
Autofahren kostet einen Otto Normalverschrotter durchschnittlich 330.000 Euro im Leben, wenn er Pech hat, kostet es ihn sogar das Leben. Ich fahre kein Auto. Also 330.000 Euro gespart. Ich zahle keine Miete. Sind nochmal ca. 310.000 Euro. Ich hab keine Kinder. Pro Kind bis zum Abschluss eines Studiums weitere 230.000 Euro Ersparnis. Bei 1,59 Kindern (BRD-Durchschnitt) sind das 365.700 Euro.
Macht zusammen 1.005.700 Euro, die ich gespart habe. Endlich Millionär. Jetzt muss ich nur noch das Loch in meinem Konto finden und dann wird aber sowas von geprasst…
Der Auslöser für eine derart erfreuliche Rechnung war der Anblick von Alice „leider nicht im Wonderland“ Weidel neulich im TV, beim Zappen durch irgendeinen Talk Blabla. Ihre ziemlich kranke Gesichtsmischung aus versuchter und miserabel gespielter Blasiertheit zu den Einlassungen Anderer und dem unverhohlen an der Gesichtsfront brodelndem Hass ließ mich verweilen für ein paar Augenblicke, und sinnieren über die psychischen Abgründe in der Politik, insbesondere die psychische Grundierung von politischen Einstellungen. Oder grundsätzlich: Was ist die Basis für Einstellungen und Meinungen?
Nach meiner Meinung werden (partei-) politische Einstellungen zu einem unterschätzten Ausmaß von Charakterausprägungen, mentaler Disposition und Neurosen bestimmt.
Alice Weidel ist als Lesbe Führungsmitglied einer faschistischen Partei, in deren Struktur der Hass auf alle Minderheiten eingeschrieben ist. Das auszuhalten, erfordert eine enorme Verdrängungsleistung und das sowas an anderen Stellen emotionale Kosten hat, immer öfter immer massiver irgendwo durchbricht aus dem Blubbern des Unterbewussten, schlimmstenfalls an der Gesichtsfront, ist offensichtlich. Weidel wird ahnen, dass sie sich der oberflächlichen Akzeptanz – nicht: Toleranz! – ihrer Gang nicht dauerhaft sicher sein kann. Im Konfliktfall wird ihr „Anderssein“ ein Thema, hinter ihrem Rücken, und dann Gnade ihr Göttin. Die Original-Nazis haben mit dem schwulen SA-Führer Röhm kurzen Prozess gemacht, als er anfing zu nerven, und danach war Schluss mit Toleranz gegenüber Schwulen: Rosa Winkel und KZ. Lesben wurden damals nur deshalb nicht flächendeckend verfolgt (es gab keinen lesbischen Komplementär-Paragrafen zum 175er), weil Frauen einfach nicht wichtig genug waren in der Nazi-Wahrnehmung und ihnen kein eigenes Begehren unterstellt wurde. Da fehlte die Projektionsfläche für Männer-Hass. Das sieht heute ganz anders aus. Da sind Lesben durchaus nicht nur Projektionsfläche für Nazimänner-Hass, sondern ganz konkrete Angriffsziele. Wenn Weidel nur einen Funken Humanität ausstrahlen würde, täte sie mir fast leid.
Drolliger sieht es mit der Grundlage für politische Einstellungen aus. Autoritäre, anale Zwangscharaktere, die vor jedem Schutzmann Männchen bauen und zwang(!sic)haft dem Ordnungs- und Sauberkeitswahn frönen, sind klassische Beute für rechte Parteien, auch anfällig für linke Dogmatik. Wer Flugangst hat, ist natürlich für radikale Einschränkungen beim Fliegen: grüne Beute. Wer unter Modernisierungsbedrohung leidet (fragen Sie mal in der Klapsmühle nach, wie viele Leute da sind, die diesem Druck nicht mehr standhalten), wird eher CDU und AfD-Beute.
Autos haben mich schon immer mit Angst und Schrecken erfüllt. Ich hab keins, siehe oben. Daher bin ich radikal für autofreie Innenstädte.
Wir sehen: Auf Befindlichkeiten, Ängste werden passende (politische) Einstellungen draufgesattelt und danach mit Argumenten legitimiert.
Kein Wunder, dass Logik, Verstand, Ratio, Aufklärung im derzeitigen Diskurs untergehen.
Wir suchen uns unsere Argumente nach unseren Neurosen. Wie sieht’s bei Ihnen damit aus, liebe Leserinnen? Viel Spaß bei der Reise nach innen.
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10.02.2020 – Thüringer Rostbratwurst

Nach dem Unwetter kaum vorstellbar, dass das zu sonnigeren Zeiten ein lauschiges Plätzchen zum Grillen ist. Die Zeit des Grills kommt aber wieder und dann wird sicher auch die eine oder andere senfbetupfte Bratwurst das Ziel ihrer Bestimmung erreichen. Thüringer Rostbratwürste sind die schlechtesten nicht, würzig und schön braun, dazu einen Maiskolben in Butter, etwas Kartoffelsalat und einen kräftigen Weissburgunder Winzersekt – es muss nicht immer ein Drei Sterne Restaurant sein, um kulinarisch glücklich zu werden. Zwei Sterne reichen auch. Der Grillmaster muss nur aufpassen, dass die Wurst nicht schwarz wird.
In Thüringen ticken die Wurst-Uhren anders. Jede Menge Politik-Wurste, die sich zum Hans-Wurst machen, ersatzweise zur Grete-Tofu. In Thüringen ist ein Wurstbürgerliches Trauerspiel zu beobachten: die Wurst wird hier nicht erst braun und dann schwarz, die Bürger-Wurst wechselt von schwarz zu braun. Das Bürgertum, mittlerweile Lichtjahre entfernt von Lessings nobler Zuschreibung des edlen Charakters und der sittlichen Reife, entfaltet immer mehr seinen rohen, antidemokratischen Kern. Jede Klasse teilt sich in Fraktionen und im Bürgertum gibt es durchaus moralisch Denkende und Handelnde, Engagierte, die den derzeitigen Zustand der Gesellschaft nicht als das letzte Wort der Geschichte betrachten. Doch ihrer werden weniger und ihre Kräfte schwächer. Die Masken der Biedermänner und – frauen fallen und unverhüllt betritt Kamerad Brandstifter die Bühne. Lemuren wie der Kümmerling Kemmerich oder der Mohr, der demnächst seine Schuldigkeit getan haben wird, Mohring stehen nackt und ertappt da, als das, was sie sind: Gewissenlose Undemokraten. Sie sind das Produkt einer jahrzehntelangen Erziehungsgeschichte, die die zwei Mantren des Neoliberalismus „1. Alles muss sich rechnen. 2. Was nutzt es mir?“ bis in jede Zelle und Gehirnwindung der Individuen gepresst hat. Rest-Gefühle für Anstand, Demokratie, Moral sind zu Asche gebrannt, es herrscht das reine Kalkül. Gottseidank auch schiere Dummheit. Aber wenn die beiden Hanswurste schwarzbraun verbrannt durch den Grill-Rost der Geschichte fallen, rücken sofort vier andere, noch skrupellosere und schlimmstenfalls intelligentere, nach.
Zwei Dinge habe ich in diesem Blog das eine oder andere Mal schon angesprochen (kein Wunder, der ist mittlerweile über 10 Jahre alt, da wurde einiges schon mal verwurstet, und ich neige zur Geschwätzigkeit): Die Dummheit der bürgerlichen Totalitarismustheorie (Nazis = DDR) und die Reichsexekution. Die in den Köpfen des Bürgertums immer noch verbreitete Totalitarismustheorie verhindert zur Zeit noch die Lösung der Thüringer Krise und ist ein schönes Beispiel dafür, wie einem falsche Ideologie vom Theoriekopf auf die Praxisfüße fallen kann und einen ins Stolpern bringt.
Eine Lösung nach meinem Geschmack nicht nur der Thüringer sondern der Ostzonenkrise insgesamt wäre die Reichsexekution, die heute nach Artikel 37 Grundgesetz „Bundeszwang“ heißt: Einmarsch der Bundeswehr in die Ostzone und Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse, also jener Verhältnisse, die allen Menschen, gleich welcher Hautfarbe, ein Leben ohne Angst und Lebensgefahr beschert. Eine Reichsexekution gab es schon mal: 1923, in Thüringen. Natürlich ging es damals gegen links und natürlich waren Sozialdemokraten dafür mitverantwortlich.
Ich muss wieder raus, schauen, ob der Sturm vorüber ist. Entspannten Start in die Woche, liebe Leserinnen, und säubern Sie schon mal Ihren Grill. Irgendwann is wieder Sonne.
09.02.2020 – Ob ich nochmal Staatssekretär werde, wage ich zu bezweifeln.

An einem Sonntagmorgen, irgendwo in Neukölln. Für einen Moment war die Zeit aufgehoben, ich fühlte mich in eine Kindheit versetzt, in der es noch Laufmaschenannahmestellen gab. Für derlei Empfindungen braucht es nicht nur Bilder wie diese, sondern auch eine ganz eigene Stimmung wie leere Straßen, die im Gegensatz zum Gewusel des Alltags stehen, kühle Temperaturen und trübes Licht, ein strahlender Sommermorgen macht eher ein fröhliches Erwarten in die Zukunft, was bringt der Tag an Sonnenwonnen, denn einen melancholischen Blick zurück. Wenn ich dieses Foto nicht gemacht hätte, wäre das ein flüchtiger Moment gewesen, vergessen und verweht. So ist diese Empfindung aufbewahrt. Aufgehoben.
Und damit sind wir mitten in unserer heutigen Vorlesung über Hegels Begriff der Dialektischen Aufhebung und was das Führen eines Internetblogs damit zu tun hat. Also, wat is en Dialektik? Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so : Bei der Dialektik wird das Gegenteil von einer Position behauptet und mittels der Synthese beider soll eine höhere Erkenntnis erlangt werden.
Manchmal hilft Kiffen da auch, führt aber meist nur zu höherem Blödsinn. Zuverlässiger sind da morgendliche Geistesblitze, sie sind oft das Resultat vorherigen Bemühens um Erkenntnis. Gleiches funktioniert auch beim Duschen und beim Kacken. Verlass ist da aber nicht drauf. Ich erwähne diese Alltagsphänomene nur, um das Wesen der Hegelschen Dialektik sinnlicher zu machen, denn Sinnlichkeit ist neben Lachen der beste Weg zur Erkenntnis.
Werkzeug der Dialektik ist die Dialektische Aufhebung von Widersprüchen, in einem dreifachen Sinn :
Aufheben im Sinne von Aufbewahren, im Sinne von auf eine höhere Ebene (Stufe) heben und im Sinne von überwinden, beenden (wie: Die Sperrstunde ist aufgehoben.) Die Widersprüche einer Argumentation werden also nicht einfach in die Tonne gekloppt, sondern ihre bedenkenswerten Anteile bleiben erhalten, die falschen Bestandteile werden überwunden und wir erlangen eine höhere Erkenntnis. Im Idealfall jedenfalls.
Was hat das mit dem Führen eines Blogs zu tun und warum ist ein Leben ohne Blog machbar, aber nicht wünschenswert?
Siehe oben, Bild und Empfindung aufheben, die Funktion von Archiv & Dokumentation. Alle Macht den Archivaren, sonst wird die Nachwelt Nichts erfahren!
Im Schreiben des Blogs werden im Idealfall eigene Argumente gegen externe abgewogen und im günstigen Fall verändert man/frau die eigene Sichtweise, Perspektive, und gelangt zu neuer Erkenntnis. Die Funktion von Reflexion. Und wer geht schon gerne unreflektiert ins Bett?
Natürlich gibt es noch andere Funktionen beim Führen eines Blogs: Schreibschulung, Präzision & Logik schärfen, das ästhetische Auge fokussieren, sich für Veränderungen öffnen, aus der Fron der Erwerbsarbeit in das Reich der Zwangfreien Welt flüchten für ein paar Momente, etc. pp (Ich arbeite gerade an einer Theorie des Blogs, dauert noch)
Sollten Sie, liebe Leserinnen, allerdings in irgendeiner Form von irgendjemanden abhängig sein oder noch was irgendwas werden wollen, wägen Sie Ihre Worte in einem Blog wohl. Ob ich z. B. mit meinen prononcierten Sentenzen in diesem Blog nochmal Staatssekretär oder ähnliches werde, wage ich zu bezweifeln.
Auch kein Verlust.
08.02.2020 – Kranke Phantasien

Kaum ist mal 1 (in Worten: ein) Künstlerkollege zu Besuch, schon sieht’s aus, als ob sich Dylan Thomas, Joseph Roth und Charles Baudelaire zu einem Arbeitstreffen verabredet hätten. Alle drei Autoren, jeweils Meister ihres Faches, starben im Alkoholdelirium, keine 50 geworden, beim Schwerstkiffer Baudelaire kam Syphilis dazu.
Der Mythos, dass zum Künstlerleben Sex and Drugs and Alcohol dazu gehören wie die Gauloise zum Frühstück, ja, die Boheme-Existenz überhaupt ein Zustand im Dauertran sei, dürfte in Zeiten des Religionsersatzes „Körperkult & Fitnesswahn“ nachhaltig zerbröselt sein. Heute punkten Kulturproduzenten (für Frauen als Kulturproduzentinnen galten und gelten andere Mythen & Normen im Kulturbetrieb) mit dem Bild eines lässig um den Hals geworfenen Handtuchs, farblich dezent kontrastierend zum verschwitzten Designer T-Shirt, nach einem Halbmarathon, in der Hand irgendein isotonisches Blubberwasser.
Dass Künstler durch solcherlei Sittenwandel auch substantiell professioneller geworden sind, kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Erst unlängst durfte ich wieder im Rahmen eines kleinen Projektes einen beklagenswerten Mangel an Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Struktur erleben. Eigenschaften, die mir Hass und Mordgedanken durchs Gemüt rasen lassen und meine Sichtweise bestätigen:
Künstler sind wie Atomkraft und Krieg – Nein Danke und nie wieder!
Es sei denn, ich lasse mir im Vertragswerk schriftlich volles Sanktionsdurchgriffsrecht bei solch unfassbaren Regelverstößen wie „Fünfminütige Verspätung bei Treffen“ zusichern. Sanktionen wie Nacktes Strafexerzieren um 6 Uhr morgens bei Minusgraden und Ostwind. Oder 24 Stunden kein Alkohol.
Da seien aber kranke Phantasien, höre ich da besorgte Sozialarbeiterinnen und Studienräte aufjaulen?
Nicht meine Phantasien sind krank, die Wirklichkeit ist es. So wird der Drops gelutscht.
Mit diesem Eintrag, liebe Leserinnen, sehen Sie aber eine der zentralen Funktionen vom Führen eines Blogs erfüllt: Er ersetzt die Couch des Therapeuten. Einfach mal sanktionsfrei den Müll der letzten Tage von der Seele reden. Zu den weiteren Funktionen eines Blogs kommen wir demnächst, wir werden uns dazu des Hegelschen Begriffs der „Dialektischen Aufhebung“ bedienen. Es wird spannend, bleiben Sie drin, liebe Leserinnen.
Für Heute enden wir dem Fluch des göttlichen W.C. Fields:
„Welcher Mistkerl hat den Korken von meinem Mittagessen geklaut?“
06.02.2020 –Madeira Jahrgang 1860, 5,02 Euro pro Tag und Thüringer Verhältnisse

Preisliste Madeira Weine, neulich beim Portugiesen. Der Portugiese war normales Restaurant, keineswegs im Nobelsegment angesiedelt, Hauptgerichte um die 15 Euro. Umso erstaunlicher die Weinliste. Für deutsche Normalverdienerinnen ist der Besuch eines Restaurants von dem Preisniveau etwas Normales. Für Menschen mit wenig Geld liegt so etwas außerhalb des Alltags. Hartz-IV-Bezieherinnen stehen für Ernährung pro Tag 5,02 Euro zur Verfügung. Wenn alles gut läuft. Wie so ein Ernährungstag aussehen kann, habe ich hier aufgeschlüsselt: LAK – Hartz IV Tagessatz Ernährung
Für bekennende Weintrinker und Spitzenpolitiker im Ruhe- und Wohlstand wie Gerhard Schröder und Joseph Fischer, ausgestattet mit hohen Belohnungen seitens des Kapitals für erfolgte Hilfeleistung bei der Ausplünderung der niederen Stände, beschönigend Agenda 2010 genannt, ist der Genuss von ähnlichen Qualitäten wie diesen hier abgebildeten Madeiras etwas Normales. Die durch diese und andere Verhältnisse entstehenden Gräben in der Gesellschaft werden nicht nur immer breiter und tiefer, sondern arten in regelrechte Schützengräben aus, meint: es herrscht Klassenkrieg. Das ist das wahre Drama und nicht das Schmierentheater, das gerade in Thüringen aufgeführt wird. Die Thüringer Verhältnisse sind nur der äußere, institutionalisierte Ausdruck eines inneren gesellschaftlichen Zustandes, die Spitze eines Scheissberges sozusagen. Da wurden ein paar Minenhunde losgelassen, um zu testen, wie weit die Gesellschaft, die Medien, die veröffentlichte Meinung sind in der Akzeptanz einer Beteiligung von Faschisten am Regierungsgeschäft. Selbst wenn die Hunde für dieses Mal wieder an die Kette gelegt werden, kräht da in zwei oder so Jahren kein Hahn mehr nach. Oder glaubt jemand im Ernst, die Grünen würden sich mit der heute noch als Steigbügelhalter der Faschisten gescholtenen CDU nicht ins aufgeschüttelte Koalitionsbett in Niedersachsen oder im Bund legen, wenn es denn die Mehrheits-Verhältnisse so hergeben?
Aus Bürgerkindern werden Leute und die Verhältnisse ändern sich nun mal. In Hangover wurde vor dem Krieg mal ein Festival ins Leben gerufen, das als Motto hatte: Bunt statt braun. Ich bin gespannt auf die erste Version: Braun statt bunt.
In dem Sinne, liebe Leserinnen: viel Spaß beim Madeiraeinkauf und Prost.
04.02.2020 – Bin ich denn der einzige Zurechnungsfähige unter lauter Bekloppten?

Felsküste Algarve, mit Grünzeug, im Jänner. Ein überaus entspannender, die Seele streichelnder Anblick, Bronchien befreiende Seeluft, Stille, Menschenleere. Sieht man von einem jungen Pärchen ab, das direkt auf der Felskante stehend ein Selfie macht. Früher hätte ich diese Minderintelligenzler noch gemaßregelt, heute sage ich mir: Lass segeln, besser, soviel Blödheit vermehrt sich erst gar nicht.
Soviel zum Thema Altersmilde.

Später den Salonbolschewistischen Klassenkampfposeur gegeben, vor Plakat der kommunistischen Partei Portugals, die immerhin noch im Parlament vertreten ist. Die Forderung auf dem Plakat nach einer Erhöhung des Mindestlohns auf 850 Euro ist angesichts der Preisniveaus in Portugal, das nicht sehr weit von unserem ist, ebenso einleuchtend wie utopisch. Real beträgt er zurzeit 600 Euro, im Hotelgewerbe an der Algarve werden ca. 700 Euro Durchschnittslohn gezahlt.
Zurück an der hiesigen und diesigen Klassenkampffront mitten im Konflikt um höhere Lebensmittelpreise. Sofort erhebe ich mein machtvolles Organ für einen sozialen Ausgleich bei einer, aus ethischer Sicht völlig nachvollziehbaren, Erhöhung der Preise für Grundnahrungsmittel. Was umgehend bei der Weltpresse Gehör findet.
Das wollte ich ihr auch geraten haben, schließlich ist dieses alternative Gesäftel auch in den Leitartikeln der Bürgerpresse, dass das Tierwohl ja unbedingt sofort eine deutliche Erhöhung der Lebensmittelpreise erfordere und Energie wegen Klima teurer werden müsse und Flugpreise gleich verdoppelt werden sollten, koste es, was es wolle, nur schwer erträglich. Erstens zeugt es von grenzenloser Empathielosigkeit gegenüber Menschen mit wenig Geld, unterhalb einer Bezahlung von A 13, und zweitens von einer grunzdummen politischen Einschätzung der realen Situation in unserer Gesellschaft, jenseits der Stuckverzierten Altbaubuden in Quartieren mit Grünen-Wahlergebnissen über der 50 Prozent Marke.
Bereits jetzt ist die schnell wachsende Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ Nazidurchseucht und wenn es zu einer Erhöhung der Lebensmittelpreise kommt, zusätzlich zu Mietenexplosion in Ballungsräumen, Verteuerung Heizkosten etc. pp. , ohne sozialen Ausgleich, dann wird’s hier richtig volksstürmisch.

Leider druckt die Weltpresse ein Foto von mir, wo ich Schulbubihafter aussehe als Armin Laschet und der Sauerlandrocker Friedrich Merz zusammen. Meine Laune ist sofort im Keller und nach zwei Tagen an der Heimatfront bin ich wieder urlaubsreif. (Für Feinschmeckerinnen der deutschen Sprache: Achten Sie auf den Unterschied in den Überschriften der Süddeutschen “ … teureren Lebensmittel…“ und in der Neuen Presse „…teuren Lebensmittel… Hier das Original: PM Landesarmutskonferenz Teurere Lebensmittel verschärfen Armut)
Nur das Stöbern im Altpapier heitert mich etwas auf, irgendwas marxistisches.

„Frauen kommen mit Macht, und sie sind hier, mitten unter uns.“ Mein Lieblings-Kardinal Marx, aber nur wegen des Namens. Si tacuisses .. Oder wärst Du wenigstens Trappisten-Mönch geworden, Marxchen, die müssen den ganzen Tag die Klappe halten. Aber nein, Du musst Deinem Unterbewusstsein freie Bahn lassen. Also Marx, das mit dem „mitten unter uns“ waren Vampire, Zombies und Werwölfe, vor denen Du sicher genauso viel Angst hast wie vor den Weibern.
Und woher willst Du, Marx, wissen, wie sich das anfühlt, wenn Frauen mit Macht kommen?
Von Deiner Haushälterin?
Ab in den Müll. Sowohl der Geschichte als auch des Altpapieres.
Bin ich denn der einzige Zurechnungsfähige unter lauter Bekloppten?
Wenn sich dieser Eindruck nach nur zwei Tagen an der Heimatfront weiter aufdrängt, dann kann 2020 noch heiter werden.
28.01.2020 – Nah bei de Tiere

Iberische schwarze Schweine an der Algarve im Jänner, auf einer blühenden Wiese voller Schlüsselblumen. Abends gab es die niedlichen Schweinchen dann in Form von geschmorter Schweinebacke in Rotwein an dreierlei Dünstgemüse im Restaurant. Dieser naturnahe Akt des Verzehrs ist ein erster Schritt in Richtung zurück zur natürlichen Akkumulation, laut Marx die Vorstufe der kapitalistischen. Bei der sind die Produzenten von ihren Produktionsmitteln getrennt und arbeiten entfremdet.
Nah bei de Tiere, könnte man im vorliegenden Fall sagen in Anlehnung an einen der zahlreichen unsäglichen Vorsitzenden der SPD, Kurt Beck. Von dem sagte man, er sei immer nah bei de Leut gewesen. Eine höfliche Umschreibung der Tatsache, dass Becks Bildungshorizont an der Titelseite der „Bild“ endete.
Allemal allerdings sympathischer als das fleischgewordene Brechmittel Gabriel. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Sozialdemokrat mir nochmal Gefühle abringen würde. Dieser Sargnagel der SPD und jetzt der Doitschen Bank hat es geschafft: mir wurde vor Ekel leicht übel. Ein sehr erfrischendes Bad in den Fluten des Atlantiks beendete das aber umgehend.

Bei 14 Grad Wassertemperatur werden Helden gemacht.
Kleine zumindest.
Charmantes Wochenende, liebe Leserinnen, oder was auch immer für ein Wochentag gerade sein möge.
25.01.2020 – Fridays for Nazis

Fridays gegen Altersarmut, gestern in der hiesigen City, logisch, war ja auch Freitag. Mit aktiver Unterstützung örtlicher Nazis. Wenn Nazis die soziale Frage für sich entdecken, dann gute Nacht, Marie & deutscher Michel. Gruselig. Da heißt es, rechtzeitig auf gepackten Koffern zu sitzen.
Was sich dramatischer anhört als es ist. Es geht dabei nicht um einen Aufruf ins Exil zu gehen, sondern um einen Reiseappell in den Süden. Portwein in der einzigen Strandbar, die noch geöffnet ist, frische Seebriese und der todesmutige Gang in den Atlantik bei gefühlten minus zwei Grad Wassertemperatur, das stärkt die Widerstandskräfte auf allen Ebenen mehr als Fluchtgedanken. In dem Sinne, gute Reise, liebe Leserinnen, aber immer schön Ceozwei beichten. Äh, kompensieren.
24.01.2020 – Botox, Silikon und braune Schafe

Media Night 2019, Schloss Herrenhausen. Wenn das Bild nicht paradigmatisch für die Mensch-Maschine Dialektik steht, welches dann…Einer der Vorzüge meiner Jobs ist die Einladung zu solchen Empfängen mit extrem hohem Botox- und Silikonfaktor. Man erhält Einsichten und Ansichten wie sonst nirgendwo. Wenn Sie so wollen, politische Bildungsarbeit, direkt im Botoxprallen Leben. Und es gibt Fingerfood und Wein für lau, wobei letzterer im Normalfall von inferiorer Qualität ist. Das Foto hab ich aus mehreren Gründen in den Blog gesetzt: Es ist tatsächlich ein gelungener Schnapsschuss, ich möchte es nicht nur auf meiner Festplatte archivieren und ich möchte damit angeben, wo ich überall rumkomme. Wenn ich mir bei solchen Anlässen die erstbeste Gesellschaft da anschaue, kommen mir Zweifel auf: Zweifel an meiner Zurechnungsfähigkeit, mich auf sowas einzulassen, Zweifel am Fortbestand zumindest Menschenähnlicher Existenz und an deren Sinn grundsätzlich, und an der Mobilisierungsfähigkeit der sogenannten „Zivilgesellschaft“, wenn der Faschismus noch militanter, radikaler und tiefer in die Mitte der Gesellschaft vordringt. Jeden gut gemeinten bürgerlichen und umso hilfloseren antifaschistischen Appell von der Mitte der Gesellschaft, vorzugsweise in Leidartikeln des jeweiligen Chefredaktörs, an die Mitte der Gesellschaft, jetzt endlich gegen den brauen Spuk zusammenzustehen, den Anfängen zu wehren und ein neues 33 zu vermeiden, nimmt der Faschist als Fanfarenstoß eines Sieges und als Ermutigung wahr, noch brutaler vorzugehen. Es passiert ja nichts, es ist alles kraftloses Papier und lyrische Sonntagspredigt.
Wo soll Erkenntnis auch herkommen, ist der Faschismus doch eine Ausgeburt der bürgerlichen Gesellschaft, das braune Schaf der Familie, das man bei Empfängen nicht gerne am Tisch sieht.
Noch. Denn hier herrscht ein so unfassbarer Opportunismus vor im Kern der Zivilgesellschaft, die paktieren mit jedem, und sind die ersten, die bei AfD Minister*innen irgendwann in einer Koalitionsregierung katzbuckeln, wenn es um Fördermittel, Aufträge oder einfach nur Macht und Einfluss geht.
Wo soll der Geist und die Kraft des Widerstandes auch herkommen? Mir fiel neulich der Entwurf eines Kulturentwicklungsplans 2030 der Landeshauptstadt Hannover in die Hände Kulturentwicklungsplan .
Einer der Nachteile meiner Jobs ist, dass ich mitunter lesen muss. Im gesamten Kulturentwicklungsplans 2030 nicht eine einzige Fundstelle zu Armut, sozialen Brennpunkten, Spaltung der Gesellschaft. Und das in einer Stadt, in der ein Viertel aller Familien arm ist. In was für einem Paralleluniversum leben die Schreiberlinge dieses auch einen Tiefpunkt deutscher Sprache darstellenden Flachwerkes?
Die Einladung zu Empfängen wie obigem fasse ich auch als Schmerzensgeld auf.
Für Bestechung ist es viel zu wenig. Fröhliches Wochenende, liebe Leserinnen.
22.01.2020 – Bruno Breitklops und seine Käsegang

Live bei mir im Kiez umme Ecke, im Kulturpalast Hannover.
Die selbstbesoffene Kitschrührseligkeit des alternativen Mittelstandsmilieus in dem Kiez Hannover-Linden (ähnlich wie St. Pauli, Kreuzberg etc., nur in klein und lahm), in dem ich in Hangover lebe, geht mir schon seit Äonen auf den Senkel. Der Horizont dieser Schnarchsäck*innen fängt an der eigenen Biotonne an, riecht auch so vermodert, und hört an der Stadtteilgrenze auf, egal, wie weitgereist zwischen Kapverden und Kapstadt die Trägerinnen dieses Horizontes sich auch geben mögen. Den Flug immer brav kompensiert natürlich. Kompensation ist in der Psychoanalyse ja jenes Verhalten, das die eigene Minderwertigkeit ausgleichen soll. Klappt natürlich nicht, deswegen haben so viele Leute auch ne Meise.
Natürlich ist das Leben hier nicht die reine Hölle auf Erden, ich bin ja dankbar, dass ich nicht in einem Villenviertel psychoelend dahinvegetieren muss. Und solange ich bei einem Abendspaziergang zum Kopf-Durchlüften auf solche Bilder treffe wie jenes oben, will ich nicht weiter klagen. Es hat mich erheitert, zumal Bruno Breitklops und seine Käsegang ein hinreichend schräges Bühnenoutfit besaßen.
Einen autonomen Steinwurf entfernt vom Kulturpalast befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Hautklinik ein schickes Neubauviertel, Wohnen am Wasser in den sogenannten Ihmeauen. Vor ein paar Jahren waren die Wohnungen da noch ein Schnäppchen, bei Quadratmeterpreisen von 2500 Euro. Interessant die Lage des Viertels. Der Stadtteil hier ist dreigeteilt, Linden-Nord ist Szene mit Kneipenremmidemmi, Linden-Mitte gentrifiziert und Eigentum mit Stuck an der Decke, und Linden-Süd, ein sozialer Brennpunkt mit überdurchschnittlich hoher Armutsquote. Dort liegen die Ihmeauen, zusammen mit anderen schicken Wohninseln wie dem Ahrbergviertel, einer ehemaligen Wurstfabrik, strahlen sie in den noch sozialen Brennpunkt aus und werden auch hier eine Verdrängungswelle produzieren.
Es gibt noch einen früher schäbigen Wurmfortsatz des hiesigen Viertels namens Limmer, wo sich das Prekariat zum Bierabpumpen an Kiosken traf. Hier entsteht gerade ein weiteres Neubauviertel „Wohnen am Wasser“, auf dem schadstoffverseuchten ehemaligen Gelände der Reifenkocherei Continental. Hier sind die zu erwerbenden Wohnungen kein klassisches Schnäppchen mehr, sie kosten in der Spitze über 8.000 Euro pro Quadratmeter und das eine oder andere Apartment knackt die Millionengrenze. Es ist ja auch keinem Zahnwalt-Ehepaar zuzumuten, in einem nur 100 qm großen Penthouse dahinzuvegetieren.
Alles noch billig im Vergleich zu Düsseldorf, Frankfurt oder München.
Wobei erstmals seit Jahren in den 7 größten Städte der BRD die Mietpreise bei Neuvermietungen stagnierten. Wann sich das allerdings dämpfend auf die Mietpreise in den Bestandswohnungen, weiß kein Schwein. Ebenso wenig, wann die Spekulationsblase bei Immobilien platzt. Und wann die nächste Rezession voll durchschlägt. Und wie sich der Strukturwandel des Arbeitsmarktes auswirkt. Wann die nächste Finanzkrise kommt. Und der böse Klimawandel erst, wann macht er die norddeutsche Tiefebene zu einer andalusischen Wüste? Sind so viele Fragen, musst Du tüchtig Urlaub machen.
Ich geh dann mal packen.