Kategorie-Archiv: Schuppen aktuell

04.12.2021 – Was kommt also nach der Impfpflicht?


Hoffentlich ist bald Bo-Ostern. Als Witz ein Brüller, falls Mario Barth, Dieter Nuhr oder andere Flachzangen den in ihr Programm einbauen wollen, kann sich deren Management gerne bei mir melden. Den Witz gibt es auf Leihbasis. Mein Boostertag steht vor der Tür, was er bringen wird, gegen Omikron, Sigma oder Tau, weiß der Henker, aber von allen nichtoptimalen Lösungen ist das die Beste.. Millionen Menschen hierzulande halten Impfungen und Prävention für Teufelswerk, mitunter im Wortsinne, das Virus habe Satan über die Welt gebracht, behaupten, Impfungen töten kurz- oder langfristig, und was dergleichen Irrsinn mehr ist.
Mit dem Tod haben sie recht, eine Langzeituntersuchung wird ergeben, dass hundert Jahre nach der letzten Impfung kein Proband mehr lebt. Ansonsten bleibt festzustellen, dass wohl annähernd 15 Millionen Bürger*innen der Zivilgesellschaft den Konsens aufgekündigt haben. Sie verweigern Impfungen auf der Basis von Wahnvorstellungen (immer natürlich jene nicht mitgemeint, denen schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen eine Impfung unmöglich machen), sie sind für Diskurs und Konsens nicht erreichbar. Die Teilmengen gehen von Esoterik, Homöopathie, Astrologie über religiöse Sektierer hin zu Alternativen, linksverschwörten Wagenknechtistinnen und hören bei Nazis und Zonis noch lange nicht auf, sind mitunter kompatibel. Was tun mit dem Pack?
Meine Lösung ist natürlich mal wieder nicht mehrheitsfähig: Alle umsiedeln in die Ostzone, die Zurechnungsfähigen von drüben (doch, die gibt’s auch!) zu uns evakuieren, Mauer wieder hoch und na ja, den Rest kennen Sie ja, liebe Leserinnen.
Die Gewaltbereitschaft der Irren steigt. Welche Auswirkungen wird das haben, wenn die Impfpflicht kommt, am 01.02.22 vermutlich? Die fünfte Welle wird die nicht verhindern, die sollte zum April hin auflaufen nach bisherigen Erfahrungen. Millionen Menschen, die das nicht wollen zu einer Impfung verpflichten und letztlich – und dabei bleibe ich – zu zwingen mittels staatlichem Gewaltmonopol, wird ein Berserkerakt, das ist nicht in ein paar Wochen zu wuppen. Viele werden sich impfen lassen, können sich dann hinterher als Märtyrer stilisieren, wacker gekämpft bis zur letzten Patrone etc. pp. Aber wie viele sind schon so in ihrem Paralleluniversum, dass sie selbst Jobverlust in Kauf nehmen, bürgerliche Existenz aufs Spiel setzen und sich mit allen Mitteln wehren werden. Heißt Gewalt. Der Märtyrer stellt im Extremfall ja die Idee, seine Idee, höher als das Leben, auch sein eigenes.
Wie hoch ist dieses Gewaltpotential in unserer Gesellschaft? Auf den Verfassungsschutz würde ich mich da bei der Lagebeurteilung nicht verlassen, mehr Nazis gibt es nur noch bei der Polizei und der Bundeswehr.
Was kommt also nach der Impfpflicht?
Ich halte es mit dem alten, genauer: toten Ovid: Principiis obsta, sero medicina paratur. Tritt den Anfängen entgegen, das Heilmittel kommt sonst zu spät.
Also auf Neudeutsch mit maximaler Härte proaktiv intervenieren. Oder in meinem Diktum: Für Impfnazis, die auch an diesem Wochenende wieder nach Art des Mobs auf den Straßen randalieren, nicht 2G plus, sondern MG plus.
Ist natürlich auch wieder nicht mehrheitsfähig.
Allerdings: Wenn das, was ich hier im Blog verbrate, mehrheitsfähig wird, wandere ich aus

03.12.2021 – Auf der Triage-Liste


Einer der raren Fälle, wo die Reproduktion von Geschlechterklischees trotzdem ganz witzig ist.
Gesichtet beim letzten Restaurantbesuch vor der Einführung von 2G plus für Restaurantbesuche. Ich habe keine Lust, mich mit lauter ungeimpften Vollidioten bei dem Wetter in eine Monsterschlange vor einem der raren Testzentren zu stellen, nur um mal Happe zu gehen. Bezeichnend übrigens, dass es laut Aufstellung am 02.12.21 in ganz Hannover kein einziges Testzentrum in einem sozialen Brennpunkt gibt. Die Seuche wird nach wie vor viel zu Eurozentriert und zu sehr von der Mitte der Gesellschaft her gedacht. Das ist dumm, phantasielos, verwerflich und kontraprodukiv, weil die Seuche eben nicht denkt, sondern Gesetzmäßigkeiten zufolge handelt und so immer wieder von den Peripherien her in die Mitte dringt. Dieses dumme, phantasielose, verwerfliche und kontraproduktive Denken und Handeln der Eliten und Entscheider in den Kategorien „Klasse“ und „Rasse“ hat auch damit zu tun, dass wir von Kind an in einer bestimmten Art des Denkens, Phantasierens trainiert werden, getrimmt auf Zweckrationalität und Effizienz. Das freie Fluten, das Mäandern in Grenzbereichen der Körper, der Sinne, der Räusche, der Phantasien ist in unserer Welt kein Lehrfach. Coaches, die Schamanen und Wanderprediger der Moderne, würden in ihren Seminaren predigen: „Wir müssen uns vom zweidimensionalen Denken lösen.“ Manchmal bedauere ich, dass es mir vor Jahren an Zynismus mangelte, ein Jobangebot als Unternehmensberater anzunehmen.
Wir bewegen uns hier auch in den volatilen Bereichen von Moral und Ethik. Wie schnell sich derartige normative Vorstellungen wandeln, also offensichtlich keine in Stein gemeißelten Ewigkeitskategorien sind, zeigt die Diskussion um die Impfpflicht. Vor wenigen Monaten noch von den hochdotieren Philosophie-Hofschranzen unseres Gemein(!)wesens als ethisch unter allen Umständen verwerfliches Teufelszeug gegeißelt, wg. massiver Verletzung der körperlichen Unversehrtheit, Eingriff in die Privatsphäre, etc. blabla, ist der Chor der alten Ethikphrasendrescher auf einmal unisono der Meinung, dass unter besonderen Umständen, im gesellschaftlichen Grenzbereich eine Impfpflicht nicht nur ethisch vertretbar, sondern geboten sei. Was mich mehr stört als dieser ethisch minderwertige Kompass der Hofschranzen, der sein Mäntelchen jederzeit in den bezahlten Wind hängt, ist die intellektuelle Dürftigkeit solcher Diskurse, die ja auch unter dem von mir oben beschriebenen Mangel leidet.
Ein schönes weiteres Beispiel ist die aktuelle Diskussion um die Triage. Vorherrschender Mainstream von Ethikrat etc. pp.: Alle Menschen sind bei Gleichwertigkeit der Heilungsaussicht auf der Intensiv kategorisch und unter allen Umständen gleich zu behandeln, auch Raucher, Trinker, Drogensüchtige, Motorradfahrer, also auch Ungeimpfte. Keine Bevorzugung von Geimpften gegenüber jenen, so verwerflich deren Handeln auch sein mag.
Ich bin selbstverständlich dafür, Ungeimpfte auf die Warteliste der Triage ganz nach hinten zu setzen. (Und sie natürlich auch die kompletten Kosten ihrer Behandlungen zahlen zu lassen). Ungeimpfte leugnen selbst im schweren Corona-Erkrankungsfall in signifikanter Anzahl die Existenz des Virus und sagen damit ganz klar, dass sie weiterhin keine Seuchenvorsorge treffen werden, sich nicht impfen lassen. Damit gefährden sie durch selbstverantwortetes Handeln ihre Gesundheit, die perspektivischen Heilungsaussichten und das lässt sie durchaus ethisch begründbar auf der Triage-Liste nach hinten rutschen

02.12.2021 – Scherben bringen Glück?


Die „Scherben“, aber ohne Rio Reiser. Scherben bringen Glück? Hoffen wir’s mal. Bei aller Freude darüber, dass sich das UJZ Korn 50 Jahre relativ unabhängig gehalten hat, halte ich ein Konzert selbst unter 2 G plus in der jetzigen Situation für asozial. Auch wenn an 90 Prozent aller Infektionen Ungeimpfte beteiligt sind, gibt es natürlich auch Infektionen von Geimpft zu Geimpft und einige der von revolutionärer Nostalgie getriebenen („Weißt du noch damals, wie die Bullen die Arndt geräumt haben, die Wasserwerfer und die Schäferhunde …“ ? ) Besucher*innen dürften angesichts ihres Alters zur Risikogruppe gehören. Heute, nach 50 Jahren, wird die „Korn“ von Staatsknete gefördert, ihre Unabhängigkeit ist auf Grund einer seit vielen Jahren rotgrün geprägten, relativ liberalen Stadtgesellschaft weitgehend gewährleistet und Mitveranstalter ist der gewerkschaftliche Bildungsträger „Arbeit & Leben“. Bei dem in meiner Alterskohorte fast alle Lehramtskandidaten mal gearbeitet haben, wegen Lehrerinnenschwemme. Auch ich hatte das zweifelhafte Vergnügen und würde, hätte ich was zu sagen, diesen Augiasstall mit eisernem Besen auskehren. Ich hab aber nix zu sagen und das ist auch gut so.
Natürlich ist so eine Veranstaltung vom Ansatz her eine feine Sache, geht es hier doch um das Prinzip „Hausbesetzungen“, ein illegales, aber legitimes Mittel zur Bekämpfung von Wohnungsnot. Hausbesetzungen rufen sofort den geballten Einsatz aller Mittel von Staat und Gesellschaft hervor: Die Medien geifern, der Bürgermob ruft nach Lynch und der Repressionsapparat, vulgo „die Bullen“, geht mit maximaler Brutalität zur Räumungssache. Es geht hier um das Allerheiligste, die Monstranz des Kapitalismus: Das EIGENTUM. In Sachsen (Mauer wieder hoch, drei Meter drauf und Schießbefehl nach Osten) bedrohen tausende von Impfverweigernazis seit Tagen auf illegalen Demos das Leben der Anderen und die Polizei steht daneben und streut Blumen. Wenn da drüben in der Ostzone Linke ein Haus besetzen würden, würden Hundertschaften berittener Polizei eine Knüppelorgie anrichten, es flösse Blut, innerhalb von Stunden. Soviel zu den Maßverhältnissen unserer Gesellschaft.
Wer da damals vor 50 Jahren dabei war bei Hausbesetzungen etc., hat jenseits aller rührseligen Nostalgie tatsächlich was von Relevanz erlebt und zu erzählen, jenseits der öden Saufkneipen-Aufreißen-Tramp-Geschichten. Und wenn das damals Erlebte dazu beiträgt, neue Formen lebendigen autonomen Widerstands und radikaler Politikformen zu finden, notwendiger denn je, ist das ne feine Sache. Ganz im Sinne der Hegelschen Dialektik des dreifachen „Aufhebens“ vom Aufbewahren, Aufheben in eine höhere Stufe und Aufheben der Widersprüche.
So wie wir es damals gelernt haben, in Politologie-Seminaren über die Klassiker.
Venceremos. No pasaran!

30.11.2021 –Für die Wiedereinführung des Prangers.


Am Pranger

Immerhin bis 1840.
Wiedereinführung des Prangers für Impfverweigernde 2021? Ich bin dafür und werde heute eine Initiative Pro-Pranger bei Open-Petition starten. Strafe und Tat müssen in einem direkten Zusammenhang stehen, nur dann entfalten Reue und Einsicht maximale Wirkung. Unser heutiges System von Überwachen, Kontrolle und Strafe ist viel zu abstrakt. Beim „Zu-schnell-fahren“ z. B. werden wir geblitzt, dann erfolgt ein abstraktes Schreiben, eine bargeldlose Überweisung, nichts davon ist real, sinnlich erfahrbar. Würde dem Missetäter hingegen ein Reifen zerstochen und er müsste zwei Stunden an den Pranger, würde das die Wiederholungsrate sicher reduzieren. Ich persönlich bin für „Karre in die Schrottpresse“ bei 10 km zu schnell, bei 20 km Halter hinterher, aber wir fangen erstmal mit Pranger an. Niemand soll sagen, ich wäre nicht kompromissbereit.
Falls Sie, liebe warmherzige Leserinnen, jetzt einwenden, das sei aber ein barbarischer Rückfall ins Mittelalter, antworte ich 1. Klar. Wenn’s wirkt, warum nicht. Seuche ist ja auch Mittelalter. Und 2. bitte ich Sie zu bedenken: Wie traumatisierend sind jahrelange Prozesse, bei denen Angeklagte durch kafkaeske Justizmühlen geschrotet werden…? Und 3. bin ich mit meinen exotischen Vorschlägen in guter zivilgesellschaftlicher Tradition, hatte doch im deutschen Herbst der Mogadischu-Entführung 1977 der damalige Bayern-MP Franz-Josef Strauß vorgeschlagen, einsitzende RAF-Häftlinge als Geiseln standrechtlich erschießen zu lassen, der damalige Generalbundesanwalt stieß ins gleiche Horn und der Thomas Mann-Sohn und Uni-Prof Golo umkleisterte mit philosophisch gesetzten Worten diese Finallösungen in der „Welt“. Ok, nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Aber halten wir fest: Der Lack der Zivilisation war hauchdünn und hat weiter abgenommen. Die Barbarei ist aus den Köpfen jener Elite von damals, die noch Nazisozialisiert war, millionenfach in der Praxis der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Das Einzige, was mich von der Umsetzung meiner Pro-Pranger Petition abhält, ist die Vorstellung, dass Tausende dem zustimmen würden und ich in die Geschichtsbücher eingehen würde, durchaus wohlwollend, als Seuchen-Ayatollah oder Corona-Taliban.
Aber schön war’s doch in Duderstadt. Und manchmal reicht es ja auch aus, die Werkzeuge nur zu zeigen:
Nun, liebe Impfverweigernde, gebt gut acht,
die Corona-Inquisition hat Euch etwas mitgebracht ….

29.11.2021 – Eskapismus


Geil. Trägt seinen Namen zu Recht. Feiner Stoff. Auch eine Art Fluchtmittel aus der schnöden Realität, siehe auch Drogen, Religion, Medien etc. pp. Die Liste ist lang, die aktuelle Wirklichkeit ist finster und das ist noch das Beste, was man von ihr sagen kann. Eskapismus wird allgemein als Flucht aus der Realität bezeichnet und negativ konnotiert, vor allem von Geisteswissenschaftlerinnen, die wir im Moment so nötig gebrauchen wie einen Pickel am na ja, was ich eigentlich sagen wollte: Es handelt sich beim Eskapismus erstmal nur um eine Anpassungs-Strategie zum Überleben in finsteren Zeiten.
Ich hatte gestern eine meiner kleinen Fluchten vorgestellt, das harmlose Ausweichen in imaginäre, virtuelle Urlaubswelten via Internet. Sicher gesünder als sich ne Pulle Geil im Kopp zu kloppen. Wesentlich ungesünder für uns und zweckrational im höchsten Grade ist Eskapismus bei Viren, präziser: der Immun-escape, den Viren dann beschreiten, wenn der Realitätsdruck in ihrem Wirt, die Abwehr durch Antikörper zu groß wird, also z. B. wenn ein Impfstoff erfolgreich war. Dann spielt mitunter eine Virusvariante einen genialen Pass in die Tiefe, um ausnahmsweise bei der verhassten Fußball-Sprache zu bleiben, und hebelt die gesamte Abwehr aus. Der Artikel über dieses Prinzip anhand konkreter Beispiele ist übrigens vom März 2021 und sagt nüchtern (sic!), dass wir noch mindestens anderthalb Jahre Lockdowns brauchen.
Wir wissen nicht, ob Omikron diesen genialen Pass gespielt hat. Wir wissen nicht, ob wir (na ja, ich nicht, ich schreib bloß Zeug) dann die mRNA Impfstoffe Biontech und Moderna anpassen können und wie lange das dauert. Das Einzige, was wir wissen, ist die Tatsache, dass Biontech und Moderna-Aktien in der letzten Woche an der Börse um 30 Prozent zugelegt haben. Das macht Hoffnung. Zumindest für Aktienbesitzer und Unternehmenseigentümerinnen.
Viren können zwar nicht denken, sind aber teuflisch schlau. Oder besser: tödlich schlau, denn das Tribut „teuflisch“ anthropomorphisiert sie, unterstellt ihnen gesellschaftliche Attributfähigkeit, die sie nicht besitzen. Und weil sie so gnadenlos oder besser: logisch ihren Weg entwickeln, können wir nicht ausschließen, dass sie einen Weg finden, um uns über Jahre in Dauerlockdowns zu zwingen, weil sie beim Hase-Igel-Wettlauf zwischen Impfstoffanpassung und Immun-escape der Igel sind, der immer gewinnt. Wenn nicht irgendwann die Herdenimmunität gewinnt. Wo die allerdings angesichts der zig-Millionen Vollidioten in Deutschland herkommen soll, ist schleierhaft.
Vielleicht befördert die Impfstoff-Anpassung sogar die Fähigkeit zum Immun-escape, weil die Viren ständig und schneller sich gegen Abwehrdruck weiter entwickeln müssen (Kann allerdings sein, dass diese Vorstellung virologischer und epidemiologischer Unsinn ist. Ich bin blutiger Laie, der nur versucht, für sich die Morgen-Lage auf den Punkt zu bringen.)
Das wissen wir alles nicht. Wir wissen auch nicht, ob wir vielleicht nächstes Jahr operiert werden müssen. Deshalb haben die meisten von uns eine Krankenversicherung. Wir können übermorgen jemanden über den Haufen fahren, uns kann die Hütte abbrennen, wir werden arbeitslos, das Rad wird geklaut, das alles wissen wir nicht. Dafür haben wir Versicherungen, wir treffen Vorsorge (mehr oder weniger).
Wir wissen nicht, was ein möglicher Immun-escape bringt. Ganz zu schweigen von der nächsten Seuche. Welche Vorsorge treffen wir dafür?
Einen heiteren, entspannten und fröhlichen Start in die Woche wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen.

28.11.2021 – Das Omikron – Sie wollten nur wandern und wurden zu Wurst!


Fluchtpunkt Google Maps. Wer’s nicht kennt: Das gelbe Männeken im Kartenausschnitt hat den Ausblick oben im Foto. Es kann sich auf Maps um 360 Grad drehen und auf allen blaumarkierten Wegen wandern. Wandern ohne Google Maps ist vermutlich möglich, aber ich setze ja auch nicht mit einer Galeere nach Korfu über. Und in diesen trüben Zeiten ist das Nachwandern selbst gemachter Wanderungen via Maps Eskapismus-Notwehr. Mit Risiken und Nebenwirkungen. Ertappe ich mich doch nach ein paar Hundert virtuellen Metern nicht nur bei dem sehnsuchtsvollen Seufzer „Da jetzt sitzen und schwitzen … “, sondern beim Flüge-Check, wie komme ich ohne sechsmal Umsteigen in den nächsten Tagen da hin. Bevor Omikron…
Omikron, hört sich an wie der Titel und die Ankündigung eines Horrorschockers: Das Omikron – Sie wollten nur wandern und wurden zu Wurst!
Ich habe in diesem Blog mal spekuliert, dass mögliche Corona-Virus-Varianten eine Letalität wie das HI-Virus entwickeln könnten (fast 100 %), habe das aber später korrigiert, weil ein Virus eher nicht das Bestreben hat, seine Wirtsleute auszurotten. Jetzt muss ich zur Kenntnis nehmen, dass der notorische Porno-Balken-Träger Frank-Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärztebundes, befürchtet: „Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola“ (da legen immerhin 50 % die Löffel weg). Nun ist Montgomery nicht das hellste Licht im Kronleuchter der Ärzteschaft und hat sich u. a. mit einer Geringschätzung von Maskentragen schon blamiert, aber in Verbindung mit der Tatsache, dass Israel trotz vorbildlichem Boostern jetzt eventuell in die 5. Welle läuft und die vierte Impfung plant, hat’s mir da doch die Laune leicht getrübt und ich griff vor der Zeit zu einem 12 Jahre alten Jamaica-Rum. Wer von den Älteren hätte ihn nicht im Ohr, den Song der Goombay-Dance-Band „Rum of Jamaica“. Imperialismuskritisch gesehen ein postkoloniales Schwerverbrechen, Grauen-getoppt nur durch die Frisur des Intonierenden. Sänger würd ich den nicht nennen.
Toilettenlektüre. HAZ vom 27.11. Papier und seine Knappheit ist zurzeit in aller Munde, so auch in der HAZ. Artikel über „Papier“, Zitat: „Jeder hat heute immer noch ein oder zweimal am Tag Papier in der Hand, und ich glaube auch noch, dass es noch eine Zeitlang so bleiben wird.“ Das liegt auf der Hand, fürwahr. Oder soll ich dafür ein Sandstrahlgebläse nehmen?
Noch habe ich die HAZ-Lektüre vor mir, gleich werde ich sie hinter mir haben.
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25.11.21 – Herrentorte. Gegendert wird später.


Weizen, Zucker, Sahne. Ungesund. Aber geil. Seelennahrung in trüben Tagen vom besten Konditor der Welt. Wenn ich die Gazetten aufschlage, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Bei der hiesigen HAZ läuft das meist auf Lachen hinaus: die hat jetzt die Genderdebatte für sich entdeckt. Was bedeutet, ich hätte mich über dieses Thema schon vor fünf Jahren nicht mehr auslassen dürfen. Zeitlich auch nur in die Nähe dieser Biedermeier-Postille gerückt zu sein, ist mir peinlich. Zumal diese Debatte um einen Nebenwiderspruch die wahren Skandale der Geschlechterdiskussion vernebelt: Wachsende Gewalt gegen Frauen, die Gender-Pay-Gap, Unvereinbarkeit von Familie und Beruf usw. usf. Natürlich werden diese Skandale dadurch befördert, dass Frauen nach wie vor selbst auf der Sprachebene oft nicht sichtbar sind. Aber das sind doch nicht die Hauptwidersprüche. Die finden im Leben statt. Auf der Straße, im Betrieb, im Bett. Natürlich ist es im 21. Jahrhundert grotesk, von Künstlerinnen Mails zu bekommen mit der Adressierung: „Liebe Freunde der Kunst … “. Aber das ist dann eben lächerlich, außerhalb eines Diskurses, der mich interessiert, auf den ich bereit bin, mich einzulassen. Wir schnallen ja 2021 auch den Gurt an im Auto, rauchen in Restaurants nicht mehr und sprechen Unverheiratete nicht mehr mit Fräulein an. Irgendwann ist gut mit diskutieren, dann wird entschieden. Also nie wieder hier ein Wort zum Gendern. Zu Fußball. Zur SPD.
Von Anfang gegen diskutieren war ich, was Impfverweigerer und Verschwörungsideologen angeht. Was für eine praxisabgehobene Irrsinnsidee von Politik und Teilen der Gesellschaft bis weit in die Pandemie hinein, mit solchen Leuten reden zu wollen, den Vernunftbasierten Diskurs zu suchen auf Basis von wissenschaftlicher Erkenntnis. Diese Diskussion lief nach dem Muster AfD, da waren überforderte Politikerinnen ja auch der famosen Ansicht, sie könnten mit solchen Leuten diskutieren, sie überzeugen. Auf solche Ideen kann nur kommen, wer sich sein Leben lang ausschliesslich auf Parteitagen rumtreibt, Fachtagen, Verbandstreffen, Lehrerkonferenzen etc. pp., wo alle sich dauernd ein weichgespültes Konsensgeschwurbel um die Ohren wedeln. Ich weiß, wovon ich rede. Phrasen wie „Ich finde das sehr wichtig und hochspannend, was Sie da gerade sagen“ gehen mir bei Veranstaltungen leichter als der Atem vom Mund.
Und jetzt kommt „die Politik“ (die es in der Reinform natürlich nicht gibt) mit Ansagen in Richtung Impfverweigernde um die Ecke, nachdem die Karawane sich endlich – und viel zu spät – in Richtung Impfpflicht bewegt: „Impfpflicht bedeutet aber nicht Impfzwang. Keine böse Polizei, nur Ordnungsgeld“. Das ist aus meiner Sicht rechtlich ein Widerspruch in sich, heißt es doch in § 43 StGB: „An die Stelle einer uneinbringlichen Geldstrafe (vulgo Ordnungsgeld, d. A.) tritt Freiheitsstrafe. ….“
Das ist keine Kann-Bestimmung.
Wenn der Rechtsstaat hier kneift, ist das eine Aufforderung an die Durchgeknallten dieser Erde, sich noch mehr als bisher als Märtyrer zu stilisieren.
Zur Pflicht gehört in letzter Konsequenz der Zwang, das heisst die Ausübung des staatlichen Gewaltmonopols. Mit allen Konsequenzen bis in die bürgerliche Existenz hinein, Knast, Jobverlust, das volle Programm. Diese Pandemie ist keine Grippe und Impfverweigernde bedrohen vorsätzlich zehntausendfach das Leben der Anderen.
Wenn Sie mich fragen: Solche Leute kasernieren, umerziehen und mit Drogen vollpumpen. Jeden Morgen einen dicken Zwangsjoint.
Aber mich fragt ja keine.
Göttinseidank.
In einem Staat, in dem ich das Sagen hätte, möchte ich nicht leben.

21.11.2021 – Welches Lied von Udo Jürgens ist hier im Foto visualisiert?


Die Lösung gibt es am Ende dieses Eintrags. Hinweis: Es ist nicht „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“.
Bewusste politische Willensbildung spielt sich in mehreren Sphären ab, die sich überlagern können: Beispiel Theorie. Lesen. Dürfte an Tiefenwirkung den schwächsten Einfluss haben. Wenn ich an die ganzen linken Buchhandlungen früherer Jahre denke und was da an Bewusstsein oder gar politischer Praxis von übriggeblieben ist, bleibt das Fazit: Lesen wird überschätzt. Oder um es mit dem Altmeister zu sagen: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“.
Der Vers, den Mephistopheles in Fausts Studierstube zu einem Schüler spricht, geht wie folgt weiter: „ … und grün des Lebens goldner Baum“. Also Leben. Praxis. Heißt in unserem Fall politischer Willensbildung: Organisation in Parteien und Verbänden. Eine außerordentlich mühselige, ritualisierte Form der Willensbildung, aber unbedingt nachhaltig. Wer sich das mal angetan hat, so wie ich in Gewerkschaften, vergisst das nie wieder, erwirbt eine geradezu stalinistische Zweikampfhärte in Konflikten und weiß trotz aller Widrigkeiten um die Notwendigkeit von solcher Form der Organisation und Willensbildung. Wer in der Studierstube sitzt oder sich mit Wattebällchen bewirft, verändert gesellschaftlich nichts.
Je mehr das Parteien-Modell und die Mitgliedschaft in Verbänden wie Gewerkschaften ausstirbt, desto schmerzlicher wird diese Lücke, wie ein einziger Blick in das derzeit vorherrschende gesellschaftliche Bewusstsein beweist, das von wachsender faschistoider Paranoia, erbarmungslosem Egoismus und grenzenloser Empathielosigkeit geprägt ist. Ein gleichwertiger Ersatz für das absterbende Modell ist nicht in Sicht und das führt uns zur dritten Sphäre der bewussten politischen Willensbildung: Basisorganisationen, Selbstorganisation.
Bürgerinitiativen, NGOs, Kampagnenorientierungen wie Fridays for future. Feine Sache, mache ich seit Jahrzehnten, weil es meinem Theoriemodell von Staat und Gesellschaft und meinem Anspruch an politische Praxis in Verbindung mit mir notwendigen hedonistischen Momenten am nächsten kommt. Aaber: dieser Sphäre fehlt es an Zähigkeit, kollektiver Durchsetzungsfähigkeit und sie droht zu einem – unterschätzten – Kollateralschaden der aktuellen Seuchensituation zu werden. Aus mindestens zwei Gründen:
Ihre lose Organisationsform droht durch mangelnde lebendige Präsenzkontakte auszutrocknen. Zoom ist kein Ersatz für den goldenen Baum des Lebens. Da droht etwas abzusterben. Sehen wir ja auch an Kulturveranstaltungen. Geht doch auch ohne. Gerade für Ältere. Zwei ausgefallene Konzerte in letzter Zeit für mich – schade, aber kein Drama. Geht doch auch ohne. Ich hoffe, ich täusche mich in dieser dystopischen Sicht, aber Verluste werden bleiben.
Viel schlimmer aber finde ich die Spaltung durch Einstellungen zu Corona, hie die Vernunftbegabten, da die Verschwörungsideologen und Relativierer, bis weit in linke Kreise, siehe Wagenknecht. Das zerreißt ganze Basisorganisationen, wie ich in der eigenen Praxis gerade erfahre. Wo auf einmal ehedem vernunftbegabte, sympathische Menschen mit der Vorstellung um die Ecke kommen, der Staat würde Masken als Nazi-Unterdrückungsinstrument einsetzen, um die Bürger*innen zu Untertanen zu degradieren, Motto: Die Maske ist der Geßler Hut des 21. Jahrhunderts. Da ist jede Diskussion sinnlos und das zerlegt in der praktischen Hygienearbeit jede Gruppe.
Auf die Untersuchungen zur langfristigen Auswirkung der Pandemie auf Basisorientierte Selbstorganisationsformen bin ich gespannt. Was bleibt da übrig, wenn sich der Kanonendonner der Seuche gelegt hat?
Ach ja. Das Lied im Foto oben. Es handelt sich um „Immer wieder geht die Tonne auf.“

19.11.2021 – Der Himmel so grau


Himmel über mir. Wär er unter mir, hätten ich und der Globus auch Probleme ..
Fakt ist, dass das Firmament seit Tagen in einem Grau vor sich hin döst, dass man immerzu schlafen möchte, schlafen. Oder ob‘s doch edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden? Eher letzteres. Mitunter ist ja die Realität so graulich verzerrt, dass man immerzu lachen möchte, lachen. Fast scheint es so, als ob der Sauerstoff der Realität, den man einsaugt, Lachgas sei. Wie soll ich denn sonst reagieren auf Meldungen wie diese aus Österreich vom 18.11:
„Um kurz vor 16 Uhr macht Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer eine der denkwürdigsten Kehrtwenden offiziell. Nur acht Tage zuvor hatte er noch in Stammtisch-Manier über Mediziner gespottet, die angesichts rasant steigender Infektionszahlen einen Lockdown forderten: Virologen wollten am liebsten, »ich übertreibe jetzt ein bisschen«, jeden Österreicher in ein »Zimmer sperren«. Nun, da die Vorhersage der Virologen sich bewahrheitet hatte und die Pandemie in seinem Bundesland mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 1740 so brutal wie nirgendwo sonst in Österreich grassiert, zieht Haslauer die Notbremse: Er verkündet einen »harten Lockdown« für Salzburg und das benachbarte Oberösterreich gleich mit. Selbst in den Schulen soll es nur Notbetreuung geben. Er hoffe darauf, dass es »noch vor Weihnachten« ein Lockdown-Ende gebe, sagt der Regierungschef.“
Kapitalismus. Macht. Gier.
So heißt das Spiel mit dem Tod, das in Salzburg und nicht nur da, gegeben wurde. Dagegen ist der Jedermann ein Kasperltheater. Von den Zehntausenden, die sich da in Österreich allein in den letzten acht Tagen infiziert haben, landen Hunderte in den Intensivstationen, von denen ca. ein Drittel sterben wird. Fröhliche Weihnachten, Herr Hasslauer. Andere notwendige OPs unterbleiben. In Österreich werden erste Triage-Teams zusammengestellt.
What’s left? Die Erwähnung, dass nur die Übernachtungsgäste aus dem Ausland in einer durchschnittlichen Wintersaison zehn Milliarden Euro im Land lassen. Und dass ein Streichquartett in einer Wiener Fußgängerzone bei einer Party zur Feier der Weihnachtssaison in der letzten Woche (!) eines des zauberhaftesten Mozart-Duette spielte: »Reich mir die Hand, mein Leben«.
Mir kamen die Tränen beim Hören. War es ob des unvergleichlichen Schmelzes von Mozarts Musik, einzig auf der Welt? Oder waren es die des Lachens ob dieser österreichischen Inszenierung?

15.11.2021 – Die Toleranz hört da auf, wo der Unsinn lebensgefährlich oder zum Verbrechen wird


Corona-Übersterblichkeit 2020/21 (in rot) im Vergleich zu Vorjahren (in grau). Zitiert nach Statistischem Bundesamt, das Zitierungen ausdrücklich erlaubt, mit Quellenangabe. Sie können das also in der Form verwenden. Die roten Kurven wären noch mehr als doppelt so steil ab Wirksamkeit Impfungen, gäbe es keine Vakzine. Ungeimpfte stecken sich dreimal so häufig an. Außerdem sind 90 Prozent aller Intensivfälle Ungeimpfte. Gäbe es keine Hygieneregeln, Lockdowns und gesteigertes Risikobewusstsein in breiten Teilen der Bevölkerung, würden wir die Toten in Säcken in Massengräbern verscharren. Soviel zu dem Irrsinnsgeschwafel von Querspinnern und Impfverweigernden, die behaupten Corona sei so eine Art Grippe.
Insofern schließe ich mich nicht nur dem Singapur-Modell an, nachdem Ungeimpfte Kosten für ihre Behandlung selbst übernehmen müssen, sondern fordere darüber hinaus strafrechtliche Sanktionen mit nachfolgender zivilrechtlicher Haftbarmachung für nachweisbare Konsequenzen, die sich aus pandemierelevantem Handeln von Ungeimpften ergeben. Auch als Standard für die nächsten Seuchen, die sicherer kommen werden als das Amen in der Kirche.
Ich sollte sprachlich abrüsten, wir wollen ja das gesellschaftliche Klima nicht noch mehr vergiften. Ich nenne also die Querspinner, Idioten und Bekloppten nicht mehr so, sondern intellektuell und ethisch Andersbegabte, bin aber nicht der Meinung, dass der Schwachsinn, den Hohlköpfe wie Wagenknecht oder Precht verbraten, als gleichberechtigte Meinung im Diskurs akzeptiert werden muss. Wir akzeptieren ja auch nicht im Rahmen einer ernstgemeinten Podiumsdiskussion über den Klimawandel jemanden, der behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Oder in einer über gesellschaftliche Teilhabe jemanden, der faschistische Ansichten vertritt.
Es ist eben nicht alles gleichberechtigt, die Toleranz hört da auf, wo der Unsinn lebensgefährlich oder zum Verbrechen wird. Konsens in unserer Gesellschaft ist der Standard der vorherrschenden wissenschaftlichen Erkenntnis, er ist die Grundlage für weitere Erkenntnisse. Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade, auf irgendwas muss man sich irgendwann mal einigen. Wenn also jemand behauptet, die Langzeitkonsequenzen von Impfungen lägen noch im Dunkeln und wir wüssten noch nicht genug über Impfstoffe, um das Risiko einzugehen etc. pp. und was dergleichen Pseudoargumente mehr sind, dann ist das keine gleichberechtigte Meinung, sondern lebensgefährlicher Unsinn.
Insofern freue ich mich, dass ich der Erste sein darf, der hier und heute öffentlich das Verbot jener Partei fordert, die ein Sammelbecken für solcherlei staatszersetzende Ideenträger ist: Die FDP. Ach ja, und Berufsverbot für den Obervirologen Precht sowie Redeverbot für Wagenknecht. Kimmich erwähne ich hier nicht, der Fußball und seine Spießgesellen sind schon lange nicht mehr satisfaktionsfähig.