
Tischfernsprecher W 48. Ein Gerät aus dem Fundus des geschätzten Kommunikationsexperten H. Sievers.
Ein Satz aus der Literatur bis in die 90er, mit dem die Generation U 40 nichts anfangen kann: Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel.
Ich hatte Claudia Roth am Telefon den Rücktritt empfohlen. Sie hatte sich geweigert, mit dem Hinweis darauf, dass die Leiterin der Documenta demnächst zum Rücktritt gedrängt würde, damit sie und Steinmeier aus der Schusslinie kämen. Bauernopfer.
Meine Frage, ob wenigstens dem unsäglichen Team aus Indonesien die künstlerische Verantwortung entzogen würde, die Documenta als Zeichen der Übernahme von Schuld und Verantwortung für zwei Wochen dicht gemacht würde und die Aktivitäten des BDS in Deutschland endlich unter Strafe gestellt würden, hatte sie verneint. Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel (Ein zu und zu schöner Satz).
Die bisherigen Stellungnahmen aller Verantwortlichen sind derart unter meiner intellektuellen Würde, strotzen so vor Dummheit und Feigheit, dass ich mich weigere, sie auch nur zu verlinken.
Es gibt drei Arten von Antisemitismus in unserer Gesellschaft: Rechten, aus der Mitte und linken. Rechter ist genuiner Faschismus. Da muss nichts zu gesagt werden. Der aus der Mitte ist das Erbe einer nach dem Krieg nur formal entnazifizierten bürgerlichen Gesellschaft, in der der Antisemitismus weiter gärte. Die Leiterin der Documenta mag da als Beispiel gelten.
Der linke Antisemitismus gründet u. a. im Antiimperialismus. Eine kurze und präzise Übersicht über die Genese mit Beispielen des linken Antisemitismus gibt es hier. Die „Antiimps“ entdeckten in den 60ern ff. Lenins Theorie des Imperialismus als höchster Form des Kapitalismus für sich und Amerika als Wurzel allen imperialistischen Übels, mit Israel als seinem Stützpunkt. Und Palästinenser*innen als Lieblingsprojektionsfläche für feuchte Befreiungsphantasien. Das flächendeckend getragene Symbol dieser Narrheit war das „Pali“ genannte Palästinensertuch, eine ästhetische Schwerstkatastrophe, die ich mir noch nicht mal zum Ölhacken in den Keller gelegt hätte. Damals konnten Palästinenser-Organisationen, ähnlich den Kurdinnen, zur Not (!) als fortschrittlich gelten.
Die Fronten waren klar, wer der Gute und wer der Böse war und es gehörte zum guten, antiimperialistischen Ton, den Zionismus zu verdammen, immer antisemitisch konnotiert. Der Kommunistische Bund z. B. , sonst eher zumindest ansatzweise zurechnungsfähig, rief gerne zum Kampf gegen „den internationalen Zionismus“ auf. Eine antisemitische Floskel par excellence.
The times they are a changing. Von Fortschritt und Emanzipation nichts mehr zu sehen, weltweit, im Anti-Imp Zusammenhang oder sonstwo. Heute heißt das „Dekolonisation“, ist aber die gleiche, angebräunte Brühe
Die gewählte Regierung der Palästinenser z. B. wird von der Hamas gestellt, eine faschistische Terrororganisation, die den Holocaust und das Existenzrecht Israels leugnet und es als Pflicht für jeden Muslim (Religiöser Wahn kommt dazu) sieht, Juden zu töten, wo auch immer.
Was sich nicht geändert hat, sind die Köpfe der mittlerweile ergrauten Anti-Imps. Wie Claudia Roth, ehemals Managerin der linksradikalen Krachkapelle Ton, Steine, Scherben. Sie trägt schon mal Schleier bei ihren Besuchen im Iran und macht auf dicke Hose mit den dortigen Antisemiten, während sie hier als eine der wenigen im Bundestag gegen die Verurteilung des BDS stimmte. Claudia Roth ist eine klassische Antisemitin in der Tradition der Antiimps.
Mit Antisemiten zu diskutieren ist übrigens ähnlich sinnlos wie mit Coronaschwurblerinnen, das ist psychodynamisch gesehen ein Holz. Es handelt sich hier um Wahn. Der, anders als beim Kapitalisten, kein Interesse vertritt, zumindest kein eigenes. Dem linken Antisemiten können sie 10x was erzählen davon, dass Israel vergleichsweise eine Insel von Freiheit und Gerechtigkeit ist, umgeben von einem Meer von Barbaren und Hamas-Faschisten. Der linke Antisemit wird zuhören, nicken und sagen: „Das stimmt alles. Aber Israel hat doch ….“
Wütend knallte ich den Hörer auf die Gabel.
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21.06.2022 – Die Welt ist der Keks

Sarotti Mohr. Heißt heute natürlich anders. Eines von vielen Beispielen, wie struktureller Rassismus quasi mit der Muttermilch eingesogen wurde und wird. In dem Fall mit Kakao.
Struktureller Antisemitismus ist in den Ländern, in denen der Islam Staatsreligion oder gesellschaftlich dominierende Ideologie ist, Staatsraison, weit mehr als in säkularisierten Staaten. Antisemitismus ist zweite Religion, Fetisch, wie bei uns „Arbeit“, unhinterfragt, selbstverständlich. Kritische Hinterfragung, Widerstand gar, kann oft lebensgefährlich sein. Das muss, sollte man wissen, wenn man eine Künstler*innengruppe aus Indonesien, dem Land mit den meisten Muslimen weltweit, zu Kuratoren der Documenta macht. 80 Prozent aller Einwohner*innen dort sind islamischen Glaubens.
Wer da, gerade in Deutschland, nicht ganz genau hinguckt, was für einen Hintergrund die Leute haben (BDS Unterstützer z. B.), handelt dumm und unprofessionell und landet in einem Minenfeld, das einem bei der ersten Gelegenheit um die Ohren fliegt.
Und so geschieht es denn auch und beschädigt das ganze damit verbandelte Kollektiv von Volltrotteln mit, angefangen von der Documenta Leitung über den OB bis hin zu Claudia Roth und hört noch lange nicht auf beim größten Trottel der Kompanie, dem Bundespräsidenten Steinmeier, vormaliger Bürobote bei Gasgerd Schröder und Agenda 2010-Miterfinder. Der sich nicht entblödete, eine Äquidistanz zum antisemitischen Kurator*innenteam einerseits und zur Freiheit der Kunst andererseits einzunehmen und sich dabei ausgerechnet auf den Filz- und Boden-Nazi Beuys berief. Haben die Redenschreiber des Mannes kein Abitur, können die Wikipedia nicht lesen?
Sind wirklich alle so dumm und unprofessionell? Oder wütet mal mehr, mal weniger, auch bei den deutschen Verantwortlichen alltäglicher Antisemitismus?
Es geht hier nicht um die Freiheit der Kunst, es geht um Antisemitismus, der sich das erbärmliche Mäntelchen der Israelkritik umgeworfen hat. Der ist ein Verbrechen und hat mit Kunst nichts zu tun. Natürlich ist es in diesem Zusammenhang kein Zufall und keine Frage von künstlerischer Qualität, dass keine Künstlerin aus Israel eingeladen wurde. Das Ganze ist eine trübe, braune Brühe, notdürftig getarnt als antiimperialistische Dekolonisierungsstrategie und es bleibt zu hoffen, dass die Brühe dauerhaft an der Documenta kleben bleibt und den Ruf nachhaltig beschädigt, die Verantwortlichen gefeuert werden und sich Steinmeier damit endgültig passgenau in die Riege der Gruselpräsidenten Wulff, Köhler, Gauck, Herzog etc. einreiht.
Zwei Fragen drängen sich mir auf: Wieso ausgerechnet immer Israel? Die einzige Demokratie in einer Region, in der Hamas-Faschisten, Iran-Terroristen, Saudi- Steinzeitbarbaren, Taliban Schlächter und anderes kulturloses Gesindel die zivilgesellschaftliche Fallhöhe bilden. Warum hat sich das Kurator*innenteam nicht damit oder der zunehmenden Zahl von Antidemokratien von Russland über Brasilien bis China auseinandergesetzt? Und macht stattdessen Staatskunst, käut also das wider, was gesellschaftlicher Standard in Indonesien und anderen Islam-Staaten ist? Das ist auch aus Sicht der Autonomie von Kunst eine ganz erbärmliche und feige Position.
Die Welt ist der Keks, zerbröselt von allen Ecken her.
15.06.2022 – Wenn Du in Rom bist, verhalte Dich verdammt nochmal wie die Römer

Schicker Kiez in Kreuzberg.
Neulich, in einer schicken Bar in diesem Kiez, jede Faser im Angebot und Style auf Höhe der Gentrifizierung. Der Laden gefiel mir, es war heiß, mich dürstete nach einem kühlen Weißwein. Ich bestellte einen Trockenen, 0,1 Liter. Die Bedienung zuckte die Schultern, sie verstand mich nicht, sprach nur Englisch. Ich war sofort auf Krawall gebürstet, hab das nicht das erste Mal in Berlin erlebt, dass Bedienungen kein Wort Deutsch sprechen. Ich verabscheue Nationalismus und Deutschtümelei wie wenig auf der Welt, aber eine derartige Respektlosigkeit gegenüber dem Gast und dem Gastland gegenüber grundsätzlich finde ich unverschämt. Ich finde es toll, wenn die Jugend der Welt und nicht nur die, fremde Länder kennenlernt, dort sogar Handel treibt. Ich hielte es für eine Katastrohe, weil Nationalismus fördernd, wenn das Reisen in fremde Länder dauerhaft durch Seuchen, Klima, Inflation, Kriege, was auch immer, eingeschränkt wäre. Der Nationalismus ist eh weltweit auf dem Vormarsch und diese Tendenz würde dadurch drastisch verschlimmert. Die Horizonte der Menschen sind jetzt schon beschränkt, dass es einen gruselt. Wenn keine mehr reist, können wir der Zivilisation gleich die Kugel geben.
Aber bitte mit Respekt vor der jeweiligen Kultur (Na ja, Taliban nicht gerade, aber das würd ich auch nicht Kultur sondern Barbarei nennen) und das beinhaltet zumindest rudimentäre Kenntnisse der Landessprache, wenn ich mich da länger als 48 Stunden aufhalte: Bitte, Danke, Guten Tag, ein Bier, und eventuell noch: Wo ist das Beschwerdebuch? Aber wenn die Jugend der Welt hier nach Jahren Aufenthalt immer noch kein Wort Deutsch spricht (alles schon erlebt), wozu dann das Ganze? Nur Sex and Drugs and Rock‘n Roll, und weil Berlin so billig ist – nein Danke.
Die Dame rief nach der Chefin, die wenigstens etwas Deutsch sprach. Ich wiederholte meinen Wunsch. Und kriegte 0,2 Liter. Ich beschwerte mich umgehend, natürlich auf Deutsch. Und mittlerweile auf 180. Wieder musste die Chefin her. „Wir haben nur 0,2. Zero point two.“ – „Dann hättet Ihr mir das bei der Bestellung sagen müssen“ – “Das haben wir nicht verstanden“.
Nun waren wir am point of no return, und ich führte in wohlgesetzten deutschen Sentenzen meine Sicht über Respekt gegenüber dem Gastland, Service und Sprache etc. pp. aus. Ihre zorngekrauste Stirn deutete an: Sie verstand, war aber dezidiert anderer Meinung. Ich endete mit dem Hinweis auf eine jahrtausendealte Übung des Respektes gegenüber dem Gastland und zitierte: Sī fuerīs Rōmae, Rōmānō vīvitō mōre. Natürlich verstand sie nicht die Bohne. Und um mein auch im idiomatischen Bereich sattelfestes Englisch unter Beweis zu stellen, übersetzte ich: When in Rome, do as the Romans do.
Wenn Du in Rom bist, verhalte Dich verdammt nochmal wie die Römer…
Ich ging. Sie wütete hinter mir her: „Ich wünsche Dir noch einen guten Tag“. Sie meinte: Den Tod.
Ich war nicht nur wegen der an den Tag gelegten Geisteshaltung so wütend. Der schicke Kiez, ein Genossenschaftsmodell, liegt direkt meiner Homebase gegenüber. Um da einziehen zu können, muss man pro qm 1000 Euro Genossenschaftsanteil zahlen und die Mieten sind trotzdem dreimal so hoch wie in unserem Haus. Das strahlt auf die Umgebung aus. Durch unser Haus marschieren jetzt schon die Investoren. Wenn das erstmal verkauft und durchrenoviert ist, kann niemand mehr die Mieten zahlen, geschweige denn die Wohnungen kaufen, Preis dann ca. 7.000/qm. Eine gut funktionierende Hausgemeinschaft, die miteinander redet, sich hilft, unten im Imbiss ein Bier miteinander trinkt, wird in Randgegenden verstreut, in Nazikieze, wo alle drei Stunden mal ein Bus fährt. Wenn sie nicht gleich auf der Straße landen. An sowas gehen Menschen zu Grunde. Und da wundert sich die Öffentlichkeit, wenn Autos brennen.
Ich kühlte meinen Zorn vor dem Imbiss, mit Bier. War das eben mal wieder zu arrogant? Ja.
Aber es war richtig.
Und es ist zu wenig.
Funk me up. Action speaks louder than words
12.06.2022 – Atom Saft

Atom Saft Bar. Gesehen in Berlin, Wilmersdorf. Die Gesichter wurden unkenntlich gemacht. Die Bar gibt es schon länger, das ist kein Marketing Gag, der Bezug auf die aktuelle Situation der Wahrscheinlichkeit unserer atomaren Versaftung nimmt. Da ist Stand wie folgt: Frankreich erklärt sich bereit, an einer Durchbrechung der russischen Blockade des ukrainischen Weizens teilzunehmen. Mit einem robusten Mandat. Wie weit geht das? Nur Minen wegräumen? Oder auch auf russische Schiffe schießen, falls die der Blockade Nachdruck verleihen? Wäre das dann der Nato-Bündnisfall? Also Krieg.
Wem fiele da nicht die Kubakrise von 1962 ein. Amerikanische Schiffe blockierten Kuba, um die Stationierung zusätzlicher russischer Atomraketen dort zu vehindern. Hätten russische Schiffe mit einem robusten Mandat, also Waffengewalt, versucht, die Blockade zu durchbrechen, hätte das den 3. Weltkrieg bedeutet.
Der Saft war übrigens sehr ?. Sollte es Sie, liebe Leserinnen, mal nach Wilmersdorf verschlagen, durchbrechen Sie eine eventuelle innere Blockade gegen solche Stände und besuchen Sie die Atom Saft Bar.
10.06.2022 – Bomben auf Berlin

Gropiusstadt, Berlin.
Krieg wird erst möglich geredet, dann geführt. Einer der ranghöchsten Krieger der BRD redet schon von Bomben auf Berlin . Gegen das Virus des Bellizismus, das sich mit rasender Geschwindigkeit fast flächendeckend in den hiesigen öffentlichen Köpfen verbreitet hat, ist Corona ein Witz.
Ich stelle mir ein Leben wie eine Gleichung vor, als deren Produkt von zahlreichen Variablen wie Alter, Gesundheit, Geld, soziale Beziehungen, Reisen etc. pp im nie erreichten Idealfall 100 steht, für 100 Prozent Zufriedenheit. Wenn ich für die Gleichung meines Lebens die Variable Atomkrieg nicht mit völliger Sicherheit ausschließen kann, wär ich schön blöd, wenn ich da nicht reinpacken würde, was irgend möglich ist. So also unlängst ein Trip in die Gropiusstadt, ein Paradebeispiel gut gemeinter und krachend gescheiterter SPD-Wohnungsbaupolitik der Sechziger, guter, bezahlbarer Wohnungsstandard für möglichst Viele, kompakt und verdichtet, mit möglichst vielen integrierten Funktionen.
Das Resultat ist in jeder Großstadt zu besichtigen, Trabantenstädte, zu sozialen Brennpunkten verkommene Grosswohnsiedlungen.
Das sind allerdings Wohnungsbaumodelle, die wir heute wieder diskutieren müssen, revitalisieren, anpassen, relaunchen, angesichts der katastrophalen Wohnungsnot in Ballungsräumen. Und ein Gefühl für solche Modelle kann man – ansatzweise – nur bekommen, wenn man sich da mal hinein begibt.
Und so saß ich da auf dem Wochenmarkt in der Gropiusstadt, mit Currywurst, Pommes und Bier, ließ den Genius loci auf mich wirken.
Der Trip hat mehr Nachhaltigkeit in mir ausgelöst als mein letzter nach Prenzlauer Berg. Da muss man wirklich nichts mehr zu sagen oder denken. Disneyland halt.
08.06.2022 – Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Das beschreibt die Gegend, in der ich in Berlin wohne, auf den Punkt. Hier wohnt eine gutsituierte, alternative , weisse Mittelschichtsklientel, materiell meist sorgenfrei, und widmet sich in gentrifizierter, charmanter Umgebung gerne einer Mischung aus grobem Unfug und esoterischem Blabla. Siehe Bild. Für die, die einer 3-Linien-Koks oder zwei Pullen Wein pro Tag Sucht frönen, dürfte so ein Angebot wie oben schnell in einer zusätzlichen Abhängigkeit von einem Scharlatan und einem um mehrere 1000 Euro erleichterten Konto enden.
Wer heutzutage noch graphologische Gutachten anbietet und auf seiner Homepage eigene Bilder, die den Tatbestand eines ästhetischen Schwerverbrechens erfüllen, hat jenes unerschütterliche Selbstbewusstsein, dessen es bedarf, Menschen mit Humbug Taler aus der Tasche zu ziehen.
Chakren, wer es schon immer wissen wollte, sind Energiezentren irgendwo in unserem feinstofflichen Astralleib, durch Kanäle miteinander verbunden, und wenn wir ordentlich meditieren oder daran rumschrauben, fließt die Energie frei und wir können den Unsinn dieser Welt gelassen und faltenfrei im Gehirn ertragen.
Und falls Sie, liebe Leserinnen, sich jetzt auf diese Art Kanalverkehr einlassen wollen , viel Erfolg. Die Existenz solcher ominöser Kanäle und Zentren konnte bisher nicht bewiesen werden und wird es bis zum jüngsten Gerücht auch nicht.
Aber wenn es doch hilft und heilt und warum ich nicht toleranter sei? Unter anderem, weil derartiger Unfug oft Hand in Hand geht mit rassistischer und antisemitischer Ideologie, siehe Rudolf Steiner, der ein begeisterter Anhänger von derartigem Quatsch war. Und solcherlei Klientel ist folgerichtig extrem anfällig für Coronaschwurbelei.
Ich fühle mich hier übrigens sauwohl. Es ist eine ganz bunte, sehr schöne Gegend, überaus anregend und aufregend.
Kein Wunder, dass hier, im Bergmann Kiez in Kreuzberg, täglich Horden von Touristinnen durchtrampeln.
06.06.2022 – ATOMKRIEG? JA BITTE!

Mein Lieblingsaufkleber. Von 2011. Ich weiß nicht, wieweit kritische Ansätze dahinter stecken oder ob das bloß Provokation ist, eine Geschäftsidee, was auch immer. Der letzte Eintrag auf facebook ist von 2019. Dabei ist das Thema jetzt brisanter denn je. Zwei Nachrichten verdeutlichen, dass wir mit jedem Tag Krieg einem Einsatz von Atomwaffen näher rücken, und damit einem möglichen Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen. „Großbritannien bewaffnet Ukraine mit Langstreckenraketen“ und „Marschflugkörper in »kritisch niedriger Höhe« über Atomkraftwerk“
Irgendein Zusammenspiel von Planung, Zufall, Irrsinn kann irgendwann irgendjemanden auf irgendeinen Knopf drücken lassen, einer kleinen Atomrakete, die automatisch eine Wolke von großen und vielen Atomraketen auslösen kann. Kann. Muss nicht. Aber wie das mit einem Kochtopf so ist, in dem kontinuierlich die Temperatur erhöht wird, irgendwann …
Die Freiheit lässt laut diversen Reporterinnen, die allesamt vom Virus des Bellizismus befallen scheinen, die „Ukraine“, (alle Ukrainer*innen?) kämpfen bis zur letzten Patrone. Was für eine Freiheit konkret das sein soll, die wichtiger als das Leben ist, darüber schweigt sich alle Welt aus. Meinungsfreiheit? Reisefreiheit? Freier Handel? Freie Fahrt für freie Bürger? Die Freiheit, als Obdachlose unter Brücken zu schlafen…? Kunstfreiheit?
Ich würde gerne das Motiv oben in Berlin auf eine große Plakatleinwand kleben lassen. Abgewandelt, mir gefällt die Smiley Anmutung da nicht. Wenn schon, dann durchziehen.
Auf die Reaktionen wäre ich gespannt. Ob schon bei dieser Provokation die Kunstfreiheit ihre Grenze findet? Sei es, dass Werbeagenturen sich weigern, das umzusetzen oder Senatsbehörden einschreiten wegen, ja … wegen was? Erregung öffentlichen Ärgernisses?
Die künstlerische Strategie, die hinter dieser situationistischen Idee steckt, heißt Kommunikationsguerilla und sie fußt auf der simplen Idee: „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?“
Das wäre mit Abstand meine teuerste künstlerische Intervention, aber sie wäre es mir wert. Aus ästhetischer Sicht. Was für ein Bild.
Und weil ich notorischer Rechthaber bin. Ich würde dann mit einem T-Shirt mit diesem Aufdruck durch Berlin flanieren und jedem erzählen: „Ich hab’s doch gleich gesagt“, wenn er sich über uns wölbt:
Der Atompils.
Prost.
02.06.2022 – Denken Sie auch dauernd daran, Corona zu vergessen?

Ich war, Fortuna sei Dank, zur Zeit gerade in dieser Gegend, als mich die Nachricht erreichte: Corona in meiner Berliner WG. Und Göttinseidank hab ich meine Homebase-Ausweichmöglichkeit. Allerdings wurde mir in dem Moment, wo mich die Botschaft erreichte, klar: Irgendwann erwischt es mich auch, so sicher wie das Amen in der Kirche. Expert*innen warnen angesichts eines neuen Subtyps mit explodierenden Fallzahlen und erhöhter Sterblichkeit in Portugal vor dem Herbst hierzulande.
Selbst wenn ich diesen Herbst und Winter noch ungeschoren davonkomme, das Virus mit seinen Varianten und Subtypen verschwindet ja nicht. Ich kenne Fälle, wo Menschen trotz Booster schon zweimal infiziert wurden, mal symptomfrei, beim zweiten Mal mit heftiger Symptomatik. Auch wenn das nur anekdotisches Blabla ist (das ist die dümmste aller Verschwörungserzählungen: „Also ich kenne da jemanden ….“): Es gibt keine hybride Immunität in dem Sinne, dass Geimpften empfohlen werden kann, sich gezielt einer Ansteckung auszusetzen und dann ist alles gut.
Es wird anscheinend auch immer „egaler“, wie viele ungeimpfte Andersbegabte da draußen noch rumrennen. Mittlerweile sind nur noch 7 Prozent der Bevölkerung weder geimpft noch genesen. Die Zahl wird sich logischerweise zum Winter hin weiter drastisch verringern und trotzdem wird uns das Virus noch Jahre begleiten.
Natürlich werde ich mich ein viertes Mal impfen lassen, trage weiter stoisch Maske in Öffis und geschlossenen Räumen, weigere mich standhaft, Präsensveranstaltungen zu organisieren und trotzdem gehe ich davon aus, dass ich irgendwann infiziert werde. Ich hoffe auf milde Symptomatik (bloß keine Geschmacksverlust!), eine jederzeit greifbare Superpille gegen schwerere Verläufe und werbe weiter militant und radikal für eine Impfpflicht. Der Rest entwickelt sich mit der Unabänderlichkeit einer griechischen Tragödie.
Und niemand weiß, was da draußen im Busch oder auftauenden Permafrost noch für Virusgranaten lauern, gegen die Corona eine Hauskatze ist im Vergleich zu einem Tiger.
Trübe Gedanken angesichts der Tatsache, dass in drei Wochen die Tage wieder kürzer werden? Realismus hat noch nie geschadet. Und natürlich kriegen Gedanken andere Schattierungen, wenn man älter wird. Als ich unlängst da oben in der Gegend zwischen Klippen rumkraxelte, um in eine mir länger bekannte einsame und anders nicht zu erreichende Bucht zu gelangen, kam ich an eine Stelle, an der ich dachte: „Oops, hier lieber nicht noch mal.“ Sich an so einer Stelle den Urlaub mit geschundenem Knöchel versauen, muss ich nicht haben. Als ich mich dann am Strand liegend von der Sonne ins Gedankenkoma küssen ließ, wurde mir plötzlich und unabänderlich klar, was das bedeutet: Hier werde ich nie wieder liegen.
War jetzt keine griechische Tragödie im Sophokleschen Sinne. Ich gab mich weiter der Sonne hin. Aber dachte noch als letztes, bevor die Gedanken blasser und blasser wurden:
Das kommt dabei raus, wenn man anfängt zu denken.
01.06.2022 – Warum sind wir so wie wir sind?

Der morgendliche Duft der Rosen ist Balsam für mein Gemüt. Andere bezahlen teures Geld für Therapien und Psychopharmaka oder löten sich jeden Tag die Birne mit Alk voll, um dem inneren Aufruhr, der oft ein Abbild des äußeren ist, Einhalt zu gebieten, die Dämonen zu bannen. Mir reicht ein Gang durch den Garten im Morgentau.
Sobald ich allerdings die Schlagzeilen des Tages lese, bin ich sofort wieder auf Betriebstemperatur, also auf 180. Ich frage mich, woher kommt der Zorn, der dann mitunter waltet, siehe Blog von gestern? Zorn ist eine der 7 Todsünden, eine menschliche Ureigenschaft. Dem Zorn nachzuspüren ist schwierig, ist er doch ein eher flüchtiger Geselle. Und wer hat schon die enorme Introspektion, in einem akuten Zornanfall der eigenen Empfindung nachzuspüren, wenn er am liebsten mit der Axt das Mobiliar zerlegen möchte oder gar die Welt. Das unterscheidet den Zorn z. B. von der wesentlich nachhaltigeren und anhaltenden Liebe oder Angst, welche beide chronisch werden können und den so Geplagten genügend Raum geben, der Befindlichkeit nachzuspüren. Wovon ganze Berufszweige und Industrien leben.
Natürlich ist mein Zorn der des Gerechten, und sei es des Selbstgerechten, aber Hand aufs Herz: Ist der Zorn eine erstrebenswerte Tugend? Dialogfördernd ist er jedenfalls nicht.
Warum sind wir je nach Temperament zu welchen Auslösern zornig? Warum sind wir so wie wir sind?
Ich werde zornig, wenn ich soziale und zivilgesellschaftliche Aspekte unseres Zusammenlebens bedroht sehe, weil ich glaube, dass wir auf einem sich beschleunigenden Marsch in die Unzivilisiertheit sind und weil mich das direkt betrifft. Wenn also einen Steinwurf vor meiner Haustür ein Honk mit seiner tiefergelegten Prollschüssel provozierend durch eine Fußgängerzone brettert, würde ich am liebsten mit einer großkalibrigen Faustwaffe ….
Der Beispiele sind viele. Welche Gedanken mich beispielsweise bei Coronaschwurblerdemos anfluten, schildere ich aus Gründen der Zivilität lieber nicht.
Bei Nachrichten, die den Marsch der Welt in den ökologischen Abgrund betreffen, rührt mich zum Beispiel kein Zorn. Sauerei, denke ich dann z. B., da müsste man doch mal….
Denke ich. Also der Umgang damit ist für mich eine Kopfgeburt, keine Angelegenheit des Thymos.
Warum sind wir so wie wir sind? Dazu machen wir als erstes folgende Übung, liebe Leserinnen: wir schließen die Augen, atmen langsam durch und erinnern uns an die letzte starke Emotion, die uns bewegte. Wir versuchen sie festzuhalten, stellen uns das gerne mit Händen vor, und spüren dem dann nach…
Klappt nicht? Sorry, aber bin ich Jesus.
Dann eben volllöten, das geht immer.
31.05.2022 – Bei allem Respekt

Kirche in Avliotes, Korfu. Religion und Kirche haben in früheren Zeiten für kulturelle Höhepunkte zumindest in der Landschaft gesorgt. Kirchen sind in Dörfern bei Wanderungen immer mein erster Anlaufpunkt, sie sind auch im wörtlichen Sinne herausragend. Um sie herum befindet sich meist der alte, hübschere Dorfkern und wenn es im Dorf überhaupt ein Kafenion, Taverne, Bar, was auch immer gibt, dann nahe der Kirche. Zwischen diesen Polen findet soziales Leben statt. Diese kulturelle Leistung gebietet Respekt.
Weniger Respekt verdient die Blutspur, die Religion und Kirche durch die Geschichte ziehen, was kein Ausrutscher ist, sondern strukturimmanent. Religion zeichnet sich durch Hass auf und Verfolgung Andersdenkender aus. Das mag in unseren Breitengraden durch Aufklärung, Säkularisierung und Demokratie abgemildert sein, aber wer sich in der Welt umschaut, der kriegt das Würgen. Buddhaofaschisten, Talibanhenker, Hindumob, Gewalt im Namen der Religion allenthalben. Und vor unserer Haustür, und hier wird es konkret und rückt uns auf die Pelle, die orthodoxe Kirche im Osten. Sieht sie in Form griechischer Kirchen noch putzig aus, vergeht dem aufgeklärten Geist bei näherer Betrachtung das bildungsbürgerliche Entzücken ob der Backstein-Konfigurationen. Auf das Wesen kommt es an, nicht auf die Erscheinung.
Konkret: Der Chef der russischen Sektion der Orthodoxen, Kyrill, ist ein nationalistischer Hassprediger, ehemaliger KGB Spion und Oligarch mit einem geschätzten Vermögen von 4 Mrd. Euro. Natürlich ist er in tiefer Feindschaft mit den Spießgesellen aus der Ukraine verbunden. Jede Fraktion dieser Durchgeknallten ist ja mit Gott im Bunde und übergießt sich gegenseitig mit Hass und Verachtung. Wobei diese Form der Psychopathologie vulgo Relion in der Ukraine noch wirkmächtiger ist als in Russland. Orthodoxer Glauben, also mörderische Homophobie, Frauenverachtung, Corona-Schwurbelei, Nationalismus, Antisemitismus, all das prägt die ukrainische Gesellschaft in einem Maß, das wir Heiden uns hierzulande kaum vorstellen können. Die Gesellschaft ist, und auch das ist Strukturmerkmal von Religion und Kirche, durch und durch korrupt und vordemokratisch. Im Korruptions-Index liegt die Ukraine auf Platz 117, aus Europa kommt nur noch Russland danach, im Demokratie-Index auf Platz 92, immerhin Dank Selenskiwahl neben Russland noch Bosnien-Herzegowina und Serbien, beide natürlich auch orthodox durchseucht, hinter sich lassend.
Bei aller Solidarität mit dem angegriffenen Staat Ukraine und Mitgefühl mit der leidenden Bevölkerung: Dieser Staat darf in dieser Verfassung niemals Mitglied der EU werden, wie es schon diskutiert wurde. Das würde das Gewicht der osteuropäischen durchgeknallten Nationalisten, Halbfaschisten und Demokratie-Verächter zusätzlich verstärken, den Erosionsprozess der EU beschleunigen und Korruption über alle Maßen fördern. Angesichts der geplanten zig Milliarden Aufbauhilfe für die Ukraine pilgern jetzt schon Mafiagangs aller Schattierungen in die Kirchen und zünden Dankes-Kerzen an ob des zu erwartenden Milliardensegen für ihre Taschen.
Die Tatsache, dass ein irrsinniger Tyrann wie Putin die Ukraine überfallen hat, macht doch aus einem korrupten, vormodernen, maximal semidemokratischen Gebilde nicht über Nacht eine bewundernswürdige Madonna der Aufklärung und ein ehrenwertes Mitglied an der Tafel der Demokratinnen.
Wandel durch Handel und Annäherung? Wie gut das geklappt hat, sehen wir ja gerade an Russland und China.