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Die NETZ – Niedersächsische Teilhabe-Zeitung Nr. 5 ist da!

Foto---Cynthia-Rühmekorf
Ein Thema: Altersarmut (Foto: Cynthia Rühmekorf)
Zentrales Thema der NETZ: Armut und Ausgrenzung in Niedersachsen. Hier die komplette NETZ Nr. 5
Viele Beiträge sind von engagierten Betroffenen und deren Initiativen. Die NETZ ist ihr Organ. Sie soll bei Verbänden, in der Politik und Öffentlichkeit das Bewusstsein für eine nachhaltige Bekämpfung von Armut fördern. Die NETZ erscheint in unregelmäßigen Abständen seit 2014. Sie wird kostenfrei an Verbände, Parteien, Jobcenter, Bürgerämter, Betroffene in ganz Niedersachsen verteilt. Die LAK ist Mitherausgeberin der NETZ, die von den LAK Mitgliedern Caritas, Diakonie, Paritätischem und der LAG Freie Wohlfahrt finanziert wird. Die kostenlose Druckausgabe geht in den nächsten Tagen in den Vertrieb.
Themen unter anderem:
Reichtum. Macht. Armut.
Regelsätze Hartz IV.
Wohnen ist ein Menschenrecht.
Bedingungsloses Grundeinkommen.
Betroffenenbeteiligung.
Projekte, Termine, Infos.
Und Kultur. Auszug aus dem Gedicht „Umverteilen!“ von Hermann Sievers
„…
Und damit es auch der Letzte kapiert,
wird hier am Schluss klar konstatiert:
Es geht nicht um Neid,
es geht um Gerechtigkeit!“

Ich hab in meinem Leben viele Projekte gemacht, aber die NETZ ist das, wo mit am meisten Arbeit drinsteckt. Es ist mir deshalb auch eins der liebsten, weil es beinhart antizyklisch ist. Im Zeitalter von Digitalisierung und Zeitungssterben ein Papierprodukt auf den Markt zu bringen und zu glauben, dass es auf Akzeptanz stößt (was es tut, die Auflage ist blitzschnell vergriffen), das zeugt von gesundem Optimismus. Außerdem kriege ich als Mitherausgeber und presserechtlich Verantwortlicher im Zweifel die Prügel ab und das schätze ich ganz besonders, mich dann als Rebell und Märtyrer inszenieren zu können, der postwendend zum Gegenangriff übergeht.
Natürlich ist das Projekt auch inhaltlich sinnvoll, nützlich, einmalig, integrativ, alles, was Sie an demokratischem Schneckenfortschritt wollen. Aber: Ich handele definitiv nicht nur nach intrinsischen Motiven. Durch das schlichte Kleid meines sozialen Engagements blitzt durchaus das güldene Gewand der Eitelkeit hervor.
Und ich kann nur hoffen, dass ich in diesem Leben keine große Erbschaft mache oder im Lotto ein paar Millionen gewinne. Ich möchte nicht, dass meine lautere Gesinnung in Sachen „Umverteilung“ auf die Probe gestellt wird, gemäß der alten Weisheit:
Das Herz schlägt links, das Portemonaie sitzt rechts.

02.04.2018 – Frauen

frauenbild
Frauenbilder. Galerie in St. Paul-de-Vence. Ein pittoresker Ort in Südfrankreich, der auch die Fondation Maeght beherbergt. Das ist ein zauberhaft gelegener Skulpturenpark mit einer der teuersten Altmetallsammlungen weltweit. Dort stehen Werke von Calder, Giacometti, Miro, etc. sicher hunderte von Millionen wert. Das Zeug ist nicht mein Ding, klassische Formenkonservative, bei der die Zeit vor und diesseits der Popart endet, aber alles ist extrem geschmackvoll in überwältigender Natur arrangiert.
Leider hat der Besucherstrom auf den Ort ausgestrahlt und es befindet sich in St. Paul-de-Vence die mit Abstand größte Galeriendichte, die ich je auf einem Quadratkilometer gesehen habe. Diese Galerien sind ohne jede Ausnahme Orte des Grauens, eine Ansammlung von Volkshochschulkurs-Müll bis hin zu Versandhandel-Kunsthandwerksschrott. Ist die Kunst in der Fondation angenehm konservativ, so ist sie in St. Paul keine, muss unter allen Umständen sofort weg, ins All am besten, und ist im Zweifel beinhart reaktionär. Wie im Fall der oben abgebildeten Frauen, eine feuchte Altmännerphantasie von jungen, unverdorbenen Mädels mit Idealmaßen, wie sie keine Frau hat, schüchtern, aber erwartungsvoll (fehlt bloß noch der verheißungsvoll geöffnete Mund) und natürlich demütig auf den Knien vor dem Meister, alles in einen grauenhaften Naturalismus gegossen, also ob es schon das 19. Jahrhundert nicht gegeben hätte. Fluchend schüttelte ich den Staub des ansonsten wirklich sehenswerten Ortes von meinen Füßen und schickte ein Stoßgebet gen Himmel: Oh Göttin, lass Vernunft und Fortschritt regnen.
Um bald darauf vom nicht vorhandenen Regen in die Traufe zu gelangen.
Wie üblich hing ich mit einem Buddy zu Ostern in der Kirche ab, in der ich vor dem Krieg die Weihen als Messdiener erhalten hatte. Messdiener bin ich nicht mehr, zum Bischof hat’s auch nicht gereicht und mit dem Glauben ist das so eine Sache.
Besagter Buddy hängt eher einem Straight-Edge Glauben an. Was Diskussionen eher zu Satireveranstaltungen macht, denn fragt man zwei Bibelexpertinnen zur Auslegung des Lehrbuchs für angewandten Aberglauben, kriegt man vier Meinungen.
Ich halte dagegen, dass Jesus eine Frau war und Gott in Wirklichkeit eine schwarze behinderte Lesbe, was von Männern im Laufe der Jahrhunderte aus der Originalbibel zensiert und umgeschrieben wurde auf eine eindeutig Schwanzzentrierte Bibelexegese. Daraufhin werden mir regelmäßig mehrere 1000 Jahre Fegefeuer angedroht, was ich angesichts der derzeitig sibirischen Ostertemperaturen eher für eine Verheißung halte.
Es begab sich aber, dass das österliche Evangelium heuer Johannes 20/29 war und siehe, dort heißt es über das leere Grab von Jesus zu Ostern:
„… aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, …“
Als ich diese Stelle vernahm, fuhr ich elektrisiert aus meinem Phantasien hoch, in denen mir in der Hölle gerade hochhackige und bestrapste Teufelinnen mit Peitschen zusetzten.
Das war der Beweis! Das war noch eine unzensierte Bibelversion! Kaum waren die letzten Akkorde der österlich brausenden Orgel verklungen, packe ich besagten Buddy sowohl am Revers als auch am Verstand:
„Jesus war eine Frau! Die Bibel sagt es!“
Buddy: „Hä?“
Ich: „LeinenBINDEN! Da lagen Binden im Grab!“
Mein Fegefeuer-Strafmaß erhöhte sich stante pede auf mehrere Zehntausend Jahre. Hoffentlich wird es bald wärmer…
st.-paul
St. Paul, Ort der Schönheit und Ausgeburt der Hölle, Du siehst mich nicht wieder solange auch nur eine Galerie Dein Inneres beherbergt.

31.03.2018 – Hass

kopflos
Kopflos
Interessanterweise gehört der Hass im Gegensatz zum Jähzorn oder zur Wut nicht zu den Todsünden im Christentum, obwohl er als Konsequenz die mörderischsten Auswirkungen hat. Basis für den Holocaust zum Beispiel war der flächendeckend existierende Judenhass in der Bevölkerung. Ich hab keine Ahnung, warum der Hass bei den Todsünden nicht explizit erwähnt wird, ich bin nur insofern Theologe als mein Vater Theo hieß. Ich habe eine Vermutung: immer wieder beschworene Kernbotschaft des Christentums ist die Liebe (eine sprichwörtliche Himmelsmacht), sei es Gottes- oder Nächstenliebe. Wer derartig exzessiv auf einer Emotion insistiert, der hat, das wissen wir aus drei Sylvestern Küchenpsychologie, heftige Probleme mit deren Komplementär-Emotion. Und das ist im Fall Liebe: Hass. Ein Blick in die Geschichte des Christentums zeigt, wie diese verdrängte Obsession Hass sich mitunter verheerend Bahn brach: siehe Frauenhass und Hexenverbrennung oder Hass auf Andersgläubige wie eben auf Juden, oder auf Moslems, siehe Kreuzzüge. Dass der Muselmann (die Muselfrau weniger, die hat da nix zu melden) um kein Jota besser ist, zeigt der Blick in die Tagespresse (Interessante Frage: Wann wird man diesen Ausdruck mal erklären müssen?).
Weiter mit der Fackel der Aufklärung in die Düsternis der Religionen geleuchtet:
Der bei unseren alternativen Dumpfmeisterinnen so beliebte Buddhismus mit dem vor Schlichtheit nur so brummenden Dalai Laba ist auch weit entfernt von einer hierzulande imaginierten Friedfertigkeit. Die Vertreibung und Ermordung der muslimischen Rohingya in Burma wird von Buddhisten forciert, da sind Mönche oft nichts weiter als in Kutten gekleidete Mörderbanden. Was die im intellektuellen Dauertran befindliche Oberregierungsrätin beim Besuch des Dalai Festzeltes und beim besinnungslosem Röcheln des „Onanie padme hum“ Mantras gerne ausblendet oder sicherheitshalber gar nicht erst weiß.
Einzig das Judentum macht sich, was Weltreligionen angeht, in Sachen Hass relativ locker, was insofern erklärlich ist, als sich die Juden für das auserwählte Volk Gottes halten und von keinerlei Missionierungsdrang beseelt sind. Alle anderen Religionen wollen bekehren und missionieren. Sie nehmen allzeit die Missionarsstellung ein, welche die Langweiligste von allen ist.
Vorösterliches Hass-Fazit: Religionen sind eine Ausgeburt der Angst. Sie sind die Antwort auf eine unverständliche und grausame Welt. (Arthur C. Clarke. Das ist der mit Odyssee im Weltraum). Am sympathischsten ist mir da das Judentum, welches sich nicht gemein tut. Dieser Hochmut des Nichtmissionarischen hat was Dandyhaftes. Und wenn ich etwas schätze dann das Dandytum.
Was bleibt?
Aufklärung, Verstand, Vernunft.
licht
Mehr Licht!

30.03.2018 – Eitelkeit

vip
Ich – an VIP Tisch.
Eitelkeit ist aus christlicher Sicht eine Todsünde. Sie wird unter Hochmut subsumiert. Die Höllenstrafe dafür: Alle Knochen werden gebrochen und man wird aufs Rad geflochten. Oje, da steht mir ja was bevor. Andere Todsünden wie Geiz und Neid sind mir fremd, aber als der liebe Gott die Eitelkeit verteilte, hab‘ ich mich zweimal angestellt. Weitere Todsünden sind z. B. Faulheit und Wollust. Da lugt doch schon gnadenlos das kapitalistische Ethos vom Triebverzicht und Fleiß durch die biblische Hintertür, Jahrhunderte bevor der Kapitalismus überhaupt in die Welt kam. So ist unter anderem auch der Erfolg des Christentums zu erklären: es definierte die Wirkmächtigkeit von gesellschaftlichen Erfolgsmodellen und setzte ethische Maßstab in die Welt, als man von sowas wie „Soziologie“ oder auch dem Sachsenspiegel und ähnlichen Codizes noch nicht mal träumte.
Bei aller Eitelkeit bin ich mir allerdings der Vergänglichkeit allen menschlichen Tuns durchaus bewusst. Wenn ich morgen tot umfalle, dreht sich die Welt trotzdem weiter und wie lange würde wohl keine Henne mehr nach mir krähen. Also tiefer hängen, mal viere gerade sein lassen und über sich selbst lachen. Gelacht habe ich jedenfalls, als ich unlängst eine Meldung in der HAZ las, wo es hieß: „Mit einem prominent besetzten Podium diskutiert Hannovers Linken-Ratsfraktion am Montag, 25. März, darüber, wie sich Obdachlosigkeit in Hannover verringern lässt. Unter anderem sind Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf, Klaus-Dieter-Gleitze von der Landesarmutskonferenz, ein MHH-Oberarzt, ein Schuldnerberater und andere Mitdiskutanten vertreten.“
Bei der Lektüre ging es mir ungefähr wie folgt durch den Kopf: „Das hat die HAZ in meinem Sinne schon ganz ordentlich gemacht, Oberärzte und andere Subalterne werden da namentlich gar nicht weiter erwähnt. Nur, liebe HAZ: falsche Reihenfolge! Sozialdezernentinnen haben sich da hinten anzustellen.“
Mein Gelächter angesichts solch despektierlicher Gedanken vertiefte sich noch angesichts der Tatsache, dass ich am Tag des angekündigten Events ungefähr 1.500 km weiter südlich am Mittelmeer an obigem VIP Tisch saß. Was der Veranstalter seit meiner diesbezüglichen Absage vor langer Zeit wusste. Früher hätte ich mich über sowas geärgert.
Angesichts der Vergänglichkeit allen menschlichen Tuns aber orderte ich noch einen Rosé und ließ die liebe Göttin eine gute Frau sein. Schließlich steht ja Ostern vor der Tür.
Das Einzige, was mir im Moment noch Sorgen macht, ist die Sache mit der Höllenstrafe, den gebrochenen Knochen und dem Rad. Die Nummer mit dem Beichten funktioniert nämlich nicht so, wie der Volksmund glaubt: Einfach Beichten, gut ist und von vorne – oder auch hinten – weiter sündigen. Die Beichte funktioniert nur, wenn sie im Zustand tätiger Reue erfolgt (siehe auch die Strafmilderung nach § 306e StGB).
Was soll’s.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen, entspannte Feiertage und viel Spaß bei Ihren Lieblingssünden.

29.03.2018 – Geld

zwille
Zwille. Von Gerhard Seyfried, 2018. Zitat aus dem „Tagesspiegel“:
„Mit den Geschichten von Zwille und Co. wurde er in den 80er Jahren zum Star der linksalternativen Szene und bekanntesten deutschen Comiczeichner. Seine Alben durften in keiner linken WG fehlen, seine knubbelnasigen Polizisten, Freaks und Weltverbesserer wurden ungezählte Male auf Flugblättern und in Schüler- und Studentenzeitungen nachgedruckt. Doch Ende der 90er Jahre kehrte Seyfried den Comics den Rücken, vor allem wegen der schlechten Bezahlung, die dem enormen Arbeitsaufwand für diese Kunstform nicht mehr gerecht wurde.“
Dass jemand wie Seyfried von seiner Arbeit kaum leben konnte, ist bezeichnend für die damalige linke Kulturszene. Heute gibt es eine solche Szene nicht mehr. Aber damals war es fast ehrenrührig, von Kulturarbeit leben zu können, überhaupt damit Geld zu verdienen. Geld, igitt.
Ich habe alles von Seyfried und mir den neuen Zwille Band natürlich sofort gekauft, als Nostalgie-Reminiszenz und Einstimmung auf mein Kreuzberg Jahr. Natürlich werde ich auch dieses Jahr wieder auf dem „Karneval der Kulturen“ meine Hüften zu Sambaklängen kreisen lassen – wenn ich’s nicht gerade im Kreuz habe – und selbstverständlich in Schwarzleder, mit finsterer Miene und geballter Faust in der Tasche auf dem „Carnival of Subcultures“ abhängen in der legendären Köpi.
Soviel „Bullenwannen“ (O-Ton Seyfried 80er) wie da auf einem Haufen habe ich sonst noch nirgendwo in den letzten 30 Jahren gesehen. Ich ziehe mich altersgemäß vor Einbruch der Dunkelheit und der Ritualkrawalle zurück. Die Bubumaschine ruft früh und vermutlich würde ich bei gutem Wetter abends auch gerne noch draussen im Britzer Schloss Restaurant speisen. Einwänden von linken, rechten und radikalen Spießerinnen der Mitte, Köpi und Britz, das würde doch überhaupt nicht zusammenpassen, würde ich entgegenhalten: Doch. Passt schon. Nur wer auf allen Hochzeiten in der Lage ist zu tanzen, kann beurteilen, wie die Musik wirklich spielt. Das kann sich natürlich nicht jede leisten. Und damit meine ich auch nicht nur die materiellen Kosten. (Das wäre übrigens die korrekte Forderung: Britz für alle!).
Für alle gutwilligen Leserinnen habe ich einen exclusiv Tipp: Das Britzer Schloss Restaurant ist der Ausbildungsbetrieb eines großen Hotels, da arbeiten nur Lehrlinge und deshalb gibt es Happe auf hohem Niveau im charmanten Ambiente zu relativ günstigen Preisen. Vielleicht sehen wir uns da mal, dann winken Sie mir gerne freundlich zu.

28.03.2018 – Sex

kanone
Symboldarstellung.
Fort Dick, so heißt ein Ort in den USA. Ich musste lachen, als ich den Namen in einem Artikel las über ein Pornoportal, das den Einwohnerinnen von Orten mit vermeintlich „schlüpfrigen“ Namen lebenslange kostenlose Mitglied(auch ohne Glied? hahahaha,)schaft verspricht.
Ein gelungener PR Gag mit eher pubertärerem Humor. Aber wer frei von pubertären Anwandlungen ist, der werfe den ersten Stein. Ich für meinen Teil (für wessen sonst?) musste auch über „Horni Police“ lachen. Und damit wäre das Thema Sex abgehakt, was ich ja für diesen Blogeintrag im letzten versprochen hatte, wie ich in einem der seltenen Fälle, wo ich nochmal nachgelesen habe, feststellen musste. Aber ein Header „Sex“ verkauft sich 10x besser als „Kritische Würdigung des SPD Vorschlags zur Abschaffung von Hartz IV“. Da läuft einem nach den ersten zwei Wörtern schon die Leserinnenschaft weg.
Der Vorschlag ist aus mehreren Gründen interessant: Für die SPD kommt die Abkehr vom Prinzip Agenda 2010 zu spät. Wenn der Markenkern, also Solidarität bei der SPD, beschädigt ist, hilft auch kein kosmetischer Relaunch mehr. Der FDP würde es ihre Klientel auch nicht verzeihen, wenn sie sich auf einmal nachhaltig gegen Steuerhinterziehung engagieren würde. Der Vorschlag geht aber tendenziell in die richtige Richtung, wenn man auch über vieles im Detail diskutieren kann. Die Causa ist insofern interessant, weil auch dieser Vorschlag ein Indiz dafür ist, dass Parteien im Zweifel solidarischer, fortschrittlicher aufgestellt sind als das „Volk“, vulgo die Wählerinnen. Siehe auch die Tatsache, dass laut Verteidungsministerin von der Leyen die Hitler-Wehrmacht nicht mehr für die Traditionspflege der Bundeswehr zur Verfügung steht. Wo doch die Mehrheit des Mobs meint, es war nicht alles schlecht bei Adolf. Nur das mit dem Autobahnbau, das hätte er sein lassen sollen.
Das Volk wird immer asozialer und reaktionärer. Und so traurig das ist: man muss Parteien (na ja, einige, nicht alle) als konstituierenden Bestandteil von Staat gegen die Gesellschaft in Schutz nehmen. Sie sind eine Art Brandmauer vor dem Verfall. Bis auf die AfD, die ist dann doch mehr eine Art Brandsatz.
Demokratie des Volksentscheides? Dann wandere ich aus. In den Süden. Wo es noch archaisch beschissen zugeht, wie hier im Bild.
arabisch
Heute noch in Betrieb. Arabisches Stehklo.
Schrecken früherer Trampurlaube in südlichen Gefilden. Wer jemals besoffen ohne Training im Stehen gekackt hat, weiß was ich meine.

19.03.2018 – Drogen

kunst
Hoch lebe unser Bundeskanzler. Mit Kunst.
Das Bild muss um die Jahrtausendwende entstanden sein und ist ein flammender Apell gegen die Legalisierung von Drogen. Wenn dabei Personenkult um einen Parvenü rauskommt, dann lieber jeden Tag zwei Liter Kaba, der Plantagentrank. Gibt’s den noch?
Das ist übrigens ein beliebter Kunstgriff auch von mir seit Jahrzehnten, irgendeinen öffentlichen Blödsinn machen, was Illegales, und dann das Etikett „Kunst“ drauf pappen, im wahrsten Sinne des Wortes, ich habe mehrere Schilder, wo groß und breit draufsteht: Kunst. Sobald man die öffentlich hochhält, kann man sich fast alles erlauben. Sogar auf einer Theaterbühne rauchen. Ist ja Kunst. Insofern habe ich mit einem Schmunzeln wahrgenommen, dass der MdB Diether Dehm bei der Kurdendemo in Hannover am Wochenende bei seiner Ansprache ein Bild von Öcalan hochhielt, obwohl das verboten ist. Er behauptete, das sei Kunst. Er wurde polizeilich behandelt und es ist keineswegs so, wie das Zentralorgan der hiesigen Schnarchsäcke, die HAZ, behauptet, dass ihm nun Ärger droht. Richtig ist vielmehr, dass der Repressionsapparat am Ende des Tages den Kakao auch noch wird austrinken müssen, durch den er gezogen wurde. Und Genosse Dehm hat eine PR, für die er bei einer Agentur Tausende zahlen müßte.
Sie machen es einem aber auch leicht. Ich stehe auch deshalb auf öffentlich inszenierte (Kunst-)Raufhändel, weil ich im Zweifel immer einen Tick dickfelliger und witziger bin als der Rest. Wer hat schon gerne eine Mahnwache vor seiner Homebase von jemandem mit einer Pappnase im Gesicht (witzig! Hohoho!) und einem KUNST-Schild vor dem Bauch, der aus dem Grundgesetz zitiert, worüber dann die BILD berichtet…
Soviel zum Thema Drogen. Im nächsten Blogeintrag geht es um Sex. Bleiben Sie drin, liebe Leserinnen!

18.03.2018 – Gewalt

kurden
Kurdendemo am 17.03. bei mir umme Ecke. Sympathisches Völkchen allein aus dem Grund, weil Vermummung hier nur aus Wettergründen geschieht. Es war nur wenig über 0 Kelvin, das ist ziemlich frisch, und der Wind, der dabei blies, hat mir ein Lied erzählt, in dem es um eine Mama ging, die ihren Sohn Kelvin nannte statt Kevin. Vermummung fand bei der Demo auch aus Vorsorge gegen Repression statt. Das lassen wir nochmal durchgehen, zumal bei den Kurden keine Frau auf die Idee käme, eine Gesichtswindelartige Burka, Nikab, Tschador oder Hidschab zu tragen, was weitere Sympathiepunkte gibt. Es war bunt, es war laut, es war schön, ich zog meiner Wege. Solidarität ist bei mir auch an Temperaturuntergrenzen gebunden. Gewalt gab es bei der Demo wohl nicht. Eine Ecke weiter stieß ich auf jenes zumindest korrekt gegenderte Plakat
liebe anwohner
Plakat.
Kurden werden seit Jahrzehnten Krieg und massiver Gewalt ausgesetzt. Durch die Linke geht seit ihrer Existenz eine unsichtbare Demarkationslinie, die Frage: Wie hältst Du es mit der Gewalt? Hier ist weder Raum noch Zeit für das Nachbeten von diesbezüglich divergierenden Positionen. Nur ratterte beim Anblick des Plakates bei mir die Decodierungsmaschine:
„ … ob direkte Aktionen, die die Verwertungslogik des Kapitalismus direkt angreifen …“
Ob die jungen Aktivist*innen die Formulierung im Giftschrank ihres vormals revolutionären Papas neben den privat gedrehten Pornos (nicht die mit der Mama) gefunden haben? Also mich erinnert das an die Action directe, die die „Verwertungslogik des Kapitals“ na ja, sagen wir mal, ziemlich direkt angriffen hatte in den Achtzigern.
Die Wut auf die Verhältnisse wächst überall, rinks wie lechts, und ein Kristallisationspunkt ist sicher Gentrifizierung. Bin gespannt, worüber wir in fünf Jahren reden. Aber bevor der staatliche Repressionsapparat gleich wieder loshyperventiliert: Aus den jungen Leuten wird sicher mal ordentliches, Außenminister oder die Richtung. Die lassen sich jetzt mal den Wind um die Nase wehen, erproben den Erwerb von Karrierekompatiblen Durchsetzungsfähigkeiten, wandeln halt auf dem Joseph-Fischer-Gedächtnispfad. Mit einem Stein in der Hand kommt man auch bei uns später ziemlich weit.
Allerdings sind mir die Plakatkleber*innen 10x lieber als all jene Duckmäusinnen, die ihre Vitalfunktionen in dem Moment einstellen, wo die Abifeier vorbei ist.
Was kann man über Jens Spahn sagen, ohne beleidigend zu werden? Gibt es Positives über diesen Lemuren zu berichten? Zwei Dinge: er ist nie einer geregelten Arbeit nachgegangen, hat 28 Semester studiert und in betrügerischer Absicht Staatsknete abgegriffen.
Wenn sich der Mann auf meine Einladung zu einem Armuts-Praktikum meldet, werde ich mindestens in direkter Aktion die Reste-Verwertungslogik des Parlamentarismus direkt angreifen. Mit so einem ekligen Menschen möchte ich ganz bestimmt nicht den ganzen Tag abhängen.
Hasta la vista, Baby.

16.03.2018 – Schafft das Wetter ab.

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Naive Einfallspinselinnen hauchen bei dem Anblick romantisch entzückt: „Ach, das sieht aber schön aus!“
Gemäß dem Newtonschen Axiom: Einfallspinsel gleich Ausfallspinsel werde ich bei solchen Äußerungen ausnehmend ausfallend. Wer derlei Natur- und Wetterkitsch von sich gibt, kann das Wesen der Dinge nicht von ihrer Erscheinungsform trennen. Was so vorgeblich romantisch aussieht, sorgt in der Großstadt für Matsch, Verkehrschaos, ich kann nicht Radfahren, das ist eine Kränkung der Natur mir gegenüber sondergleichen, Dreck auf meinen Fußbodenkacheln, gefrierende Glätte, ich stürze, Oberschenkelhalsbruch, das war’s in meinem Alter, Ende, Exitus. Das ist wetterbedingter Mord an mir durch die Natur. Normalerweise brauche ich auch gar keine Natur, ich habe einen Garten.
Aber der sah so aus wie oben und das soll wiederkommen, Mitte März minus 10 Grad! Das ist krank, unzivilisiert, barbarisch, schlimmer noch: romantisch, siehe Bild. Bekanntermaßen führt ein direkter Weg von der Romantik in den deutschen Faschismus, das wissen sogar Stupidienräte, die das in ihrem Zentralorgan, der „Zeit“, lesen konnten , bei deren Lektüre ich normalerweise bitterlich um jeden Baum weine, der dafür sterben musste. Also ist Wetter was genuin Faschistisches und gehört abgeschafft. Nieder mit dem Wetter! Kloppt die Natur in die Tonne, meinetwegen in eine Biotonne. Ich bin urban, zivilisiert, und liebe Metropolen. Was hat die Natur zu bieten?
Zecken und FSME. Jetzt auch an meinem Badesee. Es reicht.
Was tröstet? Ich bin nicht mehr nur „regional teilbekannt“, wie mir ein Kunstkollege mal treffend hinterherwarf. Ich bin jetzt prominent. In Bad Pyrmont. Solche Sätze über die dortige Veranstaltung zu Armut wie: „Die eingeladenen Mitdiskutanten … waren sich im Grundtenor mit Gleitze einig“ gehen mir runter wie Öl, Nektar und Portwein. Sowas heißt übersetzt: Ich sage an, wo es langgeht und der Rest hinterher. Für einen eitlen Fatzke wie mich besteht in so einem Fall die Morgenzeitung zwei Stunden lang in der ausschließlichen Lektüre eines solchen Satzes. Mit Nebensächlichkeiten, ob das denn fachlich alles seine Richtigkeit hatte, was ich von mir gab, befasse ich mich da nicht. Und glauben Sie mir, wenn Sie es nicht ohnehin schon lange wissen, liebe Leserinnen, alle Männer sind so. Ich bin nur ehrlicher als der Rest.
Davon abgesehen ist das Bündnis gegen Armut in Bad Pyrmont eine tolle Sache. Es ist sich auch der Ambivalenz seines Handelns durchaus bewusst: das notwendiges zivilgesellschaftliches Handeln unter Umständen den Staat veranlasst, sich aus seiner verpflichtenden Rolle als Organisator der Daseinsfürsorge zurückzuziehen. Und das ist eine noch größere Sauerei als …siehe oben .. das Wetter.
Das Positive zum Schluss:
OSK-Die-Mauer-zwischen-Arm-und-Reich-
Trump ist endlich zur Vernunft gekommen und hat seine Mauer-Obsession in richtige Bahnen gelenkt. Er reißt jetzt welche ein, die zwischen Arm und Reich!
Demnächst auch in Ihrer Region! Bleiben Sie drin.

12.03.2018 – Wissenschafts-Sensation: Neueste Studien belegen, dass Studien überflüssig sind!

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Aktion zur zwei Klassen Medizin, 20 Jahre her. Wenn ich allein meine Aktions-Kunstwerke katalogisieren sollte, müsste ich ein Sabbatical einlegen. Mach ich auch. Aber nicht deswegen.
Das Wissenschaftsmagazin Lancet wird in einer seiner nächsten Ausgaben über eine Studie berichten, die die grundsätzliche Wirkungslosigkeit und mangelhafte Aussagefähigkeit von Studien belegt. Die Studie wurde am MIT erarbeitet von Dr. Hoffstetter und Dr. Rostenkowski. Vom Verfahren her handelte es sich um eine epidemiologische Studie, es ging also um Inzidenz und Prävalenz, um die Verteilung und zeitliche Veränderung der Häufigkeiten von Studien innerhalb eines definierten Bereiches sowie um deren Ursachen und Wirkungen.
Eigentlich wollte ich zur SPD nichts mehr sagen, hatte sich für mich erledigt. Mich erinnert die SPD an meine Kindheit auf dem Lande. Wenn Omma ein Suppenhuhn brauchte, kam Onkel Gustav rüber, griff sich ein gackerndes Huhn vom Hof, hackte ihm auf dem Hackklotz mit der Axt den Kopf ab und warf den über den Zaun auf die Bahngleise, die am Hühnerhof vorbeiführten. Der Kopf vollführte auf dem Bahnschotter noch eine ganze Weile ein Eigenleben, Augen zu und auf, und der Restkörper flatterte mit beiden Flügeln (Achtung! Polit-Metapher! Sie ahnen schon, worauf das hinausläuft …?!) munter weiter. Also das Huhn war eigentlich tot, zeigte aber noch Vitalfunktionen. So wie die SPD. So, jetzt ham wer‘s. Pointe, Narhalla Marsch und Tusch.
Wie ich mich dabei als kleiner Pöks fühlte, fragen jetzt traumatisierte Großstadtweicheier? Ich fand’s lustig. Dörfliches Entertainment, Leben in der Bude – sieht man mal vom Huhn ab. Später, als ich durch Europa trampte, landete ich in Portugal bei einer Gastfamilie, wo ich ein paar Monate wohnte, ziemlich in der Pampa in Sao Pedro de Muel. Es gab mitunter Kaninchen. Die fielen nicht vom Himmel oder machten vor der Haustür Selbstmord, die waren in Ställen auf dem Hof. Wenn ich da einen Ohnmachtsanfall gekriegt hätte von wegen, ach, das Hasi hat doch gestern noch mit großen Kulleraugen in die Welt geguckt, wär ich da nicht alt geworden. Wer grundsätzlich nicht bereit ist, das, was er oder sie isst, auch zu töten, sollte Vegetarier*in werden. Ich esse wenig Fleisch, aber Vegetarier bin ich nicht.
Ob Olaf Scholz & Hubertus Heil Vegetarier sind, weiß ich nicht. Ich vermute, die haben so viel Stoffwechsel wie Emotionen – gar keinen. Als ich hörte, dass diese Prototypen eines Apparatschicks, diese seelenlosen Agenda 2010 Roboter, die ursächlich mitverantwortlich sind für den Untergang der SPD, jetzt auch noch Minister werden sollen, habe ich dann doch gelacht. Bei der Wahl zwischen Pest und Cholera hat die SPD beides gewählt. Das muss man erstmal hinkriegen. Das als Epitaph auf die Arbeiterbewegung.
Ich hab meine Dipladenien schon rausgestellt. Wenn das mal kein Fehler war. Soll frostig werden. Ihnen, liebe Leserinnen, einen excellenten Start in die Woche und viel Spaß beim Osterlammfilet mit Rosmarin. Ich empfehle dazu mal keinen Rotwein, sondern einen festlichen Weissburgunder von Markus Molitor. Wohlsein.