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22.08.2021 – Ganz schön schräg


Sonnenblume Goldener Neger, dem Gang der Sonne nachwachsend.
Jeder Mensch hat, zumindest vermute und hoffe ich das, Erinnerungen an magische Orte, Erinnerungen, die, je verschwommener oder weiter in die Vergangenheit greifend, die Orte und die damit verknüpften Geschehnisse mitunter zum individuellen Mythos überhöhen. Bei mir sind es z. B. allererste Kindheits-Erinnerungen, wie ich, vielleicht dreijährig, auf Omas Kartoffelacker in den Furchen verschwand, das Laub der Erdäpfel schlug über meinem Kopf zusammen, ich war in einem Dschungel, meiner eigenen Welt. Das ist kein zusammenhängender Film, mehr eine Folge von Standbildern, Einzelsequenzen. So wie später dann die bohnergewachsten Flure der Volksschule, wo ich verzweifelt heulend allein herumirrte, niemand da außer mir, weil meine Eltern verpeilt hatten, dass es auch sowas wie Ferien gibt. Erster Ferientag und Kevin allein in der Penne. Das erste Mal, wo ich reif für die Couch war.
Oder, als der Jüngling schon zum Manne gereift ward, das Berliner Tempodrom, 1980 gegründet und derart mit einem alternativ-linksradikalen Schein aufgeladen, dass Helmut Kohl nach der Annexion der Ostzone das Zelt und sein Publikum als viel zu großes Sicherheitsrisiko in der Nähe des geplanten Bundeskanzleramts keinesfalls dulden wollte.
Erinnerungsfragmente an magische Konzerte machen das alte Tempodrom für mich zu einem auratisch-sehnsuchtsvollen Ort, ohne dass ich einen Schimmer hätte, was es für Bands waren oder wie das alte Tempodrom genau aussah. Ein paar Standbilder, von Tanzmoves und Bewegung auf der Bühne, vielleicht Johny Clegg oder Latin Quarter, ein vages Gefühl von „Alles ist möglich“, mehr ist da nicht und ich versuche im Moment krampfhaft, die Standbilder zu einem Film mit Details zu montieren, das Vage greifbar zu machen. Und wer ist schuld daran?
Die CDU. Die hat ja gestern ihre heiße Wahlkampfphase mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin SpongeBob FLaschet eröffnet und zwar, und bei der Meldung bin ich fast aus meinem Ohrensessel gepurzelt: im Tempodrom. Früher, als alles noch besser war, im alten Tempodrom, hätte die CDU so eine Veranstaltung eher in der Hölle abgehalten und das Tempodrom wäre im Falle der Ankündigung einer solchen Veranstaltung in selbiger Nacht von der Basis abgefackelt worden. So ändern sich die Zeiten.
Ich fand die Meldung im ersten Moment ganz schön schräg. Und dann ploppten wie gesagt, diese magischen Erinnerungsfetzen in mir auf. Aber ich sollte sie belassen wie sie sind. Ist nicht Wesen und Kern von Magie und Mythos das schwer Fassbare, das Fragmentarische, das Unsagbare. Was wäre gewonnen, ich hätte einen vollständigen Film, wüsste wann das genau war, mit wem ich da war und welche Band das war. Johnny Clegg? Toll. Der ist mittlerweile tot.
Also lassen wir der Vergangenheit ihre Gloriolen und freuen uns auf eine Zukunft mit Baerbock, Scholz oder SpongeBob. Und konkretere Konzert-Erinnerungen aus den 90ern hab ich ja doch noch, an die stampfenden Groves der Scatterlings of africa. Requiescat in pace, Bro.

19.08.2021 – Herr Ober, Wahlen bitte!


Negative Campaigning Plakat aus dem AfD-Umfeld, siehe auch Eintrag vom 10.08. Hat keine Woche gehalten, dann fiel es der Campagne „Unsere Stadt soll schöner werden“ zum Opfer. Wie alle anderen Plakate aus der Serie bei mir nebenan. Ich war es nicht, aus dem Alter bin ich raus und für die Grünen würd ich keinen Wahlkampf machen, aber eine klammheimliche Freude konnte ich mir beim Anblick der geschändeten Wahlplakate nicht verkneifen. Alle Jahre wieder Wahlen, die, wenn sie etwas veränderten, schon lange verboten wären, um einen altlinken Klauer aufzugreifen.
Natürlich würde es schon einen Unterschied machen, ob wir eine CDU/FDP geführte oder eine Rotgrünrote Regierung bekommen, sei es auf Bundes- oder auf Landesebene. Auf Landesebene würden seitens CDU/FDP zivilgesellschaftlichen Projekte wie Frauenhäusern, Erwerbslosenberatungen, soziokulturellen Zentren und Projekten, etc. pp (die Liste wäre sehr lang) die Fördermittel rasiert werden und in KMU-Förderung gesteckt. Rotgrünrot würde sicher z. B. den hiesigen Flüchtlingsrat besser ausrüsten. Und ich hätte mehr Verwaltungsarbeit, ein Grund, umgehend ins Retiro zu wechseln.
Auf Bundesebene ist Rotgrünrot keine Option, selbst wenn es rechnerisch reichen würde. Eine dergestalt fortschrittlichere (nicht: linke. Wer glaubt, das wäre eine „linke“ Regierung, hält Kühnert für einen Kommunisten und Baerbrock für eine Kommunardin) Regierung hielte sich keine 100 Tage, dann hätte sie eine unheilige Allianz aus SPD-Seeheimern, Realagrünen, linken Radikalspinnerinnen im Verein mit der hiesigen Bürgerpresse, den Unternehmerverbänden und bezahltem Mob auf der Straße aus dem Amt gekegelt. Soll nicht meine Sorge sein, die da oben machen ja doch, was sie nicht wollen. Was mir echt auf den Bahlsen-Keks geht, ist der Kommunalwahlkrampf in Hangover (Wahl am 12.09). In Afghanistan bricht die Barbarei wieder aus, Haiti wird von Naturkatastrophen biblischen Ausmaßes getroffen und das zentrale Thema hier ist: Der Müll. In der hiesigen Bürgerpresse hat man ob der Leser*innenbriefe, Artikel und Kommentare über zig Seiten seit x Wochen den Eindruck, dass hier Armageddon anbricht und der Untergang des Abendlandes vor der Tür steht, wenn mal ein gelber Sack über die Straße weht. Was für eine Kackstadt.
Im Westen also nichts Neues. Wie sagt man so schön, wenn man die Zeche zahlen soll und die Quittung präsentiert kriegt: Herr Ober, Wahlen bitte! Nach Wahltag kommt Zahltag. Zumindest für die Plebejer.
Heißt das Pendant zu „Herr Ober“ eigentlich „Frau Oberin“?

17.08.2021 – Biene mit Pollenhöschen.


Biene mit Pollenhöschen. Einen Vorteil haben Sonnenblumen auf jeden Fall: bei kleineren Exemplaren kann man Bienen bei ihrer Arbeit beobachten, ohne sich bücken zu müssen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Arten es jenseits der Biene Maja-Variante gibt. Noch.
Arten sterben, Viren haben Hochkonjunktur. Der Zusammenhang liegt auch auf jener Hand, die zurzeit mit Virenabwehr beschäftigt ist: Maske auf, Maske ab, desinfizieren, gurgeln … was ich als Durchgeimpfter und Booster-Erwarter nur noch nach Besuchen exponierter Orte wie Arztpraxis, Krankenhaus etc. mache. Ermattet nehme ich Artikel wahr, die sich mit der Wahrscheinlichkeit von resistenten Varianten auseinandersetzen und schwöre mir, im nächsten Leben Mikrobiologie zu studieren oder wenigstens eine Virologin zu heiraten. Soviel Unwissen auf meinem Haupt, seufz.
Für einen Aktienanalysten reicht es allerdings. Hatte ich unlängst in diesem Blog Biontech als das neue Apple gepriesen, tut es mir der „Kollege“ von finanzen.net nach und preist den einzigen aktuell ernsthaften mRNA-Wettbewerber Moderna als Tesla.
Da mit dieser Technologie – und hier passt der oft geschundene Begriff ausnahmsweise – binnen revolutionär kurzer Zeit neue Impfstoffe designed werden können, bin ich zuversichtlich, was ganz andere Kaliber als SARS-CoV-2 angeht, wie Marburg und Ebola. Dass bei beiden Viren fast gleichzeitig Erkrankungen öffentlich wurden, kommt eher selten vor. Beim Marburg-Virus handelt sich um den bisher ersten bekannten Fall überhaupt in Westafrika, bei dem das Virus bei einem Menschen nachgewiesen wurde. Die Sonderheit beim Ebola-Virus: Die Erkrankung der Patientin Null (?) wurde nicht im Landesinneren diagnostiziert, wo die Mensch/Wildtier-Schranke naturgemäß niedriger ist, sondern in der Hauptstadt der Elfenbeinküste Abidjan, einer Millionenmetropole.
Alles Zufälle. Alles wird gut.
Na ja, fast und meistens jedenfalls. War ja auch in „Contagion“ von Steven Soderbergh zu sehen, der wesentlich bessere Seuchenfilm im Vergleich zu „Outbreak“ von Wolfgang Petersen. An diesen beiden Filmen lässt sich auch paradigmatisch ablesen, warum ich grundsätzlich nur Hollywoodfilme gucke und bei deutschen Filmen mich meist mit Grausen wende. Ihnen fehlt es an Eleganz, Esprit, Leichtigkeit, erzählerischer Raffinesse, bis in die Einstellungen und Schnitte hinein herrscht beim deutschen Film der Holzhammer vor. Ausnahmen wie Dominik Graf bestätigen die Regel. Ich bevorzuge das Florett.

16.08.2021 – Ernte 23 vs. Taliban.


Ernte 21. Man weiß ja nie, was kommt, nach Corona und all den in rasendem Tempo sich vermehrenden anderen Katastrophen, und so übe ich mich in meinem Garten in Subsistenzwirtschaft, was ja auch aus Öko-Sicht ein Brüller ist. Aber ach, auch heuer fällt die Zwischen-Bilanz der Ernte 21 wieder miserabel aus: Die Tomaten reifen nicht aus, die zwei Birnen sind wie immer vollkommen geschmacksbefreit, der Wein besteht nur aus Schale und die Kürbisse sehen nett aus, das war’s aber auch.
Lassen Sie, liebe Leserinnen, sich von den ganzen Hobbyfarmern der Republik nichts vorgärtnern, von wegen der Geschmack des Eigenanbaus sei einzigartig. Das trifft vielleicht auf Kräuter zu, inclusive Marihuana, aber bei Obst und Gemüse ist das ein Mythos. Die kosten einen Haufen Arbeit und Geld, der Ertrag ist mickrig und der Geschmack existiert nur in der Einbildung des ob der Eigenleistung berauschten, in Kriegsfällen vermeintlich semiautonomen Großstadtbauern. Es bleibt dabei: Ist der Hanfhandel auch noch so klein, bringt er doch mehr als Gemüseanbau ein.
Ernte 21 erinnerte mich an die guten alten Zeiten, als an jeder Ecke noch gequarzt wurde und der Rausch einem nicht von Gesundheits-Taliban vermiest wurde. HB. Peter Stuyvesant. Ernte 23! Tauchen Sie in dieser Werbung aus den 70ern in einen anderen Kosmos ein.
By the way: Dechiffrieren Sie mal die Botschaft der Werbung, was die Rolle der Frau in der Gesellschaft angeht (bis 1977 durften Frauen nur dann erwerbsarbeiten, wenn das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war. Kostenlose Care-Arbeit durften und dürfen sie natürlich weiter ohne Ende leisten, sonst läuft der Kapitalismus nicht.)
Ach, Ernte 23, Du Motor des Fortschritts, Du fehlst an allen Ecken. Vor allem in Afghanistan, wo die Real-Taliban ihrem barbarischen Handwerk wieder ungehemmt nachgehen werden. Als erstes werden diese fanatischen thanatoiden Verächter des Lebens und der Lust Frauen aus der Öffentlichkeit verschwinden lassen, komplett unsichtbar machen. Hierzulande erledigen das die Sprach-Talibane, jene weißen, alten Männer, die in ihrer kleinen Geisteswelt Frauen, zumindest auf der Ebene des Überbaus, in der Sprachsphäre unsichtbar machen wollen … „Liebe Freunde und liebe Kollegen“ (Doch, sowas gibt’s noch).
Was sich in ein paar Jahren erledigt haben wird, siehe Rauchverbot in Restaurants, da kräht nach militantem Kulturkampf auch keine Henne mehr nach. Schön, dass sich immer mehr nachwachsende Geistesrohstoffe, sprich Jungjournalistinnen (zumindest im DLF, was anderes höre ich nicht), eines phantasievollen Umgangs mit diesem Problem befleißigen, nämlich einem freien Fluten der Sprache, wo sie wechselnd, je nach Anlass, die Formen ändern, mal weiblich, mal männlich, mal beides, mal gendernd. Wie das Leben eben so ist und dieser Blog auch teilpraktiziert, je nach Lust und Laune.
Ob diese Art der Dialektik in den Niederungen der Ernte 23-Werbung ihren Ursprung hat, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

11.08.2021 – Eigentlich kann ich Sonnenblumen nicht leiden


Simulation des Paradieses. Eigentlich kann ich Sonnenblumen nicht leiden. Allein die Tatsache, dass sie Symbol der Grünen sind, macht sie mir unsympathisch. Sonne, Licht, Leben, blablabla, Friede, Freude, Eierkuchen. Dieses aufdringlich-platte Rumklappern mit Botschaften, die so selbstverständlich sind wie Ebbe und Flut, nervt mich. Wer ist denn schon gegen Sonne, Licht und Leben? Außerdem sind die Dinger im Garten genauso undezent wie ihr Symbolgehalt: Riesengroß, plump, tollpatschig stehen sie wie Goofy in der Gegend rum und stehlen zartgliedriger Monbretie oder exotischer Fuchsie Wirkung. Zusätzlich, und das gibt diesen Stengelprotzern für mich den Rest, sind sie das Hippiesymbol.
Wir leben ja laut Alice Weidel in einem Hippiestaat. Ob sie bei der Aussage selber zugeraucht war oder meinte, dass das Kabinett eine Bande von Kifferinnen, Nichtstuern und Esoterikkaspern sei, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich in einem Hippiestaat genauso wenig leben möchte wie in einem, in dem eine Alice Weidel ungestraft Nazimüll absondern darf.
Ich möchte lieber im Paradies leben und hier sind wir wieder bei des Pudels Kern, der Sonnenblume. Da ich seit der Entdeckung des Goldenen Negers jedes Jahr notgedrungen dutzende Exemplare im Garten stehen habe (eine derartige Inszenierung kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Wer sein Leben nicht inszeniert, ist im falschen Film), muss ich irgendwas mit ihnen machen. Also habe ich welche auf meiner Veranda so drapiert, dass sie eine Art enges Spalier bilden, durch das ich quasi durchmäandern muss. Die üppige, verschwenderische Natur als naive Phantasmagorie des Paradieses.
Das ja auf Erden stattfinden soll und in der postmodernen Variante des Pursuit of Happiness allerlei Stilblüten produziert. Gehen Sie mal in einen Buchladen und fragen nach „Irgendwas mit Glück“. Oder googlen Sie „Glück und Bücher“. Nach einer 10sekündigen Suche ward ich ob der Fundstellen sofort todunglücklich, soviel esoterischer Seelenmüll prallte mich via Bildschirm an. Hoffnung versprach mir nur Barbara Fredricksons „der macht die guten gefühle“ (in unsäglicher Kleinschreibung), was sich leider bei genauem Hingucken entpuppte als „die macht der guten gefühle“.
Die Sehnsucht nach dem Paradies vulgo die Jagd nach dem Glück wird angesichts des brennenden, versinkenden, vergifteten Planeten immer drastischere Züge annehmen und sie wird sich nach innen richten, da die äußeren Statussymbole eines vermeintlichen Glücks sich als nichttauglich und kontraproduktiv erwiesen haben. Wäre ich jünger und noch zynischer als eh schon, würde ich eine Sekte gründen.
Altersgereift und milde stelle ich einen ETF zusammen, in dem börsengehandelte Unternehmen sind, die sich irgendwie mit Glück beschäftigen: Cannabis, Bücher, Healthcare, Biotechs, Ökozeug etc. pp. Den Namen hab ich schon: Happiness Paradise ETF. Erinnert mich an meinen derzeitigen Liebling „ÖkoWorld Rock ‘n‘ Roll Fonds“. Eine Perfomance in den letzten fünf Jahren von 68 Prozent.
Wenn da keine Glücksgefühle aufkommen ….

10.08.2021 – Dumm, dümmer, AfD.


#Grüner Mist 2021. Verbote, Bevormundung, Steuererhöhung.
Das ist ein Paradebeispiel von Negative Campaigning (und nicht, wie die HAZ im Kommentar schreibt: Negativ Campaigning). Das Plakat (Urheber: Conservare Communications GmbH, AfD Umfeld) ist Bestandteil einer bundesweiten Negativkampagne gegen die Grünen. Normalerweise wird in Deutschland positiv für etwas geworben (zumindest auf Plakaten), aber von Trump lernen, heißt teilsiegen lernen und so versuchen auch hierzulande Parteien, sich daran zu hängen. Aber gut gemeint bedeutet noch lange nicht gut gemacht.
Obiges Plakat hängt mit einigen anderen aus der Kampagne im Umfeld des – bundesweit bekannten – alternativen Platzprojektes mit hohem Partyaufkommen, ein paar Schritte von meiner Homebase entfernt gelegen. Dort dürfte, wie im gesamten Kiez hier, eine stabile absolute Mehrheit grün-linker Kernwähler*innenschaft unterwegs sein, auf dem Platzprojekt eher in Richtung 70 Prozent. Und es dürfte einfacher sein, einer Kuh das Tanzen beizubringen als eingefleischte Kernwählerinnen mit Plakaten vom Gegenteil ihrer politischen Einstellung zu überzeugen. Mir jedenfalls sind keine FDP-Campagnen in sozialen Brennpunkten bekannt. Das wäre verbranntes Geld. Die Autoinsassen, die an den Plakaten vorbeirauschen, dürften eh nur die Farbe Grün wahrnehmen, irgendwas mit gelber Sonnenblume und im Unterbewusstsein abspeichern: Ach ja, die Grünen, machen echt viel Action.
Ganz abgesehen davon ist die Wirkung von Wahl-Plakaten vorsichtig formuliert umstritten, das ist eher der Effekt: Die Anderen machen es ja auch. Da wäre auch aus Öko-Gründen mal ein Moratorium fällig.
Mir ist eh schleierhaft, wie man seine politische Überzeugung alle Jahre wieder wie ein Waschmittel wechseln kann, bloß weil irgendwo für oder gegen irgendwas Stimmung, Werbung gemacht wird. Entweder ich hab ne Überzeugung oder nicht. Aber da bin ich wohl Old School und ohnehin eher werberesistent. Spontankäufe? Nein Danke.
Persönlich hat mich das Plakat oben sehr angesprochen. Mist ist gut, weil Ökodünger. Grün ist meine Lieblingsfarbe (was nichts über meine politische Präferenz aussagt) und Sonnenblume ist sowieso Weltklasse

mein Garten ist voll mit Weltrekordverdächtigen Exemplaren der Sorte „Goldenen Neger“.
Und selbstverständlich bin ich für Verbote, wie die von Inlandsflügen und Naziparteien. Natürlich bin ich für Bevormundung, von Querspinnern und AfD Faschos. Steuererhöhungen? Aber hallo! Vermögenssteuer, höhere Einkommensteuern für Spitzenverdienste und nennenswerte Erbschaftssteuern – ja Bitte!
Also für mich ist obige Kampagne ein Rohrkrepierer nach dem Motto: Dumm, dümmer, AfD: Aber leider kann man sich darauf nicht dauerhaft verlassen. Rattenfänger zeichnen sich leider durch eine gewisse Schläue aus. Sonst wären sie ja nur Rattenjäger.

09.08.2021 – Grundkurs Rhetorik


Hier kein Bölkstoff. Die Seuche hat sich in jede Zelle unserer Alltage gefressen und wird daraus nicht verschwinden. Alles ist Seuche, so auch Olympia. Profisport ist die glitzernde Inkarnation des Neoliberalismus: Jeder gegen jeden um jeden Preis. Die Akteure entstammen einem postmodernen Danteschen Inferno: Magersüchtige, Drogenabhängige, Rassisten, Tierquälerinnen, Menschenfeinde, wohin wir blicken. Und über allem thront wie ein fetter, hässlicher Buddha IOC-Chef Thomas Bach, dessen Englisch den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Wenn er redet, ist Abschalten oberste Bürgerinnenpflicht und mich erfüllt dann eine tiefe Sehnsucht nach Boris Johnson, dessen wundervolles Oxford-Englisch Ohr und Herz erfreut (die Inhalte sind Müll, but who cares).
Doitschland hat erwartbar schlecht abgeschnitten, das ist so ziemlich das einzig Positive an Olympia. Nur in den Kategorien „Ausreden, Schönfärben und Skandale“ belegten die Ostgoten Spitzenplätze. Noch vor Bach auf den Medaillenränge in der Sportart „Hässliche Deutsche“ rangierten dieser ganz hässliche Rad-Kasper mit seinem Zweifach-Ruf „Hol Dir die Kameltreiber“ und die Pferde-Guste mit dem doppelten „Hau drauf!“ Diese doppelte Betonung ist insofern wichtig, als sich die Einlassung dadurch nicht als Spontanentgleisung erweist, sondern die Aufrichtigkeit der inneren Einstellung als Rassist und Tierquälerin an den Tag legt. Dieser reale Klaps mit der Gerte und der Faust ist übrigens harmlos im Vergleich zu dem, was beim Pferdetraining real abgeht. Beim Geländeritt und auf Rennbahnen brechen sich ohnehin dauernd Zossen die Knochen und müssen eingeschläfert werden, das wird schulterzuckend in Kauf genommen. Ganz zu schweigen von dem Elend in Schlachthäusern.
An dieser Causa offenbart sich nicht nur die Niedertracht der Akteure, sondern die so vieler Volksgenoss*innen. Der alltägliche Rassismus des Rad-Kasper ist keine Silbe mehr wert, er wurde unter augenzwinkernden „DuDu“-Schelten in bezahlten Urlaub geschickt und wird mit Sicherheit an den Stammtischen seiner Heimat und Sportgenoss*innen als Widerstandskämpfer gefeiert nach dem Motto: „Lass Dich von den linksgrünversifften Moralaposteln nicht unterkriegen.“
Da haben die beiden Pferde-Gusten eindeutig im Vergleich die Arschkarte gezogen, haben sie es sich doch mit der größten Ansammlung von Geistesverwirrten im Lande angelegt, mit Tierfreunden. Jene Spezies, die – marktkonform – alle Liebe, die sie dem Mitmenschen vorenthält, dem Viehzeug widmen, und zwar nicht dem auf dem Grill. Die Speerspitze all dessen, Peta, hat schon mal Massentierhaltung mit dem Holocaust verglichen, und auch sonst nicht alle Latten am Zaun. Die beiden Pferdequälerinnen werden in nächster Zeit wenig Freude haben, im Gegensatz zum Rad-Kasper.
Ich für meinen Teil bin dem Profisport dankbar, legt er doch Seziermessergleich die Verwüstungen des Neoliberalismus in den Köpfen offen. Und eins muss man Olympia zu Gute halten: Anders als beim Fußball bis in untere Ligen müssen dort nicht Wochenende für Wochenende auf Staatskosten Heerscharen von Polizisten protofaschistischen Mob im Zaum halten, damit es nicht jede Saison dutzende Tote gibt.
Immer schön mit was Positivem enden. Grundkurs Rhetorik.

05.08.2021 – Mein galoppierender Verschwulungsprozess


Schattenspendende enge Dorf-Gassen auf Korfu.
Die Menschen in Griechenland haben zurzeit andere Probleme als Wandern. Mich beschäftigte das schon bei über 35 Grad im Schatten und so verabschiedete ich mich unterwegs nach den ersten Minuten vom klassischen Mackerwanderverhalten „Pausen sind was für Loser“ und hatte zugesehen, dass irgendein Weiler immer in Schlagdistanz war. Beim Wandern merkt man recht schnell, was einen wirklich umtreibt, beschäftigt. Je intensiver die Bedingungen, desto unkontrollierter fluten die Gedanken und kurz bevor man im Stadium ist, wo einem nur noch drei Gedankensplitter durchs Hirn spazieren: „Schatten, Pause, Wasser“, kommt man auf den Kern seiner Sorgen und Wünsche. Freude, gar jene seltenen, nicht planbaren Glücksmomente, kommen eher in den Pausen auf, wenn man von der Zinne eines Ölbergs den Blick über einen langen weißen Strand mit einer Taverne schweifen lässt. Oder wenn man in einem zauberhaften Dörfchen eine längere Rast macht, durch die engen Gässchen schweift, und dann auf dieses Bild stößt, das sämtliche Vorurteile über unselige Allianzen von Staat, Kirche und Militär, vor allem noch in Südost-Europa, auf das Schönste bestätigt.

Kirchturm, mit griechischer Flagge und Kriegerdenkmal, gekrönt im Hintergrund von einem ca. 8 Meter langen Torpedo. Nicht mehr scharf. Hoffentlich …
Wir verabschieden uns für Heute von der Solidaritätstour für die LGBTI-Gemeinde mit dem probatesten aller Mittel seinen Gegnern zu schaden: Lächerlich machen.
Der orthodoxe Metropolit Kornnilli (eigentlich ein schöner Name), vom Aussehen her an einen Mottenzerfressenen 70er-Jahre Flokati erinnernd, ist der Ansicht, dass Rasieren schwul macht.Ich fürchte, dieser Gedanke wird mir noch ein paar Tage lang bei der Morgentoilette den Rasier-Pinsel vor Lachen aus der Hand wedeln.
Jetzt reicht’s aber auch mit Identitätspolitik. Wir sind, auch wenn wir kaum etwas davon merken, im Wahlkampf und die unselige Identitätsdebatte bringt die Linke immer mehr in die Nähe der Fünfprozentgrenze. Nichts gegen Minderheitenschutz, aber wenn sich die Gesellschaft immer mehr in unzählige besonders schützenswerte Minoritäten ausdifferenziert, von denen jede lauthals rumkrakeelt: „Ich bin die Schützenswerteste im ganzen Land und alle anderen sind mir egal!“, dann gerät der zentrale Antagonismus im Lande vollkommen aus dem Blick: Zwischen Kapital und Arbeit.
Die Klassenfrage.
Kein Wunder, dass sich der früher Prolet genannte Angehörige des Prekariats in den sozialen Brennpunkten mit Grausen wendet. Das Beste, was dann passieren kann, ist seine Wahlverweigerung. Anderenfalls macht er sein Kreuz bei der AfD oder noch weiter rechts.
Bei allem Engagement für Minderheiten und Gendergedöns etc., irgendwann muss Butter bei die Fische. Ich geh mich jetzt rasieren. Und halte Sie, liebe Leserinnen, über meinen galoppierenden Verschwulungsprozess auf dem Laufenden.

03.08.2021 – Ich sei eine Dreckschleuder, sagen Sie jetzt?


Kardinalrot. Rosen, die auf Duft gezüchtet sind, lassen ihre Köpfe schon nach wenigen Tagen hängen. Länger halten die, die sich aufs Äußere spezialisiert haben, wie diese hier, deren prachtvoller, intensiver Kardinalrot-Ton alle anderen Blüher im Garten überstrahlt. Mit überheblicher Selbstsicherheit scheint sie dem morgendlichen Betrachter zu signalisieren: Ich bin hier die Königin.
Nicht umsonst haben sich katholische Würdenträger diesen und ähnliche Farbtöne wie Purpur für ihre Gewänder zu eigen gemacht, um das Fußvolk zu beeindrucken.
Beim Anblick der Bischofs- und Kardinalskutten und dem ganzen Brimbamborium drumherum ist selbst schlichten Betrachtern auf den ersten Blick klar, warum die katholische Kirche von einem derartigen Schwulenhass beseelt war und ist. Wer freiwillig in der Öffentlichkeit in solchen Klamotten rumläuft wie der ex-Papst Benedikt der Viertel-vor-Zwölfte verdrängt offensichtlich so viel an latenter Homosexualität, dass das an anderer Stelle mördermässig rauskommen muss. Da kriegt das Lied „Ihr Kinderlein kommet…“ eine grauenhafte Konnotation.
Mich würde interessieren, warum der Mann wirklich zurückgetreten ist. Vor fast 10 Jahren wurde der Eindruck erweckt, er sei todkrank und könne nicht mehr. Von wegen, der Zombie fuhrwerkt immer noch oft und gerne erzreaktionär seinem Nachfolger ins Handwerk. Erinnert mich irgendwie an Wolfgang Bosbach, der gefühlt seit Jahrzehnten auf dem Ticket „todkrank“ putzmunter durch alle Talkshows dieser Republik tingelt und mittlerweile Nazis wie Maaßen Wahlkampfhilfe leistet.
Vielleicht sind die Beiden in Wahrheit schon lange tot, kamen verdientermaaßen in die Hölle, wurden dort von Satan zombifiziert und als wandelndes Unheil über uns geschickt. Bosbachs Jacketts erhärten diesen Verdacht. Kein Sterblicher würde je so rumlaufen.
Bei Benedikt würde ich gerne wissen, welche Fotos von dem in irgendwelchen Tresoren schlummern und ihn zum Rücktritt „bewogen“ haben. Sein Bruder hatte sich durch jahrzehntelange Kindesmisshandlungen „ausgezeichnet“ und da liegt der Apfel, der nicht weit vom Stamm der Sünde fällt, wohl in der Familie. Ich sei eine Dreckschleuder, sagen Sie jetzt?
Ja. Danke. Gerne. Das ist doch das Mindeste, was ich tun kann.
Die gemeinste und niederträchtigste aller so geratenen Gangs ist aber die orthodoxe Kirche, die für alle LGBTI-Minderheiten in ihrem Herrschaftsbereich regelrecht lebensgefährlich ist. Kein Wunder, bei derartigen Ansichten ihrer höchsten „Würden“träger: „Schwule stinken und nehmen bei einer Hinwendung zum Christentum wieder einen „wundervollen“ Geruch an.“
Oder auch: „Analverkehr der Eltern führt zu schwulen Kindern“ . Wie das befruchtungsmäßig funktionieren soll, ist mir nicht ganz klar. Aber, liebe Eltern, ab heute kommt das Olivenöl wieder da hin, wo es hingehört, nämlich in die Küche, sonst ….
Dass solche Leute im 21. Jahrhundert frei rumlaufen und nach wie vor andere Geisteskranke in Millionenzahl finden, die ihnen hinterherrennen, ist einer der großen Skandale der zeitgenössischen Anti-Aufklärung.
Oh Gott, wo bin ich im heutigen Blog bloß gelandet? Ich wollte doch bloß das Foto der Rose in der Cloud speichern ….

02.08.2021 – Gute Aussichten


Traumhafter Blick. Der Aufstieg war bei 37 Grad im Schatten eher beschwerlich, wobei es auf der weit über 30 Grad steilen Schlussrampe leider ausnahmsweise keinen gab. Auf Corfu stehen ca. 10 Millionen Ölbäume, die das Wandern durch ihren Schatten leichter machen, aber wenn man sie mal wirklich braucht, ist keiner da. Natürlich ist es geisteskrank, im Sommer am Mittelmeer Urlaub zu machen, hab ich auch noch nie gemacht. Aber wer weiß denn, was im September ist, die Seuchen-Aussichten sind eher trübe.
Wobei aus meiner Sicht Licht am Tunnel ist. Ein Forscherteam vom Göttinger Max-Planck-Institut hat Mini-Antikörper entwickelt, die das Corona-Virus und dessen gefährliche neue Varianten effizient ausschalten sollen. Das wäre ein Heilmittel gegen das Virus und neben der Impfung der Quantensprung, um die Seuche in den Griff zu bekommen. Normalerweise dauert es Jahre, bis sowas zur Marktreife kommt, aber ich wette auch hier darauf, dass wir binnen Jahresfrist ein Produkt auf dem Markt haben. Würde mich nicht wundern, wenn z. B. Biontech bald eine ad-hoc Meldung rausgibt, dass sie in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut bereits in den spätklinischen Phasen der Arzneimittel-Zulassung sind. Bei kursrelevanten Veränderungen müssen Börsennotierte Unternehmen eine sogenannte ad-hoc Meldung veröffentlichen. Danach dürfte der Biontech Kurs durch die sprichwörtliche Decke gehen.
Gute Aussichten, wobei Biontech ohnehin zu meinen Börsenlieblingen gehört. Am Wochenende wurde öffentlich, dass sie 500 neue Mitarbeiter*innen suchen und schwupps, eröffnete die Aktie heute 5 Prozent höher. Das ist der Stoff, aus dem die feuchten Börsianer-Träume gemacht werden: Phantasie. Die Zukunft! Was kommt als nächstes?
So sehr ich den Kapitalismus verabscheue als Ursache globalen Elends und Auslöser menschheitsbedrohender Katastrophen, so sehr bewundere ich, und das tat auch schon Marx, dessen Dynamik, Kreativität, Erfindungsreichtum. Da demnächst die ersten Weihnachtsartikel in die Kaufhäuser kommen, mein Geschenktipp für Sie, liebe Leserinnen: Kaufen Sie Ihrem Liebsten eine Biontech-Aktie, mit der Auflage, die 10 Jahre liegen zu lassen. Apple, Google, Facebook, das ist alles old school. Gucken Sie sich deren aktuelle Kursentwicklung an, lahm, trotz unfassbarer Milliardengewinne. Digitale Revolution ist Schnee von gestern, die wesentlichen Entwicklungen sind gemacht und absehbar.
Die Schwachstelle sind die Träger der digitalen Revolution, die Subjekte. Also wir, Du und ich: Begrenzt belastbar, niedriges Verfallsdatum, extrem verletzlich, jede kleine Seuche haut uns um und bringt den Weltmotor, das Geschäft, ins Stottern. Also muss die nächste Revolution auf die aufregendste Reise schlechthin gehen, nicht zum Mars, das ist lächerliche old-school. Sondern in unsere Körper, um sie zu perfekten Trägern genetischer Revolutionen zu machen. Eingriffe in die Keimbahn, Züchtung von Schimären, die wir als Ersatzteillager für unsere maroden Körper züchten, damit zumindest unsere Eliten 150 Jahre alt werden. Gute Aussichten. Wenn man zur Elite gehört.
Und da spielt die Musik. Doch nicht bei diesen bits and bytes-Kaspertruppen von Google etc. Sondern bei Biontech, Moderna etc.
Meine Wette auf die Zukunft: Biontech ist das Apple von Morgen. Was das heißt?
Die Biontech Aktie hat seit Börsennotierung 2019 ein Plus von 2.027,7 Prozent erzielt, not too bad im Vergleich zu Festgeld-Rendite.
Die Apple Aktie seit Börsennotierung Mitte der 90er ein Plus von 73.027,7 Prozent.
Jetzt warten wir also mal die nächsten 10 – 20 Jahre ab. Und dann werde ich Ihnen ganz überzeugend erklären, warum alles aber auch sowas von völlig anders gekommen ist.
Was bleibt, ist eine eher trübe Aussicht: Ein System, dass offensichtlich derart dynamisch und überlebensfähig ist wie der Kapitalismus, wird so ziemlich alles überleben. Selbst seine Träger.
Dich und mich.