
Bei mir um die Ecke. Genossinnen, ich bin ja bei Euch, aber spätestens wenn der Miethai mit 20.000 Euro für einen Auszug lockt, fängt die Einheitsfront an zu bröckeln. Von der Gentrifizierung zum allgemeinen Verfall der Gesellschaft ist es nur ein kleiner Schritt:
Audi wechselt den halben Verstand aus.
Hab ich gestern als Schlagzeile gelesen. Es war aber nur der halbe Vorstand. Absurdes Theater, diese ganze Auto-Posse. Es ist aber nicht die böse Politik, die schuld ist, oder die bösen Unternehmen, dass die böse Luft so dreckig ist, hust hust röchel röchel. Schuld ist die aktuell übelste Ansammlung von Halunk_innen dieses Planeten, eine Bande von Schwerkriminellen, für die ohne jeden Zweifel der Paragraf 129 StGB zutrifft, der die Bildung krimineller Vereinigungen unter Strafe stellt. Die Rede ist von: Eltern. Man gucke sich nur morgens vor den Schulen an, wie diese Bande ihre Brut da ablädt, rücksichtloses Auto-Gedränge und jede Menge SUVs und Zuhause noch den Drittwagen in der Garage. Damit dokumentieren Eltern, dass sie um keinen Preis gewillt sind, ihrer Brut einen Planeten zu hinterlassen, der wohn- und lebenswert ist. Eltern sind schuldig der Zerstörung des Planeten, das ist Weltfriedensbruch und somit viel schlimmer als Landfriedensbruch nach § 125 StGB. Ich plädiere für lebenslänglich mit anschließender Sicherheitsverwahrung und Einweisung nach Bad Klappsmühlen.
Der Zustand unserer Gesellschaft als Summe ihrer Individuen ist ein pathologischer. Jede Einzelne trägt Verantwortung und damit Schuld. Die Vorstände von Audi, VW etc. für ihre Gier zu geißeln ist genauso dumm wie dem Wolf den Schafsriss vorzuwerfen. Das regt mich ehrlich gesagt am meisten auf: die ständige intellektuelle Unterforderung, der ich angesichts der Verstrohdummung dieser Gesellschaft ausgesetzt werde.
Ich bin natürlich Teil der Lösung und nicht Teil des Problems: ich boykottiere Diesel seit Jahren. Meine Dieseljacke ziehe ich seit 2015 nicht mehr an. (Die sieht auch nicht mehr so toll aus, aber erzählen Sie, liebe Leserinnen, das nicht weiter). Und wo bleibt das Positive? Hier:

Ich und die aktuelle Überschwemmung am hannöverschen Ihme-Zentrum, der größten innerstädtischen Bauruine der BRD (da wohnen aber noch über 2.000 Leute drin). Das ist das Gebäude, vor dem gestern in der Tagesschau der niedersächsische MP Stephan Weil ein Statement abgegeben hat. (Stephan Weil ist übrigens wesentlich witziger als er im TV rüberkommt, siehe hier) . Mein Alter lässt sich kaum noch kaschieren und so hat die Fotografin bei dem Foto einen Unschärfe-Weichzeichner eingeschaltet. Das finde ich – siehe oben – uneingeschränkt positiv und danke Dir, liebe Fotografin. Dafür gibt’s demnächst Freibier und Erbsensuppe.
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28.07.2017 – Neues vom Neger

Jetzt ist sie voll erblüht, die Sonnenblume „Goldener Neger“. Die 252 Zentimeter werde ich ins Guinness Buch der Rekorde eintragen lassen. Die gelben Rosen daneben sind Edelrosen in der zweiten Blüte, aus deren Blütenblättern ich Rosenwasser für kosmetische Zwecke destilliere. In einer aufwändigen Versuchsreihe habe ich festgestellt: Den betörendsten Duft gibt eine normale Heckenrose ab, die ich mal für paar Taler achtlos in eine Ecke als Lückenfüller gepflanzt habe. Da kann sich der englische Rosen-Edel-Adel aber hinter einer deutschen Landpomeranze verstecken. Moral von der Geschichte und damit kommen wir von edlen Gerüchen zu stinkendem, nämlich Eigenlob: Geld allein reicht nicht. Es braucht auch Kennerschaft und guten Geschmack. Gut, dass das Haus (früher hätte man zu den dort herrschenden Umständen nicht „Haus“ sondern „Projekt“ gesagt. Noch früher „Kollektiv“. Heute heißt das „WEG“, und das ist etwas diametral anderes als „WG“), in dem ich wohne, im Anstieg zum hiesigen Mount Everest, dem Lindener Berg, 89 Meter über N. N., liegt. So bleiben Haus, Rosen, Goldene Neger und mein Gemüt von den Wasserfluten der letzten Unwetter verschont. Jede Woche ein Jahrhundert Unwetter. Wie hier:

Strandbar, überflutet. Mir egal, aber da liegt der Einstieg in den Fluss, die Leine, für eine Aktion von mir, und den sieht man jetzt nicht. Mit anderen will ich von dort bis zur nächsten Brücke schwimmen, auch das eine Kunstaktion, zur Bundestagswahl. Details demnächst an dieser Stelle. Wird nichts am desaströsen Wahlausgang ändern, aber mir macht sowas Spaß und an mir wird es dann nicht gelegen haben. Außerdem gehören solche Aktionen zu meinem Job.
Jetzt muss ich nur noch meinen Body shapen, für das Fernsehen, und den Videoclip, den wir davon produzieren, damit die Damenwelt ob meines Sixpacks aus dem Häuschen gerät. Und hoffentlich ist das Hochwasser bis dahin weg. Dieser Fluss hat eine der stärksten Fließgeschwindigkeiten in Deutschland und ein paar hundert Meter nach unserem Ausstieg kommt ein Wehr. Mir macht das nix, ich hab eine Kampfschwimmer-Ausbildung, aber wenn vom Rest der Truppe welche den Ausstieg verpassen und im Wehr geschreddert werden, komme ich in die Tagesschau. Nur anders, als ich mir das immer vorgestellt habe.
Verantwortung ist eine schwere Last, das merk ich immer mehr.
Ich brauche dringend einen Stellvertreter, dem ich solche Schweinereien dann in die Schuhe schieben kann.
24.07.2017 – Ich hab den Größten

Goldener Neger, Sonnenblume, 252 Zentimeter reine Pflanzenhöhe.
Für eine Kunstaktion habe ich mehrere Sonnenblumen vom Typ „Goldener Neger“ angepflanzt, sie erreichen im Freigelände des SCHUPPEN 68 Rekordhöhen, wie frau auf dem Foto sehen kann. Diverse Samentüten habe ich bundesweit versandt und was man so hört, wächst der Goldene Neger prächtig und gedeiht. Aber ich hab den Größten.
Wie man 2017 eine Sonnenblume noch Goldener Neger nennen kann, ist mir rätselhaft. Vor 5, 6 Jahren hätte man noch diskutieren können, ob da Sprachtugendwächter nicht eine zu hohe Messlatte in Sachen political correctness anlegen, wenn sie gegen eine derartige Namensgebung intervenieren. Die Zeiten haben sich geändert. Political correctness ist ein mittlerweile ein Kampfbegriff der Rechten und wendet sich gegen alles, was mit Werten der Aufklärung zu tun hat. Sprache prägt das Bewusstsein und wer schlampig mit der Sprache umgeht, der sollte sein Bewusstsein ab und zu mal durchlüften. Die Diskriminierung des Anderen fängt im Kopf an und spiegelt sich in der Sprache wider.
Man wird den Neger doch wohl noch mal Neger nennen dürfen? Und Kanaken Kanaken?
Natürlich sind meine Freundinnen von der Öko Front wieder ganz vorne mit dabei, wenn es nach rückwärts geht.

Der Goldene Neger, garantiert Öko von Demeter. Ich habe diesen Ökos nie getraut, deren Horizont an der eigenen Getreidemühle endet. Wenn man Glück hat. Wenn man Pech hat, liegt die esoterisch grundierte Blut-und-Boden Ideologie gleich auf dem Nachbarfeld. Und wie die immer aussahen, mit ihren Latzhosen, ungeschminkt und jederzeit da Krawallgebürstet, wo man sich gewünscht hätte, sie würden sich mal die Haare bürsten.
Diese Demeter Samentüte allein bringt mich schon auf die Palme, in einem Deutsch, dass man weinen möchte, und so unprofessionell layoutet, …. Ach, was mache ich mir an denen die Hände braun.
Helianthus annus, so der Gattungsname der Sonnenblume, ist im Demeterfall auch falsch geschrieben. Im annus ist ein „n“ zu viel, und es ist der Ort, an dem ich die Sonnenblume bei den Demetern gerne platzieren möchte, um einen Denkprozess in Gang zu setzen.
Nachtrag zur Messlatte, bei der nicht ganz sicher ist, ob sie liegt oder steht: In der Mitgliederzeitung der IG Metall „direkt“ Nr. 9/2009 hieß es mal zu einer Tarifforderung: Die Messlatte steht. Dazu fand ich eben im Internet diesen Text von mir, aus einem uralten Satireprogramm.
Find ich heute noch lustig. Aber ich frage mich, was da in den Untiefen des Internets noch alles von mir schlummert, von dem ich keine Ahnung mehr habe…
19.07.2017 – Rechtsradikal ab durch die Mitte
Anstatt bei meinem Maßschneider in der Savile Row Anprobe zu machen, tat ich mich gestern mit dem Pöbel gemein und kaufte eine Hose in einem allgemein zugänglichen Geschäft. Degoutant. Und mein Spiegelbild in der Ankleidekabine verhöhnte mich obendrein:

Du siehst so Scheiße aus! Und Hoodies sollte ich auch keine mehr tragen. In der City waren nur Idioten unterwegs, was meine ohnehin auf dem Tiefpunkt befindliche Laune weiter absenkte. Der Wahlkampf warf seine Schatten voraus, er kehrte das Untere nach Oben respektive in die Öffentlichkeit und mir vor die Füße. Zum Beispiel die Partei „DM – Deutsche Mitte“, ein Haufen voller Niedertracht und Lumperei. Wer politische Codes dechiffrieren kann, weiß sofort, dass sich dahinter eine Bande von rechtsradikalen Antisemiten und esoterischen Verschwörungstheoretikern verbirgt.

Forderungen der Partei „Deutsche Mitte“:
– „Finanzkartell entmachten“ hieß bei Goebbels „Brechung der Zinsknechtschaft“, solche Formulierungen haben immer eine antisemitische Konnotation („internationales Judentum, die Rothschilds und das Bankenkapital“) . Der Gründer der Partei „Deutsche Mitte“ tritt folgerichtig auch als Redner bei Al Quds Demonstrationen auf, bei denen die Vernichtung Israels gefordert wird.
– „Unbeschränkte Souveränität“ ist eine klassische Figur unter anderem der Reichsbürger. Seit dem Vier-plus-Zwei Vertrag 1991 hat die BRD volle Souveränität. Wer das anders sieht, fordert unter anderem auch die Wiederherstellung des Doitschen Reiches in den Grenzen von 1254 oder ähnliches.
– „Förderung alternativer Heilmethoden“ ist eine Chiffre für esoterischen Irrsinn von Impfgegnern, der immer wieder Kleinkindern das Leben kostet.
– Vollends wahnsinnig ist die Forderung nach mehr „direkter Demokratie und Volksentscheiden“. Die Demokratie ist im Moment die Herrschaftsform, die den Staat vor der Gesellschaft schützt. Der Staat ist die letzte Bastion der Zivilisation. Wer das anders sieht, kann sich ja mal Somalia und andere failed states ansehen. Herrschaft des Volkes qua Volksentscheid? Dann wandere ich sofort aus. Nach Somalia.
Der Mob übernimmt das Sagen? Ohne Michel.
Wer es Staatstheoretisch will: Der Faschismus als Herrschaftsform ist der permanente Krieg des Staates gegen die Gesellschaft. Der Kommunismus als Herrschaftsform steht für das Aufgehen des Staates in der Gesellschaft. Theoretisch.

Redner der DM mit Merkel Mafia T-Shirt. Rechtsradikal ab durch die Mitte.
Und dann fragte mich einer dieser Troglodyten, ob ich die Deutsche Mitte mit meiner Unterschrift unterstützen würde. Es wurde dann doch noch eine für mich vergnügliche verbale Schlittenfahrt im Hochsommer.
Aber mein nächster Smoking wird wieder in der Savile Row gefertigt.
15.07.2017 – Der Tanz ums goldene Kalb

Kunstobjekt auf der EXPO 2000 in Hannover. Es scheint sich – siehe Hörner – um eine Darstellung des Bullen zu handeln, der für eine Hausse beim Aktienhandel steht. Für Baisse, also Flaute, Abschwung, steht der Bär. Vor den Börsen der meisten wichtigen Handelsplätze stehen Bulle & Bär Skulpturen, eine vollkommen verschnarchte auch in Frankfurt. Ob diejenigen, die diese Symbolik gesetzt haben, sich über deren hinterlistigen metaphorischen Gehalt im Klaren waren? Schließlich gehören ausgewachsene Bullen zum Beuteschema von Pretadoren wie dem Grizzly. Die Krise frisst uns also letztlich alle. Ins Bild gesetzter Marxismus vor den Börsen dieser Welt – find ich gut.
An das goldene Kalb muss ich im Zusammenhang mit dem vermutlich aufgeklärten Diebstahl der 100 kg Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum denken. Eine 100 kg Goldmünze ohne jeden ironisch gebrochenen Hintergedanken zu prägen, empfinde ich als perversen Kotau vor dem Fetisch „Geld“. Dass tausende Besucher solche Münzen (davon wurden mehrere geprägt) bei Ausstellungen bewundern, ist an platter „Tanz ums Goldenen Kalb“ Symbolik nicht zu überbieten. Die biblische Geschichte ging übrigens nicht gut aus. Unter anderem stiftete Moses im Zusammenhang mit der Zerstörung des Kalbes die Leviten an, 3.000 Israeliten zu erschlagen.
Also hat es mich klammheimlich gefreut, dass die Münze geklaut wurde. Robin Hood und so, künstlerischer Akt mit befreiender antikapitalistischer Wirkung. Gefreut hat mich auch, dass die Täter aus meinem Berliner Kiez, Neukölln, kamen. Die kommen direkt vom Körnerpark, einer zauberhaften Location, an der ich gerne mal für ein Jahr abhängen würde. Das färbt doch auf einen ab: „Du, da wo ich wohne, da klauen sie 100 kg Goldmünzen.“ Da kommt man sich ja fast vor wie ein Gangsta-Rapper. Yo digga, cool mon.
Gedämpft wurde meine Freude durch die Tatsache, dass die Täter vermutlich aus arabischen Clan-Zusammenhängen stammen. Ich verfalle nicht angesichts des Diebstahls in einen „Ausweisen“ Reflex“, dazu sitzt mein Vorbehalt gegenüber dem Prinzip „Kapitalismus“ zu tief. Allerdings bin ich beinharter Anhänger der Werte der Aufklärung, deren Kern ziemlich präzise im Artikel 3 des GG beschrieben ist:
„… (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie haben also in unserer Gesellschaft keinen Platz. Was das in letzter Konsequenz heißen sollte, nämlich bei massiven und nachhaltigem Verstoß gegen diesbezügliche Straftatbestände, darüber sollten sich auch Linke intensiver einen Kopf machen als bisher. Parallelgesellschaften sind nicht akzeptabel. Nein, das ist kein rechter Kampfbegriff. Natürlich gibt es Parallel-Gesellschaften in unserem Staat. Die zwei Größten heißen: Arm und Reich.

EXPO 2000 – auch parallel.
14.07.2017 – Ich habe Tränen gelacht.

Grabstein auf dem hiesigen Engesohder Friedhof. Dort liegt ausschließlich das gehobene Bürgertum. Hm.
Komödie im TV gestern: Clueless. Für Hollywood Komödien lasse ich alle anderen Kanäle links liegen, zumal das für mich auch eine Art Fortbildung ist. Es gibt keine bessere Schulung für das Timing von Pointen, den Aufbau von Spannungskurven und das Verdichten von Humorelementen auf kleinstem (Bild und Ton-) Raum als – gut gemachte – Hollywood Komödien. Clueless kam im Gewand einer Teenie-Komödie daher, verteilte aber gegen dieses verlogene Genre derart geniale und teils brutale Seitenhiebe und Leberhaken, dass mir mitunter die Tränen der Freude liefen. Über alle Bilder war eine übertrieben rosakitschige Satire-Patina gezogen, die Schauspieler überagierten permanent angemessen, die Regie zügelte sie aber meist kurz vor Slapstick und die Dialoge waren tödlich, besser kann man ein Genre mit den ihm eigenen Mitteln nicht hinrichten.
Sie, Typ zickig-überdrehter Oberschicht-Teen: “Ich möchte der Menschheit etwas Gutes tun.“
Er: „Lass Dich sterilisieren.“
Oder:
Vater zu Typ, der seine Tochter zum Date abholt:
„Hey, wenn meiner Tochter was passiert: Ich hab ne 45er und ne Schaufel und ich bezweifle, dass Dich jemand vermisst.“
Ich habe Tränen gelacht.
Morgenlektüre im Zentralorgan des niveaubefreiten regionalen Spießermilieus, der HAZ, Bericht über eine Studie an der hiesigen medizinischen Hochschule. Zitat:
„Unsere Kernaussage ist: Die meisten Frauen sind während des Zyklus viel normaler, als man denken würde“, sagte Krüger, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie an der MHH.“
Das kommt dabei raus, wenn man Insassen der Psychiatrie Studien anfertigen lässt. Ob die Weiber dem Krüger jetzt Kränze flechten werden und Denkmäler errichten?
Krüger, Du Vollpfosten, wenn Du Dich schon an die Weiber ranwanzen willst, dann fahr vorher nach Corfu, 4 Wochen im Zelt am Strand, mit den Mädels von Initiative „Synchronmenstruieren im Zyklus des Mondes“. Dann kriegst du vielleicht ein Feeling für das richtige Setting von Studien. So tust mir einfach nur leid ob des berechtigten Shitstorms an Peinlichkeit, der global über Dich hereinbrechen wird. Die Fortsetzung der Studie ist übrigens in Arbeit, mit der Kernaussage, Zitat: „Die meisten Frauen sind viel normaler, als man denken würde.“
Aber nicht alle!
Ich habe Tränen gelacht.

Auf dem Engesohder Friedhof. Gustav Noske, SPD, der die Novemberrevolution 1918 in Blut ertränkte und mitverantwortlich war für die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. In seinen Memoiren beklagte er den ostjüdischen Einfluss in der deutschen Arbeiterbewegung.
Der Text auf dem Grabstein ist aus dem „Faust“ und lautet:
„Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen,
Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen,
Mit Stürmen mich herumzuschlagen
Und in des Schiffbruchs Knirschen nicht zu zagen.“
Ich habe Tränen gelacht. Aber dieses Mal aus anderen Gründen.
13.07.2017 – Börsentipps

SCHUPPEN 68 Performance „Venceremos. No pasarán. 1987.
Unsere Gesellschaft ist gewaltförmig. Jedes Jahr werden ca. 4.000 Minderjährige krankenhausreif geprügelt , jeden Tag stirbt ein Kind an Misshandlungen. Tatort: meist Familie. Fußballspiele arten bis in die Kreisklasse immer öfter zu „Orgien“ der Gewalt aus (dass sich Autoren nicht darüber klar sind, wie tief ihre Wortwahl bis ins Schlafzimmer blicken lässt… Was für Sehnsüchte und Projektionen stecken hinter dem Begriff der Gewalt“orgie“), Autoraser fahren immer öfter bei „Rennen“ Menschen zu Tode oder zu Krüppel. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen. Gewalt ist alltäglich, und wächst. Das nehmen wir hin, verkleistern, verdrängen es.
Wieso aber rasten Teile der politischen und medialen Öffentlichkeit gerade bei der Gewalt anlässlich des G20 Gipfels in Hamburg so unkontrolliert und hysterisch aus? Diese Gewalt zu verurteilen ist eine – berechtigte – Sache, aber dabei davon zu delirieren, dass die Gewalt, die in Hamburg vom Mob ausging, gleichzusetzen ist mit faschistischer Gewalt von NSU und IS, zeigt für mich vor allem eins: Mit der Mob-Gewalt in Hamburg wurde bei großen Teilen der politischen und medialen Öffentlichkeit ein wunder Punkt so tief getroffen, dass sie noch weniger in der Lage als eh schon ist, klaren Gedanken zu fassen. Sie wurde in ihrem Kern verletzt. Sie ahnt: Da ist was faul im Staate. Die Fassade von scheinbarem Wohlstand, Wachstum, vielen bunten Jobs, vermehrten Eheschließungen und Häusle bauen erodiert. Der Kitt, der den Laden hier zusammenhält, wird immer brüchiger und an den Bruchkanten, wie in Hamburg, dampft die Kacke schon mal etwas heftiger hoch. Das erzeugt Angst, Aggression, Hysterie.
Und damit kommen wir zum Börsentipp der Woche, exclusiv für Sie, liebe Leserinnen: investieren Sie in Pharmakonzerne, die Blockbuster im Portfolio oder in der Pipeline haben gegen Angststörungen, Depressionen, Burn-Outs etc. Gucken Sie sich die Wachstumsraten von psychischen Erkrankungen an, da geht noch was an Return-on-Investment!
Auch gut für Aktien-Investitionen: Soft- und Hardware-Hersteller im Überwachungs- und Repressionsbereich, Kameras, Tränengas, Wasserwerfer, Gefängniserbauer, Handfeuerwaffen.
Und: Investoren, die sich im Bereich Gated Communities tummeln. Die werden in den Metropolen explodieren.
Das Motto für die dialektisch denkenden Investorinnen von morgen lautet:
Investiert in das, was Euch kaputt macht!
Ich bin Ihnen noch die beiden letzten Bilder von der Performance schuldig:


12.07.2017 – Über den Umgang mit dem Tod

Foto von meiner Performance „Probe III – Liegen im eigenen Grab“ (der Nachfolger von „Probe I – Wohnen in der eigenen Wohnung“ von 1995“ und „Probe II – Denken im eigenen Kopf“. Die Publikumsreaktionen habe ich mit einem Camcorder dokumentiert, damals noch analog und riesengroß (das Ding in meiner rechten Hand). Die Cassetten habe ich noch, den Camcorder auch. Wenn der aber in der Zwischenzeit den Geist aufgegeben hat, haben wir ein Problem. Respektive die Nachwelt hat das Problem, ein Abspielgerät für die Cassetten zu finden, wenn mir post mortem der Durchbruch gelingt und ich ein Megastar werde. Heitere Aussichten. Das Leben respektive der Tod kann aber noch grausamer sein, und das geht wie folgt:
Ich bin oft in Berlin. Dass ich dort trotzdem häufig Ausstellungen versäume, die mir wichtig sind, liegt in der Natur der Sache, und ist kein Drama. Richtig geärgert habe ich mich aber über eine verpasste Ausstellung 2015 mit Bildern von Wolfgang Herrndorf im Literaturhaus. Herrndorf hat tolle Sachen für die Titanic gemacht, richtig nahe geworden ist er mir aber durch seinen Blog „Arbeit und Struktur“. Dieser Blog handelt von seinem Sterben, nachdem ein Hirntumor bei ihm festgestellt wurde. Er hat dann am Ende Selbstmord begangen. Ich fand das bitter, dass ein derartig geniales Multitalent mit „Tschick“ seinen Durchbruch in späten Jahren erst dann hatte, als es ans Sterben ging. Lange Jahre trotz zahlreicher Veröffentlichungen und einiger Erfolge ein prekärer Künstler, der sich nur eine winzige schäbige Wohnung leisten konnte, dann der Mega-Erfolg, der ihn reich machen würde, und dann diese Diagnose. Liebe Göttin, mach, dass ich als Künstler nie erfolgreich sein werde und lass mich dafür lange leben! Und dass meinen Blog nur 15.000 Leserinnen pro Monat statt 15.000.000 lesen, ist auch nicht schlimm. Ich würd ihn ja selbst dann schreiben, wenn es nur 15 wären.
Es ist also alles gut so, wie es ist, und die Gemälde von Herrndorf kriege ich auch noch live zu sehen, im Kunsthaus Stade. Wie die das nach Stade gekriegt haben, würde ich auch gerne mal wissen.

Es gibt Grenzen des guten Geschmacks, was den Umgang mit Tod angeht. Heimkehr ist eine Gnade. Unsere Kameraden, Opfer der Gewalt, mahnen. 1942.
Denkmal im Gedenken an Wehrmachtssoldaten und/oder Angehörige der Waffen-SS. Irgendwo in Deutschland, tausendfach. Mögen sich die Pforten der Hölle öffnen und diese Drecksmäler versinken lassen. Was für eine Infamie, eine Bande von Killern, die ab 1939 Europa in Schutt und Asche legten und mit ihrem Mörderhandwerk dafür sorgten, dass der Holocaust hinter der Front bis fast zuletzt industriell durchgeführt wurde, zu Opfern zu machen.
11.07.2017 – Ab Morgen werde ich ein besserer Mensch
Zumindest ist das einer jener Impulse, den große, ergreifende Kunst in mir auslöst. Mich ergriff die Kunst neulich beim Abschlusskonzert im Masterstudiengang Kirchenmusik in der Neustädter Kirche in Hannover. Solche Prüfungskonzerte kosten wenig Eintritt und die Prüflinge, in dem Fall Dirigentinnen, geben sich echt Mühe. Und wann sieht man schon mal fünf verschiedene Dirigentinnen an einem Abend, innerhalb einer Komposition? Außerdem liegt die Kirche nur zwei autonome Steinwürfe von meiner Homebase entfernt.
Man gab „Paulus“, ein Oratorium von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Selten gespielt, mir völlig unbekannt. Aber gleich die ersten Takte der Ouvertüre schnürten mir den Hals zu, einfache, schlichte Streicher, aber was für eine Harmonieführung. Man wird, und so geht ja die Geschichte des Oratoriums, vom Saulus zum Paulus. Und wenn erst die Bläser zur Erlösung blasen, das hat was. Große Kunst wirkt immer auch als Katharsis. Man schämt sich ja ex post für alle Nickligkeiten. Wenn einem zum Beispiel alte Fotos in die Hände fallen, wie vom

SCHUPPEN 20. SCHUPPEN 68 Konkurrenz am Hamburger Fischmarkt? Eher nicht, den 20 gibt’s nicht mehr. Und meine Geste drückt eine gewisse Geringschätzung der Konkurrenz aus. Schäbig, schäbig.
Ebenso schäbig, aber drollig mein Kommentar zum Auftritt von Helmut Kohl in Hannover bei der 98er Wahl. Die CDU hatte mich angesichts der drohenden Niederlage für eine lustige, volksnahe Kampagne für Helmut Kohl engagiert. Mein Ergebnis fand ich sehr gut:

Original.
Meine lustige, volksnahe Kampagne für die CDU. Eine vollkommen revolutionäre & geniale Idee: Weniger Plakate, aber neben jedes Plakat ein Comedian, der volksnahe Stand-up macht!
Später überkam mich das schlechte Gewissen, ich kam mir vor wie Judas. Von der CDU Geld nehmen, das geht gaaaaarnicht. Man verrät nicht für lumpige 20.000 Mark, 98 gab es noch die DM, seine Ideale. 30.000 hätten es schon sein sollen.
In einer Nacht- und Küstennebel Aktion habe ich das Original dann gehässig geändert. Nicht schön von mir, aber handwerklich gelungen:

Fälschung.
Lahm und uninspiriert. Sowas wählt doch keine. Kohl hat ja dann auch die Wahl verloren.
Außerdem habe ich gar keine Ideale. Was sollte also der Aufriss….
Zur Strafe kriegten wir Schröder und Fischer, mit der Agenda 2010 und dem völkerrechts- und verfassungswidrigen Angriff auf Jugoslawien und und und
Wie gesagt: Ab Morgen werde ich ein besserer Mensch. Der Spruch hängt über meinem Bett und ich erfreue mich jeden Morgen dran.
Und wenn es den Paulus mal in Ihrer Nähe gibt, liebe Leserinnen, mein Tipp: Nix wie hin.
08.07.2017 –G20 Gipfel & Gewalt in Hamburg

Brot & Rosen für alle?
An jedem Tag, an dem sich die G20 Staatsoberhäupter in Hamburg treffen, sterben weltweit 10.000 Kleinkinder an Unterernährung.
„Wir“ können genug günstige Lebensmittel und Medikamente für die gesamte Welt produzieren. Der Hunger ist haupt- und ursächlich eine verteilungspolitische Konsequenz der Politik der G20. Diese Politik ist Gewalt. (Früher sagte man: strukturelle Gewalt. Ist mir zu breitbeinig. Ich bin Intellektueller, ich muss das nicht qua Sprachwahl wie eine Monstranz von mir hertragen.)
Abgesehen davon ist natürlich idiotisch, wenn testosterongesteuerte Macker in Hamburg Autos von Stinos anzünden. Würde das jemand mit meinem Auto machen, würde ich ihn erwürgen. Ich habe kein Auto. Erwürgen würde ich trotzdem.
Soviel zum Thema Gewalt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass auf diesem Planeten Hopfen und Malz verloren ist. Ich hatte nur gehofft, dass ich zu Lebkuchenzeiten wenigstens von den Folgen der Klimakatastrophe verschont bliebe. Das dürfte sich als Irrtum herausstellen, nachdem ich in den letzten drei Wochen zweimal direkt in sogenannte „Jahrhundert“-Unwetter reingeriet.
Was mich gestern emotional allerdings mehr umtrieb, war die Tatsache, dass ich jünger werde!
So schien es mir auf dem Frisörsessel beim Blick in den Spiegel. Herrschen da normalerweise faltiges Elend, jammervolle Furchen und scharfgezeichneter Verfall vor, so lachte mich gestern ein zarter Mangel an Falten, eine fast botoxartige Weichheit der Gesichtszüge an. Nur die Anwesenheit der jungen Meisterin der Schere hielt mich davon ab, mich nach vorne zu beugen und diesem Adonis im Spiegel einen innigen Kuss zu geben. Die Ursache konnte nur mein selbstgemachtes Rosenwasser sein! Ich liebe Rosen. Ich habe in meinem Garten an die 15 verschiedene, teilweise Edelrosen, deren üppig-fruchtiger Citrus- oder Tee-Duft einem die Sinne raubt. Aus den Blättern destilliere ich ein eigenes Gesichts- und Körperwasser. Das ist billiger als jedes After-Shave, individueller und natürlich gesünder. Das hat mich lange Versuchsreihen der Art und Weise der Destillation und des Mischungsverhältnisses gekostet, das kann man nicht pur verwenden. Nun endlich ist es gelungen, offensichtlich! Es ist ein Produkt dieser Rose:

Graham Thomas, von David Austin.
Wenn man den Morgen mit dem Duft dieser Rose beginnt, kann ein Tsunami über das Haus rollen, der Tag ist trotzdem nicht vergeudet. Duftrosen blühen nur ein paar Tage, sie konzentrieren ihre ganze Kraft in den Geruch. Andere halten Wochen, die duften aber kaum. Mein Glück auf dem Frisör-Sessel kannte kaum Grenzen. Ich würde diesen Duft vermarkten. Eine Aktiengesellschaft gründen. Millionär werden. Waaahnsinn. Ich tänzelte wie Fred Astaire aus dem Laden.
Zuhause vor dem eigenen Spiegel kamen mir erste Zweifel. Das Ganze kann auch ein Produkt meiner immer schwächer werdenden Augen sein….
Hat denn dieser Jammerplanet nichts Tröstliches mehr für mich bereit?