtslosen hohen Häuser, in denen sich Betrüger, Gauner und Lumpen versammeln, in diesem Fall Deloitte (Legal!), Bantleon und Bethmann, feine Gesellschaften, die mit Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Vermögensverwaltung und Consulting im High-End Bereich tätig sind, die also Staaten nach bestem Wissen und ohne Gewissen zum Vorteil von Milliardären und Superreichen ausplündern.

Über ihnen aber thront das End- und Dickdarmzentrum.
14.02.2019 – 1,5 Lebensjahre im Stau oder wie ich beinahe als Lungenfacharzt geendet hätte!

Berlin, Kreuzberg. Hauptverkehrsstraße. Alles wird gut.
154 Stunden, mehr als sechs Tage zu je 24 Stunden – so viel Zeit verlor ein Autofahrer in Berlin im Jahr 2018 in Staus zu den Stoßzeiten in der Hauptstadt. Mehr als in jeder anderen deutschen Stadt. Rechnet man nur die wachaktive Zeit pro Tag, also circa 10 – 14 Stunden, legt die Staureichsten Straßen zu Grunde und inkludiert Urlaubstage, andere Straßen und andere Städte bei Dienstreisen, dann komme ich auf ungefähr 1,5 Jahre, die eine Deutsche in einem 40jährigen Berufsleben im Stau zubringt.
Nun ist über den Schwachsinn, mit Individual-Autos in Großstädten unterwegs zu sein, genug geschrieben worden, da muss ich meinen Senf nicht auch noch dazugeben. Mich hat nur das Ausmaß über die Jahre erstaunt und die Tatsache, dass die Stauzeiten abgenommen haben sollen, trotz Zunahme des Individualverkehrs und immer durchgeknallterer Karren wie diese SUVs.
Die angebliche Abnahme der Stauzeiten wird bei Frieda Normalverbraucherin wieder die Zuversicht in die technologische Intelligenz als Lösung aller unserer Probleme nähren, es lebe das elektronische Verkehrsleitsystem oder wie sowas heißt. Auf die humane Intelligenz bei Autofahrerinnen, Fußballanhängern, Helene Fischer-Fans und Thermomix-Usern zu hoffen, heißt …. (mir fällt spontan kein Vergleich ein, also lass ich es es). Ergo torkelt der Planet weiter dem Kollaps entgegen. Aber bitte erst nach meinem nächsten Urlaub. Den Flieger hab ich schon gebucht. Technologisch sind wir eben auf dem Mond, ethisch weit dahinter.
Ich war bei Liste der staureichsten Straßen in der BRD nur ein bisschen stolz, dass vier der ersten sechs bei mir in Berlin entweder direkt durch meine Hood gehen, wie der Spitzenreiter im Verlauf des Mehringdamms, oder zu den meistgenutzten Verbindungswegen von mir gehören, per Rad. Wie oft hab ich schon an der Skalitzer Str. (für Ortsfremde: Kottbusser Tor, genannt Kotti, Ort des Grusels, Hort des Verbrechens, jeden Tag Schießereien mit dutzenden Toten) an Ampeln gestanden und geröchelt.
Ist alles nicht so schlimm, behaupteten neulich Lungenfachärzte, medienwirksam auf allen Titelseiten. Heute steht irgendwo im Kleingedruckten, dass diese bezahlten Lakaien der Autoindustrie sich um den Faktor 10 „verrechnet“ haben. Weiter hatten sie gelogen: wer an einer viel befahrenen Straße lebe, atme in 80 Jahren so viele Stickoxide ein wie ein Raucher in wenigen Monaten. Tatsächlich sind es sechs bis 32 Jahre.
Sie halten dennoch an ihren Aussagen fest: Die „Größenordnung“ sei richtig.
Da freut man sich schon auf die Entfernung des falschen Lungenflügels, denn laut Lungenfacharzt war zumindest die grobe Gegend des Amputats richtig.
Mir kommt da einiges hoch. Unter anderem Erinnerungen an meine Jugend im Mathematik Unterricht. Meine Lösung für 2 x 2 war 7. Nach der allfälligen Maulschelle durch den Pauker protestierte ich: „Aber die Größenordnung stimmt doch!“ Daraufhin der Pauker:
„Wenn Du so weitermachst, endest Du noch als Lungenfacharzt.“
Ach ja, des Bildrätsels Lösung oben: Das war vor meiner Haustür während des Karnevals der Kulturen 2018. Die Yorkstr., normalerweise Heimat von ca. 50.000 Autos pro Tag, war da für ein paar Stunden für den Verkehr gesperrt und es herrschte Samba, Reggae und Karneval gleichzeitig.
Sonniges Wochenende, liebe Leserinnen.